Sport am Bodensee: Faszination Blitzschach

Blitzschach. Immer wieder faszinierendes Live-Erlebnis. Im Graf-Zeppelin-Haus war vor gut einer Woche einer dieser Veranstaltungen, die ein schnelles ziehen der Schachfiguren notwendig machten. Mit langem Grübeln ist da nichts. Wer vorn sein will muss schnell sein. Es wird halt geblitzt. Am Schachbrett entwickeln sich dann oft interessante Stellungen. Zeitnot ist nicht wirklich angenehm. Manch scheinbar siegreiche Stellung wird dann noch gekippt. Das renommierte Kultur- und Congress-Centrum punktet ja auch mit seiner einmaligen Lage am Bodensee und dem grandiosen Blick auf die Bergkulisse.

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In meiner Jugend habe ich auch gerne geblitzt. Unser Schachtrainer Paul Gaffron mochte dies gar nicht so gern. Er machte sich Sorgen. Seriöses Schach war bei ihm immer mit entsprechend langer Bedenkzeit versehen. Doch als Ergänzung zum Trainingsbetrieb und auch um schnelles ziehen in Drucksituationen zu üben fand ich Blitz-Schach immer sehr faszinierend. Diesmal war meine Person in der entspannten Situation eines Kiebitz. Doch in den Händen hat es schon gekribbelt. So schaute ich den 28 Teilnehmern relaxt über die Schulter.

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5 Minuten Bedenkzeit für jeden. Kompaktes und effektives Schach in einem vorgegebenen Zeitfenster. Fast ein Sinnbild für die Gesellschaft im Jahr 2013. Schneller, schneller, schneller. Arbeitsorganisatoren sprechen von Arbeitsverdichtung. Die Bücher zum Thema schneller Lernen und Effizienz im Arbeitsprozess besetzen Regalmeter in den Buchhandlungen. Projekte haben flankierend das Geschwisterpaar Zeitdruck und Kostenersparnis im Schlepptau.

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Die Oberschwäbische Blitzmeisterschaft ging über 15 Runden nach Schweizer System im Ludwig-Dürr-Saal . Tilo Balzer vom Schachverein Friedrichshafen war nicht nur der Organisator sondern auch noch nebenbei der Fotograf der Veranstaltung. Dankenswerterweise hat er die Fotos zur Verfügung gestellt. Zur gleichen Zeit des Blitzturniers im Graf-Zeppelin-Haus spielten übrigens die Schachprofis ihre 2. Runde im WM-Schachkandidatenturnier von London 2013. Der Herausforderer für den amtierenden Schachweltmeister Viswanathan Anand wird gesucht. Der Norweger Magnus Carlsen duellierte sich mit Wladimir Kramnik. Levon Aronian spielte gegen den Vizeweltmeister Boris Gelfand. Ich schweife ab. Doch die 28 Schachspieler am Bodensee hatten die komplette Konzentration für ihr Turnier.

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In Zeiten der Zypern-Krise, einer orientierungslos wirkenden Europäischen Zentralbank und Gerüchten über die Absage von Grand-Prix Turnieren (siehe hierzu auch den offenen Brief von Hikaru Nakamura – bei chessbase nachzulesen) gibt es auch noch gute Nachrichten zu vermelden. Den Vereinen in Friedrichshafen werden pro Jahr im Graf-Zeppelin-Haus 6 Stunden Räumlichkeiten ohne Berechnung zur Verfügung gestellt. Wenn ich das richtig verstanden habe. Eine feine Sache. Schachvereine in Deutschland sind ja leider generell finanziell nicht auf Rosen gebettet. Ausnahmen bestätigen eher die Regel. Eine Blitzschachveranstaltung ohne Mietkosten schont da erfreulicherweise die Vereinskasse.

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Das obligatorische Siegerfoto im Ludwig-Dürr-Saal. In der Mitte der Sieger mit dem Pokal in den Händen: Holger Namyslo. Die komplette Tabelle inclusive weiteres Bildmaterial gibt es auf der Website vom Schachverein Friedrichshafen. Von links nach rechts sehen wir Turnierleiter Tilo Balzer (SV Friedrichshafen), Rainer Birkenmaier mit Platz 2 von der TG Biberach, der bereits erwähnte Blitzchampion Holger Namyslo, daneben Andreas Schulze mit dem 3. Rang von der Post Ulm und Reinhard Nuber, Spielleiter Bezirk Oberschwaben.

Nakamura – Carlsen: Reminiszenz an die Blitz-WM im Schach in Moskau 2010

Für alle Schachfreunde einer gepflegten Blitzpartie gibt es heute eine kleine Reminiszenz an die Blitzschachweltmeisterschaft in Moskau 2010. In der Auftaktpartie in Runde 1 trafen Hikaru Nakamura und Magnus Carlsen aufeinander. Ich wünsche meinen treuen Lesern vergnügliche Minuten und einen guten Start in die Woche. 

 

Live Video Stream zur Blitz-WM 2010

In meiner Jugend habe ich ebenfalls gerne geblitzt. Mein Schachtrainer sah selbiges gar nicht so gerne. An den Vereinsabenden sagte er immer: Spielt seriös. Ihm war eine tiefe Analyse am Demonstrationsbrett von unseren Punktspielen vom Wochenende für die Entwicklung unserer Spielstärke wichtiger. Alleine das Geräusch der Schachuhren beim Blitzen führte zum heben einer Augenbraue vom Schachtrainer. Er huldigte der langsamen und mit Ruhe gespielten Schachpartie. Ich habe Blitzschach trotzdem immer auch sehr gemocht als Abwechslung zur langen Schachpartie, zum trainieren von schnellen Entscheidungen auf dem Schachbrett.

Jetzt trifft sich in Moskau zur Blitz-WM 2010 ein Großteil der Schachelite. Okay, Anand fehlt. Doch das Feld ist hochkarätig besetzt. Wunderkind, Schachgenie, kommender Weltmeister und andere Etiketten werden gerne Magnus Carlsen angehangen. Der Norweger  erreichte am 1. Tag 10 aus 14 und führt das  Feld mit dem frischen Tal-Memorial Sieger Levon Aronian an. Carlsen ist Titelverteidiger und mein persönlicher Favorit auf die WM Krone im Blitzschach 2010.

Der russische Schachverband bietet wieder einen Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 an. Am heutigen Mittwoch stehen die Runden 15 bis 28 auf dem Programm. Ab 13.00 Uhr ist das Live Büffet eröffnet.

Am Donnerstag werden dann die restlichen 10 Partien geblitzt. Dann beginnen die schnellen Schachzüge bereits ab 11.00 Uhr. Der obige verlinkte Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 ist dann auch wieder zu empfehlen. 

Zur aktuellen Turniertabelle vom russischen Schachverband geht es hier entlang. Daraus sind auch die Ansetzungen zu entnehmen und der fortlaufende Turnierstand. Kein großes Schachereignis ohne die Online-Power von Susan Polgar. An ihrem Auftritt können sich alle deutsche Schachspieler und Spielerinnen mit professionellen Ambitionen mindestens 2-3 Scheiben abschneiden. Auf ihrer Website fragt Sie: Who will win this year World Blitz Championship? 

WM-Schach-Kampf Anand-Topalov bleibt spannend

Die 2. Turnierhälfte des Schachspektakels von Sofia hat begonnen. Viswanathan Anand und Veselin Topalov trennen sich nach einem intensiven Spiel in der 7. Partie nach 58 Zügen Remis.

World chess champion Viswanathan Anand of India concentrates before seventh game against his opponent Bulgarian chess grandmaster and former world chess champion Veselin Topalov at the FIDE World Chess Championship match in Sofia, May 3, 2010. REUTERS/Oleg Popov (BULGARIA - Tags: SPORT CHESS)

Es steht 4:3 für den amtierenden Weltmeister Anand. Chessbase schreibt zusammenfassend zur Montagspartie:

,,Erst opferte der Bulgare eine Qualität, dann zwei Figuren für den Turm, so dass er in der Summe eine Figur weniger hatte. Als Kompensation besaß der Herausforderer zwei starke Bauern im Zentrum und starke Initiative. Anand verteidigte sich sehr aufmerksam und umschiffte in unklarer und verwickelter Position alle Gefahren. Später kompensierte ein schwarzer Freibauer die weiße Mehrfigur.“

Topalov begann die Partie wie eine Blitzschachmeisterschaft. Atemberaubend schnell zog er die Figuren. Der bulgarische Herausforderer definierte das Wort Angriffslust neu. Chesstigers merkt dazu im Artikel WM 2010 – Umsichtiger Weltmeister führt 4:3 an:

,, Während Topalov die ersten zwanzig Züge in rund vier Minuten aufs Brett donnerte, nahm sich Anand viel Zeit und ließ sich auch von seiner Mehrfigur nicht blenden. Obwohl ihn der Bulgare ein ums andere Mal vor sehr schwere Entscheidungen stellte und Anand zwischenzeitlich eine Stunde weniger Bedenkzeit auf der Uhr hatte, verlor der Inder nie die Übersicht und ließ es sich in wahrscheinlich ausgeglichener Lage sogar nicht nehmen, die gegnerische Offerte zu einer dreimaligen Stellungswiederholung abzulehnen. An der Punktteilung konnte der amtierende Champion zwar letztlich auch nicht entscheidend rütteln, aber so stellte er unter Beweis, dass sein Siegeswille keineswegs geringer ist, als der seines Gegners.“

Die 7. Partie war das 3. Remis hintereinander. Anand blieb in zwei aufeinanderfolgenden Weiß-Partien ein voller Erfolg versagt. Topalov ist der erwartete Kämpfer und schwere Kontrahent für den Bundesligaspieler der OSG Baden-Baden. Es bleibt weiter spannend.

36. Deutsche Meisterschaft im Blitzschach

Es wird wieder geblitzt. Erst unlängst holte das norwegische Schachgenie Magnus Carlsen  im Moskauer GUM Kaufhaus die WM-Krone im Blitzschach.

Die 36. Deutsche Meisterschaft im Blitzschach findet in Neumarkt/Oberpfalz statt. Der 1. Vorsitzende des Neumarkter Schachklubs  Sebastian Mösl hat dankenswerterweise eine kleine Vorschau auf die Turnierfavoriten geschrieben und auch das Plakatmotiv zur Verfügung gestellt. Ich wünsche viel Erfolg, kurzweilige Partien und eine rundum gelungene Deutsche Meisterschaft.

GM Michael Bezold – Der Oberfranke: Der in der Waischenfelder Pulvermühle aufgewachsene Michael Bezold ist im Schachbezirk Mittelfranken kein Unbekannter, spielte er doch 2005/06 für den damaligen Zweitligisten SC Noris Tarrasch Nürnberg wo er heute noch regel-mäßig Trainingsstunden abhält. Außerdem organisiert er jedes Jahr das hochkarätig besetzte LGA-Open in Nürnberg. 1991 wurde Michael Bezold erster gesamt-deutscher Jugendmeister, nachdem er bereits 1990 den Titel in der BRD errungen hatte. Seit 1998 trägt er den Großmeistertitel und war von 2000-02 als Nachwuchstrainer des Deutschen Schachbundes tätig. Bei den Deutschen Blitzmeisterschaften 2004 und 2005 wurde er jeweils Zweiter – knapp hinter Klaus Bischoff. Der amtierende Bayerische Blitzmeister spielt aktuell in der Bundesliga für den FC Bayern München am Spitzenbrett.

Klaus Bischoff – Der Rekordmeister: Der gebürtige Ulmer trägt seit 1990 den Titel Großmeister und ist mit 10 Meistertiteln der erfolgreichste deutsche Blitzer, wobei er seine Titel immer in Serien holte: zwei Hattricks und einmal gar vier Siege in Folge. Doch auch im Normalschach ist seine Erfolgsliste lang: so erkämpfte er sich bei den Jugendweltmeister-schaften 1980 in Dortmund hinter den Weltklasse-spielern Garri Kasparov und Nigel Short die Bronzemedaille. Er gehörte zur legendären Deutschen Nationalmannschaft die bei der Schacholympiade 2000 in Istanbul sensationell die Silber-medaille errang und gewann zudem mit dem FC Bayern München und der Solinger SG mehrfach die deutsche Meisterschaft. Obendrein gewann er 2003 die Deutsche Internet-Blitzmeisterschaft und von 2003-05 die Deutsche Schnellschachmeisterschaft. Bekannt ist Klaus Bischoff auch als Kommentator bei großen Schachturnieren, bei denen er die Zuschauer mit fachlichen Analysen und herrlichen Anekdoten in seinen Bann zieht.

GM Robert Rabiega – Der Titelverteidiger: Robert Rabiega gewann im Vorjahr bereits zum dritten Mal die Deutsche Blitz-meisterschaft, womit er in der ewigen Bestenliste Rang drei einnimmt. Seinen größten Erfolg feierte er jedoch 2000 als er Deutscher Meister im Normalschach wurde. Weiterhin gewann der Berliner dreimal die Deutsche Schnellschachmeisterschaft und trägt seit 2002 den Großmeistertitel. In der Bundesliga tritt er für seinen Verein SK König Tegel am Spitzenbrett an.

GM Michael Prusikin – Der „Lokalmatador“: Der gebürtige Ukrainer lebt seit 1995 in Nürnberg und war zunächst für die SF Fürth aktiv. Seit 1997 spielt er mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung für den aktuellen Zweitligisten SC Forchheim, wo er auch während der einjährigen Bundes-ligazugehörigkeit am Spitzenbrett spielte. 2000 wurde er Bayerischer Meister und belegte anschließend bei der Deutschen Rang vier. Im Jahr 2004 errang er den Großmeistertitel und trat für Deutschland u.a. bei der Schach-olympiade 2008 in Dresden an. Darüber hinaus ist Michael Prusikin auch als Trainer sehr erfolgreich und führte u.a. das mittelfränkische Toptalent Dieter Lutz aus Bechhofen zu mehreren Deutschen Jugendmeisterschaften und als erst 18jährigen zum Bayerischen Meistertitel. Seit dieser Saison leitet er den bayerischen D4-Nachwuchskader und trainiert regelmäßig Talente in Mittelfranken.

Soweit die kurze Vorstellung der Titelkandidaten.

Der Eintritt ist für alle frei. 

Start: 5.12.09 ab 13.00 Uhr

Spielort der 36. Deutschen Meisterschaft im Blitzschach ist die Aula des Landratsamts Neumarkt.

Empfehlenswerte Schachseiten im Netz

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2. ChessBase

3. Schachblog

4. Schach-Welt

5. Schach-Zeitung

6. Karl -Das kulturelle Schachmagazin-

7. Deutscher Schachbund

8. Schacholympiade Dresden 2008

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10. Chess Tigers