Hinz und Kunz über Medaillenträume

Hinz: Hallo Kunz. Kurzes Resümee nach der ersten Woche in Vancouver?

Kunz: Hallo Hinz. Vonn und Riesch mit je einer Goldmedaille. Das wird der Freundschaft gut tun. Lindsey Vonn bot großes Kino. Maria Riesch war die Stehauffrau. Kurzer Rückblick auf 2005. Im Januar und Dezember „holt“ sich Maria Riesch Kreuzbandrisse. Ärzte gaben ihre Karriere bereits auf. 

Hinz: Simon Ammann holt sein 2. Gold auf der großen Schanze. Diskussion gab es seitens der Österreicher um die Bindung des Schweizers.

Kunz: Bemerkenswert. Nach dem Doppelschlag in Salt Lake City 2002 jetzt wieder so ein Paukenschlag. Zur Materialdiskussion nur soviel: Die Österreicher haben auch über viele Jahre immer gebastelt und getüftelt. Stichwort Skianzüge. Die vom Zaun gebrochene Bindungsdiskussion hat eher der eigenen Konzentration im Lager der Adler geschadet. Simon Ammann hat Geschichte geschrieben. Ein Vogelmensch.

Hinz: Was sagst Du zu den vielen Stürzen auf der Bobbahn und das Verhalten des Internationalen Bobverbandes?

Kunz: Die Bahn ist sehr grenzwertig. Der Verband erinnert an das Verhalten des Moskauer Politbüros in der Breshnew-Ära. Maulkorb für mündige Sportler und Trainer im Jahr 2010. Hm, olympischer Geist sieht anders aus.

Hinz: Tobias Angerer holt eine Silbermedaille. Anni Friesinger kommt auf Platz 14 ein. Lauftrainer Behle ist enttäuscht über die Leistungen seiner Frauen und hadert mit dem Trainingsfleiß. Im 3. Biathlonwettkampf der Frauen geht Gold-Lena leer aus.

Kunz: Gold-Lena. Hinz was liest Du denn für Zeitungen. Also Magdalena Neuner ist keine Maschine. Die Langlaufergebnisse der Frauen sind natürlich etwas mager. Bundestrainer Behle sprach teilweise von 150 fehlenden Stunden. Doch für Trainingsfleiß bzw. die Einhaltung der Trainingspläne ist doch wohl auch ein Trainer verantwortlich. Tobias Angerer freute sich intensiv über seine Silbermedaille. 

Hinz: Gold-Lena habe ich aus einer großen deutschen Zeitung. Glaube ich. Sie wird 3 Millionen mal täglich verkauft.

Kunz: Du musst Dich nicht rechtfertigen. Ich find ja die Bezeichnung der olympischen Leibesübungen bei der taz immer ganz witzig. Außerhalb Olympias überschreibt das Blatt ja die Sportseite mit Leibesübungen. Frei nach Turnvater Jahn. Jetzt während der Vancouver Zeit gab es den Vornamen dazu.  

Hinz: Ein Wort zum Eishockey.

Kunz: Frag mich nach dieser Nacht. Mein Tipp kennst Du ja. Kanada wird Olympiasieger. Das Spiel gegen die USA ist nur eine Zwischenetappe. Also Hinz bis zum nächsten mal.

Presseschau zu Lindsey Vonn

Durchatmen. Die Abfahrt der Damen war nichts für zarte Gemüter. Die Strecke war grenzwertig. Am Ende stand der Triumph von Lindsey Vonn. Eine kleine Presseschau.

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Focus Online weist auch auf Qualitäten von Vonn und der Zweitplazierten Manusco außerhalb der Abfahrtsstrecke hin

,,Für ein gutes Shooting sind sich Vonn und Mancuso in der Vergangenheit auch ohne Olympiamedaille nie zu schade gewesen. Vonn räkelt sich in der aktuellen Ausgabe des US-Magazins Sports Illustrated spärlich bekleidet durch die Seiten. Von Mancuso existieren Whirlpool-Fotos, auf denen Kollegin Chemmy Alcott tatkräftig von hinten ihre Oberweite überprüft. Schüchternheit sieht anders aus. Der Amerikaner nennt das wohl „open-minded.“

Christian Ewers schreibt auf stern.de über die Strecke und ihre Sturzopfer.

 Am Mittwoch spielten sich auf dem hot chair vor allem Szenen des Entsetzens ab. Lindsey Vonn aus den USA, die spätere Olympia-Siegerin in der Damen-Abfahrt, schlug sich die Hände vors Gesicht, als sie ihre Gegnerinnen stürzen sah. Anja Pärson verunglückte schwer im Zielraum der Franz’s Downhill-Piste. Nach einem 60 Meter-Sprung überschlug sie sich mehrfach. Und Pärson ist eine der besten Skifahrerinnen der Welt, in Turin 2006 gewann die Bronze in der Abfahrt.

Zeit Online wirft einen Blick voraus und gibt für Lindsey Vonn eine Prognose ab.

,,Lindsey Vonns erste olympische Goldmedaille wird wohl nicht ihre letzte bleiben. Die Weltcupführende kann die überragende Athletin dieser Olympischen Winterspiele werden, vier weitere Wettbewerbe stehen ja noch bevor.“

Das Schweizer Fernsehen blickt auf seiner Homepage auf den nächsten alpinen Wettbewerb der Damen und leuchtet auch die Chancen von Maria Riesch aus.

,,Die beiden grossen Herausforderinnen von Vonn heissen Anja Pärson und Maria Riesch. Bei beiden Fahrerinnen gibt es nach der Spezialabfahrt aber grosse Fragezeichen. Bei Pärson muss sich erst zeigen, wie sie ihren Horror-Sturz im Zielhang physisch und psychisch verkraftet hat. Riesch kam mit der Strecke überhaupt nicht zurecht und verlor am Mittwoch viel Zeit.“

Auf Spiegel Online stellt Christian Gödecke in seinem Artikel auch die Frage nach der Zumutbarkeit der Strecke.

,,Die USA haben Lindsey Vonn, ihre All-American-Girl-Sportheldin, die Deutschen eine enttäuschte Maria Riesch – und viele Läuferinnen blaue Flecken: Das Abfahrtsrennen der Frauen war auch ein dramatisches Sturzfestival. War die Strecke „Franz’s Run“ mit ihrem 60-Meter-Schlusssprung einfach zu brutal?“

Die Frankfurter Rundschau titelt – Der Stoff amerikanischer Träume – und wirft auch auf die Vermarktung von Lindsey Vonn einen Blick.

,,Für das Olympia Special von Sports Illustrated gibt sie mit strahlendem Lächeln in Abfahrtshocke das Cover-Girl, in der Kultstatus genießenden Swim-Suit-Ausgabe des Magazins darf sie zeigen, was sonst der Rennanzug verdeckt, und Olympiasender NBC fährt praktisch seine ganze Werbekampagne zur Refinanzierung seiner irrwitzig hohen Lizenzgebührenausgaben mit dem programmierten Gesicht der Spiele.“

Die Basler Zeitung wirft einen Blick auf die Belastung der Freundschaft von Lindsey Vonn und Maria Riesch.

,,Lindsey Vonn hat schon den ganzen Winter über den Abfahrtsrennsport der Frauen dominiert. Einzig im letzten Rennen vor Olympia hatte sie sich schlagen lassen müssen, von ihrer langjährigen deutschen Freundin Maria Riesch. Im Sommer war diese Freundschaft allerdings einer kleineren Belastungsprobe ausgesetzt. Lindsey Vonn wechselte zu Head, der Skimarke von Maria Riesch, nachdem ihr bisheriger Ausrüster Rossignol aus wirtschaftlichen Gründen die Fix-Gehälter seiner Athleten gekürzt hatte. Lindsey Vonn belastete das Budget bei Head aber so sehr, dass Maria Riesch für ihren Servicemann selber aufkommen musste.“

Zum Abschluss der kleinene Presseschau soll die NZZ Online zu Wort kommen. Das Phänomenen Lindsey Vonn und ihr Olympiasieg wird in einem Satz treffend beschrieben.

,,Mit einer verwegen anzusehenden Fahrt sicherte sich die Speeddominatorin Lindsey Vonn Olympia-Gold in der Abfahrt der Frauen.“

Herzlichen Glückwunsch!

Maria Riesch hatte sich sicherlich mehr erhofft. Ein achter Platz ist jedoch ebenfalls respektabel und es verbietet sich von Versagen zu sprechen oder zu schreiben. Es sei daran erinnert, dass nach zwei Kreuzbandrissen selbst die Ärzte nicht mehr an ein Comeback von Maria Riesch glaubten. Bei 100 km/h Kurvengeschwindigkeit lastet mehr als das Fünffache des Körpergewichts auf den Kniegelenken.    

Olympia Lektüre für zwischendurch

Heute ein paar Leseempfehlungen für den kleinen Informationsappetit zwischendurch.

Die taz schreibt über die Goldhoffnung der Kanadier im Eishockey.

Hier gehts zum Artikel Ahornblätter wollen Lorbeer:

,,Überhaupt können die übrigen kanadischen Athleten abräumen, wie sie wollen, all diese Erfolge wären höchstens noch die Hälfte wert, falls das Eishockeyteam versagt. Denn die Wahrheit ist: Die Winterspiele sind für die Kanadier nichts anderes als ein großes Eishockeyturnier mit buntem Rahmenprogramm.“

Ein Interview mit dem Oberbürgermeister von München, Christian Ude, zur Bewerbung Olympia 2018 in der taz.

Hier gehts zum Interview Widerstände sind ein Medienprodukt:

,,Ja gut, Alpenverein und Bund Naturschutz stellen bestimmte Forderungen, die man realisiert sehen möchte. Umweltverbände wissen natürlich, dass mit Olympia eine gewisse Medienpräsenz garantiert ist. Ich bewerte die kritischen Stimmen aber nicht über.“

In der Frankfurter Rundschau gibt es ein Porträt vom Bahnkonstrukteur Udo Gurgel.

Hier gehts zum Artikel Der Schöpfer der Eiskanäle:

,,In der olympischen Rodelbahn am Fitzsimmons-Creek, 1450 Meter lang, 16 Kurven, 142 Meter Höhenunterschied, flog der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili bei Tempo 144,3 gegen einen Pfeiler und starb. Den Eiskanal, vor fünf Jahren für 105 Millionen kanadische Dollar gebaut, hatte Udo Gurgel entworfen. Seit etwa 40 Jahren berechnet er weltweit die schnellen Rennstrecken.“

Magdalena Neuner und der kanadische Bär

Die sechsfache Weltmeisterin Magdalena Neuner gewann bei ihrer Olympiapremiere Silber. Danach gab sie der Abendzeitung Nürnberg eines ihrer unverwechselbaren Interviews. Auch das Thema kanadischer Bär wurde angesprochen:

,,Wir haben einmal von der Security einen Zettel bekommen, da steht drauf, dass das Olympische Dorf auf einer Müllhalde steht und dass damals die Bären dorthin zum Fressen gekommen sind. Jetzt wohnen wir da. Es ist aber ein hoher Zaun drum, das ist alles bewacht. Da kommt schon kein Bär rein. Ich mache mir keine großen Sorgen. Außerdem schlafen die Bären im Winter doch, oder?“

Die Geschichte mit dem Bär ist offensichtlich gut ausgegangen. Winterschlaf. Der 2. Start war also nicht gefährdet.

Im 10 Kilometer Verfolgungsrennen zeigte die Biathletin Neuner sich ausgeschlafen. Sowohl Laufleistung wie die Treffsicherheit am Schießstand waren an diesem Tag nicht zu toppen. Vielleicht widmet Magdalena Neuner ihre erste Goldmedaille bei Olympia dem kanadischen Bär.

Hinz und Kunz über Vancouver

Hinz: Hallo Kunz, die ersten Tage in Vancouver sind angelaufen. Bist Du schon im Olympiafieber?

Kunz: Hallo Hinz, schön Dich wieder zu sehen. Olympiafieber? Ich bin froh dass ich 37 Grad Körpertemperatur habe.

Hinz: Nach dem tragischen Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili stellen sich Fragen. Darf eine Sportveranstaltung dann einfach so weiter gehen?

Kunz: Ach, Hinz. Schwieriges Thema. Nach dem Tod von Senna wurde auch weiter Gas gegeben. Hannover 96 hat den Spielbetrieb auch nicht eingestellt  nach dem Suizid von Robert Enke. Bis 1960 sind auf den unzureichend ausgebauten Natureisbahnen 25 tödliche Unfälle passiert. Daniel Oaida aus Rumänien starb 1989 bei einem Unfall in Altenberg. Yvonne Cernota starb 2004 in der Echowand von Königsee. Sie verlor die Kontrolle über ihren Zweierschlitten. Die Formel 1 des Wintersports verzeiht keine Fehler.

Hinz: Da stockt einem der Atem. Zeit zum innehalten gibt es bei Olympia offensichtlich nicht. Der Zeitplan war so eng getaktet, die Rodelwettbewerbe sind nicht mal um 24 Stunden verschoben wurden. Es gab Kritik an der Bahn.

Kunz: Brot und Spiele. Die Show geht weiter. Der Bahnkonstrukteur Udo Gurgel sagte zur Thematik -Gefährliche Bahn-: „Von Vorwürfen kann man nicht reden, weil wir die Bahn in Absprache mit den beiden Verbänden sehr sorgfältig gebaut und geprüft haben.“ Hm.

Hinz: Was sagst Du zur Sportberichterstattung der Pay TV-Sender ARD und ZDF?

Kunz: Die fahren die große Welle. Nicht überraschend. Die per gesetzlichen Dekret erhobene Fernsehmaut ist ja ein grandioses Geschäftsmodell. Die Sender werden mit Gebühren gemästet. Teilweise hat es den Eindruck, dass die Reporter nach Wortsilben pro Minute bezahlt werden. Den medialen Einheitsbrei muss sich jedoch kein Zuschauer stundenlang antun. Wir sitzen selber am Steuer der Fernbedienung.

Hinz: Was sagst Du zum Start der deutschen Sportler in die Winterfestspiele?

Kunz: Ich sehe das entspannt. Die Medaillenwertung ist in meinem Leben nicht unter den ersten 30 Prioritäten. Funktionäre haben da sicher einen intensiveren Blick drauf. Auch Politiker schielen nach ihrer Nation und dem entsprechenden Rang. Deutschland soll ja in Turin den inoffiziellen 1.Platz dieser Wertung gehabt haben.

Hinz: 1976 in Innsbruck siegte die UdSSR vor der DDR und den USA in der Nationenwertung. Die beiden erstgenannten Staaten gibt es heute gar nicht mehr auf der politischen Landkarte.

Kunz: Siehste Hinz, die ersten Plätze sind gar nicht immer erstrebenswert. Nein, im Ernst. Wir haben natürlich früher beim eigenen Tischtennisspiel gegen die Schulkumpels auch mitgezählt. Im Fußball haben wir peinlichst jedes Tor über den Platz gerufen und den Spielstand auch am nächsten Tag noch gewußt. Beim Schach hat keiner nur so aus Spaß gespielt. Nein, wir wollten gewinnen. Erinnere Dich an unsere Jugendzeit. Aber wir brauchen ja in keine Zeitung oder in keinen Videotext oder auf keine Homepage schauen und uns die Medaillenwertung hineinziehen. Also gemach, gemach.

Hinz: Ich muss nochmals fragen: Wie siehst Du den Start der deutschen Sportler in den ersten Tagen in Vancouver?

Kunz: Magdalena Neuner holt bei ihrer Olympiapremiere Silber. Herzlichen Glückwunsch. Felix Loch gewinnt Gold im Rodeln. Herzlichen Glückwunsch. Erstes Gold für die Truppe. Psychologisch sehr wichtig. Uhrmann hatte im Skispringen nach dem 1. Sprung alle Chancen auf eine Medaille. Sollte nicht sein. Die ersten Männerwettkämpfe im Biathlon und im Skilanglauf sind ohne deutsche Medaillen über die Bühne gegangen. Glücklich sind sie momentan sicherlich im Nachbarland Schweiz. Simon Ammann holt auf der Schanze Gold. Dario Cologna gewann die 15 Km im Langlauf. In der Herren Abfahrt gewinnt Didier Defago. Optimaler Start für die Eidgenossen.

Hinz: Zum Abschluss unserer Plauderstunde noch eine Frage: Wer wird Olympiasieger im Eishockey?

Kunz: Kanada. (ohne mit der Wimper zu zucken)

Felix Loch holt erstes Gold für Deutschland

Ist die Überschrift zu patriotisch gewählt? Nein. Der Rodler Felix Loch holt die erste Goldmedaille in Vancouver für die Sportnation Deutschland. Das hatte der Sportfan auch bereits Magdalena Neuner zugetraut. Sie holte Silber beim Auftakt der Biathlonwettkämpfe. Aus Felix Loch sprudelten nach seinem Sieg folgende Wörter heraus:

„Es ist alles unglaublich, die letzten zwei Tage waren einfach nur geil. Ich bin sehr, sehr gut gefahren, es hat einen Riesenspaß gemacht“.

David Möller holte Silber und sorgte für einen Doppelerfolg der deutschen Rodler. Den letzten Sieg im Einer der Herren für Schwarz-Rot-Gold hatte Georg Hackl 1998 in Nagano geholt.

Felix Loch ist 20 Jahre alt. Da können noch viele Siege folgen. Georg Hackl war bei seinem ersten Olympiasieg 25. Warum ist der deutsche Rodlersport so erfolgreich? Dieser Frage geht Gunnar Meinhardt auf Welt Online in seinem Artikel –Warum die Deutschen das Rodeln beherrschen– nach.

,,Die deutsche Dominanz hat Methode. In keinem anderen Land gibt es mehr Bahnen. Die Pisten in Altenberg, Königssee, Oberhof und Winterberg bieten Trainingsbedingungen, die nirgendwo auf der Welt besser sind. Das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin liefert das optimale Schlittenmaterial.“

Dazu kommen die Erfahrungen der Trainer die oftmals selber aktiv und erfolgreich die Eisbahnen mit ihren Schlitten hinuntergefahren sind. Felix Loch hat die Erfahrung sogar in der Familie. Sein Vater Norbert war selbst aktiver Rodler und nahm an den olympischen Winterspielen 1984  in Sarajevo teil.

Simon Ammann bringt die Schweizer Presse zum Jubeln

Olympia ist angelaufen. Natürlich freut sich jedes Land über Gold. Aus psychologischer Sicht ist das Auftaktwochenende immer wichtig für die Stimmung in der Mannschaft, positive Schlagzeilen der Presse daheim. Wie schaute es da eigentlich in unserem Nachbarland Schweiz aus?

Sie jubeln. Sie haben Grund zur Freude. Der 28-Jährige Schweizer Skispringer Simon Ammann gewann Gold. Damit holte er seine 3. Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen. Die Reaktion der Schweizer Presse ist entsprechend. Das Schweizer Fernsehen fasst auf seiner Website einige Reaktionen zusammen. Mir besonders aufgefallen ist der Bezug zum politischen Geschehen von der NZZ:

,,Schliesst man uns von den G-20 aus, beweisen wir im Zweierbob, dass wir dabei sind. Will man uns ans Bankgeheimnis, zeigen wir, dass wir wissen, wie man Ski wachst. Und geht Alinghi unter, dann segelt halt Simon Ammann für uns zum Sieg.“

Simon Ammann gewann vor 8 Jahren in Salt Lake City sein erstes Gold. Jetzt gehörte er zum erweiterten Favoritenkreis. Die starken Österreicher hinter sich gelassen zu haben ist bemerkenswert. Herzlichen Glückwunsch!

Nachdenkenswert #22

,,Die olympischen Winterspiele stehen ja jetzt vor der Tür. Das ZDF und die ARD haben 2000 Redakteure und Fernsehschaffende schon vor Weihnachten dorthin geschickt: mit der Queen Mary I, II, und III in Außenkabine mit Balkon. Na, schon Rundfunkgebühren gezahlt?“

         Stefan Raab, Wok Weltmeister und TV-Macher

Sponsorspiegel 13.02.10

Aus gegebenen Anlass werden wir heute im wöchentlichen Sponsorspiegel bei einigen deutschen Olympiasportlern nach ihren Sponsoren blicken. Fangen wir mit der Biathletin Magdalena Neuner an. Sie ist eine begehrte und gefragte Sportlerin bei den Sponsoren. Auf der Homepage sind 15 Sponsoren verzeichnet. Es liest sich wie ein Auszug aus dem Branchenbuch.

Viessmann, e-on Ruhrgas, RTL, adidas bis 11880 finden sich im illustren Kreis. Auch ein frauenspezifischer Sponsor ist dabei. LANA GROSSA steht für Mode mit Wolle.  Es gibt mit Magdalena-strickt.de eine eigens auf die Biathletin ausgerichtete Strickseite mit Anleitungen und aktueller Autogrammkarte.

Maria Riesch hat auch keinen Engpass bei den Sponsoren. Ihr Kreis ist auch ein erlauchter. Milka, Rodenstock, Garmin oder Betty Barclay unterstützen die 25-Jährige Zollhauptwachtmeisterin. Maria Riesch hat zwei Kreuzbandrisse hinter sich und trägt bei ihren Abfahrten jenen berühmten lila Helm von Milka. Die Olympia-Strecke von Vancouver zählt zu den steilsten der Welt. Die Eckdaten sind mit 74% Gefälle und Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h Respekt erheischend.

Andre Lange trug die Fahne der deutschen Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier in Vancouver. Über seine Erfolge zu sprechen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Er ist Mister Bob. Der kraftvolle und ehrgeizige Andre Lange hat ebenfalls eine Reihe interessanter Sponsoren über die Jahre gewinnen können. Die DKB Bank, Opel, Payback, techem und die Böhm AG sind zuverlässige Partner.

Ski-Langläufer Tobias Angerer erhält ebenfalls zahlreiche Unterstützung. Seine Sponsoren Viessmann und Haas Fertigbau seien da genannt, Ausrüster wie adidas, rossignol, Roeckl oder DMS, der Spezialist für Skiroller, unterstützen den Gesamtweltcupsieger von 2006 und 2007. Bei den letzten Olympischen Winterspielen in Turin holte sich Tobias Angerer Silber mit der Staffel und Bronze über 15 km klassisch.

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Interviews zu Olympia in Vancouver

Heute eine kleine und feine Auswahl an Sportinterviews im Hinblick auf die nächsten  Tage in Vancouver. In der Frankfurter Rundschau gibt Eishockey Coach Uwe Krupp ein interessantes Interview zum Thema Eishockey ist in Kanada Religion. Der Bundestrainer hat selber 17 Jahre in der NHL gespielt und dabei mit seinen Mannschaften öfters in Kanada Auftritte auf Eis gehabt. Die Einstellung gegenüber dem Eishockey ist von großer Achtung geprägt. Die Sportart steht in der Bedeutung bei den Gastgebern an erster Stelle.

,,Jeder weiß, dass Olympia in Vancouver stattfindet, aber in den Augen der Kanadier gibt es eigentlich nur das Eishockeyturnier. Da wird zwar auch noch irgendwo Ski gelaufen, aber Eishockey ist in dem Land einfach Religion.“

Uwe Krupp läßt seine eigene berufliche Zukunft offen, betont im Interview die Wichtigkeit bei Olympia sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentieren zu können und schaut schon auf die bevorstehende Heim-WM.

,,Die WM im eigenen Land gibt uns wiederum die Chance, uns vor dem Heimpublikum präsentieren zu können. Wir wollen dann natürlich versuchen, eine gewisse Euphorie in der Bevölkerung auszulösen. Wenn uns das gelingen sollte, könnte die WM sehr bedeutsam werden fürs deutsche Eishockey.“

Die Chancen bei Olympia sind Außenseiterchancen. In der Vorrunde gegen Finnland, Schweden und Weißrussland sieht er sein Team jedoch mit der Möglichkeit einer Überraschung.

Offensiver geht da Thomas Greiss, Torwart der deutschen Eishockeymannschaft, mit dem Thema Chancen bei Olympia in Vancouver um. Im Interview mit spox meint er selbstbewußt:

,,Natürlich sind wir Außenseiter, aber mit ein bisschen Glück können wir an einem guten Tag schon für die eine oder andere Überraschung sorgen. Die Schweiz hat in Turin auch Kanada geschlagen. Griechenland ist auch Fußball-Europameister geworden. Man weiß nie, was passiert, da geht schon was für uns.“

Amelie Kober ihr Sportgerät ist das Snowboard. Sie gibt im Interview mit der faz Auskunft über den Untergrund, verschiedene Schneetemperaturen und ihre Boards.

,,In Cyprus Hill in der Nähe von Vancouver, wo die Snowboardrennen stattfinden, sind die Bedingungen schwierig, weil dort das Wetter sehr schnell wechseln kann. Deshalb werden wir uns auf alle möglichen Bedingungen vorbereiten. Ich werde drei verschieden präparierte, auf verschiedene Schneetemperaturen ausgerichtete Rennboards und ein Trainingsboard dabeihaben, so dass ich auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein werde.“

Ski-Langläufer Tobias Angerer spricht im Interview mit der faz über Wachs und die verantwortungsvolle Arbeit der Techniker sowie die Manpower in der Technikabteilung bei den Norwegern.

,,Bei der Nationalmannschaft haben wir inzwischen ein Serviceteam mit acht Technikern, die jahrelange Erfahrung haben, und das ist auch gut so. Es gibt Spezialisten für alles. Einige beschäftigen sich nur mit dem Schleifen der Skier. Im Vergleich zu den Skandinaviern aber sind wir ein sehr kleines Team, die Norweger etwa kommen mit dreimal so vielen Technikern an die Strecke.“

Magdalena Neuner zeigt sich im Interview mit Eurosport optimistisch und gibt bereits einen verbalen Treffer ab.

,,Sechs Podestplätze bei acht Wettkämpfen sind auf alle Fälle eine gute Ausgangsposition für eine Medaille. Mein erklärtes Ziel lautet aber Olympiasieger zu werden. Ich weiß, dass ich es drauf habe, das habe ich in Antholz gezeigt. Der Wunsch nach Olympia-Gold ist nicht nur Spinnerei und Träumerei – es ist auf jeden Fall möglich.“

Die Konkurrentinnen werden jedoch nicht unterschätzt. Die Biathletin sieht bei ihrer Olympiapremiere auch die Stärken der anderen.

,, Helena Jonsson ist momentan extrem stark am Schießstand. Es fällt auf, dass sie selbst in schwierigsten Situationen die Nerven behält. Auch läuferisch ist sie in einer bestechenden Form. Auch Anna-Carin Olofsson-Zidek ist wieder zurück und gut drauf. Ann Kristin Flatland ist ebenfalls topfit in der Loipe. Die Konkurrenz schläft nicht, aber wir auch nicht. Ich denke, die Wettkämpfe bei Olympia garantieren auf alle Fälle Spannung pur.“

Soweit die Protagonisten Krupp, Greiss, Kober, Angerer und Neuner.