Nachdenkenswert #304

,,Juventus Turin bringt Fiat werbemäßig auch einen Nutzen. Die spielen mal in Amerika und werden weltweit im Fernsehen übertragen. Nehmen wir Inter Mailand. Der Präsident hat ein Catering-Unternehmen. Der hat den Umsatz, seit er Präsident ist, wie er mir vor kurzem erzählt hat, von 70 000 auf 110 000 Portionen Pasta am Tag gesteigert.“

Karl-Heinz Rummenigge, im Spiegel Interview im September 1989 über die Zukunft des Profifußballs. Rummenigge spielte selbst von 1984 bis 1987 bei Inter Mailand. Im Interview macht er sich auch Gedanken um die Zukunft der Stadien, schlägt ein Einkaufszentrum Karstadt im Stadion vor und skizziert einen Familiennachmittag an einem Bundesligaspieltag, hielt bereits damals die Kapitalgesellschaft für die bessere Organisationsform von Fußballvereinen, schaute sehnsüchtig nach Monte Carlo wo der Prinz ein modernes Stadion mit Aufzügen und Rolltreppe errichten ließ, fand die Senkung von Ticketpreisen nicht gut fürs Geschäft inklusive Seitenhieb an Schalke 04, bilanziert eine ins offene Messer laufende Borussia Dortmund Mannschaft im damaligen Westfalenstadion ob des Zuschauerdrucks im Ruhrgebiet und plaudert über eine Anekdote mit Uli Hoeneß, dem er attestiert „ein kleiner Tiriac“ zu sein, als dieser eine Offerte von Juventus Turin für Rummenigge abwehrte mit der Kompensation neuer Werbeverträge.  

Der Hat-Tip für das Fundstück geht an Trainer Baade.  

Die offene Rechnung mit Roberto Di Matteo

Es gibt Trainer die haben Bayern München in der Vergangenheit gereizt. Christoph Daum und die Wortgefechte mit Uli Hoeneß sind legendär. Auch Otto Rehhagel, beim deutschen Rekordmeister einst nach einem kurzen Intermezzo entlassen und mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger 1998 Meister werdend, war so eine Geschichte die Bayern schmerzte. Doch auch ein Roberto Di Matteo hat sich eingebrannt in das kollektive Gedächtnis von Bayern München. Das Champions-League Finale zu Hause in Fröttmaning im Jahr 2012 gegen Chelsea war so ein Trauma. Coach des englischen Teams war seinerzeit jener Roberto Di Matteo. Okay, Bayern holte ein Jahr später das versäumte nach und schlug in Wembley den Ligaerzrivalen Borussia Dortmund. Damit war der Weg frei für die Neugestaltung des Fanshops am Münchner Flughafen. Traveler Digital CameraDer langersehnte Champions-League Triumph war geschafft. Bonus war das historische Triple.

Noch eine offene Rechnung mit Roberto Di Matteo

Im Herbst 2014 heuerte Roberto Di Matteo, jener Trainer mit dem Bayern München noch eine Rechnung offen hat, bei Schalke 04 an. Er folgte auf Coach Jens Keller, der einfach keine Lobby in Gelsenkirchen hatte. Mit Roberto Di Matteo sollte verstärkt Erfolg und ein wenig internationaler Glamour bei dem Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet einziehen. Die entscheidenden Spiele um das erneute Ziel der Champions-League Qualifikation zu schaffen kommen in der Rückrunde der Bundesliga. Beim Topspiel in der Allianz Arena gegen die Mannschaft von Pep Guardiola stehen auch die taktischen Fähigkeiten von Roberto Di Matteo auf dem Prüfstand. 2012 brachte er als Chelsea Coach Bayern München mit seiner defensiven Marschroute an den Rand des Verzweifelns. Verdienter Lohn war der Gewinn der Champions-League in der Allianz Arena.Traveler Digital CameraBayern München hat also noch eine Rechnung mit Roberto Di Matteo offen. Selten war ein Endspiel so einseitig. Beobachter nannten das Ergebnis ungerecht. Was es jedoch nicht war. Chelsea hatte die defensive Taktik von Di Matteo perfekt umgesetzt. Bayern München, damals noch mit Jupp Heynckes an der Seitenlinie, fand keine Mittel das Bollwerk von Chelsea zu demontieren. Diese defensive Stabilität erhoffte sich Schalke auch durch die Verpflichtung von Roberto Di Matteo, ins Haus geholt zu haben. Nun, ein Prüfstein wird das Spiel bei Bayern München im Februar 2015 sein.

Im Hinspiel hatte Schalke ein bemerkenswertes 1:1 geholt. In dieser Saison spielte Bayern München so dominant, dass bereits Unentschieden als große Erfolge von der Konkurrenz gefeiert wurden. Damals war allerdings noch Jens Keller in verantwortlicher Trainerfunktion bei den Knappen. Später folgte wie bekannt Roberto Di Matteo. Bayern München zog weiter seine Kreise. Eine Liganiederlage hat die Mannschaft von Pep Guardiola in dieser Saison noch gar nicht hinnehmen müssen.

Uhlsport müsste sich eigentlich über den Pokalsieg von Dynamo Dresden gegen Schalke gefreut haben

Traveler Digital CameraUhlsport, jener deutsche Sportartikelhersteller mit Branchen Know How für Torhüter, wird das Ergebnis von Dynamo Dresden gegen Schalke 04 im DFB-Pokal hocherfreut zur Kenntnis genommen haben. Das Balinger Unternehmen hat ein Portfolio an Torhütern. Dazu gehört auch Benjamin Kirsten, der Keeper von Dynamo Dresden. Er war ein starker Rückhalt gegen Schalke 04 und trug seinen Teil an der Pokalsensation bei. Kirsten. Der Name ist Fußballfreunden in ganz Deutschland ein Begriff. Benjamin Kirsten sein Vater Ulf Kirsten war dreifacher Torschützenkönig in der Bundesliga. Bei seinem Debüt im DFB-Trikot am 14. Oktober 1992 beim 1:1 Unentschieden gegen Mexiko war ich mit ehemaligen Schulkumpels nach Dresden ins Rudolf-Harbig-Stadion gefahren und erlebte ihn live. In seiner Nationalmannschaftskarriere kam er auf 49 Länderspiele für die DDR und 51 für die Bundesrepublik Deutschland. Ein exzellenter Torjäger. Der Junior schlug die Torhüterlaufbahn ein. Verhinderung von Toren statt erfolgreicher Torschüsse. Vor dem Spiel mit Schalke sagte Benjamin Kirsten im Interview mit Sport1:

,,Es ist das erste Pflichtspiel für Schalke und da könnte unsere Chance liegen. Sie werden aber genauso konzentriert an die Sache rangehen wie wir. Wir haben ein Heimspiel, und bei uns ist es natürlich etwas Besonderes, vor dieser Kulisse zu spielen. Das ist kein Gerede, es ist so. Die Stimmung wird wahnsinnig sein, und die Fans werden uns nach vorne peitschen. Auf unsere Fans können wir immer zählen. Wir müssen einfach auf die kleine Chance hoffen, die wir haben. Ich freue mich unheimlich auf das Spiel.“

Die Freude war nach dem Pokalsieg des Drittligisten Dynamo Dresden gegen den Champions-League Teilnehmer Schalke 04 riesengroß. Uhlsport könnte eigentlich mit Benjamin Kirsten noch offensiver agieren, um die eigene Marke publik zu machen. In Sachen Content Marketing wäre zum Beispiel eine intensive Geschichte vorstellbar. Die mediale Saisonbegleitung von Benjamin Kirsten bis zum vielleicht erfolgreichen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Parallel dazu eine Marketingoffensive mit dem ebenfalls unter Vertrag befindlichen Weltmeister Ron-Robert Zieler.

Bayern München und das Prinzip Fernglas

Es war kein gutes Jahr für den FC Bayern München. Anfang des Jahres rumorte es. Die News-Ticker brachten dann die Meldung über den Äther: Trainerentlassung. Spieler sollen daraufhin gar gefeiert haben. Erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand. Anschließend heuerte ein Altmeister auf der Trainerbank beim deutschen Rekordmeister an. Es reichte dennoch nur zu einer titellosen Saison. Ungewohnt für Münchner Verhältnisse. Eine Art Majestätsbeleidigung. Die Rede ist vom Jahr 2007. Im Pokalfinale siegte der fränkische Rivale 1. FC Nürnberg gegen den schwäbischen Vertreter VfB Stuttgart. In der Meisterschaft siegte die Mannschaft von Armin Veh. Jener VfB Stuttgart mit einem torhungrigen Mario Gomez konnte sich deutscher Meister 2007 nennen. Schalke 04 hatte fahrlässig den Titel verspielt. Nichts neues in Gelsenkirchen. Doch den größten Ärger gab es in München. Eine Saison ohne Titel: Tief durchatmen. Der wortgewaltige Europameister und Weltmeister aus der goldenen Ära des deutschen Fußballs in den siebzigern, Bayern München Legende Uli Hoeneß, ging unter die Philosophen und haute jene bedeutungsvollen Worte heraus:

,,Nächstes Jahr wird es bei uns eine klare Devise geben – und das vom ersten Spieltag an: Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.“

Bayern München gelang dann in der Saison 2007/2008 jene philosophische Umsetzung des Prinzip Fernglas. Doch noch besser machte es der diesjährige Jahrgang. Zeitweise hatte man als geneigter Beobachter der Fußballszene den Eindruck, dass die Konkurrenz resigniert das Fernglas beiseite gelegt hat.

Tom powert konzentriert auf Sportwetten News

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit seiner Haushälterin Melinda geht Tom entschlossenen Schrittes an seinen PC. Kurz hochfahren. Schwungvoll an die Arbeit. Ohne sich abzulenken von den Nachrichten über Wetter, Politik oder den üblichen Promiklatsch geht er zielstrebig auf Sportwetten News. Dort ist alles akribisch aufbereitet. Formkurven, Statistiken, wahrscheinliche Startaufstellung, direkte Duelle, Prognose. Was steht heute an? Natürlich der Klassiker. Das Knallerduell. Der Höhepunkt des Mittwochs. AC Mailand VS FC Barcelona. Akribisch sind auf der News Seite die letzten Spiele vom AC Mailand aufgeführt.  Form schlägt Klasse ist eine alte Formel. Daher interessieren den Wettprofi die letzten Spiele. Tom lässt sie kurz Revue passieren.

15.02.2013     Serie A                 AC Mailand – FC Parma 2:1
10.02.2013     Serie A                 Cagliari Calcio – AC Mailand 1:1
03.02.2013     Serie A                 AC Mailand – Udinese Calcio 2:1
27.01.2013     Serie A                 Atalanta Bergamo – AC Mailand 0:1
20.01.2013     Serie A                 AC Mailand – FC Bologna 2:1
13.01.2013     Serie A                 Sampdoria Genua – AC Mailand 0:0
09.01.2013     Serie A                 Juventus Turin – AC Mailand 2:1

Mario Balotelli, der Schreck der deutschen Fußballelf während der EM im Halbfinale darf nicht mitspielen. Okay. Dafür steht Kevin-Prince Boateng in der Startformation vom AC Mailand. Was war das für ein Aufschrei in Deutschland damals nach dem Foul von Boateng an Ballack vor der WM 2010. Diese Attacke kostete dem ehrgeizigen Ballack die WM-Teilnahme. Später fand er nie wieder zurück in die deutsche Nationalmannschaft. Selbst der ehrenvolle Abschied mit dem eigentlich mehr wie verdienten 100. Länderspiel wollte dann nicht mehr klappen. Tom sieht mit der analytischen Messerschärfe eines kompetenten Arztes die nach oben zeigende Formkurve vom AC Milan.

Tom schaut jetzt konzentriert auf die letzten Spiele vom Dreamteam aus Barcelona:

16.02.2013     Primera Division        FC Granada – FC Barcelona 1:2
10.02.2013     Primera Division        FC Barcelona – FC Getafe 6:1
03.02.2013     Primera Division        FC Valencia – FC Barcelona 1:1
30.01.2013     Copa del Rey            Real Madrid – FC Barcelona 1:1
27.01.2013     Primera Division        FC Barcelona – Osasuna Pamplona 5:1
24.01.2013     Copa del Rey            FC Malaga – FC Barcelona 2:4
19.01.2013     Primera Division        Real Soc. San Sebastian – FC Barcelona 3:2

Bei Barcelona steht momentan die Null nicht. In Valencia und beim Erzrivalen Real jeweils ein 1:1. Mannschaften wie Real San Sebastian oder der FC Malaga haben Schwächen der Katalanen aufgedeckt. Tom greift sich kurz ans Ohr. Vor vier Tagen lag Barcelona mit 0:1 zur Halbzeit beim FC Granada zurück. Er liest die Texte auf Sportwetten News zu beiden Teams. Selbstverständlich taucht auch Messi darin auf. Er wird alleine 5 mal erwähnt. Lionel Messi. Ob er denn irgendwann auch mit Argentinien an die Erfolge in seinem Verein anknüpfen kann?

Die Türklinke vom Arbeitszimmer geht sachte nach unten. Melinda bringt den Espresso. Jenes Ritual gibt Tom immer wieder auch die nötige Muse sich konzentriert seiner Arbeit, dem professionellen setzen von Sportwetten, zu widmen. Dabei ist er konzentriert und energiegeladen. Wenn er am Vormittag durchgepowert hat überkommt ihn immer so ein zufriedenes Gefühl. Gestern Abend haben ihn auch seine Bayern nicht im Stich gelassen. Smart verdientes Geld. Eine leichte Vorfreude und ein kribbeln spürt Tom auch für heute Abend.

Doch vorher heißt es weiter konzentriert arbeiten. Ein scharfer Blick auf die zweite Begegnung in der Champions-League heute Abend. Es steht die Partie Galatasaray vs. Schalke 04 an. Auch ein feines Duell. Derweil bringt die Haushälterin Tom ebenfalls traditionell frisch geschnittene Ananas. Mittags trifft er dann einen türkischen Freund mit erstklassigen Verbindungen zum Istanbuler Kultclub. Ein Arbeitsessen steht an mit einem Informationsaustausch. Wie sind die letzten Trainingseinheiten bei Galatasaray gelaufen?  Tom pflegt und hegt sein Netzwerk. Kurzer Blick zur Uhr. 10.32 Uhr.

Die gegensätzlichen Welten von Borussia Dortmund und Hansa Dortmund

Natürlich ziert sich der eine oder andere noch mit den Glückwünschen für die Meisterschaft von Borussia Dortmund. Der ehemalige Torschützenkönig der Fußballbundesliga, der blonde Stürmerstar Karl-Heinz Rummenigge, war in der Schwäbischen Zeitung mit der defensivesten Variante aller Noch-Nicht-Glückwünsche zu vernehmen:

,,Dortmund wird zu 99 Prozent Meister. Aber wir gratulieren trotzdem erst, wenn es auch mathematisch feststeht. Die paar Wochen werden die Borussen jetzt auch noch warten können.“

Rummenigge und Mathematik ist ein Kapitel für sich.

 Ottmar Hitzfeld kann ein Lied davon singen. Verlieren wir jedoch nicht den Blick auf die Großstadt in Nordrhein-Westfalen. In den Kneipen floss das Bier inflationär in die Kehlen der siegestrunkenen BVB Fans. Doch in Dortmund gibt es auch Abstiegssorgen. Der Schachclub Hansa Dortmund e.v. ist davon geplagt.

Chesstigers konstatiert trotzdem keine Weltuntergangsstimmung:

,,In Dortmund ist die Laune trotz des vermeintlichen Abstiegs ungebrochen bestens. Das Team um Mannschaftsführer Andreas Warsitz tut alles, um den Schachfans in Revier einen schönen Saisonabschluss zu präsentieren. Mit dem Festsaal des Westfälischen Industrieklubs wurde ein toller Spielort organisiert und sportlich hat man sich auch noch nicht aufgegeben.“

Momentan hängt der Schachclub Hansa Dortmund in der Schachbundesliga  auf dem vorletzten Tabellenplatz, eingerahmt von USV TU Dresden und dem Schlusslicht SC 1950 Remagen. Die Schachspieler berühren natürlich die Emotionen nicht so wie die Fußballer. Wikipedia ist da auch ziemlich hart in der Ausgrenzung:

,,Wahrzeichen der Stadt sind die Reinoldkirche, die Westfalenhalle, das Dortmunder U und der Florianturm.

Sportliches Aushängeschild der Stadt ist der Fußballverein Borussia Dortmund.“

Derweil tragen die Bayern Trauer. Zwei Jahre ohne Meisterschaft ist gar nicht prickelnd. Gute Stimmung geht anders.  Oder geht da etwa doch noch was? Der recht meinungsstarke Schalke-Boss Clemens Tönnies tönt bei bild.de von einem 3:2 Sieg gegen Borussia Dortmund. Nun dann.

Ein ganz normaler Bürotag im Dezember in Deutschland

08:00 Entspannt mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Büro

08:35 Mantel im Büro aufgehangen. E-Mail Eingang checken. 

08:45 Kollegen an gewonnene Sportwette auf Schalke 04 erinnern

08:50 Ersten Kaffee im Büro trinken, Rosinenbrötchen tunken

08:59 Entspannungsblues Mama Wilson von Engerling auf youtube hören

09:30 Konferenz. Kollegen an ausstehenden Wetteinsatz erinnern

10:00 Zurück im Büro. Ablage. Blick auf Kultseite von Jens Weinreich

10:30 Genüßlicher Blick auf die Website von Jan Ullrich

11:05 Blick auf die Uhr. Zweites Frühstück in Sicht. Wird auch Zeit.

11:15  Zweites Frühstück mit Kollegen P. Austausch über EM-Auslosung

11:45 Kantine. Sport Diskussion fortsetzen. Es dreht sich um Jogi Löw

12:40 Eiligen Außentermin vortäuschen: schnell mal rüber zu Kaufhof

13:45 Beim Bereichsleiter Sorge über Zustand von S. äußern

14:30 Am Drucker Powerpoint-Präsentation der Kollegin K. abgreifen

14:55 Druckerpapier und Textmarker Stabilo für daheim einstecken

15:15 All-inclusive-Angebote für Ukraine und Polen 2012 checken

15:40 Präsentation von K. unter eigenem Namen der Zentrale senden

16:10 Auszubildenden (Eintracht Fan) im Großraumbüro hochnehmen

16:20 Die Bundesligawettgelder von den Kollegen einsammeln

17:10 Endlich Feierabend. In der Tiefgarage auf Bereichsleiter warten:

             ,,So spät noch?“

17:50 Von der Frau wegen aufreibenden Bürotag bedauern lassen

17:55 Gut gekühltes Entspannungsbier von der Frau servieren lassen

Anmerkung

Alles an diesem Büroarbeitstag ist erfunden, das hoffe ich zumindest. Namen der Personen sowie Ablauf in der Firma sind ebenso frei erfunden wie die beschriebenen Situationen und Handlungen.

Ich versichere, dass ein Bezug zu realen Geschehnissen in deutschen Büros nicht beabsichtigt ist, auch wenn sich ein solcher finden sollte.

Rangnick und die Veteranenmedaille der Leistungsgesellschaft

Die Personalie Ralf Rangnick ging durch alle Gazetten der Republik. Ein Heer von Hobbypsychologen war auf einmal präsent in den TV-Sendungen und in den Zeitungen. Die für mich interessanteste Abhandlung des Themas um das erloschene Feuer eines einst motivierten und im Job brennenden Übungsleiters gab es in der Wochenendausgabe von Süddeutsche Zeitung auf Seite 3.

Werner Bartens, Moritz Kielbass und Christof Kneer zeichnen auf einer kompletten Seite ein  differenziertes Bild über den Druck eines Bundesligatrainers, der Überlastung und dem viel beschriebenen Thema Burn-out. Es kommt auch der Freiburger Soziologe Ulrich Bröckling zu Wort:

,,Burn-out zeigt außerdem an, dass man sich im Beruf ausgepowert hat. Das ist geradezu die Veteranenmedaille der Leistungsgesellschaft – ich habe alles gegeben.“  

Es wird von Bartens, Kielbassa und Kneer auch ein Rückblick auf den Jahresanfang gemacht. Der viel zu kurze Zeitraum zwischen der Demission von Rangnick am Neujahrstag bei Hoffenheim und dem neuen Arbeitsvertrag auf Schalke im März. In den paar Wochen dazwischen gönnte sich Rangnick keine Pause zum durchatmen. Die Tage waren getaktet. Selbst anberaumte Urlaubstage auf einer Insel im Süden wurden abgebrochen um ein Fußballspiel in London zu sehen und Gespräche mit Frank Arnesen zu führen. Oder ein selbst durchgeführtes Scouting eines talentierten jungen Keepers beim KRC Genk. Auch ein Rückblick auf die schwere Zeit von Hitzfeld 2004 oder die offensichtlich nicht vorhandene Sensibilität der Menschen, die mit Rangnick zusammenarbeiteten, fehlen in dem lesenswerten Artikel unter dem Titel – Ein Klügerer gibt nach – nicht. Alleine dafür hat sich der Kauf von Süddeutsche Zeitung am Wochenende gelohnt.

Es kommt auch Peter Henningsen, Chefarzt der Psychosomatik an der Technischen Universität in München zu Wort. Er redet Klartext:

,,So ein Fall ist eine Bedrohung für das System Leistungssport. Deshalb muss es als kurzer, leicht zu behebender Betriebsunfall dargestellt werden.“

Hitzfeld kam nach 2004 wieder zurück. Vor sieben Jahren fand er nach eigenen Worten nicht den Weg selber bei Bayern München zu kündigen. Jetzt trainiert er die Nati in der Schweiz. Ein Job mit weniger Dauerstress und keiner medialer 24-Stunden Nabelschau. Rückblickend gewinnt er der damaligen Situation und seiner Auszeit gute Seiten ab:

,,Die Pause danach war wie ein Jungbrunnen für mich“

Ralf Rangnick  wird jetzt den steinigen Weg der Genesung gehen. Dafür ist ihm ein verständnisvolles familäres Umfeld, der Blick in andere Lebensbereiche und viel Kraft sowie Glück zu wünschen.

Manuel Neuer oder der Fluch eines Blogbeitrags

Gibt es eigentlich den Fluch eines Blogbeitrags? Am 29. April 2011 schrieb ich hier im Blog In Sachen Manuel Neuer:

,,Viele halten Neuer bereits jetzt für den weltbesten Torwart. Menschenskinder, da schießen die Spatzen aber schnell mit ihren Lobeshymnen. Um in die Reihe eines Jaschin, Maier, Zoff, Croy, Rene Müller, Schumacher, Shilton, Jennings, Buffon, Schmeichel, Kahn, van der Sar und anderer sich einzureihen bedarf es noch einiges an Paraden. An sportlichen Erfolgen. An Kontinuität.“

Kaum hatte ich die Zeilen geschrieben fing sich Neuer regelmäßig Tore wie die CDU und FDP ihre aktuellen Wahlniederlagen. 4 Stück in München. 4 weitere Stück auf der Insel bei Manchester United. 3 Stück zu Hause gegen Mainz. 2 Stück zum Abschluss der Bundesliga in Köln. 13 Gegentore in 4 Spielen. Machte einen Durchschnitt von 3,25.

Der Weltklassetorwart Jürgen Croy äußerte einst im Gespräch mit Heinz-Florian Oertel dass jedes 3. Gegentor auf die Kappe des Keepers geht. Oft konnte Neuer im Endspurt der Saison nur noch hinterherschauen. Mir kamen da öfters die Erinnerungen an das spektakuläre, um die Welt gegangene Sportfoto.

Dann das Wechseltheater. Es nervt gewaltig. Die Gerüchteküche brodelt. Beim Pokalumzug die Szene mit dem sogenannten Fan. 

Apropos Transfer und die unendlichen Wasserstandsmeldungen dazu.  Torsten Wieland vom Königsblog schrieb dazu treffend: 

,,Manuel Neuer will auf Schalke nicht verlängern. Das finde ich schade, aber richtig scheiße würde ich es finden, wenn er für 7 Millionen plötzlich doch bleiben wollte. Wenn die in den Medien kolportierten Summen stimmen hat Horst Heldt einen guten Preis für ein Jahr Vertrag ausgehandelt. Ich bin nicht sauer auf Manuel Neuer, aber ich will das ganze Rumgeier auch nicht mehr länger ertragen müssen.“

Natürlich hat Neuer eine exzellente Laufbahn vor sich. Er kann ein ganz Großer werden. Bei einem großen Club in der bayrischen Landeshauptstadt. 

Irgendwann legt sich das mit dem Fluch schon. Darauf möchte man fast wetten.