Nachdenkenswert #152

,,Es gibt weitere Aspekte, die Bauchschmerzen verursachen. Als der Amerikaner plötzlich seine unglaublichen Leistungen strampelte, jubelten ihm alle zu: Fans, Medien, Sponsoren, Veranstalter. Hinterfragt wurde wenig, zumal in der Branche die Omerta, das Schweigegelübde, funktionierte.“

Ralf Mittmann, über die einstige Radsport-Ikone Lance Armstrong, im Südkurier

Nachdenkenswert #144

,,Das Image der Schiedsrichter ist nicht berauschend. Das fängt da an, wie Trainer und Spieler die Unparteiischen kritisieren. Auch die Medien forcieren die Fehlentscheidungen. Zum Beispiel im Fernsehen: Wenn der Spieler wenige Zentimeter im Abseits stand, wird von einer klaren Abseitsposition gesprochen. Das Wort „klar“ passt überhaupt nicht. Ich würde mir wünschen, dass man respektvoller miteinander umgeht. Auch ein Journalist sollte sich einmal in die Situation hineinversetzen und selbst ein Spiel leiten. Dann wäre festzustellen, wie schwierig es ist, in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung zu treffen.“

Bastian Dankert, Sportwissenschaftler im Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern und ab der neuen Saison nach 17 Jahren an der Pfeife erstmalig Schiedsrichter in der Bundesliga, im Interview auf dfb.de

Matthias Sammer redet Klartext

Es wird frischer Wind mit der Personalie Sammer bei Bayern München einziehen. Darauf darf sich ein jeder auf seine Art freuen. Oder auch nicht. Matthias Sammer polarisiert. Er ist keiner aus der Abteilung Wohlfühl-Kuschel-Rundum Sorglos Paket-zweite und dritte Plätze sind auch gut. Vorigen Sommer lief Sammer zur Hochform auf und redete Klartext.

Duell

Werden eigentlich bereits die Koffer im Schloss gepackt? Wie wären die Medien eigentlich über den Januar gekommen ohne die Berichterstattung vom Duell eines CDU-Politikers und dem bekannten Chefredakteur!? Dabei ging es ja recht friedlich zu. Steven Spielberg legte einst 1971 mit dem Spielfilm Duell eine ganz andere Art der Auseinandersetzung zwischen zwei Männern hin. Wer den Film nicht kennt, nutzt obige Verlinkung um sich bei wikipedia schlau zu machen und hier gibt es eine visuelle Kostprobe von 10 Minuten. 

Nachdenkenswert #97

,,Ja, endlich ist es gelungen, die katholische Kirche in Leder nachzubauen. „Fifa“-Schilder säumen die Autobahnen rings um die Damen-WM-Stadien im Ruhrgebiet, und wie bei den letzten beiden Herren-Turnieren werden die öffentlich-rechtlichen Reporter die vier Buchstaben loben und preisen für mein Geld. Das Elend des Sportjournalismus in den elektronischen Medien rührt von der mafiösen Situation, dass nur berichten darf, wer nächstes Mal noch Rechte kaufen möchte. Das hat die Tour de France zu einer albernen Apothekenrundfahrt gemacht, und nun kriegt halt der Fußball die Blattern. Sollte die Marktwirtschaft ausnahmsweise mal funktionieren, gäbe es einen zweiten, besseren Fußballverband.“

   Friedrich Küppersbusch, Journalist und Borussia Dortmund Fan,

   im Interview mit der unkonventionellen taz

Nachdenkenswert #90

,,In der Lehrveranstaltung blitzt der Bulle selten auf. Bei Zielgruppen etwa. Die halte Mateschitz für überholten „Zauber aus den Sechziger-, Siebzigerjahren“. Beim Thema Innovation: „Ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung zu erfinden, ist richtig schwer“, erinnert Pirker. „Ich arbeite mit einem Menschen zusammen, der hat einmal etwas erfunden, ein neues Geschäftsfeld.“ Im Rest der Welt und als Red Bull, denn das Urgetränk hatte er ja aus Thailand.“

Red Bull Chef Dietrich Mateschitz bastelt mit Horst Pirker an Medien über die Welt von Red Bull, mehr dazu auf derStandard.at

ARD und das Gespür für Schnee

Es ist der ganz normale Wahnsinn. Wintersport-Junkies bekommen Stoff in Überdosis geliefert. An den Zitzen der  TV-Glotze können ab diesen Freitag bis Sonntag alle Gelüste auf medial aufbereitete Sportarten wie dem Skeleton, Biathlon, Skispringen, Skilanglauf, Riesenslalom oder Zweierbob befriedigt werden.  

        ARD Hauptstadtstudio

        © Jochen Sievert: Pixelio

Treffend hat es interpool.tv formuliert:

,,Ab Freitag gibt es sie wieder – die drei tollen Tage in der ARD. Sechsundzwanzig Stunden Winter’sport‘, 1560 Minuten Schnee, Eis und blitzende Kuven. Was das noch mit dem Programmauftrag zu tun hat?! NICHTS! Hauptsache die Quote stimmt.“

Ich werde zur Quote nicht beitragen. Es stehen andere Dinge auf dem Plan. Kieser Training. Kaffee einkaufen beim Kaffeeröster in Cadolzburg. Frühstücken mit Piccolo. Ein wenig in der Buchhandlung schmökern. Frische Luft einatmen. Joggen im Marienpark. Lachen mit meiner Liebsten. Spaß haben. Eine Zeit ohne Fernsehen. Ich freu mich drauf.

_____________________________________________________

Artverwandte Artikel zum Thema

Beim Biathlon verkauft sich Bier am besten in der FAZ

Die blutleeren Winterspiele bei ARD und ZDF bei Welt Online

So nah an Magdalena bei der Frankfurter Rundschau

________________________________________________

Hinz und Kunz über die Flut an Sportereignissen und die Nachrichtenströme

Hinz: Grüß Dich Kunz. Du bist ja in bester Stimmung. Da hast Du sicherlich ein offenes Ohr für meine Probleme.

Kunz: Selbstverständlich habe ich beste Laune. Du hattest 4 Wochen Urlaub. Da konnte ich mich gut von Dir erholen. Dann ist meine Vorfreude auf die London Chess Classic. Ich freu mich weiterhin auf die Aufholjagd von Bayern München und RB Leipzig in ihren jeweiligen Ligen. Hallo Kunz, jetzt hallt es erst richtig in meinen Ohren nach. Du hast Probleme? War Dein Urlaub zu kurz oder hast Du Dich mit Deiner Frau gestritten?

Hinz: Nein, Unsere Liebe ist gefestigt. Der Urlaub war auch entspannend. Es treibt mich etwas anderes. Mir macht die Flut an Meldungen und Informationen im Sport Sorgen. Normal wären wir jetzt mit einem Monatsrückblick wieder dran. Doch bei dieser Vielzahl an Ereignissen können wir doch kaum bei einer Tasse Kaffee die Dinge im Plauderton erfassen oder nachskizzieren.

Kunz: Herr Ober, bitte zwei Espresso, zwei Glas Wasser dazu und zwei Stück von dem gedeckten Apfelkuchen aus der Vitrine. Danke. Hinz komm auf den Punkt.

Hinz: Ich glaube es ist besser wir sprechen über einzelne Sportereignisse und gehen tiefer in die Analyse als uns im Monatsrückblick an der Oberfläche zu verhaken und nicht so recht vom Fleck zu kommen.

Kunz: Mensch, Hinz. Entspann Dich. Du redest ja fast wie ein ARD oder ZDF Mann mit verkrampften Blick auf die Einschaltquoten. Ich fand unsere Plaudereien mit dem jeweiligen Monatsrückblick immer sehr unterhaltsam. Aber ich will nicht schon wieder wie einst Effenberg die Dinge dominieren und den Chef raushängen lassen. Dann lassen wir in Zukunft den Monatsrückblick und gehen vereinzelt auf Sportereignisse ein. Aber jetzt entspann Dich bitte. Warte. Ich fahr den Schlepptop kurz hoch. Ich such ein wenig Entspannungsblues bei Bruder YouTube für Dich raus. Ich denke ein Blues von Engerling wäre gut für Dich. Bodag ist ein richtig relaxter Bursche. So Sehschlitz. Engerling eingeben. Ich hab einen bestimmten Titel für Dich vor meinen Augen So, Hinz entspann Dich beim Mama Wilson Blues.

Hinz: Wow. Was für ein Blues. Von wann ist die Aufnahme?

Kunz: Hinz, das war ein Auftritt vom 8. Oktober 2004. Du siehst jetzt schon viel entspannter aus.  Unser Espresso und der Kuchen kommen. Danke. Bringen Sie uns noch bitte zwei Kaffee. 

Hinz: Mir fehlte in letzter Zeit bei der Flut an monatlichen, täglichen und stündlichen Meldungen sowie überraschenden Entwicklungen auch ein wenig der Kompass.

Kunz: Du klammerst Dich einfach zu sehr an preußische Tugenden.  Lass es fließen. Es zwingt Dich doch keiner jeder Meldung oder jedem Ereignis hinterherzuhecheln. Oder jedem hochgejazzten Sportevent die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie einer guten Partie Schach.

Hinz: Schach ist ein gutes Stichwort. Sind wir auch nicht mehr zu gekommen. Wir beide. Vor einigen Monaten haben wir uns die Hand gegeben und gesagt: Wir müssen auch mal wieder Schach spielen. Habe jetzt wieder richtig Lust darauf bekommen.

Kunz: Okay, Hinz. Die Sache nehmen wir beim nächsten Besuch hier im Kaffeehaus in Angriff. Eine gemütliche Partie. Sizilianische Verteidigung.

Hinz: Ich übernehm die Rechnung.

Kunz: Feiner Zug. Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende.

Nachdenkenswert #70

,,Es ist schon komisch: Als ich und Peter Habeler damals erstmals ohne künstlichen Sauerstoff auf den Mount Everest stiegen, wurden wir von den Medien in Grund und Boden verdammt. Niemand dachte, dass das geht. Wir wurden als ehrgeizig und verantwortungslos beschimpft. Wir haben den Versuch unternommen und wollten nur herausfinden, wie weit wir ohne künstlichen Sauerstoff kommen. Wir wollten damals schon so wenig Hilfe wie möglich in Anspruch nehmen. Wir haben uns ganz oben angesehen und uns vergewissert, dass es noch weiterging, und irgendwann waren wir am Gipfel. Trotzdem blieb die Maske das Übliche. Dass sich das heute so umdreht und Sauerstoff sogar als Doping bezeichnet wird, finde ich lustig. Eine präparierte Piste und Fixseile sind übrigens die viel größere Hilfe als künstlicher Sauerstoff.“

Reinhold Messner, Bergpionier und Grenzgänger,

im Interview auf profil online