Eurobike 2017 wirft ihre Schatten voraus, HSG Konstanz testet vor DHB-Pokalspiel und Richard Ringer

Guten Morgen. Hier am Bodensee versprechen die Metereologen ein traumhaft schönes Wetter am heutigen Augustdienstag. Wir schreiben den 15.08.2017. Beim Blick auf den Sportkalender am Bodensee nähert sich eine sportive Branchenmessse: Die Eurobike. Längst hat sie auch einen Eintrag bei Bruder Wikipedia, der mit diesen Worten beginnt:

,,Die Eurobike ist eine internationale Messe rund ums Fahrrad und Elektrofahrrad. Sie findet seit 1991 jährlich Ende August, auf dem Gelände der Messe Friedrichshafen, statt. Sie ist vor der Interbike in Las Vegas und der Taipei Cycle Show in Taiwan die weltweit größte Leitmesse im Fahrradsektor.[1] Im Jahr 2016 waren 77.100 Besucher aus über 100 Ländern auf der Eurobike.[2][3]“

Im vergangenen Jahr hatte die Eurobike 2 Publikumstage. Das führte durchaus zu kontroversen Diskussionen. Bei so einer Messe schwingt immer auch der Kostenfaktor mit. Händler und Hersteller haben auch das Tagesgeschäft im Blick. Stefan Reisinger, Bereichsleiter OutDoor/Eurobike der Messe Friedrichshafen, verkündete dann für 2017 auch die Reduzierung auf 1 Publikumstag und bilanzierte nach der Eurobike Ausgabe 2016:

„In den letzten Jahrzehnten erlebten wir einen nahezu kontinuierlichen Anstieg unserer Besucherzahlen. Erstmals registrieren wir nun einem Rückgang, primär bei den deutschen Fachbesuchern. Die Gründe dafür reichen vom bisherigen Saisonverlauf bis hin zum steigenden Wettbewerb durch eine zunehmende Zahl von Eigenveranstaltungen der Hersteller. Wir haben umfangreiches Feedback zu unserer Neukonzeption erhalten und viel über die zukünftige Ausrichtung und Weiterentwicklung mit unseren Kunden gesprochen. Ein Ergebnis daraus ist, dass wir die Endverbraucher-Ansprache im nächsten Jahr mit einem Festival Day auf den Samstag konzentrieren. Damit findet die Eurobike 2017 ohne den ursprünglich mit eingeplanten Sonntag, von Mittwoch, 30. August bis Samstag, 2. September statt.“

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 42.720 Fachbesucher nach Friedrichshafen. Im Jahr 2015 zählte die Eurobike 45.870 Fachbesucher.

Einer der Hauptgründe für den Rückgang an Fachbesuchern wird von Brancheninsidern klar benannt. Das Ausbleiben einiger großer Hersteller, wie etwa Deutschlands größter Radhersteller, die Derby-Cycle-Gruppe  mit den Marken Focus, Kalkhoff und Rixe oder der renommierte amerikanische Radgigant Trek. In der umsatzstarken Radbranche wird zur Zeit intensiv diskutiert, wohin die Branchenmesse in den nächsten Jahren steuert.

2016 wurde die konzeptionelle Neuausrichtung mit 5 Messetagen, davon zwei offene Tage für das Publikum unter anderen aus Kostengründen von Ausstellern kritisiert. Eurobike-Bereichsleiter Stefan Reisinger reagierte unmittelbar und halbierte die Anzahl der Publikumstage. Nach der Kürzung war klar, dass es 2017 nur einen Tag für das Publikum geben wird. Den Publikumstag gibt es unter dem Label Festival Day am 2. September 2017. Hier geht es zur offiziellen Webseite der Messe eurobike-show.de.

Zur mentalen Einstimmung lege ich ein Bild aus meinem Archiv vom Bodensee bei.

Foto: © Michael Wiemer

Es sei an dieser Stelle ein Blick über den Tellerrand gestattet.

Das Radthemen übrigens auch anders angegangen werden können, zeigt Don Alphonso auf seinem Blog Stützen der Gesellschaft in der FAZ mit einem lesenswerten und reichlich gut bebilderten Artikel unter dem Titel Der hohe Preis der Tugendsignale. Er gewährt dabei einen Blick in seine bemerkenswerte Sammlung und legt diesen liebevolle Beschreibungen bei.

,,Das ist ein Team Raleigh von 1977. Es sieht nicht nur aus wie neu, es ist neu. Es ist seit 1977 einmal um den Block gefahren. An Weihnachten 1977 durch den neuen Besitzer, der damit beschenkt wurde. Der wartete dann auf den Frühling, hatte dann Besseres zu tun, im Sommer auch, und außerdem war damals der Radhype rund um Didi Thurau, der auf so einem Rad eine Weile die Tour de France anführte, auch schon wieder vorbei. Die nächste Strecke fuhr ich nach dem Erwerb von seinem Sohn und Erben damit letztes Jahr zum Phototermin.

Dietrich Thurau wurde 1977 zum Sportler des Jahres in Deutschland gewählt.

Hier aus der Bodenseeregion nahm ja dieses Jahr der Ravensburger Emanuel Buchmann an der Tour de France teil. Sein täglicher Trainingshausberg ist der Pfänder.

Sport Mixed Zone Bodensee

Handball: Ich wiederhole mich gerne. Eines der interessantesten Sportprojekte am Bodensee sind die jungen Wilden der HSG Konstanz. Die Handballer haben diese Woche noch zwei Testspiele, bevor es im DHB-Pokal  in Teningen gegen die HSG Wetzlar geht. Heute steht 20.00 Uhr in der Geschwister-Scholl-Halle das Spiel gegen SV Salamander Kornwestheim auf dem Programm. Am Mittwoch wird bei Fortitudo Gossau aus der Schweiz gespielt. Am Samstag, den 19.08.2017, spielt das Team von Coach Daniel Eblen im DHB-Pokal in Teningen gegen die HSG Wetzlar. Bei einem Sieg geht es am Sonntag gegen den Sieger der Begegnung SG Köndringen-Teningen – HC Elbflorenz Dresden. Die Vorschau von Andreas Joas gibt es hier. +++ Leichathletik: Richard Ringer arbeitete am Freitag, den 4. August 2017 noch im Büro bei Rolls Royce Power Systems. Am selben Tag eröffnete die Leichtathletik-WM. Der Läufer vom VfB LC Friedrichshafen flog dann am Montag, den 07.08.2017 in die englische Metropole. Mittwoch, den 16.08.2017 gab es den 5.000 Meter Vorlauf. Nicht der beste Tag von Richard Ringer. Er schied aus. Nächste Termine im Laufkalender von Ringer sind die Diamond League in Birmingham über 3.000 Meter am 20.08.2017. Eine Woche später ist Berlin mit der ISTAF angesagt. Am 27.08.2017 geht der in Überlingen am Bodensee geborene Läufer über 5.000 Meter an den Start. +++ Volleyball: Es ist ja für den deutschen Vizemeister VfB Friedrichshafen gar nicht so einfach über das ganze Jahr die Identifikation mit den Fans aufrechtzuerhalten, Am 7. Mai war der Showdown in der ZF Arena gegen den Erzrivalen Berlin Recycling Volleys das letzte Pflichtspiel vor heimischem Publikum. Das nächste Heimspiel zum Auftakt der Volleyball-Bundesliga gibt es am 15. Oktober gegen Hypo Tirol Alpenvolleys. Da kommen zur Überbrückung des Sommerlochs kleine Anekdoten wie über Kapitän Simon Tischer, seinen Friseur Mario Castello, dem signierten Trikot von Tischer an der Wand von Castello oder dem Seitenhieb auf den Profifußball gerade recht. Hier geht es zur im Plauderton erzählten Anekdote auf der Webseite des VfB Friedrichshafen.

Das Dilemma der Krautreporter und die fehlende Gelassenheit

Guten Abend.

Das Dilemma der Krautreporter ist zweifellos die Diskrepanz zwischen Ankündigung und geschürter Erwartungshaltung bei einem Teil der Leute sowie die fehlende Gelassenheit im Umgang mit Kritik. Da haben wir hier über handwerkliche Fehler noch gar nicht gesprochen. Blogger Niggemeier vermeldet in epischer Länge seinen Abschied vom einst mit großer Lautstärke angekündigten Projekt. Thomas Knüwer, ehemaliger Handelsblatt Journalist, titelt auf seinem Blog One does not simply criticise Krautreporter und pfeift zu Recht auf den von einigen eingeforderten Welpenschutz. Auch Don Alphonso nimmt sich der Thematik an und nimmt kein Blatt vor den Mund auf seinem Blog unter Krautreporter: Sie wollten doch nur gut sein. Hier am Bodensee sieht man die Schwierigkeiten des Projektes Krautreporter mit einer gewissen Gelassenheit.

Foto:  © Michael Wiemer

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Nachdenkenswert #292

,,Frisbee macht auch Spass. Gebrauchte Rennräder sind gar nicht so teuer. Die Waffen der Massenmobilisierung gegen die Monopole sind längst da, es gibt gar keinen Grund mehr, sich schräge Gäste von Jauch oder unsägliche Sendezeiten von Blatters früherem Verein aufzwingen zu lassen. Ich meine das nicht nur theoretisch – ich schreibe im Netz und habe es nicht nötig, mich an Jauch zu orientieren. Meine Lieblingssportart wird professionell von rollenden Apotheken beherrscht, die angeblich so sauber sein wollen wie die deutsche Bewerbung für die Fussball-WM: Sie werden hier dennoch nie aktuelle Berichte über den Giro dItalia lesen. Der kam vor drei Wochen bei mir vorbei: Ich ging nicht hin.“

Don Alphonso, zeigt Haltung in seinem Blog Stützen der Gesellschaft bei der FAZ

Crowdfunding Kritik: Sportblogger Weinreich, TV-Konsument Niggemeier, Supermarktbesucher Schader und Co. wollen 900.000 Euro für Krautreporter einsammeln

Am Ende hat es ja dann doch mit einem Endspurt geklappt. Das in puncto Marketing, Verkäuferischen Fähigkeiten und Liebe zum Detail doch arg dahingeschusterte Projekt der Krautreporter Sache war starker Kritik ausgesetzt. Nach dem einwerben der Summe ist es dann eine Weile sehr ruhig um das Projekt gewesen. Gespenstisch ruhig. Jetzt soll sich etwas regen. Horizont titelt am heutigen frühen Morgen: Krautreporter starten heute – mit gedämpften Erwartungen. Okay, Gelegenheit einen Text aus dem Blog-Archiv zu holen:

Reblogg vom 19. Mai 2014

Nein, die Champagnerkorken knallten in der letzten Woche nicht durch die Wohnzimmer Deutschlands. Dazu war das mediale Interesse dann doch nicht massenkompatibel genug.Traveler Digital CameraManch einer verbrachte die Zeit auch fernab des Netzes.

Projekte können gelingen. Oder scheitern. Bei Krautreporter ist das Ende noch offen.

Es gab reihenweise Kritik am neu aufgelegten Projekt Krautreporter. Er beherscht Online-Journalismus und sieht sich eher als Autor und inhaltsstarker Blogger: Don Alphonso. Mit dem FAZ Blog Stützen der Gesellschaft beweist er seit Jahren seine Klasse. Seit Jahren hat er einen scharfen Blick auf Berliner Aktivitäten, Projekte die im Sande verlaufen und zu große Versprechen, die oft nicht eingelöst werden. Don Aplphonso nahm sich der Sache Krautreporter unter dem prägnanten Titel Gestern Werbung, heute auf dem Weg zum Praktikum in Nordkorea analytisch in gewohnt deutlicher Formulierung im privaten Blog an und hält fest:

,,Und dann ist es schon wieder so ein berlinzentriertes Metropolending. Kann man machen, wie 124.973 andere auch. Vielleicht kann man diesen Markt der die Welt mies findenden Metropolenmänner tatsächlich kommerziell nutzen, aber ich etwa lebe in Regionen, wo 60 Euro eher kein grosses Opfer wären, und denen verspricht das Projekt nichts.”

Peter Turi hob ebenfalls die Augenbrauen und titelte Alphablogger bitten zur Kasse und bemängelt die “branchentypischen Übertreibungen”.

,,Damit die Spenden reich fließen, haben die Krautreporter ein Image-Filmchen mit Musikteppich, Pathos und Parolen online gestellt – inklusive der branchentypischen Übertreibungen wie “Ich geh’ dahin, wo’s wehtut” (Jens Weinreich). Die 25 Autoren (davon nur 6 weiblich) werden mit dem sinnfreien Superlativ “25 Journalisten aus den besten Redaktionen Deutschlands” beworben.”

Okay, ich bin beim zählen auf 28 Personen gekommen. 6 Frauen und 22 Männer. An Kleinigkeiten will ich mich nicht aufhalten.

Auch der ehemalige Handelsblatt Journalist Thomas Knüwer nimmt sich der Thematik auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache an und stellt recht skeptisch fest im Hinblick auf das Gelingen des Projektes 15.000 Abos a 60,00 Euro zu verkaufen um die Projektgesamtsumme von 900.000 Euro zu stemmen:

,,Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten eine Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem “Spiegel” die Story ja schon gegeben hatte.”

Gedanken hat sich auch Daniel Bouhs auf der taz unter dem Titel Kampagnenstart mit viel Pathos gemacht und nimmt sich wie Peter Turi des Videoclips an:

,,Ein Dutzend Journalisten plant die Revolution. „Alles oder nichts“ heißt es jedenfalls in ihrem Videoclip, in dem so viel klebriges Pathos steckt, dass es davon nur so trieft.”

Der Promoauftakt der Sammelaktion von Krautreporter bekommt dann von Bouhs auch keine gute Note verpasst.

,,Und natürlich wollen sie die „Geschichten hinter den Nachrichten“ liefern. Kurzum: Ihr Promo-Material ist vor allem eines – austauschbar.”

Dabei ist ja gegen gut gemachte Promotion mit Herzblut nichts einzuwenden, eine mit Liebe zum Detail gemachte Werbung in eigener Sache durchaus sympathisch.Traveler Digital CameraDie Betonung liegt auf Herzblut und Liebe zum Detail.

Lorenz Matzat vom Datenjournalist bennent Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter Konzept enttäuscht bin und zieht das Fazit:

,,Insgesamt ist es erstaunlich, dass das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin recht schlecht vorbereitet wirkt. Weil erfahrene Personen daran beteiligt sind. Hätte sich nicht ein Best-Practice aus den Dutzenden erfolgreichen gelaufenen Fundings auf Krautreporter, geschweige denn bei Kickstarter oder eben bei De Correspondent ableiten lassen?

Trotzdem wünsche ich Krautreporter Erfolg. Aber nur weil ich die Idee gut finde – aber nicht das vorliegende Konzept.”

Martin Weigert versucht der Kritik von den verschiedenen Seiten entgegenzuwirken und schreibt bei netzwertig.com unter dem Titel Krautreporter: Über die Kraft einer positiven Sogwirkung und wie verfrühte Kritik sie verhindert. Er erinnert mich dabei ein wenig an die Dünnhäutigkeit der Bayern München Verantwortlichen nach der berechtigten Kritik  am 0:4 Debakel gegen Real Madrid. Kritik darf zu jedem Zeitpunkt erlaubt sein. Martin Weigert führt unter anderen an:

,,Was für Deutsche wie für alle anderen Nationen beim Sport selbstverständlich ist, gilt bei wirtschaftlichen Projekten nicht mehr. Für Deutsche ist ein frühzeitiges Diskutieren aller Vor- und Nachteile ein Muss. Wird ein neues, herausforderndes Vorhaben angeschoben, dann müssen sich die Initiatoren darauf einstellen, dass selbst womöglich vorhandene ehrenwerte Ziele und ein eventuelles allgemeines öffentliches Interesse an der Verwirklichung nicht vor ausgedehnten, mit negativer Tonalität untermalten Analysen schützen.”

Nein, über diese Brücke würde ich nicht gehen wollen. Klingt mir unterschwellig doch zu sehr nach geforderten Biotop inklusive Welpenschutz. Selbstverständlich dürfen Analysen kritische Bemerkungen, skeptische Sichtweisen enthalten. Die rosarote Brille muss dabei von niemanden aufgesetzt werden.

Update: Manch einem ist die zahlreich begründete Kritik an den handwerklichen Fehlern und Geburtswehen des Projektes Krautreporter gar auf das Gemüt geschlagen. Christian de Vries artikuliert auf seinem Privatblog in dem Beitrag Ihr deutsch! Ihr doof! so seine aktuelle Gemütsverfassung. Dafür ist letztendlich jeder selber verantwortlich. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Kritik wäre vielleicht in der Debatte generell ganz brauchbar.

Nachdenkenswert #250

,,Freunde des Radsports haben schon so viele Idole über Doping fallen sehen, dass sie sich lieber mit Radtechnik denn mit den tourdefranzenden Ergebnissen der Körpermodifikation beschäftigen. Ich mache aber hin und wieder den Fehler darauf hinzuweisen, dass Fussball ein Milliardenunternehmen ist und ich mir – wie beim Radsport – nur schlecht vorstellen kann, dass man sich da nicht ab und zu mit den paar Kröten, die Doping kostet, die Tür zu noch höheren Einnahmen öffnet.“

Don Alphonso, in der FAZ, glaubt nicht an die Unschuld der Unterhaltungsindustrie Fußball

Crowdfunding Kritk: Sportblogger Weinreich, TV-Konsument Niggemeier, Supermarktbesucher Schader und Co. wollen 900.000 Euro für Krautreporter einsammeln

Nein, die Champagnerkorken knallten in der letzten Woche nicht durch die Wohnzimmer Deutschlands. Dazu war das mediale Interesse dann doch nicht massenkompatibel genug.Traveler Digital CameraManch einer verbrachte die Zeit auch fernab des Netzes.

Projekte können gelingen. Oder scheitern. Bei Krautreporter ist das Ende noch offen.

Es gab reihenweise Kritik am neu aufgelegten Projekt Krautreporter. Er beherscht Online-Journalismus und sieht sich eher als Autor und inhaltsstarker Blogger: Don Alphonso. Mit dem FAZ Blog Stützen der Gesellschaft beweist er seit Jahren seine Klasse. Seit Jahren hat er einen scharfen Blick auf Berliner Aktivitäten, Projekte die im Sande verlaufen und zu große Versprechen, die oft nicht eingelöst werden. Don Aplphonso nahm sich der Sache Krautreporter unter dem prägnanten Titel Gestern Werbung, heute auf dem Weg zum Praktikum in Nordkorea analytisch in gewohnt deutlicher Formulierung im privaten Blog an und hält fest:

,,Und dann ist es schon wieder so ein berlinzentriertes Metropolending. Kann man machen, wie 124.973 andere auch. Vielleicht kann man diesen Markt der die Welt mies findenden Metropolenmänner tatsächlich kommerziell nutzen, aber ich etwa lebe in Regionen, wo 60 Euro eher kein grosses Opfer wären, und denen verspricht das Projekt nichts.“

Peter Turi hob ebenfalls die Augenbrauen und titelte Alphablogger bitten zur Kasse und bemängelt die „branchentypischen Übertreibungen“.

,,Damit die Spenden reich fließen, haben die Krautreporter ein Image-Filmchen mit Musikteppich, Pathos und Parolen online gestellt – inklusive der branchentypischen Übertreibungen wie „Ich geh‘ dahin, wo’s wehtut“ (Jens Weinreich). Die 25 Autoren (davon nur 6 weiblich) werden mit dem sinnfreien Superlativ „25 Journalisten aus den besten Redaktionen Deutschlands“ beworben.“

Okay, ich bin beim zählen auf 28 Personen gekommen. 6 Frauen und 22 Männer. An Kleinigkeiten will ich mich nicht aufhalten.

Auch der ehemalige Handelsblatt Journalist Thomas Knüwer nimmt sich der Thematik auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache an und stellt recht skeptisch fest im Hinblick auf das Gelingen des Projektes 15.000 Abos a 60,00 Euro zu verkaufen um die Projektgesamtsumme von 900.000 Euro zu stemmen:

,,Ob das klappt? Mir persönlich kamen gestern Zweifel. Denn die Krautreporter sagten eine Teilnahme bei uns mit einer bemerkenswerten Begründung ab: Heute komme erst die Pressemitteilung und man wolle keine anderen Medien benachteiligen. Ein Projekt, das sich der existierenden Medienarchitektur entziehen will, beugt sich dieser also. Das ist PR aus dem vergangenen Jahrtausend. Erst recht, weil man dem “Spiegel” die Story ja schon gegeben hatte.“

Gedanken hat sich auch Daniel Bouhs auf der taz unter dem Titel Kampagnenstart mit viel Pathos gemacht und nimmt sich wie Peter Turi des Videoclips an:

,,Ein Dutzend Journalisten plant die Revolution. „Alles oder nichts“ heißt es jedenfalls in ihrem Videoclip, in dem so viel klebriges Pathos steckt, dass es davon nur so trieft.“

Der Promoauftakt der Sammelaktion von Krautreporter bekommt dann von Bouhs auch keine gute Note verpasst.

,,Und natürlich wollen sie die „Geschichten hinter den Nachrichten“ liefern. Kurzum: Ihr Promo-Material ist vor allem eines – austauschbar.“

Dabei ist ja gegen gut gemachte Promotion mit Herzblut nichts einzuwenden, eine mit Liebe zum Detail gemachte Werbung in eigener Sache durchaus sympathisch.Traveler Digital CameraDie Betonung liegt auf Herzblut und Liebe zum Detail.

Lorenz Matzat vom Datenjournalist bennent Fünf Gründe, warum ich von dem Krautreporter Konzept enttäuscht bin und zieht das Fazit:

,,Insgesamt ist es erstaunlich, dass das Crowdfunding für das Krautreporter-Magazin recht schlecht vorbereitet wirkt. Weil erfahrene Personen daran beteiligt sind. Hätte sich nicht ein Best-Practice aus den Dutzenden erfolgreichen gelaufenen Fundings auf Krautreporter, geschweige denn bei Kickstarter oder eben bei De Correspondent ableiten lassen?

Trotzdem wünsche ich Krautreporter Erfolg. Aber nur weil ich die Idee gut finde – aber nicht das vorliegende Konzept.“

Martin Weigert versucht der Kritik von den verschiedenen Seiten entgegenzuwirken und schreibt bei netzwertig.com unter dem Titel Krautreporter: Über die Kraft einer positiven Sogwirkung und wie verfrühte Kritik sie verhindert. Er erinnert mich dabei ein wenig an die Dünnhäutigkeit der Bayern München Verantwortlichen nach der berechtigten Kritik  am 0:4 Debakel gegen Real Madrid. Kritik darf zu jedem Zeitpunkt erlaubt sein. Martin Weigert führt unter anderen an:

,,Was für Deutsche wie für alle anderen Nationen beim Sport selbstverständlich ist, gilt bei wirtschaftlichen Projekten nicht mehr. Für Deutsche ist ein frühzeitiges Diskutieren aller Vor- und Nachteile ein Muss. Wird ein neues, herausforderndes Vorhaben angeschoben, dann müssen sich die Initiatoren darauf einstellen, dass selbst womöglich vorhandene ehrenwerte Ziele und ein eventuelles allgemeines öffentliches Interesse an der Verwirklichung nicht vor ausgedehnten, mit negativer Tonalität untermalten Analysen schützen.“

Nein, über diese Brücke würde ich nicht gehen wollen. Klingt mir unterschwellig doch zu sehr nach geforderten Biotop inklusive Welpenschutz. Selbstverständlich dürfen Analysen kritische Bemerkungen, skeptische Sichtweisen enthalten. Die rosarote Brille muss dabei von niemanden aufgesetzt werden.

Update: Manch einem ist die zahlreich begründete Kritik an den handwerklichen Fehlern und Geburtswehen des Projektes Krautreporter gar auf das Gemüt geschlagen. Christian de Vries artikuliert auf seinem Privatblog in dem Beitrag Ihr deutsch! Ihr doof! so seine aktuelle Gemütsverfassung. Dafür ist letztendlich jeder selber verantwortlich. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Kritik wäre vielleicht in der Debatte generell ganz brauchbar.

Basketballfan Wulff in Bedrängnis

Herr Wulff spielt mit seiner Frau und Sicherheitsbeamten voller Freude Basketball in einer Halle. Bettina Wulff gab dies kürzlich im Interview mit Zeit Online zum Besten. Eventuell bleibt momentan etwas weniger Zeit für das Spiel übrig. Andere Themen dürften auf der Tagesordnung stehen.

Manchmal provozieren aktuelle Umstände einen Rückblick auf vergangene Texte. Am 5. Oktober 2010 titelte ich hier im Blog Die Ernte der WM: Bundesverdienstkreuz für Übungsleiter Löw oder die Nähe von Wulff zum Fußball. Den Text leite ich mit folgenden Worten ein:

,,Nein, seine Wahl knallte nicht durch die Decke wie der DAX im Bullenmarkt. Im Gegenteil. Die Präsidentenkür dauerte länger wie erwartet. Das CDU-Mitglied Christian Wulff benötigte sagenhafte 3 Wahlgänge.“

Vielleicht steht ja in Kürze eine erneute Wahl an. Fußballfreundin Angela Merkel sprach ja einst Schachspieler Karl-Theodor zu Guttenberg ihr vollstes Vertrauen aus. Selbiges intensive ausgesprochene Urvertrauen erlebte jetzt auch Basketballfan Christian Wulff. Don Alphonso schreibt auf seinem Blog Stützen der Gesellschaft in der FAZ Wie man Wulffe zähmt und ist wie immer brillant in seiner Analyse.

Scheibchenweise scheint sich die Sache mit dem Kredit zum Störfall ersten Grades zu entwickeln. Salamitaktik hin oder her. Die Geschichte nimmt seinen Lauf.