Kritisches olympisches Lexikon auf Nolympia 2018

In letzter Zeit gab es um die Bewerbung für Olympia 2018 viel PR-Gedöns. Elementare Fragen wie Was kostet Olympia 2018 den Steuerzahler? konnten dabei nicht transparent und zufriedenstellend beantwortet werden. So richtig kommt die Bewerbung auch nicht in Tritt. Der Basketballfan der Brose Baskets Bamberg, Horst Seehofer (CSU), im Hauptjob Ministerpräsident, plädierte unlängst in Garmisch-Partenkirchen für Gelassenheit im jetzigen Stadium der Olympiabewerbung 2018. Hm. Da will ich ein wenig zur Gelassenheit beitragen. Ich mag keine Nebelkerzen. Leipzig ist einst am Projekt Größenwahn gescheitert. Geht es eigentlich um den Sport? 

Ulrich Schäfer bringt es in einem längeren und bemerkenswerten Kommentar über Olympische Nöte in der Süddeutschen Zeitung recht gut auf den Punkt:

,,Aufmüpfige Bauern, Finanzierungsprobleme und ein wütender Organisations-Chef: Bei der Münchner Olympiabewerbung läuft alles schief, was schieflaufen kann. Schuld daran ist auch der Hochmut der Planer.

Wenn eine Stadt sich um die Olympischen Spiele bewirbt, geht es ihr nicht um den Sport; es geht ihr nicht um die Athleten; und es geht ihr schon gar nicht um das, was man den olympischen Geist nennt. Der Stadt geht es allein um sich selbst: um ihr Image, um ihren Ruf, ihr weltweites Ansehen. Sie will sich präsentieren und hofft auf das große Geschäft vor, während und nach den Spielen.“

Auf der Website Nolympia 2018 gibt es ein akribisch zusammengestelltes kritisches olympisches Lexikon von Dr. Wolfgang Zängl.

Kritisches Olympisches Lexikon – Sach- und Personenregister

Über Ablasshandel, Doping, Dow Chemical, Fernsehrechte, Host City Contract Vancouver 2010, IOC und Diktaturen, Ökologische Milchbubenrechnung, Ökologisches Blabla, ISL / ISMM, Kim Un Yong, Olympische Prostitution, Beispiel Paris, Planersprache, Jaques Rogge, Schneekanonen, Sotschi, Sport-Pharaonen, Sportindustrie, Schamil Tarpischtschew, Michael Vesper, White Elephants bis Wir-berechnen-alles-Institute hat Dr. Wolfgang Zängl von der Gesellschaft für ökologische Forschung e.V.   akribisch ein kritisches olympisches Lexikon zusammengetragen.

Eine unbedingte Leselektüre für jeden mündigen Bürger.

Olympia 2018 – es ist Sand im Getriebe

Ich bin diese Woche mit meiner Liebsten am Bodensee gewesen. Olympia 2018 ist da eigentlich weit weg. Ein Tag ohne Zeitung ist ein verlorener Tag. Mit Blick auf den See bei einem Yogi-Tee und  einem Stück Blaubeerkuchen geht es uns sehr gut. Kurzer Blick zu meiner Liebsten. Ich melde mich kurz ab zur Zeitungslektüre.

Beim lesen der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, den 14. Juli 2010, hatte es Münchens Olympia Bewerbung für 2018 sogar auf die Titelseite gebracht. In dicken Lettern stand da:

                     Münchens Olympia-Bewerbung in Gefahr

Hm. 1 Euro Jobber Willy Bogner hat Geldsorgen in Sachen Budget für die Bewerbung und drohte mit Rücktritt. Ist jetzt am Freitag alles Schnee von vorgestern. Doch so richtig will die Bewerbung nicht flutschen.

Auf Seite 30 in der Mittwochausgabe vom 14. Juli 2010 in der Süddeutschen Zeitung berichtet Katja Riedel unter der Überschrift Aufstand der Bauern über die Situation vor Ort.

,,Garmisch-Partenkirchen – Wer dieser Tage mit den Bauern im Oberland spricht, hört nur ein Wort: Krieg. ,,Das ist ein echter Bauernaufstand, was wir hier erleben“, sagt zum Beispiel Annemie Reindl. 6700 Quadratmeter Land sollen sie und ihre Mutter hergeben, damit Olympia 2018 nach München und auch nach Garmisch-Partenkirchen kommen kann, wo die alpinen Skiwettbewerbe ausgetragen werden sollen. 6700 Quadratmeter, die Reindl nicht hergeben wird – so wie viele betroffene Landwirte, mit denen die Süddeutsche Zeitung gesprochen hat.“

Frau Reindl spricht auch Klartext in Sachen Bewerbungsgesellschaft und Bürgermeister. 

,,Ihre Mutter und sie werden ihr Land jetzt nicht hergeben. ,,Die haben das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagt Reindl. Die Bewerbungsgesellschaft und auch der Garmischer Bürgermeister hätten Gespür vermissen lassen, dass es nicht nur um Wiesen, sondern um die Existenz und das Selbstverständnis der Landwirte gehe.“

Auf der Website NOlympia gibt es Sprüche des Tages – Mitteilungen an die Bürger in Garmisch-Partenkirchen. Tief durchatmen. Bei manchen Sprüchen stockt einem doch glatt der Atem. Meinen die genannten Ihre Sprüche ernst oder handelt es sich um Realsatire?

Der Qualitätsjournalist und Grimme Online Award Preisträger von 2009, Jens Weinreich, ist wie immer ausführlich und kompetent am Thema dran und titelt Dilettantenstadl München 2018: Bogner will mehr Steuermittel, Widerstand wächst, Bewerbung am Ende? Die Zeit zum Lesen bitte unbedingt nehmen. Der Artikel von Jens Weinreich ist Pflichtlektüre für jeden mündigen Bürger.

Ludwig Hartmann ist Abgeordneter im Bayerischen Landtag und Energie- und klimapolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen. Er hat einen Brief nach Lausanne an Herrn Jaques Rogge geschrieben. Der 68-Jährige Belgier ist Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Ludwig Hartmann hält Jaques Rogge auf dem laufenden über die Kritik an der Bewerbung ,,München + 2″  und die Initiativen der Plattform NOlympia

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Heute ein paar Häppchen abseits der großen Siegerehrungen bei den olympischen Leibesübungen.

Gorbatschow prägte einst das politische Statement: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Patrick Beckert aus Deutschland hat einen möglichen Start im Eisschnelllauf verpasst. Grund war ein nicht eingeschaltetes Handy. Vancouver 2010 – Bitter ; Handy aus, Traum zerplatzt titelt eurosport.yahoo und erzählt die Geschichte eines zu spät gekommenen und bestraften Sportlers.

Zu spät dran war auch der niederländische Trainer Gerard Kemkers. Er wies seinem Schützling Sven Kramer in der 17. Runde die Innenbahn. Dies führte zur Disqualifikation des „goldenen“ Eisschnellläufers. Die taz titelt Drama in Orange. Zerknirscht kommt der Coach zu Wort.

„Es ist meine Schuld. Ich bin verantwortlich. Ich habe Rundenzeiten notiert und als ich wieder hoch schaute, hatte ich einen Blackout und habe das falsche Kommando gegeben.“

Die SZ mit Wolfgang Görl geht mit ironischen Unterton an das Thema Begeisterung der Münchner Bevölkerung für die Olympiabewerbung 2018 ran.

,,Die Münchner sind ja von höchster Stelle aus verpflichtet worden, olympische Begeisterung zu zeigen, um der Bewerbung für die Winterspiele 2018 Schwung zu verleihen. Olympiamuffel müssen mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie nachts um drei im Bett liegen, anstatt die Short-Track-Vorläufe der Damen am Fernseher zu verfolgen. Bei den unangemeldeten Kontrollbesuchen des Kreisverwaltungsreferats sind bereits einige Sünder erwischt worden, denen jetzt ein dreijähriges Hausverbot für sämtliche Wiesnzelte droht.“

Die letzten Bewerbungen für Olympische Spiele in Deutschland waren ja keine Erfolge. Sowohl Leipzig wie Berlin fielen durch. Dabei sind auch handwerkliche Fehler gemacht worden. Insofern waren beide Städte dann im entscheidenden Moment auch zu spät dran.