Stuhltausch bei Hertha BSC: Lobeshymne für Skibbe …

Während der eine in Berlin nicht gehen will, wird der andere entlassen. Zu ersterer Personalie empfehle ich die Lektüre Das Märchen vom Politiker im Glück  auf sprengsatz.

Zur Entlassung vom Ex-Hertha Coach gab es offenbar kaum mehr Alternativen. Dabei bekam Michael Skibbe noch am 11. Januar 2012 in der Sport Bild von Leser Daniel Stelzenfelder folgende Lobeshymne zu lesen:

,,Michael Skibbe gehört zu den besten deutschen Trainern. Seine Tätigkeiten bei den deutschen Top-Klubs Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund sowie sein überaus erfolgreiches Auftreten in Frankfurt beweisen dies. Die Hertha-Fans sollten sich auf diesen Trainer freuen.“

Nun, Michael Skibbe zelebrierte ein klassisches Hertha 05. Es hagelte fünf Niederlagen hintereinander in Pflichtspielen und im letzten Spiel eine perfekte Choreografie mit dem 0:5 bei den schwächelnden Schwaben (man frage bei Bayern München und ihrem mühelosen Auswartssieg im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart nach). Danach griffen die branchenüblichen Mechanismen. Hilfe, wo ist das Phrasenschwein. Ich bin mit 3 Euro fällig. Herr Wontorra bitte übernehmen sie.

Der erste Arbeitstag von Ex-Hertha Trainer Skibbe war der 3. Januar 2012. Der Vertrag war bis zum Sommer 2014 datiert und komfortabel dotiert. Skibbes Reputation hat erheblich gelitten. Lobeshymnen werden nicht so schnell angestimmt werden.

Kasperletheater

Das Trainerkarussell dreht sich schneller wie gedacht. Hatte nicht gerade Ex-Eintracht Coach Michael Skibbe durch den Sieg gegen St. Pauli seinen Kopf aus der Entlassungs-Schlinge gezogen? Bums. Da wird der charismatische Christoph Daum neuer Trainer in der Bankstermetropole. Der newsticker von süddeutsche.de bringt chronologisch alle bisherigen Trainerwechsel der Saison 2010/2011. Das ich das noch erleben darf im Frühjahr 2011. So ganz leise war Daum ja nie. Er ist auch keine graue Maus. Bestes Entertainment ist garantiert. 

Auch der Wortwechsel via Medien zwischen Ralf Rangnick und Felix Magath stellt beste Unterhaltung im Sinne des klassischen Kasperletheaters dar. Wie hab ich die Vorstellungen als Kind gemocht. Ein Kasper, ein Polizist, ein Krokodil etc. Sagenhafte Dialoge mit erhobenen Zeigefinger. Die Nachmittage waren unterhaltsam.

In puncto Unterhaltung  steht der einstige Meister von 1966, der so oft auf die Tradition pochende TSV 1860 München, in nichts nach. Gut dem einen oder anderen nervt vielleicht das gejammere der Kätzchen über fehlendes Geld. Bayern Präsident Uli Hoeneß hätte dem aktuellen Zweitligisten Geld gegeben. Der SZ sagte er:

,,Wir hätten der Landesbank die acht Millionen Euro für zwei Prozent Zinsen zur Verfügung gestellt, und die Landesbank hätte das Geld dann für vier Prozent an die Löwen weiterverleihen können.“

Den Bremser soll Wirtschaftsminister Zeil (FDP) gespielt haben. Menschenskinder. Fast ein Thema für Hart aber fair. Natürlich hat Uli Hoeneß akribisch genaue wirtschaftliche Überlegungen. Ein insolventes 1860 München bedeutet das alleinige stemmen aller finanzieller Verpflichtungen in der Sportstätte an der Autobahn. 1860 in der Bayernliga hat jedoch fernab von den monetären Überlegungen auch Charme. Zumindest für Vereine wie SV Seligenporten, TSV Großbardorf, 1. FC Eintracht Bamberg, 1. FC Schweinfurt 05 oder TSV 1860 Rosenheim. Die aktuellen Bayernligisten werden sich über die Patina des Namens TSV 1860 München und des einen oder anderen zusätzlich neugierigen älteren Zuschauers sowie erhöhten Medienaufkommens freuen.