Festtage für Adidas

Herbert Hainer, Adidas Chef, war in London am Samstag auch Augenzeuge einer Partie die sich lapidar mit Adidas – Puma beschreiben ließ. Beide Firmen aus Herzogenaurach, in der Nähe Nürnbergs gelegen, liefern sich ja auch immer einen Kampf um Marktanteile, Ideen, Kostendruck, Image, Umsatz, Gewinn, die frischesten Werbeideen und daraus resultierende Kampagnen sowie die aufregende Coolness der Marke. Über Nike reden wir ein andermal. Wer heute schon etwas über den amerikanischen Sportartikelhersteller, den Global Player und einstigen Ausstatter von Borussia Dortmund lesen will dem sei noch ein Rückblick empfohlen. Stichworte: Die Stapelung von Turnschuhen bei Karstadt-Sport und die dabei fehlende sexy Ausstrahlung, die Emotionalität einer Marke, Flagship Stores, Nike Sneakers, Ethnologie unserer Konsumgesellschaft.

London war nicht der Tag der Puma Markenbotschafter

Puma stieg vor einem Jahr als Ausstatter bei Borussia Dortmund ein. Zusätzlich agieren Torwart Weidenfeller, der von Mönchengladbach abgeworbene Reus und der ehemalige Zweitliga-Trainer Klopp als Markenbotschafter für das Unternehmen mit dem Logo einer Raubkatze. Bilanz von London: Nun, Reus erzielte im Finale kein Tor und konnte Keeper Neuer mit dem Adidas Trikot nicht überwinden. Weidenfeller musste zweimal hinter sich greifen. Übungsleiter Klopp muss sich fragen lassen warum er nicht spätestens ab der 75. Minute zwei frische Spieler eingewechselt hat. Dortmund wirkte zu dem Zeitpunkt da schon wesentlich müder wie die Spieler von Bayern München. Die Kicker im Adidas Trikot bekamen die zweite Luft. Doch Klopp reagierte an der Seitenlinie nicht und ließ seine Anfangsformation fast durchspielen. Sahin und Schieber nach dem 1:2 unmittelbar vor dem Schlusspfiff zu bringen wirkte da fast wie eine Verzweiflungstat des ehemaligen Mainz Trainers. Um bei den Sportartikelherstellern zu bleiben: Puma hat nächste Woche noch ein Spiel in Berlin mit dem VfB Stuttgart vor der Brust. Gegen die Adidas Elf von Bayern München.

Adidas:  Chelsea, VfL Wolfsburg und Bayern München mit grandiosen Erfolgen

Adidas kommt dieser Tage ja gar nicht mehr aus dem Feiern heraus. Der Geschichte des erfolgreichen Sportsponsorings werden weitere Bausteine zugefügt. Erst gewinnt Chelsea London in den Leibchen mit den 3 Streifen die Europa-League. Zwischendrin über Pfingsten zeigte Adidas seine neue Segelkollektion beim Match Race Germany 2013 in Langenargen am Bodensee und spielt auch eine gute Rolle als Bootspartner. Dann feiern die Frauen vom VfL Wolfsburg im Adidas Trikot den grandiosen Sieg gegen Olympique Lyon im Finale der Champios-League und erobern damit das Triple. Kurze Zeit später dann jener Samstag am 25. Mai 2013. Die Männer von Bayern München in der Spielkleidung ihres langjährigen Ausstatters und Sponsors Aididas gewinnen ebenfalls ihr Endspiel in der Königsklasse auf dem Rasen der Kultstätte Wembley. Wie gesagt Berlin steht ja gegen den VfB Stuttgart auch noch auf dem Plan. Die Fußballer von Bayern München könnten damit ebenso wie die Frauen vom VfL Wolfsburg Geschichte schreiben.

Nachdenkenswert #3

„Irgendwann ist Nike und Adidas klar geworden, dass es nicht besonders sexy ist, wenn ihre Turnschuhe bei Karstadt-Sport gestapelt werden. Nike hat 1990 als erstes Mode-Unternehmen angefangen, Flagship Stores zu entwickeln. Es ging darum, die Produkte mit Aura zu versehen und zum Beispiel Original-Schuhe oder -Tennisschläger berühmter Sportler wie Kunstwerke auszustellen. Was wir aus dem Völkerkundemuseum kennen, passiert nun mit unserer eigenen Konsumkultur: Alltagsgegenstände werden als Reliquien präsentiert, eine Ethnologie der Konsumgesellschaft – allerdings mit spezifischen kommerziellen Interessen. Was in der alten, fordistischen Industriegesellschaft zählte, also Funktion, technische Innovation, Gebrauchswert, Preis, wird abgelöst durch Aura und kulturellen Mehrwert. Lifestyle-Accessoires wie Nike-Sneakers brauchen diese Aufladung.“

Friedrich von Borries, Architekt und Design-Theoretiker,

im  vierseitigen Interview mit Peter Laudenbach im Wirtschaftsmagazin brand eins 10/09