Presseschau zur Handball EM 2010

Frankreich ist Europameister im Handball 2010. Nach dem Olympiasieg in Peking und dem Weltmeistertitel von Zagreb holte sich die zur Zeit beste Handballsieben der Welt das Triple. Eine kleine Presseschau zum Erfolg der Franzosen.

RP Online titelt Handball-Großmacht Frankreich und verweist auf die Extraklasse des französischen Torhüters:

,,Thierry Omeyer machte wieder einmal den Unterschied. Der Torhüter, der beim THW Kiel unter Vertrag steht, zeigte in der zweiten Halbzeit des EM-Finales seine Klasse und stellte auch seinen Rivalen im kroatischen Tor in den Schatten. Dabei hatte Mirko Alilovic in den ersten 30 Minuten die Franzosen mit seinen Reflexen schier verzweifeln lassen.“

Zeit Online lässt Thierry Omeyer zu Wort kommen. Er realisiert langsam die historische Einmaligkeit des Gewinns aller 3 internationalen Titel auf der Ebene von Nationalmannschaften.

,,Das ist für die Ewigkeit. Das habe ich noch gar nicht richtig realisiert. Drei große Titel bei drei großen Turnieren ist einfach Wahnsinn.“

Natürlich kommt bei der Betrachtung des Finales auch der ehemalige Welthandballer Karabatic nicht zu kurz. Welt Online weist auf seine Qualitäten hin und sieht ihn als entscheidenden Garant für den Sieg:

,,In der Neuauflage des Endspiels der letztjährigen WM behielten die Franzosen vor allem dank einer starken zweiten Halbzeit erneut die Oberhand. In der Partie war der Ex-Kieler Nikola Karabatic der Matchwinner. Der frühere Welthandballer in Diensten von Montpellier HB war mit sechs Treffern wieder einmal bester Werfer seines Teams.“

Die NZZ Online flechtet Didier Dinart, Thierry Omeyer und Nikola Karabatic Lorbeerkränze. 

,,Wie bereits im WM-Final 2009, als sich Frankreich mit 24:19 gegen Kroatien durchgesetzt hatte, bildete die Defensive um den als weltbesten Verteidiger geltenden Didier Dinart die Basis zum Titel. Fanden die Osteuropäer doch einmal eine Lücke, hexte Mal für Mal der französische Torhüter Thierry Omeyer. Der Welthandballer von 2008 erreichte mit zwölf Paraden, wobei er drei Penaltys hielt, eine Abwehrquote von 38 Prozent. Vorne konnten sich die Franzosen auf Nikola Karabatic verlassen. Der im serbischen Nis geborene Aufbauer war mit sechs Toren der beste Werfer seines Teams.“

Frankreichs Team wird von Claude Onesta trainiert. Spiegel Online skizziert die Reaktion des Coachs nach dem Ende des EM Finales:

,,Beim Schlusspfiff reckte Frankreichs Trainer Claude Onesta ganz genüsslich den rechten Arm in die Luft, ließ die linke Hand lässig in der Hosentasche. Mit einem am Ende ungefährdeten 25:21-Sieg gegen Kroatien hat sich Frankreich endgültig zur alles beherrschenden Handballnation aufgeschwungen.“

Die Handballwoche erinnert daran, dass zu einem guten Finale immer zwei Mannschaften gehören und würdigt auch Kroatien.

,,Die beiden bis zum Finale ungeschlagenen Mannschaften boten ein Endspiel mit allen Attraktionen des Handballs: Die Torhüter Omeyer (Frankreich) und Mirko Alilovic (Kroatien) glänzten mit tollen Paraden, die Spielmacher Karabatic (Frankreich) und Ivano Balic (Kroatien) zauberten mit raffinierten Anspielen, und auch die Abwehrreihen blieben sich nichts schuldig.“

Handball EM 2010

Die Handball EM 2010 geht in die entscheidende Phase. Deutschland wird dabei keine Rolle spielen. Bereits in der Vorbereitung tat sich Deutschland schwer. Beim Freundschaftsspiel in Innsbruck gegen die lernenden Handballer von Österreich gab es ein knappes 30:29. Heiner Brand reklamierte später die überharte Gangart der Gastgeber. Auch die zwei Heimniederlagen gegen Island in der Vorbereitung waren nicht für den Aufbau von Selbstvertrauen geignet. Die Generalprobe gewann Deutschland gegen Brasilien mit 34:22. Doch speziell die erste Hälfte mit dem knappen Halbzeitstand von 17:14 zeigte abermals Schwachpunkte auf.

Projekt Gold war 2010 nicht zu erwarten. 2007 ist immer noch gegenwärtig.

Der Journalist Marc Hankmann äußerte sich im Interview mit mir auf die Frage – Bei welchem sportlichen Großereignis wärst Du gerne als Zuschauer dabei gewesen?- wie folgt:

,,Ich wäre gerne bei der Handball-WM 2007 als Zuschauer bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gewesen. Da ich vom Handball nicht viel verstehe und für mich als Fußballer ein 2-Tore-Rückstand schon nahezu uneinholbar ist, bin ich bei den Krimis gegen Spanien und Frankreich vor dem Fernseher tausend Tode gestorben. Bei solchen Herzschlagspielen live dabei zu sein, muss nochmal ein viel größerer Kick sein.“

Diese Herzschlagspiele konnte die sehr junge deutsche Mannschaft diesmal nicht liefern. Der Sportsender DSF wirbt immer mit der stärksten Handball-Liga der Welt. Die stärksten Nationalmannschaften der Welt kommen 2010 nicht aus Deutschland. Bundestrainer Heiner Brand zeigte sich nach der 20:25 Niederlage gegen Spanien enttäuscht ob der fehlenden kämpferischen Gegenwehr seines Teams. Im EM Tagebuch schreibt er:

,,Da war nur Olli Roggisch, der – auch wenn er manches Mal den Überblick verlor – immer in Bewegung war. Alle anderen haben nur gestanden und geguckt. Um eine gute Abwehr zu spielen, müssen aber alle sechs Spieler in Bewegung sein. Zum ersten Mal habe ich bei meinen Spielern den allerletzten Willen vermisst, einen Zweikampf zu gewinnen.“

Die Mannschaft ist im Umbruch. Jedoch schmerzen Niederlagen den ehrgeizigen Bundestrainer immer. Er wurde als Spieler 1978 in Kopenhagen Weltmeister und 2007 in Köln beim Wintermärchen coachte er seine Mannschaft zum Titel. Er mahnt seit Jahren die Misstände in der eigenen Liga an. Der deutsche Nachwuchs bekommt in den Vereinen oft fertige ausländische Spitzenspieler vor die Nase gesetzt. Jens Bierschwale schreibt hierzu auf Welt Online  in seinem Kommentar EM ist ein Imageschaden für den deutschen Handball:

,,Der Absturz des Weltmeisters von 2007 trägt dramatische Züge und zeigt, dass die Auswahl drei Jahre nach dem euphorisch gefeierten Titelgewinn im eigenen Land den Anschluss an die Großen der Branche verloren hat. Die Bundesliga rühmt sich zwar damit, stärkste Spielklasse der Welt zu sein. Doch das liegt vornehmlich an den ausländischen Ausnahmekönnern. Rekordmeister THW Kiel stellt gerade einmal einen Nationalspieler für Trainer Heiner Brand ab.“

Im November 2009 spitzte sich der Streit zwischen HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und Heiner Brand zu. Thema war, wie so oft in den vergangenen Jahren, die Ausländerbegrenzung im deutschen Handball. In den Spitzenvereinen kommen zu wenig deutsche Spieler zum Einsatz. Bohmann wünschte sich einen Dialog und keine Dauerschleife an Vorwürfen. Bundestrainer Brand in der Handballwoche:

„Ich sehe  es als Unverschämtheit an, wenn mich Herr Bohmann zum Dialog auffordert. Den suche ich seit 13 Jahren, seit ich Bundestrainer bin.“

Quo vadis deutscher Handball?

____________________________________________________________

Weiterführende Artikel zum Thema Handball

Die EM kann auch ganz schnell wieder vorbei sein – Stefan Kretzschmar im Interview mit Planet

Du musst den Naturinstinkt abstellenHenning Fritz im Interview mit spox

Das Team muss für Oleg gewinnen – Dominik Klein über den Tod von Oleg Velykys und die Nationalmannschaft mit spiegel online

Österreicher erreichen Optimum – Erik Eggers über einer der größten Sensationen der jüngeren Handballgeschichte in der taz 

Heiner Brand holt zum Rundumschlag aus – Kritik von Heiner Brand am deutschen Handballsystem nach Peking 2008 im focus

_______________________________________________________