Freundliche Schachgrüße aus Moskau

Einst nannte der Regisseur Terence Young einen James Bond Film: Liebesgrüße aus Moskau. Sean Connery spielte den smarten Mister Bond. Der Film kam 1963 in die Kinos und basierte auf dem gleichnamigen Roman von Ian Fleming.

49 Jahre später läuft in Moskau ein anderes Programm. Der Schach-WM-Kampf zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand nimmt Fahrt auf. Eric van Reem bloggt aus der russischen Metropole auf Mate in Moscow. Die 1. Partie von Schachweltmeister Anand hat er kurz, prägnant und unkonventionell  unter 11 May: Rowing through Grünfeld waters zusammengefasst. Das wäre dann fast schon wieder ein Titel für einen Bond Film.

Eric van Reem, 2. Vorsitzender der Chess Tigers findet auch noch Zeit freundliche Schachgrüße aus Moskau an mich zu senden:

   Hallo Herr Wiemer!

   Es freut mich, dass Sie den Schachblog „Mate in Moscow“ gefunden haben,
   und dass Sie auch die Berichte auf den ChessTigers Seite auf ihrem
   Sportinsider Blog erwähnt haben. Ich habe erst vor wenigen Tagen den
  „MiM“ Blog geöffnet und es macht Spaß daran zu basteln, insbesondere
  wenn man Feedback bekommt.

  Ich werde das mal als ein „weiter so“ interpretieren.

 Beste Grüße aus Moskau,

 Eric van Reem

Anand kann Topalov auch in der 10. Partie nicht besiegen

Die beiden Hauptakteure auf der Bühne von Sofia machen es spannend. Das 10. Match endete mit einem Remis nach 60 Zügen. Chesstigers merkt an:

,,Gegen Ende der Partie war es sogar Topalov, der das Remis anstreben musste und zum ersten Mal – oh Wunder – war keine dreimalige Stellungswiederholung nötig, man einigte sich, bevor der herbeieilende Schiedsrichter am Brett war, auf das Unentschieden! Beim darauf folgenden Handshake berührten sich die Hände der Kontrahenten zwar nur für den Bruchteil einer Nanosekunde, aber immerhin!“

May 03, 2010 - Sofia, Bulgaria - (100503) -- SOFIA, May 3, 2010 (Xinhua) -- World chess champion Viswanathan Anand (L) of India competes against Bulgarian chess grandmaster and former world chess champion Veselin Topalov during their seventh game of the FIDE World Chess Championship in Sofia, Bulgaria, May 3, 2010.. (Xinhua/Velko Angelov.

Freunde werden Anand und Topalov sicherlich nicht mehr in diesem Jahr, jedoch scheint mir dies bei weitem nicht vergleichbar zu sein mit dem Nicht-Verhältnis zwischen Karpow und Kortschnoi 1978 in Baguio. Das war schon sehr bizarr. Da gehen Topalov und Anand fast wie Kumpels miteinander um.

Im besagten Schach-WM-Kampf 1978 auf den Philippinen gab es einen gnadenlosen Nervenkrieg. Er hatte bleibende Spuren hinterlassen. Dies liest der neutrale Betrachter auch aus dem FAZ Interview mit Anatoli Karpow im September 2006:

,,Mit zwei anderen Schachlegenden, Garri Kasparow und Viktor Kortschnoi, haben Sie sich erbitterte Kämpfe geliefert. In Zürich trafen Sie kürzlich beide wieder. Sie teilten mit Kasparow den ersten Platz, Kortschnoi wurde Letzter. Wie reagierte er?

Nun, er ist mit 75 Jahren nicht mehr der Jüngste. Wenn er verliert, sucht er die Gründe selten bei sich, sondern meist beim Gegner. Ich könnte Ihnen viele Beispiele dafür nennen.“

So richtig Frieden hatte Karpow da mit Kortschnoi noch nicht gemacht. 28 Jahre nach dem Baguio Match.  Wer obige Ausfahrt zum Interview verpasst hat, hier geht es zum kompletten Interviewtext. Karpow nimmt Stellung zu den Dopingvorwürfen von Kortschnoi, bezeichnet Topalov im heutigen Schach als den Fighter schlechthin, spricht über seine Briefmarkensammlung und deren Verwahrung in Safes verschiedener Bankhäuser. Aufmerksame Leser wissen über die Symbiose von Fußball und Schach in meiner Kindheit und Jugend. Daher fand ich die Abschlußfrage von Dagobert Kohlmeyer an Anatoli Karpow und die offene Antwort sehr aufschlußreich:

,,Heute vertreiben Sie unter Ihrem Namen auch Schachspiele aus edlem Material, die 25.000 Dollar und mehr kosten. Wer kauft so etwas?

Es gibt genügend Interessenten. Bisweilen verschenke ich sie an berühmte Leute. In Buenos Aires war ich zu Diego Maradonas Talk- Show im dortigen Fernsehen eingeladen. Ich überreichte dem Fußballgott, der kein starker Schachspieler ist, ein wertvolles Spiel aus Elfenbein. Aber es wurde noch während der Sendung aus dem Studio gestohlen!“

Diego Maradona ist für eine Schlagzeile auch immer gut. So jetzt nochmals ein Schwenk auf das 10. Match zwischen Viswanathan Anand und Topalov. Chessbase schreibt zur gewählten Grünfeld-Verteidigung vom amtierenden Weltmeister:

,,Damit hatte Anand in der ersten Partie zwar böse Schiffbruch erlitten, aber nachdem er in der Slawischen Verteidigung zuletzt mehr und mehr unter Druck geraten war und in der 8. Partie nach langer Verteidigung in Remisstellung mit einem schlimmen Fehler verlor, kam er nun darauf zurück.“

Am Sonnabend wird in Sofia kein Schach gespielt. Offizieller Ruhetag. Zeit die Kräfte, insbesondere die Konzentration, nochmals zu bündeln. Topalov ist in seinem Sofioter Wohnzimmer nicht in der ungünstigsten psychologischen Ausgangssituation. Vor dem Wettkampf hat der 35-Jährige bulgarische Herausforderer mehrfach auf den 5-Jahres Unterschied zwischen ihm und Anand (40) hingewiesen. Ich hielt das für übertrieben und ein wenig auch für ein Psychospielchen. Anand hat in 11. Partie am Sonntag weiß und wird einen Big-Point setzen wollen. Wird Topalov gegenhalten?

Es bleibt sehr spannend.