Die Verpflegungstasche bei der Tour de France

Die Tour de France feierte kürzlich die Präsentation der 100. Ausgabe im nächsten Jahr 2013. Die Personalie Armstrong schwebte wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung in Paris. Manch Funktionär wollte nicht mehr an den einstigen Tourgott und siebenfachen Gewinner der Tour de France erinnert werden. Es sollten sich wieder andere positive Bilder im Kopf des Publikums festsetzen. Die Heuchelei um Lance Armstrong nahm Kinoformat an. Dabei gab es seit den Anfängen der Tour immer wieder unerlaubte Methoden der Radsportler. Kein Trick wurde ausgelassen. Es wurde probiert was ging …

Helge Jepsen hat in seinem lesenswerten Buch Männerspielzeug sehr schön die Tricks der Lohnfahrer beschrieben. Tauchen wir also kurz hinein in die Historie der Frankreichrundfahrt:

,,Die Tour wurde 1903 ins Leben gerufen und hatte schon im zweiten Jahr ihre ersten ,,Doping-Fälle“: Die Plätze eins bis vier in der Gesamtwertung wurden allesamt disqualifiziert, weil die Fahrer sich hin und wieder von Autos ziehen ließen oder Teile der Strecke mit der Eisenbahn fuhren! Außerdem waren damals Cognac, Bier, Wein, Sekt, Koffein, Chloroform, Kokain und Nitroglyzerin gerngesehene Gäste in der Verpflegungstasche.“

Das muss man sich plastisch vor Augen halten. Der Schwierigkeitsgrad der Tour war bereits damals offenbar nicht nur mit Brot und Mineralwasser zu bewältigen. Ganz großer Radsportzirkus.

Boris Spasskij wird 75

Herzlichen Glückwunsch nach Paris. Eine Niederlage machte ihn einst weltberühmt. Im Schachmatch des Jahrhunderts mit einem ehrgeizigen Spieler aus Amerika war er der Kontrahent. Boris Spasskij konnte seinen Weltmeistertitel 1972 nicht gegen Bobby Fischer verteidigen. Der Leningrader zeigte sich als fairer Verlierer. 1976 verabschiedete er sich aus der Enge des sowjetischen Systems und verließ aus politischen Gründen seine Heimat. Sein neuer Lebensmittelpunkt wurde Paris. Dort lebt er auch heute noch mit seiner Frau Marina.

Hier eine kleine Sequenz von Zürich 2009.

Cadel Evans triumphiert bei der Tour de France

Die Entscheidung ist durch. Der Australier Cadel Evans gewinnt die 98. Tour de France. Er darf und wird die Abschlussfahrt nach Paris genießen wie einen Ferienausflug auf dem Rad. Jan Ullrich wurde kürzlich im Interview mit Radsport-News nach dem Tourfavoriten 2011 gefragt und antwortete: 

,,Ich glaube, dass es dieses Jahr richtig spannend wird. Neben Contador gibt es so viele gute Leute. Die Schleck-Brüder und Cadel Evans. Ivan Basso steht auch auf meiner Liste. Es sind wirklich viele gute Leute. Andreas Klöden ist auch ein potenzieller Tour-Favorit. Man kann es schwer sagen.“

Die Schleck Brüder, und da insbesondere Andy, waren mein Tipp. Nein, meine Leser müssen sich keine Gedanken über etwaige finanzielle Verluste meinerseits Gedanken machen. Ich habe noch nie den Toursieger bei einem Buchmacher gewettet. Auch zu Zeiten von Tourdominator Lance Armstrong nicht. So eine Höllentour hat etliche Unwägbarkeiten, ein kleiner Sturz, ein Hungerast oder eine Unaufmerksamkeit im falschen Moment und der Tipp ist hin. Wer hätte denn vor der Tour 2011 gedacht, dass Andreas Klöden nicht bis nach Paris durchkommt? Da setzte ich doch demnächst lieber auf den Meisterschaftssieg von Bayern München in der Bundesligasaison 2011/2012. Eine sichere Bank. 

Doch zurück zu Cadel Evans. 2007 und 2008 war der Radsportcrack bereits jeweils zweiter der Tour. 2009 wurde Evans Straßenradweltmeister. Der heute 34-Jährige wechselte erst im Jahr 2001 so richtig in den Straßenradsport. Vorher fuhr der Australier intensiv Mountainbike. Angesichts seines Toursiegs bei der Frankreichrundfahrt 2011 darf auch über den Eintrag zum Thema Fahrertypus bei Wikipedia geschmunzelt werden:

,,Cadel Evans ist ein relativ typischer Allrounder. Er ist ein guter Zeitfahrer, insbesondere auf schwierigem Terrain, sowie ein guter Kletterer an gleichmäßigen, langen Anstiegen. Seine Schwächen sind, dass er Tempowechsel am Berg nicht gut mitgehen und er auch für einen Rundfahrer nicht gut sprinten kann. Zudem fährt er sehr defensiv und greift selten selbst an. Seine Stärke ist, dass er sehr konstant fährt und somit eher selten in den hinteren Rängen zu finden ist.“

Cadel Evans war alles andere wie defensiv. Er entreißt Andy Schleck das gelbe Trikot auf der vorletzten Etappe und wird der erste Australier ganz oben auf dem Podium in Paris sein. Evans hatte bis zum entscheidenden Zeitfahren den Vorsprung der Schleck Brüder nicht zu groß werden lassen, war in den Bergen wachsam und spielte seinen Trumpf in Grenoble souverän aus.