Hiobsbotschaft für die Elfenbeinküste: Didier Drogba fällt aus

Kürzlich streifte ich hier den Werbespot mit Nike. Einer der Akteure im jetzt schon legendären Kurzfilm war Didier Drogba aus der Elfenbeinküste. Ich schrieb:

,,Der für mich emotionalste Spieler Afrikas, Didier Drogba, ist dabei, Wayne Rooney mit Bart und Unterhemd in der Tür des alten Wohnwagens verdutzt dreinschauend, oder der kurzzeitig flackernde Fernseher in einer bescheidenen Hütte sind großartige Momente einer gut inszenierten Fußballgeschichte. Ganz großes Kino. Steven Spielberg hätte es nicht besser in Szene setzen können.“ 

Didier Drogba fällt für die WM in Südafrika aus. Der charismatische Torjäger zog sich im Testspiel gegen Japan einen Bruch des rechten Ellenbogens zu. Das ist ganz bitter. Hier ein paar Sequenzen aus seiner bisherigen Laufbahn:

Sportinsider Interview mit Marc Hankmann

Für meine sehr geschätzten Leser habe ich ein Interview mit dem Journalisten Marc Hankmann geführt. Er äußert sich über die Sportberichterstattung, sagt warum er es richtig findet, dass die Fußball WM in Südafrika stattfindet. Marc Hankmann ist sehr sportinteressiert und verrät welches Bild von welchem Weltmeister er im Büro hängen hat und schildert seinen idealen Sporttag. Er betreibt auch einen eigenen Hankmann  Blog.

sportinsider: Marc, Du bist seit Kindesbeinen sehr sportinteressiert. Wie siehst Du die momentane Entwicklung des Leistungssports zwischen Mediendruck und den wirtschaftlichen Erwartungen der Wirtschaft?

Marc Hankmann: Ich glaube, der eigentliche Grund, warum Sport getrieben wird, ganz gleich ob Breiten- oder Hochleistungssport, bleibt mehr und mehr auf der Strecke. Er wird quasi zwischen Mediendruck und wirtschaftlich-politischen Interessen zermalmt. Sport verkommt zur Show.
Warum läuft jemand gegen andere die 100-m-Strecke? Weil er wissen will, wer der Schnellste ist. Er will sich mit anderen Läufern messen. Welchen Sinn macht es da zu betrügen? So erfahre ich ja nicht, ob ich wirklich der Schnellste bin. Externe Einflüsse zerstören den Sport. Sportler dopen, um Reichtum und Ansehen zu erlangen, Funktionäre verwandeln Sportarten in telegene Events. Das Beste an einer Fußball-WM ist immer noch das Fußballspiel und nicht die Eröffnungsfeier, die Interviews oder die TV-Stammtische.

sportinsider:  Wie beurteilst Du die Monokultur der Sportberichterstattung in der Sportschau der ARD? Unter dem Druck der Quote und anderen monetären Erwägungen (Werbung) kommen die Öffentlich-Rechtlichen Ihrem Auftrag einer vielfältigen und in die Breite gehenden Berichterstattung ja nicht richtig nach. Viele Sportarten finden gar nicht statt. Unterklassiger Fußball der 3. Liga wird jedoch gezeigt.

Marc Hankmann: Die Argumentation der ARD ist, dass in den Dritten immer noch jede Menge Sport abseits vom Fußball gezeigt wird. Selbst im Programm des Ersten läuft ja nahezu jeden Samstag eine Live-Sportberichterstattung über mehrere Stunden. Zum Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen gehört auch, über das zu berichten, was die Massen interessiert. Ganz allgemein meine ich aber, dass die Öffentlich-Rechtlichen dem Quotendruck zu sehr nachgeben und mutiger in ihrer Programmauswahl sein sollten.
Die Sportschau trägt ihren Namen zu unrecht. Es ist eine Fußballschau, vielleicht sogar eine Fußball-Show. Im Ersten fehlt eine Sportsendung, die wirklich umfassend über Sport berichtet. Das ZDF hat so etwas mit der Sport Reportage. Dabei stellt sich allerdings auch die Frage, ob wirwirklich zwei solcher öffentlich-rechtlicher Formate benötigen.

sportinsider: Wo und wie intensiv informierst Du Dich über die sportlichen Ereignisse und seine Hintergründe und Begleiterscheinungen?

Marc Hankmann: Ich muss zugeben, dass ich mich morgens bei der Zeitungslektüre am längsten mit dem Sportteil auseinandersetze. Da ich als Journalist viel unterwegs bin, kaufe ich mir gerne die Süddeutsche oder die FAZ und informiere mich so über Hintergründe aus der Welt des Sports. Seitdem ich unter hankmann.wordpress.com blogge, durchstöbere ich natürlich auch die Blogs der Kollegen. Absolut klasse finde ich die TV-Sendung „Sport inside“. Die kann ich wirklich nur empfehlen.

sportinsider: Du hast in Deinem Blog über das geplante Comeback von Michael Schumacher geschrieben. Ist die Sehnsucht der Medien nach deutschen Sporthelden nicht auch ein Ausdruck der Erwartungen und Träume des Sportpublikums?

Marc Hankmann: Ich glaube eher, dass die Rückkehr Schumachers die Sehnsüchte der Formel-1-Granden und die der übertragenden Sender wie Sky und RTL erfüllt. Die nächste Generation an deutschen Sporthelden hat sich ja in der Formel 1 bereits mit Vettel und Rosberg angekündigt. Anscheinend brauchen die jungen Fahrer aber zu lange, um die knirschende Maschinerie der Formel 1 wieder in Gang zu bringen.
Natürlich will das Publikum auch seine Helden sehen. Der Sport ist hierfür ideal, insbesondere durch die mediale Verwertung. Allerdings sollten die Medien nicht nur dem hinterher hecheln, von dem sie glauben, dass es das Publikum sehen will. Meiner Meinung nach müssen die Medien auch aufklären. Doch gerade wenn es um Goldmedaillen und Weltmeistertitel geht, wird zu oft lieber verklärt.

sportinsider: Dieses Jahr steht die Fußball WM an. Nach den Ereignissen um den Afrika Cup steht die Veranstaltung in Südafrika stärker im Fokus der Zweifelnden und Bedenkenträger. Der Vorverkauf der Tickets läuft schleppend. Thomas Kistner schrieb in der Süddeutschen Zeitung vom Festival der Freikarten. War es richtig die WM nach Südafrika zu geben?

Marc Hankmann: Ja, auf jeden Fall. Es bestehen zu viele Vorurteile gegenüber dem Kontinent Afrika. Es ist eben ein Kontinent und kein einheitliches Land. 
1992 tobte auf dem Balkan der Krieg, im 2.000 km entfernten Schweden fand aber dennoch gleichzeitig die Fußball-EM statt. Es machte sich keiner Sorgen um die Sicherheit. Im Januar wird in Angola ein Anschlag auf die togolesische Nationalmannschaft verübt und die 2.000 km entfernte WM wird in Frage gestellt.
Die Stadien sind bereits jetzt fertig, übrigens eher als die Arenen zur WM 1990 in Italien fertig gestellt waren, die Infrastruktur steht, Südafrika wird während der WM in einen Überwachungsstaat verwandelt.
Meine Gründe nicht zur WM zu fahren sind die hohen Hotelpreise, nicht aber Sicherheitsbedenken.
Zugegeben, der Vorverkauf der Karten läuft schleppend. Aber man darf das nicht mit der Euphorie von 2006 vergleichen. Auch für die WM in Japan und Südkorea wurden nur wenige tausend Tickets verkauft. Ich hoffe, dass Südafrika die Chance nutzt und mit einigen Vorurteilen gegenüber dem Kontinent aufräumen kann.

sportinsider: Marc, wie sieht Deine ideale mediale Sportlandschaft aus?

Marc Hankmann: Schwere Frage. Ich wünsche mir mehr Hintergrundberichte. Der Kampf gegen Doping muss in den Medien mehr im Mittelpunkt stehen. In vielen Sportarten wurden die Trainer der DDR, die gedopt haben, mir nichts dir nichts von westdeutschen Sportverbänden übernommen, ohne groß nachzufragen, was der- oder diejenige eigentlich im staatlichen Sportregime der DDR getrieben hat. Funktionäre, die so fahrlässig handeln, müssen über die Medien den öffentlichen Druck spüren, die Missbilligung von uns Breitensportlern. Da ich selbst Fußball spiele und während meines Sportstudiums die Fußballtrainer-B-Lizenz erworben habe, wünsche ich mir mehr Fachkompetenz bei Interviews und Analysen. Es ist mehr als offensichtlich, dass auf die platten Fragen der Sportreporter die Plattitüden der Sportler folgen – dem Medientraining sei dank. Wenn jemand eine Flanke in den 16-m-Raum schlägt, brauche ich keinen Kommentator, der mir sagt, dass jetzt jemand eine Flanke in den 16-m-Raum schlägt.

sportinsider: Mit welchen Prominenten würdest Du gerne einmal sporteln gehen?

Marc Hankmann: Also unterhalten würde ich mich gerne mal mit Marco Materazzi. Jemand, der Zinedine Zidane dermaßen beleidigt, dass dieser mit dem Kopf zustößt, muss eine falsche Auffassung seines Sports haben. Das vermute ich übrigens auch bei Fußballern wie Maik Franz, die mit psychischen Spielchen ihr mangelndes Talent wettmachen wollen. Wie sehr sich Maik Franz in seiner Rolle als Bad Boy gefällt, zeigt schon seine Internetadresse: http://www.iron-maik.de. Über ihn habe ich auch in meinem Blog geschrieben.
Mir gefallen eigentlich Sportler, die natürlich rüberkommen wie zum Beispiel Georg Hackl, Kati Witt oder Paul Biedermann. Allerdings betreiben alle drei Sportarten, mit denen ich nichts am Hut habe.
Eiskunstlauf mit Kati Witt? Das wäre die Krönung aller Peinlichkeiten für mich und ein Grauen für jeden, der sich das angucken muss.

sportinsider: Hast Du ein sportliches Idol?

Marc Hankmann: Ich hatte mal das Glück, Horst Eckel persönlich zu treffen. Ein Bild von mir mit dem Weltmeister von 1954 hängt noch in meinem Büro. Ich fand es bewundernswert, wie er den Rummel um seine Person über sich ergehen ließ. Im Gegensatz zu manch anderen aus der 54er-Mannschaft ist Eckel mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Das gelang nicht alle während ihres Lebens nach 1954.
Aber eigentlich tue ich mich schwer mit Idolen. Kaum ein Sportler besitzt meines Erachtens die Souveränität, die nötig ist, um über all dem Blitzlichtgewitter, den Interviews, den Schmeicheleien und Kritiken zu stehen. Vielleicht ist das auch nur mein Eindruck. Am Mikrofon sind solche Sportler wahrscheinlich weniger zu sehen und zu hören.

sportinsider: Das für Dich bewegendste Ereignis der jüngeren Geschichte?

Marc Hankmann: Die Fußball-WM im eigenen Land. Das waren einfach vier sensationell tolle Wochen. So eine Euphorie und Freude habe ich selten erlebt. Ich glaube, wir Deutsche haben uns als gute Gastgeber erwiesen. Ich habe gehört, dass in einem amerikanischen Reiseführer zur WM gestanden haben soll, dass die Deutschen nicht gerne lachen. Das sollte nun aber wohl der letzte Reiseführer gewesen sein, in dem so ein Quatsch steht.

sportinsider: Welche Sportart würdest Du gerne besser können?

Marc Hankmann: (lachend) Natürlich Fußball. Immerhin versuche ich schon seit meinem achten Lebensjahr in diesem Sport besser zu werden. Aber im Ernst: Eigentlich bewundere ich Schwimmer und Turner, die aus meiner Sicht den am ehesten komplett austrainierten Körper besitzen, sowohl was Ausdauer als auch Kraft anbelangt. Wenn es bedeuten würde, dass ich einen solchen Körper besitzen würde, wenn ich eine Sportart besser könnte, würde ich mich für Schwimmen oder Turnen entscheiden. Unglücklicherweise haben ich zu beiden Sportarten absolut keinen Draht. in der Schule hat mich das 200-m-Warmschwimmen schon immer an die Grenzen meiner Kondition gebracht. Das Dreieck Reck, Schwerkraft und ich, in dem jede Motivation auf Nimmerwiedersehen verloren geht, ist ein Kapitel für sich.

sportinsider: Bei welchem sportlichen Großereignis wärst Du gerne als Zuschauer dabei gewesen?

Marc Hankmann: Ich wäre gerne bei der Handball-WM 2007 als Zuschauer bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gewesen. Da ich vom Handball nicht viel verstehe und für mich als Fußballer ein 2-Tore-Rückstand schon nahezu uneinholbar ist, bin ich bei den Krimis gegen Spanien und Frankreich vor dem Fernseher tausend Tode gestorben. Bei solchen Herzschlagspielen live dabei zu sein, muss nochmal ein viel größerer Kick sein.

sportinsider: Dein größtes Erfolgserlebnis im Sport?

Marc Hankmann: Wir sind im Jahr 2000 aus der Kreisliga A in die Bezirksliga aufgestiegen. Obwohl wir bis auf drei Unentschieden alle Spiele gewonnen hatten, entschied sich die Meisterschaft erst am drittletzten Spieltag, als wir den eigentlichen Meisterkandidaten 3:2 schlugen. Das eigentlich Tolle daran war aber, dass unser Verein das erste Mal seit 30 Jahren wieder in die Bezirksliga aufstieg und wir den Favoriten, der sich mit viel Geld etliche höherklassige Spieler gekauft hatte, hinter uns ließen. Unsere Truppe bestand aus Spielern, die in der eigenen Jugend groß wurden.

sportinsider: Welche Macke hast Du beim Sport?

Marc Hankmann: Ich habe eigentlich keine besonderen Rituale wie zum Beispiel erst den linken und dann den rechten Schuh anzuziehen oder sich die Sporttasche auf bestimme Art und Weise zu packen. Letzteres wäre bei mir aber sicherlich sinnvoll. Dann würde ich nicht so oft das Handtuch, die Socken oder sonst was vergessen.

sportinsider: Wie sieht der perfekte Sporttag aus?

Marc Hankmann: Morgens ausschlafen, reichhaltig frühstücken, dann in Ruhe die Zeitung lesen, anschließend Sport treiben, danach zu einem Fußballspiel gehen und abends die Zusammenfassung der Bundesliga im Fernsehen schauen. Ich glaube, so könnte ich es im Sommer aushalten. Im Winter würde ich Sport und Fußball durch Skifahren mit anschließendem Aprés Ski ersetzen.

sportinsider: Welche Sportart ist für Dich überflüssig?

Marc Hankmann: Über Eiskunstlauf, Schwimmen und Turnen habe ich mich ja schon ausgelassen, wenngleich ich diese Sportarten nicht für überflüssig halte. Mir erschließt sich allerdings das Gehen nicht so recht. Wenn ich doch eine Strecke möglichst schnell ohne Hilfsmittel überwinden will, dann gehe ich nicht, ich laufe. Genauso gut könnte man beim Schwimmen eine neue Disziplin einführen, bei der man wie ein Hund im Wasser paddeln muss. Also mit der Sportart Gehen habe ich so meine Probleme.

sportinsider: Mit welchem Sportler/in würdest Du gerne einen Tag tauschen?

Marc Hankmann: Mit einem Spieler des FC Bayern München. Mich interessiert, wie hoch die Trainingsbelastung ist, wie sich die Spieler untereinander benehmen, ob es da beim Training genauso zugeht wie in den Kreisligen, wie professionell das ganze Umfeld wirklich ist und welche Termine ein Profifußballer neben dem Training noch wahrnehmen muss. Ich befürchte aber, dass mir als Fan des 1. FC Nürnberg ein Tag bei den Bayern mehr als ausreicht.

Ich bedanke mich recht herzlich für das offene Interview bei Marc Hankmann. Mehr Infos über ihn gibt es bei Xing.