Bekenntnisse eines Sportbloggers

Ich bin der, der ohne Masterplan bloggt.

In der Regel langweilen mich Dispute über die Meinungshoheit zwischen Sportjournalisten und Sportbloggern. Beide haben ihre Berechtigung. Der Sportjournalist ist nicht zwingend der unterhaltsamere. Okay, einige Cracks gibt es natürlich auch in den Redakteursstuben Deutschlands. Manch einer hat sich auch vom Diktat der Redaktionskonferenzen gelöst und ist freischaffend tätig. Die individuelle Jagd nach Schreibaufträgen ist damit in der Regel eröffnet. Freie Sportjournalisten scheinen oftmals neben der Textarbeit auch noch viel Aufwand für Ihre Vermarktung zu betreiben (müssen). Da sind dicke Bretter zu bohren. In meiner Kindheit wollte ich auch Sportjournalist werden. Zum Glück kam es anders.

Ich mag keinen Apfelmüll. Markenfetischismus erreicht in der Regel mein Herz nicht. Steve Jobs hielt ich nie für einen Arbeitgebergott. Berichte über Arbeitsbedingungen in einer Fabrik in China machen nachdenklich und lassen keinerlei Begeisterung für irgendein Produkt aus dieser Stätte der Angst aufkommen. Da müssen laut einem taz Artikel Blut am Apfel Netze an den Fassaden installiert werden um weitere Selbstmorde zu verhindern.

Doch zurück zum Sport.

Bei den Boxhelden Frazier und Ali galten meine Sympathien immer letzteren. Ich hab einen Faible für Reinhold Messner, Stefan Nestler, Gerlinde Kaltenbrunner, Rumäniens Weltklassetorwart Cornel Penu und seine Szene mit Wolfgang Lakenmacher in Berlin im Handball-WM Endspiel 1974, Wieland Schmidt,  Bayern München, RB Leipzig, Dieter Mateschitz, die Fußballelf von Helmut Schön in München gegen die Niederlande beim WM-Triumph 74, Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Oliver Kahn, Jürgen Klopp,Hans Meyer, die Pferderennbahn im Scheibenholz in den 80igern mit den Jockeys Jürgen Szydzik, Dietmar Hartung, Martin Rölke, Angelika Glodde, Lutz Pyritz, Jochen Potempa, Schachweltmeister Bobby Fischer und die Story vom Schachmatch des Jahrhunderts, Sebastian Vettel, Dirk Bauermann, Wolfgang Heyder und seine Arbeit bei den Brose Baskets Bamberg, Heiner Brand, Jürgen Croy, gut gemachte Schachwebsiten, Sportblogs wie allesaussersport, Trainer Baade, rotebrauseblogger, breitnigge, indirekter-freistoss …. und die vielen anderen guten Sportzeilenmanufakturen (Kleiner Blick auf meine Blogroll zeigt weitere Perlen).

Ich wundere mich über PR-Aktionen mit falsch aufgestellten Schachbrett, wie kürzlich bei den SPD-Genossen Steinbrück und Schmidt zu beobachten. War sie letztendlich vielleicht gewollt, die Aufmerksamkeit um eine Buchveröffentlichung auf Kosten des regulären Schachspiels? Andererseits habe ich in Oberstdorf beim Großschach auch schon falsch aufgestellte Grundstellungen gesehen. Vielleicht überbewertet dies auch ein einst erfolgreicher Jugendschachspieler wie ich.

Stichwort Jugend. In diesen Zeiten damals im sozialistischen Laborversuch der Spießbürger Honecker und Co. holte ich die eine oder andere Medaille beim Turnierschach. Ohne Doping. Bevor Leser jetzt wild bei wikipedia schauen oder in der Google Suchzeile hektisch nach Statistiken suchen, spart Euch die Zeit.

Meine Erfolge waren im Bezirk Leipzig regional beschränkt, zu historischen unvergessenen Zeiten, wo Robotron, ein DVZ (Datenverarbeitungszentrum), Maschinenbaukombinate mit 40.000 Mitarbeitern, Schlangen vor dem örtlichen Gemüseladen, große Zeitungen mit sozialistischen Power-Botschaften, sehr dominante Medaillenspiegel der DDR-Leistungssportler gegenüber den westlichen Athleten aus Frankreich, England oder der BRD (erinnert sei an die Bilanz bei den Olympischen Spiel in Montreal 1976) und vieles andere mehr den Gang des Alltags begleiteten. Das Internet war weit weg. Nein, es wird die nächsten 5 Jahre keine Memoarien von mir geben. Also liebe Verlage, spart Euch bitte die Anfragen.

Manchmal wünsche ich mir Interviews von Sportlern im Stil von Klaus Kinski. Unvergesslich diese Sequenzen des emotionalen und extrovertierten Schauspielers. Aber auch die Interviews von Erfolgscoach Hans Meyer haben Kultcharakter.

Dynamo Dresden oder Hansa Rostock kann ich mir auch gut in der vierten Liga vorstellen. Die Welt würde sich weiter drehen. Es gibt keinen Grund einen Ostbonus zu fordern. Was sollen da Traditionsvereine aus Essen, Braunschweig, Düsseldorf, Saarbrücken, Uerdingen, Unterhaching oder die Kätzchen aus München sagen. Andererseits stellt sich die Frage warum Eintracht Frankfurt recht glimpflich bei Zuschauerauschreitungen davon kommt. Ach, wie war das eigentlich damals mit der Lizenz für Borussia Dortmund als das finanzielle Kartenhaus einzustürzen drohte? Es sollte auch keinen Westbonus, Nordbonus oder Südbonus geben. Thema Gerechtigkeit – Mahatma Ghandi bitte übernehmen Sie.

Schiedsrichter haben es nicht leicht. Gerade in diesen Zeiten. Mein Idol aus der Jugend war Rudi Glöckner. Jener Referee aus Markranstädt pfiff das legendäre Fußball-WM Endspiel Brasilien-Italien in Mexiko 1970. An ihn kam später keiner ran. So ähnlich muss das eigentlich mit der Markenbildung funktionieren. Schuhe x (oder wir können hier ruhig auch Namen nennen: Adidas, Puma, Nike, Reebok etc.) in der Jugend getragen, und später hat es jeder andere Anbieter schwer in den Kopf und das Herz zu kommen. Heute früh bin ich übrigens mit meiner Jahrhundertliebe am Bodensee gejoggt. Ich trug NO-Name Laufschuhe. Dabei habe ich in meinem Leben bereits Adidas Schuhe, Nike-Fußbekleidung und Puma-Treter angehabt und mit Ihnen auch etliche Kilometer zurückgelegt.

Folgende Sportarten habe ich in meinem Leben bereits ohne Profi-Status ausgeführt: Schach, Fußball, Handball, Badminton, Squash, Volleyball, Laufen über gepflegte 10 Kilometer (Stammleser wissen von meiner Meinung zum Thema Marathon), Hallenfußball, Radfahren mit normalen Rädern, Basketball (oh ich erinnere mich schmerzlich, da verfluchte ich immer meine kleine Körpergröße von 178 cm oder hatte ich generell im Schulsport mental nicht die Anthony Robbins Einstellung?), Bergwandern, Berge mit über 1200 Meter Höhenunterschied bestiegen, Couchrelaxen bei Sportsendungen und Live-Übertragungen aller Art, Schwimmen, Wandern, extensives Lesen von Sportartikeln in den verschiedensten Zeitungen und Magazinen, Kraftsport bei Kieser Training und natürlich noch eine ganze Reihe an Übungen aus dem Schulsportunterricht wie Kugelstoßen, Hochsprung, Bocksprung (Turnen habe ich gehasst)… So jetzt ist aber gut. Sonst kommt noch ein Therapeut auf die Idee, er müsste bei mir eine Art Psycho-Klempner Behandlung einleiten. Nix da.

Ich gehe relativ entspannt mit grammatikalischen Fehlern oder dem einen oder anderen Rechtschreibebrüchlein um. Dieser Blog hat bewusst kein Lektorat. Wer mit der Lupe nach Rechtschreibefehlern und grammatikalischen Fehlpässen sucht wird also sicherlich fündig werden. Gemach, gemach. Dabei waren meine Aufsätze oder Noten generell im Deutsch Unterricht an der 35. Polytechnischen Oberschule in Leipzig (Virchowstraße) gar nicht so übel. Doch ich blogge wie eingangs erwähnt ohne Masterplan und konsultiere auch keine ehemalige Deutschlehrer. Okay? Ich bitte daher meine Leser aber vom zusenden eines Exemplars Konrad Duden abzusehen. Ich würde momentan nicht reinsehen. Vielleicht bin ich da auch etwas eigen. Es ist so.

Ein paar Prognosen dürfen zum Ende nicht fehlen. Im deutschen Volleyball wird der VfB Friedrichshafen seinen achten Meistertiel in Serie einfahren. Die Fußball-Bundesliga wird den Rekordmeister Bayern München am Ende der Saison auf Platz 1 sehen. Das Basketballprojekt mit Dirk Bauermann wird dieses Jahr noch keine deutsche Meisterschaft bringen. Im Handball wird THW Kiel vorne sein. Im Fußball wird RB Leipzig, jene Mannschaft mit der Spielstätte im einstigen legendären Zentralstadion, den Aufstieg in die 3. Liga feiern können. 2012 wird es zum 40. Jahrestag vom Schachmatch des Jahrhunderts das eine oder andere neue Buch geben. So weiter lehne ich mich für heute nicht aus dem Fenster. Im deutschen Eishockey mag ich mich nicht festlegen. Noch nicht.

Ich wünsche allen Lesern ein phantastisches Wochenende.

Desillusion, Fußball-WM 2014, Schiedsrichter und Google

Nein, heute kein Franz Beckenbauer. Auch keine Schelte an der Taktik von Übungsleiter Löw. Zumindest von mir. Den einen oder anderen Nadelstich in der deutschen Presselandschaft gab  und wird es in den nächsten Tagen auch noch geben. In gewohnt  strukturierter Form hat das Sportportal Spox Fehler aufgezeigt und den Flop des Spiels deutlich beim Namen genannt. Einen Hamburger Spieler. Ein desillusionierter Fußballabend.

Wie will Deutschland mit der Abwehr eigentlich Fußballweltmeister 2014 in Rio de Janeiro werden? Spanien kam mit einer überschaubaren Anzahl an Gegentoren zum Weltmeistertitel 2010. Der eine oder andere Leser wird sich daran erinnern. Jetzt höre ich den Einwand: Es ist doch die EM 2012 erst mal vor der Brust. Menschenskinder, den Titel eines Europameisters haben frühere Bundestrainer wie  Derwall und Vogts quasi nebenbei nach Deutschland geholt. Die hohe Kür ist und bleibt die Trophäe des Fußballweltmeisters. Frag nach bei… da bin ich nun doch wieder beim Kaiser gelandet.

Desillusionierend waren in letzter Zeit auch die Nachrichten über deutsche Schiedsrichter. Kopfschütteln. Bei frühen Spielen in meiner Kindheit rief der eine oder andere Zuschauer auch gerne: Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht. Es waren PKWs der Marke Wartburg, Skoda oder auch Trabant. Heute scheint das ganze einen anderen Drive zu bekommen. Vielleicht hören wir demnächst: Schiri, wir wissen wo Dein Konto in Liechtenstein ist.

Schauen wir zum Schluss für heute doch auch noch bei einigen Suchanfragen im Suchschlitz von Google vorbei und auf deren Trefferzahl:

schiedsrichter+skandal ergibt 454.000 Ergebnisse

amerell+kemper ergibt 5.200 Ergebnisse

adidas+sportsponsoring ergibt 62.600 Ergebnisse

nike+sportsponsoring ergibt 325.000 Ergebnisse

puma+sportsponsoring ergibt 495.000 Ergebnisse

Red Bull+sportsponsoring ergibt 994.000 Ergebnisse

Top 10 der Sportsponsoren in Deutschland ergibt 435.000 Ergebnisse

Fußball+Doping ergibt 1.500.000 Ergebnisse

Radsport+Doping ergibt 1.050.000 Ergebnisse

Leichtathletik+Doping ergibt 857.000 Ergebnisse

Schach+Doping ergibt 306.000 Ergebnisse

Schachmatch des Jahrhunderts ergibt 2.200.000 Ergebnisse

Deutschland+Niederlande+Fußball ergibt 8.560.000 Ergebnisse

Schach: FIDE Rangliste, Maximillian Vaintroub, Bobby Fischer, Almira Skripchenko und Karl

Was machen Deutschlands Elite-Schachspieler? Gibt es messbare Arbeitszeugnisse? Gemach, gemach. Der geneigte deutsche Schachfreund muss beim Anblick der offiziellen FIDE Rangliste ein wenig nach unten scrollen, um den ersten Schachspieler mit der Nationenbezeichnung GER zu finden. Auf Platz 40 sieht das Auge dann Arkadij Naiditsch notiert. Daniel Fridman nimmt Rang 94 ein und Georg Meier findet sich auf Platz 100 wieder. Tief durchatmen. Irgendwo eine Leistungsexplosion in Sicht? Vielleicht bedarf es noch etwas Geduld. Chesstigers berichtet von einem Schachtalent:

,,Maximillian Vaintroub vom SK Mannheim-Lindenhof 1865 zeigte sich in der Klasse „F“ mit 44 Teilhehmern als unschlagbar. Im Leistungsbereich unter TWZ 1300 gewann er alle Spiele. Mit 5 Punkten aus 5 Partien = 100% gelang dem 9-jährigen hochtalentierten Badener mit russischen Wurzeln der perfekte Score. In den Klassen A, B, C, D und E konnte keiner der 238 Teilnehmer bei der 1.Qualifikation zur Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 2011/2012 dieses Traumergebnis erreichen.“

Das Thema Frauen und Schach brachte einst Bobby Fischer immer zu sehr polarisierenden Bemerkungen. Dazu aber mehr im Jubiläumsjahr 2012. Dann feiert das Schachmatch des Jahrhunderts zwischen dem Wunderkind Bobby Fischer aus den USA und dem Leningrader Titelverteidiger Boris Spasskij aus dem Jahr 1972 in Reykjavik sein 40. Jubiläumsjahr. Die Champagnerkorken dürfen knallen. Es wird eine Flut an Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt geben zum Duell des Exzentrikers Fischers und dem nach der 2. Partie mit 2:0 führenden Spasskij. Auch die anderen Darsteller auf der damaligen Bühne wie Max Euwe, Lothar Schmid, Fred Cramer, Ed Edmondson, William Lombardy, Efim Geller, Ivo Nei, Nikolai Kroguis, Chester Fox oder Jim Slater werden wieder Scheinwerferlicht abbekommen. Doch um den Faden nicht zu verlieren zum Thema Frauen und Schach: DeepChess wartet mit einem interessanten Interview der französischen Großmeisterin und professionellen Pokerspielerin Almira Skripchenko auf. Für Freunde von Bonusmaterial mag es hier noch einen Hinweis auf den Wikipedia Eintrag zu Almira Skripchenko geben.

Was macht eigentlich das kulturelle Schachmagazin Karl von Herausgeber und Chefredakteur Harry Schaack? Nun Online gibt es einen lesenswerten Auszug eines Artikels aus der Karl 3/11 über Anatoli Karpow. Der eine oder andere wird eventuell monieren: Ist doch schon ein paar Tage raus. Nun, das hier ist kein Speed-Newsletter oder Breaking News Aggregator, sondern ein entspannter Sportblog. Da nehme ich mir die Zeit, die ich mir nehmen will und hetze nicht jeder Tagesaktualität nach. Mir ist persönlich die vierteljährliche Erscheinungsweise von Karl eh sehr angenehm. Das Magazin braucht nicht veratmet zu werden, es kann in Ruhe gelesen werden. Hektische und sich überschlagende News-Zeilen sind nicht das Ding von Harry Schaack. Die Beiträge gehen in die Tiefe, sind sauber und intensiv recherchiert.

Nun, es gibt ja immer auch Leser die bei dem Thema Schach gerne selber gleich zu den Figuren greifen und ein paar Züge nachspielen wollen. Okay, da gibt es auch noch ein wenig Spielmaterial. Olaf Teschke hat auf seinem Blog Rank zero ein Turmendspiel anzubieten.

Schachzüge

Nächstes Jahr jährt sich der 40. Jahrestag der großen sozialistischen Oktoberrevolution vom Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij in Reykjavik 1972. Es kam einer Revolution gleich, ein begnadeter Schachspieler aus den USA entriss den Russen ihr 25-jähriges Monopol auf die Schachkrone. Der Kampf war legendär, atemberaubend. Journalisten ohne Schachkenntnisse berichteten aus Reykjavik. Das Schachmatch war zum Duell der Systeme in Zeiten des Kalten Krieges hochstilisiert worden. Ich bin gespannt wieviele neue Bücher und Filme im Jubiläumsjahr auf den Markt kommen zum Schachgenie Bobby Fischer und seines spektakulären Matchs mit dem Leningrader Boris Spasskij. Film ist ein gutes Stichwort. Diese Woche sollte auf ARTE der Dokumentarfilm von Liz Garbus  Zug um Zug in den Wahnsinn – Die Legende von Bobby Fischer laufen. Doch es wurde nichts daraus. Mehr dazu bei der Schachwelt von Großmeister Jörg Hickl.

Manch einer wartet mit einem Buch über Fischer nicht bis 2012. Dieses Jahr bereits veröffentlichte der renommierte Biograph Frank Brady sein Buch über das Leben von Bobby Fischer. Wer die bemerkenswerte, intensive und authentische Rezension von Peter Münder auf chessbase zum Werk von Frank Brady: Endgame – Bobby Fischer´s Remarkable Rise and Fall – from America´s Brightest Prodigy to the Edge of Madness. Crown Publishers New York, 2011, 402 S., 25.99 Dollar, noch nicht gelesen hat, darf gerne Lesezeit investieren. Meine unbedingte Leseempfehlung am ersten Augustwochenende.

Derweil geht es im deutschen Schach gemächlich weiter. Der Frauen Länderkampf Deutschland gegen die Ukraine ist Höhepunkt zum Jubiläum des Dresdner Schachfestivals. Bundestrainer Uwe Bönsch stellt sich auf der Website vom Deutschen Schachbund im Interview aktuellen Fragen.  

Schach: Deutsche Meisterschaft endet mit einem Skandal

Es gab während der Deutschen Meisterschaft in Bonn ja bereits den Fall Falko Bindrich. Das Blog Schachblätter hat ausführlich darüber berichtet. Diese Null-Karenz-Regel stelle man sich bitte rückblickend  beim Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer vor. Der amerikanische Weltmeister pflegte öfters ein paar Minuten später am Brett zu erscheinen.

Doch zurück in die Gefilde der deutschen Schachmeisterschaft. Zur Abschlussrunde gab es dann einen handfesten Skandal. Im Mittelpunkt offenbar ein Equipment. Handy. Menschenskinder. Chesstigers berichtet:

,,Und dann trat in der Schlussrunde auch noch der „worst case“ ein, als FM Christoph Natsidis offenbar beim Betrug erwischt wurde. Angeblich – also laut offizieller Turnierseite – soll Natsidis während der Partie gegen Sebastian Siebrecht selbige auf seinem Handy „nachgespielt“ und dies auch zugegeben haben.“

Meine Turnierschachpartien habe ich einst immer ohne Handy, Laptop oder ähnlichem gespielt. Es hat dennoch zu der einen oder anderen Bezirksmedaille gereicht.

Über die Fälle Bindrich und die Handy-Affäre von Natsidis wird fast vergessen, dass es auch Titelträger am Ende der Meisterschaften gab. Igor Khenkin und Sarah Hoolt holen sich den Ruhm und die Ehre. Herzlichen Glückwunsch!

Nachdenkenswert #78

,,Möglicherweise wird es das größte sportliche Ereignis der Geschichte. Bedeutender sogar als der Kampf Frazier-Ali…“

     Bobby Fischer, Schachgenie aus den USA mit IQ 184, vor

     dem Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik 1972

     gegen den Titelverteidiger Boris Spasskij aus Leningrad

Flauschcontent für alle Anhänger von Bobby Fischer

Bobby Fischer siegte 1972 im Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spasskij. Der charismatische Amerikaner zerstörte damit eine 25-Jährige anhaltende Schachhegemonie der Sowjetunion. Fischer kämpfte stets für optimale Bedingungen der Berufsschachspieler. Er zelebrierte Schach mit einer einzigartigen Besessenheit. Auf YouTube hat jessicafischerqueen eine sehr schöne bildliche Reminiszenz an Bobby Fischer platziert.

Anand kann Topalov in der 9. Partie nicht bezwingen

Der Tiger von Madras teilt sich die Punkte mit dem bulgarischen Löwen. Nach 83. Zügen endet die Partie mit Remis wegen Dauerschach. Chessbase titelt Schachweltmeisterschaft: Anand verpasst Gewinn in dramatischer 9. Partie und schreibt:

,,Später kam Anand trotzdem in Gewinnvorteil, versäumte aber in neuerlicher Zeitnot vor der zweiten Zeitkontrolle den möglichen Gewinn durch Mattangriff, nachdem sich Topalov zuvor sehr trickreich verteidigt hatte.“

Nun steht es 4,5 : 4,5 zwischen den Schachhelden Viswanathan Anand und Veselin Topalov. Im Schachmatch des Jahrhunderts gab es in der 9. Partie ebenfalls ein Remis. Bobby Fischer führte 5,5 : 3,5 gegen Boris Spasskij. Topalov hat in der 10. Partie wieder weiß. Der Herausforderer kämpft wie ein Löwe in seinem Sofioter Wohnzimmer.

vater und sohn

© Mario Heinemann: Pixelio 

An Spannung läßt das Match keine Wünsche offen. Anand und Topalov sind angespannt. Da sind die beiden Protagonisten auf dem obigen Foto relaxter. Sie entspannen einfach beim Schach.

Anand und Topalov meiden die Inflation des Remis

Zeit Online berichtet auch kontinuierlich vom Schach-WM Kampf Anand-Topalov aus Sofia. Heute fragt Sie im Artikel Indischer Sieg im bulgarischen Stil, ob es je einen so remisarmen Start einer WM gab: 

,,Was für eine Schachweltmeisterschaft! Die Statistiker müssen jetzt in den Archiven wühlen, ob es je so einen Start gegeben hat. Drei der ersten vier Partien endeten mit Sieg und Niederlage; nur eine endete unentschieden, das war am Dienstag.“

Rückblick. Reykjavik, 1972. In den ersten 3. Partien des Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij gab es gar kein Remis. Spasskij gewinnt die 1. Partie im Nimzoindisch nach 56. Zügen. Zur 2. Partie erscheint Fischer nicht. Die Fernsehkameras hatten den US-Amerikaner während der Auftaktpartie gestört. Die Organisatoren gaben noch nicht nach. Der Herausforderer blieb an diesem Tag im isländischen Hotelzimmer. Spasskij führte damit 2:0. Fischer protestierte. Der Einspruch wurde vom Wettkampfkomitee abgewiesen. In der 3. Partie war dann nur eine Kamera zugelassen. Fischer siegte mit den schwarzen Steinen im 41. Zug und verkürzte auf 1:2. Die 4. Partie endete nach 45 Zügen mit dem ersten Remis des Match. Die 5. und 6. Partie gingen jeweils an das Schachgenie aus den USA. Am Ende gewann Bobby Fischer die Weltmeisterschaft klar mit 12,5 : 8,5. 

Turm in der Schlacht

 © Michael Alber: Pixelio

Ganz ohne Remis kamen 1866 der Österreicher Steinitz und der Deutsche  Anderssen aus. In acht Partien siegte Wilhelm Steinitz und in 6 Spielen behielt Adolf Anderssen die Oberhand. 1876 setzte der österreichische Schachweltmeister noch eins drauf. Er siegte in London gegen den Briten Joseph Henry Blackburne mit 7:0. Remis war Fehlanzeige in dem damaligen Schach-WM-Kampf. Soweit der kleine Ausflug in die Schachgeschichte.  

Die jetzige Turnierführung von Viswanathan Anand deckt sich mit der Umfrage von inside-chess vom Dezember 2009. Vor Turnierbeginn sah ja der österreichische Wettanbieter bwin Anand ebenfalls vorn. 

World Chess Championship 2010  – Stand: 12.00 Uhr am 15.04.10

Schachweltmeister

Viswanathan Anand (IND)  1,65

Veselin Topalov (BUL)         2,10

Aktuell sehen die Quoten bei bwin für den Weltmeistertitel so aus:

World Chess Championship 2010  – Stand: 12.00 Uhr am 29.04.10

Schachweltmeister

Viswanathan Anand (IND) 1,45

Veselin Topalov (BUL) 2,55

Im übrigen ist seit Anfang der Woche der Videotext der ARD ebenfalls mit einer Kurzmeldung über die Schach-WM bestückt. Am Sonntagabend hatte es der Öffentlich-Rechtliche Sender doch wirklich drauf, die Schachweltmeisterschaft mit keiner Silbe im Videotext zu erwähnen. Turnen und Trampolin waren erwähnt. Nichts gegen Europameisterschaften im Turnen und im Trampolin, beide Sportarten sind aller Ehren wert, doch weiß eigentlich jemand bei den Verantwortlichen, dass jeder 4. Deutsche Schach spielen kann. 20 Millionen Bürger können etwas mit der Sportart Schach anfangen. Ich höre immer Quote. Quotendruck. Wettbewerb mit den Privaten. Beim Schach wurden am Wochenende offensichtlich andere Prioritäten gesetzt.

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Schach-WM-Kampf Anand-Topalov mit Zwischentönen

Da sage noch einer Topalov spielt nicht Remis. In der 3. Partie war es soweit. Der bulgarische Herausforderer und der indische Weltmeister trennten sich mit einer Punkteteilung. Anand spielt jetzt in der 4. Schachpartie in Sofia mit Weiß. Michael Müller berichtet im Neues Deutschland von Zwischentönen abseits der 64 Schachfelder. Es geht um Geld und den Livestream.

,,Millionen Schachfreunde in aller Welt verfolgten auch die gestrige Partie wieder live auf den einschlägigen Internetseiten, wie zum Beispiel www.anand-topalov.com. Mit der weltgrößten Seite chessbase.com liegen die hiesigen Organisatoren scharf über Kreuz. Sie übernehme laut Topalows Manager Silwio Danailow unrechtmäßig den Livestream.“

Der umtriebige und gut vernetzte Danailow wird im ND Artikel so zitiert:

»Die entsprechenden Rechte kosten bei uns 30 000 Euro. Wir haben über unseren Berliner Anwalt einen Brief an die Hamburger Firma mit einer Abmahnung schicken lassen.«

So mancher Aspekt erinnert mich immer auch ein wenig an das Schachmatch des Jahrhunderts. Dort ging es auch permanent um Geld und andere Zwischentöne. Bobby Fischer deckte Oberschiedsrichter Lothar Schmid mit zahlreichen Protestbriefen ein. Er mochte zum Beispiel die Kameras nicht.  Zwischenzeitliche Forderungen des Schachgenies Fischers ,,Die Kameras oder ich!“  sorgten für Irritierungen bei Chester Fox. Der Filmproduzent hatte die gesamten Filmrechte am Jahrhundertkampf Fischer-Spasskij in Reykjavik gekauft. Bobby Fischer sorgte für eine Abschaltung der Fernsehkameras. Unglaublich. Ihn störten Kameras einfach. Fox hatte gehofft, den kompletten Schachkampf filmen zu können. Daraus wurde nichts.

Zeit Online  bringt einen Rückblick auf die 3. Partie und beleuchtet auch die Zuschauersituation vor Ort in Sofia.

,,Das Publikum war zu allem bereit. Es war nur nicht da. Nur drei Dutzend zahlende Zuschauer am Dienstag in Sofias Militärklub, in dem seit Sonnabend die Schachweltmeisterschaft ausgespielt wird. Auf der Bühne geht es um zwei Millionen Euro, im Saal um fünf. Denn soviel kostet umgerechnet eine Eintrittskarte.“

Zur geringen Kulisse im Saal hat Silvio Danailow eine bemerkenswerte Erklärung parat.

,,Wir sind Slawen. Wir sitzen nicht zwei, drei Stunden herum. Wir gehen raus in die Gärten, das Wetter ist schön.“

Danailow ist nicht auf den Mund gefallen. Veselin Topalov vertraut ihm.