Fragen des Monats

Zwischen dem Umzug stellen sich mir ein paar Fragen.

Hat Ralf Rangnick sich eigentlich bereits bei Dietmar Hopp bedankt?

Warum kommt Uli Hoeneß nicht an die Leichtigkeit der Amtsführung von Vorgänger Franz Beckenbauer heran?

Reicht es für die Wolfsburger Eishockeycracks diesmal zum ganz großen Triumph? Lesenswert dazu die Anmerkungen im Eishockey-Blog unter dem Titel Darf ein Retorten-Club nicht Meister werden?

Kann Andreas Klöden die Form der Baskenland-Rundfahrt bis zur Tour de France konservieren?  

Was macht eigentlich Louis van Gaal diese Woche?

Kasperletheater

Das Trainerkarussell dreht sich schneller wie gedacht. Hatte nicht gerade Ex-Eintracht Coach Michael Skibbe durch den Sieg gegen St. Pauli seinen Kopf aus der Entlassungs-Schlinge gezogen? Bums. Da wird der charismatische Christoph Daum neuer Trainer in der Bankstermetropole. Der newsticker von süddeutsche.de bringt chronologisch alle bisherigen Trainerwechsel der Saison 2010/2011. Das ich das noch erleben darf im Frühjahr 2011. So ganz leise war Daum ja nie. Er ist auch keine graue Maus. Bestes Entertainment ist garantiert. 

Auch der Wortwechsel via Medien zwischen Ralf Rangnick und Felix Magath stellt beste Unterhaltung im Sinne des klassischen Kasperletheaters dar. Wie hab ich die Vorstellungen als Kind gemocht. Ein Kasper, ein Polizist, ein Krokodil etc. Sagenhafte Dialoge mit erhobenen Zeigefinger. Die Nachmittage waren unterhaltsam.

In puncto Unterhaltung  steht der einstige Meister von 1966, der so oft auf die Tradition pochende TSV 1860 München, in nichts nach. Gut dem einen oder anderen nervt vielleicht das gejammere der Kätzchen über fehlendes Geld. Bayern Präsident Uli Hoeneß hätte dem aktuellen Zweitligisten Geld gegeben. Der SZ sagte er:

,,Wir hätten der Landesbank die acht Millionen Euro für zwei Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt, und die Landesbank hätte das Geld dann für vier Prozent an die Löwen weiterverleihen können.“

Den Bremser soll Wirtschaftsminister Zeil (FDP) gespielt haben. Menschenskinder. Fast ein Thema für Hart aber fair. Natürlich hat Uli Hoeneß akribisch genaue wirtschaftliche Überlegungen. Ein insolventes 1860 München bedeutet das alleinige stemmen aller finanzieller Verpflichtungen in der Sportstätte an der Autobahn. 1860 in der Bayernliga hat jedoch fernab von den monetären Überlegungen auch Charme. Zumindest für Vereine wie SV Seligenporten, TSV Großbardorf, 1. FC Eintracht Bamberg, 1. FC Schweinfurt 05 oder TSV 1860 Rosenheim. Die aktuellen Bayernligisten werden sich über die Patina des Namens TSV 1860 München und des einen oder anderen zusätzlich neugierigen älteren Zuschauers sowie erhöhten Medienaufkommens freuen. 

Little Hoffenheim

Es gibt keine Alternative zum sportlichen Erfolg. Während Gustavo, ehemaliger Spieler von Hoffenheim, souverän mit seinem neuen Verein Bayern München in das Halbfinale einzieht, mussten die Kraichgauer bei Energie Cottbus ohne Coach Rangnick die Segel aus dem Pokalwettbewerb streichen. Das warten auf schwarze Zahlen in Hoffenheim geht also weiter. Für die kolportierten 240 Millionen Euro hat die TSG eine doch recht bescheidene sportliche Bilanz aufzuweisen. Das kann Dietmar Hopp nicht wirklich gefallen.

Das Sportjahr 2011 nimmt Fahrt auf

Das Sportjahr 2011 begann bekanntlich mit einem kleinen Paukenschlag. Der intelligente Fußballlehrer Rangnick trennt sich von seiner Aufgabe in Hoffenheim. Gustavo wechselt zu Bayern München. Ralf Rangnick und Bayern München, da war doch etwas? Richtig. Beim ersten Aufeinandertreffen in der Hinrunde der Saison 2008/2009 haute der damalige Hoffenheim Coach einige Sprüche auf der Pressekonferenz raus:

,,Wer flotte Sprüche hören will, muss nach München gehen. Wer flotten Fußball sehen will, der ist hier richtig.“

,,Wir gehen nicht dahin, um Trikots zu tauschen – wir wollen ihren Skalp.“

,,Die Bayern-Fans sind bisher nicht damit aufgefallen, dass Sie ihre Mannschaft bedingungslos unterstützen. Die wollen unterhalten werden.“

Bayern München gewann damals das Punktspiel unter Trainer Jürgen Klinsmann gegen die TSG Hoffenheim mit 2:1 und schickte Ralf Rangnick eine Spur kleinlauter in den Kraichgau. Die Normalität zog dann in der Rückrunde in Hoffenheim ein.

Für Sportredaktionen wie die Süddeutsche Zeitung war die Personalie Rangnick/Gustavo/Hopp/Tanner/Hoffenheim willkommene Füllung der Sportseiten im neuen Jahr. Meine Liebste und ich waren Montag und Dienstag in Oberstdorf. Beim lesen der SZ am Frühstückstisch im Hotel wurde die Geschichte des SMS-Verkehrs zwischen Rangnick und Hopp genüßlich dargeboten.  Prima Unterhaltung.

Dabei geht das mühsam aufgebaute Image von Hoffenheim gerade den Bach herunter. Stürmer Demba Ba mag nicht mehr. Schlagzeilen wie Hoffenheim-Manager wütet gegen Meuterei Profi auf bild.de braucht kein solide geführter Verein. 

Szenenwechsel. Die Vierschanzentournee sieht heute den Countdown. Sollte sich Thomas Morgenstern das Ding noch nehmen lassen, will ich keine Diskussionen über Skibindungen hören. Bei der Winterspartakiade in Vancouver nervte es doch gehörig . Diese Diskussion über den Materialvorteil im Lager der Schweiz. Simon Ammann hatte eben den Bogen raus. Da hätte ich mir aus dem österreichischen Skisprunglager mehr Gelassenheit gewünscht. Auch dort ist in den letzten Jahren gebastelt und getestet worden. Der Schweizer Ammann war ein verdienter Olympiasieger 2010.

Rallye Dakar 2011– die Materialschlacht in Südamerika polarisiert. Die Duelle der Hausfrauenpanzer sind nichts für ökologische sensible Naturen. Aus Sicht der teilnehmenden Automobilkonzerne natürlich eine stark inszenierte Werbeveranstaltung. Hier geht es zur offiziellen Website der Rally Dakar 2011.

Schach. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Das königliche Spiel im Fernsehen. Ich bin begeistert. Auf Arte waren diese Woche Schachikone Garri Kasparow und Finanzinvestor Peter Thiel (Facebook, PayPal) in New York zu sehen. Hier geht es zum Video auf Arte. So darf das Sportjahr 2011 gerne weitergehen.

Nachdenkenswert #66

,,Als Spiegelbild diente die deutsche Nationalmannschaft. Frankreich, Italien Spanien, selbst die Schweiz waren uns in der Jugend und bei den Senioren weit voraus, aber bedingt durch den WM-Sieg 1990 wurde bis Mitte/Ende der 90er Jahre am Libero festgehalten, weil es ja keinen Grund gegeben hätte, etwas umzustellen. Mit der Folge, dass wir als letzte Nation in Europa gemerkt haben, wohin die Entwicklung geht und dass im Zuge dessen die Sechser-Position neu erfunden wurde. Als ich mit Ulm 1998 in die 2. Liga aufgestiegen bin, haben von vier  Zweitligisten und  zwei Bundesligisten abgesehen alle Teams mit Libero, zwei Manndeckern und gegnerorientierten Sechsern gespielt.“

        Ralf Rangnick, Hoffenheim Coach, im Interview mit Spox

Trainer-Hopping

Derzeit ist Jobsicherheit für Fußballtrainer so weit entfernt, wie die NASA Zentrale vom Mond. Die Verweildauer auf dem Stuhl hat abgenommen. In Stuttgart hat es sich ausgebabbelt. Damit haben   von den 18 Bundesligisten, die am 1. Januar 2009 in der Bundesliga am Start waren, nur noch 3 Vereine ihren Trainer seit Jahresbeginn beschäftigt. Inflationär.

Die Auserwählten sind Trainer Thomas Schaaf in Bremen, Ralf Rangnick in Hoffenheim und Jürgen Klopp in Dortmund. 3 von 18. Unglaublich. Damit ist Klopp auf Platz 3 der aktuell dienstältesten Übungsleiter. Er trat seinen Job bei der Borussia erst vor Saisonbeginn 2008/2009 an. Was läuft da eigentlich schief ? Langfristigkeit und nachhaltige Traineraufbauarbeit sieht anders aus. Entwicklung braucht Zeit.

Natürlich hat jeder der 15 Vereine mit vollzogenen Trainerwechsel seit 1. Januar 2009 gute Gründe. Wie immer. Es sind auch unterschiedliche Beweggründe. Keine Frage. Hans Meyer wollte in Mönchengladbach nicht mehr weiter machen. Klinsmann und Bayern passte einfach nicht. Bielefeld agierte einen Spieltag vor Saisonende in hyperaktiver Manier und schickte Michael Frontzeck nach Hause. Der Kölner Coach Christoph Daum konnte sich nicht gegen das viele Geld aus Istanbul wehren. In Bochum war der Schweizer Trainer Koller nicht mehr von den Fans gelitten. Mehrfach die Klasse gehalten. Geschenkt. Dankbarkeit gibt es offenbar nicht. Ich will hier nicht alle 15 Beispiele einzeln aufbröseln.

Etwas mehr Geduld und Gelassenheit wäre allen Beteiligten zu wünschen.