Nachdenkenswert #190

„Wenn ein aggressiver Pilot Europäer ist, dann ist das kein Problem. Wenn er aber aus Lateinamerika kommt, dann schon. Ich hatte deshalb eine Menge Probleme mit der europäischen Presse während meiner Zeit in der Formel 1. Ich finde das lustig: Wenn du in diesen Zeiten versuchst zu überholen und dabei einen Kontakt hast, dann bist du sehr aggressiv. Wenn aber eine Person wie Vettel das tut, gilt es als klasse Überholmanöver.“

Juan Pablo Montoya, Ex-Formel 1 Pilot, über die Sichtweise der europäischen Medien auf motorsport-total.com

In Sachen Uli Hoeneß

Nein, es sind nicht wirklich viele gute Texte zur Personalie Uli Hoeneß und den monetären Problemen mit dem Konto in der Schweiz aufgelaufen. Sehr viel Empörungslyrik, stochern im Nebel angesichts der noch nicht bis ins Detail geklärten Sachlage, auffallend viele politische SPD-Stimmen die auf Moral machen. Dabei hat man sich in Sachen Honorarkönig oder dem schnellen Wechsel vom letzten SPD-Kanzler zum lockenden Geld der russischen Wirtschaft auffallend ruhig verhalten.

Immer schön hart aber fair

Auch Frau Schenk meint sich äußern zu müssen. Kürzlich unterlag sie Herrn Scharping bei der Wahl zur „präsidialen Führungsspitze“ (Copyright by Jonathan Sachse) beim Bund Deutscher Radfahrer. Auch Herr Leyendecker hat ein paar Zeilen zu Uli Hoeneß geschrieben. Dazu eine Menge aus dem Boden gestampfter Sendungen zum Thema. Andere Themen mussten weichen. Gestern Jauch. Heute Plasberg. Immer schön hart aber fair. Ein wenig moralisch entrüstet, ein wenig Dampfplauderei, ein wenig erhobener moralischer Zeigefinger. Immer mit Steigerungsmöglichkeiten der Empörung versehen. Die eingeladenen Gäste haben nicht wirklich viel erhellendes beizutragen. Zumindest gestern Abend in der Sendung nach dem Tatort. Gab es eigentlich schon einen ARD-Brennpunkt zur Personalie vom Europameister 1972 und Weltmeister von 1974? Einst legte der öffentlich-rechtliche Sender eine Klinsmann Entlassungs-Story Sondersendung auf. Immer im Dienste der Quote. Mir wird kalt. Welcher Moralapostel hat sich eigentlich noch nicht gemeldet? Zauderer bitte vortreten und die Stirn in Falten der moralischen Entrüstung legen.

Fragen auf dem Kultblog breitnigge zur Personalie Uli Hoeneß

Selbstverständlich hat sich Uli Hoeneß angreifbar gemacht. Oliver Schmidt – Spiritus Rector, Organisator, Bayern München Fan und Macher vom Kultblog breitnigge hat es in seinem reflektierten Text treffend in Form von Fragen auf den Punkt gebracht:

,,All das macht(e) mich wütend, Uli!

Warum hast Du all diesen Leuten, nach einer ebenso erfüllten wie erfolgreichen Karriere, nun diese Steilvorlage geliefert?

Warum – und gehen wir mal davon aus, dass all das wirklich stimmt – hast Du überhaupt ein Konto in der Schweiz?

Warum hast Du über all die Jahrzehnte Gott und die (Heuschrecken-)Welt so verteufelt, um dann anscheinend selbst verurteilungswürdige Handlungen durchzuführen?

Wusstest Du nicht, was Du da tatest? Gerade Du, der Macher? Hat sich blind auf seine (Steuer-)Berater verlassen?“

Kein Mensch geht perfekt durch das Leben. Immer den geraden Weg. Wer hat nicht selbst als Kind beim Nachbarn Kirschen gemopst? Die sahen einfach so verlockend aus. In der Schule bei Mathe einfach nach links zur Klassenbesten geschaut. Ein wenig geillert. Ihre Lösung übernommen. So geschickt, dass der Mathematiklehrer es nicht merkte. Beim ersten Autoverkauf des heißgeliebten Käfers die bekannten Schwächen dem Kaufinteressenten nicht unter die Nase gerieben. Bei der Probefahrt um den Wohnblock alle Vorzüge in goldenen Farben gepriesen.

Beckenbauer, Vettel, Schumacher und die Frage mit dem Wohnsitz

Auch ein Franz Beckenbauer hatte einst Schlagzeilen produziert. Nein, keine Anekdote aus dem Schrebergarten. Monetäre Momente. Bei Günther Jauch kamen doch gestern Abend wie von Zauberhand gelenkt die Namen Sebastian Vettel, Michael Schumacher und Franz Beckenbauer zur Sprache. Stichwort Wohnsitz. Das war der Zeitpunkt wo ich von der Couch aufstand. Vielleicht machen wir auch einfach zu viel Wind um Sendungen in der ARD. Eine vernünftige Berichtersattung vom Schach-WM Kandidatenturnier London 2013 kriegen sie jedenfalls noch nicht hin. Da ist schon die Bestückung vom Videotext problematisch.

Uli Hoeneß geht keinen leichten Zeiten entgegen. Gut , dass er twitter nicht als sein Lieblingsmedium in Gebrauch hat. Dort haben sich die Dinge teilweise in den letzten Tagen überschlagen. Da ist viel Häme mit dabei gewesen. Keine Frage, Uli Hoeneß hat immer gerne auch ausgeteilt. Verbal nahm er nicht den Samthandschuh in Auseinandersetzungen. Moralisch hat er oft sehr klar geurteilt und verurteilt. Im Zweifelsfall immer den Säbel statt Florett. Stichwort Russlandisierung des Fußballs. Oder die deutliche Kritik am FDP-Wirtschaftsminister Rösler (Dabei bin ich kein Fan der FDP oder des Amtsinhabers). Äußerungen über den Stadtrivalen 1860 München in Harald Schmidt Manier. Die unsägliche Daum Geschichte. Kritik an den politischen Kräften die links agieren.

Er hielt Reden vor Wirtschaftsvertretern. Sprach über Moral, Werte, Ordnung. Sah Bayern München schon lange nicht mehr als normalen Fußballverein, er sah im FCB ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. Ist der FC Bayern München ja auch. Wir reden ja hier vom Fußballbusiness. Es geht um viel Geld. Sehr viel Geld. Hohe Summen. Unglaublich hohe Summen. Vielleicht stört da manchmal gar der sentimentale Fan.

Ich bin jedenfalls traurig. Auch zu Teilen sprachlos. Ratlos. Tief durchatmen.

Wahl zum ZF Race Reporter 2012

Die Temperaturen hier unten am Bodensee kündigen es unverblümt an. Dabei gab es gestern zum Beispiel noch bei fabelhaft untergehender Sonne einen grandiosen Blick auf den Säntis und Altmann, diese majestätisch im Sonnenglanz ruhenden schweizer Berge. Aber das Jahresende naht. Noch zwei Monate dann sind wir bereits im Jahr 2013. Es beginnt jetzt so langsam die Periode der Wahlen. Der sportlichen Wahlen. Sportler des Jahres, Schachspieler des Jahres, die verschiedensten regionalen Wahlen nach der Mannschaft des Jahres werden die Aufmerksamkeit in den nächsten Wochen suchen und finden.

Kann sich jemand eigentlich in unserer schnelllebigen Zeit noch an die Gala in Baden-Baden im vergangen Jahr erinnern? An die Sieger? Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Form des ZDF übertrug leicht zeitversetzt aus dem Kurhaus Baden-Baden. Der Stadt des Serienmeisters in der Schachbundesliga. Also ist die Erinnerung wieder da? Bei den Frauen gewann die Biathlonkönigin Magdalena Neuner, bei den Männern NBA-Heroe Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks und bei den Mannschaften die meisterlichen Fußballer (inclusive Pokalsieg in Berlin) von Borussia Dortmund. So das Votum der Sportjournalisten im vergangenen Jahr.

Doch zurück in das hier und jetzt.  Stammleser können sich noch an den Beitrag von mir am 27. März diesen Jahres über die Aktion ZF Racereporter erinnern. Meine Einleitungsworte waren:

,,Jede Region hat ihre unternehmerischen Schwergewichte. In Ingolstadt denkt jeder an Audi, in Wolfsburg an VW, Jena und Oberkochen verbindet man mit Carl Zeiss, Gütersloh mit Miele und Bertelsmann. In Friedrichshafen ist ZF so ein Schwergewicht.“

Jetzt ist die Zeit gekommen den Besten ZF Racereporter 2012 zu wählen. Die ZF Friedrichshafen AG mit weltweit über 72.000 Beschäftigten wollte das Sponsoring-Engagement zur DTM 2012 mit einer Kommunikationsstrategie unterstützen. Da sind ja Ideen immer gefragt.  Der ZF Fan Reporter war so ein Geistesblitz. Eine Idee die dann auch umgesetzt wurde. Auf zf.com/motorsport erfolgt die Abstimmung. Das Zeitfenster der Wahl ist bis zum 30.11.2012 geöffnet.

Ein Bonuspunkt in doppelter Ausführung ist auch mit in die Wahl eingebaut. So wird der ZF Race Reporter mit den meisten Wahlstimmen sowie ein Teilnehmer  der Abstimmung eine Reise nach Valencia zum exklusiven Formel BMW Fahrevent gewinnen. Der Formel BMW Talent Cup ist oft der erste Schritt in die Formel 1 – erfolgreiche Fahrer wie der zweifache Weltmeister Sebastian Vettel oder Nico Rosberg haben sie bereits erfolgreich durchlaufen. Es spricht übrigens nichts dagegen, dass der schnelle Red Bull Pilot in Kürze seine dritte Formel 1 Weltmeisterschaft einfährt.

Also ran an die Wahlurne. Wer die obige Ausfahrt zur Abstimmung verpasst hat – hier geht es entlang .

Ein erwarteter Sonntag

Es war keine Überraschung mehr. Die Spatzen pfiffen es bereits von allen Dächern dieser Welt. Während Sportler wie der frischgebackene Buchautor Lahm oder Schweinsteiger sowie Podolski weiterhin auf ihren ersten Weltmeistertitel warten, macht ein anderer Nägel mit Köpfen. Er fährt einfach die 2. Weltmeisterschaft ein. Sebastian Vettel. Herzlichen Glückwunsch!

Die mediale Berichterstattung dürfte sich die nächsten Tage vermehrt jener erwarteten Leistung des deutschen Red Bull Piloten vom Sonntag zuwenden. Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastion Vettel, Sebastion Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel, Sebastian Vettel… Fernab vom Mainstream mag auch ein Blick in die unkonventionelle taz interessant sein. Sie halten sich mit der Sportberichterstattung über die Formel-1 dezent zurück.

 Am heutigen Sonntag sind für Bergsteiger Stefan Nestler und seine Nepal Expedition 1200 Meter Aufstieg vorgesehen. In seinem Blog Abenteuer Sport berichtet er genüßlich vom gestrigen Ruhetag:

,,Gäbe es keine Ruhetage, man müsste sie erfinden. Der Mensch kann nicht immer Vollgas geben. Manchmal gehört er in die mentale Garage. Wir genießen die Muße am Lagerplatz in Kakkot auf 3300 Metern. Morgen stehen uns 1200 Meter im Aufstieg bevor.“

Viel Erfolg beim Vorhaben auf den Putha Hiunchuli in den nächsten Tagen zu steigen. 7246 Meter ist die Marke. Bemerkenswert. So ganz ohne das schielen auf die Marke der Meter beim Gipfel kommt man beim betrachten der professionellen Expeditionen ja nicht herum.  

Gipfelstürmer: Von Vettel über Nestler bis Kaltenbrunner und Messner

Während Sebastian Vettel in Suzuka seinen 2. WM Titel in der Formel 1 am nächsten Sonntag einfahren sollte (mehr dazu bei spox unter dem Titel Historie: WM-Entscheidungen in Suzuka – Das Schlachtfeld der Genialen) berichtet der zur Nepal Expedition aufgebrochene Stefan Nestler auf seinem Blog Abenteuer Sport von einem anderen schnellen und offenbar talentierten Mann hinter dem Lenkrad: 

,,Jedes Land hat seine Automobilsport-Talente. Der Sebastian Vettel Nepals steuerte unseren Kleinbus von Nepalgunj ins nördlich gelegene Surkhet. Der Bus war voll beladen. Innen drängten sich die Expeditionsteilnehmer mit ihren Rucksäcken, auf dem Dach stapelten sich die Packtaschen mit unserer Ausrüstung. Das hinderte den jungen Formel-Nepal-Piloten jedoch nicht daran, kräftig Gas zu geben. Wenn wir Straßensperren des Militärs passiert hatten, bekreuzigte sich der Fahrer, als suche er göttlichen Beistand für seine Raserei. Ich quetschte mich mit Expeditionsleiter Herbert auf der Vorderbank. Nicht angeschnallt, weil die Gurten fehlten.“

Stefan Nestler peilt den Siebentausender Putha Hiunchuli an und berichtet in bester Blogger Manier kontinuierlich davon. Der Fahrer telefonierte noch nebenbei mit dem Handy und landete mit einer Punktlandung vor dem Hotel in Rekordzeit. Ganz so schnell wird der erfahrene Bergsteiger Nestler nicht auf den 7246 m hohen Gipfel vom Putha Hiunchuli kommen. Gemach, gemach. Er bringt die nötige Expeditionserfahrung für ein erfolgreiches Gelingen des neuen Bergprojekts mit. In Stefan Nestler und seine Nepal Expedition schrieb ich vor 14 Tagen: 

,,Der Deutsche Welle Reporter Nestler hat bereits in der Vergangenheit einige lesenswerte Blogs geführt. Erinnert sei an den Everest-Blog 2005, den Manaslu-Blog 2007 oder den Nordpol-Blog 2009.“

Was macht eigentlich Gerlinde Kaltenbrunner? Kürzlich erklomm sie erfolgreich den K2 und war damit die erste Frau der Welt die alle Achttausender ohne die umstrittene Unterstüzung von Sauerstoffflaschen bezwang. Mit ihrem Multivisionsvortrag – Leidenschaft Leben über 8000 – hat sie einen gut gefüllten Terminkalender. Altdorf, Markt Schwaben, Villingen-Schwenningen und Hechingen sind die Stationen in dem Zeitfenster vom 4. bis 10. Oktober 2011. Respekt. Die mediale Ernte beginnt ja nach dem Abstieg. An ihrer Seite Ehemann Ralf Dujmovits

Noch ein Wort zum Thema Sauerstoff. Extrembergsteiger und Grenzgänger Reinhold Messner erklärte dazu kürzlich im Spiegel-Online Interview:

,, Theoretisch ist der Berg dann ohne Sauerstoffgerät 2000 Meter höher. Man muss öfter verschnaufen, man hyperventiliert, man hat weniger Kraft in den Beinen und bringt auch weniger Willen auf, die Entscheidungsfreude sinkt spürbar. Dieses letzte Stück vor dem Gipfel erscheint unendlich lang, man denkt, die Qual hört nicht mehr auf. Kurzum: Man lässt sich früher von Hoffnungslosigkeit überwältigen.“

Ansonsten äußert sich Bergsteigerpionier Messner auch über die Leistung von Gerlinde Kaltenbrunner anerkennend. Jedoch kann er sich nicht den Verweis auf den seiner Meinung nach nicht vorhandenen Alpinstil verkneifen. Ach, ich bin ja kein Berufsbergsteiger, doch ich ahne welche Eitelkeiten und welches Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Protagonisten der Gipfelstürmer herrschen müssen. Siehe zum Verständnis der Beziehung zwischen Messner und Kaltenbrunner auch das Focus Interview vom August 2008 ,,Messner hat keine Ahnung“. Ich find das gegenseitige beharken nicht immer gut. Andererseits lebt das Extrembergsteigen von den Storys. Vom Charisma der Beteiligten. Von den Büchern. Den Multivisionsvorträgen. Vom Disput. Den unterschiedlichen Philosophien. Reinhold Messner habe ich selber live im vergangenen Jahr in Oberstdorf gesehen. Einer meiner persönlichen Helden. Gar keine Frage. Er gratulierte Gerlinde Kaltenbrunner nach ihrem K2 Aufstieg nicht per E-Mail, die traditionellen handschriftlichen Glückwünsche waren seine Alternative. 

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Artverwandte Artikel zum Thema

Reinhold Messner Spezial – Teil 1 –

Reinhold Messner Spezial – Teil 2 –

Steigung und Risiko gemäßigt

Bergsteiger-Weltrekord: Kaltenbrunner schafft alle Achttausender ohne Sauerstoffmaske

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Red Bull Chef Dietrich Mateschitz mit RB Leipzig im Plan

Der eine oder andere Fußballfreund wird sich vielleicht die Augen reiben. Wieso soll Red Bull Chef Mateschitz mit RB Leipzig im Plan liegen? Ist der Aufstieg in die 3. Liga nicht gerade mit größeren Abstand auf die Chemnitzer verpasst worden? Die abgelaufene Saison hat Rotebrauseblogger kürzlich kompetent und scharfsinnig unter dem Titel RB Leipzig und die vielen Tiefen und wenigen Höhen analysiert. Vor der Saison hatte ich auch einen weiteren Aufstieg prognostiziert. Doch Fußball ist nicht immer ein Wunschkonzert. Zeitpläne und ehrgeizige Ziele sind bei Red Bull auch mit dem entsprechend langen Atem versehen. Vielleicht ist da auch ein Rückblick auf jenes Interview von 2009 mit Dietrich Mateschitz bei Sport Bild aufschlussreich:

,,Wir werden versuchen, sowohl die Mannschaft als auch den gesamten Trainerstab maßgeschneidert der jeweiligen Situation bzw. dem jeweiligen Ziel anzupassen, d.h. wir werden versuchen, die Mannschaft möglichst rasch aber nichtsdestotrotz gesund wachsend von der derzeit 5. Liga in die 2. Liga zu führen. Dafür muss man dreimal aufsteigen, wenn uns das in 4 oder 5 Jahren gelingt, wäre das ein guter Zeitplan. Der letzte Schritt in die Bundesliga kann derzeit noch nicht wirklich geplant oder auch absehbar sein, zu viele unterschiedliche Faktoren spielen dafür eine Rolle, aber unser Ziel wird es auf jeden Fall sein.“

Red Bull Chef Dietrich Mateschitz hat das Projekt mit RB Leipzig langfristig angelegt. Mich haben daher die eine oder andere Personalentscheidung (Linke, Beiersdorfer) etwas überrascht. Das sah mir ein wenig nach Kurzatmigkeit aus. Doch bei einem Aufstieg in der nächsten Saison in die 3. Liga wird sich das Personalkarussell etwas langsamer drehen wie in dieser Saison. Die letzten 12 Monate haben gezeigt, dass auch die Regionalliga erst einmal gestemmt sein will.  Der charismatische Mateschitz, Marketinggenie und begeisterter Anhänger eines professionellen Sportsponsorings hat in jenem Zeitraum mit Formel 1 Pilot Sebastian Vettel in einer anderen Sportart sehr viel Freude gehabt. Ein Titel, ein weiterer in dieser Saison vor der Brust. Tief durchatmen. Das ist bemerkenswert.

Natürlich gibt es auch sehr kritische Stimmen. Erbsen zählend wird auf den hinkenden Zeitplan verwiesen. Meist sind sie nicht frei von einer gewissen Schadenfreude. Als Beispiel sei hier auf den Artikel Die Arroganz der Fußballplaner in der Zeit Online verwiesen. Doch es gab auch einst für das Engagement von Mateschitz im Formel-1 Business mit dem jungen Sebastian Vettel Stirnrunzeln.

Geamach, Gemach. Das wird schon mit RB Leipzig. Wenn das Team Stück für Stück aufsteigt will es dann sowieso jeder bereits vorher gewusst haben. Plan hin oder her.

Dirk Nowitzki schaut auf einen Sprung in Würzburg vorbei

Auffallend an Gemeinsamkeiten bei den derzeitigen männlichen deutschen Sporthelden auf der ruhmreichen Bühne ist der Wohnsitz fernab Deutschlands. Eishockey-Crack Seidenberg, Formel-1 Weltmeister Vettel, Golfprofi Kaymer oder NBA Champion Nowitzki residieren derzeit nicht in der Bundesrepublik. Ich habe damit kein Problem.

 Ein wenig Heimatgefühl wird es nächste Woche in Würzburg geben, jener Stadt wo ich einst ein Fußballspiel der Bayernliga live schaute oder 2004 mit meiner Jahrhundertliebe beim Grönemeyer Konzert vor Ort war. Gröni gab doch damals glatt ein Ergebnis der gleichzeitig laufenden Fußball-EM in Portugal von der Bühne bekannt. Jetzt also die große Show von Maverick-Star Dirk Nowitzki. Spox titelt Nowitzki feiert am Dienstag in Würzburg und merkt einige Details wie den Eintrag in das Goldene Buch oder die zu erwartende Anzahl von Fans etc. an. Die Lokalzeitung wird es freuen. Die Zeilen füllen sich dann fast von selber. Ein, zwei Fotos von Dirkules gemacht. Fast wie beim Besuch von Verwandschaft über das Wochenende.

Dennis Seidenberg steigt auf die Bühne der deutschen Sporthelden

Der Stanley-Cup ist also auch durch. Die zwei Rosenheimerinnen Angelika und Babara Fürst trafen bereits im Januar Dennis Seidenberg. Das Foto auf rosenheim24.de hat das Potenzial zum Kultstatus. 

Legenden des Sports

Da wird es jetzt langsam eng auf der Bühne der aktuellen deutschen Sporthelden. Oder? Sebastian Vettel ist bereits drauf, auch Martin Kaymer schaut ganz gut auf ihr aus, dann natürlich der einst mit den Nelsons und Holger Geschwindner im alten Golf nach Bamberg fahrende Dirk Nowitzki. Jetzt also auch Eishockey-Crack Dennis Seidenberg von den Boston Bruins. Ein aktuelles Foto in Arbeitsmontur gibt es hier beim Eishockey-Blog. Auf der Bühne der aktuellen deutschen Sporthelden und Heldinnen sind für mich auch zwei Sportlerinnen zu sehen. Maria Riesch und Magdalena Neuner.

Mythos Sportheld

Dabei ist das ja mit dem Mythos Held immer so eine Sache. Oskar Beck schrieb im Mai 2007 auf Welt Online einen Artikel und titelte Warum in Deutschland die Sporthelden knapp werden.

,,Verlangen wir von unseren Helden zuviel? Sportskanonen sollen sie sein, aber neben dem taffen Tritt in die Pedale auch noch ein Mindestmaß an Persönlichkeit entwickeln, dabei anständig bleiben, das Ansehen des Vaterlands mehren und humanitär dem Gemeinwohl dienen. Dieses anspruchsvolle Lebenswerk kriegen immer weniger auf die Reihe: Die einen versteuern sich völlig, die anderen versteuern zu wenig.“

Das Anforderungsprofil an Helden ist aber auch hart. Woher kommt aber eigentlich die Sehnsucht der Sportfans, fast abgöttisch Vettel, Kaymer, Nowitzki (die richtige Welle beginnt ja bei ihm gerade) oder Seidenberg zu Sporthelden nahe von Göttern zu stilisieren?

Ich bin da ja nicht frei von. 1972 habe ich als Kind zum Beispiel Schachgenie Bobby Fischer durch meinen Vater seine täglichen Radiorecherchen und dem durchforsten der Zeitungen  nach jedem noch so kleinen Schnipsel vom Schachmatch des Jahrhunderts aus Reykjavik zum Helden erkoren. Stammleser und insbesondere Schachfreunde wisssen von meinem bis in das Jahr 2011 erhaltene intensive Verhältnis zum Heros Bobby Fischer.

Dasselbe gilt für Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß. Ihnen kann ich fast keine Bemerkung, auch wenn sie manchmal mit meiner Meinung stark quer über liegt, verübeln. Auch Waldemar Cierpinski, Marathonolympiasieger von Montreal 1976 und später auch bei den Rumpf-Olympischen Spielen von Moskau 1980, ist einer meiner persönlichen Heros. Erwähnte ich bereits Jan Ullrich aus dem Jahr 1997? Mein Held. Da war ich damals in Deutschland ja nicht alleine mit. Die späteren Duelle mit Lance Armstrong waren legendär , erinnert sei an die 2003er Tour und das einfädeln vom Texaner bei einem Faltbeutel eines Zuschauers mit folgenden Sturz und dem fairen warten vom Comeback-Sportler Ullrich, huch… Es ist schon ein Kreuz mit den Helden.

Helden in der Fantasie

Reinhold Messner, ein weiterer persönlicher Sportheld von mir, schreibt in seinem Buch Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers zum Thema Helden nachdenkliche Worte:

,,Helden gibt es nur in der Fantasie derer, die gerne solche wären.“

Okay, ich wäre gerne Schachweltmeister geworden. Ich steh dazu. Tour de France Sieger hingegen habe ich nie ernsthaft in meinen Träumen verinnerlicht. Ich bin froh mit meiner Liebsten gemütlich am Bodensee zu radeln. Radsport und persönliche Höchstleistungen von mir vereinbaren sich irgendwie nicht. Im Schach hingegen hatte ich selber Medaillen in meinem Zimmer. Zu guter letzt Fußball und Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner und Gerd Müller. Die große Bayern Mannschaft. Alleine mir fehlte das Talent zum richtig guten Fußballer.

Es steht jetzt noch ein Statement aus, welchen aktuellen deutschen Sportler ich momentan von besagter Bühne auf mein persönliches und subjektives Favoritenschild hebe. Vettel vor Nowitzki, dann Seidenberg, gefolgt von Riesch und Kaymer sowie Neuner.

Plauderei beim Abendbrot

Gestern Abend fragte mich meine Liebste beim Abendbrot (es gab unter anderen Tomaten und Radieschen):

,,Wann beginnt eigentlich die Tour de France?“

Wenn Mann mit großen Interesse an dem Sportgeschehen nicht alt aussehen will, muss da die Antwort prompt kommen.

 ,, Am 2. Juli.“

Nun, dann plauderten wir noch ein wenig. Einst haben wir den Duellen zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich intensiv zugeschaut. Auch Fahrer wie Klöden oder Winokurow waren auf der Sympathieliste ganz oben. Wir beide waren TV-Radsport infiziert.

Begeistert sahen wir später diesen Film von Pepe Danquart über die modernen Gladiatoren auf der Landstraße: Höllentour.

Nun hat Pepe Danquart ja gerade den vieldiskutierten Joschka Fischer Film auf den Markt gebracht. Der ehemalige grüne Außenminister kann auch auf Zeiten intensiven Sports in seinem Leben verweisen. Von Joschka Fischer habe ich noch dieses Buch über seine Vorbereitungen auf seinen ersten Marathonlauf. Darin gibt es auch spektakuläre Fotos von vorher  und nachher. Darin schreibt er auch von seinen Erfolgen im Radsport in Hessen in seiner Jugend.

Auf der offiziellen Website der Tour de France  ist das 2011er Spektakel grafisch und terminlich sowie mit den eingebauten Schwierigkeitsgraden umrissen.

Blogge ich dieses Jahr darüber? Was sagt mein Bauchgefühl? Eigentlich ist die Sportart ja verbrannt in der Meinung der Öffentlichkeit in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte ich mich auf zwei sportliche Höhepunkte konzentriert beim bloggen. Der Schachkampf des Jahrzehnts zwischen Topalov und Anand sowie die Fußball WM. Eigentlich müsste Fußball nach den bizarren Tagen von Zürich ebenfalls in Deutschland verbrannt sein.
 
Derweil wird gerade wieder in Amerika an einer neuen Superhelden Geschichte für die deutsche Seele gestrickt. Sein Name ist Dirk Nowitzki. Einsatz bei Fieber. Miami wird nieder gefightet. Dank Dirkules. Was für ein Medienrummel. Dirk Nowitzki war aber offenbar auch immer ein trainingsfleißiger Mann: Auf Wikipedia wird darauf auch zurückgeblickt:
 
,,Auch während seiner Zeit als Wehrpflichtiger der Bundeswehr, vom 1. September 1997 bis 30. Juni 1998, spielte Nowitzki Basketball. Er war in der Saison 1997/98 erfolgreichster Korbschütze und Rebounder des damaligen Zweitligisten DJK Würzburg und verhalf der Mannschaft entscheidend zum Aufstieg in die Basketball-Bundesliga.“
Nowitzki schafft es heuer sogar bis in die Tagesthemen.  Was für eine Sehnsucht wieder einen echten deutschen Superhelden zu haben. Die Landschaft der Superhelden ist zur Zeit ein wenig leergefegt. Klar, es gibt Sebastian Vettel, der seine Runden schnell dreht und einen symphatischen Werbeträger für Red Bull darstellt. Okay, Golfprofi Martin Kaymer ist noch auf der Bühne. Die Fußballer haben ihren letzten WM Titel vor provozierend langen 21 Jahren unter Franz Beckenbauer geholt. Die Handballer beenden gerade die Ära Heiner Brand. Im Tennis geht ein sehnsuchtsvoller Blick zurück in die grafschen und beckerschen Zeiten.
 
Doch zurück zum Abendbrot. Wir haben auch keinerlei Hysterie bei uns erkennen können bzgl. dieser Lebensmittelmeldungen… erst Gurke, besonders die spanische (Was essen eigentlich die Fußballer von  Real Madrid oder CF Barcelona?), Sprossen waren im Umlauf, Rohkost hochgefährlich … überhaupt eher einen Hamburger (der wäre unbedenklich). Fleisch ist jedoch auch so eine Sache. Man frage bei Tour de France Sieger Alberto Contador nach. Wir haben mit viel Freude in die Tomate gebissen, Gurken verschmähen wir nicht. Vielleicht wohnen wir mittlerweile am Bodensee aber auch zu tief im Süden. Weit weg vom Gesundheitsministerium. Wer ist da eigentlich Minister? Der FDP Politiker Rösler macht es ja wohl nicht mehr. Vielleicht lese ich auch nur zu wenig den politischen Teil der Zeitungen.
 

Jan Gustafsson outet sich als Dirk Nowitzki Fan

Deutschlands smarter Schachgroßmeister Jan Gustafsson bloggt nicht nur, zur Zeit spielt er bei der Deutschen Schachmeisterschaft in Bonn um Ruhm und Ehre. Auf seiner Website fand Gustafsson vor Beginn der Meisterschaft noch Zeit sich zum aktuellen deutschen Basketballstar zu äußern:

,,Musste ja spätnachts NBA gucken, Dallas führt 3-1, Miami ebenso. Deutet alles darauf hin, dass Döörk im Finale gegen Lebron und co. seine nächste Chance auf den Ring bekommt. Für mich ist er so oder so der gößte aktive deutsche Sportler, no pun intended. Was der Typ kann, ist unglaublich.“

Nun, mit dem größten aktiven deutschen Sportler ist das ja immer so eine Sache. Mometan strahlt Formel 1 Weltmeister Sebastian Vettel für mich in puncto sportlicher Erfolg, Charisma, jugendliche Unverbrauchtheit und Kontinuität des Siegens sicherlich heraus. Nowitzki hin oder her. Vettel kommt einfach richtig locker rüber und ich darf gar nicht so oft auf sein Geburtsdatum schaun. Meine Herren. Ist schon eine Hausmarke. Eine Duftmarke. Nowitzki seine Story ist jedoch auch nicht schlecht. Dazu spielt sie in den Staaten. Die NBA ist eine Marke. Für die anstehenden entscheiden Spiele gegen Miami drückt ihm sicherlich in Deutschland nicht nur Jan Gustafsson die Daumen.

Derweil geht die Selbstzerfleischung der FIFA weiter. Kai Pahl alias dogfood analysiert gewohnt scharf und präzise.