Sportnation Norwegen und ein paar Anmerkungen zum Anachronismus Medaillenspiegel

Es wird doch nicht …. Erst holt sich im November 2013 Norwegen den prestigeträchtigen Schachweltmeistertitel. Schachgenie Magnus Carlsen entthronte im indischen Chennai den mehrfachen Weltmeister Viswanathan Anand. Deutschlands Schachelite glänzte bereits beim WM-Kandidatenturnier in London mit Abwesenheit. Jetzt sammeln die fleißigen Norweger auch noch eine Medaille nach der anderen in Sotschi. Die deutschen Sportfunktionäre kommen aus dem staunen gar nicht mehr heraus, ob der eigenen Solluntererfüllung in der geplanten Medaillenbilanz und der sympathischen Leichtigkeit der skandinavischen Siege.

Anachronismus Medaillenspiegel

Mit unglaublicher Kontinuität steigen norwegische Sportler auf das Medaillenpodest. Apropos Medaillen. Den Medaillenspiegel führt Norwegen auch an. Dabei ist diese Nationenwertung eigentlich ein Anachronismus. Oder? Wieso sind zum Beispiel (ich könnte zig andere Beispiele bringen) die Pay-TV Sender ARD und ZDF so auf den Medaillenspiegel fixiert? Einst im Kalten Krieg zelebrierten auch DDR Sportjournalisten den Medaillenspiegel. Erinnert sei an Heinz-Florian Oertel, Es gab Zeiten da dominierten die UdSSR und die DDR den Kampf um das Edelmetall. Die Überlegenheit des Systems sollte demonstriert werden. Okay, daraus ist nichts geworden. Doch auch die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in der Bundesrepublik zelebrieren den Medaillenspiegel. Grüßt Deutschland von Platz 1 erhebt sich die Stimme. Muss eine Systemüberlegenheit demonstriert werden? Den sozialistischen Laborversuch gibt es östlich der Elbe nicht mehr. Trotzdem wird verbittert der Nationenwertung gehuldigt. Verrückt. Als ob wir 1976, 1980 oder 1984 auf der Zeittafel hätten.

Aber wir schreiben das Jahr 2014. Ist das schielen auf die Nationenwertung überhaupt noch zeitgemäß?  Die Antwort ist ein klares Nein.

Olympia Lektüre zum Freitag

Heute ein kleiner Blick über Ländergrenzen hinweg. Es gibt auch erfolgreiche Sportler die im Personalausweis bei Staatsangehörigkeit etwas anderes wie DEUTSCH stehen haben.

In unserem Nachbarland Tschechien gibt es die 22-jährige Eisschnellläuferin Martina Sáblíková. Sie hat insgesamt drei Olympiamedaillen für ihr Land gewonnen. Andreas Rüttenauer wirft in der taz einen Blick auf die tschechische Sportheldin.

,,Ihr Trainer Petr Novák, der das Talent Sáblíkovás erkannte, als er sie, die damals 13 war, beim Rollerbladen sah, kaufte sich einen Minibus und chauffierte seinen Schützling nach Inzell oder Berlin. Dort haben die Trainer der deutschen Spitzenläuferinnen nicht schlecht gestaunt über das Pensum, das das Mädchen aus Mähren zu absolvieren hatte. Novák wurde vorgeworfen, er schinde seinen Schützling schier zu Tode. Heute wird der harte Hund verehrt in der Szene.“

Vor zwei Tagen sprach mich meine Liebste auf die Wintersportler Dänemarks an. Wieso hört man nichts von denen? Die Skandinavier haben es auf eine einzige Medaille in der Geschichte der Winterspiele gebracht. Silber in Nagano 98 im Curling. Unglaublich.

Anders die Norweger. Sie räumen in schöner Reglmäßigkeit viele Medaillen bei den olympischen Winterspielen ab. Ronny Blaschke hat sich die Wintersportnation in der taz näher angeschaut. In Kleines Land, große Wirkung erzählt er von Ursachen, Erfolgsfaktoren und Geschichte.

 Norwegen zählt gerade mal 4,8 Millionen Einwohner, aber sammelt trotzdem fleißig Medaillen bei Olympia. Wie geht das? Und warum? Ist etwa Fridtjof Nansen schuld?

Vor den einheimischen TV-Geräten wird eifrig mitgefiebert.

 Bis zu 1,5 Millionen verfolgen die Wettbewerbe in der Heimat, ein Drittel der Bevölkerung. 540 Stunden überträgt das Staatsfernsehen auf drei Kanälen, mehr als während der Sommerspiele und der Fußball-WM.

Auch für Norwegen sind Medaillen nicht für den Nulltarif zu haben. Die norwegische Regierung gibt jährlich ca. 15 Millionen Euro zur Finanzierung bei.