Schach: Eine bewusste Sendepause

Schachfreunde werden sich gewundert haben, ob der Vernachlässigung des königlichen Spiels hier. Ich bin jedoch immer noch knatschig. Das die FIDE den geplanten WM-Kampf 2012 in London nicht ermöglichte ist unverzeihlich.

Ich bin nicht nachtragend, jedoch vergesse ich nichts. Meine persönlichen Sympathiewerte der FIDE sind seitdem stark hinter denen der FIFA gerutscht. Apropos Zürich, dem Sitz des Weltfußballverbands, nach meinem Umzug an den Bodensee bin ich per Zugverbindung ab Friedrichshafen nur noch 90 Minuten Bahnfahrt vom Blatter Stammsitz entfernt. Auch nicht schlecht. Zurück zum Schach. Ich werde meine Knatschigkeit in Hinsicht auf die FIDE schon irgendwann etwas mildern.

Was macht eigentlich Jan Gustafsson? Er powert weiter auf seiner Website. Im August ist er dann 1 Jahr online mit seiner bebilderten und textlich fein verarbeiteten Kolumne. Der deutsche Schachgroßmeister hat sich bisher achtbar auf dem Online-Spielfeld geschlagen.

Schach-Splitter

Die schlechten Nachrichten für alle Schachfreunde sind nach zwei Monaten im Jahr 2011 eigentlich überstrapaziert. Erst platzt der Austragungsort London für den Schach-WM Kampf 2012. Meine Traurigkeit darüber ist immer noch nicht ganz überwunden.  Die FIDE oder das Spiel mit dem schwarzen Peter. Dann folgte Mitte Februar die Meldung vom Ende der Chess Classic Mainz. Schade. Sehr traurig. Die Kosten-Nutzen Rechnung führte zu einem Ende einer Ära.

            Turm in der Schlacht

              © Michael Alber: Pixelio 

Die Schachbundesliga setzte ihren Spielbetrieb munter fort und Georgios Souleidis hat fotografische Impressionen der 10. und 11. Runde in Bremen zusammengestellt.

Was macht eigentlich die fast zur Kult gewordene Kolumne von Deutschlands Schachgroßmeister Jan Gustafsson? Er titelt Zugzwang und schreibt:

,,Weiß nicht, obs aufgefallen ist, aber bin grad nicht so inder Stimmung über Schach zu schreiben, schon genug geguckt die Tage und spielen muss ichs ja morgen auch noch! Geh daher jetzt mal ins Bett, vielleicht gibts hier nächstes Mal auch wieder was mit Läufern und Springern und so.“

Vielleicht bringt der nahende Frühling auch wieder verstärkte Gustafsson Power. Er betreibt die Website mit der kontinuierlich bestückten Kolumne jetzt seit August 2010. Wir befinden uns also noch im Eröffnungsstadium. Meine Zwischenbilanz wird im August 2011 gezogen.

Websiten von Schachspielern sind keine Neuigkeit mehr. Hikaru Nakamura hat eine. Er begann ja das Jahr mit einem Paukenschlag in den Niederlanden. Mit dem Turniersieg von Wijk aan Zee setzte er eine starke Duftmarke. Auch das weibliche Geschlecht mischt im Kampf um die Aufmerksamkeit per Schachwebsite mit. Einst rümpfte Bobby Fischer über Frauenschach die Nase. Doch die Emanzipation macht beim königlichen Spiel nicht Halt. Die charmante Susan Polgar pflegt ihre Website mit Power, Fleiß, Kreativität und News. 

10 Erkenntnisse vom Tata Steel Chess 2011 in Wijk aan Zee

Die Schachuhren sind abgestellt. Die Schachbretter verstaut und die Figuren eingesammelt. Es ist wieder Ruhe in den Kultort der Schachenthusiasten eingezogen. Was brachte das Turnier im niederländischen 2400 Einwohner zählenden Dorf Wijk aan Zee 2011 an Erkenntnissen?

1. Nakamura ist in der Lage ein hochkarätiges Turnier zu gewinnen

Der Amerikaner war schon immer mit Talent gesegnet. Er spielte manch aufsehnerregende Schachpartie. Doch es gab auch Zweifel an seiner seriösen Turniergestaltung. Die eine oder andere Kamikaze Aktion war in der Vergangenheit dabei und verhinderte bessere Turnierplatzierungen. In Wijk aan Zee verlor er nur eine Partie gegen Magnus Carlsen. 

2. Mit ARD und ZDF sitzen Sie in der letzten Reihe

Die mit den Zwangsgebühren der deutschen Bevölkerung gemästeten Pay-TV Sender ARD und ZDF bestücken weiterhin nicht den Videotext mit kontinuierlichen Nachrichten von hochkarätigen Weltklasseschachturnieren. Okay, für Freunde von Sportarten wie der Disziplin – Frauen mit dem Gewehr auf dem Rücken in der Schneeloipe – gibt es weiter Infos und Bilder bis zum abwinken. Mir komme bitte keiner mit moralin-sauerer Miene und dem öffentlichen Auftrag.

3. Schachweltmeister Anand wartet auf einen großen Turniersieg

Linares 2008. Der letzte klassische Turniersieg vom Tiger von Mudras. Seiner Reputation hätte ein Sieg in Wijk aan Zee 2011 gut getan. Viswanathan Anand verlor keine Partie. Er remisierte jedoch auch 9 Spiele. Für einen Schachweltmeister ist seine Bilanz in den Weltklasseturnieren der letzten 3 Jahre unbefriedigend. 

4. Aronian ist weiter schwer in einer Turnierpartie zu schlagen

Er ist für jeden Schachspieler der Welt schwer zu spielen. Levon Aronian, Tal-Memorial Sieger 2010 und amtierender Blitzschachweltmeister, verlor in den Niederlanden keine einzige Schachpartie. Er macht kaum Fehler, spielt hochkonzentriert und ist sicherlich noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Auf seine weitere Schachkarriere darf man gespannt sein.

5. Carlsen spielt weiter zu unbeständig 

Schachgenie Magnus Carlsen ist jetzt 20 Jahre alt. Da sind Schwankungen durchaus nichts besorgniserregendes. Doch das Schachgenie wurde bereits vor 12 Monaten von zahlreichen Schachexperten wie der kommende Schachweltmeister gehandelt. Die Anzahl der verlorenen Partien stimmt nachdenklich. Auch in Wijk aan Zee verlor er zwei Spiele und damit die Chance auf den Turniersieg. Magnus Carlsen galt als Wettfavorit. Der Siegquote von 1,65, beim österreichischen Sportwettenanbieter bwin im Dezember 2010 aufgerufen, wurde er nicht gerecht. Beim Norweger wechseln mir Licht und Schatten zu oft. Einerseits zerlegte er in der 8. Runde den späteren Turniersieger Nakamura um aber gegen den Youngster im Feld, Giri, nach 22 Zügen am Ende zu sein.

6. Smeets wird trotz Unterstützung von Gustafsson nur Vorletzter

Der deutsche Schachgroßmeister Jan Gustafsson coachte Jan Smeets während des Tata Steel Chess 2011 im niederländischen Schachkultort Wijk aan Zee. Am Ende sprang für den Niederländer nur der vorletzte Tabellenplatz raus. Der deutsche Großmeister bestückte mit Leichtigkeit seine Kolumne auf seiner eigenen Website mit den Berichten vom Turnier. Doch die Platzierung von Jan Smeets kann den Sekundanten Jan Gustafsson eigentlich nicht so richtig glücklich stimmen.

7. Der 16-Jährige Giri legt eine bemerkenswerte Premiere hin

Der niederländische Shooting-Star Anish Giri war in aller Munde nach seinem spektakulären Sieg gegen Magnus Carlsen in 22 Zügen. Am Ende des Turniers gab es einen sehr beachtlichen 7. Tabellenplatz. Das war wesentlich mehr wie einst bei der Premiere des Norwegers in der A-Gruppe des Turniers von Wijk aan Zee. Doch mit den Lobeshymnen oder gar den verbalen Goldkränzen ala – Schachwunderkind – sollte man vorsichtig sein. Auf alle Fälle hat die Niederlande mit Anish Giri ein sehr hoffnungsvolles Schachtalent. Wo bleiben eigentlich die deutschen Schachtalente? Okay, ich zieh die Frage zurück.

7. Turnierberichterstattung von Chess Tigers

Chesstigers macht seit Jahren einen soliden Job. Auch vom Turnier in Wijk aan Zee bekommen sie von mir Bestnoten. Aktueller Spielplan mit entsprechender Ergebnispflege, ausführliche Berichterstattung, sehenswerte Fotostrecken, gelungene Textbeiträge. Das sie eine etwas andere Meinung zum Abschneiden von Anand wie ich haben ist doch klar. Chesstigers hat ein besonderes Verhältnis zum indischen Schachchampion. Der Schachorganisator Hans-Walter Schmitt, Vorsitzender des Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e.V., ist der Betreuer und guter Ratgeber von Anand. Beide bildeteten beim erfolgreichen WM-Schachkampf 2010 in Sofia gegen Topalov ein erfolgreiches Gespann. Doch an der langen Zeitspanne ohne klassischen Turniersieg von Anand entzünden sich naturgemäß die Diskussionen. Ein überzeugender Turniersieg ist überfällig.

8. Das kulturelle Schachmagazin Karl stimmte auf Wijk aan Zee ein

Bonuspunkte bekommt die Printausgabe vom Karl mit dem Schwerpunktthema Schach in den Niederlanden von mir. Das war eine gelungene und lesenswerte Einstimmung auf Wijk aan Zee. In gut sortierten Bahnhofsbuchhandlungen wie  Nürnberg gibt es das Heft immer noch zu kaufen. Allen Schachfreunden kann ich die Lektüre von Karl nur wärmstens empfehlen.  

9. Die Sache mit dem Sponsor und dem Namenspatronat

Der indische Konzern Tata Steel war Namensgeber für das Turnier 2011. Der komplette Turniername Tata Steel Chess 2011 Wijk aan Zee sorgte für gelungene Gymnastik der Finger an der Tastatur. Ein Sieg ihres Landsmanns Viswanathan Anand hätte dem Sponsorengagement die Krone aufgesetzt. Das Turniere in dieser Qualität durchführbar sind ist auch immer dem finanziellen Einsatz von Sponsoren geschuldet. Daher an dieser Stelle einfach ein herzliches Danke an die Macher von Tata Steel und die anderen wirtschaftlich Engagierten. 

10. Vorfreude auf 2012

Was kann einem Schachturnier besseres passieren, wie die faszinierende Vorfreunde auf die nächste Auflage 2012. Die Zeit wird bis dahin wie im Fluge vergehen. Wir werden erleben ob Anand bis dahin einen großen Turniersieg landen kann, Carlsen seine Formschwankungen in den Griff bekommt oder Aronian sich weiter als schwer schlagbar erweist. Die Entwicklung von Giri wird spannend werden. Kann Nakamura weitere Turniersiege erzielen? Und, und … Auf ein Neues! 

Eine Frage des Geschmacks

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Oder auch nicht. Der Auftritt der Berufsschachspieler in puncto Kleidung ist sicherlich diskutabel. Bei den Fotos von Eric van Reem vom Tata Steel Chess 2011 in Wijk aan Zee auf chesstigers gibt es einige modische Sünden.  Wir reden hier nicht von einem Amateur Open. Sehnsüchtig schau ich zurück. Was waren das noch für Zeiten als Schachspieler wie Bobby Fischer mit Anzug und Krawatte spielten. Das hatte Klasse. Das war Stil.

Jan Gustafsson, Schachgroßmeister und Blogger, hat  sich vor Ort den Sekundanten von Anand zur Brust genommen und ein Kurzinterview geführt.

,,Kommen wir zum Weltmeister. Ich führe mal schnell ein tiefsinniges Interview mit seinem Sekundanten:

Ich: Herr Nielsen, wie läuft das Turnier für Vishy Anand bisher aus ihrer Sicht?

PHN: Naja, er führt, das ist schon mal gut. Im Ernst, ich bin sehr zufrieden mit seinem Spiel und seiner Performance bisher.“

Mehr davon gibt es auf der fast schon legendären Website von Jan Gustafsson zu lesen und zu sehen. Übrigens auch mit einem Schnappschuss von Anish Giri in arteigener Freizeitkleidung.

Die Führung büsste Anand am Freitag allerdings ein. Nakamura führt beim Tata Steel Chess 2011 zwei Runden vor Ultimo. 

Viswanathan Anand ist mit einem großen Turniersieg überfällig

Der eine oder andere Leser wird sich gewundert haben bei der Sicht von Stefan Löffler und mir auf den Schachspieler des Jahres 2010.

Viswanathan Anand verteidigte 2010 den Schachweltmeistertitel. Doch das Publikum will von einem Champion auch Siegqualitäten bei einem großen Turnier und den indischen Schachprofi vorne sehen. Da hatte Anand nichts im Köcher. Sein letzter Sieg bei einem klassischen Turnier datiert von Linares 2008. Beim Tata Steel Chess 2011 Tournament in Wijk aan Zee ist er jetzt eigentlich überfällig. Der Start war gelungen. Zusammen mit dem amerikanischen Spitzenspieler Hikaru Nakamura kam er mit 3 aus 4 am besten aus den Startlöchern.

Bobby Fischer warf den sowjetischen Schachweltmeistern immer vor, sie würden sich zwischen den Titelkämpfen verstecken. Würde er heute dem amtierenden Weltmeister Anand ähnliches vorwerfen? Nun, Anand betreibt sicher kein Versteckspiel. Im alten Jahr stellte er sich im Dezember auch in der englischen Metropole beim London Chess Classic 2010. Jetzt spielt er das Traditionsturnier in Wijk aan Zee. Mit einem Turniersieg würde Anand auch etwas für die eigene Reputation tun. 

Jan Gustafsson ist auch vor Ort. Der deutsche Großmeister berichtet vom bemerkenswerten Essen und attestiert in seiner fast schon zum Kult gewordenen Kolumne dem Veranstalter Bestnoten. Er erzählt im bewährten Plauderton auch vom unterhaltsamen Anand und bestem indischen Feeling:

,,Das Dinner war Klasse, Wijk aan Zee setzt in allen Bereichen Maßstäbe, und das seit Jahrzenten. Vishy Anand, den sie hier neuerdings „Mr. Tata Steel“ nennen, hielt eine unterhaltsame Rede, anschließend waren die Tata-Jungs am Zug.“

Jörg Hickl hat auf der Schachwelt sehenswerte Fotos aus Wijk aan Zee von Joachim Schulze eingestellt. Hier geht es zu den bemerkenswerten Aufnahmen rund um das legendäre Turnier im 2400 Einwohner zählenden niederländischen Dorf.

Zeit der Bilanzen

Das Jahr neigt sich dem Ende. Da wird von dem einen oder anderen auch Bilanz gezogen. Don Dahlmann gibt auf seinem Racingblog in gewohnt ausführlicher und tiefer Analyse einen Rückblick auf die Formel 1 Saison.  Er zieht ein zweiteiliges Fazit: Im Teil 1 nahm er die Fahrer unter die Lupe und im Teil 2 die Teams.  

Rotebrauseblogger zieht eine ausführliche und interessante Zwischenbilanz beim spannendsten Fußballprojekt Deutschlands. Er sieht mehr  Schatten wie Licht.  Ein Nichtaufstieg wäre eine ärgerliche Zeitverzögerung für Red Bull und seine ehrgeizigen Ziele mit RB Leipzig in die Bundesliga zu kommen. Ich persönlich sehe die Verfolgungsjagd in der Rückrunde durchaus nicht chancenlos.

Die Leipziger Volkszeitung zieht unter dem Titel Medaillenregen und Vettel-Mania – das Sportjahr 2010 im Rückblick eine Bilanz. Es fehlen auch nicht Bayern München, Golfspieler Martin Kaymer oder Claudia Pechstein beim Blick in den Rückspiegel des ablaufenden Jahres.

Deutschlands smartester Schachgroßmeister, Jan Gustafsson, gibt einen persönlichen Rückblick auf sein Schachjahr. Seine Kolumne hat inzwischen fast Kultstatus erreicht. Selbstkritisch fasst er sich bei seiner Bilanz für 2010 jedoch auch an die eigene Nase.

Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 in Moskau

Heute fällt die Entscheidung bei der Blitz-WM 2010 in der russischen Metropole Moskau. Die aktuelle Tabelle sieht Tal-Memorial Sieger Levon Aronian vorn. Der norwegische Medienstar und Titelverteidiger Magnus Carlsen belegt momentan Rang 2. Kann Carlsen in den heutigen 10 Runden die 1,5 Punkte Rückstand auf Aronian aufholen? Schaun wir mal. 

Der russische Schachverband bietet heute wieder einen Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 an. Am heutigen Donnerstag stehen die Runden 29 bis 38 auf dem Programm. Ab 11.00 Uhr ist das Live Büffet eröffnet.

Bei der Umfrage von Susan Polgar auf Ihrer Website nach dem Champion 2010 bei der Blitz-WM haben bisher 1085 Leser abgestimmt. Magnus Carlsen liegt mit 526 Stimmen weit vor Hikaru Nakamaru mit 233 Stimmen und Levon Aronian mit 168 Stimmen. Stand heute 7.30 Uhr. Ein Großteil der Leser haben ihr Votum vor dem Turnier abgegeben. Mein persönlicher Favorit hört auf den Namen Magnus Carlsen.

Wer denkt mit der Blitz-WM 2010 in Moskau wäre das Schachjahr dann gelaufen, dem sei ein Blick auf das im Dezember anstehende London Chess Classic gegönnt. Vom 8. bis 15. Dezember trifft sich dort die Schachelite mit Schachweltmeister Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik. Aus England sind unter anderen Michael Adams und Nigel Short am Start. Ein ganz feines Turnier kurz vor Weihnachten. Oh, hab ich wirklich schon das Wort Weihnachten gebraucht. Dabei haben wir heute erst den 18. November.    

Noch ein kleiner Blick auf die deutsche Schachszene. Letzten Donnerstag trafen sich ja die Spitzenspieler Gustafsson, Meier, Naiditsch und Fridman mit der Führungscrew des Deutschen Schachbundes. Die Funktionäre und Spieler haben offenbar ein Stillschweigen vereinbart. Selbst der sonst auf seiner Website so mitteilungsfreudige Jan Gustafsson hält sich dezent zurück:

,,So, Bettzeit. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zu den Gerüchten um das Treffen mit dem Deutschen Schachbund und meine Teilnahme bei „Bauer sucht Frau“ erst einmal nicht äußern werde.“

Stefan Löffler hat auf der Schachwelt getitelt: Wende geschafft und kurz über das Treffen geschrieben.  Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch nochmals an den „charmanten“ Brief von Arkadij Naiditsch im Vorfeld der Schacholympiade. Dem einen oder anderen Schachfunktionär werden sich dabei die Nackenhaare aufgestellt haben. Eine durch die Gerüchteküche brutzelnde etwaige Sperrung von Naiditsch ist offenbar vom Tisch. Zukünftig ist laut Löffler sogar die Vermarktung der Nationalmannschaft durch Arkadij Naiditsch angedacht. Man wird sehen.

Was macht eigentlich Georgios Souleidis? Nun, auf seinem eigenen Schachblog Entwicklungsvorsprung nimmt er sich liebevoll der Schachbundesliga an und hat die Gurken des Wochenendes aufbereitet.

Nach Moskau ist vor Moskau

Zielfotofinish beim Tal-Memorial in Moskau. Am Ende mußte die Wertung nach Sonneborn-Berger zu Rate gezogen werden. Chesstigers seziert den Endkampf in der Turniertabelle.

,,Das erste Kriterium bei Punktgleichheit sollte der direkte Vergleich sein, doch da die drei Spieler allesamt untereinander remisiert hatten, musste das nächste Kriterium – das so genannte „Koya-System“ – angewendet werden. Dort werden die Punkte addiert, die man gegen die Spieler erzielt hat, die im Wettbewerb 50 Prozent oder mehr erzielt haben. Aber auch dort waren alle drei Spieler absolut gleich, also musste Kriterium Nummer 3 – die Sonneborn-Berger-Wertung – bemüht werden, und diese entschied letztlich, dass Aronian und Karjakin gemeinsam das Turnier gewannen, und Mamedyarov nur der dritte Rang blieb.“

            Turm in der Schlacht

             © Michael Alber: Pixelio

Zum Nachlesen für alle Freunde der Feinwertung gibt es hier auf wikipedia die entsprechenden Erklärungen zur Sonneborn-Berger Thematik. Am Ende also teilt sich der Turnierfavorit von Jan Gustafsson, Levon Aronian, den Sieg beim Tal-Memorial mit Sergej Karjakin. Mein persönlicher Favorit Kramnik landet auf einem Platz unter ferner liefen. Soll ich den Mantel des Schweigens drüber hängen? So leicht will ich es Wladimir Kramnik dann auch wieder nicht machen. 2 Niederlagen gegen die Turniersieger und eine Reihe von Remispartien sorgten für Rang 7. Das Wort Enttäuschung trifft es ganz gut. Mit einer Prognose hatte ich jedoch den richtigen Riecher. Vor Beginn der letzten zwei Runden beim Tal-Memorial in Moskau schrieb ich hier:

,,Für jeden Schachspieler gibt es noch zwei volle Punkte zu gewinnen. Angesichts der Remisflut fast nicht zu glauben, dass ein Spieler seine letzten zwei Partien gewinnt. In den letzten 20 Partien in Moskau gab es 17 Remis und nur 3 Siege.“

Es gelang wirklich keinem Spieler in Runde 8 und 9 beide Schachpartien zu gewinnen. Kleines Trostpflaster für meine Fehlprognose mit Kramnik. Jetzt aber Deckel zu. Die Sache wird nicht mehr erwähnt.

Nach Moskau ist vor Moskau. Dem Tal-Memorial schließt sich nahtlos die Blitzschachweltmeisterschaft mit einem illustren Teilnehmerfeld in der russischen Metropole  an. Magnus Carlsen, norwegisches Wunderkind und beliebt bei den Sponsoren, tritt als Titelverteidiger an. 12 Tage vor seinem 19. Geburtstag gewann Carlsen im vergangenen Jahr vor Anand und bekam als Blitzschachweltmeister einen neuen Sponsoring Vertrag. Der Finanzdienstleister Artic Securities sah das Potenzial von Magnus Carlsen und investierte 240 000 Euro in eine auf vorerst 2 Jahre ausgelegte Sponsorpartnerschaft. Erfolg macht sexy. 

Tal-Memorial in Moskau geht in die Endphase

Nichts geht über eine aufregende Turniertabelle. Das Tal-Memorial in Moskau ist spannend und muß sich hinter keinem Tatort verstecken. Aronian, Mamedyarov und Wang Hao führen die Tabelle punktgleich an. Alles ist noch eng beieinander. Mamedyarov und Wang Hao treffen am heutigen Sonnabend aufeinander. Für jeden Schachspieler gibt es noch zwei volle Punkte zu gewinnen. Angesichts der Remisflut fast nicht zu glauben, dass ein Spieler seine letzten zwei Partien gewinnt. In den letzten 20 Partien in Moskau gab es 17 Remis und nur 3 Siege. Die noch ausstehenden Spielansetzungen und die aktuelle Turniertabelle gibt es bei chesstigers. Einem Sieg-Spieler wie Michail Tal wäre die Remisorgie vielleicht ein bisschen zu viel des Guten an Punkteteilungen. Auch Schachgigant Bobby Fischer war ein entschiedener Gegner von blutleeren Remis. Dabei wurden in Moskau die Remis teilweise durchaus lang und hart ausgefochten. Ein Beispiel in der 5. Runde beschrieb chessbase folgendermaßen:

,,Das längste unentschiedene Gefecht lieferten sich Alexey Shirov und Hikaru Nakamura in der Berliner Variante. Ohne dass das Gleichgewicht jemals ernsthaft gestört war, wurde die Partie fast bis zum 80. Zug weiter geführt und endete erst, als nur noch zwei Könige und ein Läufer auf dem Brett standen.“

Zur Erinnerung die Prognosen von Jan Gustafsson und mir im Hinblick auf den Turniersieger. Der deutsche Großmeister mit peppiger Website sah Aronian vorn. Mein Tipp lautete Kramnik. Schaun wir mal. 

Da wir gerade bei Gustafsson waren. Er war mit dem amtierenden deutschen Meister OSG Baden-Baden in der Schachbundesliga in Eppingen zu Gast. Der vom Schachmäzen Wolfgang Grenke finanziell geförderte Schachverein kam über ein 4:4 nicht hinaus. Jan Gustafsson weiß auf seiner Kolumne auch die Erklärung:

,,Unser heutiger Wettkampf lief nicht wunschgemäß. Eppingen war stark mit acht Großmeistern, darunter fünf Ungarn, angetreten. Wir dagegen mit fünf Deutschen, das konnte ja nicht gut gehen…“

Es war ruhiger um Stefan Löffler geworden. Auf dem Blog der Schachwelt von Jörg Hickl zieht er wieder im Tempo an. Alleine am gestrigen 12.11.10 produzierte Löffler drei Beiträge. Okay, in puncto Länge hat der ehemalige Schachblogger noch Potenzial.

Zum Abschluß noch der Hinweis auf eine kleine Schachperle die Olaf Teschke auf Rank zero ausgegraben hat.

Jan Gustafsson bestückt seinen Online-Auftritt kontinuierlich

Es soll ja Skeptiker gegeben haben. Berufsschachspieler und eine eigene Website mit kontinuierlicher gefüllter Kolumne? Permanenter Content an Wort und Bild? Es war ein Grundrauschen zu vernehmen. Das hält er doch nicht lange durch. Damit lassen sich keine Sponsoren gewinnen. Er bekommt dadurch keine höheren Schachhonorare etc. unkte es aus der einen oder anderen Ecke.

              vater und sohn

              © Mario Heinemann: Pixelio 

Nun, bisher hält Jan Gustafsson sehr gut durch. In seiner unnachahmlichen Art lässt er die Schachfreunde auf seiner aktuellen Kolumne unter dem Titel Ruhetag war gestern wissen:

,,Kennt ihr das Gefühl, stocknüchtern zu sein, sich aber aufgrund ungesunden Schlafmanagements absolut nicht so zu fühlen? Scheint mir jedenfalls ein guter Zustand zu sein, um tiefsinnige Schachkommentare zu verfassen.“

Jan Gustafsson powert seit Wochen. Erst coacht er Ivan Salgado Lopez bei der spanischen Meisterschaft. Dann die Flugreise mit den Thermosachen nach Sibirien. Honorartrainer von Dänemarks Männermannschaft bei der Schacholympiade in Khanty Mansijsk. Ehrenamtlicher Auftritt mit Arkadij Naiditsch am Goethe-Gymnasium in Gaggenau . Schachbundesliga mit der OSG Baden-Baden. Eigenes Tippspiel zur Bundesliga auf 64 Feldern. Immer füllt er seine Kolumne. Mein Kompliment. 

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