In Gedenken an Robert Enke –

Einen Gruß an meine Eltern

© Margot Kessler; Pixelio

Nach dem Tod von Robert Enke gab es unzählig viel zu lesen. Es gab nichts was fehlte. Ehrliche Ratlosigkeit, geheuchelte Worte, Pathos, unsäglich viele oberflächliche Schnellschüsse, selbsternannte Experten mit Depressionsdiagnosen, eiligst auftauchende Moralapostel ob des harten und gefühllosen Fußballbusiness, Trauer, Wut, Verzweiflung, Entsetzen. Es war jede Nische besetzt.

Einen der besseren Texte in der damaligen Zeit gab es von Beachvolleyball Profi und Weltmeister Jonas Reckermann auf seinem Blog zu lesen:

,,Als Sportler wird einem früh vermittelt, dass es ein Nachteil ist, seine Probleme nach außen zu zeigen. Dies fängt bei der Verleugnung oder Verbergung von Verletzungen oder Erkrankungen an. Entweder soll der Gegner dadurch nicht psychologisch gestärkt werden oder aber die Öffentlichkeit, insbesondere Zuschauer, Medien und Sponsoren sollen den Eindruck eines „perfekten“ Sportlers erhalten. Mag dies bei physischen Erkrankungen noch durch gute Sportmediziner und gesunden Menschenverstand lenkbar sein, so scheint man auf psychische Probleme nicht oder nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Kaum ein Verein arbeitet intensiv mit (Sport)Psychologen. Und wenn man von einer psychischen Erkrankung ausgeht, dann ist externe Hilfe ebenso nötig und gegebenenfalls auch jemand der dies als solche überhaupt erkennt.”

Die Worte haben mich damals nachdenklich gestimmt.

Nun ist ein Jahr rum. Die damalige Trauerspirale in Deutschland wird wohl von den Medien auch diesmal wieder in Gang gesetzt. Fred Kowasch, Organisator und Spiritus Rector von sportspool.tv, gibt bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die zu erwartende Trauerkultur.

Hannover 96 feuert Trainer Andreas Bergmann

Es hatte sich angekündigt. Die Nachricht ist deshalb nicht sensationell oder überraschend zu nennen. Hannover 96 gibt die Entlassung von Trainer Andreas Bergmann bekannt. Die letzten sieben Spiele verliefen sieglos. Durch das destrasöse 0:3 gegen den Tabellenletzten Hertha BSC wurde also jetzt die Reißleine gezogen. Andreas Bergmann hatte die Hannoveraner erst am 3. Spieltag von Dieter Hecking, dem jetzigen Coach der Nürnberger, übernommen. Sportdirektor Jörg Schmadtke attestiert dem Ex-Trainer trotzdem gute Arbeit.

,, Andreas Bergmann hat gute Arbeit geleistet, die Mannschaft gerade auch in der Phase nach der furchtbaren Tragödie um Robert Enke gefühlvoll geleitet. Aber die notwendigen Siege, die uns die Punkte für den Klassenerhalt bringen müssen, sind leider in den vergangenen Wochen nicht gelungen.“

Der 1. FC Nürnberg kündigte nach der Winterpause 2007/2008 ihrem Trainer Hans Meyer die Freundschaft. Am Ende stand jedoch der Abstieg. Droht Hannover 96 das gleiche Schicksal? Warum trifft man diese Entscheidung nicht nach Ende der Hinrunde? Wieso nach dem ersten Spieltag der Rückrunde? So etwas sieht dann immer nach einer hyperaktiven Aktion seitens des Vereins und seiner Verantwortlichen aus. Agieren mit Plan sieht sicher anders aus.

Am 9. Dezember 2009 schrieb ich zum Thema Trainer-Hopping folgende Zeilen:

,,Derzeit ist Jobsicherheit für Fußballtrainer so weit entfernt, wie die NASA Zentrale vom Mond. Die Verweildauer auf dem Stuhl hat abgenommen.“

Andreas Bergmann seine Verweildauer dauerte ganze 16 Spieltage.

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Nachdenkenswert #13

,,Als Sportler wird einem früh vermittelt, dass es ein Nachteil ist, seine Probleme nach außen zu zeigen. Dies fängt bei der Verleugnung oder Verbergung von Verletzungen oder Erkrankungen an. Entweder soll der Gegner dadurch nicht psychologisch gestärkt werden oder aber die Öffentlichkeit, insbesondere Zuschauer, Medien und Sponsoren sollen den Eindruck eines „perfekten“ Sportlers erhalten. Mag dies bei physischen Erkrankungen noch durch gute Sportmediziner und gesunden Menschenverstand lenkbar sein, so scheint man auf psychische Probleme nicht oder nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Kaum ein Verein arbeitet intensiv mit (Sport)Psychologen. Und wenn man von einer psychischen Erkrankung ausgeht, dann ist externe Hilfe ebenso nötig und gegebenenfalls auch jemand der dies als solche überhaupt erkennt.“

Beachvolleyball Profi und Weltmeister Jonas Reckermann,

Reflexion in seinem Blog nach dem Tod von Robert Enke