Lesestoff in Sachen Claudia Pechstein

Es ist eine unendliche Geschichte. Sie wird in keinem Jahresrückblick 2009 fehlen. Über Claudia Pechstein ist viel geschrieben und gesagt worden. Ein Medienmehrkampf. Mediziner kamen zu Wort. Anwälte ergriffen die Initiative. Zahlreiche Interviews im ZDF Sportstudio und auf anderen Sendeplätzen mit Claudia Pechstein. Journalisten produzierten Zeile um Zeile. Konnte der normale sportlich Interessierte überhaupt dem Tempo und der Vielfalt an Meinungen und Sichtweisen folgen?

Ein Freund fragte mich diese Woche: Gibt es eigentlich einen roten Faden zur Personalie Claudia Pechstein?

Ich habe ihm den Blog vom Sportjournalisten Jens Weinreich empfohlen. Der Grimme Online Award Preisträger 2009 hat eine umfassende  Übersicht von Beiträgen und Dokumenten über Claudia Pechstein erstellt.

Leseenergie und etwas Zeit sollte jeder interessierte Sportfreund mitbringen.

Claudia Pechstein startet beim Weltcup in Salt Lake City

Sie darf wieder auf das Eis im Wettkampf. Die Kräfte mit den anderen messen. Claudia Pechstein darf am 11. Dezember beim Weltcup in Salt Lake City starten. Sie geht ins Rennen über die Distanz von 3000 m. Einen Eilantrag der Berlinerin gab das Schweizer Bundesgericht statt.

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Die Anwälte von Claudia Pechstein hatten am gestrigen Tag den Antrag beim Schweizer Bundesgericht gestellt. Der Rechtsbeistand von Claudia Pechstein hat in dem Schriftsatz zahlreiche Verfahrensfehler aufgelistet, die der Internationale Sportgerichtshof CAS bei seiner Urteilsbegründung am 25. November gemacht hat.

Claudia Pechstein veröffentlichte am 7. Dezember folgenden Text auf ihrer Homepage:

,,Am gestrigen Nikolaustag und 2. Advent bin ich mal wieder mächtig ins Grübeln gekommen. Vor allem habe ich mich einmal mehr über die deutschen Medien gewundert. In zahlreichen Mails, die ich aus Holland bekommen habe (ein, zwei Beispiele habe ich wieder unter den Mutmachern veröffentlicht), wurde ich darauf hingewiesen, dass in der angesehen Tageszeitung ‚NRC Handelsblad‘ ein Interview mit dem Statistiker Klaas Faber (www.nrc.nl/sport/article2430747.ece/Statisticus_laakt_zaak-Pechstein) veröffentlicht wurde, in dem das CAS-Urteil gegen mich deutlich kritisiert wird. Da ist unter anderem sogar von „Betrug“ die Rede. Da habe ich mir natürlich die Frage gestellt, warum die Meinung Fabers, die mich ganz deutlich entlastet, hierzulande keine Rolle spielt? Aber halt, ganz so ist es dann doch nicht. Ich musste feststellen, dass ausgerechnet der Journalist Jens Weinreich, der lange Zeit (oder auch immer noch?) zu meinen schärfsten Kritikern zählte, in seinem Blog (www:jensweinreich.de/?=5964 http://jensweinreich.de/?p=5964)  einen ähnlichen Text von Faber veröffentlicht hat.“

Wer sich auch noch einen kleinen Rückblick auf die geäußerten Meinungen unmittelbar nach Verkündung des Urteils am 25. November verschaffen will, findet hier eine kleine Stimmensammlung:

                     Stimmen zum Fall Claudia Pechstein

Hinz und Kunz über den Sportmonat November

Noch einen Kaffee . . .

  © Hans Snoek: Pixelio 

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat November.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in die Chronologie des Novembers einsteigen?

Kunz: Ja. Sonst laufen uns noch die Leser weg.

Hinz: Wie war der Start in den November?

Kunz: Ich trinke die nächsten Monate keinen Bourdeaux mehr. Die Heimniederlage gegen die Franzosen schmerzt immer noch. So darf sich Bayern München zu Hause einfach nicht präsentieren. Ich bin immer noch verärgert. Natürlich kommt das auch beim Pferderennen häufiger vor: Form schlägt Klasse. Doch ich erwarte von Bayern einfach mehr.

Hinz: Die Woche darauf die Nachricht vom Tod von Robert Enke.

Kunz: Eine menschliche Tragödie.

Hinz: Möchtest Du etwas zum Verhalten der Medien sagen?

Kunz: Nein.

Hinz: Akzeptiert. Schwer jetzt weiter zu machen… Versuchen wir es mit einem Blick nach Spanien.

Kunz: Ja, natürlich das Debakel von Real Madrid. Nach der 0:4 Hinspielniederlage beim Drittligisten Alcorcon in der Copa del Rey reichte es im Rückspiel nur zu einem mageren 1:0. Marca schrieb von einem „historischen Pfeifkonzert“. Unglaublich. Im Hin- und Rückspiel Modus darf so was eigentlich nicht passieren. Der Etat von Alcorcon liegt bei überschaubaren 1,2 Millionen. Den Spielern des Außenseiters kam natürlich in beiden Partien das Adrealin aus den Ohren raus. Davon werden sie noch ihren Enkeln erzählen.

Hinz: In der Bundesliga befanden sich beide Nordlichter Werder und der HSV vor Bayern München.

Kunz: Ja, eine temporäre Erscheinung. Da Du beide Mannschaften erwähnst, kennst Du eigentlich den Uralt-Witz über beide Städte im Norden?

Was ist der Unterschied zwischen einem Hamburger Kaufmann und einem Bremer Kaufmann? Beide würden ihre Großmutter verkaufen, der Bremer würde sie aber auch noch pünktlich liefern.

Hinz: Leverkusen ist erstaunlich stark.

Kunz: Ja, das halten die aber nicht durch. Erinnere Dich an das vergangene Jahr. Da war Leverkusen zeitweise auch Spitzenreiter. Oder denke an den Herbstmeister Hoffenheim. Schau Dir an wo die Kraichgauer am Ende gelandet sind. Das sind jetzt alles Momentaufnahmen.

Hinz: Vereinzelt wurde in den Tageszeitungen im Sportteil auch mitgezählt. Die Tage von Bayern München ohne Tabellenführung.

Kunz: Geschenkt. Halt Statistikkram. Am Ende der Saison wird Louis van Gaal als erster holländische Coach in der Bundesliga mit einem Meistertitel in die Geschichtsbücher eingehen.

Hinz: Szenenwechsel. Im Schach gab es einen sportlichen Höhepunkt.

Kunze: Ja, Magnus Carlsen gewann souverän in Moskau im Kaufhaus GUM die Schach Blitz-WM. Der 18-Jährige Norweger ist ein Schachgenie. Sein Trainer Kasparow hatte ihn gut eingestellt. Im Bereich des Sponsoring  geht es bei Magnus Carlsen auch vorwärts. Der Finanzdienstleister Artic Securities überweist Carlsen für zwei Jahre 240 000 Euro. Dem deutschen Schach fehlt ja so eine Persönlichkeit.

Hinz: Der November war auch der Monat der Personalie Claudia Pechstein und des Wettskandals.

Kunz: Zuerst zur erfolgreichsten Winterolympionikin Deutschlands. Ich hatte ja bereits bei unserem Gespräch über den Sportmonat Oktober gesagt, dass ich weder Mediziner noch Anwalt bin. Claudia Pechstein hat ja sehr offensiv auf ihrer Webseite agiert. Ich erinnere mich noch an den Juli. ZDF Sportstudio Gespräch mit Moderator und Journalist Steinbrecher. Zwei Tage später dann ihr Interview bei der Sportsendung im bayrischen Fernsehen. Eine Medienoffensive. Sehr viele geschriebene Zeilen. Sehr viele Meinungen zur Personalie Pechstein. Ein sehr komplexer Sachverhalt. Der ungebetene Gast Knecht Doping. Der Eisschnellauf wird sicher schwer an dieser Thematik zu tragen haben. Claudia Pechstein will ja weiter kämpfen. Es sieht nach einer unendlichen Geschichte aus.

Hinz: Und der Wettskandal im Fußball?

Kunz: Der konnte nur naive Gemüter überraschen. Es ist sehr viel Geld im Umlauf. Die eine oder ander Schattenhand agiert dort mit groben Foulspiel. Wir sehen erst die Spitze des Eisbergs. Es werden weitere Enthüllungen an die Oberfläche kommen. Das Paradies der kleinen Wettsünder wird jedoch so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden.

Hinz: Zum Abschluß unserer kleinen Plauderstunde ein Wort zu den Relegationsspielen zur Fußball WM.

Kunz: Da muss ich mich schon wieder aufregen. Das Handspiel von Henry. Natürlich gab es das alles schon in der Geschichte des Fußballs. Die Hand Gottes von Diego Maradona 1986 in Mexiko beim Spiel gegen England. Das Handspiel von Maradona hatte wenigstens Stil. Ein Kunstwerk. Oder Oliver Kahn sein damaliger Handballausflug in den Rostocker Strafraum. Da war Wucht und Charisma dabei. Was macht dagegen der Franzose? Henry hatte nur ein Allerweltshandspiel zu bieten. So eine Einfallslosigkeit. Ein paar schöne Momente gab es bei den Relegationsspielen auch. Slowenien schlägt Russland. Eine kleine Überraschung. Ja, und Portugal kommt durchs Hintertürchen zur WM. Otto Rehagel mit Griechenland dabei. Hinz, nach unserem Kaffee darauf später einen Ouzo.

Sponsorspiegel 04.12.09

Die Gebrüder Molson kauften am Dienstag einen Eishockeyclub. Kaufpreis 575 Millionen US-Dollar. Nein, kein Schreibfehler. Ich wiederhole: 575 Millionen US-Dollar. Das Obkjekt der Begierde sind die Montreal Canadiens, erfolgreichster Eishockeyclub der Welt.

Verkäufer ist der amerikanische Geschäftsmann George Gillett. Der Amerikaner ist Miteigentümer des Fußballclubs FC Liverpool. Er will die Finanzpower im Fußball bündeln. Nun gehört der kanadische Eishockeykultverein Geoff, Andrew und Justin Molson. Die Familie ist keine Unbekannte. Der Molson Clan war bereits von 1957-1971 sowie von 1978-2001 Eigentümer der Montreal Canadiens.

Im Fußball gab es diese Woche eine spektaktuläre Verpflichtung eines Fußballspielers. Er hat besonders in Bremen noch einen guten Ruf. Ailton schoss Werder Bremen 2004 zum Double. Danach ging es sportlich kontinuierlich abwärts. Jetzt vermeldete der KFC Uerdingen die Verpflichtung des ehemaligen Torschützenkönigs der Bundesliga. Der KFC-Vorsitzende Agissilaos Kourkoudialos ist griechischer Unternehmer in der Immobilienbranche. Sein Statement zur Neuverpflichtung:

,,Ailton ist ein Teil unseres Fünfjahresplans, an dessen Ende wir in der 3. Liga spielen wollen.“

Der KFC Uerdingen spielt zur Zeit in der 6. Liga. Die gegenwärtigen Kontrahenten sind Mannschaften wie VfR Krefeld-Fischeln, SC Kapellen Erft, SV Viktoria Goch, TV Jahn Hiesfeld, 1. FC Union Solingen oder der SV Hönnepel-Niedermörmter.

Wie finanziert sich eigentlich das Gehalt von Ailton? Durch Mehreinnahmen aus dem Merchandising- und Sponsoringbereich lautet die Antwort. Der Brasilianer läuft zukünftig mit Nr. 10 auf. Das Trikot gibt es im Komplettpaket mit Schal und Mütze als ,,Ailton Winter Package“ für 79,99 EURO. Die Uerdinger rechnen außerdem mit höheren Zuschauerzahlen.

Uerdingen holte 1985 den DFB Pokal. Danach gab es die legendären Europapokalspiele gegen Dynamo Dresden. Der ehemalige Hauptsponsor Bayer zog sich 1995 zurück. Der Fußballverein firmierte um in KFC Uerdingen.

Erstaunlich am Fall Uerdingen und Ailton ist für mich noch nicht mal so sehr die Personalie Ailton. Das ehemalige erfolgreiche Spieler zum Ende ihrer aktiven Laufbahn in unterklassigen Mannschaften spielen, ist so sensationell neu nicht. Der ehemalige Ajax Amsterdam Profi Tomas Galasek holte 2007 mit dem 1. FC Nürnberg den DFB Pokal. Jetzt spielt er beim FSV Erlangen-Bruck.

Nein, der eigentlich bemerkenswerte Fakt ist für mich, dass es immer wieder Männer mit Geld und Visionen gibt, die in unterklassigen Fußballvereinen höhere Ziele ausrufen. Das ist nicht erst seit dem Fall Hoffenheim so. Die wenigsten dürften sich noch an die Regionalliga-Saison 2005/2006 erinnern. Hoffenheim verschliss 4 Trainer. Erst nach der Saison griff Dietmar Hopp richtig in die Schatulle mit dem vorhandenen Geld und holte sich mit Ralf Rangnick, Bernhard Peters, Jochen Rotthaus entsprechendes Personal. Der SAP-Gründer rief die Vision Bundesliga 2010 aus. Nun die Geschichte verlief dann wesentlich schneller wie geplant.

Die für mich aktuell interessanteste Vision im Deutschen Fußball ist das Red Bull Projekt mit RB Leipzig. Die Markranstädter von der 5. Liga in die Bundesliga zu bringen hat Charme. Momentan ist der Rasen Ballsport e.V souveräner Tabellenführer in der Oberliga. Bei Aufstieg lockt das Zentralstadion als neue Spielstätte.

Szenenwechsel. Eisschnelllauf. Das folgende Foto wird es in Zukunft so nicht mehr im realen gesponserten Sportlerleben von Deutschlands erfolgreichster Winterolympionikin geben.

Im letzten Sponsorspiegel hatte ich von Claudia Pechstein geschrieben. Der Sponsor DKB war nach dem CAS-Urteil vom Sponsoringengagement zurück getreten. Auf Ihrer Homepage bedankt sich die Eisschnellläuferin für die Treue ihrer  Sponsorenpartner. Da wären zu nennen die Grabower Süßwaren, Estrel Hotel, Ocean Spray und Marie Jo Intense.

Es wiederholt sich alljährlich. Prominente Sportler geraten wegen privaten Eskapaden in die Schlagzeilen. Jetzt hat es Tiger Woods geschafft. Die Volksstimme macht sich um die Sponsoren des Golfspielers Sorgen. Hat jedoch auch Stimmen der Treue. Ausstatter Nike positioniert sich.

„Unsere Anzeigen-Kampagnen mit ihm werden sich nicht ändern. Tiger und seine Familie haben unsere volle Unterstützung“, sagte Woods‘ größter Sponsor „Nike“ in der „New York Times“. Woods hatte tags zuvor auf seiner Homepage „Fehltritte“ zugegeben und behauptet: „Ich habe meine Familie im Stich gelassen und ich bedauere diese Fehltritte von ganzem Herzen.“ Dabei hatte er aber im Dunkeln gelassen, womit er seine Familie kompromittierte.“

Wer weitere Details zur Woods Affäre lesen möchte findet beim in New York lebenden Journalisten Jürgen Kalwa hier, hier und hier reichlich Lesestoff. Kalwa ist mit seinem Blog American Arena  einer der interessantesten Autoren zu Themen des amerikanischen Sports.

Die Volksstimme hat jedoch noch neben einer weiteren loyalen Sponsorstimme, auch den Fingerzeig für aufkommende Schwierigkeiten von Tiger Woods.

,,Auch der für die Proctor&Gamble-Tochter Gilette sprechende Michael Norton betonte: „Kurzfristig werden wir unsere Marketing-Strategie nicht ändern.“ Aber die großen Konzerne würden mit Woods knallharte Gespräche führen, wenn es um die Werbe-Etats ginge. Vorkommnisse wie diese könnten nach Einschätzung von Phil de Picotto vom US- Rechtevermarkter Octagon bei zukünftigen Deals mit dem Weltranglisten-Ersten auf „anderer Bandbreite“ verhandelt werden.“

Das Image von Tiger Woods hat nicht nur Kratzer bekommen, es sind deutliche Dellen. Die Verhandlungsposition des Golfprofis gegenüber den Sponsoren ist in den letzten Tagen nicht gestärkt worden.

Sponsorspiegel 27.11.09

Audi TT 2006

 © Peter Kirchhoff: Pixelio

Es war bereits angekündigt. Die Entscheidung sollte vor der Hauptversammlung von Bayern München erfolgen. Nun ist es offiziell: Der Automobilkonzern Audi beteiligt sich mit 9,09 Prozent an der FC Bayern München AG. Zudem wurde auch der seit 2002 bestehende Sponsoringvertrag langfristig verlängert und bringt dem deutschen Rekordmeister zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe.

Bayern München hatte bereits vor der Verkündung der strategischen Partnerschaft mit dem Autobauer aus Ingolstadt einen Sponsorenvertrag abgeschlossen. Er hat eine Laufzeit bis 2019. Die monetäre Unterstützung und die Sachleistungen sollen sich in einer Größenordnung von jährlich 10 Millionen Euro betragen. Insgesamt ergeben sich für den erfolgreichsten deutschen Fußballverein dadurch Einnahmen von knapp 200 Millionen Euro. Die Gelder werden vor allem in die Tilgung des Kredits für die knapp 340 Millionen Euro teure Spielstätte in Fröttmanning fließen.

Der Essener Anlagenbauer Ferrostaal wird Sponsor des englischen Fußballvereins Manchester City. Bereits ab dem nächsten Spieltag am kommenden Wochende werde das Logo in der Heimspielstätte im City of Manchester Stadium zu sehen sein, bestätigte der Vorstandschef Matthias Mitscherlich dem Handelsblatt.

Die Versicherungsgruppe Ergo nimmt ihre Traditionsmarken Hamburg-Mannheimer, KarstadtQuelle und Victoria vom Markt. Die Töchter sollen zukünftig unter dem Namen Ergo firmieren. Das bedeutet auch Änderungen im Sponsoring. Der Vorstandsvorsitzende der KarstadtQuelle Versicherung, Peter M. Endres, gibt zum Thema auf der Homepage von Greuther Fürth ein Interview :

,,Herr Endres, im nächsten Jahr werden die KarstadtQuelle Versicherungen in ERGO Direkt Versicherungen unbenannt. Was hat das für Auswirkungen auf das Sponsoring bei der SpVgg?

Endres: Gar keine. Die Verträge bestehen natürlich weiter. Denn wenn Sie sich erinnern haben wir erst zu Jahresbeginn die Zusammenarbeit um neun Jahre verlängert. Daran ändert sich nichts. Lediglich das Erscheinungsbild wird sich ein wenig verändern.

Was heißt das konkret?

Endres: Wir werden bereits zum Start der Rückrunde die Banden und Werbemaßnahmen im Stadion anpassen und mit unserem neuen Logo versehen. Auf den Trikots wird dann der neue Schriftzug ebenfalls zu sehen sein. Auch die Spots im Rahmen der Sportschau laufen ab der Rückrunde unter dem Namen ERGO Direkt Versicherungen.“

Szenenwechsel. Reitsport. Das Finanzinstitut Deutsche Bank wird weiterhin als Hauptsponsor des Reitsport-Mannschaftsturniers CHIO Aachen auftreten. Der Vertrag wurde um weitere drei Jahre, bis 2012, verlängert. Die Deutsche Bank unterstützt das welteit renommierte Turnier im Pferdesport seit 52 Jahren. Zufrieden über die weitere Zusammenarbeit im Sponsoring zeigte sich Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH.

„Die Vertragsverlängerung zeigt, dass es gemeinsam gelungen ist, das Erlebnis CHIO Aachen stetig weiter zu entwickeln.“

Am 13. Oktober 2007 schenkte meine Liebste mir zum Geburtstag einen Laufanzug. Das Material war fürs Joggen ideal. Der Namenszug des Herstellers war Odlo. Seitdem verfolge ich mit verstärkten Interesse die Aktivitäten des Produzenten. Mit besonderer Freude vernahm ich daher folgende Meldung über das Sponsorengagement:

Der Schweizer Sportbekleidungshersteller Odlo wird für die nächsten drei Jahre neuer Namensgeber der Biathlon World Team Challenge (WTC) in der Veltins Arena auf Schalke. Die Veranstaltung war seinerseits eine Idee von Manager Rudi Assauer. Sie gehört zu den Höhepunkten in Gelsenkirchen und hat einen festen Platz im Sportkalender.

Die größten deutschen Profisportligen DFL, HBL, BBL und DEL haben eine gemeinsame Interessensvertretung gegründet. Die „Initiative Profisport Deutschland“ (IPD) soll als gemeinsames Sprachrohr die Interessen des Sports in der Politik durchsetzen. Auch die Sponsorenvereinigung S20 begrüßt den neuen „Superverband“.  

Die Initiative repräsentiert die Fußball-Bundesliga, die Basketball-Bundesliga, die Deutsche Eishockey-Liga und die Handball-Bundesliga und soll die Interessen des Sports in Bund und Ländern besser durchsetzen. Auch die Liberalisierung des Wettmarktes ist ein Schwerpunktthema. Sprecher der IPD wird Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sein Stellvertreter kommt vom Basketball. Jan Pommer ist Geschäftsführer der Basketballbundesliga.

Ich habe diese Woche eine kleine Stimmensammlung zum Fall Claudia Pechstein gebracht. Jetzt gibt es auch negative Nachrichten aus der Sponsorwelt der Eisschnellläuferin. Sie verliert den Sponsor DKB. Die Bank kündigte die seit 2002 bestehende Partnerschaft mit der erfolgreichsten Winterolympionikin Deutschlands. Die DKB ist auch Hauptsponsor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Dafür verlängert jedoch der Sponsor Grabower Süßwaren demonstrativ den Vertrag mit Claudia Pechstein.

Stimmen zum Fall Claudia Pechstein

Nach dem Urteil des Sportgerichts gab es viele Stimmen zur Personalie Claudia Pechstein. Eine kleine Stimmensammlung.

Die erfolgreichste Winterolympionikin Deutschlands meldet sich auf ihrer Webseite zu Wort:

Claudia Pechstein:,,Der Alptraum geht weiter. Mit Urteil vom 25. November 2009 hat der Internationale Sportgerichtshof CAS die Sperre gegen mich bestätigt. Demnach kann ich bis auf  Weiteres nicht bei Wettkämpfen starten und meine sechste Teilnahme an den Olympischen Spielen im Februar 2010 in Vancouver ist damit weiter ungewisser denn je.

Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Erst die ISU, jetzt der CAS. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fair Play gibt. Ich habe nie gedopt und ein reines Gewissen.“

Joachim Franke (langjähriger Trainer von Claudia Pechstein):,,Es ist eine Katastrophe, ein absolutes Fehlurteil. Sie hat nie eine Leistung manipuliert. Insofern ist die Entscheidung nicht nachzuvollziehen.“

Fritz Sörgel (Pharmakologe, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung): ,,Ich denke, dass von Anfang an klar war, dass es in diese Richtung laufen musste. Ich habe gleich gesagt, dass es sehr schwierig werden wird, hier Gegenargumente zu finden. Es ist immer eine gewisse Unsicherheit mit drin, aber die ist im Fall Pechstein sehr klein.“

Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln: ,,Ich bin sicher, dass der indirekte Nachweis von Doping-Missbrauch aufgewertet wird und die Entscheidung eine positive Stimmung bei den Verbänden erzeugt. Nicht wohl ist mir aber, dass das Urteil nur auf einen Parameter, die erhöhte Anzahl von Retikulozyten im Körper, beruht.“

Detlef Thieme, Leiter des Instituts für Dopinganalytik und Sportbiochemie in Kreischa: ,,Das Prinzip ist bestätigt. Individuelle Blutprofile und Blutpässe werden an Bedeutung gewinnen. Wichtig ist, wie sind die Details beschaffen, was wird uns für die Praxis mit an die Hand gegeben.“

Helge Jasch (Teamchef Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft): ,,Mir verschlägt es die Sprache, ich bin platt. Jetzt ist das Urteil da, es schwächt sportlich unser Team. Wir haben schließlich nicht 20 Leute, die Medaillen gewinnen können.“

Udo Sprenger (Vizepräsident Bund Deutscher Radfahrer): ,,Ich denke, die indirekte Beweisführung müssen und sollten wir zulassen. Ansonsten ist das ganze Prozedere mit Blutpassprogramm etc. hinfällig.“

Clemens Prokop, Präsident Deutscher Leichtathletik-Verband (DLV): ,,Die Entscheidung dürfte die Qualität der Doping-Bekämpfung spürbar verändern. Sie wird in Zukunft nicht mehr isoliert nur auf die Kontrollen abgestellt. Nun wird die Summe der Fakten ein Gleichgewicht erhalten.“

Thomas de Maiziere (Bundesinnenminister): „Das Urteil ist für Claudia Pechstein menschlich bitter. Sie war bis zum heutigen Tag für viele Sportbegeisterte, auch für mich, ein großes Vorbild. Das Disziplinarverfahren gegen Claudia Pechstein als Bundespolizistin wird wieder aufgenommen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Für den internationalen Sport ist das Urteil wegweisend. Es lässt den Indizienbeweis zum Nachweis von Doping zu. Der Nachweis eines einzelnen Dopings im konkreten Fall ist nicht mehr notwendig. Damit kann der internationale Sport sauberer werden. Als deutscher Innenminister erwarte ich allerdings, dass solche strengen Maßstäbe nicht nur gegenüber unseren Athleten, sondern weltweit angewandt werden.“

Weiterführende Artikel zum CAS-Urteil gegen Claudia Pechstein

1. Ein wertvoller Umweg

2. 63 Seiten, zwei Jahre, eine Verliererin

3. Pechsteins düsteres Ende

4. Im Zweifel gedopt

5. „Ich fühle mich unwohl mit dem Urteil“

Nachdenkenswert #6

,,Wie der vielleicht letzte Wettkampf der Claudia Pechstein ausgeht, ist noch nicht abzusehen. Die unterschiedlichen Aussagen von Experten zum Fall der einstigen Glücksmarie des deutschen Sports deuten auf einen Mehrkampf unter Medizinern sowie Juristen hin. Nur eines ist sicher: Es wird eine fatale Niederlage geben. Entweder verliert Claudia Pechstein alles oder das Anti-Doping-System seine Glaubwürdigkeit.“

              Anno Hecker am 04.Juli 2009 in der FAZ

                Kampf gegen ein vernichtendes Urteil

 

Hinz und Kunz über den Sportmonat Oktober

Hinz: Sag mal Kunz, was war für Dich der Höhepunkt im Oktober ?

Kunz: Natürlich die Kopenhagener Bewerbungsshow für Olympia 2016. Obama flog mit seiner Gattin Michelle extra in die dänische Hauptstadt ein. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses war er bereits wieder im Flieger mit Ihr unterwegs. Obama weiß um die Macht der Fotos. Ein Verlierer-Image Bild nach dem Ausscheiden von Chicago und dem Gewinn von Rio de Janeiro war nicht in seinem Sinn. Fotografen hatten zu dem Zeitpunkt keinen Obama mehr vor der Linse.

Hinz: Wie sah es mit König Fußball aus ?

Kunz: Natürlich die Entscheidungsschlacht in Moskau. Das Wort Kunstrasen konnten meine Ohren nach dem Spiel nicht mehr hören. Einige Tage später dann das letzte Gruppenspiel. Das hypersensible reagieren der Fußballprofis auf Pfiffe des zahlenden Publikums nach dem 1:1 gegen Finnland in Hamburg.

Dann war da noch der Göttliche. Die Maradona Flugeinlage auf dem nassen Rasen von Montevideo erinnerte an den Klinsmann Diver bei Tottenham Hotspur. Über seine Pressekonferenz als argentinischer Nationalcoach hängen wir lieber den Mantel des Schweigens.

Natürlich war auch die Talfahrt vom VfB Stuttgart bemerkenswert. Es stellte sich ja fast die Frage:

Hat es sich in Stuttgart ausgebabbelt ?

Dann die Niederlage von Bayern in Bourdeaux. Franz Beckenbauer hatte einst als Interimstrainer nach der Ablösung von Otto Rehagel auf die Schnelle den UEFA Cup gewonnen. Der Kopfballsiegtreffer vom gepflegten Kurzhaarfrisur-Träger Daniel van Buyten gegen Frankfurt und dem schwebenden Schwan von Keeper Nikolov war auch sehr schön. Doch das Sahnehäubchen lieferte van Gaal. Wie er sich mit dem Finger gegen den seitlichen Kopf tippte. Genial. Seht her ich bin Einstein. Ich bin Taktikfuchs.

Hinz: Noch ein Wort zu Claudia Pechstein ?

Kunz: Du spielst auf die Anhörung vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas an. Ich bin kein Anwalt und kein Mediziner. Schaun mer mal. Das Ergebnis wird ja im November bekannt gegeben.