Neues Buch über Bobby Fischer von Dagobert Kohlmeyer

Voriges Jahr jährte sich der 40. Jahrestag des Schachmatch des Jahrhunderts zwischen den Protagonisten Bobby Fischer und Boris Spasskij. Speziell die Aura von Bobby Fischer, eng zwischen Genie und Wahnsinn angesiedelt, mit einem überragenden Verständnis für das königliche Spiel ausgestattet, führte immer wieder zu Buchveröffentlichungen. Den Klassiker zum grandiosen Schachkampf gab es bereits 1972.Traveler Digital CameraTraveler Digital CameraTraveler Digital CameraDas legendäre Schachbuch von Großmeister Svetozar Gligoric über jene Tage von Reykjavik mit dem Titel Fischer  Spasskij Schachmatch des Jahrhunderts aus dem Jahr 1972 nehme ich auch heute noch mindestens 1 – 2 mal die Woche in die Hand. Genial geschrieben. Jede Partie von Großmeister Wolfgang Unzicker nachgespielt  und überprüft. Dazu die ins Detail gehenden Texte von Svetozar Gligoric mit den einzelnen Etappen des Thrillers. Ein Versuch in die Tiefen der Denkweise von Bobby Fischer zu stoßen, dabei die äußeren Rahmenbedingungen, sowohl auf der schachpolitischen  wie auf der weltpolitischen Bühne beleuchtend. Auch immer mit einer fairen Sichtweise auf Boris Spasskij. Ein grandioses Buch.

41 Jahre nach dem Schachmatch des Jahrhunderts gibt es ein weiteres Buch über Bobby Fischer. Dagobert Kohlmeyer hat sich an das Thema herangewagt. Der Schachjournalist ist ein profunder Kenner der Schachszene und hat seinem Buch den Titel Bobby Fischer – Zwischen Ruhm und Wahn gegeben.

Professor Christian Hesse hat sich das Werk näher angeschaut und auf chessbase eine interessante Rezension verfasst. Für alle Fischer Fans eine unbedingte Leselektüre. Hesse selbst hat mich einst vor Jahren selber angenehm überrascht. In einer Nürnberger Buchhandlung nahe der Lorenzkirche gibt es ein Regal mit Schachliteratur. In Deutschland nicht selbstverständlich. Darin fand ich auch das Buch von Professor Christian Hesse Expeditionen in die Schachwelt. Ein Meisterwerk. Seit 1991 ist er Professor für Mathematik an der Universität der Landeshauptstadt Stuttgart. Schachjournalist Dagobert Kohlmeyer hätte sich keinen besseren und kompetenteren Rezensenten wünschen können.

Der Schachjournalist

Es gibt kaum ein Land mit einem bedeutenden Schachturnier, wo er die letzten Jahre nicht vor Ort dabei war. Seine Begegnungen mit Schachlegenden wie Miguel Najdorf sind legendär. Der Schachjournalist schrieb Bücher, er produzierte unzählige Artikel über Schach, er fotografierte die Großmeister und kennt beide deutschen Gesellschaftssysteme aus eigener Erfahrung. Vor dem Zusammenbruch des Laborversuchs DDR übersetzte er russische Schachbücher.

Vom Re-Match des Jahrhundertkampfs zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer im Jahr 1992 habe ich auch ein Buch von ihm. Im Antiquariat erstanden. Lesenswert. Er machte in jenem Jahr auch Bekanntschaft mit den Bodyguards von Schachgenie Bobby Fischer. Der Schachjournalist interviewte während seiner Laufbahn Schachgrößen wie Boris Spasskij, Andrej Lilienthal, Wassili Smyslow, Wolfgang Uhlmann, Anatoli Karpow, Artur Jussupow, Wladimir Kramnik oder Peter Leko.

 Die Rede ist von Dagobert Kohlmeyer. Der großen Zahl gratulierender Schachfreunde schließe ich mich gerne an. Passend zu seinem 65. Geburtstag am 23. Mai 2011 gab er Frank Hoppe ein rockiges sowie lesenswertes Interview auf ChessBase und äußerte sich auch zum Dornröschenschlaf in vielen Zeitungsredaktionen beim Thema Schach:

,,Ich finde, es gehört zur Kultur einer Redaktion, Schach im Blatt zu haben. Es gibt leider nur ganz wenige Redaktionen, die das tun: Helmut Pflegers Schachkolumne in der Zeit, die Welt am Sonntag, die Berliner Zeitung, wo Paul Werner Wagner jeden zweiten Samstag etwas schreibt. Man kann sie an einer  Hand abzählen, und das finde ich schade, denn Schach ist ein Teil des Weltkulturerbes. Jede Redaktion die etwas auf sich hält, sollte Schach den ihm gebührenden Raum einräumen.“