Nachdenkenswert #265

,,Wenn ich für den Fußball einen Wunsch frei hätte, wäre es, dass die FIFA aufgelöst und von einem transparenten Dachverband ersetzt würde, der den Sport an die erste Stelle rückt.“

Gary Lineker, ehemaliger englischer Fußballnationalspieler und WM-Torschützenkönig 1986, zum Persilschein-Bericht der Ethikkommission der FIFA

Nachdenkenkenswert #241

,,Weil Konkurrent Sony die Fußball-WM sponsert, erlaubt die Fifa keine „Beats“-Kopfhörer in den Fußballstadien – so berichtet es die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei haben Fifa und Sony offenbar nicht an den Willen der Spieler gedacht. Denn die hören offenbar fast nur auf „Beats“. Das gehört zur Marketing-Strategie des Unternehmens von Rapper Dr. Dre. Schon seit Jahren versorgt Beats Top-Sportler kostenlos mit Kopfhörern.“

Neues aus der FIFA-Regel Welt bei der FAZ unter dem Titel WM-Fußballer dürfen keine Beats-Kopfhörer tragen

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Die degradierte Reporterin des ZDF vermeldete einen tiefenentspannten Joachim Löw. KMH hatte mich schon früher bei ihrer Tätigkeit bei Antenne Bayern nicht überzeugt. Aber es gibt natürlich in Deutschland Fuballexpertise, die fundiert ist. Einer der kompetentesten Fachleute ist Trainer Baade. Er merkt an:

,,Gegen Portugal könnte eine der wenigen Niederlagen der deutschen WM-Geschichte hinzukommen, aber selbst dann würde es für die zweite Runde reichen. Im Halbfinale ist dann wieder Schluss, weil Neuer patzt, weil Boateng pennt und mit Rot vom Platz geht oder weil auch einfach schlicht der Gegner stärker ist und Jogi bei Rückstand wieder wie eingefroren an der Linie steht und seine Gehirnwindungen 25 Minuten brauchen, bis er reagiert.“

Übungsleiter Löw hat durchaus Erfahrungen mit Vorrundenniederlagen. Bei der EM 2008 setzte es eine Niederlage in Klagenfurt gegen Kroatien. Zwei Jahre später setze die deutsche Elf ihr Vorrundenspiel gegen Serbien bei der WM in Südafrika in den Sand. Auch sonst gab es in den letzten Tagen reichlich Gesprächsstoff. Sportspool.tv hat einen lesenswerten WM-Blog: „SAVE FOOTBALL, DESTROY FIFA“ aufgelegt:

,,Theo Zwanziger gegen Wolfgang Niersbach. Ex- gegen amtierenden DFB-Präsident. Im deutschen Fußball geht es derzeit ordentlich rund. Und dass, obwohl die DFB-Elf noch keine einzige Minute gespielt hat. Erklärung des DFB-Präsidiums vom 14.06.2014. Deutsche Funktionäre sorgen für eine ordentliche Begleitmusik für eine Fußballweltmeisterschaft.“

Über die FIFA, Funktionär Blatter, Franz Beckenbauer, mediale Schlammschlachten, russische Verbindungen mit krimineller Energie und abgekupferten Content etc. haben wir ein bemerkenswertes Hintergrundstück von Jens Weinreich, in dem die Bild am Sonntag nicht sonderlich gut wegkommt. Unbedingt lesen.

Übungsleiter Löw greift heute in das Geschehen ein, sein ehemaliger Chef auch

Heute greift also Übungsleiter Löw mit seiner Mannschaft in das Geschehen ein. Portugal verlor 2006 im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland bei der WM in Stuttgart. Auch 2008 bei der Europameisterschaft musste die Mannschaft um Star Ronaldo eine Niederlage hinnehmen gegen die DFB-Elf. Ebenso bei der EM 2012. Doch grau ist alle Statistik und Bilanzen vergangener Spiele. Heute geht es wieder bei Null für beide Teams los. Iran gegen Nigeria hat auch eine kleine deutsche Komponente. Die iranische Mannschaft wird vom deutschen Unternehmen Uhlsport ausgestattet. Im Vorfeld gab es wegen der Trikos diverse Irritationen. Nigeria läuft in Adidas Trikots auf. Die Afrikaner haben in der Gruppe F mit den weiteren Kontrahenten Argentinien und Bosnien -Herzegowina durchaus ein Weiterkommen im Blick. Dann wäre zur geschmeidigen Uhrzeit von 24.00 Uhr auch noch das Spiel Ghana gegen USA. Boateng, Klinsmann, Vogts. Mehr deutsche Komponente geht fast gar nicht. Jürgen Klinsmann hat das Ziel, die Gruppe zu überstehen, in der ihm arteigenen selbstbewussten Art ausgegeben. Ghana scheiterte bei der letzten WM dramatisch und tragisch an Uruguay im Kampf um den Einzug in das Halbfinale. Sie wären die erste afrikanische Mannschaft gewesen, sich mit dem Einzug ins Halbfinale bei einer WM in die Geschichtsbücher einzutragen. Zu Zeiten eines Roger Milla mit Kamerun bei den grandiosen Auftritten hätte manch Fußballexperte den afrikanischen Mannschaften so ein Erfolgserlebnis durchaus früher zugetraut. Doch die Entwicklung verlief nicht problemlos. Die Probleme, politisch, infrastrukturell, materiell sowie personell, sind auf dem afrikanischen Kontinent vielfältig.

Deutschland – Portugal

Montag, 16. Juni, 18.00 Uhr, Salvador, im ARD

Iran – Nigeria

Montag, 16. Juni, 21.00 Uhr, Curitiba, im ARD

Ghana – USA

Montag, 16. Juni, 24.00 Uhr, Natal, im ARD

Nachdenkenswert #234

,,Weltmeisterschaften lohnen sich in erster Linie für die FIFA. Die brasilianische Wirtschaft dürfte von der diesjährigen Heim-WM aber kaum profitieren.  Brasilien kann einer Studie zufolge nicht mit einem grösseren wirtschaftlichen Aufschwung durch die bevorstehende Fussball-Weltmeisterschaft rechnen. Die WM bringe dem Gastgeberland bestenfalls eine gute Stimmung, urteilen die Autoren einer am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Analyse der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes HWWI.

Der gesamtwirtschaftliche Effekt bleibe bei derartigen Grossereignissen dagegen vernachlässigbar gering.“

Das Schweizer Branchenmagazin Sponsoring extra mit dem Blick auf die WM-Profiteure

Brasilien WM 2014: Die Geldtöpfe der WM-Auslosung

Okay, Jürgen Klopp wird den Tag der WM-Auslosung in Brasilien nicht entgegenfiebern. Er schaut sich die Sache nicht an. Der ehemalige Zweitligatrainer gab dieser Woche kund, wie wenig ihn die ganze Zeremonie interessiert.

,,Man erfährt ja sowieso irgendwann, gegen wen man spielen muss. Es ist schön, dass die FIFA ein Riesen-Event daraus macht, aber sie könnten auch einfach losen und die Verbände dann anrufen.“

Vielleicht mag Jürgen Klopp in der Zwischenzeit am Freitag ein wenig Video gucken. Hier zum Auftakt ein wenig Brasilien-Flair inklusive der Bedienung von Klischees. Hat-Tip an interpool.tv.

Topf 1:  Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz, Uruguay
Topf 2:  Chile, Ecuador, Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria
Topf 3: 
Australien, Iran, Japan, Südkorea, Coast Rica, Honduras, Mexiko, USA
Topf 4: 
Holland, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bisnien-Herzegowina, Kroatien,    Rußland, Frankreich

Das sind also die Geldtöpfe der WM-Auslosung. Das Branchenblatt SPONSORs teilte am Donnerstag diese schöne und große Zahl in Sachen monetäre Ausschüttung mit:

,,Der Weltmeister 2014 erhält vom Fußball-Weltverband (FIFA) ein Siegpreisgeld von 35 Millionen Dollar (umgerechnet rund 25,77 Millionen Euro). Dies gab die FIFA nach der Sitzung des Exekutivkomitees am Donnerstag in Costa do Sauípe bekannt.“

Im Fußballbuch Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek 1930 – 1950 wird zum Turnier vor 63 Jahren in puncto Finanzen folgendes festgehalten:

,,Die WM wurde für damalige Verhältnisse ein enormer finanzieller Erfolg. Der Gewinn von 21 Millionen Cruzeiros, was rund 7 Millionen Mark entsprach, ging zu 60% an die teilnehmenden Verbände, zu 25% an den Veranstalter und zu 15% an die FIFA.“

Die jetzige WM ist nicht frei von Sorgen. Manch einer war ob der Proteste im Sommer beim Confed Cup überrascht. Das gellende Pfeifkonzert für die brasilianische Präsidentin und den FIFA-Boss war unüberhörbar. Kosten sozialisieren und Gewinne privatisieren ist kein Modell um in Friede, Freude, Eierkuchen Manier den Beifall der Massen zu bekommen. Das brasilianische Volk probte im Sommer 2013 den aufrechten Gang.

Das hohe Loblied auf König Blatter

Blatter ist seit Jahrzehnten in bestechender Form. Er ist der emotionale Leader eines exklusiven Weltklasseteams. Alleine seine Seitenwechsel. Oder die legendäre Abseitsfalle für missliebige Funktionärskollegen oder überkritische Sportjournalisten. Auch seine Schussstärke ist beeindruckend. Sein Distanzschuss kürzlich an das deutsche 2006er Bewerbungsgebälk war in aller Munde. Seine taktische Vielfalt ist einmalig in dieser Liga. Er beherrscht Tackling in höchster Ausführung. Rückfallzieher, Seitfallzieher oder die spezielle Art des Kopfballspiels (bei Gefahr auch einfach den Kopf kurz einziehen und abwarten) erhöhten stetig seinen Wert auf dem Transfermarkt.

Auch bei der Medienarbeit, oft von sehr laschen Bundesligafußballern nur mit semiprofessionellen 0815 -Interviews notdürftig verrichtet, zeigt Blatter seine Eleganz und intellektuelle Weitsicht sowie rhetorische Überlegenheit. Er brilliert auf dem Podium wie auf dem Rasen. Blatter beherrscht in kritischen Situationen das Zeitspiel und hat stets die Uhr im Blick. Berühmt-berüchtigt sein Teamgeist. Manch Mannschafskamerad aus dem inneren Zirkel kann ein Lied davon singen. Auch die Personalplanung hat er stets stringent durchgezogen. Mannhaft. Fernab falscher Sentimentalitäten.

Blatter ist belesen. Nicht immer gefallen ihm vielleicht die aktuellen Schlagzeilen. Journalistische Vollblutstürmer wie Jens Weinreich titeln auf ihrem Blog Lösung für die FIFA? Kollektiv-Rücktritt der Führungsclique!

Stärke zeigen. Mit Power sich über die Kritiken souverän hinwegsetzen. Der König ist wendig, kann Haken schlagen und beendet seine Laufbahn nicht nach Willen des Publikums. Er hat doch einen Matchplan. Das einzige was man aufgibt ist ein Brief. Doch nie das Amt. Die Geschichtsbücher in der Sparte Fußball werden ihm für seine Beharrlichkeit die entsprechenden Seiten bereithalten. Lasst Champagnerkorken knallen.

Die FIFA heute vor gut einem Jahr …

So ein Jahr vergeht immer wie im Fluge. Wir steuern kalendarisch zügig auf den 1. Dezember hin. Die Weihnachtskalender dürfen bereits an den Wänden befestigt werden. Damals war Zürich im Blickpunkt. Die FIFA sowieso. Die Fußball-WM Vergabe für 2 Turniere stand an. Ein Sportpolitik Krimi zeigte sich der Fußballwelt. Oder eine Seifenoper. Je nach Sichtweise.

Im Blog hier leitete ich den Artikel FIFA kürt in Zürich die Fußball-WM Ausrichter 2018 + 2022 , indem auch eine Videosequenz von Wolf Biermann mit seinem Statement zum Rauswurf aus der DDR durch die alten Herren des Politbüros zu sehen war,  mit folgenden Worten ein:

,,Dieser Tage steht Zürich allerorts im Mittelpunkt. Nachdem am Wochenende Schachweltmeister Viswanathan Anand in der Stadt gesichtet wurde und einen entspannten Eindruck machte, steht jetzt die Mischung von Funktionärspolitik und Fußball auf dem Programm. Die älteren Herren der FIFA küren die WM-Ausrichter für 2018 und 2022. Korruptionsvorwürfe hin oder her. Mich erinnern die Funktionäre und die Firma doch immer etwas an das Politbüro. Alte Männer, ihre eigenen Pfründe im Blick, eigener Moralkodex, fehlende Transparenz für das gemeine Volk und eine arteigene Arroganz der Macht.“

Nachdenkenswert #97

,,Ja, endlich ist es gelungen, die katholische Kirche in Leder nachzubauen. „Fifa“-Schilder säumen die Autobahnen rings um die Damen-WM-Stadien im Ruhrgebiet, und wie bei den letzten beiden Herren-Turnieren werden die öffentlich-rechtlichen Reporter die vier Buchstaben loben und preisen für mein Geld. Das Elend des Sportjournalismus in den elektronischen Medien rührt von der mafiösen Situation, dass nur berichten darf, wer nächstes Mal noch Rechte kaufen möchte. Das hat die Tour de France zu einer albernen Apothekenrundfahrt gemacht, und nun kriegt halt der Fußball die Blattern. Sollte die Marktwirtschaft ausnahmsweise mal funktionieren, gäbe es einen zweiten, besseren Fußballverband.“

   Friedrich Küppersbusch, Journalist und Borussia Dortmund Fan,

   im Interview mit der unkonventionellen taz

Das Elixier der Aufmerksamkeit

Der Sportinteressierte findet zur Zeit eine Vielzahl offener und spannender Baustellen. Monokultur war gestern. Miami Heat fuhr den ersten Sieg gegen das Nowitzki Team Dallas Mavericks ein. Spox titelt zum Duell HEAT VS. MAVS Eine statistische Unfassbarkeit.

 Der Stanley Cup hält für alle Eishockeyfreunde Spannung bereit. Auf dem Eishockey-Blog von Tilman Pauls gibt es eine historische Reminiszenz dazu.

Das Tollhaus FIFA hat auf der Krönungsmesse dem machtbewussten Funktionär Blatter den Segen gegeben. Sportjournalist Jens Weinreich ist seit Jahren profunder Kenner der intimen Vorgänge im monetären Reich der reiferen Herren.  Diese Woche bloggte  er fleißig und unermüdlich über die bizarren Ereignisse von Zürich. Zum Nachlesen der Weinreich Extrakt unter dem Titel: live-Blog aus Zürich: Krönungsmesse für den FIFA-Paten im Ozean der Solidarität

Derweil gibt es noch zwei neue und spektakuläre Neuverpflichtungen zu vermelden. Schach und Fußball. Der deutsche Mannschaftsmeister OSG Baden-Baden legt eine beachtliche personelle Verstärkung hin und der Rekordmeister im Fußball, Bayern München, vermeldet die Schließung einer Lücke zwischen den Pfosten.

Torsten Wieland vom Königsblog verabschiedet den Keeper unter anderen mit folgenden Worten:

,,Ich glaube ich habe alle Deine Profi-Pflichtspiele verfolgt, da fühlt es sich anders an als bei irgendeinem, der nur lange da war. Keine Szene jetzt bitte. Du hast Dich bestimmt vor langer Zeit entschieden. Ich habe mich schon lange damit abgefunden. Blöd ist nur, meinen traurigen Sohn erleben zu müssen, der bis zuletzt hoffte. Aber auch der wird demnächst Dein Poster von der Wand kratzen.“

Ich habe vom Umzug und den zahlreichen Maleraktivitäten noch etwas Farbe im berühmten Alpina Weiß übrig.

Jan Gustafsson outet sich als Dirk Nowitzki Fan

Deutschlands smarter Schachgroßmeister Jan Gustafsson bloggt nicht nur, zur Zeit spielt er bei der Deutschen Schachmeisterschaft in Bonn um Ruhm und Ehre. Auf seiner Website fand Gustafsson vor Beginn der Meisterschaft noch Zeit sich zum aktuellen deutschen Basketballstar zu äußern:

,,Musste ja spätnachts NBA gucken, Dallas führt 3-1, Miami ebenso. Deutet alles darauf hin, dass Döörk im Finale gegen Lebron und co. seine nächste Chance auf den Ring bekommt. Für mich ist er so oder so der gößte aktive deutsche Sportler, no pun intended. Was der Typ kann, ist unglaublich.“

Nun, mit dem größten aktiven deutschen Sportler ist das ja immer so eine Sache. Mometan strahlt Formel 1 Weltmeister Sebastian Vettel für mich in puncto sportlicher Erfolg, Charisma, jugendliche Unverbrauchtheit und Kontinuität des Siegens sicherlich heraus. Nowitzki hin oder her. Vettel kommt einfach richtig locker rüber und ich darf gar nicht so oft auf sein Geburtsdatum schaun. Meine Herren. Ist schon eine Hausmarke. Eine Duftmarke. Nowitzki seine Story ist jedoch auch nicht schlecht. Dazu spielt sie in den Staaten. Die NBA ist eine Marke. Für die anstehenden entscheiden Spiele gegen Miami drückt ihm sicherlich in Deutschland nicht nur Jan Gustafsson die Daumen.

Derweil geht die Selbstzerfleischung der FIFA weiter. Kai Pahl alias dogfood analysiert gewohnt scharf und präzise.