Anand powert Topalov in der 4. Partie weg

Der Tiger von Madras hat seine Zähne gezeigt. Er fegt Topalov förmlich vom Brett und kommt seiner ursprünglichen Favoritenrolle wieder nach. Ein grandioser Sieg. Anand ist in Form. Die Anreisestrapazen sind endgültig aus den Klamotten geschüttelt. Es steht 2,5 : 1,5 für den amtierenden Schachweltmeister Viswanathan Anand. Diese 4. Partie hat für die Crew um Aruna Anand und Hans-Walter Schmitt richtig viel Spaß gebracht. Quo vadis Veselin Topalov? Guter Rat ist jetzt gefragt.

Topalov wird jetzt tief durchatmen. Der psychologische Vorteil des 1:0 von der Auftaktpartie am Sonnabend war so schnell weg, wie ein Eis am Stiel in der Frühlingssonne schmilzt. Von den angesetzten 12 Partien sind jetzt ein Drittel bereits gespielt. Noch ist nichts verloren. Doch eine weitere Niederlage wäre im jetztigen Turnierstadium verbunden mit einem 2 Punkte Rückstand. Da fällt mir doch glatt das Interview von Hans-Walter Schmitt auf chessbase ein. Der treue Anand Wegbegleiter, Schachorganisator und Betreuer sagte vor dem Sofia Schach-WM Kampf:  

 ,,Es gibt keine Garantien für einen Sieg. Jeder der Protagonisten hat sich sicher sehr gut vorbereitet, wird sicher versuchen in die bestmögliche Form bis zum 23. April zu kommen und dann wird die Sache am Schachtisch im Military Club Sofia geklärt. Meiner Ansicht nach ist der Ausgang völlig offen, aber ich bin sicher, dass Vishy alles daran setzen wird, die Bonner Geschichtsschreibung zu wiederholen. Mit einer Matchscore von -2 gegen Vladimir Kramnik in langsamen Partien ist er angereist und mit dem Ausgleich derselben ist er später abgereist.“

Hier gibt es die 4. Partie zum Nachspielen. Den Stand des Matchs und die weiteren Turnierdaten gibt es hier.

Schach-WM-Kampf Anand-Topalov oder die Ruhe vor dem Sturm

Am morgigen Sonnabend, 16.00 Uhr geht es nun los. Die Schach-WM in Sofia wird vom bulgarischen Premier Boyko Borisov eröffnet. Veselin Topalov führt in der ersten Partie die weißen Steine. Die Printmedien in Deutschland halten sich ja noch etwas zurück mit der Berichterstattung. Warum eigentlich? Nun gut, im Internet gibt es reichlich Alternativen.

Frank Große powert seit Januar 2010 seinen Schachtrainingsblog. Er wird zur WM die eine oder andere Trainingseinheit, abgestimmt auf die Partien in Sofia, durchführen. Sein Versprechen:

,,Der Schachtrainingsblog wird in den kommenden Tagen in seinem kleinen Schach-WM-Spezial Mini-Trainingseinheiten um die Protagonisten streuen …“

Das WM Blog der Schachwelt läuft auch schon an. Dort agieren die Internationalen Meister Stefan Löffler und Ilja Schneider. Eine erste kleine Prognose des User Jorge für die erste Partie gibt es auch:

,,Man sieht Anand auf den Fotos der Pressekonferenz fertig aus…da wird Topi wohl direkt am Samstag mit dem Vorschlaghammer kommen…von wegen abtasten…“

Etwas joggen oder ein ausführlicher Spaziergang, ein wenig gute Musik und die Busanfahrt sollte aus den Kleidern geschüttelt sein. Wir sind in der zivilisierten Welt wirklich auch etwas verweichlicht über die Jahre. Oder?

Ich möchte ab morgen auch nichts mehr von den Anreisestrapazen hören. Es darf sich aufs Wesentliche konzentriert werden. Spielt einfach richtig gutes Schach. Anand zeigte dies beim WM Kampf 2008 in Bonn gegen Kramnik.

Bildnummer: 04057007 Datum: 29.10.2008 Copyright: imago/Sven Simon..Viswanathan Anand (Indien, li.) gegen Wladimir Kramnik Photo via Newscom

Das Chess Tigers Trainings Center ist auch involviert im illustren Kreis der Berichterstatter. Die Tageskarte wird für einen Preis von 10,00 Euro angeboten. 3 Tageskarten gibt es für 25,00 Euro und die Dauerkarte ist mit 90,00 Euro ausgepreist. Bonusmaterial gibt es auch. Im Preis der Tageskarte sind 2 Getränke enthalten. Der Internationale Meister Erik Zude und Großmeister Klaus Bischoff werden die Partien aus Sofia live kommentieren.

Selbstverständlich berichtet auch chessdom ausführlich und live vom WM-Schach-Kampf Anand-Topalov. Das Büffet ist angerichtet. Es gilt die freie Auswahl. Schachfreunde müssen keine Informationsdiät hinnehmen.

Ein lesenswertes Interview hat Dagobert Kohlmeyer mit Artur Jussupow auf chessbase geführt. Die Prognose ist vielversprechend.

,,Es wird eng. Wenn man gesehen hat, wie überlegen Anand im Herbst 2008 in Bonn gegen Kramnik gewann, denkt man bestimmt, er ist Favorit. Erinnert man sich aber daran, wie Topalow 2005 in San Luis aufgetrumpft hat, erscheint auch er als unschlagbar. Die Frage ist, wer von beiden diese großartige alte Form wieder erreichen kann. Wenn einer von ihnen das schafft, so gewinnt er. Gelingt es allen beiden, dann werden wir einen phantastischen WM-Kampf erleben.“

Ein wenig Leselektüre zur Überbrückung bis zur morgigen ersten Partie gibt es von mir auch noch an die Hand:

Die aktuelle FIDE Weltrangliste

Der Brass auf den Neinsager

Zum WM-Auftakt werden Erinnerungen an alte Skandale wach

Kleine Reminiszenz an Bobby Fischer

Reminiszenz an das Schachmatch des Jahrhunderts

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Viswanathan Anand kann noch etwas durchatmen

Viswanathan Anand bat nach seiner strapaziösen Anreise, die einer Odyssee glich, um eine Verschiebung des Schach-WM-Kampfes gegen Topalov um 3 Tage. 1 Tag Verschiebung ist jetzt beschlossene Sache und damit haben wohl alle Seiten ihren Frieden gemacht.

Die Schachwelt hat nicht nur ein interessantes Cover zu bieten…

       Cover Schachwelt 0510

sondern auch einen WM Schachblog mit den Internationalen Meistern Stefan Löffler und Ilja Schneider auf ihrem Spielplan eingerichtet. Die Schachwelt gönnt sich auch einen WM-Chat 2010. Ich wünsche gutes Gelingen!

Chessdom hat Live von der heutigen Pressekonferenz berichtet und wartet mit einer ausführlichen Fotostrecke auf. Die offizielle Eröffnung geht heute Abend über die Bühne und am 24. April 2010 findet die erste Schachpartie zwischen Viswanathan Anand und Veselin Topalov statt. Anand kann noch etwas durchatmen. Der eine oder andere Journalist hat ebenfalls eine beschwerliche Anreise gehabt. Topalov wird ob der 24-stündigen Verlegung auch nicht gleich in einen Lagerkoller verfallen. Es müsste jetzt für alle Beteiligten passen.

Anand kann sich ja nochmals eine Videosequenz aus einer Partie gegen Garri Kasparow zu Gemüte ziehen. 

Noch 1 Tag bis zum Schach-WM-Kampf Anand-Topalov

Der Countdown zur Schach-WM 2010 läuft. Am morgigen Mittwoch gibt es die offizielle Eröffnung. Zwei Tage später spielen Viswanathan Anand und Veselin Topalov die erste Schachpartie beim FIDE World Chess Championship 2010. Der bulgarische Großmeister und Herausforderer Veselin Topalov genießt Heimvorteil. Hier eine Sequenz seines Simultankampfs am 22. August 2009 im Züricher Bahnhof.

Feierlicher Anlass war das Jubiläum der Schachgesellschaft Zürich. 200. Geburtstag seit der Gründung im Jahr 1809. Zum Champions Simultan waren mit Viswanathan Anand, Veselin Topalov, Anatoli Karpow, Garri Kasparow, Viktor Kortschnoi, Vladimir Kramnik, Boris Spasskij und Ruslan Ponomariov 8 namhafte Schachgrößen eingeladen. Sie spielten jeweils gegen 25 Gegner. So wurden an diesem Tag 200 Partien gespielt um je 1 Jahr in der Geschichte der Züricher Schachgesellschaft zu würdigen.

8 Monate später spielen Veselin Topalov und Viswanathan Anand das Königliche Spiel im Duell Mann gegen Mann. Es gab eine Zeit da war ein Weltmeisterschaftsfinale ohne russische Beteiligung undenkbar. 1948 wurde Botwinnik bei einem Turnier in Den Haag und Moskau gegen Euwe, Keres, Reschekwkij und Smyslow Weltmeister.  Zwischen 1951 und 1969 fanden alle Schach-Weltmeisterschaftskämpfe in Moskau statt und wurden zwischen sowjetischen Schachspielern ausgetragen. Erst Bobby Fischer im Jahr 1972 störte die Tradition interner russischer Schach-WM Kämpfe.  Das Genie forderte 25 Jahre russische Vorherrschaft im Königlichen Spiel heraus.

Beim Schachmatch des Jahrhunderts gab es vor Beginn kraftvolle Worte von Bobby Fischer.

,,Es ist der Höhepunkt meines ganzen Lebens, wenn ich gegen diesen Spasskij spiele. Das ist wirklich der Entscheidungskampf. Wenn ich nicht gewinne, ist es nicht einfach, wieder an diese Stelle zu gelangen…Sogar diese Kleinigkeit zwischen mir und Spasskij spiegelt die weltpolitische Situation im Kleinen wider. Man hat ja immer wieder vorgeschlagen, daß die beiden mächtigsten Männer der Welt die Sache irgendwie untereinander ausfechten sollen – Mann gegen Mann. Genau darum geht es im Augenblick. Wir machen es nicht mit Bomben, wir kämpfen am Schachbrett gegeneinander.“  

         Quelle: Fischer Spasskij – Schachmatch des Jarhunderts,

                von Svetozar Gligoric, im Droemer Knaur Verlag, 1972

Veselin Topalov und Viswanathan Anand haben es eine Spur kleiner. Sie spielen um die WM-Schachkrone und 2 Millionen Euro Preisfonds und haben eine repräsentative Spielstätte. Auf der Website von chessdom gibt es eine kleine Auswahl an Fotos. Im Military Club in Sofia wird der Titelträger 2010 ausgespielt. Etwaige Wechsel in Hinterzimmer wie 1972 in Reykjavik oder Dispute ob der Filmkameras sind nicht zu erwarten.  

Aruna Anand, Frau und Managerin des Weltmeisters, hat den Spielort bereits inspiziert. Topalov hat seine Geschicke in die Hände von Silvio Danailow gelegt. Er gilt als ausgesprochen clever und hat maßgeblichen Anteil am Preisfonds von 2 Millionen Euro. Ihm eilt der Ruf eines beinharten Verhandlungspartners voraus. Als Viswanathan Anand wegen den Verzögerung seiner Anreise nach Sofia durch die isländische Vulkanasche  eine 3-tägige Verschiebung des Starts des Schach-WM-Kampfs erreichen wollte, gab es vom Manager und Organisator Danailow ein Nein.

»Wir wollen pünktlich beginnen. Warum saß Anand am Wochenende herum und tat nichts?«

Anand trifft heute in Sofia ein. Betreuer Hans-Walter Schmitt darauf:

,,Wir halten den Vertrag ein, obwohl Anand durch seine verspätete Anreise klar benachteiligt ist.“

Ein paar weitere Leseempfehlungen für alle Schachfreunde von meiner Seite:

Start der Schach-WM Anand Topalov gegen Topalov diffizil – chesstigers skizziert die Anreise mit Hindernissen

Klare Worte –  Hans-Walter Schmitt im Interview mit chesstigers

Weltmeisterschat in Sofia (Bulgarien) – SK Herne Sodingen 1924

Porträt über Viswanathan Anand bei chesstigers.

Die Wiederholung ist die Mutter aller Weisheiten. Deshalb hier auch nochmals der Verweis auf die Turnierseite:

Offizielle Homepage Anand-Topalov 

Bildnummer: 04096245 Datum: 29.10.2008 Copyright: imago/Sven Simon..WM Matchdirektor Josef Resch (Deutschland, li.) und FIDE Mitglied Florencio Campomanes (Philippinen, re.) überreichen Weltmeister Viswanathan Anand Photo via Newscom

Noch 6 Tage zum Schach-WM-Kampf Anand-Topalov

In meiner Kindheit und Jugend habe ich begeistert Fußball und Schach gespielt. Bei Fußball handelte es sich um Sport. Gar keine Frage. Die Kniee oft aufgeschrammt, die Spielkleidung dreckig, der Körper verschwitzt. Halt richtiger Sport, so die oft gehörte Meinung. Beim Schach sah dies ein wenig anders aus. In der Regel kam jeder Schachspieler mit ordnungsgemäßer Kleidung nach Hause vom Turnier. Es gab keine Schürfwunden oder mit Pflaster zu verarztende Stellen am Körper. So gab es immer wieder auch vereinzelte Stimmen die Schach eher der Kultur zugehörig sahen. Sport hatte anders auszusehen. Schach hat doch nichts mit Sport zu tun hörte ich mir von dem einen oder anderen Fußballkumpel an. Eigenartigerweise hatten jene noch nie eine 5-stündige Turnierschachpartie gespielt. Einige kannten noch nicht mal die Spielregeln des Königlichen Spiels auf 64 Feldern. Sprüche klopfen konnten sie hingegen. Sie hatten auch nie die spannende Atmosphäre erlebt, wenn sieben Partien beim Mannschaftskampf bereits entschieden waren und das Spitzenbrett über den Ausgang der Meisterschaft entschied. Sich akribisch mit Eröffnungsbüchern auf etwaige Varianten zu Beginn des Schachspiels einstellen oder Literatur über das Mittelspiel oder Turmendspiel intensiv durcharbeiten hatte doch nun wirklich nichts mit Sport zu tun.

Eine sehr schöne Definition der Sportart Schach ist Prof. Dr. Christian Hesse in seinem Buch Expeditionen in die Schachwelt gelungen:

,,Schach ist eine geistige Kampfsportart und gleichzeitig ein Resonanzboden für Ästhetik, Leidenschaft und intellektuelles Heldentum, ein ganzes Königreich voller Ideen, Emotionen, Imaginationen, von einmaligen Einblicken, links- und rechtshemisphärischer Denkaktivität, von gebündelter Kreativität und wunderbarer Harmonie zwischen logischen und paradoxen Elementen. „

In 6 Tagen beginnt in Sofia Hochleistungssport. Viswanathan Anand und Veselin Topalov bestreiten den mit Spannung erwarteten Schach-WM-Kampf. Wer ist der Favorit? Der Wettanbieter bwin offeriert folgenden Kurs:

World Chess Championship 2010  – Stand: 12.00 Uhr am 15.04.10

Schachweltmeister

Viswanathan Anand (IND)  1,65

Veselin Topalov (BUL)         2,10

Soweit die Quoten. Mit dem Anand Kurs ging Bayern München in die aktuelle Fußball-Bundesliga Saison bei oddset, um auch noch einen anderen Wettanbieter zu nennen. Im Schach lief es ja für die Münchner dieses Jahr nicht ganz so gut. Der Schachclub Bayern München musste den Abstieg aus der 1. Schachbundesliga hinnehmen. Was sagt da eigentlich Hape Kerkeling dazu? Der Entertainer hat ja eine besondere Beziehung zum Schachclub Bayern München.

Wer sich ein wenig in die Biografien der Protagonisten von Sofia einlesen möchte, findet bei wikipedia Anand und wikipedia Topalov Lektüre.

Hier geht es zur offiziellen Homepage Anand-Topalov. Die Turnierseite bietet für jeden Schachfreund interessante Informationen. So findet sich ein interessantes Interview mit Topalov und eine Übersicht der Sponsoren und Partner.

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