Ruhetag bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk

Die ersten 5 Runden bei der Schacholympiade sind gespielt. Am heutigen Sonntag war Ruhetag. Er schien für die Beteiligten bitter nötig zu sein. Der deutsche Großmeister Jan Gustafsson agiert in Sibirien als Honorartrainer für Dänemark. In seiner Kolumne schrieb er vor dem Ruhetag:

,,Brr! Sorry für die Verspätung, aus meinen geplanten 20 Minuten Hinlegen sind mal eben vier Stunden geworden. Morgen ist Ruhetag, sieht aus als könnten wir ihn alle gut gebrauchen.“

Die Sportart Schach ist Schwerstarbeit. Bei den Männern führt Georgien vor Ungarn und Armenien. Alle 3 Teams haben ihre bisherigen 5 Spiele gewonnen. Deutschland findet sich auf Platz 39 wieder.  Das macht die Sache mit der Sponsorensuche für den Deutschen Schachbund auch nicht einfacher. Erfolg macht sexy. Platzierungen im sportlichen Niemandsland fehlt die Magnetwirkung für Sponsoren. Die komplette Tabelle gibt es hier bei chess-results.com.

Die Deutschen Frauen belegen zur Zeit Platz 12. Sie sind bei drei Siegen und zwei Unentschieden noch ungeschlagen und dürfen durchaus auf einen Platz unter den Top Ten hoffen. Die Ukraine und Russland sind bei den Frauen noch mit einer makellosen Bilanz von 5 Siegen aus 5 Begegnungen auf der Flaniermeile der Tabelle ganz vorn. Die USA belegen Rang 3. Die komplette Tabelle der Frauen gibt es hier bei chess-results.com.

Während der Schach-WM in Sofia zog ihre Homepage die Leser aus aller Welt an. Auch vom schachlichen Großereignis in Khanty Mansijsk berichtet sie. Es lohnt immer ein Blick auf die Website der charismatischen Susan Polgar. Die gebürtige Budapesterin entstammt der schachbegeisterten Familie Polgar und berichtet aktuell und informativ von der Schacholympiade.

Grundrauschen der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk

Die Schacholympiade im fernen Sibirien ist angelaufen. Dem einen oder anderen Biathlonfreund ist der Name Khanty Mansijsk vertraut. Jetzt wird dort dem königlichen Spiel auf 64 Feldern gehuldigt. Nein, ich wärme den Disput zwischen dem Deutschen Schachbund und seinen Spitzenspielern nicht wieder auf. Jetzt richtet es halt die B-Truppe bei den Männern. Sie und das Frauenteam schlagen sich bisher achtbar. Hier geht es zur offiziellen Turnierseite.

Übrigens zu Khanty Mansijsk gibt es ja die verschiedensten Schreibweisen. Chanti-Mansisk, Khanty-Mansiysk, Khanty Mansyisk, Khanty Mansisjk etc. sind im Netz und den verschiedenen Printpublikationen zu finden. Ich bleibe der vor Wochen gewählten Variante treu. Khanty Mansijsk. Sprachforscher mögen mir nicht böse sein. Ein Patent auf die richtige Schreibweise kann offensichtlich keiner aufweisen.

Chesstigers und chessbase berichten über das Turnier in unterschiedlichen Facetten. Chesstigers titelt Olympia 2010 R3-Favoritenschreck Kroatien und chessbase widmet sich dem Sieg der deutschen Schachspieler und schreibt Schacholympiade: Drei deutsche Punkte.

Deutschland im Schatten bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk

Deutschlands Männer gehen als Nr. 43 der Setzliste in Sibirien an den Start. Seit der Schacholympiade 2008 gab es keinen Aufschwung. Chessbase schreibt treffend im Vorspann zum Interview mit Bundestrainer Uwe Bönsch:

,,Im Jahre 2008 hatte Deutschland mit dem WM-Finale Anand gegen Kramnik in Bonn und der Schacholympiade in Dresden zwei Top-Ereignisse im eigenen Land. ,,Mehr geht nicht“, sagte seinerzeit der neue DSB-Präsident Robert von Weizsäcker . Von der damaligen Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Der erwartete Schachboom blieb aus, die Mitgliederzahlen im DSB gingen sogar zurück. Daraufhin hat sich in der Verbandsspitze offensichtlich der Trend weg vom Spitzen- hin zum Breitenschach verfestigt. In Dresden holte kein deutsches Team eine Medaille, der Leistungssportetat wurde seither stufenweise heruntergefahren.“

Rückblende. Bei der Schacholympiade 2008 gab es jede Menge prominente Schachbotschafter. Fußballtrainer Felix Magath, der ehemalige Europameister Marco Bode, die populären Klitschko Brüder aus dem Boxsport oder der investigative Bestsellerautor und Qualitätsjournalist Günter Wallraff bekannten sich zum königlichen Schachspiel. Eigentlich eine gute Ausgangsposition um neue Sponsoren zu gewinnen und professionelle Sponsoringarbeit beim Deutschen Schachbund zu aktivieren.

Mit dem Namen Robert von Weizsäcker verband sich bei vielen die Hoffnung, Erfolg bei der Sponsorenakquise zu erzielen. Bundestrainer Uwe Bönsch bringt es auf den Punkt im obig verlinkten chessbase Interview mit Dagobert Kohlmeyer:

,,Er hat es nicht geschafft, das ist richtig. Aber frag besser ihn. Ich finde es natürlich sehr schade, dass wir keinen Sponsor gefunden haben.“

Was beim Interview auffällt: Uwe Bönsch weiß eigentlich wenig über den Präsidenten Robert von Weizsäcker. Kontakt gab es zwischen den beiden auch längere Zeit keinen mehr und der derzeitige Aufenthaltsort vom Präsidenten des Deutschen Schachbundes ist Bönsch auch nicht bekannt. Effiziente Kommunikation sieht anders aus.

 Derweil kümmert sich Deutschlands Großmeister Jan Gustafsson um die dänische Nationalmannschaft. In seiner Kolumne berichtet er von der Olympiavorbereitung mit der eingepackten Thermounterwäsche, Wollsocken, der offenen Baustelle Hotel, mehrfach flexibel geänderten Flugzeiten sowie einer neu gekauften Kamera.