Stellt euch vor es ist Frauenfußball EM-Quali und keiner geht hin

Aufmerksame Stammleserinnen und Stammleser wissen von meiner kritischen Haltung gegenüber der aufgesetzten Werbemasche zum Thema Frauenfußball in Deutschland, anlässlich des Damenturniers 2011. Der Kater erfolgte unmittelbar nach dem verdienten Ausscheiden gegen die japanischen Frauen. Nun ist auch in puncto Zuschauerzahl wieder trister Alltag eingezogen. Zum EM-Qualifikationsspiel der Frauen in Bukarest zwischen Rumänien und Deutschland verirrten sich nur wenige Interessierte. Das renommierte Sportportal Spox bringt es auf den Punkt:

,,Mit einem glanzlosen Arbeitssieg vor leeren Rängen haben die deutschen Fußballfrauen ihren Kurs Richtung EM 2013 in Schweden beibehalten.Vor einer fast schon gespenstischen Kulisse von gerade mal 100 Zuschauern setzten sich die Europameisterinnen in Bukarest mit 3:0 (1:0) gegen Rumänien durch und verbuchten trotz eines teilweise schwachen Auftritts im zweiten Spiel den zweiten Sieg.“

Nun komme mir bitte keiner mit der Ausrede: Das war ja in Rumänien. Außerdem übertrug doch auch das ARD. Wozu dann eine beschwerliche Reise nach Bukarest in Kauf nehmen. Die Zuschauerzahl sei nicht relevant etc.

Ich hab da noch ganz andere Töne in den Ohren – Frauenfußball positionieren, Auf Augenhöhe mit dem Männerfußball, 3. Plätze seien nur was für Männer -. Alles alter Kaffee. Frauenfußball ist eine Nischensportart. Wie Schach. Wie Volleyball. Wie Badminton. Das ist auch nicht weiter schlimm. Doch warum dann das ganze Marketinggeschrei und schüren von überzogenen Erwartungen. Die Spielerinnen können dafür (fast) nichts.

Bereits beim Heimauftakt zur EM-Quali in Augsburg gegen die Schweiz versammelten sich an einem Sonnabend ganze 6632 Zuschauer um die DFB-Frauenfußballnationalmannschaftelf gegen die Schweiz zu sehen. Positiver Trend und Euphorie geht anders.

Neben dem glanzlosen Arbeitssieg der Neid Elf wurde auch noch auf anderen Plätzen um Punkte für die Teilnahme in Schweden gespielt. Auf womensoccer gibt es von Nora Kruse den Überblick über das Geschehen in den einzelnen Qualifikationsgruppen.  

FDP und andere Zahlenspiele

Die Fast Drei Prozent Truppe um Vizekanzler Rösler konnte wieder nicht liefern. Dem Lieferversprechen auf dem Rostocker FDP Treffen folgten desaströse Wahlniederlagen in Serie. Berlin machte da gestern keine Ausnahme. Im Bild am Sonntag Interview mit Clemens Tönnies und Uli Hoeneß las Bayern Münchens Präsident dem jungen FDP Politiker Rösler die Leviten:

,,Unser Wirtschafts-Minister Rösler scheint keine Ahnung zu haben. Anscheinend will er alles kaputt machen, nur weil er glaubt, mit seinen Aussagen von 3,4 auf 3,6 Prozent der Stimmen zu kommen. Der muss zurückgepfiffen werden.“

Okay, von 3,6 Prozent konnten Rösler und die FDP am Berliner Wahlabend nur träumen. Sie schmierten ähnlich heftig ab wie der Vfl Bochum derzeit in der 2. Bundesliga. Trainerwechsel brachte da ja vorläufig überhaupt nix ausser einer klaren Niederlage. Dabei verwies die FDP einst gerne auf das Wort Leistungsträger.

Andere Zahlenspiele bereite kürzlich Sportjournalist Daniel Drepper auf. In seinem Blog nahm er sich der Entwicklung Leichtathletik-Weltrekorde: Datenjournalismus an. Ausgangspunkt ist die Aufbereitung von mehr als 2000 (!!) Weltrekorden in der Leichtathletik durch den 27-Jährigen Finnen Jens Finnäs. Lesenswert.

Ein Zahlenspiel der ganz anderen Art lieferten am Wochenende die DFB-Frauenfußballerinnen. Ihr EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz in Augsburg erreichte keine 10.000 Zuschauer. Nach dem abrupten Aus beim auf dem Zeichenbrett vorgezeichneten Sommermärchen wollten den Neuanfang der Neid Truppe ganze 6632 Zuschauer im Stadion live sehen. Zum Vergleich die Statistik eines Spiels in der vierten Liga vom Sonntag:

RB Leipzig – FC Magdeburg: 1:1 (0:1)

Tore: 0:1 Krieger (30.), 1:1 Röttger (57.).

RB Leipzig:

Borel – Müller, Sebastian, Franke, Kocin – Schulz (Kammlott, 75.), Geißler – Röttger (Heidinger, 81.), Rockenbach – Kutschke, Frahn

FC Magdeburg:

Tischer – Neumann, Friebertshäuser, Hackenberg, Lenk – Bauer, Henkel – Wolf (Georgi, 77.), Becker, Scharlau (Wright, 90.) – Krieger (Köhne, 84.)

Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)

Zuschauer: 9789

Das Dilemma der TSG Hoffenheim

Trainer Rangnick zum Jahresanfang verloren. Der Nachfolger bereits auch nicht mehr im Amt. Der mit viel Vorschußlorbeeren an den Start gegangene Film über die TSG Hoffenheim entpuppte sich auch nicht als der Kassenschlager. Einstige Träume von internationalen Spielen, besonders durch die fulminante erste Halbserie 2008/2009 geweckt, in weiter Ferne. Der Mäzen bzw. Sponsor (so genau erschließt sich dies auf den ersten Blick nicht immer) will nicht ewig weiter Geld in den Verein pumpen. Da kam eigentlich der Sieg gegen den amtierenden Meister Borussia Dortmund gerade recht. Statt jedoch die Lobeshymnen über die Woche zu lesen, beschäftigt die Akustik-Attacke die mediale Republik. Die Zeit Online mit Stefan Dobbert vermerkt dazu:

,,Die TSG Hoffenheim hat nicht sehr viele eigene Fans. Vermutlich wollte der Verein das Problem mit dem Schallgerät lösen. Gelungen ist das nicht. Hoffenheims Akustik-Attacke ist mit oder ohne Duldung der Verantwortlichen zu einem PR-Desaster geworden. Dass ein technisches Gerät den Job der eigenen Fans übernimmt, war keine gute Idee. Das Dilemma des Retortenfußballvereins aus Hoffenheim besteht darin, dass er nun erst Recht als Retortenfußballverein wahrgenommen wird.“

Tief durchatmen. Ich finde die Kraichgauer haben ein Imageproblem. Eigentlich ein Superjob für eine dieser Werbeagenturen, die sonst politischen Kampagnen oder den Lobesliedern auf neue Produkte, die der Markt unbedingt braucht, und von denen die Menschen vorher noch nicht wussten, dass sie ihnen fehlten, diesen Werbedrive geben. Okay, kann natürlich auch schief gehen. Erst kürzlich bei der Kampagne Sommermärchen 2011, Produkt Frauenfußball, zu beobachten.

Pressespiegel zu Birgit Prinz

Sie hat beeindruckende Erfolge vorzuweisen. Frauenfußball in Deutschland ist mit ihrem Namen verbunden. Was sich angebahnt hatte, wurde an diesem Freitag Gewissheit. Birgit Prinz verkündet nach dem Abschied aus der Nationalmannschaft auch ihren Rücktritt im Verein. Die Weltmeisterin, Europameisterin und dreimalige Weltfußballerin des Jahres im Spiegel der Presse:

Welt Online titelt WM-Streit: Neid hat das Karriereende von Prinz beschleunigt und wirft nochmals einen Rückblick auf die wenig schmeichelhafte Rolle von Übungsleiterin Neid in der Personalie Prinz:

,,Sylvia Neid war von der Berufung ihrer Vorzeigespielerin fest überzeugt. Zumindest hat sie das immer kundgetan. Als die dann nicht mehr wie gewünscht funktionierte, führte Neid sie öffentlich vor und servierte sie ab.“

Im Hamburger Abendblatt schreibt Marc Schmidt unter dem Titel Karriereende: Birgit Prinz macht es besser wie Michael Ballack:

,,Das war die einzig richtige Entscheidung. Denn wie Ballack hätte sich die 33-Jährige an jedem Spieltag medial sezieren lassen müssen. Reicht es noch, oder packt sie es doch nicht mehr? Diese Hetzjagd wollte sich die dreimalige Weltfußballerin ersparen – und wählte einen würdigen Abgang.“

Die unkonventionelle taz gesteht der Frauenbundesliga nur die Statur der Kleinkunstbühne zu und beleuchtet kurz die Achterbahn der Gefühle der Fußballerin in der letzten Woche über die bevorstehende Entscheidung:

,,Vergangene Woche schnürte sie noch einmal ihre Schuhe und trainierte beim 1. FFC Frankfurt mit. Dauerhaften Spaß hat sie dabei nicht mehr empfunden. Sie berichtete von ihren schwankenden Gefühlen: „An einem Tag hieß es ‚Ja‘, am anderen ‚Nein‘. Irgendwann stand der Rücktritt dann relativ fest.“ Die Reise ins Trainingslager am Sonntag machte sie schon nicht mehr mit. Vielleicht auch deshalb, weil nach der WM das öffentliche Interesse an ihrem Schicksal größer denn je war. Die Bundesliga hingegen wäre zu klein gewesen, um das enttäuschende Ende ihrer internationalen Karriere vergessen zu machen.“

Die SZ bringt einen Kommentar von Kathrin Steinbichler und titelt Gebt ihr doch ein Abschiedsspiel und beleuchtet die nicht ganz glückliche Rolle des DFB im Umgang mit den Kapitänen der Fußballnationalmannschaften:

,,Der DFB versteht es wie kaum ein zweiter Sportverband, seine Akteure und Mannschaften zu feiern, er hat die Fanmeile erfunden, das öffentliche Popkonzert für dritte WM-Plätze und das Präsidenten-Bussi für Pokalübergaben. Wie man mit Krisen und alternden Kapitänen umgeht, weiß er allerdings nicht.“

Carsten Eberts schreibt ebenfalls für die SZ unter dem Titel „Dann verliert man den Spaß“ und wirft auch nochmal einen Blick zurück auf das ins Wasser gefallene Sommermärchen und benennt die Spaßbremse.  

,,Nicht nur, dass Deutschland den ersehnten Titel im eigenen Land eindeutig verpasste: Prinz begann das Turnier als Stammspielerin, agierte jedoch ungewohnt mäßig, wurde in den ersten Partien von Bundestrainerin Silvia Neid früh ausgewechselt, anschließend gar bloßgestellt, als Neid an sich vertrauliche Gespräche mit ihrer Patientin öffentlich ausplauderte.“

Das Blog Womensoccer bringt einen Beitrag von Markus Juchem unter dem Titel Birgit Prinz beendet Karriere und zählt einen Teil der Erfolge aus einer atemberaubenden sportlichen Vita auf:

,,Prinz ist bis heute die erfolgreichste Fußballerin der Welt. Mit der Nationalmannschaft wurde sie 2003 und 2007 Weltmeisterin, sie nahm an fünf WM-Endrunden teil ist ist immer noch mit 14 Treffern erfolgreichste WM-Torschützin. Zwischen 1995 und 2009 wurde sie zudem fünfmal Europameisterin, dazu neunmal Deutsche Meisterin und elfmal DFB-Pokalsiegerin. Viermal wurde sie in der Bundesliga Torschützenkönigin.“

Damit sind wir fast am Ende des kleinen Pressespiegel angekommen. Birgit Prinz wird sich beruflichen Dingen in Sachen Psychologie verstärkt widmen. In der FAZ konnte man bereits einen Tag vor der Pressekonferenz von Birgit Prinz folgendes lesen:

,,Die Psychologin, die im vergangenen Jahr ihr Studium an der Frankfurter Goethe-Universität abgeschlossen hat, will mit einigen Kollegen ein Institut für Performance-Psychologie aufbauen, das Manager, aber auch Sportler bei ihrer Karriereplanung beraten soll.“

Dazu darf ich viel Erfolg, mentale Kraft, viele authentische und ehrliche Menschen im Umfeld sowie Glück und Gesundheit wünschen.

Frauenfußball: Deutschland schaut zu oder Katzenjammer für Favoritenwetter

Deutschlands Sportfunktionäre und Politiker haben eine verheerende Woche an Niederlagen hinter sich. Erst das klare Abstimmungs Nein gegen München 2018 beim Kampf um die monetären Spiele unter den Ringen. Jetzt auch noch das Aus der eigentlich für den WM-Titel vorgesehenen Elf von Übungsleiterin Neid. Der PR-Zirkus hat damit wohl auch ein Ende.

 Die deutschen Frauen sind bei diversen Buchmachern als 1,3 Favorit gehandelt worden. Für alle Nicht-Sportwetter: Für einen Tausender Wetteinsatz hätte es 1300 Euro wieder gegeben. Da dürfte der Katzenjammer bei dem einen oder anderen Favoritenwetter heute nachklingen. Was machen jetzt eigentlich die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Rest der Fußball-WM? Abschalten? Sich verstärkt der Tour de France widmen? ARD und ZDF werden sich schon etwas einfallen lassen.

Das so oft und unsinnigerweise herbeigeredete Sommermärchen 2.0 oder 2011 ist wie eine Seifenblase gestern Abend zerplatzt. Deutschlands erfolgreichster Frauenfußballtrainer Bernd Schröder dürfte sich mit seinen Aussagen im Zeit Online Interview vor der WM ,,Wir brauchen Persönlichkeiten, keine Barbie Puppen“ bestätigt fühlen.

Allerdings hatte der Kulttrainer von Turbine Potsdam bei der konkreten Vorschau auf das Japan Spiel auch falsch gelegen. In seiner Kolumne bei B.Z. unter der Überschrift Gegen Japan sind wir klar im Vorteil schrieb er unter anderen:

,,Jetzt geht’s also ins erste K.o.-Spiel. Ab dem Viertelfinale gibt es keinen zweiten Versuch mehr. Wir haben dabei formell die besseren Voraussetzungen.“

Ich konnte mit dem Begriff formell noch nie viel anfangen.

Für ein deutsches Sportmärchen im ausstehenden Sommer 2011 bleibt da jetzt eigentlich nur noch ein Tour de France Sieg von Andreas Klöden. Mehr Einzelheiten zur aktuellen Situation bei der Frankreich Rundfahrt gibt es bei eurosport.yahoo unter dem Titel Tour de France – Saint-Flour, sieben Jahre danach.

Die Frauenfußball Welle schwappt nur langsam an den Bodensee

Gestern habe ich doch tatsächlich während der Eröffnung des Frauenfußball Turniers in Deutschland auf den Bodensee geschaut. Auf der Terasse bei unserem Lieblingsitaliener gab es Cappucino und Espresso. Der Blick auf den Säntis und den Altmann waren phantastisch. Diese Berge in Kombination mit dem See haben etwas beruhigendes. Nein, irgendwelche Berliner Politikgrößen Parteibuchträger jener heuchlerischen Partei mit dem C im Namen musste ich mir an diesem herrlichen Sonntag nicht antun. Anschließend sind meine Liebste und ich noch ein wenig Rad gefahren (huch, die Tour de France beginnt am 2. Juli) und haben einen phantastischen Sonnenuntergang in Langenargen gesehen. Kürzlich fand dort ja auch die hochinteressante Veranstaltung Match Race Germany 2011 statt. Auch das war damals mit meiner Liebsten ein gelungener Sonntag. Über Frauenfußball, Funktionäre und sich ins Rampenlicht drängelnde provinzielle Politikerinnen und Politiker haben wir da nicht geredet.

Derweil wechselt Ina van der Linde, Mittelfeldspielerin beim TSV Tettnang, fast der Nachbarort von meinem neuen Domizil in Eriskirch am Bodensee, zu ihrem Lieblingsverein FC Bayern München im Juli. Im Südkurier stellt sie fest:

,,Die Unterschiede zum Männerfußball sind krass, von den Gehältern bis zur Begeisterung der Fans.“

Da bin ich fast geneigt den Quiz-Klassiker zu stellen. Wieviele Teile hatte das berühmt-berüchtigte Kaffeeservice, welche die deutschen Frauen für ihren Fußball EM Titel im Jahr 1989 erhielten?

 Nein, wikipedia in den Google Suchschlitz eingeben und nach der damaligen Hausfrauenprämie suchen zählt nicht!? Auch nicht der Verweis auf eine Randsportart. Jetzt möchte ich schon gerne eine Zahl vernehmen. Was, ich soll auch noch drei Möglichkeiten vorgeben? Kann nicht der Ernst meiner Leserinnen und Leser sein. Okay, wir wollen den Spannungsbogen auch nicht bis in das extreme hineinsteigern und lüften jetzt das Geheimnis. Vielleicht brühen sich meine Leserinnen und Leser noch einen Kaffee oder setzen eine Sommerbowle an. Es ist dieser Tage heiß in Deutschland. Von den Temperaturen her. Okay, vielleicht auch für die eine oder den anderen mit historischer abgegebener Doktorarbeit und den etwaigen Plagiatsvorwürfen. Da werden ganze Karrierepläne durcheinander gebracht. Fragt bitte bei der FDP oder anderen Regierungsparteien mit dem C im Namen nach.

So genug der Plaudereien. Das Kaffeeservice (Warenklasse 1b), jene ominöse Siegprämie für die Fußballerinnen im Jahr 1989, betrug 41 Teile oder 40 Teile. So genau lässt  sich dies wohl nicht mehr feststellen.

Mentale Einstimmung auf die Tour de France 2011

Nein, heute wird kein Tatort geschaut. Ich mag nicht. Zeit Online titelt Gefangen im Klischee und beschäftigt sich mit dem Krimi zur 20.15 Uhr Prime Time zum Thema Frauenfußball und wagt auch einen Rückblick:

,,Eigentlich undenkbar in Zeiten der „schönsten WM aller Zeiten“ 2011: Als Kind durfte Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts in einem Dorf bei Kassel noch in keinem Verein spielen.“

Der Fernseher bleibt heute Abend aus. Dabei mag ich das Ermittlerduo Folkerts und Hoppe. Doch mir wird das Frauenfußball Thema einfach zu laut, zu marktschreierisch, zu nervend, mit dieser einfach unsensibel angeschmissenen Marketingmaschinerie angeboten. Ich muss leider ablehnen.

 Stattdessen wird es noch ein wenig mentale Einstimmung auf die Tour de France geben. Ich werde mir noch einige spektakuläre Interviews zu Gemüte führen. Da fällt mir doch das Frage-Antwort Spiel zwischen Matthias Dell und Filmemacher Pepe Danquart sowie Theatermacher René Pollesch auf Der Freitag aus dem Jahr 2009 ein. Legendär. Dieses Interview hat einfach Charme. Alleine der Einstieg in das Gespräch:

Pepe Danquart (kommt etwas später): ,,Entschuldigung, ich musste noch die Etappe zu Ende gucken.“

Danquart, Macher des Films Höllentour   im weiteren Verlauf des Interviews zur Tour de France und einstweiliger Sehgewohnheit während der Frankreichrundfahrt:

,,Das stimmt. Ich hab‘s eine Weile nicht mehr angeguckt. Die Deutschen haben so eine Art, was sie machen, richtig zu machen, und wenn sie gegen Doping sind, dann so, dass man‘s nicht mehr ertragen kann. Das war eine richtige Hysterie. Wobei ich mich dann immer frage, warum Langstreckendistanzen bei Olympia übertragen werden. Oder Wintersport. Eisschnelllauf.“

Nach dem erneuten intensiven Lesen des Interview ist meine mentale Einstimmung auf den 2. Juli 2011 jedoch noch nicht beendet. Ich brauch jetzt noch eine Prise philosophisches zur Tour. Da gibt es ja noch jenes Spiegel Interview mit Hobbyradler und Philosoph Peter Sloterdijk unter dem Titel Hundsgewöhnliche Proletarier aus dem Jahr 2008. Lance Armstrong wird aus dem proletarischen Basislager herausgenommen und bekommt folgende Worte zu lesen:

,,Etwas in dieser Art, ja. Da soll ein numinoser Sprung passieren, wie man es zuletzt 2003 an Lance Armstrong auf der Pyrenäenetappe nach Luz Ardiden beobachten konnte, als sein Lenker bei einem Anstieg in der Plastiktüte eines Zuschauers hängenblieb, so dass er stürzte, elf Kilometer vor dem Ziel. Daraufhin geschah das, was Barthes ein halbes Jahrhundert zuvor den „Jump“ genannt hatte. Ein plötzlicher Energiestoß, der Armstrong erlaubte, mit dem Zorn des Achilles noch einmal anzugreifen. Der trieb ihn zum Gipfel und an allen Konkurrenten vorbei.“

Lance Armstrong wird dieses Jahr nicht mehr an den Start gehen. Sein Comeback hat einst für Schlagzeilen gesorgt. Der Teamkollege von 2009, Alberto Contador, geht jedoch auch munter 2011 an den Start. Die Kritik vom ehemaligen Gerolsteiner Radsport-Teamchef Michael Holczer am erneuten Start von A.C. (bei Spox nachzulesen) wird den Spanier nicht tangieren. Contador geht da unbeirrt seinen eigenen Weg. Die Geschichte mit dem Fleisch wird aus seiner Sicht wohl auch total überbewertet.

Die Tour braucht natürlich wieder Helden und Wasserträger. Es gehen ja wieder die zwei Schleck Brüder an den Start. Im Leopard Trek Team stehen mittlerweile mit Linus Gerdemann, Fabian Wegmann, Jens Voigt, Robert Wagner und Dominic Klemme 5 Deutsche unter Vertrag. Weitere Mitglieder im illustren Kreis des luxemburgischen Teams sind Fabian Cancellara oder Stuart O’Grady. Hier geht es zur kompletten Mannschaft auf wikipedia.

Zum Abschluss zieh ich mir auch nochmals das damalige Sonntagsinterview vom Tagesspiegel mit Jörg Jaksche unter dem Titel „Am Ende war ich der Idiot“ rein und schau kurz dabei aus dem Fenster in die phantastische Landschaft am Bodensee. Jaksche prägnant:

,,Diese ganzen Schreihälse, die gerufen haben: der Ullrich, der Ivan Basso, der Jaksche – auf den Scheiterhaufen mit ihnen, verbrennt sie! Die waren mir schon immer zuwider. Der selbst gedopte Bjarne Riis hat viermal am Tag gesagt, der Basso ist für mich wie ein Bruder, und plötzlich war er ganz enttäuscht, als Basso erwischt wurde.“

Enttäuschung. Ein großes Wort. Enttäuschung ist auch immer das Ende der Täuschung. 

Fragen der ersten Juniwoche

Fragen macht klug. Oder so ähnlich.

1. Warum verspätet sich SPD-Parteigenosse Olaf Scholz (derzeit im Hauptjob Bürgermeister) bei der Meisterfeier der Handballer des Hamburger SV? Wäre seinem Parteigenossen Ude in München bei der Meisterfeier der Bayern-Fußballer nie passiert. 

2. Warum konnte Shirov den Weltmeister Anand im Schnellschach-Match nicht stoppen?

3. Warum interessiert mich Frauenfußball auch nach einem Kantersieg gegen Italien nicht mehr wie ein Skatturnier in einem Gartenverein? Wieso finde ich hingegen selbst ältere Interviews von Bernd Schröder wie „Nicht nur das Nationalteam trainiert richtig“  lesenswert?

4. Wieso kann das kleine Bamberg mit den Brose Baskets dem großen Berlin mit Alba immer wieder eine Nase zeigen?

5. Wieso halte ich die deutsche Fußballnationalelf weiterhin nach dem unverdienten Sieg in Wien für überschätzt?

Frauenfußball wirft seine Schatten voraus

Ich bin ja kein großer Fan vom Frauenfußball. Der künstlich aufgezogene Hype um ein bevorstehendes Turnier in Deutschland nervt doch ein wenig. Ein weiteres merkwürdiges Puzzleteil für diesen angeblichen Mega-Event hat der unverwüstliche Trainer Baade ausgemacht und berichtet auf seinem Blog unter Ganz schön viel Holz im Frauen-WM-Wald von einem „Klimaprojekt“ der besonderen Art.

Nun bin ich recht abgebrüht gegenüber ungeschickten Marketingaktionen. Ich bin aufgewachsen in der DDR und das Marketing von Honecker und Co. hat ständig solche Luftblasen fabriziert. Erinnert sei an Aktionen wie das Sportfest etc. Doch ich muss mir jetzt anscheinend für die Zeit der Frauen-WM ein Aufenthaltsland außerhalb Deutschlands suchen. Ein Glück, dass ich am Bodensee wohne und mit Österreich, Schweiz oder Liechtenstein Alternativen habe.