Heuchelei um Lance Armstrong

Heute ploppte die Pantani Geschichte auf. Aus dem Anlass vielleicht auch Gelegenheit einen Text vom Oktober 2012 vom einstigen Velo-Jesus Lance Armstrong rauszuholen.

Reblog (vom 24. Oktober 2012)

Hat jemand die 15 Tonnen Sekundärliteratur zur Causa Armstrong durch? Es ist die Stunde der Heuchler. An Lance Armstrong wird sich abgearbeitet. Riecht ein wenig nach dem Versuch die Thematik Doping im Radsport wieder einmal als Einzeltäterschaft hinzustellen. Man muss den Texaner nicht mögen. Armstrong hat das Ding ja nie alleine durchgezogen. Bei seinem Comeback 2009 griff Christian Ewers im Stern Nr. 28 am 2.7.2009 in seinem Artikel über Lance Armstrong eine Episode vom März des selbigen Jahres heraus:

,,Im März ließ Armstrong einen Dopingkontrolleur 20 Minuten warten, vorgeblich, weil er erst mal duschen wollte. In 20 Minuten kann man auch bequem eine Dopingprobe manipulieren, verschleiernde Medikamente nehmen oder gar den Urin austauschen. Ein klarer Verstoß gegen die Vorschrift, der normalerweise wie ein Dopingvergehen geahndet wird – für Armstrong kein Problem. Er telefonierte mit dem Chef des Internationalen Radsportverbandes, ein paar Tage später war die Sache aus der Welt.“

Die jetzt zur Schau gestellte Naivät von Sponsoren des einstigen Tourgott Lance Armstrong kann ich nicht nachvollziehen. Klar, in dieser Ausführlichkeit, wie jetzt vorliegend, gab es noch keinen Roman über die ausgeklügelten Dopingpraktiken mit all seinen Verästelungen, Abgründen, Manipulationen und gezahlten Provisionen für Kurierfahrer auf dem Motorrad incl. Spitznamen. Doch die Tour ist offenbar nicht mit Brot und Wasser zu gewinnen. Derweil wird die Tour de France 2013 präsentiert. Der Radsportzirkus geht weiter. Die monetären Interessen vom Veranstalter, von Sponsoren, Funktionären und Verbänden (ich hab sicherlich noch einige Interessenten und Nutznießer vergessen) müssen bedient werden. Die Frankreichrundfahrt ist eine unendliche Geschichte des Dopings. Der surreale Tod von Tommy Simpson im Jahr 1967 am Mount Ventoux sei stellvertretend hier nochmals erwähnt und zu sehen. Jugendliche Leser meines Blogs unter 18 Jahren mögen an dieser Stelle bitte aussteigen.

Tief durchatmen.

Die Tour de France verlor ihre Unschuld.

2 Jahre vorher hatte Simpson dem Magazin The People ein Interview gegeben. In der tabellarisch aufbereiteten Dopingübersicht von Cycling4Fans steht vermerkt:

,,Tom Simpson gibt in einem Interview mit dem Journal „The People“ zu sich zu dopen – niemand fand das besonders schockierend.“

21 Jahre nach der Todesfahrt von Tomy Simpson gab es 1998 den Festina-Skandal. Die Branche war unverbesserlich. Dann trat Lance Armstrong nach überstandener schwerer Hodenkrebskrankheit auf den Plan und schickte sich an die Tour de France von 1999 bis 2005 zu gewinnen. Es gab großartige Duelle gegen das deutsche Radsporttalent Jan Ullrich. Er hatte erstmalig für Deutschland 1997 die Höllentour gewonnen. Er hatte viele Fans. Einer davon war damals der SPD Politiker Rudolf Scharping. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte große Momente in der euphorischen Übertragungswelle. Doch gegen Lance Armstrong zog Jan Ullrich immer wieder den kürzeren. Rudolf Scharping äußerte sich dieser Tage in seiner Funktion als Radsportfunktionär (Präsident Bund Deutscher Radfahrer) zur Ära Armstrong gegenüber dem kicker:

„Die Entscheidung der UCI ist nach der Beweislast nur konsequent. Entscheidend ist, dass ein verseuchtes Jahrzehnt aufgearbeitet und endlich abgeschlossen wird.“

Endlich das Kapitel zumachen. So wünscht sich dies der ehemalige SPD Hoffnungsträger für das Bundeskanzleramt. Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Troika Scharping, Lafontaine und Schröder?

Ist es Zeit für ein Begräbnis der Sportart Radsport? Vor einigen Jahren sagte ein Bestatter zu mir:

,,Sehr viele Trauernde essen lieber trockenen Kuchen.“

Ehemalige deutsche Sponsoren im Radsport wie Telekom, Gerolsteiner oder Milram haben bereits vor Jahren ihre Sponsorships in der skandalumwitterten Branche der Lohnfahrer beendet.

Eigentlich hätten wir alle bereits trockenen Kuchen essen müssen.

Blattkritik: touchpoint – Das Magazin für Sponsoring

Reblog [vom 4. Dezember 2013]

Der Markt für Branchenmagazine im Sponsoring mit Schwerpunkt Sport hat dieses Jahr einen neuen Mitspieler bekommen. Das neue Blatt hört auf den Namen touchpoint und kommt aus dem Hause Verlag Werben & Verkaufen GmbH. Traveler Digital CameraAm Markt agieren in Deutschland bereits seit vielen Jahren SPONSORs und sponsor news. Beide alteingesessenen Titel kommen selbstbewusst daher und spielen gekonnt auf der Klaviatur des Eigenmarketings.

Das in Hamburg ansässige Magzin SPONSORs mit dem Gründungsjahr 1996 auf seiner Online-Site im selbstbewussten Ton:

,,SPONSORs ist der führende deutschsprachige Aufbereiter und Anbieter von Informationen im Sportbusiness.”

,,Das monatlich erscheinende SPONSORs MAGAZIN bietet den Entscheidern der Sportbusiness-Szene tiefgründige Analysen, umfangreiches Datenmaterial, spezifische Rechtsberatung, personenspezifische Hintergründe, journalistisch sauber aufbereitete Themen und vieles mehr.”

Auch sponsor news kommt mit offensiven Charme und dem Selbstbewusstsein eines Branchenführers daher:

,,sponsor news ist das richtungsweisende Fachblatt für Sponsoring im deutschsprachigen Raum und erscheint seit Februar 1992 monatlich.
sponsor news berichtet über aktuelle Sponsoring-Strategien und die Herausforderungen, vor denen Sponsoren stehen. Was führt zum Erfolg? Wer bewegt was in der Branche und wo gibt es neue Trends?”

Wer ein Gefühl für den Sound vom Münchner Branchenmagazin bekommen möchte, schaut in das Interview mit dem Borussia Dortmund Marketingleiter Carsten Cramer hinein.

Nun gesellt sich touchpoint im Markt der Sponsoringmagazine dazu. Im November gab es die zweite Ausgabe des neuen Branchenblattes mit Sitz in München.Traveler Digital CameraWas offeriert touchpoint im Heft? Die Titelstory auf den Seiten 18 bis 23 ist ganz auf den anstehenden Winter zugeschnitten und geeicht. Wintersport-Sponsoring wird unter die Lupe genommen. Die beiden namhaften Autobauer Audi und BMW aus Bayern liefern sich dabei ein Kopf-an-Kopf Rennen um begehrte Sponsorships.

,,Optisch kommt es zu mancher Kollision: Aktuell sehen Biathlon-Zuschauer mitunter das BMW-Emblem auf der Startnummer und die Audi-Ringe am Rennanzug. Das pikante PS-Werbeduell ist für Branchenbeobachter fast spannender als der sportliche Wettkampf.”

Dabei ist der bekannteste Wintersport-Sponsor laut dem Repucom Wintersport Kompass 4/2013 Milka. Danach gruppieren sich Adidas und Red Bull auf den Podiumsplätzen ein. Platz 4 verzeichnet Audi vor Erdinger Alkoholfrei und Jack Wolfskin. Auf Platz 7 notiert Intersport vor BMW sowie der DKB und Viessmann. Das neue Sponsoringmagazin touchpoint arbeitet generell gerne mit Material vom Beratungsunternehmen Repucom. Dazu später noch mehr.

Biathlon ist weiterhin Medienliebling. Die TV-Präsenz bei den öffentlich-rechtlichen ist trotz Rückgang der Reichweiten nach wie vor für Sponsoren hochinteressant. In der abgelaufenen Wintersaison 2012/2013 waren 254 Millionen Zuschauer im Fernsehsessel im frei empfangbaren Fernsehen zugegen, wenn Schießen und Laufen sich in einer Sportart abwechselten. In der Saison 2010/2011 waren gar 309 Millionen Biathlonfreunde vor den TV-Geräten der Republik bei den Biathlon-Wettkämpfen Augenzeuge. Sponsoren mögen die telegene Umsetzung des Wettkampfs auf dem Bildschirm. Die Qualität der Fernsehübertragungen und die spannende Inszenierung einer einst eher als unspektakulär daherkommenden Wintersportart sorgt für die gewünschte Aufmerksamkeit.

Wintersport und richtiger Winter sind auch immer ein Thema.  Prof. Dr. André Bühler, Direktor Deutsches Institut für Sportmarketing kommt in der Titelstory zu Wort mit dem Hinweis:

,,Wenn die Rennstrecke zwar kunstschneeweiß ist, daneben aber grüne Flächen zu sehen sind, wirkt das recht künstlich und nimmt etwas von der Faszination.”

Dem kann ich nur zustimmen. Irgendwie sehen Grünflächen abseits der Pisten und Loipen immer wie ein Wetterunfall aus und nehmen etwas von der Atmosphäre.

Noch ein Wort zu Milka. Die Schokolade mit dem arteigenen Erkennungszeichen. Milka Kühe am Rand der Skipisten sind übrigens seit 1995 festes Ritual. Im Magazin liest sich dies dann mit dem erreichten Sponsorziel so:

,,Die Alpenwelt als Heimat – das erscheint authentisch und ist gelernt. Erinnerungsdepots in den Köpfen auch internationaler TV-Zuschauer sind mit lila Farbe angefüllt.”

Im Wintersport sind auch Bridgestone, Vissmann, Jack Wolfskin aktiv. Letzterer erzählt jetzt verstärkt seine Geschichten abseits der Bandenwerbung im Fußballstadion. Markus Lichti von Repucom über die Kunst begnadeter Geschichtenerzähler:

,, Wintersport eignet sich noch besser als Fußball, um spannende Geschichten zu erzählen. Ich muss nicht nur alle Gegner besiegen, sondern habe auch oft noch eine Naturgewalt gegen mich.”

Apropos Repucom. Im Magazin touchpoint finden sich vom Beratungsunternehmen neben dem oben bereits angesprochenen Wintersportkompass zu den bekanntesten Sponsoren auch weitere Übersichten wie die Reichweiten im deutschen Free-TV oder das Interesse am Biathlon, Skispringen, Ski alpin, Nordische Kombination, Bob und Rennrodeln, Eiskunstlauf, Snowboarding und Skicross im Vergleich zwischen 2005 und 2013. Auch ein Testimonials Celebrity fehlt nicht. Namen wie Vitali und Wladimir Klitschko, Steffi Graf, Sebastian Vettel, Dirk Nowitzki, Magdalena Neuner, Manuel Neuer, Jürgen Klopp oder Martin Kaymer tauchen darin auf. Oder die Top-10-Testimonials deutscher Sportler mit den geschätzten Sponsoring-Einnahmen pro Jahr.

Im Magazin gibt es  auch einen Artikel über den Sponsor-König Red Bull. Für Red Bull Experten gab es jetzt nicht gravierend Neues zu erfahren. Die “Rasenschach” Anekdote von Dortmunds Geschäftsführer Watzke wird erzählt. Sie sollte sich aber mittlerweile bis in den hintersten Winkel der Fußballrebuplik herumgesprochen haben. Herr Watzke arbeitet sich seit Jahren an RB Leipzig ab. Da wirkt er auch immer etwas verkniffen. Sympathiepunkte holt er sich damit nicht bei mir ab.  Auch die 2009er Sache mit dem Markranstädter Deal beim damaligen Fünftligisten wird im Text erwähnt. Auch ein Schwenk zum 1. FC Lokomotive Leipzig gibt es.

,,In DDR-Zeiten war Lokomotive Leipzig einer der führenden Klubs. Doch nach der Wende war es in der Stadt rasch vorbei mit dem Erfolgsfußball.”

Nun, ich habe die Leipziger Jahre damals selber Live miterlebt. Das Jahr 1993 führte zum spektakulären Aufstieg von Lok in die Bundesliga. Damals firmierten sie unter dem Namen VfB Leipzig. Das entscheidende Spiel gegen Mainz 05 wurde im Zentralstadion (jetzt nach den Umbaumaßnahmen und der Platzverkleinerung auf den Namen Red Bull Arena hörend) von den Probstheidaern gewonnen. Die Situation im Leipziger Fußball ist komplex, emotionsgeladen und nicht in 4-5 Sätzen zu erklären. Da weder Chemie Leipzig (DDR-Meister 1964) noch der Europapokalfinalist von 1987 Kontinuität entwickelten in dieser Goldgräberzeit nach der Wende (zeitweise fühlte ich mich in Leipzig wie in die Erzählungen von Jack London über die abenteuerliche Jagd nach Gold hineinversetzt), gab es in der Messestadt immer weniger seriösen Fußball. Dadurch entstand ein fußballerisches Vakuum. Red Bull, durchaus nicht sentimental, jedoch vernünftig wirtschaftlich kalkulierend, ergriff mit RB Leipzig im Jahr 2009 eine gute Chance sich selber in der Königsdisziplin Fußball in Deutschland zu positionieren. Die ersten Spiele in Markranstädt haben bereits jetzt eine nostalgische Note. Mittlerweile spielen sie im einstigen Zentralstadion, damals im Land der hohen sportlichen Ambitionen ein Stadion der Hunderttausend. Okay, 2-Nichtaufstiege aus der vierten Liga in die 3. Liga haben Red Bull Zeit gekostet, doch die Österreicher haben einen langen Atem. Wer übrigens kompetente und kontinuierliche  Berichterstattung über RB Leipzig mag, dem sei rotebrauseblogger empfohlen.

Im Text bei touchpoint über Red Bull wird auch auf die geplante Multifunktionsarena in München verwiesen und die 50+1 Regel gestreift. In der bayerischen Landeshauptstadt sollen später die Eishockeycracks von EHC Red Bull und die Basketballer von Bayern München ihren sportlichen Leibesübungen vor Publikum nachgehen. Auch der Verweis auf die Meistertitel vom FC Red Bull Salzburg fehlt nicht. Was wäre ein Red Bull Artikel ohne die Erwähnung von Formel-1 Serienweltmeister Sebstian Vettel. Den Kontrahenten schwillt ja zuweilen der Hals. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff steht dafür exemplarisch mit seiner kernigen Aussage:

,,Auf Dauer ist es nicht akzeptabel, dass ein Brausehersteller Mercedes vor der Nase herumfährt.”

Red Bull lässt solche Äußerungen souverän abprallen.

Themenwechsel. Es gibt im Magazin einen Artikel über Frauen – eine (noch) unverstandene Zielgruppe. Den Text gebe ich zu gegebener Zeit meinen beiden Schwestern zum lesen. Gastautorin Diana Jaffé sieht ein großes Potenzial in Sachen Sponsoring-Strategien mit der Zielgruppe Frau. So richtig hat mich das Thema nicht begeistert. Vielleicht gibt es da wirklich stärkeres Feedback wenn Frauen über die Zeilen schauen. Oder ich nehme den Text auch nochmal in einer etwas ruhigeren Minute zur Hand.

Spannend fand ich den Beitrag von Gastautor Reiner Schlump über die Sponsoring-Idee Trail Running. Der Sportmarketing-Manager ist seit 1978 für Salomon tätig. Ab 2007 erfolgte der konzentrierte Ausbau des Sponsoring-Segments Trail Running. Salomon hat einen guten Namen in der Berglaufszene. Berg- und Crosslaufevents wurden gesponsert. Mit der Nähe zur Szene ging die Produktentwicklung bei Salomon für Bergläuferspezifische Ausrüstung einher. Parallel dazu trat Salomon kontinuierlich bei einer Veranstaltungsserie auf:

,,2007 trat Salomon erstmals als Namensgeber der Trail Runnung Cup-Event-Serie in Deutschland in Erscheinung. Diese vereinigte 14 bestehende Events zu einer zusammenhängenden Serie. Ziel der Event-Reihe war es, neben der Markenkommunikation, die Läufer deutschlandweit zusammenzuführen und eine Trail-Running-Community zu bilden.”

Das wirkte sich durchschlagend auf den steigenden Bekanntheitsgrad der Marke Salomon aus. Die Anmeldungen zu den Events stiegen von jahr zu Jahr, die Umsätze steigerten sich bei den bergspezifischen Produkten für das Marktsegment Trail Running.

Insgesamt hat das Sponsoringmagazin touchpoint Potenzial. Die Münchner sind auf einem guten Weg. Abgerundet wird die 2. Ausgabe durch einen Terminkalender, einen Blick auf Bücherneuerscheinungen, ein kurzes Interview mit DTM Fahrer Pascal Wehrlein und einem ausführlicheren ganzseitigen Interview mit Oliver Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Firma MSC Sports in Karlsruhe, über Public Affairs und Sponsoring.

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (21)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (21)

Eigentlich ist es noch zu früh um Zeugnisse auszuteilen. Doch der Fußballjournalist Jan Christian Müller hat auf Frankfurter Rundschau für Joachim Löw ein kleines Zwischenzeugnis ausgestellt.

,,Diesmal kam die deutsche Mannschaft mit dem Schrecken davon. Aber natürlich hätte Skhodran Mustafi niemals zur Startelf gehören dürfen. Der 22-Jährige ist ein guter Innenverteidiger, aber es war fahrlässig, den armen Kerl nach seiner völlig missglückten zweiten Halbzeit gegen Ghana  noch einmal aufzubieten. Mustafis Unsicherheit breitete sich im Nu auf die ganze deutsche Mannschaft aus, die praktisch nur noch mit zehn Mann auf dem Feld war. Man fragt sich, wie die keineswegs nachvollziehbare Entscheidungsfindung beim Bundestrainer  zustande kam.“

Auch von Sportspool.tv gibt es keine guten Noten für Übungsleiter Löw.

,,Denn weder Brasilien, noch Argentinien, Frankreich oder Holland überzeugen in Offensive, wie Defensive. Dennoch kann man sich fast sicher sein: Löw und sein Stab werden es diesmal wieder vergeigen. Da macht eine Freistossvariante das Team vor aller Welt lächerlich, verdeutlicht das Festhalten an einer Abwehrformation aus vier Innenverteidigern nur: hier sind starrsinnige Blender am Werk, die ihr Handwerk nicht beherrschen. Dafür aber Millionen kassieren. Noch ist Zeit umzudenken – ein Endspiel zwischen Holland und Deutschland wäre einfach ein Traum.“

Ja, eine Neuauflage der 1974 Finalpaarung von München wäre eine phantastische Geschichte. Doch das werden wir wohl mit 99,99% Sicherheit nicht erleben. Der in seiner 20-Jährigen Trainerlaufbahn im Männerbereich mit zwei überschaubaren Titeln (1997  DFB-Pokal mit dem VfB Stuttgart gegen das drittklassige Team von Energie Cottbus und die österreichische Meisterschaft mit dem FC Tirol Innsbruck 2002) zu Buche stehende Übungsleiter Löw  dämpfte vor der WM im stern Interview die Erwartungen selbst:

,,Titel sind die Krönung. Aber mein Seelenheil hängt ganz und gar nicht von diesen Tagen in Brasilien ab. Geht es um das Seelenheil, da blickt man doch auf viel mehr, nicht nur auf vergängliche Triumphe. Ein Sieg mehr, eine Niederlage mehr – ich glaube nicht, dass dies am Ende die entscheidende Rolle spielt.”

Noch Fragen?

Apropos Fragen. Boris Büchler hatte Fragen. Abwehrspieler Per Mertesacker konnte damit nicht gelassen und charmant mit umgehen. Frank Lübberding beglückwünscht in der faz den Reporter: Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!

,,Insofern gewährte Per Mertesacker nach dem Achtelfinalspiel gegen Algerien ungewohnte Einblicke in seinen Gemütszustand. Er kanzelte den ZDF-Reporter Boris Büchler live ab (Video). Jede Frage nach der Qualität des deutschen Spiels erschien ihm als Majestätsbeleidigung. Er wisse nicht, was die Leute von ihm und der Nationalmannschaft wollten. Schön spielen und wieder ausscheiden, wie in den vergangenen Turnieren?“

Nun, da verkennt Mertesacker generell etwas. Die Niederlagen 2012 im EM-Halbfinale gegen Italien, die Verlustpartie gegen Spanien 2010 und das mutlose Endspiel 2008 gegen Torres und Co. in Wien waren ja keine schönen Spiele. Es waren arg verkrampfte Spiele, taktisch vercoachte Niederlagen und teilweise mutlos agierende Spieler, denen die Courage sowie der unbedingte Siegeswille im entscheidenden Moment fehlte. Immer wenn es um die Wurst ging, wirkte das Spiel blockiert.  Ja, lieber Per Mertesacker die deutsche Mannschaft schied die letzten Jahre sehr oft aus, sie spielte in jenen verlorenen Spielen jedoch nicht schön.

Trauma für Puma im Achtelfinale

Am heutigen Ruhetag kann auch ein erstes Zwischenfazit nach dem Achtelfinale gezogen werden in Sachen Sportmarketing und Sponsoring. Die Sportartikelfirmen Nike und Adidas hatten jeweils 5 Mannschaften ins Achtelfinale gebracht. Puma 4. Burrda und Lotto Sport jeweils ein Team. Für Puma entwickelte sich die Runde der letzten 16 zu einem Trauma. Chile flog raus, Uruguay flog raus, Algerien flog raus und gestern flog leider auch noch die Schweiz raus. Hier unten am Bodensee wird gerne auch von der Vierländerregion gesprochen. Dem Fürstentum Liechtenstein, Österreich, Deutschland und der Schweiz.Traveler Digital Camera

Die Sympathien für die Eidgenossen hier am Bodensee waren klar vorhanden. Es wäre jetzt nicht die Fahne auf Halbmast geflaggt worden, wenn Argentinien im Elfmeterschießen zum Beispiel gegen die Schweiz rausgeflogen wäre. So musste auch das letzte Team im Puma Dress Abschied von dieser WM nehmen. Das ist bitter aus marketingtechnischer Sicht für die Franken in Herzogenaurach. Puma kann nicht mehr in Live-Übertragungen vom Werbeeffekt der Trikots in diesem Turnier profitieren. Apropos bitter. Puma verlor in drei direkten Duellen mit dem fränkischen Konkurrenten Adidas. Kolumbien (Adidas) setzte sich gegen Uruguay (Puma) ohne Beißer Suarez durch, Deutschland traditionell in Adidas Hemden schickte Algerien in Puma Kleidung nach Hause und die Schweiz in Puma Sportkleidung verlor gegen die von Adidas ausgestatteten Argentinier. The Wall Street Journal hatte ja unlängst treffend getitelt Fußball-WM 2014 wird zur Materialschlacht der Ausstatter und dabei auch auf Einzelverträge von Spielern ein Auge geworfen.

,,Puma, derzeit mitten in einem Restrukturierungprogramm, will zur WM wieder das sportliche Image schärfen. Mit markanten Einzelspielern wie Dante, Marco Reus oder Cesc Fàbregas, die dank der freien Schuhwahl Puma-Treter tragen werden, will der Raubkatzenkonzern für Aufsehen sorgen. „Als kleinerer Herausforderer muss man besonders kreativ sein. Mit innovativem Marketing war Puma immer für eine Überraschung gut, das werden wir auch in Brasilien unter Beweis stellen“, sagt Puma-Sprecher Ulf Santjer. Auch eine Schuhinnovation stehe noch bevor.“

Das mit den Einzelspielern von Puma hat dann auch keine ganz so glückliche Fügung gehabt. Der Bundesligaspieler Marco Reus nahm aufgrund seiner im Armenien Benefizspiel in Mainz zugezogenen Verletzung gar nicht am Turnier teil, Spanien ist bereits wieder zu Hause und Bayern München Verteidiger Dante kam über die Reservistenrolle auf der Bank beim von Nike gesponserten Team Brasilien bisher nicht hinaus. Cesc Fabregas kam auch nur zu zwei überschaubaren Kurzeinsätzen in der Vorrunde. Im Spiel gegen die Niederlande wurde er beim Stande von 1:4 eingewechselt. Zwei Minuten später erzielte der unglaubliche Arjen Robben jenes Weltklassetor zum 1:5 Endstand. Im bedeutungslosen dritten Spiel gegen Australien wurde Fabregas dann in der 68. Minute eingewechselt.

Derweil haben die großen Player Nike und Adidas noch einige heiße Eisen im Feuer. Aber heute ist Ruhetag, da wollen wir auch noch nicht zu sehr in die nächste Runde schauen.

Nachdenkenkenswert #241

,,Weil Konkurrent Sony die Fußball-WM sponsert, erlaubt die Fifa keine „Beats“-Kopfhörer in den Fußballstadien – so berichtet es die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei haben Fifa und Sony offenbar nicht an den Willen der Spieler gedacht. Denn die hören offenbar fast nur auf „Beats“. Das gehört zur Marketing-Strategie des Unternehmens von Rapper Dr. Dre. Schon seit Jahren versorgt Beats Top-Sportler kostenlos mit Kopfhörern.“

Neues aus der FIFA-Regel Welt bei der FAZ unter dem Titel WM-Fußballer dürfen keine Beats-Kopfhörer tragen

Anwalt Ian Williams gewinnt Hitzeschlacht beim 17. Match Race Germany in Langenargen

Ja, es war sehr heiß. Die Temperaturen waren auf Hochsommer eingestellt. Die Hitze sorgte für Schlagzeilen. Das Jahrhunderthoch sorgte für einen Flautenkrimi. Anwalt Ian Williams, seit längerem mit einer erfolgreichen Auszeit vom Anwaltsjob, dem durchlesen von Papieren im Büro und der Arbeit im Gerichtssaal, verteidigte seinen Vorjahrestitel beim Match Race Germany in Langenargen. Der smarte Engländer hinterließ wieder sympathische Spuren am Bodensee.Day four at Match Race Germany. Day three at Match Race Germany.Day three at Match Race Germany.Day three at Match Race Germany.     Fotos: Eberhard Magg

Auch im nächsten Jahr ist Pfingsten wieder terminiert für das hochkarätige Segelevent. Die Sponsoren sind voll des Lobes über die Veranstaltung und ich wiederhole mich hier im Blog gerne: Die Veranstalter von Match Race Germany haben über viele Jahre eine bemerkenswerte professionelle Sponsorenakquise, Gewinnung qualitativer Sponsorships, eine ernsthafte Sponsorarbeit in puncto Betreuung, Kontinuität, Verlässlichkeit sowie intensivem hegen und pflegen des Netzwerkes geleistet. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Das Gesamtergebnis der 17. Auflage vom Match Race Germany 2014

1. Ian Williams, GAC Pindar (GBR)
2. Keith Swinton, Alpari FX (AUS)
3. Phil Robertson, WAKA Racing (NZL)
4. Mathieu Richard, LunaJets (FRA)
5. Björn Hansen, Hansen Sailing Team (SWE)
6. David Gilmour, Team Gilmour (AUS)
7. Taylor Canfield, USone (ISV)
8. Eric Monnin, Team Sailbox (SUI)
9. Francesco Bruni, Luna Rossa (ITA)
10. Karol Jablonski, Jablonski Sailing Team, (POL)
11. Carsten Kemmling, Segelreporter Matchrace Team (Hamburg)
12. Nicolai Sehested, TRE-FOR Matchracing Team (DEN)

Adidas nutzt Vertragslücke bei Legea und stattet Bosnien-Herzegowina aus

Traveler Digital CameraNike kann nicht überall sein. Dem fränkischen Sportartikelhersteller Adidas ist ein Marketing-Coup vor der WM gelungen. Der italienische Ausstatter Legea hatte sich das Großereignis Fußball-WM Brasilien 2014 nicht im Vertrag mit Bosnien-Herzegowina inkludieren lassen. Das im DAX gelistete Unternehmen Adidas nutzte die Vertragslücke. Die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina wird diese Woche am 4. Juni im Länderspiel gegen Mexiko in  Adidas-Trikots auflaufen. The Wall Street Journal schrieb im langen und mit zahlreichen Grafiken von Insider Peter Rohlmann unterlegten bemerkenswerten Artikel Fußball-WM 2014 wird zur Materialschlacht der Ausrüster zu der Legea/Adidas Geschichte:

,,Der Vorgänger, die italienische Marke Legea, hatte versäumt, das Großereignis im Vertrag zu inkludieren. „Adidas kommt nach diesem Geschäft vor Lachen kaum in den Schlaf“, sagt Rohlmann. Alle anderen Wettbewerber hatten nicht schnell genug geschaltet, heißt es. Nur zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro, Sachleistungen inklusive, dürfte dieses Sponsoring im Jahr kosten.“

Es ist nicht überliefert ob Legea den Anwalt ihrer bisherigen Wahl austauschen wird. Für Adidas ist dies das 9. Engagement in puncto Teamausstattung bei der Fußball WM. Der amerikanische Konzern Nike verweist auf 10 Mannschaften. Puma hat 8 bei dem größten Sportereignis im Jahr 2014 am Start. Bosnien-Herzegowina spielt in Gruppe F gegen Argentiniens Messi, den Iran und Nigeria. Die Argentinier und Nigerianer laufen auch im Dress mit den drei Streifen auf. Der Iran wird von dem deutschen Unternehmen Uhlsport ausgestattet. Auf die Episode mit dem kolportierten eingelaufenen Torwarttrikot hatte ich ja bereits hingewiesen. Am 13. Mai schrieb ich hier auf dem Blog:

,,Kaum glauben mag man auf den ersten Blick der Nachricht vom Schwarzwälder Boten über den bei der WM in Brasilien nicht stattfindenden Trikottausch der Mannschaft vom Iran, die vom deutschen Hersteller Uhlsport aus dem schönen Balingen ausgestattet werden. Neben dem Sparsamkeitsdiktat des iranischen Fußballverbandes hebt man die Augenbrauen auch ob der Aussage von Ersatztorwart Ali-Resa Haghighi, der nach dem Waschen sein XL Trikot in signifikant kleinerer Größe wiederfand und dem Konter vom Verbandspräsidenten:

“Die Spieler müssen die nicht mit heißem Wasser waschen.”

Das lasse ich Mal so unkommentiert stehen.“

Mittlerweile hat sich das Unternehmen Uhlsport zu Wort gemeldet und sich gegen die Vorwürfe aus dem iranischen Fußballverband gewehrt. Trikots sind dem iranischen Verband in entsprechend ausreichender Anzahl von dem Balinger Sportartikelhersteller zur Verfügung gestellt worden und es wird auch explizit darauf verwiesen, dass jedes Trikot nur für ein Spiel zur Verwendung kommt.

„Keines der Trikots einer WM kann für ein weiteres Spiel verwendet werden, da diese Trikots immer die Flaggen und das Datum der Partie auf der Brust führen“

Zu der Qualitätskritik von Ersatztorwart Ali-Resa Haghighi nimmt Uhlsport mit Verweis auf die Erfahrungen von Tests und bisheriger Teams ebenfalls Stellung:

,,Dass unsere Polyesterware eingehen soll, ist nach allen unseren Tests nicht ansatzweise nachvollziehbar. Ebenso wenig haben wir von professionellen Mannschaften und anderen Partnern Stoffbeanstandungen erfahren.“

Uhlsport nennt dann auch noch den 3. Torwart der deutschen Nationalmannschaft, Ron Robert Zieler,  den niederländischen Keeper Michel Vorm und den französischen Torwart Hugo Lloris, die Produkten aus Balingen ihr Vertrauen geschenkt haben.

Apropos Torwart. Der einstige Weltklassetorwart Peter Schmeichel auf der Facebook Seite von Bosnien-Herzegowina mit einem klaren Statement in puncto Sport:

„Bei dieser Weltmeisterschaft kann Bosnien & Herzegowina für eine Überraschung sorgen. Niemand will sie als möglichen Gegner..Sie hatten eine tolle Qualifikation hingelegt und haben einen Edin Džeko, der immer für ein Tor gut ist – er kann Spiele alleine entscheiden…“

Der 28-Jährige Džeko ist allen deutschen Fußballfreunden noch gut bekannt aus seiner Zeit beim VfL Wolfsburg. 2009 schoss er 26 Tore und kam mit seinem Sturmkollegen Grafite, der mit 28 Toren Torschützenkönig wurde, auf insgesamt 54 Tore. Das war die deutsche Meisterschaft mit Wolfsburg. Bemerkenswert an den 54 Toren war der damit aufgestellte neue Rekord. Sie lösten das Bayern München Sturmduo Uli Hoeneß und Gerd Müller mit 53 Toren aus der sagenhaften Bundesligasaison 1971/1972 in der Rekordtabelle ab.

Sport am Bodensee: Match Race Germany 2014 mit attraktiven Starterfeld

matchrace2014Die Teilnahme von David Gilmour habe ich hier bereits vermeldet. Match Race Germany nimmt weiter Konturen an. Es ist einer der Höhepunkte im Sportkalender am Bodensee. Die Veranstaltung hat eine arteigene schöne Symbiose aus erstklassigen Segelsport, hochkarätigen und attraktiven Teilnehmerfeld, treuen Stammpublikum, marketingtechnisch gut aufgestellter Crew hinter den Kulissen sowie eine stabile Gruppe an namhaften Sponsoren gefunden.

In der aktuellen Pressemitteilung aus meinem Nachbarort Langenargen gibt es Neuigkeiten unter anderen im Hinblick auf das sich herauskristallisierende Starterfeld:

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Auf Rekordkurs: Weltmeister Ian Williams kommt als Titelverteidiger an den Bodensee

Der Weltmeister hat Gefallen am Match Race Germany gefunden. Viele Jahre hatte Ian Williams vergeblich versucht, den deutschen Klassiker zu gewinnen. Doch nun kommen der Brite und sein Team GAC Pindar über Pfingsten vom 5. bis 9. Juni als Titelverteidiger an den Bodensee. Williams will in dieser Saison der Alpari World Match Racing Tour 2014 einen neuen Rekord aufstellen und zum fünften Mal Weltmeister in der spektakulären Duell-Disziplin des Segelsports werden.

„Natürlich werden wir versuchen unseren Sieg aus dem letzten Jahr zu wiederholen“, sagte Williams, „doch die Gruppe der Tour-Card-Inhaber ist in diesem Jahr sehr stark. Auch die Wild-Card-Starter und die Qualifikanten stellen eine Bedrohung dar.“ Der ehemalige Anwalt, der sich in einer Auszeit vom Job als Weltklasse-Steuermann bewährte und Profi wurde, will mit seinem fünften WM-Titel die Führung in der ewigen Bestenliste der Matchrace-Weltmeister erobern, die er sich bislang mit America’s-Cup-Gewinner und Matchrace-Legende Peter Gilmour teilt. Ausgerechnet Gilmours Sohn David könnte verhindern, dass Williams seinen Vater vom Thron schubst, denn der junge Australier nimmt erstmals Kurs auf Langenargen und will als Tour-Card-Debütant zeigen, zu was die nächste Gilmour-Generation imstande ist. 

Nur die seglerische Leistung zählt

Ian Williams ist ein leidenschaftlicher Duellsegler, sagt: „Die Alpari World Match Racing Tour bietet mit das beste Regattasegeln in unserem Sport. Weil Boote und Ausrüstung gestellt werden, geht es ausschließlich um die Leistung der Segler an jedem gegeben Tag. Das sorgt für einen großartigen Wettbewerb.“ Und einen spannenden dazu, denn gesegelt wird im Matchrace wie im America’s Cup: Im Duell Boot gegen Boot. Vergleichbar ist diese Segelsport-Disziplin mit einer Mischung aus Schachspiel und Boxkampf auf dem Wasser. Es gibt nur einen Sieger. Zweiter ist schon Letzter. Design- oder Materialvorteile spielen in den Duellen zwischen den baugleichen Booten keine Rolle. Auf Langenargen freut sich Ian Williams, der am 26. April seinen 37. Geburtstag feiert, ganz besonders: „Wir genießen es immer an den Bodensee zu kommen. Dort herrscht jedes Mal eine sehr ausgelassene Feststimmung. Es ist so ein wunderschöner Ort, dass wir uns immer aufs Wiedersehen freuen.“

Das Match Race Germany findet 2014 zum 17. Mal seit 1997 statt. Nur einmal fiel der deutsche Klassiker des Duellsegelsports dem Hochwasser zum Opfer. Längst ist der Grand Prix von Langenargen renommierter und einziger deutscher Tour-Stopp der Alpari World Match Racing Tour. Wie schon 2013 eröffnet das Match Race Germany die Tour-Saison auch in diesem Jahr. Acht gesetzte Tour-Card-Inhaber, zwei Qualifikanten und zwei vom Veranstalter eingeladene Wild-Card-Teams bilden das Feld der insgesamt zwölf teilnehmenden Mannschaften aus mindestens neun Nationen, die über Pfingsten direkt vor dem Langenargener Ufer Zehntausende Zuschauer mit ihrer Segelkunst begeistern werden.

Eine Welttour, sechs Regatten, ein Weltmeister

Die finale Teilnehmerliste geben die Veranstalter im Mai bekannt. Für die Profi-Crews geht es im hübschen Familienurlaubsort Langenargen zwischen Friedrichshafen und Lindau um rund 50.000 Preisgeld und wertvolle Punkte für die Tour-Wertung und den Kampf um die WM-Krone. Nach dem Weltmeisterschaftslauf wird die Alpari World Match Racing Tour ab 30. Juni vor Schwedens schöner Insel Marstrand fortgesetzt und endet nach drei weiteren Regatten vor Sopot (Polen), Chicago (USA) und Hamilton (Bermuda) mit dem Finale in Malaysia. Dort entscheidet sich, welches der Profi-Teams in diesem Jahr den WM-Titel und einen Löwenanteil vom Gesamtpreisgeld der Tour in Höhe von 1,75 Millionen US-Dollar erkämpfen kann.

Die Tour-Card-Skipper 2014

Der aktuelle Weltmeister: Taylor Canfield (USone; USA)

Der viermalige Weltmeister: Ian Williams (GAC Pindar, GBR)

Der Vize-Weltmeister von 2010: Mathieu Richard (LunaJets; FRA)

Der Vize-Weltmeister von 2012: Björn Hansen (eWork Sailing Team; SWE)

Der Vize-Weltmeister von 2011: Francesco Bruni (Luna Rossa Challenge, ITA)

Der WM-Dritte von 2013: Phil Robertson (WAKA Racing, NZL)

Der WM-Sechste von 2013: Keith Swinton (Black Swan Racing, AUS)

Der WM-Dreizehnte von 2013: David Gilmour (Team Gilmour, AUS)

Alle Tour-Card-Inhaber haben bereits für das Match Race Germany zugesagt; lediglich das italienische Team um Francesco Bruni muss noch eine Terminüberschneidung mit seinen Trainingsplänen für den America’s-Cup lösen.

Die Wild-Card-Starter

Werden vom Veranstalter eingeladen und noch bekannt gegeben.

Die Qualifikanten

2. Platz Berlin Match Race (Sieger Mathieu Richard kommt mit seiner Tour Card an den Bodensee: Eric Monnin (SUI)

Deutsche Matchrace Meister: Carsten Kemmling (startet mit Felix Oehmes Hamburger Matchrace-Team; Matchrace-Weltrangliste: Platz 41)

Die Partner

Porsche, MHP, Adidas, Ultramarin und Nauti Sattler bleiben als große Partner an Bord. ZF Marine ist als neuer Partner eingestiegen. Das überaus erfolgreiche Hüttenkonzept im Langenargener Gondelhafen wird weiter ausgebaut. So können die Fans neben spektakulärem Sport direkt vor dem Bodensee-Ufer auch an Land ihre Segelparty mit ganz besonderer Note und den besten Matchrace-Crews der Welt feiern.

Die Veranstalter

Steuerzentrale des Match Race Germany ist das Match Center Germany in Langenargen, das 2008 von den Matchrace-Organisatoren Eberhard Magg, Harald Thierer und Bernd Buck gegründet wurde. An der Seite des Trios steht der Yacht-Club Langenargen mit seinen engagierten Mitgliedern für eine auf hohem Niveau präsentierte Segelsport-Schau direkt vor dem Langenargener Bodensee-Ufer.

 Ende

Generali Haching und die Suche nach einem neuen Hauptsponsor

Es war ordnungsgemäß und beizeiten verkündet, dies machte die Sache nicht angenehmer: Die Generali Versicherungen sind über das Saisonende hinaus nicht mehr der Hauptsponsor für den Volleyball-Spitzenclub Generali Haching. Tief durchatmen. Für die Volleyballer ist trotz intensiver Suche immer noch kein neuer Sponsorship zu vermelden. Die Suche nach einem neuen Hauptsponsor ist bisher ergebnislos verlaufen. Dabei konnte auch dieses sympathische Video bisher nichts daran ändern.

Manchmal kommt ja überraschend ein Retter in letzter Minute auf die Bühne. Andererseits zeigt das Beispiel auch wie wichtig auch ein über die Jahre gewachsener Sponsorenpool ist. Ist er nicht adäquat vorhanden, schüttelt der Abgang eines Hauptsponsors den Verein durch und bringt existenzielle Nöte mit sich.

Doch noch wird Volleyball gespielt. Am Donnerstag findet gegen den VfB Friedrichshafen das 2. Spiel im Playoff-Halbfinale statt. Dabei kommt Generali Haching durchhaus mit Selbstvertrauen daher. Hachings Libero Ferdl Tille will denn auch noch den besseren Spirit bei seinem Team ausgemacht haben:

,,Der VfB hat die besseren Einzelspieler, wir aber den besseren Teamspirit. Friedrichshafen ist zu knacken, wenn es uns gelingt, sie nicht ins Rollen kommen zu lassen. Wir müssen um jeden Punkt fighten, ihnen unser Spiel aufdrücken. Dann fangen sie an mit sich und den Teamkollegen zu hadern. Das haben wir schon erlebt und das müssen wir mit unserem Spiel provozieren. Ist der VfB mal ein Punkte voraus, wird es schwer.“

Derweil laufen bei den Fans vom VfB Friedrichshafen die Vorbereitungen für die Unterstützung beim Auswärtsspiel auf Hochtouren.

,,Zusammen mit den VfB-Bluebears ist die erste Fahrt zum Halbfinale gesichert. Am 10. April (Abfahrt 16 Uhr, ZF Arena) geht es für die Häfler nach Unterhaching. Gegen Generali Haching wollen nicht nur die Spieler sondern auch die Bluebears einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Wir würden gerne ins Finale einziehen“, sagt VfB-Fanbeauftragter Rudi Krafcsik. „Dafür werden wir von Fanseite aus unser bestmögliches geben.“ 50 Plätze hat er im Bus nach Unterhaching zu vergeben, doch: „notfalls stocken wir auf“, so Krafcsik. „Wir nehmen jeden mit, der mit will.“ Abfahrt ist am Donnerstag (10. April) um 16 Uhr an der ZF Arena Friedrichshafen. Wer sich nur eine Karte (10€) reservieren möchte und die Anreise selbst in die Hand nehmen will, kann dies auch bei Rudi Krafcsik tun.“

Die E-Mail Adresse vom VfB-Fanbeauftragten Rudi Krafcsik lautet:

                                                             rudi.krafcsik@vfb-volleyball.de

Rudi Krafcsik hatte einst im sportinsider Interview auch seine Vorstellungen von einem idealen Spieltag umrissen:

,,Ein idealer Spieltag ist es wenn alles rechtzeitig aufgebaut ist, die Halle zum Brechen gefüllt und ein Sieg der Mannschaft den Abend abrundet. Danach ein gemütliches Bierchen im Kreise der Mannschaft und der Fans.“

Derweil stehen sich heute Abend um 20 Uhr der TV Ingersoll Bühl und der deutsche Meister Berlin Recycling Volleys in der Großsporthalle Bühl gegenüber.

Der österreichische Sportwettenanbieter bwin bietet eine Quote von 8,00 für einen Heimsieg der TV Ingersoll Bühl. Bei einem Favoritensieg der Berliner gibt es die Quote von 1,05.

Auch Generali Haching und der VfB Friedrichshafen sind bereits für ihre morgige Partie ausgepreist. Der Gastgeber geht mit einer Quote von 2,75 ins Rennen. Der VfB Friedrichshafen notiert  bei einem Auswärtssieg mit 1,40.

Die Aufladung einer Aura von Nike, Adidas und Co.

Nein, Sportschuhe verkaufen sich in der Regel nicht von alleine wie geschnitten Brot von einem  Bäcker, der den Namen noch verdient und auf treue Kunden mit sensitiven Geschmacksnerven verlässlich bauen kann. Die Sportartikelhersteller müssen intensiv für ihre Produkte in puncto Marketing das große Rad drehen. Der Adidas Frontmann Herbert Hainer, frischgebackener Nachfolger von Uli Hoeneß als Aufsichtsratchef der FC Bayern AG (der 59-Jährige wurde kürzlich vom Aufsichtsrat einstimmig gewählt) brachte diese Binsenweisheit einst sehr schön im Interview mit der Wirtschaftswoche am 26.07.2008 unter dem Titel „Schlechtes Gewissen? Wieso?“, unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Peking zu den gigantischen Marketing- und Werbeausgaben auf den Punkt:

,,Wie sollen wir den Schuh dann verkaufen? Wenn Sie nicht werben, können Sie bald die Schuhe im Büro stapeln. Das wäre der erste Schritt in den sicheren Ruin.”

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Die Marke wird inszeniert. Adidas überlässt da nichts dem Zufall. In bester Innenstadtlage wird intensiv um den Verkauf der Produkte gefightet. Auch der amerikanische Konkurrent Nike beherrscht das Spiel der emotionalen Aufladung seiner Marke und steht den Herzogaurachern da in nichts nach. Im besten Falle umweht beide eine Aura.

Einen der besten nachdenkenswerten Texte zur Aufladung der Produkte der beiden Sportartikelhersteller lieferte einst Friedrich von Borries, Architekt und Design-Theorektiker, im vierseitigen Interview beim Wirtschaftsmagazin brand eins in der Ausgabe 10/09:

„Irgendwann ist Nike und Adidas klar geworden, dass es nicht besonders sexy ist, wenn ihre Turnschuhe bei Karstadt-Sport gestapelt werden. Nike hat 1990 als erstes Mode-Unternehmen angefangen, Flagship Stores zu entwickeln. Es ging darum, die Produkte mit Aura zu versehen und zum Beispiel Original-Schuhe oder -Tennisschläger berühmter Sportler wie Kunstwerke auszustellen. Was wir aus dem Völkerkundemuseum kennen, passiert nun mit unserer eigenen Konsumkultur: Alltagsgegenstände werden als Reliquien präsentiert, eine Ethnologie der Konsumgesellschaft – allerdings mit spezifischen kommerziellen Interessen. Was in der alten, fordistischen Industriegesellschaft zählte, also Funktion, technische Innovation, Gebrauchswert, Preis, wird abgelöst durch Aura und kulturellen Mehrwert. Lifestyle-Accessoires wie Nike-Sneakers brauchen diese Aufladung.“

Die Aufladung der amerikanischen Marke Nike wird auch nicht dem Gevatter Zufall überlassen. Generalstabsmäßig wird bei dem Sportartikelhersteller alles geplant. Ein Blick auf den Nike Campus fördert dann auch solche Bereiche wie den Run-way Biomechanics, die Motion Capture Lab oder  Physiology-Environmental Chambers hervor. Im letztgenannten Sektor liest sich das bei der Stippvisite dann auf lesmads so:

,,Hier werden in zwei verschiedenen Räumen einmal an Athleten oder am Roboter „Hal“ die Ausmaße von Temperaturunterschieden beim Work-Out analysiert. Bei unserer Führung wurde zum Beispiel der eine Raum, in dem eine Frau trainierte, auf Temperatur von Rio de Janeiro hochgestuft. Aber nicht nur das: Auch Luftfeuchtigkeit und Luftdruck können exakt eingestellt und somit die Wetterbedingungen eines beliebigen Ortes auf der Welt – egal ob heiß oder kalt – nachempfunden werden.“

Doch es gibt auch immer wieder die kritischen Stimmen. Stichwort Arbeitsbedingungen. Entlohnung. Erinnert sei an den Film aus dem Jahr 1997 von Michael Moore Der große Macher (im Originaltitel: The Big One). Hier der sehr nachdenklich stimmende Wikipedia Eintrag und hier die Sequenz mit dem Interview von  Filmemacher Michael Moore mit dem damaligen Nike-Vorstandsvorsitzenden Phil Knight auf youtube. (8 Minuten und 23 Sekunden).

Entlohnung ist selbstverständlich auch bei Adidas immer wieder ein Thema. Die Arbeitskosten sind auch in Ländern wie China nicht in Stein gemeißelt. Am 20. November 2011 bemerkte Adidas-Chef Herbert Hainer im Interview auf Welt Online dazu an:

,,Die Preise beschäftigen uns natürlich. Sie sind im Vergleich zur Situation vor zwei Jahren immer noch hoch. Allerdings gibt es inzwischen auch positive Signale. Etwa bei den Baumwollpreisen. Die waren innerhalb von zwölf Monaten um 200 Prozent gestiegen, dann fielen sie wieder um die Hälfte. Gummi- oder Polyesterpreise stagnieren oder gehen leicht zurück. Allerdings bemerken wir den starken Anstieg der Arbeitskosten in China. Die Regierung verordnet Lohnsteigerungen um 15 bis 25 Prozent – und es ist noch keine Entspannung zu sehen.”

Übrigens bei dem anstehenden Fußball-Jahreshöhepunkt im Land des Rekordweltmeisters sieht es bei der Ausstattung der Teams für die WM Brasilien 2014 in der Reihenfolge so aus: Nike (10), Puma (8), Adidas (8). Die Aufladung der Aura geht weiter.

Sport am Bodensee: 1. Abenteuer am Netz im Playoff-Halbfinale gewinnt der VfB Friedrichshafen

Nach zwei meisterschaftslosen Jahren ist die Sehnsucht nach einem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft im Volleyball bei den Häflern groß. Traveler Digital Camera

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Die Ruhe am Bodensee einen Tag nach dem 1. Abenteuer täuscht ein wenig. Noch ist nichts entschieden. Aber der Anfang war vielversprechend. Sehr vielversprechend. Ein drittes Jahr hintereinander ohne Meistertitel möchte sich hier am Bodensee keiner vorstellen.Traveler Digital Camera

Universalspieler Christian Dünnes hatte vor dem Spiel seine Wünsche im Interview auf den Punkt gebracht:

,,Ich wünsche mir, dass wir es schaffen in den wichtigen Momenten aggressiv zu sein. So ähnlich wie im Pokalfinale, bei dem Max gezeigt hat, dass man mit Aggressivität viel bewegen kann. Von den Zuschauern wünschen wir uns, dass sie auch alles geben, wenn es mal nicht so läuft. Es ist schwer als Spieler und Mannschaft aus einem Tief herauszukommen und in diesem Moment ist das Publikum besonders wichtig und wertvoll.“

Nun, der psychologisch so wichtige Auftakt gegen Generali Haching in der heimischen ZF Arena gelang vor 3.300 Zuschauern mit 3:1 (25:23, 21:25, 25:16, 25:13). Das Zauberwort der Serie im Playoff-Halbfinale heißt: „best of five“. Dem VfB Friedrichshafen fehlen zum Einzug in das erhoffte Traumfinale gegen Berlin Recycling Volleys also noch zwei Siege. Den Berlinern selbstverständlich auch. Sie gewannen ihr Auftaktheimspiel glatt mit 3:0 gegegen den TV Bühl.

Der Kontrahent vom VfB Friedrichshafen hat seit Monaten auch schmerzgrenzwertige Sorgen in Sachen Hauptsponsor. Eine Linderung nicht in Sicht. Generali Haching bekam im vergangenen Jahr Bescheid über den Rückzug vom Hauptsponsor zum Saisonende. Elisabeth Schlammerl schrieb in der FAZ dieser Tage Der Leuchtturm wankt und verweist auf die Dominanz der Fußballer vom FC Bayern und sich daraus entwickelnde lange Schatten für andere:

,,Dem Volleyball in Haching ergeht es wie vielen Randsportarten in Deutschland. In München aber ist die Situation schon immer am schwierigsten gewesen. Sportlich wird die Stadt vom Fußball und da insbesondere vom FC Bayern beherrscht.“

Firmen zieht es wie ein Magnet zum deutschen Rekordmeister in der Königsdisziplin Fußball.

Elisabeth Schlammerl weiter in der FAZ:

,,Wer sich als Unternehmen für Sportsponsoring entscheidet, strebt zu den Rekord-Bayern, von deren Glanz auch die Basketballabteilung profitiert. Andere Sportarten bleiben auf der Strecke. Der Eishockeyklub EHC München existiert nur noch dank eines Energiedrink-Herstellers aus Österreich. Generali Haching wäre nun nach dem TSV 1860 München oder dem ASV Dachau eine weitere Volleyballmannschaft, die trotz Erfolgen in der Bundesliga aufgeben müsste.“

Anders die Situation beim VfB Friedrichshafen. ZF ist ein wirtschaftlich starker Trikotsponsor.  Zuverlässig. Stabil.  Mit ausgeprägter Loyalität zu den ehrgeizigen Volleyballern am Bodensee. Dieses Jahr durfte bereits gemeinsam über den Pokalsieg gejubelt werden. Wer nicht in der Bodenseeregion wohnt und sich über die wirtschaftliche Bedeutung der ZF Friedrichshafen AG nicht im Detail bewusst ist, wird vielleicht beim schmökern bei Wikipedia ein wenig erahnen können wie groß die Power und das Know How ist.Traveler Digital Camera

Groß ist die Power und das Know How der Volleyballer um Erfolgscoach Stelian Moculescu auch. Inklusive der beeindruckenden sportlichen Geschichte. Der VfB Friedrichshafen ist deutscher Volleyballmeister von 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 und Pokalsieger 1998, 1999, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2012, 2014 sowie Champions-League-Sieger 2007.

Am 10. April um 19.30 Uhr beginnt das 2. Abenteuer für die Häfler im Playoff-Halbfinale bei Generali Haching.