Öffnen ARD und ZDF die Tür für das deutsche Eishockey?

Die ARD und ZDF saßen bei der Eishockey-WM nicht in der ersten Reihe und mit dem zugehaltenen Auge sah auch keiner mit dem zweiten besser. Während Sport1 bemerkenswerte Quoten mit der Übertragung der Weltmeisterschaft im eigenen Land einfuhr, blieb den Verantwortlichen der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten nur die Bestückung des Videotext. Das war für Eishockeyfreunde, Fans, Sportinteressierte und Sympathisanten natürlich zu wenig. Kommt jetzt ein Umdenken bei ARD und ZDF? Wollen wir einen Verantwortlichen zu Wort kommen lassen. ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz äußert sich mit diesen Worten:

,,Zwei Tage nach dem WM-Ende ist es zu früh, darüber eine Entscheidung zu treffen. Wir werden allerdings mit den ARD-Kollegen über das Thema sprechen. Wichtig ist, ob der Erfolg des Nationalteams wiederholbar ist.“

Das allseits bekannte Lied streift da mein Ohr. Erfolg ist sexy. Jeder wird sich noch an die Mainstream Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen während der Heim-WM im Handball 2007 erinnern. Ich will Klartext reden. Entweder habe ich als ARD und ZDF Verantwortlicher eine klare Position zum Eishockey und nehme auch schwächere Turniere in Kauf oder ich lasse es sein. Die Wiederholung dieses 4. Platzes kann unter Umständen etwas dauern. Historische Zeitabstände wie der 3. Platz bei den Olympischen Spielen 1976  in Innsbruck oder das generelle Abschneiden der Eishockey-Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften dürften bekannt sein.

Bei den Fernsehsendern geht es immer um Quote. Obwohl ARD und ZDF mit Gebühren finanziert werden und eigentlich entspannter damit umgehen könnten, schielen sie permanent nach den Zahlen. Sport1 war mit den Top-Quoten sehr zufrieden. Zeitweise haben bis zu 3,9 Millionen Zuschauer das Halbfinalduell Deutschland-Russland geschaut. Respekt. Zu den Analysen hatte der Sportsender die Eishockey-Legende Erich Kühnhackl eingesetzt. Dies erwies sich als eine gute Wahl. Wie wird insgeheim ob der Quoten und der Eishockey-Begeisterung die Stimmung bei der ARD und dem ZDF gewesen sein?

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Ende der Eiszeit im Deutschen Eishockey?

Das Team von Uwe Krupp belegt einen respektablen 4. Platz bei der heimischen Eishockey-WM. Die mannigfaltigen und gravierenden Probleme der DEL bleiben vorerst erhalten. Der in den Medien (ARD Videotext) heute bereits leicht angedeutete Rückzug von Uwe Krupp ist keine Überraschung. Er weiß um die strukturellen Schwächen im Deutschen Eishockey und lässt sich auch vom bemerkenswerten sportlichen Erfolg seiner Mannschaft nicht blenden. Im Interview mit Spox stellt er fest:

,,Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber das sind alles alte Kamellen. Jeder weiß, dass wir alle in einem Boot sitzen. Ich zitiere meinen Freund Heiner Brand: Jede Sportart identifiziert sich über die Nationalmannschaft. Wenn das von der DEL und den anderen Ligen anerkannt wird, steht einer guten Zukunft nicht viel im Wege. Aber ich bin nicht naiv. Wenn du im See bist und kannst nicht schwimmen, und einer sagt dir, wie bequem der Liegestuhl ist, dann interessiert dich das nicht, weil dir selbst das Wasser bis zum Hals steht. Deshalb habe ich durchaus Verständnis für die Klubs und ihre Probleme.“

DEB-Sportdirektor Franz Reindl ist die Querelen mit der DEL leid und spricht sichtlich verärgert über die Situation:

 „Auf diesen Kleinkrieg und dieses Hin- und Herhauen habe ich keine Lust mehr. Dafür habe ich auch keine Zeit mehr.“

Franz Reindl macht den Job beim DEB seit 1992. Nach der WM 2009 gab es auch massive Kritik aus der DEL. Er selber legt nochmals den Finger in die Wunde und verweist auf die unterschiedlichen Kräfte (DEL, DEB, ESBG und Landesverbände) und die fehlende Koordination in eine gemeinsame Richtung:

,,Wir müssen uns in einen gemeinsamen Zug setzen. Es dürfen nicht vier einzelne Züge fahren.“

Da wollen wir doch auch ein wenig positives festhalten: Dennis Endras sowie Christian Ehrhoff wurden in das WM-All-Star Team gewählt und Tschechien holt sich erstmals seit 2005 wieder den Weltmeistertitel im Finale gegen Erzrivalen Russland. Da wird so manch Favoritenwetter Geld verloren haben.