Blattkritik: touchpoint – Das Magazin für Sponsoring

Der Markt für Branchenmagazine im Sponsoring mit Schwerpunkt Sport hat dieses Jahr einen neuen Mitspieler bekommen. Das neue Blatt hört auf den Namen touchpoint und kommt aus dem Hause Verlag Werben & Verkaufen GmbH. Traveler Digital CameraAm Markt agieren in Deutschland bereits seit vielen Jahren SPONSORs und sponsor news. Beide alteingesessenen Titel kommen selbstbewusst daher und spielen gekonnt auf der Klaviatur des Eigenmarketings.

Das in Hamburg ansässige Magzin SPONSORs mit dem Gründungsjahr 1996 auf seiner Online-Site im selbstbewussten Ton:

,,SPONSORs ist der führende deutschsprachige Aufbereiter und Anbieter von Informationen im Sportbusiness.“

,,Das monatlich erscheinende SPONSORs MAGAZIN bietet den Entscheidern der Sportbusiness-Szene tiefgründige Analysen, umfangreiches Datenmaterial, spezifische Rechtsberatung, personenspezifische Hintergründe, journalistisch sauber aufbereitete Themen und vieles mehr.“

Auch sponsor news kommt mit offensiven Charme und dem Selbstbewusstsein eines Branchenführers daher:

,,sponsor news ist das richtungsweisende Fachblatt für Sponsoring im deutschsprachigen Raum und erscheint seit Februar 1992 monatlich.
sponsor news berichtet über aktuelle Sponsoring-Strategien und die Herausforderungen, vor denen Sponsoren stehen. Was führt zum Erfolg? Wer bewegt was in der Branche und wo gibt es neue Trends?“

Wer ein Gefühl für den Sound vom Münchner Branchenmagazin bekommen möchte, schaut in das Interview mit dem Borussia Dortmund Marketingleiter Carsten Cramer hinein.

Nun gesellt sich touchpoint im Markt der Sponsoringmagazine dazu. Im November gab es die zweite Ausgabe des neuen Branchenblattes mit Sitz in München.Traveler Digital CameraWas offeriert touchpoint im Heft? Die Titelstory auf den Seiten 18 bis 23 ist ganz auf den anstehenden Winter zugeschnitten und geeicht. Wintersport-Sponsoring wird unter die Lupe genommen. Die beiden namhaften Autobauer Audi und BMW aus Bayern liefern sich dabei ein Kopf-an-Kopf Rennen um begehrte Sponsorships.

,,Optisch kommt es zu mancher Kollision: Aktuell sehen Biathlon-Zuschauer mitunter das BMW-Emblem auf der Startnummer und die Audi-Ringe am Rennanzug. Das pikante PS-Werbeduell ist für Branchenbeobachter fast spannender als der sportliche Wettkampf.“

Dabei ist der bekannteste Wintersport-Sponsor laut dem Repucom Wintersport Kompass 4/2013 Milka. Danach gruppieren sich Adidas und Red Bull auf den Podiumsplätzen ein. Platz 4 verzeichnet Audi vor Erdinger Alkoholfrei und Jack Wolfskin. Auf Platz 7 notiert Intersport vor BMW sowie der DKB und Viessmann. Das neue Sponsoringmagazin touchpoint arbeitet generell gerne mit Material vom Beratungsunternehmen Repucom. Dazu später noch mehr.

Biathlon ist weiterhin Medienliebling. Die TV-Präsenz bei den öffentlich-rechtlichen ist trotz Rückgang der Reichweiten nach wie vor für Sponsoren hochinteressant. In der abgelaufenen Wintersaison 2012/2013 waren 254 Millionen Zuschauer im Fernsehsessel im frei empfangbaren Fernsehen zugegen, wenn Schießen und Laufen sich in einer Sportart abwechselten. In der Saison 2010/2011 waren gar 309 Millionen Biathlonfreunde vor den TV-Geräten der Republik bei den Biathlon-Wettkämpfen Augenzeuge. Sponsoren mögen die telegene Umsetzung des Wettkampfs auf dem Bildschirm. Die Qualität der Fernsehübertragungen und die spannende Inszenierung einer einst eher als unspektakulär daherkommenden Wintersportart sorgt für die gewünschte Aufmerksamkeit.

Wintersport und richtiger Winter sind auch immer ein Thema.  Prof. Dr. André Bühler, Direktor Deutsches Institut für Sportmarketing kommt in der Titelstory zu Wort mit dem Hinweis:

,,Wenn die Rennstrecke zwar kunstschneeweiß ist, daneben aber grüne Flächen zu sehen sind, wirkt das recht künstlich und nimmt etwas von der Faszination.“

Dem kann ich nur zustimmen. Irgendwie sehen Grünflächen abseits der Pisten und Loipen immer wie ein Wetterunfall aus und nehmen etwas von der Atmosphäre.

Noch ein Wort zu Milka. Die Schokolade mit dem arteigenen Erkennungszeichen. Milka Kühe am Rand der Skipisten sind übrigens seit 1995 festes Ritual. Im Magazin liest sich dies dann mit dem erreichten Sponsorziel so:

,,Die Alpenwelt als Heimat – das erscheint authentisch und ist gelernt. Erinnerungsdepots in den Köpfen auch internationaler TV-Zuschauer sind mit lila Farbe angefüllt.“

Im Wintersport sind auch Bridgestone, Vissmann, Jack Wolfskin aktiv. Letzterer erzählt jetzt verstärkt seine Geschichten abseits der Bandenwerbung im Fußballstadion. Markus Lichti von Repucom über die Kunst begnadeter Geschichtenerzähler:

,, Wintersport eignet sich noch besser als Fußball, um spannende Geschichten zu erzählen. Ich muss nicht nur alle Gegner besiegen, sondern habe auch oft noch eine Naturgewalt gegen mich.“

Apropos Repucom. Im Magazin touchpoint finden sich vom Beratungsunternehmen neben dem oben bereits angesprochenen Wintersportkompass zu den bekanntesten Sponsoren auch weitere Übersichten wie die Reichweiten im deutschen Free-TV oder das Interesse am Biathlon, Skispringen, Ski alpin, Nordische Kombination, Bob und Rennrodeln, Eiskunstlauf, Snowboarding und Skicross im Vergleich zwischen 2005 und 2013. Auch ein Testimonials Celebrity fehlt nicht. Namen wie Vitali und Wladimir Klitschko, Steffi Graf, Sebastian Vettel, Dirk Nowitzki, Magdalena Neuner, Manuel Neuer, Jürgen Klopp oder Martin Kaymer tauchen darin auf. Oder die Top-10-Testimonials deutscher Sportler mit den geschätzten Sponsoring-Einnahmen pro Jahr.

Im Magazin gibt es  auch einen Artikel über den Sponsor-König Red Bull. Für Red Bull Experten gab es jetzt nicht gravierend Neues zu erfahren. Die „Rasenschach“ Anekdote von Dortmunds Geschäftsführer Watzke wird erzählt. Sie sollte sich aber mittlerweile bis in den hintersten Winkel der Fußballrebuplik herumgesprochen haben. Herr Watzke arbeitet sich seit Jahren an RB Leipzig ab. Da wirkt er auch immer etwas verkniffen. Sympathiepunkte holt er sich damit nicht bei mir ab.  Auch die 2009er Sache mit dem Markranstädter Deal beim damaligen Fünftligisten wird im Text erwähnt. Auch ein Schwenk zum 1. FC Lokomotive Leipzig gibt es.

,,In DDR-Zeiten war Lokomotive Leipzig einer der führenden Klubs. Doch nach der Wende war es in der Stadt rasch vorbei mit dem Erfolgsfußball.“

Nun, ich habe die Leipziger Jahre damals selber Live miterlebt. Das Jahr 1993 führte zum spektakulären Aufstieg von Lok in die Bundesliga. Damals firmierten sie unter dem Namen VfB Leipzig. Das entscheidende Spiel gegen Mainz 05 wurde im Zentralstadion (jetzt nach den Umbaumaßnahmen und der Platzverkleinerung auf den Namen Red Bull Arena hörend) von den Probstheidaern gewonnen. Die Situation im Leipziger Fußball ist komplex, emotionsgeladen und nicht in 4-5 Sätzen zu erklären. Da weder Chemie Leipzig (DDR-Meister 1964) noch der Europapokalfinalist von 1987 Kontinuität entwickelten in dieser Goldgräberzeit nach der Wende (zeitweise fühlte ich mich in Leipzig wie in die Erzählungen von Jack London über die abenteuerliche Jagd nach Gold hineinversetzt), gab es in der Messestadt immer weniger seriösen Fußball. Dadurch entstand ein fußballerisches Vakuum. Red Bull, durchaus nicht sentimental, jedoch vernünftig wirtschaftlich kalkulierend, ergriff mit RB Leipzig im Jahr 2009 eine gute Chance sich selber in der Königsdisziplin Fußball in Deutschland zu positionieren. Die ersten Spiele in Markranstädt haben bereits jetzt eine nostalgische Note. Mittlerweile spielen sie im einstigen Zentralstadion, damals im Land der hohen sportlichen Ambitionen ein Stadion der Hunderttausend. Okay, 2-Nichtaufstiege aus der vierten Liga in die 3. Liga haben Red Bull Zeit gekostet, doch die Österreicher haben einen langen Atem. Wer übrigens kompetente und kontinuierliche  Berichterstattung über RB Leipzig mag, dem sei rotebrauseblogger empfohlen.

Im Text bei touchpoint über Red Bull wird auch auf die geplante Multifunktionsarena in München verwiesen und die 50+1 Regel gestreift. In der bayerischen Landeshauptstadt sollen später die Eishockeycracks von EHC Red Bull und die Basketballer von Bayern München ihren sportlichen Leibesübungen vor Publikum nachgehen. Auch der Verweis auf die Meistertitel vom FC Red Bull Salzburg fehlt nicht. Was wäre ein Red Bull Artikel ohne die Erwähnung von Formel-1 Serienweltmeister Sebstian Vettel. Den Kontrahenten schwillt ja zuweilen der Hals. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff steht dafür exemplarisch mit seiner kernigen Aussage:

,,Auf Dauer ist es nicht akzeptabel, dass ein Brausehersteller Mercedes vor der Nase herumfährt.“

Red Bull lässt solche Äußerungen souverän abprallen.

Themenwechsel. Es gibt im Magazin einen Artikel über Frauen – eine (noch) unverstandene Zielgruppe. Den Text gebe ich zu gegebener Zeit meinen beiden Schwestern zum lesen. Gastautorin Diana Jaffé sieht ein großes Potenzial in Sachen Sponsoring-Strategien mit der Zielgruppe Frau. So richtig hat mich das Thema nicht begeistert. Vielleicht gibt es da wirklich stärkeres Feedback wenn Frauen über die Zeilen schauen. Oder ich nehme den Text auch nochmal in einer etwas ruhigeren Minute zur Hand.

Spannend fand ich den Beitrag von Gastautor Reiner Schlump über die Sponsoring-Idee Trail Running. Der Sportmarketing-Manager ist seit 1978 für Salomon tätig. Ab 2007 erfolgte der konzentrierte Ausbau des Sponsoring-Segments Trail Running. Salomon hat einen guten Namen in der Berglaufszene. Berg- und Crosslaufevents wurden gesponsert. Mit der Nähe zur Szene ging die Produktentwicklung bei Salomon für Bergläuferspezifische Ausrüstung einher. Parallel dazu trat Salomon kontinuierlich bei einer Veranstaltungsserie auf:

,,2007 trat Salomon erstmals als Namensgeber der Trail Runnung Cup-Event-Serie in Deutschland in Erscheinung. Diese vereinigte 14 bestehende Events zu einer zusammenhängenden Serie. Ziel der Event-Reihe war es, neben der Markenkommunikation, die Läufer deutschlandweit zusammenzuführen und eine Trail-Running-Community zu bilden.“

Das wirkte sich durchschlagend auf den steigenden Bekanntheitsgrad der Marke Salomon aus. Die Anmeldungen zu den Events stiegen von jahr zu Jahr, die Umsätze steigerten sich bei den bergspezifischen Produkten für das Marktsegment Trail Running.

Insgesamt hat das Sponsoringmagazin touchpoint Potenzial. Die Münchner sind auf einem guten Weg. Abgerundet wird die 2. Ausgabe durch einen Terminkalender, einen Blick auf Bücherneuerscheinungen, ein kurzes Interview mit DTM Fahrer Pascal Wehrlein und einem ausführlicheren ganzseitigen Interview mit Oliver Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Firma MSC Sports in Karlsruhe, über Public Affairs und Sponsoring.

Flauschcontent für alle Freunde von Toni Innauer

Er war ein Adler. Die Rede ist von Toni Innauer.

Der Mann ist eine lebende Legende.

Toni Innauer zeigte Haltung.

Hier sein Sprung aus  dem Jahre 1976 in Oberstdorf.

Für Ästheten immer wieder gern anzuschauen.

Die Jahre sind ins Land gegangen.

Toni Innauer trägt das Haar jetzt etwas kürzer.

Auch im Umgang mit dem Kaiser zeigt er seine Souveränität.

Zwischendurch ist auch ein Blick auf den Bodensee von Bregenz aus zu sehen.

Doch genug der Vorrede. Vorhang auf!

Rauswurf von Trainer Stanislawski: Little Hoffenheim und eine arteigene Zeitrechnung

Christian Spiller, Redakteur im Sportressort von Zeit Online, powerte kürzlich ein komplettes Wochenende bei seinem ZDF TV-Experiment durch und zog unter dem Titel Nach 15 Stunden Wintersport schlief ich ein Bilanz. Fernsehen kann anstrengend sein.

Jetzt zeigt er sich wieder gut erholt und nimmt sich dem Thema Little Hoffenheim und die hausgemachten Probleme mit den Trainern sowie anderen Unwägbarkeiten im Kraichgau an.

In Hoffenheim, wo ist das Problem ? kommentiert er den Stanislawski-Rausschmiss und verweist auch auf die Rolle vom milliardenschweren Mäzen Dietmar Hopp:

,,Neulich gab Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp dem Fußballmagazin kicker ein Interview. Darin lobte er die Arbeit seines Trainers Holger Stanislawski. „Ich hoffe, Stani ist in acht Jahren noch hier“, sagte Hopp. Das war Ende Januar, Stani schaffte es gerade noch zehn Tage.“

Irgendwie sieht eine reelle Zeitrechnung anders aus. Oder sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden? Hoffenheim war einst Shooting Star der Bundesliga. Doch das scheint bereits Ewigkeiten her zu sein. Gefühlte 100 Jahre. Spiller nennt Hopp einen ,,Einmischer“. Mäzene haben dies so an sich. Jetzt also der vierte Trainer innerhalb von 14 Monaten. Der Nachfolger von Stanislawski sollte flexibel sein und den Kraichgau mit dem einstigen Regionalligisten Hoffenheim nicht als Lebensstellung sehen. 

Sport am Bodensee: Dinamo Zagreb gewinnt souverän beim U-15 MTU-Hallencup 2011

Auch wenn es dem einen oder anderen schmerzt: Die Männer haben kürzlich 1:7 verloren. Die Rede ist von den Fußballern des CL-Teilnehmers Dinamo Zagreb im Spiel gegen Olympique Lyon in der Königsklasse. Da kann Trost aus allen Altersbereichen nur willkommen sein. Die Nachwuchskicker von Dinamo Zagreb gewinnen den U-15 MTU-Hallencup 2011 und schaffen es bis zur Berichterstattung bei kicker online.

,,Der Sieger des MTU-Hallencups für U15-Teams heißt Dinamo Zagreb. In der Friedrichshafener Bodenseehalle setzten sich die Kroaten gegen namhafte Konkurrenz aus ganz Europa durch. Der FC Basel verpasste die Titelverteidigung nur knapp, für unter anderem Everton, Bayern und Dortmund war der Titeltraum hingegen schon nach der Zwischenrunde ausgeträumt. Der FC Barcelona scheiterte mit beiden Teams im Viertelfinale.“

Herzlichen Glückwunsch! Im vergangenen Jahr stellte Dinamo Zagreb mit Petar Mamic den besten Spieler des Turniers, diesmal trugen sich die Kroaten in die Siegerliste des MTU-Hallencups ein. 2007 trug sich übrigens ein gewisser Julian Draxler von Schalke 04 in die Liste des besten Spielers ein. Inzwischen gibt er dann auch bereits dem ZDF Interviews nach einem Traumtor im DFB-Pokal.

So ein Hallencup würde eigentlich auch ganz gut in das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm am Wochenende gepasst haben. Okay, es war vollgepfropft mit Wintersport. Kaum eine Lücke für den Nachwuchs. 

So ein Turnier mit hochkarätiger Besetzung gelingt in der Regel nur mit einer Anzahl an soliden Sponsoren neben dem Hauptsponsor MTU. Hier ein Blick auf das illustre Feld der Sportsponsoren des U-15 MTU-Hallencups.

Noch 78 Tage bis zur Vergabe der olympischen Winterspiele 2018

Ein wenig Wintersport gefällig? 

Um Olympia 2018 in der lichtarmen Zeit im Winter wird ja mächtig gerangelt. Sportfunktionäre haben es auch nicht immer einfach.

Das Bandmaß oder die Tage bis zur Entscheidung in Durban

Bei meinem Grundwehrdienst in der NVA gab es die Sitte mit dem Bandmaß. Die Tage wurden abgeschnitten. Der Tag der Entlassung näherte sich mit jedem abgeschnittenen Teilchen vom Bandmaß. Farbig wurden sie in Bastelarbeit gestaltet. Nun, die 3 Bewerberstädte um die Ausrichtung der monetären Spiele im Winter 2018 werden vielleicht kein Bandmaß haben. Ein Blick auf die Anzahl der Tage bis zur Vergabe in Durban wird der eine oder andere Funktionär jedoch werfen. Bis zum 6. Juli 2011 sind es noch 78 Tage. Bei der NVA war das bereits eine Zahl welche die Vorfreude auf die Entlassung aus dem Grundwehrdienst verstärkte.

Offene Fragen zu Olympia 2018

Jetzt zählt jeder Tag. Die Bewerbung von München hat bisher jede Menge kritische Stimmen hervorgerufen. Eigentlich könnten Sportjournalisten wie Jens Weinreich ein Buch drüber schreiben. Mir selber kommt einfach auch die gesamte Bewerbung etwas laut daher. Umweltschutz und Winterspiele passen auf den ersten Blick auch nicht so richtig zusammen. Auch beim 2. Blick will sich mir die Logik und die Argumentationskette sogenannter grüner Spiele nicht erschließen. Dann das leidige Thema der Kosten. Wie darf sich der freigeistige und mündige Bürger denn die Zeche vorstellen? Alles abgedeckt durch Sponsorengelder? Keinerlei Belastungen für den Steuerzahler? Eine Wohltat für die Allgemeinheit? Wieso finde ich auf all die Fragen so verdammt wenig befriedigende und ehrliche Antworten?  

Geht Umweltschutz und Olympia eigentlich zusammen?

Wer sich ohne ideologisch vorbelastete Brille die Fotos auf der Website von Nolympia anschaut muss die Frage: Geht Umweltschutz und Olympia eigentlich zusammen? an sich verneinen. Große Mega-Events bedeuten immer einen Eingriff in die Natur. Da hilft auch kein PR-Trommelwirbel, das zünden von Nebelkerzen etc. Sportjournalist Daniel Drepper hat sich dem Thema Das Umweltkonzept von München 2018 im Original angenommen und beleuchtet die Situation mit gesunden Menschenverstand.

Ich bin ja ein Sportfreak und kann mir natürlich Spiele in Deutschland vorstellen. Was sollen sie eigentlich bei den Südkoreanern? So egoistisch und wahrscheinlich wenig mitfühlend für die bereits mit Bewerbungen gescheiterte „Biathlonhochburg“ Pyeongchang bin ich da auch. Was mich jedoch nervt, wenn mir jemand die Taschen vollhauen will. Wir kennen alle die Schlagworte sanfter Tourismus aus der Reisebranche. Olympia ist in erster Linie eine monetäre Veranstaltung. Siehe dazu auch die Vertragsgestaltung des IOC.

Also komme mir bitte keiner mit moralinsauer Miene und erzähle mir die Geschichte vom Umweltschutz und Olympia. Die Gesellschaft für ökologische Forschung hat am Beispiel der Ausbauten von Kandahar in Garmisch-Partenkirchen für die Ski-WM 2011 eindrucksvolle Argumente und Fotos von der eigentlichen Unvereinbarkeit von Umweltschutz und Mega-Events im Wintersport zusammengestellt. 

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Artverwandte Artikel zum Thema 

Bund Naturschutz in Bayern e.V. mit

Der künstliche Winter – Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel: Salto Mortale in die Vergangenheit

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NOlympia Presseschau für Februar 2011

und

Brief um Gesprächstermin im März 2011 an Gunilla Lindberg, Vorsitzende der Evaluierungskommission des IOC

Jens Weinreich, Sportjournalist und Blogger, mit

Bürgerbegehren gegen Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen

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ARD und das Gespür für Schnee

Es ist der ganz normale Wahnsinn. Wintersport-Junkies bekommen Stoff in Überdosis geliefert. An den Zitzen der  TV-Glotze können ab diesen Freitag bis Sonntag alle Gelüste auf medial aufbereitete Sportarten wie dem Skeleton, Biathlon, Skispringen, Skilanglauf, Riesenslalom oder Zweierbob befriedigt werden.  

        ARD Hauptstadtstudio

        © Jochen Sievert: Pixelio

Treffend hat es interpool.tv formuliert:

,,Ab Freitag gibt es sie wieder – die drei tollen Tage in der ARD. Sechsundzwanzig Stunden Winter’sport‘, 1560 Minuten Schnee, Eis und blitzende Kuven. Was das noch mit dem Programmauftrag zu tun hat?! NICHTS! Hauptsache die Quote stimmt.“

Ich werde zur Quote nicht beitragen. Es stehen andere Dinge auf dem Plan. Kieser Training. Kaffee einkaufen beim Kaffeeröster in Cadolzburg. Frühstücken mit Piccolo. Ein wenig in der Buchhandlung schmökern. Frische Luft einatmen. Joggen im Marienpark. Lachen mit meiner Liebsten. Spaß haben. Eine Zeit ohne Fernsehen. Ich freu mich drauf.

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Beim Biathlon verkauft sich Bier am besten in der FAZ

Die blutleeren Winterspiele bei ARD und ZDF bei Welt Online

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59. Vierschanzentournee oder ein bemerkenswertes Interview von Toni Innauer in der SZ

Pünktlich zu Beginn der Vierschanzentournee lese ich doch heute in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung ein bemerkenswertes Interview mit Toni Innauer. Er kratzt den Lack von einer medial gehypten Wintersportart und spricht Klartext. Das Interview ist erfreulicherweise auch online nachzulesen. Der 52-Jährige Österreicher kennt alle Facetten des Skispringens und seine Antworten im Gespräch mit Thomas Hahn regen zum Nachdenken an:

,,Der Sport könnte ein Vorbild sein, wenn er sich selbst und die Verantwortung für seine Spielregeln ernst nimmt. Und da habe ich gemerkt, dass es im Berufssport immer schwieriger wird, vernünftige, humane Ideen umzusetzen. Man wird, wenn man Kollateraleffekte berücksichtigen will, fälschlicherweise als naiv betrachtet. Wenn man Erfolg absolut sieht und auch das Gefühl hat, solange ich nicht erwischt werde, ist die Wahl der Mittel egal – dann sind wir in einer Situation, die uns langfristig ruiniert. Deshalb müssen wir uns den Sport immer wieder genau anschauen und unsere Regeln bedenken: Sind da genug Regenerationszeiten drin? Ist das menschlich zumutbar, was wir verlangen? Wenn wir das nicht tun, wird der Bereich versaut.“

Skisprunglegende Innauer kritisiert auch das Techno-Gedröhn während der Weltcups, nimmt Stellung zur Diskussion um die Bindung, bedauert stärker werdenden sportpolitischen und medial-wirtschaftlichen Einfluss auf das Skispringen. Auch Themen wie Bulimie oder der Druck der Auslese unter den österreichischen Springern und etwaige Nationenwechsel werden besprochen. Also meine unbedingte Leseempfehlung. Wer obige Ausfahrt zum Interview verpasst hat: Hier geht es zum kompletten Interview