Fußball-WM 2014: Lesehinweis interpool.tv

Er ist einer, der die Dinge schonungslos beim Namen nennt. Da macht Fred Kowasch auch bei der Frage nach der Sicherheit von Rio auf interpool.tv keine Ausnahme. Unbedingte Leselektüre. Notfalls die Sportschau, die Berichte über die 23. Meisterschaft von Bayern München oder den Wochenendeinkauf sausen lassen. Auf geht´s!

Nachdenkenswert #170

,,93 Vereine konkurrieren fortan in 5 Ligen um groteske 3 Aufstiegsplätze in die Bedeutsamkeit: Was für Millionen Zuschauer der Sportschau ab 18 Uhr ein nettes Aufwärmprogramm ist, war hinsichtlich dieser Kommerzialisierung der Sargnagel für zahlreiche Traditionsvereine. Preußen Münster hat den Absprung geschafft und lebt. Carl-Zeiss Jena, TuS Koblenz, Rot-Weiß Oberhausen, Eintracht Trier und Rot-Weiss Essen sind mausetot. Oder hört noch jemand ihre Stimmen, und wie sie singen, oh wie schön das alles ist?“

     Søren Feyerabend, Spiritus Rector von kabinentraktate.wordpress.com

     im lesenswerten Text Die Stadt der Lichter und Lenker

Nike bleibt Armstrong treu

Trotz aller Turbulenzen im Radsport gibt es noch Sponsoren in dieser schwerst angeschlagenen Sportart. In der Causa Lance Armstrong gibt es ein klares Statement von Nike. Auf sportschau.de im Artikel unter dem Titel „Fall Armstrong“ – Folgen sind unabsehbar:

,,US-Sportartikelhersteller Nike hat bereits angekündigt, Armstrongs Krebs-Stiftung treu bleiben zu wollen. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie tut es dem Ruf von Sponsoren ohnehin nicht gut, wenn sie sich spontan von überführten Dopingsündern trennen. Interessant wird sein, wie sich die Sponsoren der Profiteams verhalten. Das Team Garmin-Sharp, bei dem die drei geständigen Vandevelde, Zabriskie und Danielson unter Vertrag stehen, wollte sich noch nicht äußern: „Wir können kein Statement abgeben. Wir stehen unter dem Eindruck der veröffentlichten Fakten und müssen darüber nachdenken, wie es weitergeht“ wird die Teamleitung zitiert.“

Treue in schwierigen Zeiten ist selten geworden. Gefallene Stars, Ex-Bundespräsidenten oder durch Krankheiten aus der Bahn geworfene Sportler können ein Lied davon singen. Die neuesten Enthüllungen in puncto ausgeklügelter Dopingpraxis aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten konnten dabei nicht wirklich überraschen. Armstrongs Logistigkette war präzise auf den maximalen Erfolg ausgelegt. In jeder Hinsicht. Die Spielregeln sahen jedoch sicher ein anderes Ende vorher.

Javier Martínez: Manch Transfer dauert länger

Er scheint jetzt wirklich durch zu sein. Der Transfer mit zig Hängepartien. Unendlich vielen Telefonaten und voreiligen medialen Vollzugsmeldungen. Er kommt jetzt doch. Der junge Mann von Bilbao. Möge seine Integration bestens gelingen. Pfeif auf die Ablösesumme. Auf den einen oder anderen Euro mehr oder weniger in turbulenten europäischen Währungszeiten kommt es nicht drauf an. Dafür kann er eh nix für. Die genaue Ablösesumme will ich gar nicht hören.

Willkommen in Deutschland. Willkommen bei Bayern München. Willkommen in der Bundesliga. Willkommen im Land des aktuellen WM-Dritten und EM-Halbfinalisten.

Was kann Javier Martínez? fragt sportschau.de und resümiert:

 ,,Fürs Tore-Schießen ist Martínez nicht bekannt. Er hat andere Qualitäten. Der 23-Jährige gilt als sehr intelligenter Spieler mit großer Übersicht und strategischen Fähigkeiten. Er ist körperlich robust, lauf- und zweikampfstark und hat ein gutes Passspiel. Im defensiven Mittelfeld übernimmt er Verantwortung für die Spielgestaltung und ist zugleich kompromissloser Abräumer. Wegen seiner Größe von 1,90 Meter gilt er als guter Kopfballspieler. Er ist flexibel einsetzbar und könnte deshalb auch in der Innenverteidigung zum Zuge kommen, wenn dort Not am Mann ist.“

Na denn. Ich freu mich drauf. Bayern München Coach Jupp Heynckes kann spanisch. Er selber hat einst in Bilbao gearbeitet. Dies ist von Vorteil. Der erfahrene Trainer wird sich bei der Integration von Javier Martínez Mühe geben. Desto eher der Neuzugang aus Bilbao in der Mannschaft und außerhalb des Platzes Fuß fasst, um so besser für alle Beteiligten in München.

Vorfreude auf die Bundesliga 2011/2012

Jetzt kann sie eigentlich losgehen. Die geliebte Bundesliga. Männerfußball. Radiokonferenzschaltungen. Bayern München von der Tabellenspitze grüßend. Ich kann mich doch auch dieses Jahr auf ein ungeschriebenes Gesetz seit 1996 verlassen?! Seit jenem Jahr (damaliger Meister Borussia Dortmund) folgte einer Saison ohne Meisterschaft von Bayern München prompt der Titel für den Rekordmeister von der Säbener Straße. Es gab seit 1996 keine Konstellation mit zwei meisterschaftslosen Jahren der Uli Hoeneß Truppe hintereinander.

Frauenfußball ist wieder aus den Schlagzeilen der Zeitungen verschwunden. Für Nostalgiker empfehle ich das Interview von Bernd Schröder auf Eurosport. Er schonte nach dem WM-Aus keinen. Der Kultrainer von Turbine Potsdam legt den Finger schonungslos in die Wunde und benennt Fehler und Verantwortliche des ins Wasser gefallenen Sommermärchens in seiner arteigenen Art.

Doch zurück  zum Männerfußball. Der Klitschko Kampf und die Tour de France ist auch durch. Bei Sport Bild fand nur eine marginale Bearbeitung der Frankreich Tour statt. Mit dem Doping ist es aber auch so eine Sache.  Pragmatisch äußerte sich da unlängst Sebastian Moll, in New York lebender Journalist und profunder Kenner der Rundfahrt, in der Financial Times Deutschland:

,,Man lernt, dass dopende Sportler nicht das Ende des Abendlandes sind, sondern dass es im größeren Maßstab der Dinge Schlimmeres gibt. Man lernt, dass man auch ohne die ekstatische Identifikation mit Helden Spaß an der Show haben kann – und dass der Generalverdacht nicht unbedingt das Gleiche ist wie eine vernichtende Generalgewissheit.“
Eine Restfaszination der Tour ist geblieben. Themawechsel. Das Kieser Porträt auf 3sat habe ich auch gesehen. Habe anschließend beim nächsten Training meine Übungen bewusst langsamer an den Maschinen vollzogen. Die erste Pokalrunde im DFB-Pokal ist auch durch. Leverkusen hat dabei den größten Unterhaltungswert gezeigt. Kompliment.
 
Der Bankrott des DDR-Rekordmeisters BFC Dynamo war auch zu verzeichnen. Der Hat-Tip geht an sportspool.tv
 
Olympia 2018 München ist auch Geschichte und es werden Rechnungen präsentiert werden. Derweil verschiebt der Stadtrat die Entscheidung über eine erneute Bewerbung für 2022. Die Bewerbergesellschaft 2018 wird abgewickelt. Die Suche nach neuen Jobs ist auf Hochtouren.
 
Ganz anders die Bewerbung der Bundesligasaison 2011/2012. Da funkt Samsung nicht dazwischen. Keine Gefahr für eine Abstimmungsniederlage. Die Stadien werden wieder gut gefüllt sein, die Sportschau wird auch mit einem neuen Gesicht Einschaltquoten oberhalb der Tour de France Berichterstattung von 2011 erzielen. Der kicker und die Sport Bild werden wieder Käufer in den Bahnhofsbuchhandlungen dieser Republik finden. Väter stimmen ihren Terminplan am Wochenende nach dem Spielplan der Bundesliga ab. Ehefrau und die Kinder wissen schon Bescheid. Die Radiokonferenzschaltung ist für Autofahrer am Sonnabendnachmittag fester Bestandteil eines eingeübten Rituals. Stars die vor der Saison keiner kannte werden am Ende einen Namen haben. Es wird wieder jede Woche Aufreger geben, wahnsinnige Diskussionen über die Schiedsrichter, Torhüterleistungen und an die Latte oder den Pfosten gehämmerte Elfmeter. Auch Schwalben werden wir wieder sehen. Emotionale Vulkanausbrüche von Klopp oder Tuchel. Statements von Sportdirektoren – Wir stehen hinter unserem Trainer – nach Niederlagenserien. Kurzfristig folgende Entlassung eingeschlossen. Es wird auch wieder auf spox geschaut. Natürlich auch auf indirekter-freistoss und allesaussersport.
 
Die Bundesliga kann beginnen. Ich freu mich drauf. 
 

Reminiszenz an den Auftritt von Daum mit Hoeneß und Heynckes im ZDF Sportstudio

Ich bin ja im sozialistischen Laborversuch DDR aufgewachsen. Sonnabend war Fußballzeit. Nach dem Update der aktuellen Oberligaergebnisse incl. Livebesuch und der anschließenden Sportschau mit den Fußballstars aus dem Westen wurde auch das ZDF Sportstudio am Abend geschaut. Einer der unterhaltsamsten Momente breitete sich  damals im Wortduell zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß aus. Früher warf man ja Speere. In der Neuzeit flogen Worte.

Mit ARD und ZDF sitzen Sie in der letzten Reihe

Sie werden gemästet. Die Lizenz zum Gelddrucken wird gerne mit dem öffentlichen Auftrag verteidigt. ARD und ZDF ziehen regelmäßig mit ihrer Sportberichterstattung die Kritik an wie Licht die Motten. Ausgewogenheit und Balance zwischen den verschiedenen Sportarten ist Fehlanzeige. Sportspool.tv schreibt:

,,Jeden Samstag ab 18:00 Uhr gibt es im Ersten Deutschen Fernsehen, eine Sendung, die sich fälschlicherweise Sportschau nennt. ‚Fußballshow‘ wäre der richtige Begriff. Zum Beine ausreißen – wenn nur noch der Ball rollt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn andere Sportler und Sportverbände zunehmend sauer werden. Gerade sorgt ein Offener Brief der Leichtathleten für Wirbel.“ 

Wenn das mit dem offenen Brief der Leichtathleten Schule macht wird es demnächst Schriftstücke von Handballern, Eishockeyspielern, Volleyballern, Schachspielern, Basketballern etc. geben.

Ach, ich vergaß doch jetzt glatt die Radsportler. Für den Ausstieg von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung der Tour de France 2012 fand jüngst Rudolf Scharping ironische Worte der Kritik. Einst pushte der Sender mit dem öffentlichen Auftrag das Team um Jan Ullrich während der Frankreich-Rundfahrt. 

Reminiszenz an die Schachbundesliga

Schachbundesliga ist spannend. Leider findet sie nie in der Sportschau statt. Okay, die paar Hanseln beim Schachbund (100.000 Mitglieder) sind ja wohl zu vernachlässigen. Wer war gleich nochmal der Präsident der Schachfreunde? Ach, Professor Dr. Robert K. von Weizsäcker. Außerdem geht es dem Eishockey oder Volleyball und anderen Randsportarten ja auch nicht besser. Ich mag Fußball ja sehr. In meiner Kindheit und Jugend habe ich Schach und Fußball gespielt. Ich wollte beides nicht missen. Bobby Fischer war für mich genau so ein Held wie Franz Beckenbauer. Aber wir wollen jetzt nicht weiter Schelte ob der Monokultur in der ARD Sportschau  betreiben. Selbst ist der Mann.

Hier sind einige Sequenzen der Spitzenbegegnung zwischen OSG Baden-Baden und Werder Bremen in Heidelberg. Bonusmaterial gibt es auch. Schachweltmeister Viswanathan Anand gibt sein Statement ab. 

Mein Dank geht an Herrn Georgios Souleidis, Redakteur der Webseite Schachbundesliga.

Nachdenkenswert #24

,,Selbst im Programm des Ersten läuft ja nahezu jeden Samstag eine Live-Sportberichterstattung über mehrere Stunden. Zum Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen gehört auch, über das zu berichten, was die Massen interessiert. Ganz allgemein meine ich aber, dass die Öffentlich-Rechtlichen dem Quotendruck zu sehr nachgeben und mutiger in ihrer Programmauswahl sein sollten.

Die Sportschau trägt ihren Namen zu unrecht. Es ist eine Fußballschau, vielleicht sogar eine Fußball-Show. Im Ersten fehlt eine Sportsendung, die wirklich umfassend über Sport berichtet. Das ZDF hat so etwas mit der Sport Reportage. Dabei stellt sich allerdings auch die Frage, ob wir wirklich zwei solcher öffentlich-rechtlicher Formate benötigen.“

          Marc Hankmann, Journalist, im sportinsider Interview