Geht Umweltschutz und Olympia eigentlich zusammen?

Wer sich ohne ideologisch vorbelastete Brille die Fotos auf der Website von Nolympia anschaut muss die Frage: Geht Umweltschutz und Olympia eigentlich zusammen? an sich verneinen. Große Mega-Events bedeuten immer einen Eingriff in die Natur. Da hilft auch kein PR-Trommelwirbel, das zünden von Nebelkerzen etc. Sportjournalist Daniel Drepper hat sich dem Thema Das Umweltkonzept von München 2018 im Original angenommen und beleuchtet die Situation mit gesunden Menschenverstand.

Ich bin ja ein Sportfreak und kann mir natürlich Spiele in Deutschland vorstellen. Was sollen sie eigentlich bei den Südkoreanern? So egoistisch und wahrscheinlich wenig mitfühlend für die bereits mit Bewerbungen gescheiterte „Biathlonhochburg“ Pyeongchang bin ich da auch. Was mich jedoch nervt, wenn mir jemand die Taschen vollhauen will. Wir kennen alle die Schlagworte sanfter Tourismus aus der Reisebranche. Olympia ist in erster Linie eine monetäre Veranstaltung. Siehe dazu auch die Vertragsgestaltung des IOC.

Also komme mir bitte keiner mit moralinsauer Miene und erzähle mir die Geschichte vom Umweltschutz und Olympia. Die Gesellschaft für ökologische Forschung hat am Beispiel der Ausbauten von Kandahar in Garmisch-Partenkirchen für die Ski-WM 2011 eindrucksvolle Argumente und Fotos von der eigentlichen Unvereinbarkeit von Umweltschutz und Mega-Events im Wintersport zusammengestellt. 

________________________________________________________

Artverwandte Artikel zum Thema 

Bund Naturschutz in Bayern e.V. mit

Der künstliche Winter – Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel: Salto Mortale in die Vergangenheit

Ludwig Hartmann, Mitglied des Bayerischen Landtags, mit 

NOlympia Presseschau für Februar 2011

und

Brief um Gesprächstermin im März 2011 an Gunilla Lindberg, Vorsitzende der Evaluierungskommission des IOC

Jens Weinreich, Sportjournalist und Blogger, mit

Bürgerbegehren gegen Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen

___________________________________________________

 

Was kostet Olympia München 2018 den Steuerzahler?

Bei der jetzigen Olympiabewerbung für München 2018 sprach Oberbürgermeister Ude (SPD) unlängst im Interview mit der taz von Widerstände sind ein Medienprodukt.

Das Mitglied des bayerischen Landtags, Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen), hat sich der Frage nach den Kosten angenommen.

Auf seiner Homepage teilt er seine Anfrage an die Staatsregierung mit. Hier seine 8 Fragen zur Finanzierung des  Olympiaevents in München, Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau und Schönau am Königssee.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Staatsregierung:

  1. Wann kann mit den entsprechenden Zahlen für die Olympiabewerbung 2018 gerechnet werden? Werden diese Beträge veröffentlicht? Falls ja, wann?
  2. Ist der Staatsregierung bekannt, dass neben der candidature acceptance fee in der Höhe von US $ 150.000,–, eine weitere nicht rückzahlbare Leistung von US $ 500.000,– zu erbringen ist, falls München in den Rang einer Candidate City aufrückt, auch wenn München den Zuschlag nicht erhält? Wird dieser Betrag durch die Bewerbungsgesellschaft beglichen? (laut 2018 CANDIDATURE ACCEPTANCE PROCEDURE; 1.3.5 Payment of candidature acceptance fee; Herausgeber: IOC)
  3. Welcher international anerkannte und unabhängige Wirtschaftsprüfer wurde entsprechend den IOC-Vorschriften (laut 2018 CANDIDATURE ACCEPTANCE PROCEDURE; Rules of conduct applicable to all cities wishing to organise the Olympic Games; Article 3 „Audit“, Herausgeber: IOC) unmittelbar nach Bekanntgabe der Bewerbung ernannt, um dem IOC bis zur Beendigung der Bewerbung genau beschriebene Informationen zu liefern? Wird die Staatsregierung bereit sein diese der Bewerbungsgesellschaft und damit dem Aufsichtsrat zugehenden Berichte, auch jeweils dem Landtag und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen?
  4. Wird die Staatsregierung eine unabhängige, begleitende Kontrollinstanz für die Einhaltung des Bewerbungsbudgets einrichten? Hat die Staatsregierung nach einer etwaigen erfolgreichen Bewerbung Münchens vor, eine begleitende Kontrollinstanz für die Investitionsvorhaben einzurichten?
  5. Ist der Staatsregierung bekannt, dass Investitionen in alle Sportstätten, sowie Investitionen in die Medienzentren, die Olympischen Dörfer, u.a., nicht aus dem Budget des OCOG, bezahlt werden dürfen? (laut 2018 CANDIDATURE ACCEPTANCE PROCEDURE; Part 2, III-Finance, Punkte 8+9; Herausgeber: IOC) Plant die Staatsregierung diese Ausgaben komplett aus Mitteln der öffentlichen Hand zu begleichen? Falls nein, steht die öffentliche Hand für nicht eingeplante Mehrkosten bei privat oder teilweise privat finanzierten Investitionen gerade? 
  6. Gibt es bereits Vereinbarungen über die Aufteilung der unter Frage 5 benannten, durch Steuergelder zu finanzierenden Kosten der Öffentlichen Hand, zwischen den beteiligten Kommunen, dem Freistaat und dem Bund? Falls nein, bis wann werden solche Vereinbarungen angestrebt?
  7. Wie hoch sind die Kosten für die Aufbringung des Gesellschafterkapitals der Bewerbungsgesellschaft München 2018, die Errichtung der Sportstätten, der Olympischen Dörfer, der Medienzentren, aller sonstigen Investitionen in die Sportinfrastruktur, der Investitionen in die Verkehrsstruktur, der Investitionen in den Umweltschutz, der Investitionen in alle sonstigen olympiabedingten Maßnahmen, sowie die Kosten für den Zinsendienst? In welcher Höhe sind diese benannten Kosten vom Freistaat Bayern zu tragen?
  8. In welcher Höhe werden die vom IOC für Fernsehrechte und TOP-Sponsoren vereinbarten Beiträge an die Veranstalter geleistet, falls die Spiele 2018 wegen Krieg, Aufruhr, Terror, Epidemien, Wetterkatastrophen etc. nicht abgehalten werden können? Welcher Schaden kann im schlimmsten Fall maximal für die Veranstalter und damit für den Freistaat entstehen?

Um Beantwortung gemäß Geschäftsordnung und Drucklegung wird gebeten.

Bisher liegen noch keine Antworten der Staatsregierung vor.

Nicht nur Ludwig Hartmann ist an einer Antwort interessiert. Olympische Spiele werden nicht im luftleeren Raum finanziert. Die eine oder andere Stadt hat sich in der Vergangenheit bereits bei der Bewerbung bzw. der Ausrichtung der olympischen Spiele verhoben. Städte wie Montreal (Ausrichter der Sommerspiele 1976) zahlten den Schuldendienst über 30 Jahre ab. Mit „Städte wie Montreal zahlten“ ist jedoch immer der Bürger mit seinem Steuergeld gemeint. Der Griff in die Taschen geht da zuweilen sehr tief. 

Geldboerse

 © Ernst Rose: Pixelio

Was kostet Olympia München 2018 den Steuerzahler?

Diese Frage hat noch keiner befriedigend, transparent und im Klartext beantwortet.

____________________________________________________________

Artverwandte Artikel zum Thema

Olympia München 2018

NOlympia 2018: 18 Gründe gegen die Olympiabewerbung

Bisherige Erfahrungen mit Olympischen Winterspielen

Dr. No und der Marktstalinismus

Olympia Lektüre für den mündigen Bürger

Olympische Spiele, für immer in der Schweiz

Bewerbung gibt sich grünen Anstrich

Willy Bogner und der Ein-Euro-Olympiajob 

_____________________________________________________

Einstimmung auf Vancouver

Ein paar kleine Häppchen zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver. Die Schattenseiten der Spiele werden ja gerne verschwiegen und heruntergespielt. Markus Völker verweist in der taz im Artikel Dr. No und der Marktstalinismus auf die finanzielle Erblast von Montreal. 1976 richtete die kanadische Metropole die Olympischen Sommerspiele aus. Die finanziellen Folgen waren hart.

,,Erst im Jahre 2006 wurden die Schulden von umgerechnet einer Milliarde Euro abbezahlt, die im Zuge der Sommerspiele von 1976 angehäuft worden waren.“

Auch Vancouver hat keine rosige Blütenzeit zu erwarten. Die normalen Bürger werden lange daran zu tragen haben. Völker nennt auch den Verursacher beim Namen:

,,In Vancouver werden die Schulden wohl die Summe von einer Milliarden Euro übersteigen. Das IOC ist hierbei fein raus, denn es verfährt nach dem Grundsatz: euch die Schulden, uns der Gewinn. Das Olympische Komitee sackt 20 Prozent des Gewinns ein, falls es einen geben sollte. Es lässt sich über 50 Prozent des Fernsehgeldes auszahlen und einen 7,5-Prozent-Anteil am olympischen Merchandising. Die Dummen sind die Einwohner der Provinz British Columbia und von Vancouver. Sie werden zahlen müssen, so wie es die Einwohner von Montreal einst getan haben.“

Im Artikel wird auch Christopher Shaw vorgestellt. Der Assistenzprofessor hat 8 Jahre recherchiert und die Strukturen des IOC studiert und analysiert. Sein Blick ging auch zu den anderen Austragungsstätten und den Folgen nach Beendigung der Spielzeit. Shaw ist erklärter Gegner des olympischen Kommerz. Der Anti-Olympia-Aktivist hat von den Medien den Beinamen Dr. No bekommen. Der 59-jährige kritisiert die rigiden Regeln des IOC. Den taz Artikel unbedingt lesen. Wer obige Verlinkung verpasst hat, hier nochmals der Weg zu Dr. No und die Regeln des Marktstalinismus.

Bloggende Sportler bekommen Richtlinien an die Hand

Ein Blick in die IOC Blogging Guidlines gibt interessante Einblicke. Die Offiziellen Richtlinien sollen das Bloggen der Sportler regeln. Bei Jens Weinreich gibt es Hintergründe und die deutsche Übersetzung, die der DOSB seinen Sportlern mit auf die Reise gab. Beim lesen der IOC Zeilen aus Gold stellt sich mir die Frage: Wem gehört eigentlich der Sport? Die Richtlinien sagen natürlich auch einiges über das Selbstverständnis der Organisation aus.

Obdachlose stören den makellosen Auftritt

Stefan Robert Weissenborn machte unlängst für die taz auf die Problematik der Obdachlosen in Vancouver in seinem Artikel Vancouvers dunkle Seite aufmerksam.

,,Konkrete Pläne, Obdachlose für einen makellosen Olympia-Auftritt zu verbannen – die gibt es nicht, so die offizielle Seite. Aber es gibt ein heftig umstrittenes Gesetz, das in der Provinz British Columbia kürzlich auf Treiben von Rich Coleman, Minister für Wohnungsbau und Sozialentwicklung, in Kraft gesetzt wurde: „The Assistance to Shelter Act“. Von Barmherzigkeit bis konzertierter Säuberungsaktion – so unterschiedlich sind die Interpretation. Die Polizei ist jetzt befugt, in kalten Nächten Obdachlose zu Notunterkünften zu bringen – auch gegen deren Willen.“

Der verbissene Kampf um die Nationenwertung

Bei den olympischen Spielen wird es auch wieder den wohl unvermeidlichen Medaillenspiegel geben. Einst hatten Wundersportnationen wie die Sowjetunion oder die DDR die Wertungen als Klassenkampf hochstilisiert. Sportler waren die Diplomaten im blauen Trainingsanzug. Solche und  ähnliche Sportpropaganda begleiteten die Sportler aus dem Mekka des Sports zwischen Rostock und Suhl.

Nun hat sich die Welt ja etwas verändert. Die klassischen Blöcke West und Ost gibt es faktisch seit 1990 nicht mehr. Einstige Mitgliederstaaten des Warschauer Pakts sind jetzt Mitglied der Nato.

Der unsinnige verbissene Kampf um die Nationenwertung könnte also einer entspannten Sicht weichen. Zweifel kommen da bei der Lektüre von –Staatliche Raketenbauanstalt– auf. Markus Völker hat in der taz einen Blick  auf den Umgang von Steuergeldern bei der Jagd nach Rekorden, Medaillen und nationalen Prestige geworfen.

,,Im weißblauen Lastkraftwagen mit Suhler Kennzeichen wird er angeliefert, der Zweierbob des deutschen Piloten André Lange. Der Schlitten mit dem blauen Chassis im Wert von etwa 100.000 Euro ist direkt aus den Bergen nach Berlin gefahren worden. Auch der Viererbob der Lange-Crew stand vor den Olympischen Spielen in Vancouver noch einmal in der Werkstatt des FES, des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten.“

Das Institut gibt es seit 1961. Nach dem Bau der Mauer wurde es von der DDR eingerichtet. Aktuell lassen 20 Sportverbände ihre Geräte tunen. Sponsoren aus der freien Wirtschaft gibt es nicht. ThyssenKrupp unterstützt das Institut jedoch auch schon mal mit einer kostenneutralen Stahllegierung. Der Staat gibt jedes Jahr 4,8 Millionen Euro dazu.

,,Spitzenreiter im Friemeln und Schrauben, Schleifen und Fräsen. Das Sporttuning ist nicht billig.“

Wettkampfkalender Vancouver 2010

Wollen wir zum eigentlichen Sport und den Wettkämpfen kommen. Es sind schon unzählige Vorschauberichte geschrieben und gesprochen worden. Ebenso vernahm das Sportpublikum artikulierte Medaillenhoffnungen. Auch Wetter war ein Dauerthema in den letzten Tagen. Wie sieht denn eigentlich der Terminplan aus?

Hier geht es zum Wettkampfkalender Vancouver 2010 des DOSB.

Den TV-Zeitplan zum Ausdrucken gibt es auf der Hörzu Seite.

Wie präsentieren sich denn unsere Sportler auf ihren elektronischen Visitenkarten? Hier einige Beispiele:

Magdalena Neuner   Anni Friesinger   Michael Greis   Michael Uhrmann

Hier noch zum Vergleich einige internationale Seiten

Die Damen Lindsey Vonn und Joannie Rochette  

und die Herren Ole Einar Björndalen  sowie  Gregor Schlierenzauer

Die unendliche Geschichte des Dopings

12 Tage vor Beginn des Wintersportfests hatte der Verkünder unangenehmer Wahrheiten, Prof. Werner Franke, seinen 70. Geburtstag. Der Molekularbiologe und Dopingjäger wurde in verschiedenen Zeitungen auch zu Olympia in Vancouver befragt. In den Nürnberger Nachrichten gab es einen klaren Standpunkt vom Dopingfahnder.

,,Ich gehe davon aus, dass in den Ausdauerwettbewerben die Mehrzahl der Spitzenathleten gedopt ist.“ 

Zu den 2500 Kontrollen der Spiele hat er auch eine eigene Meinung:

,,Das ist alles Mumpitz. Wer dahin reist und erwischt wird, muss aus Doofmannshausen kommen. Es wird einfach zu unintelligent getestet.“

Für Interessierte am Thema gibt es auf cycling4fans entsprechende Buchtitel zur Auseinandersetzung, Vertiefung und Weiterbildung mit dem unappetitlichen Doping.

Meine Meinung zu Doping ist eindeutig. Doping ist bullshit. Das ist umgangssprachlich sicherlich nicht kompatibel für den diplomatischen Dienst im Außenministerium oder auch im Sportministerium. Der österreichische Sportminister Norbert Darabos hat es so formuliert:

,,Wer dopt betrügt. Der Sportler verschafft sich nicht nur einen unrechtmäßigen Vorteil im sportlichen Wettkampf, sondern auch, indem er Prämien, Sponsoren- und Preisgelder erhält.“

_____________________________________________________

Weiterführende Links zum Thema

Es bleibt alles in der Familie

Einkaufstour mit versteckter Kamera

Olympische Charta

Doping in ARD und ZDF – Muskelspiele im Schnee

_____________________________________________________