Der Kapitän geht von Bord

Nein, heute kein Dirk Nowitzki. Es sei denn hier, hier und hier. Die Sonne wird auch morgen früh wieder im Osten aufgehen. Der Oberbürgermeister von Würzburg hat es sogar heute in die Nachrichten von Antenne Bayern geschafft. Das die Politik sich immer im Ruhm der Sportler tummeln will.

Derweil geht der Kapitän von Bord. In der deutschen Königsdisziplin Fußball. Welt Online titelt Nach Pfingsten endet die Ära Ballack in der DFB-Elf und schreibt über die Affinität von Ballack zum amerikanischen Basketball:

,,Ballack war in Miami, während seine ehemaligen Kollegen gegen Uruguay, Österreich und Aserbaidschan spielten. Er hat sich Basketballspiele angeguckt und sich am Strand gesonnt.“

Ich will und kann nicht hinter die Stirn von Übungsleiter Löw und dem ehemaligen Bayern München Fußballer und Kapitän der DFB-Elf Ballack schauen. Doch irgendwie war das ganze doch eine recht lange Hängepartie nach der WM 2010. Oder? Vielleicht hätte Michael Ballack auch von sich aus leise Servus im Herbst unmittelbar nach der WM sagen sollen. Welt Online erinnert im oben erwähnten Artikel noch einmal an die Schwingungen und Verstimmungen während Ballacks Besuch beim WM Spiel gegen Maradonas argentinische Mannschaft.

,,Als Ballack im vergangenen Sommer, sechs Wochen nach seiner Verletzung, vor dem WM-Viertelfinale ins Mannschaftsquartier reiste, kam er als Fremder. Seine einstigen „Untergebenen“ hatten sich vom ihm emanzipiert, und Philipp Lahm verkündete nicht zufällig während des Besuchs, die Kapitänsbinde nicht mehr hergeben zu wollen. Wenige Stunden später reiste der Verschmähte früher als geplant ab.“

Nun, die Karriere klingt also nicht spektakulär mit einem Titel bei der Nationalelf aus. Lahm wird die Binde weiter tragen. Auch mit dem 100. Länderspiel wird es nun wohl nichts mehr. Die Welt dreht sich jedoch für Michael Ballack weiter. Ob die Truppe von Übungsleiter Löw 2012 einen Titel erringen wird steht eh auf einem anderen Blatt. Die Art und Weise des Umgangs mit einem verdienstvollen Nationalspieler und langjährigen ehemaligen Kapitän Ballack ist zumindest gewöhnungsbedürftig.

Noch 10 Tage bis zur Fußball-WM in Südafrika

Noch 10 Tage bis zum Beginn der fußballerischen Leibesübungen in Südafrika. Wie sehen die deutschen Eliteblogger mit dem Herzblut Bayern München und fundierten Fußballsachverstand die Dinge? Ein kleiner Streifzug:

Auf Breitnigge gibt es die Sympathie für die Mannschaft mit den zwei Vizeweltmeistertiteln aus den Jahren 74 und 78. Die holländische Begründung ist für jeden Bayern München Fan eigentlich einleuchtend:

,,Ein bärenstarker Kapitän, ein Trainer, der uns nach Jahrzehnten endlich den Fußball gebracht hat, den wir zuvor immer nur bei anderen bewundern durften und ein Flügelflitzer, der in Deutschland und vielleicht auch in Europa auf der Liste der potentiellen Fußballer des Jahres weit oben stehen dürfte.“

Der Kaisergrantler sieht den Weltmeistertitel genauso weit weg wie ich.  Die unendliche Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen gibt es bei ihm in Kurzfassung:

,,Ist eigentlich irgendwas glatt gelaufen in der Vorbereitung zu dieser WM? Das Gerede um Löw´s Vertrag, das Theater mit Frings und Kuranyi, der Ausfall von Adler, der Ausfall von Ballack, der Ausfall von Träsch (inzwischen weiß ich auch wie der aussieht). Wurde schon mal eine Mannschaft Weltmeister, die so eine Vorbereitung hatte? Ich behaupte, nö! Schade, Deutschland.“

Fernglas FCB erinnert an die unsäglichen Werbefeldzüge in diversen bundesrepublikanischen Einkaufszonen und kann sich einer etwaigen Sympathie für Holland auch nicht entziehen:

,,Der nationale Taumel der 2006-er WM ist nicht reproduzierbar, obwohl sich die Werbewelt alle Mühe gibt, unsere Einkaufszentren in schwarz-rot-gold zu ersticken. Ist mir alles zuviel. Ich schaue mich schon nach einer Alternativ-Nation um, die ich supporten könnte. Leider sind die Schotten nicht dabei, wenngleich man nicht viel Freude an deren Rumpel-Fußball hätte. Wie wäre es mit der Niederlande? Immerhin ist mein Klub nun beinahe schon orange.“

Mingablog setzt sich kritisch mit der Vereinnahmung des Fußballs und der inszenierten Sommermärchen Geschichte auseinander:

Vor zwei Jahren waren „Vuvuzelas“ unbekannt, sie gehörten zur afrikanischen Tradition und es hat sich in Europa kein Schwein dafür interessiert. Jetzt sieht, und was noch viel schlimmer ist, hört man sie überall. Sie haben nichts mit unserer Fankultur zu tun. Sie haben nichts mit Bayern zu tun. Aber sie sind halt hip, weil Fußball hip ist. Hip seit 2006, als uns der größte Blender der Nation – der vor einem Jahr bei uns gezeigt hat wie „gut“ er wirklich ist – zu einem Sommermärchen verholfen hat das sich mehr und mehr als Albtraum entpuppt.“

Meine Liebste spricht in dem Zusammenhang des inszenierten WM-Fieber etc. auch gerne von Substratsättigung. Dazu kommt eine nicht gerade überbordende Begeisterung gegenüber Übungsleiter Löw. Ich habe meine erste WM als 11-Jähriger damals mit meinem Vater in der Max Schmeling Villa erlebt. Es war ein prägendes und emotionales Erlebnis. Manchmal hänge ich dieser Zeit etwas wehmütig nach.

Sponsorspiegel 07.04.10

In 64 Tagen wird in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 eröffnet. Am 11. Juni stehen sich Südafrika und Mexiko im Eröffnungsspiel gegenüber. Das Millionenspiel kann dann beginnen. Die FIFA vermeldet auf Ihrer Website den aktuellen Stand der Sponsoren. Dem illustren Kreis gehören folgende Unternehmen an:

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FIFA Partner

Adidas

Coca-Cola

Emirates

Hyundai Kia Motors

Sony

Visa

WM-Sponsoren

Budweiser

Castrol

Continental

McDonald’s

MTN

Mahindra Satyam

Yingli Solar

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Wer sich nochmals einen kleinen Rückblick auf die TV-Daten der Fußball-WM 2006 verschaffen will, sieht die immense weltweite Aufmerksamkeit.

In der ganzen Welt belief sich die kumulierte Zuschauerzahl auf 26,29 Mrd. Menschen. Auf dem europäischen Kontinent verfolgten 5,33 Mrd. Menschen die Übertragungen. Deutschland und Italien werden mit je 31,5% aufgeführt. 17.301 Stunden von der Fussball-WM 2006 wurden in Afrika ausgestrahlt. Dies waren 131,5% Steigerung gegenüber 2002.

Der Kampf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten wird auch 2010 wieder mit jeglicher Intensität geführt werden. 

2010

© S.Hofschlaeger: Pixelio

Bei den oben aufgeführten FIFA Partnern und WM-Sponsoren habe ich auch schon die eine oder andere D-Mark bzw. den einen oder anderen Euro bezahlt. Ich habe in meinem Leben bereits Adidas Schuhe gekauft und bin damit gejoggt. Okay, Puma und Nike habe ich auch schon getragen. Coca-Cola habe ich auch bereits getrunken. Mit 16 hatte ich meinen ersten Sony Walkman. Eine ganz feine Sache. Castrol Motorenöl habe ich an der Tankstelle auch schon gekauft. Continental Reifen sind aktuell auf meinem Auto drauf. Meine Liebste hat seit Jahren eine Visa Card. Ja, wir waren auch bereits mehrfach bei McDonald’s.  Speed Imbiß für zwischendurch.