Die deutschen Hockey-Frauen haben noch nicht den medialen Stellenwert wie die Fußball-Frauen

Die deutschen Hockey-Frauen haben es diesen Montag nach ihrem Titelgewinn bei der Europameisterschaft in Belgien nicht auf die Titelseite des Südkurier geschafft. Sie boten großartigen Sport. Doch der mediale Stellenwert der siegreichen Europameisterinnen reichte nicht für Seite 1. Der Platz war irgendwie anderweitig vergeben.Traveler Digital CameraAnders sah dies bei den Fußballerinnen am Montag, den 29. Juli diesen Jahres aus. Da strahlten sie von der Titelseite des Südkurier. Die mediale Aufmerksamkeit war für den Moment gesichert Der letzte Titelgewinn der Männer unter Berti Vogts liegt ja nun auch bereits wieder 17 Jahre zurück. Da kam eine erfolgreiche Europameisterschaft der Frauen gerade zur richtigen Zeit. Die Mannschaft von Silvia Neid machte ihren Ausrutscher von der Heim-WM wieder wett. Sympathisch strahlten die Europameisterinnen vom Titelblatt. Die Emotionen wirkten nicht aufgesetzt. Authentisch. Erfrischend. Traveler Digital CameraSo eine Titelseite hätten sich die Hockey-Frauen auch verdient gehabt. Doch der mediale Stellenwert ist halt so wie er ist. Dabei stehen selbstverständlich auch die Fußballerinnen abseits einer EM oder WM wenig im Scheinwerferlicht. Wer übrigens Lust hat die Hockeyleidenschaft der Frauen und ihr erfolgreiches Turnier in Belgien noch ein wenig Revue passieren zu lassen schaut am Besten auf die Bildergalerie von hockey.de. Ein paar sehr schöne Fotos sind dabei.

DFB-Frauenfußball die Nr. 1

Die letzte Woche stahlen sie dem FC Bayern bereits die besseren Einschaltquoten beim ZDF. Die Paarung in München gegen den FC Barcelona zog den kürzeren gegen den Auftritt der Frauennationalmannschaft gegen Schweden bei der EM. Die Elf von Silvia Neid hat es heute am Bodensee auch auf die Titelseite der Zeitungen gebracht.Traveler Digital CameraNadine Angerer gibt dem EM-Titel auch den nötigen Thriller-Effekt. Zwei gehaltene Elfer. Respekt, ein riesiges Kompliment und herzlichen Glückwunsch!

Interview von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in der tz

Am morgigen Mittwoch stehen zwei Fußballspiele der besonderen Bedeutung auf dem Plan. In München spielt der FC Bayern gegen den FC Barcelona um den Uli Hoeneß Cup. Den Pokal hat der Gold- und Silberschmiedemeister Andreas Bachmeier angefertigt. Der Uli Hoeneß Cup misst 62 Zentimeter und wiegt 10 Kilo. Im Interview mit der Münchener Zeitung tz erklärt er seine Idee hinter dem Entwurf.

,,Zunächst gibt es einen breiten Sockel aus Holz, darüber werden vier Säulen in eine Enge getrieben, um dann wieder aufzugehen. Mein Gedanke war, an die Karriere von Uli Hoeneß zu erinnern. Auch die ist breit gestartet, hat sich aber nach kurzer Zeit durch die Knieverletzung und das Karriereende verengt. Als Manager des FC Bayern kam dann das Aufblühen.“

Das zweite Spiel mit erhöhten Interesse am Mittwoch ist das Halbfinalspiel der DFB-Frauennationalmannschaft bei der EM gegen Gastgeber Schweden in Göteborg. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war bereits bei der Viertelfinalpartie gegen Italien in Skandinavien vor Ort. Sein Daumendrücken half. Die Frauen gewannen die eminent wichtige Begegnung mit 1:0. Jetzt also das Spiel um den Einzug in das Finale. Schweden hat die Favoritenrolle. Psychologisch kann dies für die deutsche Elf von Silvia Neid durchaus ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein. Die junge Mannschaft aus Deutschland gefällt sich  in ihrer Rolle, nicht mit der Bürde des Favoriten in die Begegnung zu gehen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wird zum Spiel nach Göteborg einfliegen. Inklusive Daumendrücken.

Apropos Wolfgang Niersbach. Der heutigen Ausgabe der tz ist im ausführlichen Interview mit Michael Knippenkötter auf Seite 23 die Begeisterung des Präsidenten für das Gesamtpaket Bundesliga der Männer förmlich anzumerken:

,,Ja, das solide Wirtschaften, die Seriosität, die Begeisterungsfähigkeit. Letztes Jahr hatten wir einen Zuschauerschnitt von 44 000! Das ist doch sensationell. Und das geht zu einem großen Teil auf die Effekte der WM 2006 zurück. Ohne den Zuschlag vom 6. Juli 2000, 14.07 Uhr, wäre die Allianz Arena nie gebaut worden. Und die ist seit der Fertigstellung bei den Spielen des FC Bayern immer ausverkauft gewesen. Wir freuen uns schon jetzt auf das Länderspiel gegen Österreich am 6. September in München. Jeder zweite spricht mich auf Karten an…“

Wolfgang Niersbach attestiert dem Kader von Bayern München Bestnoten und sieht ihn durchaus konkurrenzfähig bei einem WM-Turnier. Auch den Neuzugang Thiago Alcantara aus Barcelona sieht er im Hinblick auf die Magnetwirkung der Bundesliga positiv. Rückblickend bekommt Triple-Trainer Jupp Heynckes einen Lorbeerkranz und der neue Coach Pep Guardiola Vorschusslorbeeren.

Frauenfußball-EM in Schweden

Update: Die schwedischen Fußballerinnen eifern den englischen Männern nach. Mehr zur Schwäche vom Elfmeterpunkt der Gastgeberinnen der Frauenfußball-EM 2013 gibt es hier auf dfb.de zu lesen.

Heute beginnt die Frauenfußball-EM in Schweden. Die Gastgeberinnen werden von Pia Sundhage gecoacht. Sie hatte sehr große Erfolge mit dem Team der USA. Der Auftakt wird gegen Dänemark gespielt. Für Frauenfußball und Online gibt es seit Jahren eine richtig gute Adresse. Auf womensoccer powert Markus Juchem, Organisator, Macher und Spiritus Rector mit Fachkenntnis sowie einem Faible für den Frauenfußball. Er hat sich heute die Chancen der Teams in Gruppe A vorgenommen und ist der Frage nachgegangen: Welches Team kommt wie weit? Schweden, Dänemark, Italien und Finnland werden einem Check unterzogen. Die Schwedinnen werden dies nicht so gerne lesen:

,,Fazit: Schweden erreicht zumindest das Halbfinale, holt aber nicht den Titel.“

Der studierte Kommunikationswissenschaftler Markus Juchem zeichnet sich durch hohe Kompetenz aus und begleitet seit 2003 den Frauenfußball journalistisch. Er wird unterstützt von Nora Kruse.  Sie betreibt unter ff-archiv.de eine Fotodatenbank über den internationalen und nationalen Frauenfußball.

Auf dfb.de gibt es ein Interview mit der Bayern München Spielerin Lena Lotzen. Die 19-Jährige plaudert offen über die Gestaltung der freien Zeit in Schweden.

,,Wir haben hier eine Players Lounge im Hotel, mit einigen Spielen wie Tischtennis, einem Kicker oder einer Playstation. Am liebsten bin ich an der Playstation, dort halten wir uns abends oder auch nach dem Mittagessen auf, wir spielen auch in Turnierform zu fünft oder sechst. Das ist eine gute Abwechslung.“

Sie verrät auch wer an der Spielkonsole am geschicktesten ist. Nadine Angerer ist eher an der Tischtennisplatte zu finden. Für den Zusammenhalt der Mannschaft ist sie enorm wichtig.

Auf der DFB-Website ist auch noch einiges an interessanten Info-Puzzleteilen unter dem Titel Oldies, Youngster, Blöcke: Wissenswertes zum Turnier in Schweden zusammengestellt. Von 12 teilnehmenden Frauenteams werden nur 3 von Frauen gecoacht. Die bereits erwähnte Pia Sundhage für Schweden, Hope Powell für England und Bundestrainerin Silvia Neid.

Das Auftaktspiel der DFB-Elf gegen die Niederlande am morgigen Donnerstag wird Live 20.30 Uhr im ZDF übertragen. Frank Hellmann hat für die taz ein Stück über die coole Kapitänin Nadine Angerer getextet. Sie soll die Mannschaft erfolgreich durch das EM-Turnier in Schweden führen. In der Vorbereitung hatte die deutsche Mannschaft eine unglaubliche Verletzungswelle. Die letzen Vorbereitungsspiele mit Siegen gegen Kanada und den Weltmeister Japan waren jedoch sehr respektabel und haben ein Signal an die Konkurrenz gesendet.

Frauenfußballheldin und DFB-Direktorin Steffi Jones war kürzlich hier unten am Bodensee bei einer Fußballveranstaltung der Stiftung Liebenau. Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit ihr und Heike Ullrich, beim DFB verantwortlich für die Frauenbundesliga, unter dem Titel Der Begriff Profifußball passt nicht zum Frauenfußball zu lesen.

Nachdenkenswert #184

,,Wir wollen erstmal die Gruppenphase überstehen, das wird kein Selbstläufer. Aber wir wissen, dass wir sehr viel Qualität in der Mannschaft haben, und wir wollen natürlich am liebsten den Titel. Wir wissen aber auch, dass es noch einige andere Mannschaften gibt, die dazu auch das Potenzial haben.“

Leonie Maier, frisch gewechselt zu Bayern München, über die Sehnsucht nach dem Titel der Frauen-Nationalmannschaft, im Gespräch der Woche auf dfb.de 

Matthias Sammer redet Klartext

Es wird frischer Wind mit der Personalie Sammer bei Bayern München einziehen. Darauf darf sich ein jeder auf seine Art freuen. Oder auch nicht. Matthias Sammer polarisiert. Er ist keiner aus der Abteilung Wohlfühl-Kuschel-Rundum Sorglos Paket-zweite und dritte Plätze sind auch gut. Vorigen Sommer lief Sammer zur Hochform auf und redete Klartext.

Der Tag, an dem die falsche Bayern München Mannschaft Pokalsieger wurde

Die DFB-Pokalfinals in Berlin und Köln sind auch durch. Hiesige Wettanbieter boten für einen Sieg der Frauen von Bayern München gegen die favorisierten Frankfurterinnen (Quote 12:10) eine 70:10 Offerte an. Ein schnalzen auf der Zunge jeden Wetters mit einem Faible für Außenseiterwetten war damit garantiert.

Uli Hoeneß ist kein ausgewiesener Fan vom Frauenfußball. Eine 2:5 Niederlage seiner Männermannschaft gegen die gierigen Jungs von Borussia Dortmund hätte er vielleicht gerne getauscht. Doch Fußball ist kein Wunschkonzert. Wer vor der Saison prognostiziert hätte, dass die Frauen von Bayern München den einzigen nationalen Titel in die bayerische Landeshauptstadt holen würden, musste mit schallenden Gelächter rechnen. Doch Ehre wem Ehre gebührt. Markus Juchem hat auf womensoccer unter dem Titel Bayern München gewinnt DFB-Pokal alle Fakten, Daten und Zahlen zum Triumph der Frauen wie immer kompetent zusammengefasst.

Das bringt dann ja fast Dirk Bauermann mit dem Basketballprojekt Bayern München unter Zugzwang.

Reminiszenz an das Panini Sammelalbum zur Frauenfußball-WM

Panini-Chef Frank Zomerdijk setzte im vergangenen Jahr eine Idee von Kolleginnen um. Ein Fußballerinnen-Sammelalbum. Im launigen Interview mit Focus im Sommer 2011 unter dem Titel Frauenfußball? War für mich Kinderkram erzählte er damals auch freimütig von den Schwierigkeiten an alle Fotos der Frauen zu kommen:

,,Das war tatsächlich ein Problem, das wir total unterschätzt hatten. Bei den Männern gibt es Verbände, Vereine, Merchandising mit Trikots, Schuhen und allem, was man sich denken kann. Bei den Frauen war in vielen Ländern gar kein Zuständiger zu finden. Am besten waren die Mexikaner, die haben uns einen Satz Fotos ihrer Männer-Nationalmannschaft geschickt. Denen mussten wir erst einmal erklären, dass hier eine Frauen-WM stattfindet.“

Gleichzeitig klärte Zomerdijk uns auf, dass die Sammellust der Deutschen sich auf Fußball konzentriert. Versuche mit Radsportlern, Aktiven aus dem Tennis oder den Skifahrern sind allesamt gescheitert. Er verriet auch die Nation der Sammelweltmeister. Schönen Gruß an alle Enthusiasten zwischen Wien und Salzburg, Bregenz und Innsbruck.

DFB-Elf von Übungsleiterin Neid spürt die Mühen der Ebene

Einige Buchmacher hatten für das Frauen Länderspiel Deutschland gegen Schweden eine Quote von 1,30 aufgerufen. Am Ende wurden die Favoritenwetter belohnt. Doch Nora Kruse verweist auf womensoccer auch deutlich auf die derzeitige Situation und ein sehr bescheidenes Publikum hin:

,,Das Spiel war geprägt von Fehlpässen, mangelnder Abstimmung und Missverständnissen. So bekamen auch die 12.183 Zuschauern am Hamburger Millerntor ein Sonderlob von Bundestrainerin Silvia Neid, schließlich waren sie „mit sehr wenig zufrieden“, lobte Neid die Atmosphäre.“

Menschenskinder, nach Aufbruch sieht das alles noch nicht aus. Schweden (Gastgeber der nächsten EM im Jahr 2013) bestritt nach dem durch die lautstarke Marketingmaschinerie in Deutschland zum Sommermärchen 2011 hochstilisierten Damenturnier, sein erstes Spiel. Deutschland hatte da schon das schwach besuchte Qualifikationsheimspiel gegen die Schweiz und die Partie Stellt Euch vor es ist Frauenfußball EM-Quali und keiner geht hin aufzuweisen.

Etwas zu euphorisch und konträr zu den von Nora Kruse skizzierten Fehlpässen und Missverständnissen geht meiner Meinung nach Spox ran. Sie sehen die Neid Elf bereits schon wieder feste in der Weltspitze:

,,109 Tage nach dem Aus im WM-Viertelfinale sind die deutschen Fußballerinnen mit einem Prestige-Erfolg wieder in der Weltspitze angekommen. Die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid gewann am Hamburger Millerntor ihr Länderspiel gegen den WM-Dritten Schweden verdient mit 1:0.“

Nach einem Freundschafsspiel bereits wieder in der Weltspitze angekommen? Ging ja dann sehr schnell. Mir fehlt da noch etwas der Glaube dran. Es ist ja oft so wie in der bekannten Sache: Drei Ärzte – 4 Diagnosen. Was ist von der einstigen Zuschauereuphorie der WM eigentlich übriggeblieben? Das Thema Zuschauerzahl war zuletzt nicht angetan neue Sponsoren für den Frauenfußball zu gewinnen. Das Stadion am Hamburger Millerntor war besser besucht wie das Augsburger Match mit kürzlich mageren 6632 Zuschauern. Die Minimalkulisse (oder auch gespenstische Leere auf den Rängen) von Bukarest zu übertreffen schaffen selbst Hobbymannschaften. Schwamm drüber. Es bleibt trotzdem zu konsternieren:  Das Millerntor-Stadion hat eine Kapazität von 24.487 Plätzen. Glas halbvoll oder halbleer? 

Den Favoritenwettern wird es egal sein. Sie lösen Ihre Tickets beim Buchmacher ein und machen Kasse. Derweil stehen vor den DFB-Frauen die Mühen der Ebene.