„Der Russe ist nicht an allem schuld“

Die Leichtathletik-WM 2013 ist auch bereits wieder Geschichte. Der Generalausstatter des deutschen Leichtathletikverbandes, der amerikanische Sportartikelhersteller Nike, dürfte mit den 4 Goldmedaillen von Raphael Holzdeppe, Robert Harting, David Storl und Christina Obergföll recht zufrieden sein. Im Medaillenspiegel belegte die wurfgewaltige Crew aus Deutschland hinter den siegreichen Leichtathleten Russlands, dem Team der USA, den Wunderläufern im Sprint aus Jamaika und der Mannschaft aus Kenia Rang 5.

Zahlreiche Kritik mussten sich die russischen Veranstalter gefallen lassen. Die Zuschauerränge waren oft nur spärlich gefüllt. Das Marketing war oft und schnell bei zahlreichen Medien als Schwarzer Peter ausgemacht. Oder die aktuelle Dopingthematik.

Remo Geisser verweist in der Neue Zürcher Zeitung jedoch auch auf die geschichtlichen Leerplätze während einer Leichtathletik-WM. In seinem Artikel unter dem prägnanten Titel Der Russe ist nicht an allem schuld schaut er in den Rückspiegel und erinnert sich:

,,Der Schreibende war an 10 von bisher 14 Weltmeisterschaften. Auch wenn die intensivsten Momente am stärksten in Erinnerung bleiben, sind da doch auch viele Bilder halbleerer Stadien. 1997 in Athen nervten sich alle darüber, dass die Leute an den Strand gingen statt ins Stadion. 1999 in Sevilla stürmten die Spanier die Ticketschalter nur an dem Tag, an dem ihre 1500-Meter-Läufer zum Final antraten, 2001 tauften die Journalisten Edmonton um in Deadmonton. Zuletzt wurden 2011 in Taegu fähnchenschwenkende Schulklassen herangekarrt, damit die TV-Kameras fröhliche Bilder aus Südkorea in die Welt hinaus senden konnten.“

Die geringen Zuschauerzahlen weisen auf ein grundlegendes Problem der Leichtathletik hin. Die Komplexität eines Zehnkampfes, die Qualifikationswettbewerbe, die technischen Feinheiten zahlreicher Disziplinen, fehlende kontinuierliche Berichterstattung über die Leichtathletik über 365 Tage im Jahr, erforderliches Fachwissen des Publikums (wer nicht nur als reiner Event Zuschauer anreist), notwendiges Sitzfleisch, ein nicht durchgängig gewährleisteter Spannungsbogen an den einzelnen Tagen etc. wirken da mit hinein.

Übrigens kann sich noch jemand an das halbleere Olympiastadion in Berlin zur Leichtathletik-WM 2009 am Tag 1 erinnern?

Seitenblick

,,Ein herzliches Willkomen allen Schachfreunden, Kiebitzen, Stammlesern und Schachfans vom Schach-Ticker. Der Sommer hat nun endgültig Einzug in Deutschland gehalten. Azurblauer Himmel, die Sonne strahlt wie Vishy Anand nach seinem Sieg gegen Boris Gelfand in Moskau 2012. Erdbeereisbecher werden auf den Terrassen der Cafes serviert. Sitzen Sie bequem? Eine Tasse Kaffee, einen Espresso oder einen Cappuccino zur Hand?“

Mit diesen Worten leite ich eine weitere Ausgabe auf dem Schach-Ticker ein. Wer noch ein wenig visuelle Anregung im Hinblick auf die Erdbeereisbecher möchte, dem kann gerne geholfen werden.Traveler Digital Camera

Derweil geht es mit riesigen Schritten auf den August zu. 14. Leichtathletik-Weltmeisterschaft vom 10. bis 18. August 2013 im Olympiastadion Luschniki in Moskau. Alleine drei deutsche Werfer haben die Mission ihren WM-Titel zu verteidigen. Diskuswerfer Robert Harting, Kugelstoßer David Storl und Speerwerfer Matthias de Zordo. Dieses Trio nahm auch an den Olympischen Spielen in London teil. Matthias de Zordo schied bereits in der Qualifikation aus. David Storl erkämpfte die Silbermedaille. Robert Harting vollzog die Krönung seiner Laufbahn in der englischen Metropole. Übrigens ob Erdbeereisbecher auf dem Ernährungsplan von Harting, Storl und de Zordo stehen ist nicht überliefert.