Schachspieler für Studie gesucht

Die über 70-Jährigen drängen in das Licht der Öffentlichkeit. Während in Berlin Personalien wie Otto Rehagel oder Joachim Gauck die Medien auf Trab halten, kommen neue Nachrichten in Sachen Schach aus der Bankenmetropole Deutschlands. Die Goethe Universität Frankfurt am Main sucht Schachspieler für eine Studie. Chesstigers leitet den Text für alle Interessenten mit schachlichen Hintergrund folgendermaßen ein:

,,Sind Sie einer jener Schachspieler, die während einer Partie alles um sich herum vergessen, völlig in die Stellung eintauchen – sich also dem „Flow“ hingeben können? Dann sind Sie – unabhängig von Ihrer Spielstärke – der perfekte Proband für die Studie der Goethe Universität in Frankfurt am Main, in welcher dieses Phänomen und seine Wirkung auf den Menschen ergründet werden soll.“

Jetzt will ich aber auch alle aktuellen Schachgroßmeister Deutschlands nach Frankfurt am Main fahren sehen. Vielleicht nehmen auch Peer Steinbrück, Helmut Schmidt oder Karl-Theodor zu Guttenberg an der Studie teil. Alle drei Schachamateure sorgten ja im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Am Bodensee gibt es in den Buchhandlungen noch das Buch der beiden SPD-Genossen mit dem Titelbild vom falsch aufgestellten Schachbrett. Kann ja selbst in den besten Kreisen passieren.

Kann der designierte neue Bundespräsident Gauck eigentlich Schach spielen?

Herbst: Wenn Sport auf Politik trifft

Es herbstelt in Deutschland. Die Temperaturen sind gesunken. Auch am Bodensee ist es spürbar kühler geworden. Es geht einher mit der Abstinenz von Touristen. Keine Angst, einige sind schon noch da. Die Radfahrwege sind wieder freier. Fröstelnd wird einem aber eher beim Blick in die Arbeitsweise der alten und verkrusteten Parteien wie CDU, SPD oder FDP (habe ich jemanden vergessen?) im Bundestag beim Thema Sportpolitik. Besonders wenn es um das unappetitliche Thema Korruption im kommerziellen Sport geht. Daniel Drepper  lieferte kürzlich einen entlarvenden fröstelnden Einblick aus dem Sitzungssaal in Berlin mit seinem Liveblog aus dem Sportausschuss: Sport und Korruption. Da möchte man glatt eine Runde Schach spielen und sich Gedanken zur nächsten Bundestagswahl machen.

Olympia München 2018

In der Olympia Lektüre für mündige Bürger habe ich ein wenig auf die Kosten des Leistungssports und der Goldmedaillen geschaut.

Ronny Blaschke äußert sich auf Zeit Online zur Olympia-Bewerbung von  München für 2018 und wirft dabei auch einen Blick auf die Kosten. 

,,Sind Deutschlands Entscheidungsträger nicht fähig zu einer ausgewogenen Debatte über die öffentliche Rolle des Sports? In einem Land, dessen Regierung in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro in Sport investiert. In einem Staat, in dem rund 1000 Athleten von Bundeswehr, Polizei, Zoll und Feuerwehr alimentiert werden. Die Münchner werden nie genau beziffern können, wie viel Steuergeld Olympia an direkten und indirekten Leistungen kosten würde. Wahrscheinlich würden es wie in Vancouver etwa vier Milliarden Euro sein,  mindestens.“

Auch mir fehlt eine ausgewogene Debatte. Erinnert sei an das Interview Widerstände sind ein Medienprodukt von Münchens Bürgermeister Christian Ude (SPD) mit der taz.

,,Ja, selbstverständlich suchen wir den Dialog, dennoch muss ich darauf hinweisen, dass so manche Organisation, die hier im Namen der Menschheit auftritt, nur sehr wenige Mitglieder hat. Den Bund Naturschutz nehme ich freilich als kompetenten Partner sehr ernst. Ich weiß auch, wie umstritten bei Bund-Mitgliedern ein plakatives „Nein“ ist. Viele wünschen sich eine ökologische Ausgestaltung der Spiele, nicht deren Boykott.“

Warum gefällt mir die Tonart vom SPD Politiker Ude nicht? Wieso nennt er die Organisationen nicht mit Namen und Adresse? Wer bitte tritt da im Namen der Menscheit auf? Ist es nicht eher so, dass Christian Ude ein Selbstverständnis von der Olympiabewerbung hat, wo andere Meinungen nur schwer toleriert oder gar offen, ehrlich und transparent miteinander diskutiert werden?

Im oben erwähnten Blaschke Beitrag kommt auch eine Idee von Charles Banks-Altekruse zur Sprache. Der Amerikaner empfahl in einem Gastbeitrag der New York Times Olympia eine kontinuierliche Heimstätte zu geben. Er empfiehlt die Schweiz und bringt auch die Argumente gegen eine weitere Rotation der Spiele. Da wären Umweltschädigung, Geldverbrennung, Kommerz und Korruption.

Axel Doering vom Bund Naturschutz Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen schreibt auf der Webseite Nolympia:

,,Das Zauberwort „Olympische Spiele“ veranlasst Staaten und potentielle Ausrichterorte dazu, bereits im Vorfeld auf alle Bedingungen des IOC einzugehen, obwohl die Geschäftsgebaren des IOC als sehr umstritten gelten. So erhielt das IOC im Jahr 2008 von der Organisation „One World Trust“ den zweifelhaften Ehrentitel „intransparentestes Gremium der Welt“. Das IOC nutzt die Willigkeit der Bewerber um die Ausrichtung der Spiele, um Bedingungen zu diktieren, die Geschäftspartner im normalen Geschäftsleben weder fordern noch akzeptieren würden.“

Das Thema Sportpolitik in Deutschland hat Qualitätsjournalist Jens Weinreich seit Jahren erfolgreich besetzt. Er ist nah dran am Geschehen und schaut den Beteiligten mit journalistischer Sorgfaltspflicht auf die Finger. In Vancouver konnte er die Bemühungen des DOSB um die Bewerbung für 2018 hautnah erleben.

,,So eine Olympiabewerbung ist eine anstrengende Sache. Jeden Morgen um 7.30 Uhr lässt Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seine Pappenheimer aufmarschieren. Dann werden im Deutschen Haus die großen Themen und winzige Details besprochen. Die Deutschen sind gründlich.“

Deutschland hat bei den letzten zwei Bewerbungen für Olympia mit Leipzig und Berlin keine so glückliche Figur gemacht. Wie wird es München ergehen?