Deutschland möchte die olympischen Spiele! Ja, wirklich?

In diesen Tagen wird in Berlin und Hamburg mächtig getrommelt. In eigener Sache. Trotz erheblicher Probleme mit Projekten wie dem Flughafen oder der Elbphilharmonie, wird das stemmen eines vom IOC durch spezielle Vertragswerke durchaus ambitionierten Mammutprojekts wie der Bewerbung um die olympischen Sommerspiele vorangetrieben. Mit allem PR-Getöse, politischen Worthülsen und akrobatischen Verrenkungen in puncto Frage: Wer soll das alles bezahlen? Die Frage stellte sich ja auch 2013 in München.Traveler Digital Camera

Dabei brachten die Befürworter von olympischen Spielen 2022 ihr Ja für eine Bewerbung durchaus intensiv plakatiert in der bayrischen Landeshauptstadt an – gar keine Frage. Doch die Abstimmung ist heute eben nicht im Vorbeigehen mit einem Plakatwald zu gewinnen. Traveler Digital Camera

Auch am Marienplatz und den flankierenden Seitenstraßen wurde Flagge für ein Ja zu den olympischen Winterspielen 2022 gezeigt. Deine Stimme Deine Spiele. So war es zu lesen. Am Ende hat aller materieller PR-Einsatz nichts geholfen. Die Abstimmung der Bürger war eindeutig: Nein, zum intransparenten Mammutprojekt, deren Gewinne nur eine kleine Gruppe einstreicht und die Kosten der Allgemeinheit aufs Auge gedrückt werden sollen. Nachhaltiger Sportstättenbau ist ja auch immer so ein Thema. Es gab jedoch keine Lust auf Olympia-Ruinen wie in Turin.Traveler Digital CameraMünchen war jedoch in den letzten Jahren nicht der einzige  deutsche Bewerber für olympische Spiele. Der vielleicht kompetenteste Journalist in Sachen olympischer Sportpolitik und seiner handelnden Personen ist Jens Weinreich. Investigativ nähert er sich den Zusammenhängen. Dröselt versteckte Fakten auf, macht Zahlen im olympischen Bewerbungsritual sichtbar. Er ist hartnäckig und recherchestark. Auf seinem Blog wird er in den nächsten Wochen öfters auf vergangene deutsche Bewerbungen einen Blick werfen. Unter dem Titel Olympiabewerbung Berlin (2000): “Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln” merkt Grimme Online Award Preisträger, Play the Game Award Preisträger (gemeinsam mit Andrew Jennings) und Sportjournalist des Jahres 2013 (Mediummagazin)  Jens Weinreich an:

,,Beginnen möchte ich mit einem meiner Lieblingspapiere überhaupt, mit dem Bericht des Landesrechnungshofes Berlin zu Verschleuderung von öffentlichen Mitteln während der Berliner Olympiabewerbung 2000. Es wurden weitgehend unkontrolliert 51.305.684,12 DM verpulvert:

  • 40,3 Millionen aus dem Berliner Haushalt und
  • weitere elf Millionen vom Bund.

Niemand wurde zur Verantwortung gezogen.​ Diese gemäß Rechnungshof “Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln” wurde auch während der Leipziger Olympiabewerbung 2012 von Buchprüfern gerügt.”

Tief durchatmen. Der Volksmund sagt da auch gerne dazu: Das Geld zum Fenster rauswerfen.

Nun will es jenes Berlin erneut probieren. Mit dem kräftigen öffnen der Fenster und der schwungvollen Handbewegung. Oder? Der mehrfach ausgezeichnete Journalist und Blogger Jens Weinreich ist kürzlich beim ersten Bürgerforum des Senats zur Olympiabewerbung gewesen. Der Titel “Was will Berlin?”. Die PR-Branche war anwesend. Vertreter der Medien selbstredend, auch Funktionäre des Sports, Stadtplaner, Politiker etc. Jens Weinreich hat das Ganze visuell gut auf den Punkt gebracht unter dem Titel Berlins Olympiabewerbung2024: was die Bürger auf Tischdecken schreiben ….

Sportinsider Jahresrückblick 2014 (Teil 6)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, fast schneller wie Schachprofi Levon Aronian seine Ambitionen beim WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk begraben musste. Derweil gibt es in Erfurt noch Schach mit Überraschungsgästen aus der Musikbranche. ChessBase Chefredakteur André Schulz leitet seinen lesenswerten Artikel mit folgenden Worten ein:

,,Beim Erfurter Schachfestival durften die Organisatoren gestern zwei besondere Zuschauer begrüßen. Als Überraschungsgäste besuchten der Sänger Clueso und sein Kollege Udo Lindenberg das Turnier. Clueso gab gestern in seiner Heimatstadt das Abschlusskonzert seiner Hallentour, bei dem auch Udo Lindenberg mit seinem Song “Cello” einen Gastauftritt hat.”

Gelegenheit einen Blick auf das Sportjahr 2014 zurück zu werfen.

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, seit 1997 der verantwortliche Chefredakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite, gab kürzlich einen intensiven Rückblick auf die Mitgliederversammlung vom DOSB in Dresden in seinem bemerkenswerten und ausführlichen Artikel Schach bleibt förderungswürdig, sieht dabei die derzeitigen Bewerbungsaktivitäten in puncto olympische Sommerspiele in der Hauptstadt Berlin oder Hamburg nicht euphorisch sondern eher kritisch.

,,Eine Initiative, sich mit der Region München für die Olympischen Winterspiele 2022 zu bewerben, scheiterte allerdings schon im letzten Jahr am Widerstand der Bevölkerung. In einer Befragung sprachen sich über 50 % in allen beteiligten Gemeinden gegen die Bewerbung aus. Diese wurde dann auch zurückgezogen, beziehungsweise nicht eingereicht. Anscheinend glaubt man im DOSB mit einer Bewerbung um die Sommerolympiade mehr Rückhalt in der Bevölkerung zu finden. Ob man sich in Berlin und Hamburg angesichts der dort vorhandenen Bauruinen Flughafen BER und Elbphilharmonie über eine neue Großbaustelle freuen wird, ist aber eher fraglich.”

In diesem Zusammenhang darf auch auf Jens Weinreich verwiesen werden. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete investigative Sportjournalist brachte dieses Jahr sein Ebook Macht, Moneten, Marionetten: ein Wegweiser durch die olympische Parallelgesellschaft heraus.

Jens Weinreich hat dort unglaublich viele Details zusammengetragen, intensiv und akribisch recherchiert und gezeigt, dass der Journalismus in Deutschland durchaus in der Lage ist, herausragendes zu leisten. Dies ist umso bemerkenswerter da kein Verlag, kein mächtiger Verband, kein Mäzen oder Sponsor hinter Jens Weinreich steht.

Hier eine aufschlussreiche Leseprobe Liebesgrüße aus Moskau.

Doch zurück zum Schach.

Die Schachfreunde haben das Comeback von Viswanathan Anand beim WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk erlebt. Dann jenen Sieg von Deutschlands meinungsstarken Schachspitzenspieler Arkadij Naiditsch mit Schwarz gegen Magnus Carlsen bei der Schacholympiade in Norwegen. Später dann jener Fischersiegqualitäten und diese unglaubliche Besessenheit von Bobby  aufweisende und phänomenal anmutende Sieg von Shootingstar Fabiano Caruana in St. Louis, bei dem er den Schachweltmeister Carlsen deklassierte. Magnus Carlsen hatte dieses Jahr jedoch seine Konzentration komplett auf Sotschi gerichtet. Fast nebenbei nahm er jedoch im Juni in Dubai noch zwei Titel mit. Die Weltmeisterschaft im Schnellschach und im Blitzschach fügte er seiner sportlichen Vita hinzu. Doch der Titel aller Titel wurde im November ausgespielt.  Im olympischen Medienzentrum in Sotschi verteidigte er den Titel mit 6,5:4,5 gegen Herausforderer Viswanathan Anand. Alle Partien zum nachspielen gibt es hier auf wikipedia.

Der indische Ex-Champion hatte dann jedoch einen versöhnlichen Jahresabschluss in London. Ein Blick zurück zum glamourösen Abschluss der London Chess Classic 2014:

Nichts hält sich hartnäckiger wie überholte Klischees. Da wird Schach eine Randsportart genannt mit dem geduldeten Aufenthalt im Hinterzimmer einer Gastwirtschaft. Schach fehle jeglicher Glamour. Auch so eine Schubladenfertigmeinung. Ilja Schneider weiß dann sogar von einem Beispiel fehlender Etikette auf dem Schachblog von Zeit-Online unter dem Titel Im rosafarbenen Pyjama am Schachbrett zu berichten. Nein, sexy geht anders – gar keine Frage.

Doch es gibt sie noch, die glamourösen Auftritte im Schach. Es wird dort kein Pfefferminztee serviert oder die Stullen selber aus dem Rucksack geholt.

A Champagne Reception

Nein, es darf schon eine Champagner Rezeption sein. Das Personal ist entsprechend gekleidet. Der Augenblick wird zelebriert. Die Trinktemperatur wird von Gourmetkennern gerne im Bereich  zwischen 6 Grad Celsius bis 9 Grad Celsius als ideal empfohlen. Selbstredend wird auf die Details geachtet, die zu einem perfekten und glamourösen Abend gehören.

Dinner with the Masters

Das traditionelle Restaurant bietet jene Stilsicherheit und Etikette, die der sportlichen Leistung der Protagonisten angemessen ist. Im Simpson’s-in-the-Strand, einem der ältesten Londoner Restaurants, ist alles angerichtet für die Genies.

Grand dining at Simpson's-in-the-Strand

Die Schachbretter sind liebevoll mit in die Tischdekoration eingebunden worden. Die Kronleuchter strahlen glanzvoll und der vorweihnachtlichen Stimmung ist mit den grünen Bäumen, dezent festlich geschmückt, auch gedacht wurden.

Guests enjoying drinks before dinner

Guests enjoying drinks before dinner

Die Stimmung unter den entspannten Gästen ist prächtig. Erwartungsvoll wird dem Dinner in London entgegen gesehen.

Malcolm Pein with guests from Barclaycard

Vorher gerne auch noch ein Glas Champagner. Schachorganisator Malcom Pein mit modisch mutiger und auffälliger Krawatte kümmert sich dabei auch um  die Gäste von Barclaycard.

Vishy Anand

Der mehrfache Weltmeister Vishy Anand, frischgebackener Turniersieger vom London Chess Classic 2014, hat auch noch gegen Jahresende viel Freude am königlichen Spiel.

Die Fotos vom Glamour Schach Dinner, anlässlich der beendeten London Chess Classic 2014, hat Ray Morris-Hill mir wieder in altbewährter Form, dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zu seiner Website: www.rmhphoto.eu

Crowdfunding Kritik: Sportblogger Weinreich, TV-Konsument Niggemeier, Supermarktbesucher Schader und Co. wollen 900.000 Euro für Krautreporter einsammeln

Am Ende hat es ja dann doch mit einem Endspurt geklappt. Das in puncto Marketing, Verkäuferischen Fähigkeiten und Liebe zum Detail doch arg dahingeschusterte Projekt der Krautreporter Sache war starker Kritik ausgesetzt. Nach dem einwerben der Summe ist es dann eine Weile sehr ruhig um das Projekt gewesen. Gespenstisch ruhig. Jetzt soll sich etwas regen. Horizont titelt am heutigen frühen Morgen: Krautreporter starten heute – mit gedämpften Erwartungen. Okay, Gelegenheit einen Text aus dem Blog-Archiv zu holen:

Reblogg vom 19. Mai 2014

Nein, die Champagnerkorken knallten in der letzten Woche nicht durch die Wohnzimmer Deutschlands. Dazu war das mediale Interesse dann doch nicht massenkompatibel genug.Traveler Digital CameraManch einer verbrachte die Zeit auch fernab des Netzes.

Projekte können gelingen. Oder scheitern. Bei Krautreporter ist das Ende noch offen.

Es gab reihenweise Kritik am neu aufgelegten Projekt Krautreporter. Er beherscht Online-Journalismus und sieht sich eher als Autor und inhaltsstarker Blogger: Don Alphonso. Mit dem FAZ Blog Stützen der Gesellschaft beweist er seit Jahren seine Klasse. Seit Jahren hat er einen scharfen Blick auf Berliner Aktivitäten, Projekte die im Sande verlaufen und zu große Versprechen, die oft nicht eingelöst werden. Don Aplphonso nahm sich der Sache Krautreporter unter dem prägnanten Titel Gestern Werbung, heute auf dem Weg zum Praktikum in Nordkorea analytisch in gewohnt deutlicher Formulierung im privaten Blog an und hält fest:

,,Und dann ist es schon wieder so ein berlinzentriertes Metropolending. Kann man machen, wie 124.973 andere auch. Vielleicht kann man diesen Markt der die Welt mies findenden Metropolenmänner tatsächlich kommerziell nutzen, aber ich etwa lebe in Regionen, wo 60 Euro eher kein grosses Opfer wären, und denen verspricht das Projekt nichts.”

Peter Turi hob ebenfalls die Augenbrauen und titelte Alphablogger bitten zur Kasse und bemängelt die “branchentypischen Übertreibungen”.

,,Damit die Spenden reich fließen, haben die Krautreporter ein Image-Filmchen mit Musikteppich, Pathos und Parolen online gestellt – inklusive der branchentypischen Übertreibungen wie “Ich geh’ dahin, wo’s wehtut” (Jens Weinreich). Die 25 Autoren (davon nur 6 weiblich) werden mit dem sinnfreien Superlativ “25 Journalisten aus den besten Redaktionen Deutschlands” beworben.”

Okay, ich bin beim zählen auf 28 Personen gekommen. 6 Frauen und 22 Männer. An Kleinigkeiten will ich mich nicht aufhalten.

Auch der ehemalige Handelsblatt Journalist Thomas Knüwer nimmt sich der Thematik auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache an und stellt recht skeptisch fest im Hinblick auf das Gelingen des Projektes 15.000 Abos a 60,00 Euro zu verkaufen um die Projektgesamtsumme von 900.000 Euro zu stemmen:

,,Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten eine Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem “Spiegel” die Story ja schon gegeben hatte.”

Gedanken hat sich auch Daniel Bouhs auf der taz unter dem Titel Kampagnenstart mit viel Pathos gemacht und nimmt sich wie Peter Turi des Videoclips an:

,,Ein Dutzend Journalisten plant die Revolution. „Alles oder nichts“ heißt es jedenfalls in ihrem Videoclip, in dem so viel klebriges Pathos steckt, dass es davon nur so trieft.”

Der Promoauftakt der Sammelaktion von Krautreporter bekommt dann von Bouhs auch keine gute Note verpasst.

,,Und natürlich wollen sie die „Geschichten hinter den Nachrichten“ liefern. Kurzum: Ihr Promo-Material ist vor allem eines – austauschbar.”

Dabei ist ja gegen gut gemachte Promotion mit Herzblut nichts einzuwenden, eine mit Liebe zum Detail gemachte Werbung in eigener Sache durchaus sympathisch.Traveler Digital CameraDie Betonung liegt auf Herzblut und Liebe zum Detail.

Lorenz Matzat vom Datenjournalist bennent Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter Konzept enttäuscht bin und zieht das Fazit:

,,Insgesamt ist es erstaunlich, dass das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin recht schlecht vorbereitet wirkt. Weil erfahrene Personen daran beteiligt sind. Hätte sich nicht ein Best-Practice aus den Dutzenden erfolgreichen gelaufenen Fundings auf Krautreporter, geschweige denn bei Kickstarter oder eben bei De Correspondent ableiten lassen?

Trotzdem wünsche ich Krautreporter Erfolg. Aber nur weil ich die Idee gut finde – aber nicht das vorliegende Konzept.”

Martin Weigert versucht der Kritik von den verschiedenen Seiten entgegenzuwirken und schreibt bei netzwertig.com unter dem Titel Krautreporter: Über die Kraft einer positiven Sogwirkung und wie verfrühte Kritik sie verhindert. Er erinnert mich dabei ein wenig an die Dünnhäutigkeit der Bayern München Verantwortlichen nach der berechtigten Kritik  am 0:4 Debakel gegen Real Madrid. Kritik darf zu jedem Zeitpunkt erlaubt sein. Martin Weigert führt unter anderen an:

,,Was für Deutsche wie für alle anderen Nationen beim Sport selbstverständlich ist, gilt bei wirtschaftlichen Projekten nicht mehr. Für Deutsche ist ein frühzeitiges Diskutieren aller Vor- und Nachteile ein Muss. Wird ein neues, herausforderndes Vorhaben angeschoben, dann müssen sich die Initiatoren darauf einstellen, dass selbst womöglich vorhandene ehrenwerte Ziele und ein eventuelles allgemeines öffentliches Interesse an der Verwirklichung nicht vor ausgedehnten, mit negativer Tonalität untermalten Analysen schützen.”

Nein, über diese Brücke würde ich nicht gehen wollen. Klingt mir unterschwellig doch zu sehr nach geforderten Biotop inklusive Welpenschutz. Selbstverständlich dürfen Analysen kritische Bemerkungen, skeptische Sichtweisen enthalten. Die rosarote Brille muss dabei von niemanden aufgesetzt werden.

Update: Manch einem ist die zahlreich begründete Kritik an den handwerklichen Fehlern und Geburtswehen des Projektes Krautreporter gar auf das Gemüt geschlagen. Christian de Vries artikuliert auf seinem Privatblog in dem Beitrag Ihr deutsch! Ihr doof! so seine aktuelle Gemütsverfassung. Dafür ist letztendlich jeder selber verantwortlich. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Kritik wäre vielleicht in der Debatte generell ganz brauchbar.

Sport am Bodensee: Einstimmung auf die Eurobike 2014

Die Zeit bleibt nicht stehen. Vor zwei Jahren schrieb ich über die beginnende Eurobike unter dem Titel: Sport am Bodensee: 21. Eurobike mit Sabine Spitz, Andre Greipel und Danny MacAskill:

,,Nein, der einstige Tourgott Lance Armstrong wird nicht auf der 21. Eurobike in Friedrichshafen erscheinen. Vielleicht liest er gerade ein wenig in den deutschen Sportblogs der Qualitätsjournalisten Jens Weinreich

und Jonathan Sachse

In diesen Tagen strömt ja vieles auf den texanischen Velo-Jesus (Copyright by Jürgen Kalwa 9. Juli 2009) ein. Doch weltweit operierende Sponsoren wie Nike halten Lance Armstrong weiterhin die Treue.

Ein Hauch Tour de France wird es dennoch am Bodensee geben. André Greipel, 4-facher Etappensieger bei der Frankreichrundfahrt (1 x 2011, 3 x 2012) ist als prominenter Gast gemeldet. Auch die Mountainbikerin Sabine Spitz, frische Silbermedaillengewinnerin beim Cross Country in London bei den olympischen Spielen, macht der Eurobike ihre Aufwartung.”

Auch der gebräunte und relaxte Jan Ullrich stattete der Eurobike 2012 einen Besuch ab.

Dann gab es im vergangenen Sommer die Eurobike 2013. Das Wetter hat noch nicht die sonnige Komponente des letzten Jahres. Gar keine Frage. Für eine Einstimmung auf die diesjährige Radmesse in Friedrichshafen taugt vielleicht ein Blick auf die Impressionen rund um die Eurobike 2013.

Jeder der Verlinkung gefolgt? Kenne doch meine Pappenheimer. Traveler Digital Camera

Wer jedoch etwas in Eile ist, und sich auf die diesjährige Eurobike 2014 stürzen möchte, dem sei ein Blick auf das Tagesprogramm der Branchenmesse gegönnt.

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Die degradierte Reporterin des ZDF vermeldete einen tiefenentspannten Joachim Löw. KMH hatte mich schon früher bei ihrer Tätigkeit bei Antenne Bayern nicht überzeugt. Aber es gibt natürlich in Deutschland Fuballexpertise, die fundiert ist. Einer der kompetentesten Fachleute ist Trainer Baade. Er merkt an:

,,Gegen Portugal könnte eine der wenigen Niederlagen der deutschen WM-Geschichte hinzukommen, aber selbst dann würde es für die zweite Runde reichen. Im Halbfinale ist dann wieder Schluss, weil Neuer patzt, weil Boateng pennt und mit Rot vom Platz geht oder weil auch einfach schlicht der Gegner stärker ist und Jogi bei Rückstand wieder wie eingefroren an der Linie steht und seine Gehirnwindungen 25 Minuten brauchen, bis er reagiert.”

Übungsleiter Löw hat durchaus Erfahrungen mit Vorrundenniederlagen. Bei der EM 2008 setzte es eine Niederlage in Klagenfurt gegen Kroatien. Zwei Jahre später setze die deutsche Elf ihr Vorrundenspiel gegen Serbien bei der WM in Südafrika in den Sand. Auch sonst gab es in den letzten Tagen reichlich Gesprächsstoff. Sportspool.tv hat einen lesenswerten WM-Blog: “SAVE FOOTBALL, DESTROY FIFA” aufgelegt:

,,Theo Zwanziger gegen Wolfgang Niersbach. Ex- gegen amtierenden DFB-Präsident. Im deutschen Fußball geht es derzeit ordentlich rund. Und dass, obwohl die DFB-Elf noch keine einzige Minute gespielt hat. Erklärung des DFB-Präsidiums vom 14.06.2014. Deutsche Funktionäre sorgen für eine ordentliche Begleitmusik für eine Fußballweltmeisterschaft.”

Über die FIFA, Funktionär Blatter, Franz Beckenbauer, mediale Schlammschlachten, russische Verbindungen mit krimineller Energie und abgekupferten Content etc. haben wir ein bemerkenswertes Hintergrundstück von Jens Weinreich, in dem die Bild am Sonntag nicht sonderlich gut wegkommt. Unbedingt lesen.

Übungsleiter Löw greift heute in das Geschehen ein, sein ehemaliger Chef auch

Heute greift also Übungsleiter Löw mit seiner Mannschaft in das Geschehen ein. Portugal verlor 2006 im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland bei der WM in Stuttgart. Auch 2008 bei der Europameisterschaft musste die Mannschaft um Star Ronaldo eine Niederlage hinnehmen gegen die DFB-Elf. Ebenso bei der EM 2012. Doch grau ist alle Statistik und Bilanzen vergangener Spiele. Heute geht es wieder bei Null für beide Teams los. Iran gegen Nigeria hat auch eine kleine deutsche Komponente. Die iranische Mannschaft wird vom deutschen Unternehmen Uhlsport ausgestattet. Im Vorfeld gab es wegen der Trikos diverse Irritationen. Nigeria läuft in Adidas Trikots auf. Die Afrikaner haben in der Gruppe F mit den weiteren Kontrahenten Argentinien und Bosnien -Herzegowina durchaus ein Weiterkommen im Blick. Dann wäre zur geschmeidigen Uhrzeit von 24.00 Uhr auch noch das Spiel Ghana gegen USA. Boateng, Klinsmann, Vogts. Mehr deutsche Komponente geht fast gar nicht. Jürgen Klinsmann hat das Ziel, die Gruppe zu überstehen, in der ihm arteigenen selbstbewussten Art ausgegeben. Ghana scheiterte bei der letzten WM dramatisch und tragisch an Uruguay im Kampf um den Einzug in das Halbfinale. Sie wären die erste afrikanische Mannschaft gewesen, sich mit dem Einzug ins Halbfinale bei einer WM in die Geschichtsbücher einzutragen. Zu Zeiten eines Roger Milla mit Kamerun bei den grandiosen Auftritten hätte manch Fußballexperte den afrikanischen Mannschaften so ein Erfolgserlebnis durchaus früher zugetraut. Doch die Entwicklung verlief nicht problemlos. Die Probleme, politisch, infrastrukturell, materiell sowie personell, sind auf dem afrikanischen Kontinent vielfältig.

Deutschland – Portugal

Montag, 16. Juni, 18.00 Uhr, Salvador, im ARD

Iran – Nigeria

Montag, 16. Juni, 21.00 Uhr, Curitiba, im ARD

Ghana – USA

Montag, 16. Juni, 24.00 Uhr, Natal, im ARD

10 Lesehinweise zur Fußball-WM 2014

So, es kommt unaufhörlich näher. Gemeint ist das Sportereignis 2014. Weder die einst als Höllentour verfilmte Tour de France, noch die Leichtathletik-EM in Zürich im legendären Leichtathletik-Stadion Letzigrund, noch die Schachweltmeisterschaft im November zwischen Anand und Carlsen wird in der medialen Aufmerksamkeit an sie heranreichen. Die Rede ist von der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Zeit am Pfingstwochenende ein paar interessante Lesehinweise an den geneigten Fußballfreund oder Freundin zu geben.Traveler Digital Camera1. sportspool.tv mit einem Blick auf den vielleicht sympathischsten Vizeweltmeister

2. Trainer Baade mit einem Blick aller WM-Elfer in einem Elfmeterschießen

3. imlanddesfussballs mit einer Weltmeister-Umfrage unter 51 brasilianischen Sportjournalisten

4. Jens Weinreich und die äußerst sympathische FIFA-Familie mit den Valckes

5. eckesocrates mit dem Bauchspieß-Interview, Torschütze vor 140.000  Maracanã Zuschauern

6. Zeit Online mit Moritz-Müller Wirth über Bundestrainer Jürgen Klinsmann am 5. Juli 2006

7. The Wall Street Journal mit Frau Steinhilber und Herrn Dormann von Uhlsport im Interview

8. Abendzeitung-München mit den Top-Apps für die Fußballweltmeisterschaft

9. Spox blickt auf die Jobgarantie von Übungsleiter Löw

10. NZZ mit einer Reportage über Gökhan Inler und Valentin Stocker

Crowdfunding Kritk: Sportblogger Weinreich, TV-Konsument Niggemeier, Supermarktbesucher Schader und Co. wollen 900.000 Euro für Krautreporter einsammeln

Nein, die Champagnerkorken knallten in der letzten Woche nicht durch die Wohnzimmer Deutschlands. Dazu war das mediale Interesse dann doch nicht massenkompatibel genug.Traveler Digital CameraManch einer verbrachte die Zeit auch fernab des Netzes.

Projekte können gelingen. Oder scheitern. Bei Krautreporter ist das Ende noch offen.

Es gab reihenweise Kritik am neu aufgelegten Projekt Krautreporter. Er beherscht Online-Journalismus und sieht sich eher als Autor und inhaltsstarker Blogger: Don Alphonso. Mit dem FAZ Blog Stützen der Gesellschaft beweist er seit Jahren seine Klasse. Seit Jahren hat er einen scharfen Blick auf Berliner Aktivitäten, Projekte die im Sande verlaufen und zu große Versprechen, die oft nicht eingelöst werden. Don Aplphonso nahm sich der Sache Krautreporter unter dem prägnanten Titel Gestern Werbung, heute auf dem Weg zum Praktikum in Nordkorea analytisch in gewohnt deutlicher Formulierung im privaten Blog an und hält fest:

,,Und dann ist es schon wieder so ein berlinzentriertes Metropolending. Kann man machen, wie 124.973 andere auch. Vielleicht kann man diesen Markt der die Welt mies findenden Metropolenmänner tatsächlich kommerziell nutzen, aber ich etwa lebe in Regionen, wo 60 Euro eher kein grosses Opfer wären, und denen verspricht das Projekt nichts.”

Peter Turi hob ebenfalls die Augenbrauen und titelte Alphablogger bitten zur Kasse und bemängelt die “branchentypischen Übertreibungen”.

,,Damit die Spenden reich fließen, haben die Krautreporter ein Image-Filmchen mit Musikteppich, Pathos und Parolen online gestellt – inklusive der branchentypischen Übertreibungen wie “Ich geh’ dahin, wo’s wehtut” (Jens Weinreich). Die 25 Autoren (davon nur 6 weiblich) werden mit dem sinnfreien Superlativ “25 Journalisten aus den besten Redaktionen Deutschlands” beworben.”

Okay, ich bin beim zählen auf 28 Personen gekommen. 6 Frauen und 22 Männer. An Kleinigkeiten will ich mich nicht aufhalten.

Auch der ehemalige Handelsblatt Journalist Thomas Knüwer nimmt sich der Thematik auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache an und stellt recht skeptisch fest im Hinblick auf das Gelingen des Projektes 15.000 Abos a 60,00 Euro zu verkaufen um die Projektgesamtsumme von 900.000 Euro zu stemmen:

,,Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten eine Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem “Spiegel” die Story ja schon gegeben hatte.”

Gedanken hat sich auch Daniel Bouhs auf der taz unter dem Titel Kampagnenstart mit viel Pathos gemacht und nimmt sich wie Peter Turi des Videoclips an:

,,Ein Dutzend Journalisten plant die Revolution. „Alles oder nichts“ heißt es jedenfalls in ihrem Videoclip, in dem so viel klebriges Pathos steckt, dass es davon nur so trieft.”

Der Promoauftakt der Sammelaktion von Krautreporter bekommt dann von Bouhs auch keine gute Note verpasst.

,,Und natürlich wollen sie die „Geschichten hinter den Nachrichten“ liefern. Kurzum: Ihr Promo-Material ist vor allem eines – austauschbar.”

Dabei ist ja gegen gut gemachte Promotion mit Herzblut nichts einzuwenden, eine mit Liebe zum Detail gemachte Werbung in eigener Sache durchaus sympathisch.Traveler Digital CameraDie Betonung liegt auf Herzblut und Liebe zum Detail.

Lorenz Matzat vom Datenjournalist bennent Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter Konzept enttäuscht bin und zieht das Fazit:

,,Insgesamt ist es erstaunlich, dass das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin recht schlecht vorbereitet wirkt. Weil erfahrene Personen daran beteiligt sind. Hätte sich nicht ein Best-Practice aus den Dutzenden erfolgreichen gelaufenen Fundings auf Krautreporter, geschweige denn bei Kickstarter oder eben bei De Correspondent ableiten lassen?

Trotzdem wünsche ich Krautreporter Erfolg. Aber nur weil ich die Idee gut finde – aber nicht das vorliegende Konzept.”

Martin Weigert versucht der Kritik von den verschiedenen Seiten entgegenzuwirken und schreibt bei netzwertig.com unter dem Titel Krautreporter: Über die Kraft einer positiven Sogwirkung und wie verfrühte Kritik sie verhindert. Er erinnert mich dabei ein wenig an die Dünnhäutigkeit der Bayern München Verantwortlichen nach der berechtigten Kritik  am 0:4 Debakel gegen Real Madrid. Kritik darf zu jedem Zeitpunkt erlaubt sein. Martin Weigert führt unter anderen an:

,,Was für Deutsche wie für alle anderen Nationen beim Sport selbstverständlich ist, gilt bei wirtschaftlichen Projekten nicht mehr. Für Deutsche ist ein frühzeitiges Diskutieren aller Vor- und Nachteile ein Muss. Wird ein neues, herausforderndes Vorhaben angeschoben, dann müssen sich die Initiatoren darauf einstellen, dass selbst womöglich vorhandene ehrenwerte Ziele und ein eventuelles allgemeines öffentliches Interesse an der Verwirklichung nicht vor ausgedehnten, mit negativer Tonalität untermalten Analysen schützen.”

Nein, über diese Brücke würde ich nicht gehen wollen. Klingt mir unterschwellig doch zu sehr nach geforderten Biotop inklusive Welpenschutz. Selbstverständlich dürfen Analysen kritische Bemerkungen, skeptische Sichtweisen enthalten. Die rosarote Brille muss dabei von niemanden aufgesetzt werden.

Update: Manch einem ist die zahlreich begründete Kritik an den handwerklichen Fehlern und Geburtswehen des Projektes Krautreporter gar auf das Gemüt geschlagen. Christian de Vries artikuliert auf seinem Privatblog in dem Beitrag Ihr deutsch! Ihr doof! so seine aktuelle Gemütsverfassung. Dafür ist letztendlich jeder selber verantwortlich. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Kritik wäre vielleicht in der Debatte generell ganz brauchbar.