Gashimov Memorial: Magnus Carlsen mit 5 aus 8 und ein Blick auf seinen Angstgegner

Die jüngeren Schachfreunde halten den Hype um Magnus Carlsen in einer Sportart, die sonst oft den Ruf einer Randsportart hat, vielleicht für eine Premiere. Fast spielerisch leicht schaffte es der Norweger in die Schlagzeilen. Schach ist verstärkt durch den Schachmozart In. Gar keine Frage. Das gilt natürlich nicht flächendeckend. Selbst die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF haben so ihre lieben Schwierigkeiten beim bestücken des Videotextes mit Schachnachrichten. Ergebnisse der Schachbundesliga oder über das Gashimov Memorial mit Magnus Carlsen findet der geneigte Zuschauer selbst mit dem Fernrohr von Franz Beckenbauer aus dem Sky Spot mit Jürgen Klopp nicht. Aber andere Sportarten haben da auch so ihre Schwierigkeiten. Einst brachte es der erfolgreiche und charismatische Manager des deutschen Basketballmeisters Brose Baskets Bamberg, der auch einem Abwerbungsversuch von Bayern München widerstand, der geschätzte Wolfgang Heyder 2009 in der 84. Ausgabe des Magazins Bamberg Mohr Stadtillu auf den Punkt:

,,Im Prinzip ist es ja bedauerlich, das die Öffentlich-Rechtlichen ihrem Auftrag einer breiten Berichterstattung nicht nachkommen, dass die halt auch nur nach Quote gehen. Da gibt´s dann eben Fußball, Fußball, Fußball und dann vielleicht mal Automobilsport und dann noch ein bisschen Wintersport mit Biathlon, aber alles andere wird relativ verdrängt.

Magnus Carlsen schaffte es im November 2013 immerhin in die Morgennachrichten von ARD und ZDF. Dies war einst Georgios Souleidis gar einen kleinen Blogbeitrag wert unter dem Titel Magnus zieht.

,,Urplötzlich durchzuckt es mich. Der Typ, der für die Sportnachrichten zuständig ist, fängt an über die Schach-WM zu reden. Ich schaue hoch und trau meinen Augen nicht. Tatsächlich sendet das Moma einen Beitrag über zwei Minuten mit Bildmaterial aus Chennai in die deutschen Wohnstuben. Der Beitrag dreht sich hauptsächlich um Magnus Carlsen.“

Doch es gab bereits vor 42 Jahren beim Schachmatch des Jahrhunderts mit Bobby Fischer einen absoluten Medienstar. Im Buch von Jan Stradling Wenn Sport Geschichte schreibt  vermerkt er im Kapitel Der Bauernraub auf den Seiten 130 bis 141 über die Magnetwirkung auf die Medien unter anderen diese nachdenkenswerten Sätze:

,,In Scharen strömten ausländische Medien- und Pressevertreter in die isländische Hauptstadt Reykjavik, wo das Match ausgetragen werden sollte. Das Ereignis fesselte die Menschen in aller Welt. Fischers Porträt prangte auf den Titelblättern von Zeitschriften wie Life, Newsweek und Time. Schachbretter waren ausverkauft, Songs wurden geschrieben, und die Popularität des Spiels stieg sprunghaft an.“

Der Kampf um die Aufmerksamkeit von Lesern auf den Online Plattformen von Magazinen wie Der Spiegel oder der Wochenzeitung Die Zeit wird auch durch die Schachberichterstattung geführt. Das königliche Spiel ist momentan in der Ära Magnus Carlsen verstärkt In. Der Schachspieler aus Norwegen schaffte es gar in die Bild am Sonntag und das sonst mit Schach eher sparsam umgehende Blatt stellte den frischgebackenen Weltmeister kurz in 13 Punkten nach dem WM-Sieg gegen Anand unter dem prägnanten Titel Schach-Genie hat Angst vor dem Intelligenztest vor. Der Norweger wird selbstverständlich auch gut vermarktet und cool in Szene gesetzt. Sponsor G-Star Raw überlässt da nichts dem Zufall. Der grandiose Ulrich Stock einst am 31. Oktober 2013 in dem Kultartikel inklusive dem anschließendem Interview mit Carlsen auf Zeit Online vor dem WM-Kampf gegen Anand:

,,Carlsen dagegen, der weltbeste Schachspieler: eine schwarz-weiße Gestalt mit finsterem Blick. Die Modefirma kleidete ihn ein und ließ ihn von Anton Corbijn fotografieren. Wochenlang war das Plakat in Europas Innenstädten zu sehen. Es sollte junge Menschen zum Kauf einer Jeans verleiten. Sie konnten sich auch das Poster kaufen, um es übers Bett zu hängen.“

Deutschland hat optimistisch betrachtet fast 100.000 Schachspieler im Deutschen Schachbund organisiert. Okay, die letzten Jahren waren etwas rückläufig bei den Mitgliederzahlen. An den Wert aus dem Jahr 2006 mit 97.184 Mitgliedern ist der DSB nicht ganz wieder herangekommen. Doch die Schachbegeisterung in Deutschland lässt sich nicht nur auf Mitglieder im DSB reduzieren. Seit 2014 gibt es auch die Angebote auf Facebook und Twitter vom Deutschen Schachbund.

Es soll ca. jeder 4. Deutsche Schach spielen können. Kein zu unterschätzendes Potenzial im medialen Wettstreit um Leser. In die Printausgabe vom ehrwürdigen Spiegel vom 18. November 2013 hatte es Schach ebenfalls ganz geschmeidig geschafft. Stolz verkündete das Hamburger Nachrichtenmagazin eine Rekordzahl in Sachen Zugriff auf den Online-Schachticker vom Spiegel. Von 1,5 Millionen Klicks in der 4. Partie der Schach-WM Partie zwischen Vishy Anand und Magnus Carlsen war da zu lesen.  Die Begegnung ging über 64 Züge. Das war damals das vierte Remis hintereinander in Chennai.  Da stand es im vielbeachteten WM-Match noch 2:2. Dann kam der vorentscheidende Doppelschlag vom norwegischen Herausforderer. Vielleicht kommt Schach in Zukunft auch noch kontinuierlicher in der Berichterstattung zu Wort. Da ist noch Luft nach oben. Der Carlsen Hype trägt schon noch eine Weile. Oder? Dabei hat auch der norwegische Jungstar weltliche Schwächen. Doch dazu gleich.

Zu großer Form lief am Wochenende Ilja Schneider auf dem Schachblog von Zeit Online auf. Der deutsche Vizemeister im Blitzschach bei der Einzelmeisterschaft im Jahr 2008 hat sich in einen beachtlichen Rhythmus gebloggt. Unter dem Titel Huch, Magnus Carlsen hat verloren! wirft Ilja Schneider einen Blick auf den Schachweltmeister und seinen Angstgegner Fabiano Caruana. Der 29-Jährige Internationale Meister Schneider arbeitet dabei auch die Unterschiede der beiden jungen Profischachspieler heraus.

,,Carlsen bloggt, stellt Videos ins Netz, er treibt unzählige Sportarten. Von Caruana weiß man noch nicht einmal genau, wo er wohnt. Es wurden zwar beide noch nie mit einer Frau an ihrer Seite gesehen. Carlsen wurde trotzdem unter die Sexiest Men of 2013 gewählt, Caruana gilt einfach als Nerd. Aber offensichtlich trainiert er hart, wahrscheinlich mehr als Carlsen.“

Okay, meine Stammleser werden sich an meinen feinen recherchierten Artikel Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Carlsen erinnern. Im Zuge der Tradition des gepflegten Aprilscherzes hatte ich in Sachen Frau beim Schachmozart ein wenig Tempogewinn eingebaut.

,,Gerüchte über eine Veränderung im Privatleben, es soll eine bezaubernde Frau im Leben vom 23 Jährigen Schachgenie seit dem Besuch bei Real Madrid an seiner Seite sein, verdichteten sich.“

In Sachen Aprilscherz war ich nicht der einzige Schachfreund. ChessBase powerte mit der Geschichte unter dem Titel WM-Match findet in Norwegen statt. Der Kampf Anand vs Carlsen sollte auf einer Ölplattform stattfinden. Höhepunkt der gut inszenierten Story inklusive Bildern und Videos war jenes Interview mit dem norwegischen Erdöl- und Energieminister Erik Blodøksja.

,,Und wie kommen die Spieler dort hin?

Es gibt einen Helikopter-Shuttle. Etwa 150 km Entfernung, das ist mit dem Helikopter in weniger als einer Stunde erledigt.

Und was ist mit Zuschauern und Journalisten?

Zuschauer? Ach so, die werden über das Internet versorgt. Wer will, kann natürlich gerne auch persönlich kommen. Allerdings auf eigene Kosten. Aber wir stellen Stühle auf.“

Doch zurück in die Gegenwart. Es scheint mir auch generell so, dass Zeit Online mit dem Schachblog und seinen Akteuren (nicht zu vergessen der geschätzte Johannes Fischer) einen guten Griff getan hat in puncto Drive, Texten die den Tag überdauern und  dem scharfen Blick hinter die Kulisse der Schachszene. Weiter so! Gerne mehr davon. Auch im Hinblick auf das WM Match zwischen Vishy Anand und Magnus Carlsen.anand - carlsen deep game

Apropos Magnus Carlsen. Heute stand ja bereits die 8. Runde beim über 10 Runden ausgelegten Gashimov Memorial an. Schachweltmeister Magnus Carlsen hatte sich gestern ja den Platz an der Sonne wieder zurückerobert. Sonntag, nicht der schlechteste Tag für die Erlangung der Tabellenspitze. Zwischenzeitlich hatte er ja in Runde 4 und 5 zwei Niederlagen gegen Fabiano Caruana und Teimour Radjabov hintereinander quittieren müssen und rutschte zwischenzeitlich auf den vorletzten Tabellenplatz, einen für den 23-Jährigen Schachweltmeister gewöhnungsbedürftigen 5. Platz nach Runde 5 ab. Nach dem heutigen Tag mit dem Remis von Magnus Carlsen gegen Sergey Karjakin, die Einzelheiten hat gewohnt zuverlässig André Schulz auf ChessBase zusammengefasst, führt der Weltmeister weiterhin die Tabelle an. Gefolgt von seinem Angstgegner Fabiano Caruana.

Das soll es für heute gewesen sein. Meinen treuen Lesern wünsche ich einen schönen Abend.

Vielleicht noch ein paar Schachlesehinweise:

Joe´s Schachblog mit der Frage: Wer war der stärkste Schachspieler aller Zeiten?

Ein zeitloser Artikel von Johannes Fischer auf seinem wunderbaren Blog Schöner Schein über die Erinnerungen an Sotschi: Ein potemkinisches Turnier.

Deutschlands Champion von 2010, Niclas Huschenbeth, mit Impressionen vom Final Four 2014

Der “Presseattaché vom Team Anand”: Eric van Reem ist neues Redaktionsmitglied bei A Tempo Magazine

titelbildDer “Presseattaché vom Team Anand”, der geschätzte niederländische Kultblogger Eric van Reem, hat sich mit mir während des Schach-WM Kandidatenturniers von Khanty Mansiysk auch  über die Besucherströme ausgetauscht. Er bloggte ja kontinuierlich, leidenschaftlich sowie mit der entsprechenden Power auf Chessintweets und hatte Zugriffe aus 98 Ländern. Bevor ich zur Top Ten meiner Länderzugriffe auf sportinsider komme, noch eine kleine und feine Neuigkeit von Eric van Reem an mich, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Hier ein Auszug seiner E-Mail.

,,Vielleicht hast du schon mal von dem A Tempo Magazine gehört. Es ist  eine literarisches Magazin über Schach und Musik in niederländischer  und englischer Sprache. Ich bin seit der neuesten Ausgabe  Redaktionsmitglied. Neuland für mich, aber das macht es ja auch  spannend, nicht wahr?“

Anbei die neueste Ausgabe (Englisch!) zum schmökern. Wir machen jeden
Monat ein Magazin (4 Seiten) zu einem bestimmten Thema.“

Hier geht es zum Websitenauftritt von A Tempo Magazine.

Nun, zur angekündigten Top Ten während des Anand Comeback WM-Kandidatenturniers. Meine WordPress-Statistik sagte dabei im Hinblick auf die Top Ten der Länderzugriffe im Monat April 2014 folgendes aus:

1. Deutschland
2. Österreich
3. Schweiz
4. Norwegen
5. Großbritannien
6. Niederlande
7. Spanien
8. USA
9. Frankreich
10. Indien

Nachdenkenswert #224

,,Also für das Geld, was ein Mephisto Vancouver 68030 kostete, konnte man locker ein neues Auto kaufen. Dieses Vergnügen konnten sich allerdings nur einige ganz wenige leisten. Und so blieb Topspielstärke in Verbindung mit den edlen Holzbrettern aus München nur wenigen Freaks vorbehalten, die das Geld hatten, sich dieses Vergnügen leisten zu können. Diese edlen Geräte gibt es heutzutage nur noch gebraucht und es hat sich sogar ein spezieller Schachcomputermarkt entwickelt, wo Liebhaber solche Geräte erwerben können.“

Joe Boden, auf dem kenntnisreich geführten Joe´s Schachblog  im Artikel Nostalgie und Luxus pur: Edle Brettschachcomputer – jetzt gegen Emulationen dieser teuren Geräte am heimischen PC spielen

Khanty Mansiysk: Eric van Reem mit der Twitter-Nachlese der 9. Runde auf Chess in Tweets

Franz Beckenbauer hatte irgendwann sein Label weg. Der Kaiser. Schachweltmeister Magnus Carlsen ebenso. Der Schachmozart. Auch der niederländische Kultblogger Eric van Reem bekam kürzlich ein Label verpasst. Im November 2013. Der für Zeit Online von der WM in Chennai berichtende Ulrich Stock nannte den Niederländer „Presseattaché vom Team Anand“.

Legendär dann auch der Artikel von Schachfreund Stock über ein bemerkenswertes Foto von Eric van Reem in Chennai unter dem Titel Der Geistermeister. Bonushinweis von mir: Wer das Foto noch nicht kennt, sollte den Link nicht auslassen.

,,Carlsen kommt nicht. Stattdessen Espen Agdestein, sein Manager. Er redet eine Weile mit Kasparow, dann geht er, und Kasparow sitzt wieder allein am Tisch. Eric van Reem, Anands Teamfotograf, dessen Blog Mate in Chennai manchen Einblick gewährt, nutzt die Gelegenheit, über seinen Fischteller hinweg ein Paparazzifoto des Exweltmeisters zu schießen, wie man es seit den Tagen der Jagd auf den verschwundenen Bobby Fischer nicht mehr gesehen hat: Geistermeister Kasparow,  in psychedelisches Licht getaucht.“

Eric van Reem legt Schachblogs auf wie angesagte DJs ihre Platten auf Kultpartys und Szenediscos. Der „Presseattaché vom Team Anand“ hat bereits bei den letzten WM-Kämpfen von Anand neue Blogs eröffnet. Ich würde ohne Bedenken das Bruttosozialprodukt der Bundesrepublik Deutschland darauf setzen können, wenn es zum erneuten Duell zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand kommt, wird es wieder einen neuen WM-Schachblog vom sympathischen Kultblogger Eric van Reem geben. Da wir gerade bei erstklassigen Leistungen sind… Kult sind auch die Karikaturen auf ajedrezconhumor.blogspot.com.es. Schaut selber rein.a capablanca le hubiera gustado la partida

Doch jetzt leben wir im hier und jetzt. Eric van Reem arbeitet auch leidenschaftlich an seinem neuesten Schachblog am Sonntag. Das königliche Spiel kennt keine sonntägliche Pause. Auf Chess in Tweets hat der Teamfotograf von Anand wieder feinste Twitter-Nachlese unter dem Titel THE Candidates IN TWEETS – ROUND 9 geleistet.

Freundliche Schachgrüße aus Moskau

Einst nannte der Regisseur Terence Young einen James Bond Film: Liebesgrüße aus Moskau. Sean Connery spielte den smarten Mister Bond. Der Film kam 1963 in die Kinos und basierte auf dem gleichnamigen Roman von Ian Fleming.

49 Jahre später läuft in Moskau ein anderes Programm. Der Schach-WM-Kampf zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand nimmt Fahrt auf. Eric van Reem bloggt aus der russischen Metropole auf Mate in Moscow. Die 1. Partie von Schachweltmeister Anand hat er kurz, prägnant und unkonventionell  unter 11 May: Rowing through Grünfeld waters zusammengefasst. Das wäre dann fast schon wieder ein Titel für einen Bond Film.

Eric van Reem, 2. Vorsitzender der Chess Tigers findet auch noch Zeit freundliche Schachgrüße aus Moskau an mich zu senden:

   Hallo Herr Wiemer!

   Es freut mich, dass Sie den Schachblog „Mate in Moscow“ gefunden haben,
   und dass Sie auch die Berichte auf den ChessTigers Seite auf ihrem
   Sportinsider Blog erwähnt haben. Ich habe erst vor wenigen Tagen den
  „MiM“ Blog geöffnet und es macht Spaß daran zu basteln, insbesondere
  wenn man Feedback bekommt.

  Ich werde das mal als ein „weiter so“ interpretieren.

 Beste Grüße aus Moskau,

 Eric van Reem

Das feine Schachblog Schachblätter

Durchhaltevermögen ist nicht wirklich eine Kernstärke deutscher Schachblogs. Ein kurzer Rückblick. In Deutschland haben sich dieses Jahr einige Schachblogs verabschiedet. Schachblogger Stefan Löffler hängte seinen Schachblog am 20. April 2010 an den Nagel. Der meinungsstarke Internationale Meister und Schachjournalist machte den Anfang. 

Ein anderes hoffnungsvoll gestartetes Schachprojekt von einem Schachspieler wurde einige Monate später ad acta gelegt. Ilja Schneider schloß die Pforten im Schachzoo im August. Die Schließung von Schachblogs nahm fast inflationäre Ausmaße an. Frank Große verkündete nach der Eröffnung vom Schachtraining.blog am 4. Januar 2010 bereits nach acht Monaten im Sommer einen Einsteller. 

Doch es geht auch anders. Das feine Schachblog Schachblätter feierte kürzlich seinen 5. Geburtstag. Es kommt unaufgeregt daher. Pickt kleine und größere Schachkostbarkeiten auf. Stefan Kalhorn präsentiert sie liebevoll und ohne schrille Töne. Seine Rumpelkammer auf zweimal 32 Feldern atmet eine Schachseele. Durchhaltevermögen ist eine selbstverständliche Kernstärke. Aus der Anfangszeit  vom Schachblog Schachblätter am 19. November 2005 gibt es hier die legendäre 10. Partie zwischen Lasker und Schlechter im Weltmeisterschaftskampf 1910 in Berlin zu sehen.

Deutschland läuft unter ferner liefen bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk ein

Nein, mit Ruhm hat sich die deutsche Schachnationalmannschaft in Sibirien nicht bekleckert. Bei den Männern gab es einen desillusionierenden Platz 64. Hier geht es zur ernüchternden Tabelle der Herren. Die Frauen belegen Rang 25. Hier geht es zur Übersicht bei den Damen.

Zwischendurch verlor der Präsident des DSB, Robert von Weizsäcker, auch noch die ECU-Wahl deutlich. Der Manager von Vizeweltmeister Topalov, der charismatische Silvio Danailow, erzielte einen souveränen Wahlsieg. Beim WM-Kampf in Sofia hatte er auch seine Stärke in der Akquise von Sponsoren gezeigt. Über die Bemühungen des Deutschen Schachbunds beim Sponsoring seit der Schacholympiade 2008  hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Auch bei der FIDE Abstimmung lief es für Deutschland nicht gut. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Robert von Weizsäcker bekam einen Schwächeanfall. Bei  Zeit Online berichtet Stefan Löffler über die Umstände unter dem Titel Die deutsche Schachkrise. Der vom deutschen Schachbund unterstützte Exweltmeister Anatoli Karpow verlor gegen Kirsan Iljumschinow. Dank des Löwenanteils der Stimmen aus Afrika und Asien bleibt der umstrittene Iljumschinow bis 2014 FIDE-Präsident. Robert von Weizsäcker ist inzwischen gesundheitlich wieder auf  den Beinen.

In Deutschland zählt Stefan Löffler zu den letzten Mohikanern der überschaubar gewordenen kritischen Schachblogger-Szene. Im Blog auf der Schachwelt rät er generell zum Neustart und fasst die Schachkrise zusammen.

,,Welch ein Debakel für den Deutschen Schachbund zwei Jahre nach der Schacholympiade im eigenen Land. Welch ein Niedergang für diesen international lange bewunderten Verband.“

Stefan Löffler benennt die offenen Flanken. Er spricht Klartext. Der gute alte Bertolt Brecht hat ja einst sinngemäß gesagt -Kritik soll immer mit einem Verbesserungsvorschlag einhergehen-. Schachexperte Löffler schlägt rauchende Gehirnzellen vor:

,, Jetzt müssen Köpfe rauchen (für Konzepte) und rollen ausgetauscht werden (für einen Neustart). Baustellen gibt es viele, die prominentesten heißen Nationalteam, Deutsche Meisterschaft, Bundestrainer.“    

Was schreibt eigentlich Georgios Souleidis zum Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2010? Im Blog Schwatt und Weiß auf Der Westen schüttelt er verbal den Kopf und ringt nach Worten:

,,Das deutsche Herren-Team leistete sich in der letzten Runde ein peinliches 1:3 gegen das Team des internationalen Gehörlosenverbands. Damit wurde das gesamte Bild zerstört – Platz 64, knapp hinter Ländern wie Pakistan, Singapur oder Albanien – es fehlen einem fast die Worte. Die deutschen Frauen waren auch nicht wirklich erfolgreicher. Nach Erwartung im Minus und Platz 25 für das junge Team.“

Ich werde die nächsten Tage gemütlich eine Partie Schach in einer Nürnberger Buchhandlung spielen. Die Vorfreude ist da.

Spiegel Interview mit Magnus Carlsen

Der Spiegel hatte in der vergangenen Woche das Interview mit dem Schachgenie und Blitzschachweltmeister Magnus Carlsen in der Printausgabe gebracht.

Der Journalist und Internationale Meister Stefan Löffler hatte auf seinem Schachblog vorige Woche auf die englische Übersetzung von chessbase verwiesen.

 Das Interview mit Magnus Carlsen ist jetzt auch bei Spiegel Online auf deutsch zu lesen. Bei den Klickstrecken hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen.

Der Spiegel-Leser Collini bemerkt dazu an:

,, Lieber SPIEGEL,

Magnus Carlsen ist NICHT Schachweltmeister – wie in der Fotostrecke mehrmals fälschlich behauptet. Er ist die Nummer 1 der FIDE-Weltrangliste. Weltmeister ist nach wie vor Visvanathan Anand aus Indien.

Was waren das doch für schöne Zeiten, als die SPIEGEL-Artikel über Schach von Redakteuren geschrieben wurden, die sich in der Materie auskannten …

Gruß,
Collini „

So ist es. Schachweltmeister ist immer noch Anand. 
Das Interview selber liest sich gut. Magnus Carlsen hat die Bodenhaftung nicht verloren. Er ist sehr gut geerdet. Ich sehe in ihm den zukünftigen Schachweltmeister. Zu seinem Erfolg verweist er auch auf den Umstand der zur Verfügung stehenden Information und die Zusammenarbeit mit dem „Bruder“ Computer.
,,Ich sage ja nicht, dass ich total dumm bin. Mein Erfolg hat allerdings hauptsächlich damit zu tun, dass ich die Möglichkeit hatte, schneller mehr zu lernen. Es ist leichter geworden, an Informationen zu gelangen. Die Spieler aus der Sowjetunion hatten früher einen enormen Vorteil, ihnen stand in Moskau ein riesiges Archiv zur Verfügung, da waren unzählige Partien sorgfältig auf Karteikarten notiert. Heute kann sich jeder diese Daten für 150 Euro auf DVD kaufen, auf einer Scheibe sind 4,5 Millionen Partien gespeichert. Es gibt auch mehr Bücher als früher. Und dann habe ich natürlich eher angefangen, mit dem Computer zu arbeiten als Wladimir Kramnik oder Viswanathan Anand.“ 
 
Das Alter der ersten intensiven Vorbereitungen mit dem Rechner gibt Carlsen mit 11 bis 12 Jahren an. Er sagt auch noch einen bemerkenswerten Satz, der einen aufhorchen lässt: 
,,Schach darf keine Obsession werden. Sonst besteht die Gefahr, dass man in eine Parallelwelt abrutscht, dass man den Bezug zur Realität verliert, sich verirrt im unendlichen Kosmos des Spiels.“
 
Ich verfolge die Laufbahn von Carlsen seit einigen Jahren. Er wird ja gerne als Wunderkind bezeichnet. Im Interview kommt der 19-Jährige Norweger sehr normal und in der realen Welt gut verankert rüber. Die Zukunft hält sicher noch einige Lektionen für ihn bereit. Der Mediendruck wird zunehmen. Er wird auch verstärkt von seinen Schachkonkurrenten gejagt werden. Bange ist mir dabei um Magnus Carlsen nicht.
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81. Deutsche Schach-Meisterschaft in Bad Liebenzell

Deutschland hat keinen Magnus Carlsen oder einen Viswanathan Anand. Bei der 81. Deutschen Schach-Meisterschaft wird es jedoch auch die eine oder andere interessante Schachpartie geben.

Ausrichter ist der Schachclub Neuhausen in Zusammenarbeit mit dem Badischen Schachverband. Der Austragungsort klingt nach feiner, ruhiger Atmosphäre. Kurhaus Bad Liebenzell, Kurfürstendamm 6.

Turm in der Schlacht

 © Michael Alber: Pixelio

Nach folgenden Modus wird gespielt:

9 Runden Schweizer System. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für 40 Zü­ge. Nach der ersten Zeitkontrolle erhält jeder Spieler für die ver­bleibenden Züge 30 Minuten zu seiner vorhandenen Bedenkzeit hinzugefügt. In jeder Zeitphase erhält der Spieler 30 Sekunden je Zug zu seiner Bedenkzeit hinzugefügt.

Der Terminplan ist wie folgt getaktet:

Do. 04.03.10:

18.30 Uhr: Anreise, Anmeldung, Registrierung

18.30 Uhr: Technische Besprechung im Spiellokal

19.00 Uhr: Feierliche Eröffnung

Fr. 05.03.10 bis
Fr. 12.03.10:

14.00 Uhr: Runden 1 bis 8

Sa. 13.03.10:

11.00 Uhr: Runde 9

19.00 Uhr Siegerehrung mit Abschlussbankett

So. 14.03.10:

Abreise

Der  Journalist und Internationale Meister Stefan Löffler hat zur Deutschen Schach-Meisterschaft auf seinem Schachblog einen kurzweiligen Artikel verfasst und widmet sich unter anderen der erstmalig bei einem Wettbewerb vom Deutschen Schachbund angewandten Nullkarenz.

,,Das heißt leider nicht, dass Schieber im Wettbewerb unerwünscht sind, sondern dass mit Partieverlust bestraft wird, wer nicht im Saal ist, wenn der Schiedsrichter den Rundenbeginn bekannt gibt. Dass auch der Gegner und die Zuschauer dann keine Partie kriegen, muss ebenso als Kollateralschaden gelten wie, dass manche Schiedsrichter aufgrund der Nullkarenz (wie es natürlich richtig heißt) den Kopf wieder zwei Zentimeter höher tragen.“

Etwas verwundert darf der Schachfreund ob der unglücklichen Terminüberschneidung sein. Ab dem kommenden Wochende (6.-17.2010) findet die diesjährige Europaeinzelmeisterschaft der Männer und der Frauen im Zamet Sport Center Rijeka statt. Für die Männereuropameisterschaft haben sich 420 Spieler angemeldet. Der Deutsche Schachbund ist mit 26 Spielern vertreten, darunter die Nationalspieler Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman, Jan Gustafsson und Rainer Buhmann.

Der 81. Deutschen Schach-Meisterschaft ist viel Erfolg zu wünschen. Hier geht es zur Homepage. Haben wir bereits über Geld gesprochen? Nein, dann hole ich dies hiermit nach. Es gibt folgende Dotierungen für die Top Ten der besten Schachspieler:

Preisfond: 6,000€ — 2,500€ — 2,000€ — 1,500€ — 1,000€ — 800€ — 700€ — 600€ — 500€ — 400€

Neuer Schachblog für’s Schachtraining am Start

Es ist immer wieder schön, wenn die Gemeinde der Schachfreunde neue und kreative Schachblogs  begrüßen darf. Frank Große ist seit dem 4. Januar mit dem schachtraining.blog  am Start und hat bereits die besten Empfehlungen von einer Dame. Es ist der Ritterschlag für jeden Schachspieler.

Die international renommierte Schachspielerin Susan Polgar empfiehlt diesen neuen Blog für das Schachtraining per Internet.

Turm in der Schlacht

 © Michael Alber: Pixelio

Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Der Leipziger Frank Große bietet an den ersten fünf  Tagen der Woche Trainingseinheiten für Hobby-, Amateur-, und Vereinsspieler an. Taktikaufgaben, kleine Beiträge zum Nachdenken und alles mit dem Ziel die Spielstärke zu verbessern. Frank Große ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war Webmaster für den Deutschen Schachbund und hat zahlreiche Rezensionen zu Schachbüchern und Schachsoftware geschrieben.

Viel Erfolg und serienweise gute Trainingseinheiten!