Handball: Kritik am Präsident

Brennt eigentlich noch Licht im Schloss-Bunker? Ich glaub es ja fast nicht. Pattex-Präsi klebt hartnäckig am Posten.

Doch wenden wir uns dem Sport zu.

Präsidentenschelte auf dem Planet Handball gab es von Nationaltorwart Silvio Heinevetter. In Bild liest sich dies so:

„Es ist immer schwer, über Offizielle zu sprechen. Die sitzen auf ihren Posten in ihrem warmen Nest. Stromberg? Strombach? Ahnung vom Handball hat der auch nicht, wenn man ehrlich ist!“

Der Torwart mit den überragenden Paraden und den emotionalen Stärken eines leidenschaftlichen Sportlers weiter:

„Der sagt im Hotel zur Mannschaft nicht mal ‚Hallo’ oder ‚Grüß dich’. Er sollte sich mal überlegen, ob er bei den nächsten Turnieren nicht besser zu Hause bleibt als Präsident!“

Das klingt heftig. Diplomatie geht anders. Doch ich mag Menschen mit eigener Meinung. Weichgespülte Äußerungen haben wir ja in unserer Gesellschaft eh zu hauf.

Weltklassetorwart Jürgen Croy wird 65!

Er war einer der besten Torhüter der Welt in den Siebzigern. Sein Name wird dem einen oder anderen der jüngeren Generation kein Begriff sein. 1972 holte er die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in München. Vier Jahre später in Montreal gewann er die Goldmedaille. Dazwischen lag jenes sagenumwobene Spiel bei der Fußball-WM 1974 in Hamburg. Er hielt seinen Kasten sauber, sein Gegenüber war kein geringerer als Sepp Maier, das legendäre Spiel ging in die Geschichtsbücher ein.  

Das Werben bzw. intensive Drängen nach einem Vereinswechsel von der BSG Sachsenring Zwickau zu einem, den Genossen genehmeren Fußballverein, parierte er mit Courage. Keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer.

Jürgen Croy wird am 19. Oktober 2011 stolze 65. Herzlichen Glückwunsch!

Im Geburtstagsinterview vor fünf Jahren mit Superillu.de gab es eine Reminiszenz der eingangs erwähnten Weltklasse:

,,Sie werden noch heute in einem Atemzug mit den ganz großen Torhütern der Geschichte verglichen. Mit Sepp Maier zum Beispiel oder dem Italiener Dino Zoff …

Wenn ich mal ganz unbescheiden sein darf: Ich zähle mich auch selbst zu den vier, fünf Großen. Das sahen übrigens damals auch die Fachjournalisten der Westpresse so. Vor dem Spiel gegen die BRD 1974 stufte mich die Bild-Zeitung, die wahrlich kein Freund der DDR-Nationalmannschaft war, leistungsmäßig besser ein als Sepp Maier.“

Danke, Jean-Marie Pfaff!

Dachte fast ich hätte die Meinung exklusiv, Manuel Neuer noch lange nicht als weltbesten Torwart zu sehen. Zu leicht haben sich einstige Mitspieler von Oliver Kahn, wie Mehmet Scholl oder Stefan Effenberg, jedoch auch unzählige Sportjournalisten und Moderatoren zu dem verfrühten Satz – Manuel Neuer ist der weltbeste Torhüter – hinreissen lassen. Jean Marie Pfaff hütete von 1982 bis 1988 das Bayern Tor. Im Interview mit der Abendzeitung München stellt er den langen Weg von Manuel Neuer bis zum weltbesten Keeper dar:

,,Sie haben nach dem Einwurf-Eigentor von 1982 ab dem zweiten Spieltag die nächsten drei Spiele zu Null gewonnen.

Ja, und als ich 1988 gegangen bin, haben die Fans mich auf Händen getragen.

Bei Neuer ist das jetzt noch nicht vorstellbar…

Das kommt schon. Er ist ein exzellenter Torwart, natürlich. Groß, kräftig, charakterlich stark. Aber der Weltbeste? Er ist noch jung. Dafür muss er erst ein paar Jahre bei den Bayern auf konstant hohem Niveau halten. Aber er bekommt von den Bayern-Verantwortlichen die volle Unterstützung. Dazu kommt noch etwas, was ich ihm nicht wünsche.

Was denn, bitte?

Neuer hatte Glück, er hatte noch nie in seiner Karriere eine schwere Verletzung. Wenn er das alles übersteht, dann ist es angebracht, ihn als besten Torhüter der Welt zu bezeichnen.“

Danke, Jean-Marie Pfaff! Ich mag Klartext. Pfaff zählte selber in den 80-zigern zu den herausragenden Torhütern der Welt. 1987 wurde er zum Welttorhüter des Jahres ausgezeichnet, 2004 kam der Ritterschlag. Der muskulöse Torwart fand sich in einem illustren Kreis wieder. Jean-Marie Pfaff wurde von Pele in die geschlossene Gesellschaft der 125 weltbesten Spieler aufgenommen (mehr dazu hier). Die Liste seiner sportlichen Erfolge ist lang. Mit der belgischen Nationalelf wurde er 1980 Vizeeuropameister und 1986 Vierter der Fußball-WM in Mexiko. 1987 stand Pfaff im Endspiel des Europapokal der Landesmeister und mit Bayern München wurde der charismatische Belgier von 1985 bis 1987 Deutscher Meister und durfte 1984 sowie 1986 jeweils den DFB-Pokal in die Höhe stemmen.  Dazu kommen noch ein belgischer Meistertitel 1979 und ein Pokalsieg im Jahr 1978 in seinem Heimatland mit dem SK Beveren.

Manuel Neuer tut man auch keinen Gefallen mit dem voreiligen Gerede vom weltbesten Torhüter. Der Druck ist eh schon groß. Bei Bayern München im Tor zu stehen ist eine Auszeichnung und Bürde zugleich. Sepp Maier, Jean-Marie Pfaff oder Oliver Kahn haben Maßstäbe gesetzt. Fehler sind eigentlich nicht erlaubt. Unverzeihlich. Fast. Bei Pfaff ging nach dem Einwurftor von Reinders die Welt ja auch weiter und es gab ein Happy End. Mentale Stärke ist Grundvorraussetzung für den Job zwischen den Pfosten. Bei Bayern besonders.  

In Sachen Manuel Neuer

Mich nervt der Hype um den Schalke Torwart etwas. Okay, im vergangenen Jahr verpasste er den Fairness-Preis bei der Fußball Weltmeisterschaft. Die Aktion gegen England führte auch hier zu kontroversen Diskussionen. Jetzt soll er zu Bayern München wechseln. Es wird wie auf dem Basar in Istanbul um den Preis gefeilscht. Ablösesumme ist eines der am meisten gebrauchten Worte diese Woche gewesen. Am Ende bleiben trotzdem zwei Gegentore gegen eine englische Mannschaft die nicht unfair agierte und keine Schiedsrichterhilfe brauchte.

Neuer noch nicht in einer Reihe mit Jaschin, Maier und Co.

Viele halten Neuer bereits jetzt für den weltbesten Torwart. Menschenskinder, da schießen die Spatzen aber schnell mit ihren Lobeshymnen. Um in die Reihe eines Jaschin, Maier, Zoff, Croy, Rene Müller, Schumacher, Shilton, Jennings, Buffon, Schmeichel, Kahn, van der Sar und anderer sich einzureihen bedarf es noch einiges an Paraden. An sportlichen Erfolgen. An Kontinuität. Ich will jetzt auch gar nicht die böse 0:5 Niederlage gegen Kaiserslautern rauskramen. Neuer konnte einem an dem Tag leid tun. Er konnte für das Debakel am wenigsten. Ach, bin ich heute wieder gemein. Schwamm drüber. Andere Torhüter haben auch Spiele mit vielen Gegentoren erlebt.

Neuer noch nicht im Torwart Olymp und derweil gibt es eine Traumhochzeit

Okay, ich sehe Neuer also noch nicht auf dem Olymp der Welttorhüter. Macht nichts werden seine Fans sagen. Aber für die Presse ist das gefundener Füllstoff für Ihre Seiten. Okay, etwas Platz muss jetzt wohl für die Londoner Traumhochzeit herhalten. Das nervt übrigens auch ein wenig.

Reminiszenz an die Handball WM 1974

Ich schrieb vor kurzen über meine Erinnerung an die Handball WM 1974 und den unglaublichen Torwart Penu. Er war überall. Der rumänische Torwart entnervte mit seinem Dauerlächeln die gegnerischen Spieler.

 Handballschiedsrichter Lutz Straube hat mir dankenswerterweise zwei Fotos aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt.  Im Netz sind auch seine interessanten Schirigeschichten zu lesen.

                    Handball WM 1974 Siegerehrung

Lutz Straube durfte 1974 in weißen Turnerhosen als Schild- und Fahnenträger an der Eröffnungs- und Abschlußveranstaltung in der Werner-Seelenbinderhalle in Berlin teilnehmen. Die Halle steht nicht mehr. Sie wurde 1992 abgerissen. Heute befindet sich dort das Velodrom.

Handball WM 1974 Eröffnung