Live-Stream zum Tal Memorial 2013

Update: Bevor es heute nach Moskau zur letzten Runde vom Tal Memorial 2013 geht mag der eine oder andere Leser gerne auch zum vielleicht interessantesten Internetprojekt 2013 schauen.

Es ist ein schachliches Feinkostmenü der besten Art. Die Rede ist vom Tal Memorial 2013 in Moskau. Nebenbei wird zusätzlich zur Schachehre auch um Geld gespielt. Der ausgelobte Preisfonds in der russischen Metropole beläuft sich auf 100.000 Euro. Die Splittung sieht 30.000 Euro für den erfolgreichen Turniersieger vor. Auf den Plätzen folgen dann die Dotierungen in Höhe von 20.000, 15.000, 10.000, 8.000, 6.000, 4.000, 3.000, 2.500 und 1.500 Euro.

Michail Tal begeisterte die Schachfreunde bei der Schacholympiade 1960

Das Gedächtnisturnier zu ehren von Michail Tal ehrt einen ganz Großen in der Gilde der Schachweltmeister. Mein Vater hat ihn noch Live bei der legendären Schacholympiade 1960 in der Messestadt Leipzig gesehen. Beim hochinteressanten Schachmatch gegen den jungen und ehrgeizigen Bobby Fischer. Michail Tal begeisterte damals die Schachfreunde der ganzen Welt. Mein Vater nahm vor 53 Jahren extra Urlaub und reiste nach Leipzig zur Schacholympiade. Er sah zwei Großmeister am Schachbrett mit Charisma. Der eine wurde 12 Jahre später im Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik gegen Boris Spasskij Weltmeister. Der geniale Bobby Fischer. Der andere charismatische Schachspieler war Michail Tal.

Michal Tal bereits zu Lebzeiten eine Legende

Der Schachweltmeister von 1960 war bereits zu Lebzeiten ob seiner spektakulären und risikoreichen Spielweise eine Schachlegende. Das Kombinationsspiel von Michail Tal war auf Angriff ausgerichtet. Oft gelang es dem genialen Großmeister, wie aus dem Nichts, einen furiosen und erfolgreichen Angriff auf die Stellung des Kontrahenten zu starten. Offensivspieler Tal opferte dabei Material und die Gegner am Schachbrett  fanden oftmals nicht mehr die passende Antwort.

Hier auf ausdrücklichen Wunsch eines Fernschachfreundes nochmals die Reminiszenz an ein Blindsimultan von Michail Tal an zehn Brettern. Es war die Zeit, wo der Rauch der Zigarette noch einen arteigenen Charme hatte. Genug der Vorrede.

Zurück in das aktuelle Jahr 2013. Das Tal Memorial ist auch wieder mit einem Online-Angebot für alle Schachfreunde ausgestattet. Es wird heute ab 15.00 Uhr in Moskau gespielt (in Deutschland also dann abzüglich der 2 Stunden Zeitdifferenz zur Moskauer Zeit ab 13.00 Uhr) und der Live-Stream zum Tal Memorial befriedigt die Neugier aller Schachspieler, Enthusiasten, Kiebitze und Analysten.

Schach WM-Kampf Tigran Petrosjan – Michail Botwinnik 1963

Neulich hielt ich wieder das von meinem Vater geerbte Schachbuch von Svetizar Gligoric in den Händen: Fischer SpasskijSchachmatch des Jahrhunderts. Jenes mehrfach von mir gelesene Meisterwerk vom jugoslawischen Schachgroßmeister über den WM-Schachkampf 1972 in Reykjavik. Am Ende des Buches findet sich auf Seite 239 die Stellungnahme verschiedener Großmeister auf die Fragen von Journalist Flohr. Er selber war ein früherer Schachgroßmeister und stellte Botwinnik, Petrosjan, Smyslow, Kotow und Tal folgende 3 Fragen vor Beginn des Schachmatch des Jahrhunderts:

1. Larsen ist der Ansicht, daß die sowjetische Schachhegonomie in größter Gefahr ist. Teilen Sie diese Meinung?

2. Worin besteht Fischers Geheimnis – gibt es ein solches überhaupt?

3. Fischer und seine Anhänger sind fest von einem amerikanischen Sieg in diesem Turnier überzeugt. Können die sowjetischen Schachfans und der Großmeister unter diesen Umständen noch ruhig schlafen?

Lassen wir ruhig die 3 Fragen ein wenig auf uns wirken. Die Sowjetunion stellte seit 1948 die Schachweltmeister mit der Regelmäßigkeit der aufgehenden Sonne. Schach schien fest in der Hand einer Nation mit dem Regierungssitz in Moskau zu sein. Es sah fast nach einer Zementierung von liebgewonnener Tradition aus. Fand das Schach WM-Turnier 1948 noch zweigeteilt im niederländischen Den Haag und Moskau statt, war die sowjetische Metropole von 1951 bis 1969 Austragsort aller Schach-WM Kämpfe innerhalb der Familie. Ausländische Spieler fanden einfach den Weg ins Finale nicht. Es war wie eine gläserne Decke. Doch es gab da diesen überaus ehrgeizigen Spieler aus den USA. Bereits mit 19 Jahren hielt er sich für den besten Schachspieler der Welt. Doch auch für ihn war es nicht so einfach die Decke zu durchstoßen. Bobby Fischer, 1972 im Alter von 29 Jahren, schickte sich also an eine 25-Jährige Vorherrschaft im königlichen Spiel zu den Geschichtsbüchern zu legen. In der damaligen Umfrage antwortete Tigran Petrosjan, 2 x facher Schachweltmeister, auf die obengenannten Fragen wie folgt:

,,Ja, die Hegemonie ist beendet, denn sonst würden sich bei der Weltmeisterschaft wieder nur Sowjetmeister gegenüberstehen. Fischers Geheimnis ist seine Jugend. Wenn Geller, Kortschnoi, Petrosjan und Tal jünger wären, würde alles ganz anders aussehen. – Fischer kann geschlagen werden, wenn man ihm die richtigen Eröffnungszüge vorsetzt. Es gibt noch verschiedene Geheimnisse auf dem Schachbrett, die er nicht so ganz durchschaut hat. Meiner Meinung nach hat Spasskij durchaus Siegeschancen, trotzdem kann ein Weltmeister nie ganz ruhig schlafen.“

Der Defensivvirtuose Tigran Petrosjan hatte übrigens im Jahr 1963 seinen ersten Schach-WM Kampf gegen Michail Botwinnik in Moskaus ausgetragen. Wie er sich kurz vor seinem 34. Geburtstag selbst ein unvergessliches Geschenk mit dem Schachweltmeistertitel machte habe ich für chessbase in Vor 50 Jahren: Petrosjan wird Weltmeister aufgeschrieben. Also schaut’s rein, es ist eh Regenwetter und Dank ChessBase sind für den geneigten Schachfreund auch alle 22 Partien vom WM-Kampf 1963 nachzuspielen.

Endspurt bei der Sportinsider Wahl der Schachwebsite des Jahres 2012

Irgendwann geht auch die schönste Schachpartie ihrem Ende entgegen.

Auch die Sportinsider Wahl der Schachwebsite des Jahres 2012 nähert sich ihrem Finale.

Am Sonnabend, den 22. Dezember 2012 sind die Wahlkabinen noch geöffnet.

Wer erst noch traditionell 20.00 Uhr die Tagesschau anschauen möchte… und sich noch nicht für eine Schachwebsite entscheiden konnte… Gemach, gemach.

Bis 22.00 Uhr ist das Wahllokal noch geöffnet.

Aber auch jüngere Schachfreunde, die vielleicht später noch auf die Piste wollen und dem nächtlichen Clubtreiben ihrer Stadt einen Besuch abstatten möchten, können so mit guten Gewissen in das Nachtleben eintauchen. Vorher noch das entsprechende Kreuz machen.

Die Ergebnisse werden am Sonntag, den 23. Dezember zum 4. Advent veröffentlicht.

Update:

Für diejenigen Schachfreunde, Kiebitze und Interessierte mit bereits erfolgter Stimmabgabe im Wahllokal gibt es noch ein wenig Videobonusmaterial.

Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij 1972. 

Mein Vater hat ihn bei der Schacholympiade 1960 selber live im Duell mit Bobby Fischer spielen sehen.

Die Rede ist vom damaligen 23 Jahre alten Schachweltmeister Michail Tal.

Hier eine 10-Minütige Sequenz von Michail Tail beim Blindsimultan.

Kann sich das geneigte Publikum noch an Garri Kasparow und die Geschichte mit IBM erinnern?

Stichwort Deep Blue. Kampf Mensch gegen Maschine.

Schach – Das Duell

Was passiert wenn sich ein angehender Mediengestalter in Bild und Ton mit dem Thema Schach – Das Duell auseinandersetzt?

Die Arbeit stammt aus dem Jahr 2007. Der Dank geht an Ramondo12.

Derweil dürfte Schachspieler Peer Steinbrück andere Sorgen haben. Das Duell gegen die schwarze Dame war rhetorisch vor ca. 7 Wochen kampfstark eröffnet worden. Alleine danach hätte ich ein offensives e2-e4 erwartet. Eine kraftvolle Eröffnung des Wahlkampfes gegen die Titelverteidigerin. Stattdessen endlose Diskussionen um Nebentätigkeiten, Honorare, Buchvergütungen, unterschiedliche Ansichten der Modalitäten in Sachen monetäre Entlohnung einer Veranstaltung in Bochum. In der in die Schlagzeilen gekommene Bochumer Veranstaltungsreihe Atrium Talk der ortsansässigen Stadtwerke waren auch Sänger Peter Maffay, Protestant Joachim Gauck und Fußballurgestein Uli Hoeneß zu Wort gekommen. Spende oder Honorar war auf einmal ein vieldiskutiertes Thema in der Presse Deutschlands und an den Stammtischen der Bundesrepublik. Manch CDU-Wahlkämpfer wird heimlich vor Freude ein Bier geöffnet haben ob der erfreulichen taktischen Spielsituation.

Doch zurück zum Zeitpunkt wo aus der Troika ein Bundeskanzlerkandidat und Herausforderer der Titelverteidigerin sich in Stellung brachte. Peer Steinbrück ließ seinen Worten am Freitag, den 28. September 2012 noch nicht die notwendigen Taten folgen:

,,Wir wollen diese Bundesregierung ablösen.“

Die Eröffnung lässt vorläufig auf sich warten. Die Zeit läuft. Nun, in der Geschichte des Schachsports ist ja zum Beispiel Bobby Fischer mit seinem Zuspätkommen an das Schachbrett gegen Boris Spasskij berühmt-berüchtigt geworden, um am Ende das Schachmatch des Jahrhunderts 1972 in Reykjavik doch zu gewinnen. Die Uhr vom Schachgenie aus den Staaten lief. Doch er holte den Zeitverlust dann regelmäßig im Kampf um den Titel heraus. Im Buch von Svetozar Gligoric Fischer Spasskij – Schachmatch des Jahrhunderts ist dieses arteigene Zeitspiel von Bobby Fischer während der 1. Partie so beschrieben:

,,Spasskij betrat die hell erleuchtete Bühne des großen Turniersaales eine Minute vor 17 Uhr Ortszeit. Fischer war noch nicht erschienen. Deshalb galt der Applaus der nach Tausenden zählenden Zuschauer (selbst der sowjetische Botschafter war zugegen) ausschließlich dem Titelverteidiger.“

Herausforderer Bobby Fischer kam mit neun Minuten Verspätung in den Saal. Dies wiederholte sich bei anderen Partien im WM-Kampf. Hm. Mir scheint Schachspieler Peer Steinbrück hat bereits mehr Zeit wie jene neun Minuten aus der Auftaktpartie von Fischer verloren. Dabei warte ich immer noch auf einen 1. Zug. Es ist ja nicht so, dass die schwarze Dame keine Schwächen hätte. Bei Sascha Lobo könnte er sich unter dem Titel Dr. Merkels vollstes Vertrauen Anregungen holen. Blogger Lobo hat die Dinge grafisch anschaulich aufbereitet. Wer ist eigentlich der Sekundant von Peer Steinbrück? Material für einen Angriff auf den Damenflügel ist in Hülle und Fülle da. Ohne Ende.

Erfahrene Wahlkampfstrategen reiben sich verwundert die Augen. Warum ist der Honorarkönig nicht bereits zum Angriff übergegangen. Im Buch Die Patin von Frau Gertrud Höhler kommt auf der Umschlagsinnenseite auch einer der führenden intellektuellen Köpfe Deutschlands, der charismatische und smarte Verleger Jakob Augstein (Herausgeber Der Freitag) zu Wort:

,,Es ist ein bisschen wie beim Piraten Jack Sparrow, nur das Merkel ihre Ziele nicht selber wählt – weil sie außer dem Amtserhalt keine hat.“

Peer Steinbrück ist am Zug.

Liveportal Schachbundesliga 3. + 4. Runde am 10.11. + 11.11.2012

So jetzt darf sich die Schachbundesliga auch wieder auf die wesentlichen Dinge konzentrieren. Causa Bindrich hin oder her. Hier im Blog hatten wir das Thema hier, hier und hier. Schach sollte wieder im Mittelpunkt stehen. Andererseits hält sich ja auch nach wie vor die Legende, das Bobby Fischer bei seinem Sieg im Schachmatch des Jahrhunderts 1972 gegen Boris Spasskij in Reykjavik auch von Journalisten ohne jegliche Schachkenntnisse über das ganze Match begleitet worden ist. Schach lebt wie jede Sportart natürlich auch von ihren Protagonisten die interessante Storys fabrizieren. Die Schachbundesliga kommt ohne solche Vorfälle wie den Handyvorfall in den auflagenstarken Printmedien dieser Republik eher selten bis gar nicht vor.

Doch es gibt ja das Internet. Champagner. Am Wochenende ist wieder das Liveportal der Schachbundesliga für alle Schachenthusiasten zur Verfolgung der 3. + 4. Runde geöffnet. Sonnabend, den 10.11. beginnt das Spiel auf den 64 Feldern 14.00 Uhr. Am Sonntag, den 11.11. um geschmeidige 10.00 Uhr.

Noch ein paar Lesetipps bis zum Start der Schachbundesliga.

Chessbase widmet Ennio Morricone beim Schach einen lesenswerten Artikel inclusive Bonusmaterial in visueller Form.

Schach-Ticker titelt Wann kommt die ,,Beschwerde“-Flut? und der Jugendbundestrainer Bernd Vökler berichtet dabei über die Rahmenbedingungen  der Jugend-WM aus Maribor und den Ängsten besorgter Eltern vor dem Wasser.

DeppChess hatte im Sommer von einer fast unbekannten unsterblichen Schachpartie aus Hastings im Jahr 1974 unter dem Titel Historical (1) berichtet. Ein Klassiker. Habe ich gerne nochmals ausgegraben.

Details

Sabine Küper-Büsch hat einen Tag nach der deutschen Einheit einen lesenswerten Artikel auf Jungle World (Hat-Tip geht an chessbase)  veröffentlicht. Es dreht sich um Facetten der Schacholympiade in Istanbul, die berühmte Schachnovelle von Stefan Zweig, die Schachförderung in der Türkei, die idealen Bedingungen für Elisabeth Pähtz am Bosporus und ihr Fazit über die Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die starke Rolle von Judit Polgár am Schachbrett in Istanbul. Sie flechtet der symphatischen Spielerin einen Lorbeerkranz und verheddert sich dann ein wenig in den Details:

,,Den Titel eines Großmeisters der Männer erreichte sie 1992 im Alter von 15 Jahren und vier Monaten und übertraf damit den Rekord von Bobby Fischer. Fischer war von 1972 bis 1975 Schachweltmeister und hatte als 16jähriger den Titel gegen den Russen Boris Spasski gewonnen.“

Nein. Einspruch. Der Tod des Glücks ist der Vergleich. Bobby Fischer erlangte beim Interzonenturnier in Portorož im August/September  1958 den Titel eines Großmeisters. Fischer war da 15 Jahre alt. Sein Geburtsdatum ist der 9. März 1943. Im Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik 1972 im Duell gegen den Leningrader Boris Spasskij war das amerikanische Schachgenie 29 Jahre alt. Diese erbsenzähltechnisch anmutende Geschichte von 15 Monaten und  vier Monaten steht beim wikipedia  Eintrag von Judit Polgár  drin:

,,Den Titel eines Großmeisters der Männer erreichte sie 1992 im Alter von 15 Jahren und 4 Monaten und verbesserte damit den Rekord von Bobby Fischer um einen Monat.[1] Verständlicher gesagt: „Die Altersangabe bezieht sich auf die Erzielung der letzten erforderlichen GM-Norm, um daraufhin Anfang 1992 den Großmeister-Titel von der FIDE verliehen zu bekommen“:“

Im Zeitalter der vergessenen Quellenangaben von Politikern bei ihren Doktorarbeiten gibt es selbstverständlich die Offenlegung des Einzelnachweises auf wikipedia:

[1]

Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 81

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Damit dürften wir in keine Schavanistische Falle gelaufen sein. Schachfeunde erinnern sich noch an das vergangene Jahr. Schachspieler Karl-Theodor zu Guttenberg verlor seinen Titelkampf.

Übrigens trafen sich Boris Spasskij und Bobby Fischer am Schachbrett erstmalig 1960 in Mar del Plata. Königsgambit. Fischer verlor mit den schwarzen Steinen nach 29 Zügen. Nach der Schachpartie verfaßte Bobby Fischer den Aufsatz: The King´s Gambit ist busted.

Das Königsgambit ist erledigt. Nun zumindest der damalige 3. Zug von Fischer mit g7-g5. Er empfahl nach der Verlustpartie mit d7-d6  die richtige Fortsetzung aus seiner Sicht.

Noch ein paar Schachanmerkungen aus der Neuzeit. Das Grand Slam Finale ist durch. Die Nachricht vom Sieg von Magnus Carlsen im Blitz-Tiebreak gegen Fabiano Caruana dürfte sich trotz Hype um Extremsportler Felix Baumgartner und die Red Bull Aufholjagd mit Sebastian Vettel herumgesprochen haben. Wer noch ein wenig Fotos von Eric van Reem und seinem Sohn Dennis vom Bilbao Schachfeinkostevent anschauen mag, inclusive Blick auf die Turniertabelle sowie die Ergebnisse in Ruhe nachlesen will ist bei chesstigers richtig. Die einzelnen Ergebnisse von Schachweltmeister Vishy Anand finden sich dort auch. Er hat sein Meisterwerk dieses Jahr bereits in Moskau bei der erneuten Verteidigung seines WM-Titels geliefert. Alle Schachfreunde erinnern sich noch an den kreativen Blog Mate in Moscow von Eric van Reem, der emotionalen Flankierung von Anands WM-Triumph in Text und Bildern aus der russischen Metropole.

Höggdsche Konzentration bei zwei rockigen Interviews

So zur Entspannung ein rockiges Interview der Badische Zeitung mit Kabarettist Matthias Deutschmann unter dem Titel Höggdsche Konzentration zu den Olympischen Spielen, der Situation vom Schach, der Einordnung der Königlichen Disziplin in den Kontext der verschiedenen Sportarten sowie glasklaren Ansagen wie:

,,Sie wollen mir sagen, Schach sei kein Sport für Zuschauer? Im Prinzip ja, aber ich habe andere Erfahrungen gemacht: 1970 spielte bei der Schacholympiade in Siegen der sowjetrussische Weltmeister Boris Spasski gegen den US-Amerikaner Bobby Fischer. Da standen vier Stunden lang 3000 Zuschauer um das Schachbrett herum.“

HAT-Tip geht an chessbase.

Hier am Bodensee wird ja auch viel Rad gefahren. Die Tour de France wird dabei am Stammtisch mit dem Klassiker bedacht:

,,Die Tour de France ist sauber, aber die Fahrer sind gedopt.“

Nun, Pauschalurteile helfen da vielleicht nicht weiter. Lassen wir einen Insider zu Wort kommen. Kürzlich gab Stefan Matschiner ein offenes Interview den Stuttgarter Nachrichten unter dem Titel Wer absoluten Erfolg will muss dopen:

,,Von den 200, die bei einer Tour de France starten, sind vielleicht zehn Prozent sauber – ohne dass ich jetzt für mich in Anspruch nehme, die genaue Zahl zu kennen.“

Die Tour de France hat auch dieses Jahr wieder für Schlagzeilen gesorgt. Jeder konnte die Uhr danach stellen. Schlecker

Wer die Tour ganz relaxt online nochmals Revue passieren lassen will kann bei Sportjournalist und Blogger Jonathan Sachse in Ruhe stöbern.

Reminiszenz an Bobby Fischer in 60 Minutes von CBS News

Meine zahlreichen treuen Stammleser wissen von meinem Faible für Bobby Fischer und das denkwürdige Schachmatch des Jahrhundert 1972 in Reykjavik gegen den amtierenden Champion Boris Spasskij. Der amerikanische Großmeister gegen den Titelverteidiger aus Leningrad. In Zeiten des kalten Krieges sollten beide stellvertretend die Systemfrage entscheiden. Dabei waren die zwei Schachspieler alles andere als stromlinienförmige Protagonisten ihrer jeweiligen Gesellschaftssysteme. Das langersehnte Duell zwischen Herausforderer und Schachweltmeister fand in der Sport- und Veranstaltungshalle Laugardalshöllin vom 11. Juli bis zum 1. September statt. Die internationale Schachwelt atmete auf.

Die Vorgeschichte füllt Bände. Auseinandersetzungen um den Spielort, der hartnäckige und erfolgreiche Kampf von Fischer für adäquate Preisgelder, sein Ringen um optimale Spielbedingungen und der eine oder andere legendäre Spruch füllten Sendungen, Zeitungsspalten und Radiobeiträge. Es zog ein anderes Selbstverständnis in die Schachszene ein. Der charismatische Bobby Fischer selbstbewußt vor dem Schachmatch des Jahrhunderts:

,,Möglicherweise wird es das größte sportliche Ereignis der Geschichte. Bedeutender sogar als der Kampf Frazier-Ali…”

Nach 21 Partien war das Schachgenie aus den USA mit 12,5 : 8,5 Punkten neuer Weltmeister. Er beendete damit eine 25 Jahre anwährende russische Vorherrschaft im Schach. Bobby Fischer beanspruchte die Aufmerksamkeit der Medien bereits Wochen und Monate vor dem Naturereignis auf 64 Feldern. Hier eine Sequenz aus  60 Minutes vom TV-Sender CBS News am 9. April 1972. Einem Sonntag. Vorhang auf.

Schach-WM-Kampf Anand-Gelfand nach 2. Partie weiter offen

Im Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer stand es nach 2 Partien 2:0 für den Großmeister aus Leningrad. Am Ende siegte er jedoch nicht. Das Schachgenie aus Amerika gewann die WM-Schachkrone. Bobby Fischer siegte klar mit 12,5 zu 8,5. Im aktuellen Match um die Schachweltmeisterschaft steht es zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand nach 2 Partien 1:1. Zwei Remis stehen zu Buche in der Chronik vom aktuellen Match in Moskau. Mehr dazu bei chessbase mit Notation der Partie vom Sonnabend und interessanten Bildmaterial.

Dabei war Bobby Fischer vor 40 Jahren gar nicht zur 2. Partie erschienen. Doch das ist eine Geschichte für sich. Die Fernsehkameras hatten den Amerikaner bei der Auftaktpartie gestört. Nachgeben war auf Seiten der Organisatoren noch nicht passiert. So blieb Schachgenie Fischer zur 2. Partie im isländischen Hotelzimmer. Reykjavik und die Schachwelt sollten noch öfters den Atem anhalten. Solche Aufregungungen sind in Moskau im Jahr 2012 nicht zu erwarten.

Der Mythos Bobby Fischer wird auch die nächsten WM-Schachkämpfe überdauern. Karl – Das kulturelle Schachmagazin näherte sich in der Ausgabe 2/02 mit dem Schwerpunkt: Mythos Fischer den Ursachen, Hintergründen sowie Facetten. Der Hauptakteur vom Schachmatch des Jahrhunderts hat Geschichte in der königlichen Sportart geschrieben.

Jetzt sind wir fast ein wenig ins plaudern über Bobby Fischer gekommen und haben Anand und Gelfand etwas aus dem Blickwinkel verloren. Gemach, gemach. Der Tiger von Madras, mit frischen Lorbeer aus der Schachbundesliga angereist, und sein Kontrahent aus Israel, der beharrlich an der Chance des Herausforderers die letzten Jahre arbeitende Boris Gelfand sind verdient auf der Schachbühne in Moskau. Mäkelnden Worten aus der einen oder anderen Reihe zum trotz. Wie wird es in diesen Tagen eigentlich Jungstar Magnus Carlsen gehen?  

Levon Aronian, Boris Spasskij, Bobby Fischer und der Sprung vom Sekt zu Champagner

Im vergangenen Jahr schrieb ich am 1. Februar meine 10 Erkenntnisse vom Tata Steel Chess 2011 in Wijk aan Zee auf. Unter Punkt 4 erschien:

4. Aronian ist weiter schwer in einer Turnierpartie zu schlagen

,,Er ist für jeden Schachspieler der Welt schwer zu spielen. Levon Aronian, Tal-Memorial Sieger 2010 und amtierender Blitzschachweltmeister, verlor in den Niederlanden keine einzige Schachpartie. Er macht kaum Fehler, spielt hochkonzentriert und ist sicherlich noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Auf seine weitere Schachkarriere darf man gespannt sein.“

Diesmal verlor Levon Aronian zwei Partien gegen den Tabellenzweiten Carlsen und gegen den Vorletzten Navara. Doch dafür durfte er diesmal gar den Turniersieg mit nach Hause nehmen. Chesstigers hat wie immer alles vorbildlich aufbereitet. Text, alle Spielpaarungen und Turniertabelle sowie eine Reihe von Videos. Levon Aronian, Magnus Carlsen etc. Also schaut´s rein. Die obig gelegte Verlinkung zu chesstigers steht stabil.

So jetzt aber noch eine Sektflasche aufgemacht und auf den 75. Geburtstag von Boris Spasskij angestoßen. Ein aktuelles und sehr lesenswertes Interview ist Dagobert Kohlmeyer mit dem Schachheld und Weltmeister von 1969 sowie unvergesslichen Mitgestalter des Schachmatch des Jahrhunderts gelungen. Hier bei chessbase gibt es das komplette Interview.

Chessbase weist auch auf einen Artikel in Märkische Oderzeitung über die Leningrader Schachlegende hin. Dort wird unter anderen auf die monetäre Pionierarbeit von Bobby Fischer hingewiesen.

,,Dank Fischers Hartnäckigkeit sind die Honorare der Schachspieler bei WM-Kämpfen und großen Turnieren in den vergangenen Jahrzehnten bedeutend gestiegen.“

Darauf dann ein Gläschen Champagner. Dabei kommt mir der Verweis auf Fischers finanziellen Kampf für ordentliche Preisgelder bekannt vor. Am 21. April 2010 schrieb ich hier auf dem Blog:

,,Bobby Fischer holte Schach aus der Nische heraus. Er professionalisierte die Sportart wie kein zweiter vor ihm. Unerbittlich kämpfte der amerikanische Großmeister für adäquate Preisgelder.“

Stammleser wissen von meinem Faible für Bobby Fischer. Demzufolge gab es damals im April auch noch etwas obendrauf von mir:

,,1972 holte sich Bobby Fischer dann im Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spasskij den Weltmeistertitel. Sein damaliger WM-Kampf in Reykjavik begann auch mit einer zeitlichen Verzögerung. Grund war nicht die isländische Vulkanasche, sondern noch nicht eingelöste finanzielle Forderungen. Der Kampf wurde um zwei Tage verschoben. Hinter den Kulissen wurde gerungen. Der isländische Schachverband blieb jedoch bei seinem finanziellen Standpunkt. Fischer lenkte nicht ein. Er war in New York geblieben. Jim Slater, Inhaber einer Investmentbank, schoß in letzter Minute 50 000 Pfund zu. Dies entsprach damals 125 000 Dollar.“

Mein Lieblingsfoto von dem Schachmatch des Jahrhunderts ist dieses hier.

Geburtstagsjubilar Boris Spasskij und der leider viel zu früh verstorbene Bobby Fischer beim Königlichen Spiel. Ich bin jedesmal sehr angetan von diesem Foto. Es zeigt die Intensität des Kampfes, es lässt sich erkennen wie offensiv Fischer agierte und welch feiner Schachspieler, auch im Augenblick der Niederlage, Boris Spasskij blieb. Dabei bin ich nun wirklich kein Experte für Körpersprache. Aber schaut es Euch selber ein paar Minuten versunken an. Nicht hektisch anklicken und wieder auf die nächste Welle zureiten. Sich ein wenig Zeit nehmen und sich einfühlen in das Foto.