Schachspieler des Jahres 2010

Stefan Löffler nimmt die jährliche Umfrage der russischen Schachzeitschrift 64 zum Anlass eine persönliche Rangliste seiner Schachspieler des Jahres 2010 auf der Schachwelt zu veröffentlichen.

         Turm in der Schlacht

             © Michael Alber: Pixelio 

Rang 1 belegt Aronian vor Carlsen und Iwantschuk. Schachweltmeister Anand sieht Löffler auf Rang 5. 

Viswanathan Anands Platzierung erläutert Stefan Löffler: 

,,Viswanathan Anand hat seinen WM-Titel knapp aber verdient verteidigt und Carlsen zwischenzeitlich die Weltranglistenführung abgenommen. Um hier höher oder ganz oben zu stehen, hätte der Inder allerdings noch mindestens ein klassisches Turnier gewinnen müssen. Sein letzter Sieg, Linares 2008, liegt aber schon fast drei Jahre zurück.“

Ein Weltmeister muss sich auch zwischen den Titelkämpfen zeigen. Klassische Turniere nicht nur mitspielen, sondern auch seine Position mit Turniersiegen unterstreichen. Trotzdem ist Platz fünf etwas zu tief für meinen persönlichen Geschmack.

Levon Aronian ist auch meine Nummer 1  im Jahr 2010. Er hatte zuletzt Momentum. Seine Siege beim Tal-Memorial zusammen mit Karjakin in Moskau und die anschließende Blitzschachweltmeisterschaft in der russischen Metropole waren beeindruckend. Beide Siege waren spektakulär. 

Renditeobjekt Schachwelt

In Zeiten der Schwindsucht vom Euro und des amateurhaften Verhaltens der Regierung wird verstärkt Ausschau nach Sachwerten gehalten. Frank Hoppe hat dieser Tage auf der Website des Deutschen Schachbundes einen Geheimtipp gehabt:

,,Nach nicht einmal einem Jahr beendete GM Jörg Hickl im Juli seinen Versuch eine weitere Schachzeitschrift am Markt zu etablieren. Glücklich dürfen die sein, die einst zu den Abonnenten zählten. In einigen Jahrzehnten werden die insgesamt 11 Ausgaben der Schachwelt zu den Raritäten auf dem Schachmarkt zählen. Die Auflage war schließlich nicht besonders hoch.“

Nun, die Schachwelt wird einige Jahrzehnte abhängen müssen um adäquate Renditen einzufahren. Die Sportmerobilia Auktion von AGON zeigte am letzten Wochenende das Potenzial von Erinnerungsstücken mit Patina. Sammler haben da tiefe Taschen.

Jetzt ist die Schachwelt noch zu frisch um nennenswerte Erlöse zu erzielen. Ich bin ja gerade dabei meinen Bestand an gut abgehangenen Schach-Echos aufzulösen. Das ist ein ganz guter Gradmesser um den Wert alter Schachzeitungen zu messen.

Jörg Hickl setzt nun verstärkt auf Online-Content. Auf mehr Leser. Auf mehr Vermarktungsmöglichkeiten. Ein kleiner Web-Shop ist auch integriert. Dabei sind die Claims in Deutschland eigentlich abgesteckt. Platzhirsch chessbase und chesstigers haben funktionierende Geschäftsmodelle im Netz etabliert.

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Magnus Carlsen gewinnt London Chess Classic 2010

Schachgenie Magnus Carlsen bekam vor einer Woche eine kalte Dusche in London. In der Auftaktpartie verlor er mit den schwarzen Steinen gegen Luke McShane. Ich mochte Auftaktniederlagen in meiner aktiven Turnierschachphase wie  zugefrorene Autotüren oder eine Übernachtung auf der A 9 über Nacht im Dezember 2001. So eine live erlebte Nacht mit allen Facetten (Einsatzkräfte des THW, Verteilen von Tee an Familien mit Kindern, Chaos, einsetzende Dunkelheit, Schneetreiben, LKWs die über 3 Spuren queer stehen) wünscht man sich persönlich nicht so schnell wieder. Ich war damals an einem Freitag auf dem Weg von Leipzig zu meiner Liebsten in Nürnberg.

Doch zurück zu Magnus Carlsen. Er hat sich dann in der zweiten Runde mit einem Sieg gegen Michael Adams schadlos gehalten. Doch in der 3. Runde setzte es wieder eine Niederlage gegen Viswanathan Anand. In den letzten 4 Runden holte Carlsen dann mit 3 Siegen und einem Remis gegen Kramnik die erforderlichen Punkte zum Turniersieg beim London Chess Classic 2010.

Magnus Carlsen hat also seinen Vorjahressieg verteidigen können. Nach dem Verlust des Blitzschachweltmeister Titels kürzlich in Moskau, ein versöhnlicher Jahresabschluß für den Zwanzigjährigen Norweger. London hat im Schach einen guten Klang. Das Wort Tradition wird ja oft auch inflationär gebraucht. Für London und die Schachgeschichte treffen die neun Buchstaben jedoch 100% zu. Jens-Erik Rudolph geht unter dem Titel Schachwelt anno Tobak (2) – London 1851 im Blog der Schachwelt tief in die Historie hinein. Die Männer haben damals ohne Bedenkzeit agiert. Teilweise wurden für einen Schachzug sagenhafte 2 Stunden Gehirngymnastik investiert.  

Das neue Online-Ballkleid der Schachwelt von Jörg Hickl

Okay, das enthusiastische mediale Echo ist bisher bei chessbase ausgeblieben. Was berichtet chesstigers darüber? Auch noch nichts. Georgios Souleidis hat auf Enwicklungsvorsprung auch noch keinen Informationsvorsprung bezüglich der Schachwelt geäußert. Die Schachblätter sind auch noch ruhig. Schwatt und Weiß bringt auch noch nichts. Worum geht es eigentlich?

vater und sohn

© Mario Heinemann: Pixelio 

Die Rede ist vom neuen Online-Auftritt der Schachwelt von Jörg Hickl. Das neue Ballkleid ist fertig genäht. Jetzt geht es um Inhalte. Auch bekannt unter Content is King. Hickl musste dieses Jahr aus wirtschaftlichen Gründen das Print-Magazin Schachwelt einstellen. Der Online-Auftritt hatte nach dem rauschenden Fest mit der Live-Kommentierung während des Schachmatch des Jahrzents zwischen Anand und Topalov ein etwas ruhigeres Fahrwasser erlebt.

Stefan Löffler bloggte nicht immer mit der Leidenschaft, Power und Freude die ein Blogger als Grundtugenden mitbringen sollte. In den letzten Wochen zog der ehemalige Schachblogger jedoch wieder an. Jörg Hickl hat jetzt ein ganzes Autorenteam um Löffler herum zusammengestellt. Mir lag auch ein mündliches Angebot zur ehrenamtlichen Mitarbeit vor. Das ehrt mich. Aus monetären Gründen habe ich abgesagt. 

Ich wünsche viel Erfolg, permanente Power, Leidenschaft zum bloggen, viel Spaß, Begeisterung, kontinuierliche Blogbeiträge, ausführliche Behandlung der verschiedenen Schachthemen, viele Leser und zahlreiche Werbepartner. 

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Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 in Moskau

Heute fällt die Entscheidung bei der Blitz-WM 2010 in der russischen Metropole Moskau. Die aktuelle Tabelle sieht Tal-Memorial Sieger Levon Aronian vorn. Der norwegische Medienstar und Titelverteidiger Magnus Carlsen belegt momentan Rang 2. Kann Carlsen in den heutigen 10 Runden die 1,5 Punkte Rückstand auf Aronian aufholen? Schaun wir mal. 

Der russische Schachverband bietet heute wieder einen Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 an. Am heutigen Donnerstag stehen die Runden 29 bis 38 auf dem Programm. Ab 11.00 Uhr ist das Live Büffet eröffnet.

Bei der Umfrage von Susan Polgar auf Ihrer Website nach dem Champion 2010 bei der Blitz-WM haben bisher 1085 Leser abgestimmt. Magnus Carlsen liegt mit 526 Stimmen weit vor Hikaru Nakamaru mit 233 Stimmen und Levon Aronian mit 168 Stimmen. Stand heute 7.30 Uhr. Ein Großteil der Leser haben ihr Votum vor dem Turnier abgegeben. Mein persönlicher Favorit hört auf den Namen Magnus Carlsen.

Wer denkt mit der Blitz-WM 2010 in Moskau wäre das Schachjahr dann gelaufen, dem sei ein Blick auf das im Dezember anstehende London Chess Classic gegönnt. Vom 8. bis 15. Dezember trifft sich dort die Schachelite mit Schachweltmeister Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik. Aus England sind unter anderen Michael Adams und Nigel Short am Start. Ein ganz feines Turnier kurz vor Weihnachten. Oh, hab ich wirklich schon das Wort Weihnachten gebraucht. Dabei haben wir heute erst den 18. November.    

Noch ein kleiner Blick auf die deutsche Schachszene. Letzten Donnerstag trafen sich ja die Spitzenspieler Gustafsson, Meier, Naiditsch und Fridman mit der Führungscrew des Deutschen Schachbundes. Die Funktionäre und Spieler haben offenbar ein Stillschweigen vereinbart. Selbst der sonst auf seiner Website so mitteilungsfreudige Jan Gustafsson hält sich dezent zurück:

,,So, Bettzeit. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zu den Gerüchten um das Treffen mit dem Deutschen Schachbund und meine Teilnahme bei „Bauer sucht Frau“ erst einmal nicht äußern werde.“

Stefan Löffler hat auf der Schachwelt getitelt: Wende geschafft und kurz über das Treffen geschrieben.  Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch nochmals an den „charmanten“ Brief von Arkadij Naiditsch im Vorfeld der Schacholympiade. Dem einen oder anderen Schachfunktionär werden sich dabei die Nackenhaare aufgestellt haben. Eine durch die Gerüchteküche brutzelnde etwaige Sperrung von Naiditsch ist offenbar vom Tisch. Zukünftig ist laut Löffler sogar die Vermarktung der Nationalmannschaft durch Arkadij Naiditsch angedacht. Man wird sehen.

Was macht eigentlich Georgios Souleidis? Nun, auf seinem eigenen Schachblog Entwicklungsvorsprung nimmt er sich liebevoll der Schachbundesliga an und hat die Gurken des Wochenendes aufbereitet.

Tal-Memorial in Moskau geht in die Endphase

Nichts geht über eine aufregende Turniertabelle. Das Tal-Memorial in Moskau ist spannend und muß sich hinter keinem Tatort verstecken. Aronian, Mamedyarov und Wang Hao führen die Tabelle punktgleich an. Alles ist noch eng beieinander. Mamedyarov und Wang Hao treffen am heutigen Sonnabend aufeinander. Für jeden Schachspieler gibt es noch zwei volle Punkte zu gewinnen. Angesichts der Remisflut fast nicht zu glauben, dass ein Spieler seine letzten zwei Partien gewinnt. In den letzten 20 Partien in Moskau gab es 17 Remis und nur 3 Siege. Die noch ausstehenden Spielansetzungen und die aktuelle Turniertabelle gibt es bei chesstigers. Einem Sieg-Spieler wie Michail Tal wäre die Remisorgie vielleicht ein bisschen zu viel des Guten an Punkteteilungen. Auch Schachgigant Bobby Fischer war ein entschiedener Gegner von blutleeren Remis. Dabei wurden in Moskau die Remis teilweise durchaus lang und hart ausgefochten. Ein Beispiel in der 5. Runde beschrieb chessbase folgendermaßen:

,,Das längste unentschiedene Gefecht lieferten sich Alexey Shirov und Hikaru Nakamura in der Berliner Variante. Ohne dass das Gleichgewicht jemals ernsthaft gestört war, wurde die Partie fast bis zum 80. Zug weiter geführt und endete erst, als nur noch zwei Könige und ein Läufer auf dem Brett standen.“

Zur Erinnerung die Prognosen von Jan Gustafsson und mir im Hinblick auf den Turniersieger. Der deutsche Großmeister mit peppiger Website sah Aronian vorn. Mein Tipp lautete Kramnik. Schaun wir mal. 

Da wir gerade bei Gustafsson waren. Er war mit dem amtierenden deutschen Meister OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga in Eppingen zu Gast. Der vom Schachmäzen Wolfgang Grenke finanziell geförderte Schachverein kam über ein 4:4 nicht hinaus. Jan Gustafsson weiß auf seiner Kolumne auch die Erklärung:

,,Unser heutiger Wettkampf lief nicht wunschgemäß. Eppingen war stark mit acht Großmeistern, darunter fünf Ungarn, angetreten. Wir dagegen mit fünf Deutschen, das konnte ja nicht gut gehen…“

Es war ruhiger um Stefan Löffler geworden. Auf dem Blog der Schachwelt von Jörg Hickl zieht er wieder im Tempo an. Alleine am gestrigen 12.11.10 produzierte Löffler drei Beiträge. Okay, in puncto Länge hat der ehemalige Schachblogger noch Potenzial.

Zum Abschluß noch der Hinweis auf eine kleine Schachperle die Olaf Teschke auf Rank zero ausgegraben hat.

Schachliebhaber für Schach-Echo gesucht

Meine Regale quillen über. Ich möchte und muß schweren Herzens etwas Platz schaffen. Für Schachliebhaber habe ich folgende kompletten Jahrgänge der Zeitschrift Schach-Echo abzugeben:

1960, 1974, 1975, 1982, 1983, 1984, 1986, 1988

Interessierte Schachliebhaber, Sammler, Freunde der historischen Qualität in Papierform können sich gerne an mich per E-Mail wenden: michael.wiemer@gmx.net

 

Was gibt es aktuell von den Ereignissen rund um das Königliche Schachspiel zu berichten? Norwegens Wunderknabe Magnus Carlsen schwächelt momentan. Auf dem Gebiet seiner Kernkompetenz. Auf dem Feld der Werbung  sorgte er dafür verstärkt für Schlagzeilen. Stefan Löffler hat sich der Thematik bei der FAZ angenommen und titelt Litfaßsäule statt Weltrangliste.

Einen schönen Nachtrag zur Schacholympiade in Khanty Mansijsk (Menschenskinder, ich habe die von mir einst gewählte Schreibweise konsequent durchgezogen) liefert Helmut Pfleger auf Welt Online. Er attestiert dem Schachspitzenspieler Wassili Iwantschuk sogar Parallelen mit dem unübertroffenen Schachgenie Bobby Fischer.

,,Bei der Schacholympiade im sibirischen Chanty-Mansijsk führte nach sieben Runden unangefochten die Ukraine. Das ist per se nicht so überraschend, aber was ihr Spitzenspieler Wassili Iwantschuk anstellte, hatte man zuletzt von Bobby Fischer selig gesehen. Wer sich ihm gegenübersetzte, wurde niedergemacht.“

Stammleser wissen von meinem besonderen Verhältnis zu Bobby Fischer. Das Schachmatch des Jahrhunderts war mein emotionaler Schachhöhepunkt. Selbst Kasparow hält Bobby Fischer für den Größten in der Geschichte des Schachs. Wer Bobby Fischer in seinen besten Zeiten im Interview erleben will schaut sich diese kleine siebenminütige Reminiszenz an.

Was machen eigentlich Jan Gustafsson und Arkadij Naiditsch? Beide deutschen Schachspieler waren ja bei der Schacholympiade aus monetären Gründen nicht für Deutschland am Brett im Einsatz. Jan Gustafsson coachte die Mannschaft von Dänemark. Arkadij Naiditsch war ohne Engagement.  Jetzt waren sie im ehrenamtlichen Einsatz am Goethe-Gymnasium in Gaggenau. Der Hat-Tip geht an Stefan Löffler von der Schachwelt.

Deutschlands Mannschafsmeister im Schach, die OSG Baden-Baden, schreibt dazu auf der Vereinswebsite:

,,Arkadij und Jan waren übrigens von Anfang an begeistert von der Idee und fragten nicht Mal nach einen Honorar. Wenn man die aktuellen Diskussionen um die deutsche Nationalmannschaft verfolgt, muss man den Eindruck haben, dass da ganz mächtig etwas schief läuft.“

Der Eindruck täuscht nicht.

Schachgenie Magnus Carlsen schwächelt

Er wurde bereits wie der neue Schachweltmeister gehandelt. Ein junges Genie. Nicht aufzuhalten. Die Rede ist von Magnus Carlsen. Der 19-Jährige norwegische Spitzenschachspieler ist seit Moskau 2009 Blitzschachweltmeister. Okay, das ist noch nicht der Schacholymp. Die Krone hält Viswanathan Anand. Momentan schwächelt Magnus Carlsen und Stefan Löffler von der Schachwelt hat auch einen Grund dafür gefunden. Die verstärkten Werbeaktivitäten von Carlsen. Dabei kommt die Werbebotschaft nicht überall beim Konsumenten an:

,,Als ich am Samstag in Wien aus dem U-Bahnhof hinauf auf die Straße kam, lag Magnus Carlsen vor mir am Boden. Nicht persönlich natürlich. Aber sein Foto prangte groß von einer Zeitungsbeilage, deren Besitzer sich ihrer offenbar gleich auf der Straße entledigt hatte. Fette 28 Seiten umfasst das von der Modekette G-Star herausgegebene „Raw Magazine“ mit Posterboy Magnus, das der Tageszeitung Der Standard beigelegt war.“

Lenken die Werbeauftritte Magnus Carlsen vom Schachspiel ab? Sieht momentan so aus. Stefan Löffler hat in obig verlinkten Beitrag im Blog der Schachwelt die Niederlagen vom Schachgenie aufgezählt. Da schmerzt alle Carlsen Fans alleine die Aufzählung der Verlustpartien bei der Schacholympiade in Khanty Mansijsk und beim Bilbao Final Masters 2010.

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Lebhafte Diskussion um den Neustart im deutschen Schach

Die Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk ist bereits wieder Geschichte. Es bleibt der zwiespältige Eindruck vom Auftritt der deutschen Schachspieler und die Nichtteilnahme der Spitzenspieler nach den Querelen mit dem Deutschen Schachbund. Auf dem Blog der Schachwelt hat sich nach dem vom Schachexperten Stefan Löffler geforderten Neustart im Deutschen Schachbund eine lebhafte Diskussion entwickelt. Auch ich habe mich gerne daran beteiligt. Meine Sicht der Dinge:

,,Der DSB agiert ja in keiner kritikfreien Zone. Die Entwicklung speziell seit der Heimolympiade 2008 in Dresden ist auf vielen Ebenen semiprofessionell zu nennen. Themen wie die brachliegende Sponsorenakquise, fehlendes offensives Marketing, offenbar fehlende Feinabstimmung in der Kommunikation zwischen Uwe Bönsch und Robert von Weizsäcker (siehe das Interview vom Bundestrainer vor der Olympiade mit Dagobert Kohlmeyer), fehlende aktive und kontinuierliche Pressearbeit um auch öfters in der Süddeutschen Zeitung, der FAZ oder Zeit Online zu erscheinen. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Über die offenbare Sprachlosigkeit zwischen Schachbund und seinen Spitzenspielern ist ja bereits viel gesprochen worden. Ein reinigendes Gewitter fehlt jedoch immer noch.

Ich vermisse ein solides Konzept mit Umsetzungspower in die Praxis. Schach ist ein königliches Spiel. Deutschland hat eine riesige Tradition. Bei der Schacholympiade in Dresden waren prominente wie die Klitschko Brüder aus dem Boxsport, Meistercoach Felix Magath, Fußballeuropameister Marco Bode oder auch der investigative Qualitätsjournalist und Bestsellerautor Günter Wallraff Schachbotschafter. Das war doch eine phantastische Ausgangsposition für professionelle Sponsorenakquise. Danach passierte in der Öffentlichkeitsarbeit herzlich wenig. Vielleicht müssen andere Strukturen geschaffen werden, Vertriebsprofis mit frischen Wind auf der Geschäftsstelle des DSB und bei potentiellen Sponsoren engagiert werden. Mit ehrenamtlichen Versuchen oder Statements – Schach und Sponsoring passen nicht zusammen – ist der Dornröschenschlaf vorprogrammiert. Magnus Carlsen bekommt Sponsoren. Pepsi Cola warb einst mit Garri Kasparow in einem emotional in Szene gesetzten Werbespot, Silvio Danailow powerte vor dem WM Kampf in Sofia zwischen Topalov und Anand in Sachen Sponsorenakquise. Er war mehr wie erfolgreich.

Es gibt keine langweilige Sportart, sondern nur mit Lustlosigkeit und semiprofessioneller Haltung dargebotene Sportdisziplinen.“ 

     Turm in der Schlacht

     © Michael Alber: Pixelio 

Deutschland ist mittlerweile ein Entwicklungsland im Schach geworden. Das schmerzt. In der Nachbetrachtung der Schacholympiade erklärt Michael S. Langer, Vizepräsident Finanzen Deutscher Schachbund, auf der Website des Verbandes:

Während der Schacholympiade in Chanty-Mansijsk kam es zu mehreren Entscheidungen und Ergebnissen, die den Vorstellungen des DSB-Präsidiums nicht entsprachen bzw. entsprechen.

Die Unterstützung von Anatoli Karpow im Vorfeld des FIDE-Kongresses führte nicht zum angestrebten Erfolg. Alter und neuer FIDE-Präsident ist Kirsan Iljumschinow.

Die Kandidatur des DSB-Präsidenten Prof. Dr. Robert von Weizsäcker zum ECU-Präsidenten erlebte ihr Ende bereits im ersten Wahlgang und war im Nachhinein betrachtet aussichtslos.

Der Klage vor dem CAS in Lausanne, die gemeinsam mit dem Ticket von Anatoli Karpow und weiteren nationalen Föderationen eingereicht worden war, wurde nicht entsprochen. Ziel der Klage war die Feststellung, dass die Nominierung von Kirsan Iljumschinow für die Wahl nicht gemäß der Statuten der FIDE vorgenommen wurde. Diese Feststellung wurde nicht getroffen. Der Urteilsbegründung ist zu entnehmen, dass die Bestimmungen der FIDE nicht konkret genug seien, um eine Ablehnung der Nominierung herzuleiten!

Unseren Nationalmannschaften ging zum Ende der Olympiade die Luft aus. Die erreichten Platzierungen entsprechen nicht unseren Zielvorgaben.

Tief durchatmen. Auf Funktionäre oder einen Verband zu schimpfen ist ja immer relativ einfach. Doch Tatsachen sollten auch benannt werden. Der Deutsche Schachbund hat die Ausgangssituation der eigenen Heimolympiade in Dresden von 2008 nicht nutzen können.

Für Ende November kündigte Michael S. Langer eine intensive Diskussion beim Hauptausschuss des DSB an. Ob es ein Reset im Sinne von Stefan Löffler geben wird?

Deutschland läuft unter ferner liefen bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk ein

Nein, mit Ruhm hat sich die deutsche Schachnationalmannschaft in Sibirien nicht bekleckert. Bei den Männern gab es einen desillusionierenden Platz 64. Hier geht es zur ernüchternden Tabelle der Herren. Die Frauen belegen Rang 25. Hier geht es zur Übersicht bei den Damen.

Zwischendurch verlor der Präsident des DSB, Robert von Weizsäcker, auch noch die ECU-Wahl deutlich. Der Manager von Vizeweltmeister Topalov, der charismatische Silvio Danailow, erzielte einen souveränen Wahlsieg. Beim WM-Kampf in Sofia hatte er auch seine Stärke in der Akquise von Sponsoren gezeigt. Über die Bemühungen des Deutschen Schachbunds beim Sponsoring seit der Schacholympiade 2008  hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Auch bei der FIDE Abstimmung lief es für Deutschland nicht gut. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Robert von Weizsäcker bekam einen Schwächeanfall. Bei  Zeit Online berichtet Stefan Löffler über die Umstände unter dem Titel Die deutsche Schachkrise. Der vom deutschen Schachbund unterstützte Exweltmeister Anatoli Karpow verlor gegen Kirsan Iljumschinow. Dank des Löwenanteils der Stimmen aus Afrika und Asien bleibt der umstrittene Iljumschinow bis 2014 FIDE-Präsident. Robert von Weizsäcker ist inzwischen gesundheitlich wieder auf  den Beinen.

In Deutschland zählt Stefan Löffler zu den letzten Mohikanern der überschaubar gewordenen kritischen Schachblogger-Szene. Im Blog auf der Schachwelt rät er generell zum Neustart und fasst die Schachkrise zusammen.

,,Welch ein Debakel für den Deutschen Schachbund zwei Jahre nach der Schacholympiade im eigenen Land. Welch ein Niedergang für diesen international lange bewunderten Verband.“

Stefan Löffler benennt die offenen Flanken. Er spricht Klartext. Der gute alte Bertolt Brecht hat ja einst sinngemäß gesagt -Kritik soll immer mit einem Verbesserungsvorschlag einhergehen-. Schachexperte Löffler schlägt rauchende Gehirnzellen vor:

,, Jetzt müssen Köpfe rauchen (für Konzepte) und rollen ausgetauscht werden (für einen Neustart). Baustellen gibt es viele, die prominentesten heißen Nationalteam, Deutsche Meisterschaft, Bundestrainer.“    

Was schreibt eigentlich Georgios Souleidis zum Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2010? Im Blog Schwatt und Weiß auf Der Westen schüttelt er verbal den Kopf und ringt nach Worten:

,,Das deutsche Herren-Team leistete sich in der letzten Runde ein peinliches 1:3 gegen das Team des internationalen Gehörlosenverbands. Damit wurde das gesamte Bild zerstört – Platz 64, knapp hinter Ländern wie Pakistan, Singapur oder Albanien – es fehlen einem fast die Worte. Die deutschen Frauen waren auch nicht wirklich erfolgreicher. Nach Erwartung im Minus und Platz 25 für das junge Team.“

Ich werde die nächsten Tage gemütlich eine Partie Schach in einer Nürnberger Buchhandlung spielen. Die Vorfreude ist da.