Volksverdummung im Profiradsport und Reminiszenz an die Sache mit dem mehrfachen Bänderriss

Nein, heute kein Radsport. Es sei denn hier ein sehr interessanter Befund der Situation im Profiradsport inklusive der unappetitlichen Doping-Thematik. In der Neuen Osnabrücker Zeitung äußert sich Radsport- und Dopingexperte Ralf Meutgens im Interview klar zur Gemengelage.

,,Sauber geht sicher nicht, aber vielleicht sauberer. Doch dann muss man das auch übertragen auf die Funktionäre, die Ärzte und die Physiotherapeuten. Da sind ja auch noch oft die alten Personen am Werk. Und von denen ist so gut wie nie einer belangt worden.“

Im Interview nimmt Dopingexperte Ralf Meutgens auch Stellung zur NDR-Doku „Wie sauber ist der Radsport?“. Dort hatte der in der Bodenseeregion lebende Radprofi, Zeitfahrweltmeister und Tour de France Teilnehmer Tony Martin geäußert, dass 98% der Fahrer nicht gedopt sind. Ralf Meutgens klar und prägnant:

,,Da ist ja noch nicht mal mehr der Wunsch Vater des Gedanken, das ist – mit Verlaub – Volksverdummung. Nebenbei bemerkt, finde ich es auch sehr schwierig in einer Dokumentation zu diesem Thema ausschließlich Personen zu befragen, die Teil dieses Systems sind.“

Tief durchatmen.

Das lasse ich mal so stehen.

Wer tiefer in das Thema Doping der Lohnfahrer einsteigen will, dem empfehle ich auch das Buch von Ralf Meutgens Doping im Radsport. Wer dann immer noch nicht die Nase voll hat, dem kann ich auch noch eine weitere Buchempfehlung an die Hand geben. Tayler Hamilton und Daniel Coyle mit ihrem Werk Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte. 2005 auf den Markt gekommen, und ebenfalls tief blicken lassend ist auch das Buch von Andreas Beune Did Not Finish: Der Radsport und seine Opfer. 20 Himmelsstürmer im Porträt.

Schnellgenesung eines Bänderrisses

Schwenk zu einem doch sehr erstaunlichen Genesungsprozess im Fußball.

Leistungssport ist mitunter flankiert von doch recht schnell und abenteuerlich klingenden Heilprozessen. Da wäre zum Beispiel hier in der Bodenseeregion auch die Sache mit dem mehrfachen Bänderriss im vergangenen Sommer gewesen. Geschwind steige ich ins Archiv, gehe zielgerichtet durch die Blogarchivgänge. Schaue ins Regal 7. Im 3. Fach springt mich die Schnellgenesung eines mehrfachen Bänderrisses förmlich an: Sebastian Mähr vom FV Ravensburg.

Also vertrödeln wir keine Zeit.

Reblog: [vom 21. August 2016]

Die Sache mit dem mehrfachen Bänderriss

Guten Tag.

Sind denn die Apothekenwettkämpfe in Rio eigentlich durch?

Derweil wird an diesem Wochenende munter die 1. Runde des DFB-Pokals ausgespielt. Der FV Ravensburg konnte ja aufgrund der zahlreichen DFB-Auflagen sein Heimspiel nicht in angestammten Gefilden austragen und musste nach Pfullendorf ausweichen. Dort gab es eine 0:2 Niederlage gegen den FC Augsburg, der im Vorfeld hier in der Bodenseeregion ja in Wangen ein Testspiel gegen Sparta Rotterdam austrug. Stutzig wurde ich dann gestern beim genüsslichen lesen der Schwäbischen Zeitung mit meiner Jahrhundertliebe in der Kultkonditorei Weber & Weiss in Friedrichshafen bei diesen Zeilen des Spielberichts von Alexander Tutschner:

,,Bei Ravensburg lief überraschenderweise Sebastian Mähr in der Innenverteidigung auf, obwohl er im letzten Oberligaspiel einen mehrfachen  Bänderriss erlitten hatte.“

Zur Erinnerung: Dieses letzte Oberligaspiel gegen FC-Astoria Walldorf II fand am Samstag, den 13. August 2016, statt. Das Pokalspiel gegen Augsburg am Freitagabend, den 19. August 2016.

Kann mir bei Gelegenheit bitte ein verantwortungsvoller Arzt oder Sportheilpraktiker Auskunft über die normale Zeitdauer der Genesung eines mehrfachen Bänderrisses geben? Danke.

Sport Mixed Zone Bodensee:

Volleyball: Der Trainingsauftakt beim Vizemeister VfB Friedrichshafen für die Vorbereitung auf die neue Saison2016/2017 ist vollzogen. Auch wenn Neu-Trainer Vital Heynen noch in Doppelfunktion Vereinstrainer am Bodensee und Noch-Coach der Nationalmannschaft Deutschlands ist, ließ es sich der Belgier nicht nehmen beim Auftakt persönlich dabei zu sein. Alle Details gibt es hier. +++ Fußball: Der SCR Altach, mit bemerkenswerten 4 Siegen aus 4 Spielen atemberaubend in die neue Saison der Bundesliga in Österreich gestartet, läuft heute Abend im Ernst Happel Stadion in Wien bei Austria Wien auf. Spielbeginn 19.00 Uhr. Sky ist live dabei. Hier gibt es die Vorschau. +++ Eishockey: Beim schweizerisch-deutsch besetzten Bodenseecup belegen die Ravensburg Towerstars mit Coach Daniel Naud den 3. Platz. Frank Enderle hat die Einzelheiten gewohnt kompetent aufgedröselt. Hier geht es entlang. +++ Handball: Sie sind der Shooting Star am Bodensee. Der Aufsteiger in die 2. Handball-Bundesliga, die HSG Konstanz, powert bereits auch in der Vorbereitung. Gegen den EHF-Cup Starter Pfadi Winterthur aus der Schweiz gab es im starken Finish ein 22:22 (9:13). Andreas Joas hat wieder entsprechend in die Tastatur gehauen. Hier geht es zum Spielbericht. +++ Kaderschmiede: Die ambitionierten Eishockey-Cracks der EV Lindau Islanders vermelden die Komplettierung ihres Kaders für die neue Saison in der Oberliga. Andreas Farny kommt vom Nachbarn Ravensburg Towerstars. Hier die kompletten Details des Transfer der Inselstädter. +++ Bregenz Handball: Handballfreunde können sich auf einen internationalen Termin im September in der Festspielstadt am Bodensee freuen. Bregenz Handball richtet die Velux EHF Champions-League Qualifikation am 3./4. September 2016 aus. Hier die Details.

Reblog: Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff-Wahnsinn weiter.

Sie waren auf einem Höllentrip. Ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, etwaig besorgte Mütter oder das sorgenvolle Gesicht ihres Sachbearbeiters der örtlichen Krankenkasse. Die Rede ist vom promovierten Sportjournalisten Raoul Duke und seinem Spezi, dem unkonventionellen Rechtsanwalt Dr. Gonzo. Sie lassen es krachen. Doping? Was ist das? Duke und Dr. Gonzo hatten sich auf den Weg gemacht. Ziel war das  Offroad-Rennen Mint 400 in der Wüste bei Las Vegas. Sportjournalist Raoul Duke hatte einen Auftrag für ein Magazin. Aufgabe war die Berichterstattung über das Rennen. Auf dem Weg nach Las Vegas lassen Duke und Dr. Gonzo nichts aus. Ihr Drogenrausch wird im Film Fear and Loathing in Las Vegas von Regisseur Terry Gilliam so geschildert.

„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Mescalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, ’nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher … sowie ’nen Liter Tequila, ’ne Flasche Rum, ’ne Kiste Bier, ’nen halben Liter Ether und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unseren Trip brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ’ne ernsthafte Drogen-Sammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden.“

Sportjournalist Raoul Duke wurde in dem 1998 herausgekommenen Film, dessen Drehbuch auf  dem Roman Angst und Schrecken in Las Vegas von Hunter S. Thompson basiert, von Johnny Depp gespielt. Seinen Begleiter Dr. Gonzo spielte Benicio del Toro. Verlassen wir an dieser Stelle den Kinosaal. Duke und Dr. Gonzo haben mit ihrem gemieteten Chevrolet Impala Cabriolet noch ein paar Fahrkilometer vor sich.

Schwenken wir zum brutalen Thema Doping im Hochleistungssport. Bullshit. Da gibt es keine zwei Meinungen. In Deutschland ist die Schar der Sportjournalisten, die sich dem Thema Doping kontinuierlich widmen, doch sehr überschaubar. Hajo Seppelt ist einer von ihnen. Blicken wir in mein Blogarchiv. Und legen los.

Reblog: [vom 6. April 2016] 

Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff-Wahnsinn weiter

Während die Promotion-Tour von Hajo Seppelt weitergeht, siehe das Spox Interview unter dem Titel „Man muss im Fußball recherchieren“ und bevor ich mich dem Sportgeschehen am Bodensee zuwende, generell ein paar Worte zur Doping-Berichterstattung in Deutschland. Ja, es gab sie, die Sternstunden des investigativen Journalismus. Erinnert sei an das Jahr 1998. Damals strahlte die ARD die Sendung Monitor mit dem unvergesslichen Moderator Klaus Bednarz aus. Seine Anmoderation zum Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer über Doping im Radsport (Hier geht es zum Video des Originalfilmbeitrages bei Monitor) war ein Lehrbeipiel wie seriöser und kompetenter Journalismus in Sachen Doping-Berichterstattung aussehen kann.

Nein, ich habe nie den Ehrgeiz gehabt Deutschlands Nummer 1 in Sachen Doping-Berichterstattung zu werden. Mich 365 Tage am Stück, 24 Stunden mit den unappetitlichen Dingen der Industriebranche Profisport zu beschäftigen, wäre mir dann doch monothematisch zu eng.  Auch meine Leser haben ja schöne Interessen. Die Besucherströme zum Countdown des Schach-WM Kandidatenturniers in Moskau im März 2016  oder der Sport am Bodensee: Auf den Spuren von Brigitte Bardot, Sophia Loren, Sean Connery und Co. sprechen da eine deutliche Sprache. Der Mensch mag nicht immer nur im Doping-Müll wühlen, sich damit auseinandersetzen und eigenes Sehverhalten ständig kritisch zu hinterfragen. Das Leben ist schön. Es hat viele Facetten zu bieten.

Traveler Digital Camera

Foto:  © Michael Wiemer

Nichtsdestotrotz ist ernsthafte Auseinandersetzung von Journalisten mit dem Thema Doping wichtig. Siehe oben die Qualitätsarbeit bei Monitor im Jahr 1998. Später gab es dann eine Phase, wenn ich gefragt wurde, wer denn zuverlässig und seriös über Doping in Deutschland berichtet, dass ich die Namen Daniel Drepper, Jonathan Sachse und Jens Weinreich in die Runde warf. Sie hatten Drive, bedienten Blogs mit Texten, Quellen, interessanten Recherchen. Hajo Seppelt hatte ich zu jener Zeit nicht auf dem Notizzettel, wenngleich ich seine Arbeiten kannte. Hajo Seppelt war in den letzten Jahren fleißig. Im vorletzten Jahr dann seine Dokumentation „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht.“ sowie 2015 „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik.“

Es hagelte Auszeichnungen. Zu Recht. Zwei seien an dieser Stelle erwähnt: 2016 gab es den Bud-Greenspan-Award der New York Television and Film Writers für die Dokumentationen „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ und „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ und 2015 die bemerkenswerten Siegerpreise beim ersten weltweiten Journalistenwettbewerb „Sports Media Pearl Award“ des Weltverbands der Sportjournalisten (AIPS) in Abu Dhabi in der Kategorie Video documentary für den Film „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ und in der Kategorie Best investigative reporting.

Jetzt also am letzten Sonntag Hajo Seppelts neuestes Werk bei WDR sport inside mit dem Bericht über den Londoner Gynäkologen und Sportflüsterer Dr. Mark Bonar. Auch die ARD brachte ihn. Und Seppelt durfte auch in der Tagesschau sein Statement abgeben. Noch fehlen konkrete Namen. Seppelt im eingangs erwähnten Spox Interview:

,,Es sind im Rahmen der Aufnahmen mit der versteckten Kamera Namen genannt worden, bei denen es sich zum Teil um sehr bekannte Fußballer und Sportler handelt, die den meisten Fans weltweit bekannt sein dürften. Wir sind da sehr vorsichtig und werden keinen öffentlich anschwärzen, solange die Beweislage nicht eindeutig ist – und das ist sie in diesem Fall nicht. Es gibt Behauptungen eines Arztes, der offenkundig Dopingmittel verschreibt und sich in der Szene sehr gut auskennt. Ein anderer sagt, dass er Fußballer zu ihm geschickt hat. Die Indizienkette ist also schon sehr dicht. Doch das reicht aus unserer Sicht noch nicht aus, um Namen öffentlich zu nennen.“

Das lasse ich mal so stehen.

Wenden wir uns dem Sportgeschehen am Bodensee zu. Gestern Abend standen die Ravensburg Towerstars mit dem Rücken zur Wand. Der kanadische Coach Daniel Naud hatte die Oberschwaben jedoch gut eingestellt. Im DEL2 Playoff-Halbfinale gab es einen begeisternden 6:3 Sieg gegen das Eishockeyteam der Kassel Huskies. Damit steht es in der Best of Seven Serie 2:3. Nächstes Spiel am Freitag in Kassel.

Auch die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen sind im Playoff-Fieber. Sie schauen heute genau hin. Sollte erwartungsgemäß Erzrivale Berlin Recycling Volleys gegen CV Mitteldeutschland weiterkommen, geht es im Playoff-Halbfinale am 13. April gegen die United Volleys RheinMain, den Pokalschreck der Häfler. Der Vorverkauf für die Tickets ist bereits angelaufen. Die Geschäftsstelle in der Meistershofener Straße 25 in Friedrichshafen und der Onlineticketpartner reservix sind adäquate Adressen für alle Fans. Nein, Vital Heynen ist als neuer Trainer noch nicht offiziell verkündet. Alle warten gebannt nach der Dechiffrierung des Interviews von Vital Heynen mit der Schwäbischen Zeitung auf das Rauchzeichen.

Schwenk zum Segeln. Das Match Race Germany in Langenargen hatte im vergangenen Jahr den Sieger Tomislav Basic aus Kroatien gesehen. Er verwies den Schweizer Eric Monnin und den Dänen Joachim Aschenbrenner auf die Plätze. Die diesjährige Ausgabe ist bereits in Sicht. Der Countdown vermeldet: 35 Tage, 23 Stunden, 19 Minuten und 33 Sekunden. Das Segelevent ist vom 12. – 16. Mai 2016 terminiert.

Sport Mixed Zone Bodensee

Fußball: Der FC St. Gallen schmiert im Auswärtsspiel beim FC Zürich ab. Coach Joe Zinnbauer bedient: ,,Die Viererkette habe heute jedoch überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Und auch die Kette davor nicht. Und auch nicht noch weiter vorne.“ +++ Niederlagenserie gestoppt: Der Fußball-Oberligist FV Ravensburg hatte zuletzt 4 Niederlagen am Stück einstecken müssen. Am Wochenende dann der Sieg beim FC Freiburg. Heute steht Pokal für die Ravensburger (Pokalfinalist im WFV-Pokal 2015) an. Sie spielen im WFV-Viertelfinale beim SSV Ulm 1846 im Donaustadion. +++ Befreiungsschlag: Das Fußballteam vom  SCR Altach stand die letzten Wochen im intensiven Abstiegskampf. Jetzt gelang mit dem 2:0 Heimsieg gegen Austria Wien ein Befreiungsschlag. Hier die statistischen Details und Trainerstimmen. +++ Handball: Österreichs Handballmeister Alpla HC Hard verliert im letzten Spiel im Oberen Playoff in Wien bei Fivers Margareten. Am Sonntagnachmittag in Gummersbach dann der Einsatz der Harder Handballspieler Dominik Schmid und Gerald Zeiner im Länderspiel Deutschland vs. Österreich. Der ehemalige Harder Spieler Robert Weber, zur Zeit in Diensten des SC Magdeburg, traf fünffach gegen Deutschland.

„Ach, der heißt wirklich Hajo Seppelt.“

Nein, bis zur Medienmarke ist es noch ein wenig Weg für Hajo Seppelt. Mir wurde dies erst kürzlich klar bei einem wunderschönen Spaziergang am Bodensee mit meiner Jahrhundertliebe.

Foto:  © Michael Wiemer

Wir hatten irgendwann das Thema des Beitrags von Hajo Seppelt bei sport inside auf dem WDR über den in pubertärer Art etwas angeberisch daher schwätzenden Frauenarzt Dr. Mark Bonar. Ich berichtete über meinen Eindruck von dem Kurzfilm bei frischer Seeluft. Beiläufig erwähnte ich, dass mir in der Filmsequenz von Hajo Seppelt konkrete Namen von dopenden Sportlern fehlen. Es sei so doch vieles vage. Zumal Dr. Bonar wirklich, ich wiederhole mich da gerne, im pubertären Stil angab mit der Zahl der britischen Leistungssportler die in seiner Praxis aufliefen und grenzwertig versorgt worden seien. Hajo Seppelt müsste da schon noch liefern, meinte ich entspannt. Meine Jahrhundertliebe spontan:

,,Ach, der heißt wirklich Hajo Seppelt.“

Sie weiß von meiner Angewohnheit, hin und wieder Kosenamen zu vergeben. Sie meinte, auch Hajo Seppelt hätte ich mit solch einem versehen. Nein, das Mitglied der ARD-Dopingredaktion heißt wirklich Hajo Seppelt. Man klärt ja gerne auf. Wir beide mussten schmunzeln. Am See ist es auch schwer verbissen zu werden oder sich zu streiten.

Foto:  © Michael Wiemer

Dabei ist Hajo Seppelt durchaus in den letzten Jahren in Sachen Doping-Berichterstattung in Deutschland an Jonathan Sachse, Daniel Drepper oder Jens Weinreich vorbeigezogen, wie einst Marco Pantani am Berg an seinen „hundsgewöhnlichen Proletariern“ (Copyrhight by Peter Sloterdijk der einst im Spiegel im Jahr 2008 im Interview unter dem Titel „Hundsgewöhnliche Proletarier“ über die Höllentour, die Profanität des Dopings, die zerstörerische Kraft dänischer Nihilisten und den Zauber der Tour de France plauderte).

Das Seppelt im Kampf um die Aufmerksamkeit und in der Frequenz in Sachen Doping-Berichterstattung gefühlt deutlich klar an Jonathan Sachse, Daniel Drepper und Jens Weinreich vorbeizog, ist auch ein Verdienst der ARD. Die ARD polstert die Doping-Redaktion finanziell aus, sorgt für flankierende Logistik bei Flügen nach London und bei der sich immer wieder als medienwirksam zeigenden Promotion-Tour der Vermarktung von Dopingbeiträgen. Seppelt braucht auch keine Crowdfunding Aktionen zu fahren um sich an die Arbeit zu machen. Hajo Seppelt war die letzten Jahre bienenfleißig und sammelte Auszeichnungen wie andere Panini Bilder oder AGON BigCards von Fußballlegenden. Er konzentrierte sich auf das Thema Doping, verzettelte sich nicht mit anderen Themen und meine Jahrhundertliebe weiß seit unserem neulichen Spaziergang am Bodensee auch Bescheid. Sein Name ist Hajo Seppelt. Fairerweise muss ich anfügen, als ich meine Jahrhundertliebe 2000 kennenlernte, fand sie Kahn nicht als Bezeichnung eines der weltbesten Torhüters zu seiner Zeit, sondern eher als Synonym für ein Ruderboot. Sie kommt aus einer Familie, die sich für die Übertragung von Sport im Fernsehen oder den Sportteil in der Zeitung wenig interessiert. Die Ausnahme ist da Motorsport. Fußball stand da eher auf dem Index. Oliver Kahn, wer bitte soll das sein?

IMG_1220

Foto:  © Michael Wiemer

Dabei ist für mich einer der Sternstunden der Doping-Berichterstattung in Deutschland immer noch der Monitor Beitrag aus dem Jahr 1998. In Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff Wahnsinn weiter merkte ich an:

,,Während die Promotion-Tour von Hajo Seppelt weitergeht, siehe das Spox Interview unter dem Titel „Man muss im Fußball recherchieren“ und bevor ich mich dem Sportgeschehen am Bodensee zuwende, generell ein paar Worte zur Doping-Berichterstattung in Deutschland. Ja, es gab sie, die Sternstunden des investigativen Journalismus. Erinnert sei an das Jahr 1998. Damals strahlte die ARD die Sendung Monitor mit dem unvergesslichen Moderator Klaus Bednarz aus. Seine Anmoderation zum Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer über Doping im Radsport (Hier geht es zum Video des Originalfilmbeitrages bei Monitor) war ein Lehrbeipiel wie seriöser und kompetenter Journalismus in Sachen Doping-Berichterstattung aussehen kann.“

Klaus Bednarz hatte prägnante Worte vor dem Abspielen des investigativen Films von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer vorangestellt.

,,Nun, wie angekündigt zu dem Thema, das spätestens seit der Tour de France die gesamte Sportwelt in Atem hält: Das Thema Doping. Und hier scheint es eine Art himmlisches Wunder zu geben. Alle dopen, nur die Deutschen nicht. Und das ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung. Die Italiener dopen. Die Franzosen dopen. Die Schweizer dopen. Die Belgier dopen. Die Briten … Nur die Deutschen Radsportler sind sauber. So jedenfalls stellen es die Deutschen Radsportfunktionäre dar. In Wirklichkeit wird auch im Deutschen Radsport gedopt bis sich die Lungen blähen und die Muskeln platzen. Und zwar nicht nur bei den Profis sondern auch bei den Amateuren und sogar bei Jugendfahrern. Ein Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer.”

 Tief durchatmen.

Nachdenkenswert #353

,,Schon in wenigen Jahren wird vieles im Sport nicht mehr so sein, wie wir es kennen. Der Fisch stinkt dabei von Kopf bis Fuß: „Oben“ regier(t)en korrupte Greise wie der FIFA Großwesir Sepp Blatter, Formel 1 Strippenzieher Bernie Ecclestone oder Lamine Diack, der als Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes für Dopingvertuschung fleißig kassiert hat. Ach, das kann in Deutschland nicht passieren? Dumm, dass derzeit auch der DFB wie eine FIFA für Arme erscheint und sogar die Lichtgestalt Franz Beckenbauer offenbar viel Schwarzlicht produziert hat.“

Prof. Dr. Eckehard ,,Fozzy“ Moritz, Gründer der Innovationsmanufaktur, in seiner Kolumne auf der offiziellen Website der ISPO.

Nachdenkenswert #333

,,Man hat sich gewöhnt an Berichte über Sportfunktionäre, die sich persönlich bereichern, ihren Verwandten Pöstchen zukommen lassen oder andere bestechen. Man ist auch nicht mehr überrascht, wenn Sportler auffliegen, die chemisch nachgeholfen haben. Es ist nichts Neues, der Sport ist von Korruption und Doping verseucht. Beim Publikum stellt sich Ermüdung ein.“

Oliver Fritsch, Gründer der Hartplatzhelden und kritischer Sportjournalist bei Zeit Online, nimmt mit seinem Kollegen Christian Spiller die skandalumtoste Leichtathletik unter die Lupe im Artikel mit dem Titel Dagegen ist der FIFA-Skandal ein Witz. 

Nachdenkenswert #318

,,Es ist uns nicht gelungen, die schweren Hypotheken des Spitzensports der vergangenen 50 Jahre zur Kenntnis zu nehmen. Die Kinder, die damals begeistert zum Sport gingen, sind heute 50, 60 Jahre alt und haben schreckliche Doping-Folgen zu tragen, leiden an schwersten physischen und psychischen Krankheiten. Viele sterben. Das Einheitsmanna ist deshalb für diejenigen, die im Spitzensport der DDR zu Opfern gemacht wurden, ausgesprochen bitter. In den 25 Jahren nach der Einheitsverkündung ist es der Gesellschaft nicht gelungen, die Kernlüge des Spitzensports in den Blick zu nehmen.“

Ines Geipel, Vorstandsvorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe e.V. und profunde Kennerin des Sportsystems in Deutschland, auf die Frage: ,,Frau Geipel, Sportfunktionäre und Politiker behaupten, die Vereinigung im Sport sei gut gelungen. Sehen Sie das auch so?“ im FAZ-Interview mit Anno Hecker unter dem Titel Die Kernlüge des Sports.

Nachdenkenswert #308

,,Der organisierte Sport ist offenbar zufrieden damit, wie es läuft. Skandale stören ihn zwar und ich glaube auch, Bach und Co. hätten nichts dagegen, wenn es dopingfrei zuginge. Aber eigentlich ist es ihnen wurscht. Das Problem ist auch, das kenne ich noch aus dem Studium: Zum Sport gehen die, die Partys lieben, nicht die, die Bücher lesen. Ist auch so in der Politik. Ich möchte nicht hoffen, dass das Niveau der Debatten überall so niedrig ist wie im Sportausschuss des Deutschen Bundestags.“

Oliver Fritsch, Sportjournalist, mit seinem Kollegen Christian Spiller auf Zeit Online im kritischen und offenen Gespräch über das Thema: Hat Sport noch Sinn? Beide Sportredakteure machen eine Bestandsaufnahme über Doping, Lug und Trug. 

Sport am Bodensee: Eurobike 2015 wirft ihre Schatten voraus

Von den 3 deutschen Tour de France 2015 Fahrern mit Wohnsitz in der Bodenseeregion ist am Ende von einem Trio nur 1 Fahrer in Paris angekommen. Emanuel Buchmann, aktueller deutscher Straßenmeister im Radsport aus Ravensburg, kam bei seinem Tour-Debüt durch. Tony Martin und Dominik Nerz bekanntlich nicht. Ist die Tour sauber gewesen? War das gelbe Trikot mit ehrlichen Mitteln erkämpft? Radsport-Journalist David Walsh kürzlich in der Neuen Zürcher Zeitung: „Ich wäre am Boden zerstört.“ , in einer Art aktiver Verteidigungsrolle für Tourgott Froome, den er für sauber hält.

,,Froome fährt seit drei Jahren an der Spitze. Als Armstrong seit drei Jahren an der Spitze fuhr, hatte ich Betsy Andreu, die Frau von Armstrongs früherem Teamkollegen Frankie, die mir sagte, sie wisse, dass Armstrong dope. Ich hatte Armstrongs frühere Masseurin Emma O’Reilly, die mir sagte, das ganze Team dope. Ich wusste, dass Armstrong mit Michele Ferrari arbeitet, dem «Dottore EPO». Und der frühere Tour-Sieger Greg LeMond hatte mir von einem Gespräch mit Armstrong erzählt, in dem Armstrong gesagt hatte: «Es ist simpel. Du warst gedopt, ich dope. Du nahmst EPO, ich nehme EPO.»“

Ach, Greg LeMond. Bei der Tour 2015 der smarte Radsportexperte für Eurosport. Gab er danach nicht auch noch kluge Ratschläge an Jan Ullrich via Sport Bild? Andererseits, die Leichtathletik scheint ja nach den Wochenendmeldungen ebenfalls durchsetzt mit Problemen zu sein, die man nicht am Abendbrottisch mit seiner Jahrhundertliebe besprechen möchte. Da sind Erinnerungen an die eigene Radtour am Bodensee, frei von Doping und im wärmenden Licht der Abendsonne, viel angenehmer.

Foto:  © Michael Wiemer

Da sind die Probleme der Leichtathletik oder dem Radsport weit weg. Nicht zu vergessen die Thematik der spektakulären Verhaftungswelle der FIFA-Funktionäre in Zürich und diese unendliche Geschichte um Blatter und Co. Blatter ist doch noch Präsident? Es gab dazu noch keine Breaking News von N24.

Foto:  © Michael Wiemer

Aber ich will noch ein paar Worte zu Radsport-Journalist David Walsh verlieren. Wird er von Sky bezahlt? Er wirft sich für Froome doch arg in den Staub. Jede PR-Agentur hätte da ihre helle Freude dran. Wir hatten hier kürzlich auf dem Blog ja an die für Lance Armstrong im Jahr 2010 näher kommenden Einschläge in einer Reminiszenz zurückgeblickt. Was wird man in einigen Jahren rückblickend auf die Tour von 2015 von Chris Froome, dem Mann im gelben Trikot mit diesen unglaublichen Kraftreserven, erzählen? Was für eine Geschichte wird dann vom britischen Velo-Jesus und seinen Jüngern erzählt werden?

Schwenk zum Sport am Bodensee. Diesen sommerlichen Monat haben wir hier im Süden noch die Eurobike in Friedrichshafen auf dem Programm. Im Terminkalender haben sich Aussteller, Radsportenthusiasten, Materialtüftler, Hobbyfahrer, Marketingprofis, Fachhändler, Konsumenten etc. die Zeitschiene vom 26. bis 29. August eingetragen. Anders wie die OutDoor, die immer noch keinen Publikumstag anbieten mag oder kann, setzt die Eurobike weiterhin auf den Publikumstag. Der 29. August 2015 ist dafür erkoren. Die Messe wird jetzt bereits in Friedrichshafen am Straßenrand plakatiert. Auf einem Rad übrigens ein Mann, dem man die Rolle passionierter Amateurradler durchaus zugestehen mag, in einem gelben Trikot.

Hier geht es zum Sportkalender am Bodensee

Nachdenkenswert #302

,,Das ist ein deutsches Phänomen, an dem vor allem die Medien schuld sind. Auf den Radsport wird immer eingeprügelt. Wenn ich nach Frankreich, Italien oder Spanien komme, werde ich immer gefragt: „Was habt ihr in Deutschland für ein Problem?“ Es gibt doch auch andere Sportarten, in denen nicht immer sauber gearbeitet wurde. Sport ist ein Teil der Gesellschaft. Und einem Teil der Gesellschaft kann man die Medizin doch nicht wegnehmen und eine weiße Weste anziehen, die es gar nicht gibt. Die gibt es nicht in der Politik, nicht im Business und eben auch nicht im Sport. Würden die Medien nicht immer wieder darin herumwühlen, hätten es die Zuschauer schon längst wieder vergessen.“

Rudi Altig, Ehemaliger Tour de France Fahrer, 1962 Gewinner des Grünen Trikots und 1966 ausgezeichnet als kämpferischster Fahrer der Frankreichrundfahrt, 8-maliger Etappensieger der Tour de France und 18 Tage Träger des Gelben Trikots,   1959 Amateur-Weltmeister in der Einerverfolgung in Amsterdam, 1960 Bahnweltmeister bei den Profis in der Einerverfolgung in Leipzig, 1961 Profi-Weltmeister in der Einerverfolgung auf der Radrennbahn in Zürich-Oerlikon, 1966 Weltmeister im Straßenrennen auf dem Nürburgring, 1966 Sportler des Jahres in Deutschland, im Interview mit dem Sportportal Spox mit einer vielsagenden Kritik an den Medien und der Unterschätzung des mündigen Zuschauers.