Little Hoffenheim oder jährlich grüßt das Murmeltier

Sie sind wieder draußen. DFB-Pokal ist nichts für die Hoffenheimer. Der einstige Shooting Star der Bundesliga ist von einer Finalteilnahme in Berlin so weit entfernt wie der Salzstock in Gorleben von einem verlässlichen Atommüll-Endlager.

Vor gut einem Jahr schrieb ich unter Little Hoffenheim hier auf dem Blog:

,,Es gibt keine Alternative zum sportlichen Erfolg. Während Gustavo, ehemaliger Spieler von Hoffenheim, souverän mit seinem neuen Verein Bayern München in das Halbfinale einzieht, mussten die Kraichgauer bei Energie Cottbus ohne Coach Rangnick die Segel aus dem Pokalwettbewerb streichen.“

Für den jetzigen Trainer Holger Stanislawski dürften ein paar ungemütlichere Tage anstehen, wenn ich die Zeilen mit den Aussagen von Mäzen Dietmar Hopp bei spox richtig deute. Ich möchte jetzt nicht in der Haut vom Hoffenheim Coach stecken. Dabei sind die Zeilen über die von Golfspieler Hopp kritisierte fehlende Linie bei Stanislawski vor dem blamablen Pokalaus gegen den Zweitligisten Greuther Fürth  zu lesen gewesen.

Ich bin gerade auf dem Weg zum Emir und spezifische Hürden von Sportjournalismus

Ich hoffe meine hochanständige Leserschaft hat keinem deutschen Chefredakteur eine metaphysische Nachricht auf der Mobilbox hinterlassen. In der Art etwa wie: – Ich bin gerade auf dem Weg zum Emir -.

Journalisten haben es aber auch nicht einfach in Deutschland. Da machen Sportjournalisten keine Ausnahmen. Siehe auch Jens Weinreich und die Suche nach einem Mäzen. Viel Glück bei der Suche ist dem engagierten Mann mit der eigenen Meinung und der ihm arteigenen Hartnäckigkeit bei schwierigen Themen wie Doping oder Korruption zu wünschen. Finanzen sind generell ein wichtiger Baustein jeglicher Berufstätigkeit (man frage bei Timothy Ferriss nach). Aber auch ein anderer Sportjournalist ist noch nicht im finanziellen Traumland angekommen und steht vor einem herausfordernden Jahr. Die Rede ist von Jonathan Sachse. Unter dem Titel Berufliche Veränderung – mehr Journalismus 2012 stellte er kurz vor Ultimo des alten Jahres seine Situation dar und erinnert unter anderen an Höhepunkte seiner Arbeit in den vergangenen 12 Monaten:

,,Zur Erinnung: Im letzten Jahr habe ich einen Monat für das ZDF (TV + Online) in Frankreich gearbeitet und hier täglich von der Tour de France berichtet. Bei der Sportjournalismus Konferenz “Play the Game” konnte ich mich mit mehreren Kollegen austauschen, die mich motiviert haben, mehr Zeit in die Recherche und Journalismus zu investieren. Schließlich habe ich als einziges Medium live von den letzten öffentlichen Minuten im Sportausschuss berichtet .“

Jonathan Sachse habe ich immer gerne gelesen. Seine Tour de France Berichterstattung war aller Ehren wert.

Tour de France  ist ein gutes Stichwort. Kürzlich gab Rolf Aldag der Süddeutschen Zeitung ein Interview unter dem Titel ,,Der Sport ist nicht das wahre Leben.“. Schönen Gruß an Hans-Michael Holczer. Ich habe das Interview auch in der Printausgabe. Es verschwand nicht sofort nach dem Auslesen im Papierkorb. Ich werde das Interview zu gegebener Zeit wieder rausholen. Die nächste Tour de France kommt bestimmt.

So für heute ist das Ende der kleinen Bloggerei in Sicht. Meine Liebste möchte gerne noch ein Glas Rotwein mit mir trinken. Ich kann ihr da schlecht sagen: Ich bin gerade auf dem Weg zum Emir. Oder das Bloggen möchte ich gerne noch verlängern.

Für heute klappen wir den Laptop genüßlich zu.

Ein ganz normaler Bürotag im Januar 2012 in Deutschland

08:00 Entspannt mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Büro

08:35 Mantel im Büro aufgehangen. E-Mail Eingang checken. 

08:45 Kollegen an gewonnene Sportwette auf Heuberger Sieben erinnern

08:50 Ersten Kaffee im Büro trinken, Rosinenbrötchen tunken

08:59 Entspannungsblues Mama Wilson von Engerling auf youtube hören

09:30 Konferenz. Kollegen an ausstehenden Wetteinsatz erinnern

10:00 Zurück im Büro. Ablage. Blick auf Kultseite von breitnigge

10:30 Genüßlicher Blick auf das Blog sportmanager

11:05 Blick auf die Uhr. Zweites Frühstück in Sicht. Wird auch Zeit.

11:15  Zweites Frühstück mit Kollegen P. Austausch über Bundesliga

11:45 Kantine. Sport Diskussion fortsetzen. Es dreht sich um die Reus Frisur

12:40 Eiligen Außentermin vortäuschen: schnell mal rüber zu Kaufhof

13:45 Beim Bereichsleiter Sorge über Zustand von H. äußern

14:30 Am Drucker Powerpoint-Präsentation der Kollegin L. abgreifen

14:55 Druckerpapier und Textmarker Stabilo für daheim einstecken

15:15 All-inclusive-Angebote für Super Bowl 2012 checken

15:40 Präsentation von L. unter eigenem Namen der Zentrale senden

16:10 Auszubildenden (Hansa Rostock Fan) im Großraumbüro hochnehmen

16:20 Die Bundesligawettgelder von den Kollegen einsammeln

17:10 Endlich Feierabend. In der Tiefgarage auf Bereichsleiter warten:

             ,,So spät noch?“

17:50 Von der Frau wegen aufreibenden Bürotag bedauern lassen

17:55 Gut gekühltes Entspannungsbier von der Frau servieren lassen

Anmerkung

Alles an diesem Büroarbeitstag ist erfunden, das hoffe ich zumindest. Namen der Personen sowie Ablauf in der Firma sind ebenso frei erfunden wie die beschriebenen Situationen und Handlungen.

Ich versichere, dass ein Bezug zu realen Geschehnissen in deutschen Büros nicht beabsichtigt ist, auch wenn sich ein solcher finden sollte.

Gipfelstürmer auf 7246 Meter

Neun Gipfelstürmer sind dann durchgekommen. 7246 Meter bei der aktuellen Expedition zum Putha Hiunchuli. Stefan Nestler schaffte es bis 7100 Meter, dann zwang ihn sein Daumen in die Knie

,,Das Thermometer zeigte minus 27 Grad Celsius. Am Tag zuvor war die Haut am Daumen aufgeplatzt. Ich hatte ein Pflaster darauf geklebt. Jetzt merkte ich, dass es gefror und anschwoll. Dass ich einen Daumen verlor, war mir der Putha Hiunchuli dann doch nicht wert. Ich sagte Pemba, der auf mich wartete, dass ich zurückkehren werde. Schweren Herzens ließ ich die Gruppe ziehen.“

Respekt für die sportliche Leistung, das kontinuierliche bloggen von der Expedition und ein – Auf ein Neues – an Stefan Nestler und herzlichen Glückwunsch an die neun Gipfelstürmer. Der große Bergpionier und Grenzgänger Reinhold Messner betont bei seinen Live-Auftritten immer wieder, wie wichtig für ihn das Scheitern war. Der Lernprozess war dann immer besonders intensiv. Das mag vielleicht im Moment für Stefan Nestler nicht besonders tröstlich sein, doch das Leben geht weiter.

Interessant wird sein, wann er wieder einen neuen Anlauf nimmt. 

Stefan Nestler und die Königsetappe

Nein, es geht heute nicht um Radsport. Bergsteiger Stefan Nestler powert weiter. Richtung Siebentausender. Alle Interessierten läßt er in seinem Blog wissen: Durchbeißen auf der Königsetappe und beschreibt die mentalen und physischen Herausforderungen.

,,Als wir unsere schweren Taschen zu den Zelten schleppen, macht sich die ungewohnte Höhe von 4600 Metern bemerkbar: Wir schnaufen wie alte Lokomotiven.“

Das wäre früher ja so nicht gegangen. Die mediale Auswertung von Bergexpeditionen vor dem Zeitalter des Internets begann erst nach dem Abstieg. Jetzt ist man fast live als Leser, Bergfan, Sportinteressierter dabei wenn, wie kürzlich Gerlinde Kaltenbrunner oder momentan Stefan Nestler auf die Gipfelhöhen dieser Welt steigen und die Nachrichten, Eindrücke, Gefühle, Stimmungsbarometer und Kämpfe per Internet von den Protagonisten in die Welt überliefert werden.

Hartplatzheld Oliver Fritsch in brand eins

Es gab zwei Protagonisten die mich zum Bloggen inspiriert haben. Kai Pahl von allesaussersport und Oliver Fritsch von den Hartplatzhelden. Daher verfolge ich den Weg der beiden mit Interesse und Sympathie. Der Journalist und Hartplatzheld Oliver Fritsch schreibt mit dem Abstand von einigen Monaten zum damaligen juristischen Auswärtssieg in Karlsruhe gegen den Württembergischen Fußballverband einen interessanten Artikel in brand eins.

Chefredakteurin Gabriele Fischer im Editorial von brand eins:

,,Oliver Fritsch wollte nicht zulassen, dass der mächtige Deutsche Fußball-Bund entscheidet, wer seine „Hartplatzhelden“ sehen kann (S. 44).“

Er legt seine Sicht der Dinge dar und die eigenen Befindlichkeiten sowie Umstände. Letztere griffen auch unmittelbar in seinen Lebensentwurf. Einen juristischen Kampf gegen einen mächtigen Sportverband zu stemmen geht an die Substanz. Oliver Fritsch beschreibt dies anhand des sparsamen Kaffees aus der Thermoskanne oder der Nutzung von Mitfahrgelegenheiten sehr deutlich und warum die Halbtagsstelle bei Zeit Online eine ökonomische Notwendigkeit war und ist.

 Also bitte den Hintern vom Sofa hoch, raus zum nächsten Zeitungskiosk oder der gut sortierten Bahnhofsbuchhandlung und die brand eins mit dem Gartenzwerg auf dem Cover gekauft und auf Seite 44 anfangen zu lesen.

Programmhinweis für die Tour de France 2011

Die Radsportfans werden mit den Füßen scharren. Gegner der Frankreichrundfahrt haben vielleicht schon die Faust in der Hosentasche geballt. Die Tour de France polarisiert. Alle Skandale, die Inflation an epochalen Dopingstorys, Todesfälle, ein umstrittener Radsportverband, Entlarvung einstiger Tourhelden wie Landis und Co. konnten dieses Radspektakel nicht in der Versenkung verschwinden lassen.

Jetzt sind es wirklich nur noch ein paar zu überbrückende Tage. Am 2. Juli rollt die Karawane wieder. Für die einen ist es das faszinierendste Sportereignis des Planeten und für die anderen die größte rollende Apotheke. Ich selber bin Tour Fan, wenngleich meine einstigen Lieblinge fast alle im Ruhestand sind. Zu Contador (A.C.) habe ich noch nie ein Sympathieverhältnis aufbauen können. Das wird mir auch diesmal nicht gelingen. Meine Daumen werden für das Leopard Trek Team um die Schleck Brüder gedrückt. Ja, ich weiss. Auch die Schlecks haben… Doch wie sicher kann ich mir beim aktuellen Fußballweltmeister Spanien oder den Akteuren auf den Marathondistanzen in der Leichtathletik oder den Gewichthebern sein? Wintersport sei da auch nicht ganz vergessen. Ist das Müsli dort überall sortenrein sortiert? Also.

Doch jetzt zum Programmhinweis. Sportjournalist Jonathan Sachse ist bei der Tour de France 2011 live dabei und wird auf seinem Blog intensiv darüber berichten.  

Im Namen des Wettbetrugs und gratis Links abfassen

Ich wundere mich manchmal. Über die eine oder andere E-Mail in meinem digitalen Postfach. Vielleicht sind manchmal die Sicherungen einfach durchgebrannt.  Hier ein kurz über der Grasnarbe fliegendes Exemplar der Marke: Gastbeitrag im Namen des Wettbetrugs und gratis Links abfassen:

 Sehr geehrter Herr Wiemer,

ich bin auf Ihre Website sportinsider.wordpress.com gestoßen und möchte Ihnen folgenden Vorschlag machen:

Ich würde gerne für Sie einen Gastbeitrag (ca. 300 Wörter) schreiben zB „Kampf gegen Wettbetrug geht in die nächste Runde“ – ein Text zum Thema Sportwetten, diesen können Sie auf Ihrer Website veröffentlichen, dafür bekommen wir zwei Links aus dem Artikel auf unsere Website.

Der Vorteil für Sie: Sie erweitern Ihr Angebot um themenrelevanten Text, der Ihnen auch zusätzlich Besucher bringen kann.

Natürlich können auch Sie einen Beitrag auf meinem Blog veröffentlichen.

Sind Sie daran interessiert?

Mit freundlichen Grüßen

Was denken sich eigentlich Verfasser solcher E-Mail Textchen? Vermutlich hat der Denkprozeß nie angefangen. Nein, ich benötige keine Gastbeiträge. Ich brauche nichts. Ich habe alles. Ende der Durchsage. 

Es ist an der Zeit: Lesehinweis Jens Weinreich

Heute muss einfach alles warten. Keine Nowitzki Zeile, keine Stanley-Cup Reminiszenz, kein Rückblick auf Jan Ullrich seine Radsportaktivitäten in Bad Saulgau, keine Neuer Medien-Nachwehen, kein deutscher Frauenfußball und der nervende Hype, kein deutscher Männerfußball und sein ebenfalls nervendes Brimborium, keine Anand Schnellschach Analyse, auch kein vertiefen der Handy-Affäre bei der Deutschen Schachmeisterschaft und die Null-Karenz-Regel. (Bobby Fischer kam einst zur ersten Schachpartie beim Schachmatch des Jahrhunderts 1972 in Reykjavik gegen Boris Spasskij 9 Minuten zu spät. Dies sollte sich wiederholen. Auch Steigerungen waren drin. Bei einer Hängepartie im Turnier kam das amerikanische Schachgenie auch auf stolze 30 Minuten Verspätung.) Übrigens Fischer hätte die Karenz Regel den heutigen Schachfunktionären wahrscheinlich um die Ohren gehauen. Ich oder sie. Fischer hätte sich immer für seine optimalen Spielbedingungen entschieden. Funktionären traute er nicht über den Weg. Auch keine Lobeshymne auf Brose Baskets Bamberg oder ein Seitenblick auf Alba Berlin. Keine Contador Begleitmusik über den Verzehr von ungesunden Fleisch.

Nein, all diese Dinge sind für diese Woche nicht mehr wichtig. Sportjournalist und Power-Blogger Jens Weinreich hat einen bemerkenswerten Text unter dem Titel Deutschland und die Korruption: Kartell der Schande geschrieben. Text bitte ausdrucken. Eine absolute  Lesenotwendigkeit. Unentbehrlich für den aufrechten Gang.