Trainersuche: Der FC St. Gallen versucht es jetzt mit Joe Zinnbauer

In der Bundesliga gab es in den letzten Jahren einige junge und moderne Trainer, die von ihren Vereinen die Möglichkeiten bekamen, sich in der deutschen Eliteklasse zu behaupten. Markus Gisdol, Thomas Tuchel oder Markus Weinzierl seien hier genannt. Sie packten die Chance beim Schopfe und etablierten sich als begehrte Bundesligatrainer. Joe Zinnbauer gelang dies im vergangenen Jahr bei seinem kurzen Trainerengagement auf der Bank der 1. Männermannschaft vom Hamburger SV nicht. Am Ende musste ein Coach der Old School wie Bruno Labbadia die Kastanien für den Bundesligaverein aus dem Norden aus dem Feuer holen.

Foto:  © Michael Wiemer

Jetzt heuert Joe Zinnbauer beim Ostschweizer Fußballverein FC St. Gallen an. Jeff Saibene war kürzlich zurückgetreten. Auf der Pressekonferenz gab es verschiedene Wortmeldungen. Vereinspräsident Dolf Früh merkte an:

,,Es freut uns natürlich, dass wir nach einem zweiwöchigen, sehr intensiven Auswahlverfahren, den neuen Cheftrainer präsentieren können. Wir sind überzeugt, dass wir unter vielen guten Bewerbern einen hervorragenden neuen Mann gefunden haben. Mit Joe Zinnbauer haben wir eine Persönlichkeit, die – so sind wir überzeugt – zum FC St.Gallen passt, weil er extrem ehrgeizig, erfolgshungrig und konsequent ist, wie wir eben in seiner Ansprache in der Kabine schon gehört haben. Er ist auch ein Trainer, der gerne mit jungen Spielern arbeitet und ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Nachwuchsarbeit. Das ganze Package hat uns begeistert. Wir haben uns auf einen Dreijahresvertrag geeinigt – eine lange Dauer, mit der wir signalisieren, dass wir ein Projekt haben und zusammen den FC St. Gallen weiterbringen wollen.“

Auch der bei seinem Bundesligadebüt beim HSV glücklose Joe Zuinnbauer zeigte sich frohen Mutes und lobte Stadion, Stadt und die professionelle Personalsuche seines zukünftigen Arbeitgebers in Person von Sportchef Christian Stübi. Im Wortlaut hörte sich dies so an:

,,Ich muss erst einmal Christian Stübi ein Kompliment machen. Es gab einige Vereine, die nach meiner Freistellung beim HSV auf mich zugekommen sind, denen ich aber wenig Beachtung geschenkt habe. Sein Angebot habe ich mir anschauen wollen. Er hat mich animiert, hierher zu kommen. Ich habe mir die Stadt angeschaut, weil meine Familie mitkommt. Von der Grösse her ist St.Gallen natürlich nicht mit Hamburg zu vergleichen, aber von der Lebensqualität  bestimmt genauso schön. Beeindruckt war ich auch von dem Stadion, das konnte ich im Vorfeld nicht so beurteilen. Als ich hier war, habe ich eines vergleichbar mit dem HSV gesehen, nur kleiner – für mich ein Schmuckstück. Die Trainingsbedingungen und die Möglichkeiten, die man hier mit der Mannschaft vorfindet, sind auch sehr, sehr gut und ich habe Feuer gefangen. Ich hatte mit dem Vereinsgremium ein Top-Gespräch, das war eine Top-Runde mit Top-Leuten am Tisch, die genau wussten, was sie wollten und genauso hören wollten, was ich für ein Typ bin. Das ist der Eindruck, den ich bekommen habe und der mich schliesslich dazu gebracht hat, mich für St.Gallen zu entscheiden.“

Soweit die Pressekonferenz beim FC St. Gallen. Schaun mer mal.

Mixed Zone Bodensee 

Interboot: Am Samstag, den 19. September fängt die traditionelle Interboot in der Messe- und Zeppelinstadt Friedrichshafen an. Hier geht es zur Pressekonferenz. Und hier gibt es die Messeneuheiten. +++ InterDive: Die InterDive öffnet bereits heute in Friedrichshafen ihre Pforten. +++ Radsport: Um zur Radsport-Weltmeisterschaft in  Richmond zu kommen hat Liane Lippert (17) aus Friedrichshafen folgende Reiseroute vor sich: Flug von Friedrichshafen am 19. September nach Frankfurt, weiter per Flieger nach Washington. Von dort mit dem Bus der deutschen Delegation nach Richmond. Liane Lippert startet bei den U19 und wird sich im 80 Kilometer Rennen mit ca. 100 Radfahrerinnen auseinandersetzen. Das Radtalent besucht die Droste-Hülshoff-Schule und peilt nächstes Jahr die mittlere Reife an. +++ Eishockey: Am Freitag treffen die Ravensburg Towerstars vor heimischem Publikum in der DEL2 auf den amtierenden Meister Bietigheim Steelers. Am Sonntag dann das Auswärtsspiel für die Eishockey-Cracks von Coach Daniel Naud bei den Heilbronner Falken. In bewährter Form hat Frank Enderle die Vorschau in die Tastatur gehauen. Fußball: Der FV Ravensburg war in Sachen Transfer im Sommer auch nicht untätig. Jetzt das Oberliga Interview mit Neuzugang Jonas Wiest. +++ Doppel am Wochenende: Der österreichische Handballmeister Alpla HC Hard mit gut gefülltem Kalender. Am Freitag das Spitzenspiel gegen SG INSIGNIS Westwien und am Sonntag der 24. Harder Stundenlauf. LAOLA1.tv überträgt die Handballpartie live im Internet.

Hier geht es zum Sportkalender am Bodensee

Nachdenkenswert #302

,,Das ist ein deutsches Phänomen, an dem vor allem die Medien schuld sind. Auf den Radsport wird immer eingeprügelt. Wenn ich nach Frankreich, Italien oder Spanien komme, werde ich immer gefragt: „Was habt ihr in Deutschland für ein Problem?“ Es gibt doch auch andere Sportarten, in denen nicht immer sauber gearbeitet wurde. Sport ist ein Teil der Gesellschaft. Und einem Teil der Gesellschaft kann man die Medizin doch nicht wegnehmen und eine weiße Weste anziehen, die es gar nicht gibt. Die gibt es nicht in der Politik, nicht im Business und eben auch nicht im Sport. Würden die Medien nicht immer wieder darin herumwühlen, hätten es die Zuschauer schon längst wieder vergessen.“

Rudi Altig, Ehemaliger Tour de France Fahrer, 1962 Gewinner des Grünen Trikots und 1966 ausgezeichnet als kämpferischster Fahrer der Frankreichrundfahrt, 8-maliger Etappensieger der Tour de France und 18 Tage Träger des Gelben Trikots,   1959 Amateur-Weltmeister in der Einerverfolgung in Amsterdam, 1960 Bahnweltmeister bei den Profis in der Einerverfolgung in Leipzig, 1961 Profi-Weltmeister in der Einerverfolgung auf der Radrennbahn in Zürich-Oerlikon, 1966 Weltmeister im Straßenrennen auf dem Nürburgring, 1966 Sportler des Jahres in Deutschland, im Interview mit dem Sportportal Spox mit einer vielsagenden Kritik an den Medien und der Unterschätzung des mündigen Zuschauers.

Sport am Bodensee: Die gute Stimmung wird nicht getrübt

Guten Abend.

Bevor wir ins Geschehen einsteigen, ein paar Worte in eigener Sache.

Noch ein kleiner organisatorischer Hinweis. Der Sportkalender am Bodensee wird zukünftig nicht mehr an die Artikel hinten rangeflanscht, sondern ist von mir ab sofort immer am Ende verlinkt. Hinterlegt ist immer der aktuelle Monat.

Höllentour Filmregisseur Pepe Danquart hatte im vergangenen Jahr im Interview mit der FAZ unter dem Titel ,,Eine tiefe Bewunderung für diese Männer“ gewohnten Klartext gesprochen und auch auf die konzipierte Überforderung der Menschen im Sattel bei der Tour de France hingewiesen.

,,Die Tour de France ist erfunden worden, um die Auflage einer Zeitung zu steigern. Die Fahrer sind die Berge hochgefahren und haben „Mörder“ geschrien zu den Veranstaltern. Was verlangt wurde, ging immer über die normale Leistungsfähigkeit des Menschen hinaus, und das wurde ganz bewusst so konzipiert. Natürlich kann man sich da fragen: Wie sollen die Fahrer das schaffen? Die Formel 1 fährt auch nicht mit Normalbenzin.“

Dagegen sind die Radtouren am und um den Bodensee eher ein Wellness Programm.

Foto:  © Michael Wiemer

Da wird zwischendurch gerne ein kleines Päuschen eingelegt. Der Blick auf den See bei einem kühlen Getränk genossen. Über Gott und die Welt geplaudert. Griechenland und die Probleme der EU-Bürokraten wird nur thematisiert von Menschen, die die gute Stimmung etwas trüben wollen. Die Tour wird auch nicht von jedem mitverfolgt. Wer ist heute ins gelbe Trikot gefahren? Hat es Tony Martin diesmal geschafft? Es wird nicht sklavisch der Live-Ticker auf dem Smartphone verfolgt. Auch die mäßige Quote der ARD beim Comeback der Tour regt hier am See keinen auf. Das Einzelzeitfahren am Samstag wollten nur 1,30 Millionen Menschen bei den Öffentlich-Rechtlichen sehen. Magere Quote. Für einen auf Quote fixierten Sender kein Sahnehäubchen. Und auch kein Grund die Champagnerkorken durch die Decken knallen zu lassen.

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Die 2. Etappe von Utrecht nach Zeeland am Sonntag wollten dann 1,33 Millionen Zuschauer sehen. Die Gewinnzahlen der Deutschen Fernsehlotterie interessierte 1,60 Millionen. Bleiben wir aber beim Sport. Das Galoppderby wies 1,16 Millionen Fernsehzuschauer auf und  Moderner Fünfkampf-WM Mixed Staffel zog 1,18 Millionen Kiebitze vor die Mattscheibe. Die Ironman EM kam auf 900.000 Interessierte  vor dem ARD Bildschirm.

Doch lassen wir die Zahlen und das ganze auseinandernehmen der Einschaltquoten und wenden uns dem Sport am Bodensee zu.

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Sport am Bodensee: Emanuel Buchmann wird für die Schwäbische Zeitung von der Tour de France berichten

Hier in der Bodenseeregion haben ehemalige Tour de France Fahrer wie Andreas Klöden und Jan Ullrich ihr Domizil aufgeschlagen. Auch der bei der heutigen Tagesetappe minimal am Gelben Trikot vorbeigeschrammte Tony Marin wohnt hier in der Region. Der aktuelle deutsche Straßenradsportmeister Emanuel Buchmann, Tourneuling , ist in Ravensburg geboren. Sein Teamkollege und Kapitän Dominik Nerz kam in Wangen zur Welt. Damit könnte man eigentlich eine kleine Berichterstattung über die Höllentour basteln.

Foto:  © Michael Wiemer

Inwieweit ist eigentlich der Radsport schon wieder aus der Schmuddelkind Ecke raus? Gut, der Fußball mit seiner massiven Verhaftungswelle bei der FIFA in Zürich bekam dieses Jahr genug schlechte Schlagzeilen. Die Hassliebe Tour de France fährt auf Bewährung?

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Sport am Bodensee: Emanuel Buchmann mit Sondergepäck und der VfB Friedrichshafen mit Hammerlos

Hier am Bodensee gibt es jährlich zahlreiche passionierte Radler, die den See in mehrtägigen Touren umrunden. Inwieweit dabei in den Gedanken, Träumen oder Vorstellungen die Tour de France eine Rolle spielt ist statistisch nicht belegt.

Foto:  © Michael Wiemer

Statistisch belegbar ist jedoch die Rolle deutscher Meister im Radsport bei der Tour de France. Mit dem Meistertitel schmückten sich in der Radsportgeschichte unter anderen Rudi Altig, Dietrich Thurau, Udo Bölts, Jens Heppner, Christian Henn, Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag, Danilo Hondo, Andreas Klöden, Gerald Ciolek, Fabian Wegmann, André Greipel. Seit letztem Wochenende hat Deutschland einen neuen Straßenmeister im Radsport. Emanuel Buchmann aus Ravensburg. Er startet erstmalig als 22-Jähriger bei der Tour de France für Bora – Argon 18. Im Interview auf der Website des Radsportteams äußert sich Buchmann zur bevorstehenden Frankreich Rundfahrt inklusive seinem erworbenen Gepäckstück:

,,Ich weiß schon, dass mir da ein großes Ding gelungen ist und dass ich jetzt ein ganzes Jahr im Meistertrikot und auch bei der Tour de France damit fahren darf. Aber so richtig 100% realisiert habe ich das noch nicht. Gerade, was es bedeutet mit dem Titel im Gepäck bei der Tour zu starten, kann ich noch gar nicht einschätzen. Es ist eine Ehre und eine Freude mit dem Trikot zu fahren. Ich denke, jetzt kennen doch einige Leute meinen Namen und mit dem Jersey kann man sich nicht mehr im Feld verstecken.“

Jetzt geht es für das Top-Talent Buchmann mit dem Meisterschmuck zur Tour, die auch wieder die Sympathie von ARD und Co fand. Waren es 3 Jahre Liebesentzug? Schon. 2011 machte die Meldung die Runde, das die Öffentlich-Rechtlichen aus der Live-Berichterstattung ab 2012 aussteigen.

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Sport am Bodensee: Gut gefüllter Terminkalender fernab dem Tour de France Comeback der ARD

,,Erinnern Sie sich an den BSE-Skandal? Die Panik war riesengroß, aber nur ein Jahr später wurde wieder gegrillt. Komisch ist es hingegen, dass sich 1998 niemand hierzulande darüber aufgeregt hat, als der erste Dopingskandal publik wurde. Aber damals gab es ja noch einen Jan Ullrich …“

Regisseur Pepe Danquart 2007 im Interview mit dem Tagesspiegel.

Einst zogen ARD und ZDF den Stecker aus der Tour de France Übertragung. Die Sportart sorgte für Dopingskandale, floskelhaft vorgetragene Statements der Wende hin zum sauberen Radsport, frühere Ergebnislisten bekamen eine inflationäre Korrektur und Sponsoren wie Telekom, Gerolsteiner oder Phonak zogen sich zurück. Die Tour schüttelte sich kurz und die Karawane zog weiter. Der normalen Radelbegeisterung am Bodensee tat dies keinen Abbruch. Die Bodenseeregion ist geprägt von Menschen, die mit großem Spaß in die Pedale treten und zwischendurch auch den entsprechenden Boxenstopp einlegen.

Foto:  © Michael Wiemer

Doch zurück zu den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten. Die Tour de France beginnt nächste Woche und ARD und Co. haben wieder den Stecker hineingesteckt. Radsport, also das Produkt, ist scheinbar wieder salonfähig. Es verkauft sich offenbar wieder.  SportA hatte für die ARD mit dem Rechtegeber der Tour de France verhandelt und mit der ASO (Amaury Sport Organisation) den Wiedereinstieg in die Übertragung vorbereitet. Die Vertragspapiere sind ratifiziert. Das Comeback der ARD bei der Tour de France findet jetzt also einen sauberen Radsport vor?

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Nachdenkenswert #294

,,Niemand will Geschichten von Rennfahrern sehen, die voller Chemie sind. Es wird eine andere Geschichte erzählt. Eine romantische Ansicht, wie wir sein sollen oder was uns wirklich bewegt, nämlich die Liebe, das Gefühl, das Empfinden, Mensch zu sein. Über Chemie und Geschäfte kannst du nichts Positives erzählen. Alle Geschichten dürfen nie ums Geld gehen, wie die Tour de France nie um Doping gehen darf. Jedenfalls nicht, was die positiven Helden angeht.“

René Pollesch, in jenem bemerkenswerten Doppel-Interview Die Moral der Käfer mit Filmregisseur Pepe Danquart auf der Freitag mit Matthias Dell, für mich persönlich das schonungslos ehrlichste Interview über die Tour de France im Jahr 2009 und seine Facetten

Reblog: Sportsponsoring im Radsport in Deutschland oder die Illusion vom Return on Investment

Fußball zerlegt sich gerade wie einst der Radsport. Unappetitlich. Beim Radsport waren die systemimmanenten Betrügereien (bei signifikant wesentlich weniger Geld als im Kreislauf des Weltfußballs) dann ja auch ein Grund für den Rückzug zahlreicher Sponsoren. Soweit ist es im Fußball noch nicht. Es ist jedoch vielleicht ganz interessant einen Rückblick auf die Schwierigkeiten an der Sponsorenfront im Radsport zu werfen. Ein Blick ins Blogarchiv …

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Sport am Bodensee: Fernab vom Sumpf

Nein, die unappetitlichen Dinge in Sachen Korruptionsskandal in der FIFA, die da mit geballter Wucht täglich in die medialen Kanäle kommen, sind nicht erfreulich. Hier am Bodensee ist Fußball beileibe nicht das ganz große Ding. Es gibt einfach viele andere schöne Sachen.

Foto:  © Copyright – Michael Wiemer

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Reblog: Wider dem Guardiola Hype

Nein, ich habe Pep Guardiola nicht in gottähnliche Himmelshöhen geschrieben. Pep Guardiola wurde von mir auch nicht in eine Fußball-Kathedrale gebeamt und mit dem Fluch der Triple Erwartungshaltung belegt. Jedoch ging mir der deutsche Medienhype um die Personalie Guardiola vor zwei Jahren auf die Nerven. Die lautstarken Springerblätter breiteten dem Ex-Trainer vom FC Barcelona den roten Teppich aus, in aller Intensität, nach dem Jahr Pep-Auszeit und seinem Dienstantritt bei Bayern München. Auch andere überregionale Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ flochten überschwängliche Lobeshymnen. Vielleicht ist jetzt ein ganz guter Zeitpunkt einen Text aus dem Blogarchiv zum damaligen Guardiola Hype herauszuholen.

[Reblog 28. Juni 2013] Wider dem Guardiola Hype

Für den Hype um seine Person kann und will ich ihn nicht verantwortlich machen. Der eine oder andere Fußballfan hat bereits eine Substratsättigung. Die Rede ist vom aus der Auszeit zu Bayern München gekommenen Trainer Pep Guardiola. Mir war es bereits bei der Installation vom Vereinstrainernovizen Klinsmann alles ein zu großer medialer Auflauf. Ära. Aufbruch in neue Dimensionen. 5 Jahre später ist in München wieder von einer Ära die Rede. Pep Guardiola ist gelandet. Das Ingolstädter Dienstauto mit 520 PS übergeben. Lorbeerkränze im Dutzend sind dem Katalanen überreicht worden. Die Lobeshymnen arteten teilweise in einen Personenkult aus. Vielleicht ist es an der Zeit das Scheinwerferlicht ein wenig zu dimmen. Sportexperte Thomas Haider, einst von Alberto Contador in Sachen Doping belogen, hat auf sport10.at auch ein paar kritische Anmerkungen vorzubringen. Unter dem Titel Doppelmoral verweist er auf dunklere Stellen in der Fußballerbiografie von Pep Guardiola. Er zieht den Vergleich zu Jan Ullrich, dem ehemaligen Tour de France Teilnehmer und Sieger der Höllentour von 1997. Die mediale Sicht auf beide fasst er so zusammen:

,,Ullrich der Böse, Guardiola der Messias.”

Dabei gibt es zwischen beiden Gemeinsamkeiten. Thomas Haider, der einst  mit der Amerikanerin Lindsey Vonn schon Interviews führte, als die Skirennläuferin noch Kildow hieß, verweist in seinem Artikel darauf:

,,Was Ullrich und Guardiola gemeinsam haben? Positive Dopingkontrollen in ihrer aktiven Karriere und jahrelang intensive Kontakte zu Blutpanscher Fuentes!”

Thomas Haider erinnert in seinem Beitrag an die unsäglichen Machenschaften von Mediziner Fuentes und die Verquickung zum Fußballbiotop. Hat-Tip geht an Fokus Fussball.

Aber es gibt auch noch andere kritische Stimmen, die beschäftigen sich nicht mit Doping sondern mit der etwaigen Gefahr für die Freude am Fußball unter Guardiola. Im Interview mit Zeit Online berichtete Wolfram Eilenberger dem Fußballinternetpionier und Hartplatzhelden Oliver Fritsch vor 5 Monaten:

,,Ich bin Bayern-Fan, ich bin Fußball-Fan, und ich mache mir Sorgen um die Schönheit des Spiels. In letzter Konsequenz könnte Guardiola nicht nur mir, sondern einem ganzen Kontinent die Lust am Fußball nehmen.”

Der meinungsstarke Wolfram Eilenberger ist Chefredakteur des Philosophie Magazins. Der Philosoph spielt selber Fußball und hat in der deutschen Autoren-Nationalmannschaft die Spielposition im linken Mittelfeld inne. Er hielt mit seiner Kritik an der Kurzpass-Spielweise von Guardiola nicht hinter dem Berg.

,,Im idealen Fußball des Guardiola regieren kurze Pässe, es gibt keine Distanzschüsse, direkten Freistöße, Flanken, Kopfballtore. Kleinteilige Ballkontrolle und Penetrationsarmut kennzeichnen seinen Stil. Günter Netzer, übernehmen Sie!”

Bayern München hat in den letzten Jahren nicht immer glücklich bei den Trainerneueinkäufen agiert. Erinnert sei an Klinsmann. Aber auch der Kontrakt mit Louis van Gaal fand ein jähes Ende in der 2. Saison. Kontrakt hin oder her. Stimmt das Timing des Einkaufs von Bayern München in der Personalie Guardiola? Eilenberger hat da seine Bedenken und urteilt:

,,Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass   die Bayern einen verglühten Stern gekauft haben.”

Das habe ich einst von Jupp Heynckes nach seiner Reaktivierung bei Bayern München gedacht. Hiermit muss ich noch nachträglich Abbitte beim Triple-Erfolgscoach leisten.