Nachdenkenswert #356

,,Hamburg – Das „Men’s Lithium Jacket“ bringt echte Bergsteiger zum Schwärmen: Die „extrem warme Daunenjacke“ bietet sich für „Extremtouren wie Höhenbergsteigen, Expeditionen, Polarreisen und andere Aktivitäten bei tiefen Minustemperaturen“ an, die „Kapuze schließt den Kopf sicher ein“, die Fronttaschen sind durch die spezielle Öffnungshilfe auch mit Fäustlingen leicht zu öffnen.“ So bewirbt der Hersteller Vaude seinen Superanorak, für den der Kunde immerhin stolze 600 Euro bezahlen soll.“

Susanne Amann, auf Spiegel Online unter dem Titel Studie: Outdoor-Hersteller fallen bei sozialer Verantwortung durch am 13.07.2010. Vaude, Jack Wolfskin, Patagonia, The North Face, Schöffel, Marmot Mountain oder Columbia kamen in dem kritischen und nachdenklich stimmenden Artikel vor.

Wenige Tage vor Beginn der ISPO MUNICH 2016 durchaus nochmals lesenswert. Der Text auf Spiegel Online sorgte damals für eine rege Diskussion.

Nachdenkenswert #347

,,Die Outdoor-Branche steht für Freiheit und Naturverbundenheit, doch mit ihrer Verantwortung nehmen es die Hersteller nicht so ernst. Nun geraten sie massiv in die Kritik – denn obwohl eine Jacke gerne mal 600 Euro kostet, werden die Arbeiter in den Produktionsländern abgespeist.“

Susanne Amann, im Spiegel Online am 13. Juli 2010 im Artikel unter dem Titel Studie: Outdoor-Hersteller fallen bei sozialer Verantwortung durch. Anschließend entbrannte eine lebhafte Diskussion mit 106 Kommentaren die zahlreichen Marketingverantwortlichen nicht immer gefallen haben wird. Im Artikel kamen namentlich Unternehmen der Outdoor Branche wie Vaude, Jack Wolfskin, The North Face, Columbia, Patagonia, Marmot Mountain vor. Inwieweit ist die Branche sauberer und fairer geworden? Genaues hinschauen ist nach wie vor angebracht. Ich empfehle da auch immer einen Blick auf CI-Romero.

Dort wird auf die Unternehmen Adidas, Puma, Jack Wolfskin, Mammut, The North Face, Tatonka, Trigema, Vaude etc. geschaut. CI-Romero hat Transparenz, Verhaltenskodex, Kodexumsetzung, Monitoring und Verifizierung sowie einen entsprechenden Kommentar von CCC (Clean Clothes Campaign) zur jeweiligen Firma katalogisiert und hinterlegt.

CCC leistet da beharrlich Pionierarbeit. Clean Clothes Campaign – Kampagne für Saubere Kleidung – setzt sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie ein.

Hier die Firmenprofile Outdoor aus den Jahren 2009, 2010, 2011 und 2012.

Ein Blick in die Firmenprofile gibt aufschlussreiche Erkenntnisse.

Die Outdoor Branche und die Sache mit der sozialen Verantwortung

Mit großen Speed ging Spiegel Online am 13.07.2010 in das Thema Outdoor-Hersteller fallen bei sozialer Verantwortung durch hinein. Der Artikel sorgte damals für viel Aufsehen. 106 Kommentare liefen auf und die Diskussion um Produktionsbedingungen, Lohnkosten, Image, Hungerlöhne, Produktion in einer Militärdiktatur wie Birma und kritischen Arbeitsbedingungen in den Fabriken wogte hin und her. Sektkorken dürften damals in den Führungsetagen von Vaude, Jack Wolfskin, Columbia, The North Face, Patagonia, Marmot Mountain oder Schöffel nicht geknallt haben.

Ich renne an solchen Tagen jedoch auch nicht zum Kleiderschrank und fange mit dem aussortieren an. Die Frage der Produktionsbedingungen stellt sich ja auch bei den Turnschuhen von Nike, Puma und Co. oder beim iPhone von Apple. Die unkonventionelle und kritische taz nahm sich im Artikel Blut am Apfel die Produktionsbedingungen in den chinesischen iPhone-Fabriken vor. Danach möchte man nicht mehr telefonieren. Es tröstet dann auch nicht, dass ich kein iPhone besitze (noch nie besessen habe) und meine Kommunikationswerkzeuge aus anderen Herstellerquellen stammen.

Doch zurück zur Outdoor Branche. Der Hersteller Vaude reagierte damals im Jahr 2010 auf den eingangs erwähnten Artikel bei Spiegel Online und gab eine Erklärung raus, in der Stellungnahme war unter anderen zu lesen:

,,Zu unserer Produktionsstätte in Burma, die sehr hohen Ansprüchen in Bezug auf Arbeitsbedingungen gerecht wird und sich gerade zertifizieren lässt nach SA 8000 Standard, möchten wir Ihnen aktuell Folgendes mitteilen: Als mittelständisches deutsches Familienunternehmen können wir nicht abschließend einschätzen, ob und inwieweit die positiven Aspekte unseres Engagements für den einzelnen Menschen vor Ort (Arbeitsplätze etc.) den potentiell negativen Auswirkungen (Stabilisierung eines Unrechtsregimes) überwiegen. Aus diesem Grund haben wir uns vor einigen Monaten dazu entschlossen, uns im Rahmen einer Exit-Strategie Schritt für Schritt aus Burma zurückzuziehen. „

Tief durchatmen. Exit-Strategie für einen Produktionsstandort eines Outdoor Anbieters. Besser wie wegducken, das Thema ignorieren oder auf dem Standort in einer Militärdiktatur beharren.