Tal-Memorial in Moskau geht in die Endphase

Nichts geht über eine aufregende Turniertabelle. Das Tal-Memorial in Moskau ist spannend und muß sich hinter keinem Tatort verstecken. Aronian, Mamedyarov und Wang Hao führen die Tabelle punktgleich an. Alles ist noch eng beieinander. Mamedyarov und Wang Hao treffen am heutigen Sonnabend aufeinander. Für jeden Schachspieler gibt es noch zwei volle Punkte zu gewinnen. Angesichts der Remisflut fast nicht zu glauben, dass ein Spieler seine letzten zwei Partien gewinnt. In den letzten 20 Partien in Moskau gab es 17 Remis und nur 3 Siege. Die noch ausstehenden Spielansetzungen und die aktuelle Turniertabelle gibt es bei chesstigers. Einem Sieg-Spieler wie Michail Tal wäre die Remisorgie vielleicht ein bisschen zu viel des Guten an Punkteteilungen. Auch Schachgigant Bobby Fischer war ein entschiedener Gegner von blutleeren Remis. Dabei wurden in Moskau die Remis teilweise durchaus lang und hart ausgefochten. Ein Beispiel in der 5. Runde beschrieb chessbase folgendermaßen:

,,Das längste unentschiedene Gefecht lieferten sich Alexey Shirov und Hikaru Nakamura in der Berliner Variante. Ohne dass das Gleichgewicht jemals ernsthaft gestört war, wurde die Partie fast bis zum 80. Zug weiter geführt und endete erst, als nur noch zwei Könige und ein Läufer auf dem Brett standen.“

Zur Erinnerung die Prognosen von Jan Gustafsson und mir im Hinblick auf den Turniersieger. Der deutsche Großmeister mit peppiger Website sah Aronian vorn. Mein Tipp lautete Kramnik. Schaun wir mal. 

Da wir gerade bei Gustafsson waren. Er war mit dem amtierenden deutschen Meister OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga in Eppingen zu Gast. Der vom Schachmäzen Wolfgang Grenke finanziell geförderte Schachverein kam über ein 4:4 nicht hinaus. Jan Gustafsson weiß auf seiner Kolumne auch die Erklärung:

,,Unser heutiger Wettkampf lief nicht wunschgemäß. Eppingen war stark mit acht Großmeistern, darunter fünf Ungarn, angetreten. Wir dagegen mit fünf Deutschen, das konnte ja nicht gut gehen…“

Es war ruhiger um Stefan Löffler geworden. Auf dem Blog der Schachwelt von Jörg Hickl zieht er wieder im Tempo an. Alleine am gestrigen 12.11.10 produzierte Löffler drei Beiträge. Okay, in puncto Länge hat der ehemalige Schachblogger noch Potenzial.

Zum Abschluß noch der Hinweis auf eine kleine Schachperle die Olaf Teschke auf Rank zero ausgegraben hat.

Täglich grüßt das Murmeltier

Während Stefan Löffler auf dem Blog der Schachwelt fragt: Sind wir wieder gut? und über das heutige anberaumte Treffen zwischen der Führungscrew des Deutschen Schachbundes und seiner Spitzenspieler Gustafsson, Meier, Naiditsch und Fridmann berichtet, geht es in Moskau beim Tal-Memorial weiter. Nach der Remisorgie in der 4. Runde (alle 5 Partien endeten mit einer Punkteteilung) gab es in der 5. Runde weitere 4 Remis. Will denn keiner mehr auf Sieg spielen? Zur Tabelle sei gesagt: Täglich grüßt das Murmeltier. Aronian führt weiter, Kramnik belegt momentan weiter Platz 7. Mehr Infos gibt es bei chessbase.

Inflation des Remis beim Tal-Memorial in Moskau

          Turm in der Schlacht

             © Michael Alber: Pixelio

Das Tal-Memorial wartete in der 4. Runde mit 5 Remispartien auf. Mein persönlicher Turnierfavorit Wladimir Kramnik kam bisher noch nicht so richtig in Fahrt. Platz 7 ist weder Fisch noch Fleisch. Jan Gustafsson gab ja ebenfalls seine Prognose für das Tal-Memorial ab. Sein Tipp: Levon Aronian. Sieh an, selbiger führt die Tabelle momentan auch an. Mehr dazu auch bei chessbase. Aus eigener Turniererfahrung weiß ich, selbst auf die Gefahr eines allseits bekannten Spruchs, abgerechnet wird zum Schluss.

Tal-Memorial in Moskau

Er war ein begnadeter Schachspieler. Er war 1960 Schachweltmeister. Er spielte und gewann Turnierpartien mit spektakulären Figuropfern. Er konnte auch Blindsimultan. Auch in der Retrospektive immer noch faszinierend. Die Rede ist von Michail Tal.  Am Freitag beginnt in Moskau das Tal-Memorial mit sehr hochkarätiger Besetzung.

Wer sind die Favoriten auf den Sieg? Deutschlands Schachgroßmeister Jan Gustafsson gibt auf seiner Website eine Prognose ab:

,, Die Teilnehmerliste mit Aronian, Kramnik, Grischuk, Mamedyarov, Karjakin, Eljanov, Gelfand, Shirov, Nakamura und Wang Hao spricht für sich. Außer den Nanjing-Startern ist alles dabei, was Rang und Namen hat. Meine Favoriten sind, wenig überraschend, Aronian und Kramnik. Beide waren bei ihren jüngsten Auftritten in bestechender Form, und als Mitglieder des Top 5 Clubs sind sie eh überall Favorit, wo sie antreten. Wenn ich mich festlegen müsste, würd ich sagen, Levon machts.“

Okay, Gustafsson sieht Levon Aronian vorn. Ich billige Wladimir Kramnik die etwas größere Siegchance zu. Schaun wir mal.

Hier geht es zur russischen Turnierseite.

Michail Tal war ein Schachgenie. Mein Vater hat ihn selber bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig erlebt. Er war Augenzeuge der Partie gegen Bobby Fischer. Der amerikansiche Schachgigant sagte einst über die Spielweise von Tal:

,,Wie gewinnt Tal? Er entwickelt alle seine Figuren in die Brettmitte und opfert sie dann irgendwo.“

Michail Tal war schon zu Lebzeiten eine Legende. 

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Weiterführende Artikel zu Michail Tal

Ein exzessives Genie – Weltmeister Michail Tal 

Wikipedia Michail Tal

Interview mit Zhanna, Tochter von Michail Tal, und Privatbilder aus dem Archiv der Familie Tal

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