Monika Gruber und Olympia 2018

Deutschland hat die letzten Bewerbungen um die Olympischen Spiele regelmäßig in den Sand gesetzt. Wenn ich da alleine an das doch etwas größenwahnsinnig anmutende Projekt Leipzig denke. Am Ende ging der Kelch an meiner Heimatstadt vorbei. Auch die jetzige aktuelle Situation ist bisher keine Erfolgsstory. Die intelligente und scharfsinnige Monika Gruber hat sich dazu positioniert:

Der Hat-Tip geht an Power-Blogger und Sportjournalist Jens Weinreich.

Mir fehlt ja bei der Argumentation mancher Funktionäre oder SPD-Politiker wie Ude, derzeit im Hauptjob Oberbürgermeister von München, ein wenig auch die Gelassenheit und die Toleranz andere Meinungen zu akzeptieren. Der Garmisch-Partenkirchener ist nicht skifeindlich oder olympiafeindlich an sich. Ludwig Hartmann, bayerischer Landtagsabgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen hat die Dinge kürzlich im Interview beim Deutschlandradio Kultur gut auf den Punkt gebracht.

Angela Merkel sagt PR-Termin bei Jogi Löw ab

Es hätte so ein schöner Tag werden sollen. Die protestantische Pfarrerstochter wollte dem Übungsleiter Joachim Löw und seiner Fußballmannschaft einen Besuch im Trainingslager abstatten. Der mündige Bürger kennt ja die Szenarie, Lächeln in die Kamera, Fotos mit Fußballspielern um Sympathie zu erlangen, halt diese geschmeidigen und oft gesehenen PR-Termine von Politikern im Kreise der Sportler. Es soll immer auch ein wenig Glanz, Image und Strahlkraft des Sports auf die Mandatsträger scheinen. Jüngstes Beispiel ist der Tanz von SPD-Politiker Christian Ude mit Bayern Coach Louis van Gaal auf dem Balkon in München während der Meisterfeier. Ude ist dabei bekennender 1860 Fan.

Nun war die CDU-Politikerin Angela Merkel bei Joachim Löw angemeldet. Sie sagte den Termin ab. Die Bundeskanzlerin wurde vom Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler kalt erwischt. Das politische Tagesgeschäft machte dem geplanten PR-Termin im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft einen Strich durch die Rechnung. Schlechtes Timing von Köhler. Ich war mit meiner Liebsten ein paar Tage am Bodensee und habe bei der Rückfahrt nach Nürnberg die Nachricht aus dem Autoradio gehört. Da fiel mir doch gleich spontan das Frauenfußballendspiel Deutschland gegen England bei der EM in Finnland 2009 ein. Auf der Tribüne wurde damals der Bundespräsident Horst Köhler gesichtet.

Olympia München 2018

In der Olympia Lektüre für mündige Bürger habe ich ein wenig auf die Kosten des Leistungssports und der Goldmedaillen geschaut.

Ronny Blaschke äußert sich auf Zeit Online zur Olympia-Bewerbung von  München für 2018 und wirft dabei auch einen Blick auf die Kosten. 

,,Sind Deutschlands Entscheidungsträger nicht fähig zu einer ausgewogenen Debatte über die öffentliche Rolle des Sports? In einem Land, dessen Regierung in diesem Jahr mehr als 200 Millionen Euro in Sport investiert. In einem Staat, in dem rund 1000 Athleten von Bundeswehr, Polizei, Zoll und Feuerwehr alimentiert werden. Die Münchner werden nie genau beziffern können, wie viel Steuergeld Olympia an direkten und indirekten Leistungen kosten würde. Wahrscheinlich würden es wie in Vancouver etwa vier Milliarden Euro sein,  mindestens.“

Auch mir fehlt eine ausgewogene Debatte. Erinnert sei an das Interview Widerstände sind ein Medienprodukt von Münchens Bürgermeister Christian Ude (SPD) mit der taz.

,,Ja, selbstverständlich suchen wir den Dialog, dennoch muss ich darauf hinweisen, dass so manche Organisation, die hier im Namen der Menschheit auftritt, nur sehr wenige Mitglieder hat. Den Bund Naturschutz nehme ich freilich als kompetenten Partner sehr ernst. Ich weiß auch, wie umstritten bei Bund-Mitgliedern ein plakatives „Nein“ ist. Viele wünschen sich eine ökologische Ausgestaltung der Spiele, nicht deren Boykott.“

Warum gefällt mir die Tonart vom SPD Politiker Ude nicht? Wieso nennt er die Organisationen nicht mit Namen und Adresse? Wer bitte tritt da im Namen der Menscheit auf? Ist es nicht eher so, dass Christian Ude ein Selbstverständnis von der Olympiabewerbung hat, wo andere Meinungen nur schwer toleriert oder gar offen, ehrlich und transparent miteinander diskutiert werden?

Im oben erwähnten Blaschke Beitrag kommt auch eine Idee von Charles Banks-Altekruse zur Sprache. Der Amerikaner empfahl in einem Gastbeitrag der New York Times Olympia eine kontinuierliche Heimstätte zu geben. Er empfiehlt die Schweiz und bringt auch die Argumente gegen eine weitere Rotation der Spiele. Da wären Umweltschädigung, Geldverbrennung, Kommerz und Korruption.

Axel Doering vom Bund Naturschutz Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen schreibt auf der Webseite Nolympia:

,,Das Zauberwort „Olympische Spiele“ veranlasst Staaten und potentielle Ausrichterorte dazu, bereits im Vorfeld auf alle Bedingungen des IOC einzugehen, obwohl die Geschäftsgebaren des IOC als sehr umstritten gelten. So erhielt das IOC im Jahr 2008 von der Organisation „One World Trust“ den zweifelhaften Ehrentitel „intransparentestes Gremium der Welt“. Das IOC nutzt die Willigkeit der Bewerber um die Ausrichtung der Spiele, um Bedingungen zu diktieren, die Geschäftspartner im normalen Geschäftsleben weder fordern noch akzeptieren würden.“

Das Thema Sportpolitik in Deutschland hat Qualitätsjournalist Jens Weinreich seit Jahren erfolgreich besetzt. Er ist nah dran am Geschehen und schaut den Beteiligten mit journalistischer Sorgfaltspflicht auf die Finger. In Vancouver konnte er die Bemühungen des DOSB um die Bewerbung für 2018 hautnah erleben.

,,So eine Olympiabewerbung ist eine anstrengende Sache. Jeden Morgen um 7.30 Uhr lässt Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seine Pappenheimer aufmarschieren. Dann werden im Deutschen Haus die großen Themen und winzige Details besprochen. Die Deutschen sind gründlich.“

Deutschland hat bei den letzten zwei Bewerbungen für Olympia mit Leipzig und Berlin keine so glückliche Figur gemacht. Wie wird es München ergehen?

Olympia Lektüre für zwischendurch

Heute ein paar Leseempfehlungen für den kleinen Informationsappetit zwischendurch.

Die taz schreibt über die Goldhoffnung der Kanadier im Eishockey.

Hier gehts zum Artikel Ahornblätter wollen Lorbeer:

,,Überhaupt können die übrigen kanadischen Athleten abräumen, wie sie wollen, all diese Erfolge wären höchstens noch die Hälfte wert, falls das Eishockeyteam versagt. Denn die Wahrheit ist: Die Winterspiele sind für die Kanadier nichts anderes als ein großes Eishockeyturnier mit buntem Rahmenprogramm.“

Ein Interview mit dem Oberbürgermeister von München, Christian Ude, zur Bewerbung Olympia 2018 in der taz.

Hier gehts zum Interview Widerstände sind ein Medienprodukt:

,,Ja gut, Alpenverein und Bund Naturschutz stellen bestimmte Forderungen, die man realisiert sehen möchte. Umweltverbände wissen natürlich, dass mit Olympia eine gewisse Medienpräsenz garantiert ist. Ich bewerte die kritischen Stimmen aber nicht über.“

In der Frankfurter Rundschau gibt es ein Porträt vom Bahnkonstrukteur Udo Gurgel.

Hier gehts zum Artikel Der Schöpfer der Eiskanäle:

,,In der olympischen Rodelbahn am Fitzsimmons-Creek, 1450 Meter lang, 16 Kurven, 142 Meter Höhenunterschied, flog der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili bei Tempo 144,3 gegen einen Pfeiler und starb. Den Eiskanal, vor fünf Jahren für 105 Millionen kanadische Dollar gebaut, hatte Udo Gurgel entworfen. Seit etwa 40 Jahren berechnet er weltweit die schnellen Rennstrecken.“