Bernd Hüttenhofer in der Schwäbischen Zeitung: „Hauptsponsor ZF beabsichtige seine Zuwendungen empfindlich zu kürzen, heißt es.“

Während in Moskau beim Schach-WM Kandidatenturnier Sergey Karjakin nach 4 von 14 Runden mit dem gestrigen Sieg gegen Vishy Anand die alleinige Führung übernimmt, geht das Sportgeschehen in der Bodenseeregion auch smart getaktet weiter. Stichwort Playoffs. In denen befinden sich ja bekanntlich die Eishockeyteams der EV Lindau Islanders und der Towerstars Ravensburg. Auch die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen steigen in die Playoffs ein. Fast vergessen der von der Süddeutschen Zeitung diagnostizierte Schock am See am 2. Dezember 2015  in der Online-Ausgabe und Tags darauf am 3. Dezember in der Printausgabe.

Foto: © Michael Wiemer

Ich lasse solche Artikel ja gerne auch ein paar Tage sacken. Am 11. Dezember 2015 nahm ich den Check der Medienkritik der Süddeutschen Zeitung am VfB Friedrichshafen vor.

Die Saison war damals in einem schwierigen Fahrwasser. Das nationale Pokalaus,  die klare Niederlage in Paris – die frühzeitig Hoffnungen in der  Champions-League besiegelte, die Trennung des VfB Friedrichshafen vom langjährigen Manager Stefan Mau. Dazu die Zuschauersituation in einer fußballbundesligafreien Region. Die Zuschauerzahlen in der ZF Arena  sind immer noch mit riesigem Potenzial nach oben versehen.

Doch sportlich hat Stelian Moculescu die Mannschaft wieder in die Spur gebracht. Es folgten phänomenale Heimsiege in der Champions-League gegen Paris Volley und Moskau. Das war Volleyball aus der Feinkostabteilung mit der nötigen Power, gepaart von Spiellust, Leidenschaft und bärenstarken Aktionen inklusive dem nötigen Selbstbewusstsein. Die Meisterschaftsspiele zogen in puncto Konzentration auch an. Lohn war unter anderen der Prestigesieg beim Erzrivalen Berlin Recycling Volleys.

Fernab der sportlichen Seite gab es am letzten Freitag in der Schwäbischen Zeitung einen Artikel von Bernd Hüttenhofer, der Fans vom VfB Friedrichshafen nachdenklich stimmen wird und unter anderen auch das Sponsoring streifte:

,,Allein dass alles gut wird am See, ist unwahrscheinlich: Hinter den Kulissen rumort es. Hauptsponsor ZF beabsichtige, seine Zuwendungen empfindlich zu kürzen, heißt es. Am besten also, der VfB wird noch mal schnell Meister – bevor´s vielleicht fürs Erste vorbei ist damit.“

Bernd Hüttenhofer ist ein profunder Kenner der Vorgänge um den VfB Friedrichshafen und begleitet die Geschehnisse seit Jahren.

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Die Ravensburg Towerstars powern in ihrer Playoff-Viertelfinalserie gegen den EC Bad Nauheim. Der engagierte und kompetente Pressesprecher Frank Enderle titelt Towerstars haben nach glatten 3:0 jetzt vier „Matchpucks“. Eishockey: Im Playoff-Halbfinale der Bayernliga gab der EV Lindau Islanders seinen Vorteil vom Auftaktsieg mit der Niederlage nach Penaltyschießen im Heimspiel gegen EHC Waldkraiburg aus der Hand. Alles wieder auf Anfang. Segeln: Beim Match Race Germany Langenargen läuft der Countdown. Noch 56 Tage, 23 Stunden 39 Minuten und 57 Sekunden. ZF ist ebenfalls als Sponsor in das hochkarätige Segelevent involviert.

Sport am Bodensee: Die Sehnsucht nach dem Titel

Lassen wir folgende Worte einen Moment auf uns wirken:

,,Wenn Erfolge zur Normalität werden, tritt früher oder später Sättigung ein. Eine zutiefst menschliche Reaktion, die aber hinderlich ist im Spitzensport, wo oft die letzten Leistungsreserven den Unterschied ausmachen zwischen Sieg und Niederlage.“

Nein, es war nicht auf den FC Bayern München und seine Fußballprofis bezogen. Der Tagesspiegel in Person von Bernd Hüttenhofer meinte die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen und merkt weiter an:

,,Das Nachlassen war wohl das Dilemma des VfB Friedrichshafen, dem langjährigen Spitzenteam der Volleyball-Bundesliga.“

Bernd Hüttenhofer schaut zurück auf 2012 und 2013. In den Jahren zuvor, von 2005 – 2011 ging die Meisterschaft in siebenfacher Serie an den Bodensee. Der deutsche Rekordmeister VfB Friedrichshafen hatte eine Art Abo auf den Titel gebucht. Zog vielleicht auch ein wenig Zufriedenheit und Gemütlichkeit ein? Sich ein wenig zurücklehnen. Touristen machen es ja am See pausenlos vor. Relaxen mit dem Blick auf den See und die grandiose Bergkulisse.Traveler Digital Camera

Jetzt also eine neue Chance im Playoff-Finale. VfB Friedrichshafen oder Berlin Recycling Volleys? VfB Friedrichshafen oder Berlin Recycling Volleys? VfB Friedrichshafen oder Berlin Recycling Volleys? Das ist noch nicht raus. Nach dem Auswärtssieg der Mannschaft von Stelian Moculescu in der Berliner Max-Schmeling Halle gab es dann jene Heimniederlage in der ZF Arena, die zum 1:1 Ausgleich in der Playoff-Serie führte. Das muss vielelicht im Nachhinein gar nicht die schlechteste Variante gewesen sein. Kürzlich verspielten die Kölner Haie im DEL Finale gegen den ERC Ingolstadt eine 2:0 Serienführung. Auch hier in der Bodenseeregion gab es kürzlich ein schmerzhaftes Erwachen. In der DEL2 konnten die Ravensburg Towerstars eine 3:1 Serienführung im Playoff-Viertelfinale nicht gegen den EVL Landshut Eishockey nutzen. Das Momentum kippte. Ähnlich wie bei den Kölnern. Die Ravensburger mussten einen 3:3 Ausgleich hinnehmen und hatten dann den Showdown vor eigenem Publikum. In einem wahren Hitchcock-Thriller setzten die nervenstarken Landshuter den entscheidenden Schlusspunkt. Ein atemberaubendes Finish einer spektakulären Serie.

Der VfB Friedrichshafen hatte bereits im Halbfinale gegen Generali Haching eine 1:0 Führung nicht in ein 2:0 umgewandelt. Generali Haching gewann damals das zweite Spiel und glich aus. Das Ende ist bekannt. Ein gutes Omen für den VfB Friedrichshafen? Während morgen die Ingolstädter Eishockeycracks ihre Feierlichkeiten ausleben dürfen, werden die Häfler wieder in der Max-Schmeling Halle zum 3. Duell in der laufenden „best of five“  Playoff Finalserie antreten. Nach der Heimniederlage der Mannschaft von Erfolgscoach Stelian Moculescu hat man hier am Bodensee nicht auf Halbmast geflaggt. Das Leben am See ging weiter.Traveler Digital Camera

Apropos Meisterfeier. In Ingolstadt sind die wichtigen Details vorab alle geklärt. Der geschätzte Sportjournalist Günter Klein schreibt auf merkur-online unter dem prägnanten Titel Das achte Spiel der Best-of-Seven-Serie:

,,Claus Gröbner ist noch relativ neu in Ingolstadt, der industriell (Autos, Erdölraffinerien) geprägten 130 000-Einwohner-Stadt an der Donau, erst zum 1. Februar 2014 hat er als Geschäftsführer beim Eishockeyklub, dem ERC, angefangen – doch die Balkonsituation hat er abgeklärt: „Das Rathaus ist neu, auf den Balkon passt die ganze Mannschaft.“ Das sind im Fall einer Eishockeytruppe um die 30 raumgreifende und nicht ganz leichte Männer. Sie werden am Samstag groß abgefeiert: Cabrio-Korso, Empfang, das ganze Meisterprogramm. „Ingolstadt“, sagt Gröbner, „wird kopf stehen“. Die Fete wird das achte Spiel der Best-of-Seven-Serie im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).“

Soweit der kleine Motivationseinschub für den VfB Friedrichshafen. Der Erzrivale Berlin Recycling konnte die letzten beiden Jahre die unvergessliche Emotionalität von Siegesfeiern über einen Meistertitel erleben und genießen. Die Häfler Volleyballcracks wollen dies mit allen Mitteln dieses Jahr selber erleben. Ein drittes Jahr hintereinander ohne Meisterschaft wäre auch kein Weltuntergang, aber doch schon sehr schmerzlich. Gar keine Frage.

1. Finalspiel: 27. April  Berlin Recycling Volleys – VfB Friedrichshafen 2:3
2. Finalspiel: 30. April   VfB Friedrichshafen – Berlin Recycling Volleys 1:3
3. Finalspiel: 03. Mai (19.30 Uhr) Berlin Recycling Volleys – VfB Friedrichshafen
4. Finalspiel: 07. Mai (20 Uhr) VfB Friedrichshafen – Berlin Recycling Volleys

evtl. 5. Finalspiel, 11. Mai (16 Uhr) Berlin Recycling Volleys – VfB Friedrichshafen

Sport am Bodensee: Hitchcock-Thriller zwischen VfB Friedrichshafen und Berlin Recycling Volleys

Der Sonntag ist traditionell für viele Menschen Tatort Abend in Deutschland. Doch es gibt auch jene Momente die fernab von Ermittlern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Hochspannung bringen. Manchmal ist sogar eine Steigerung in Richtung Thriller drin. Gern auch im Rahmen eines Play-off Finales. In der ZF Arena in Friedrichshafen, in der Nähe vom Bodensee Center, war ein Hitchcock-Thriller der feinsten Art angesagt.

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Am Sonntagabend zelebrierten die Volleyballer vom Häfler Kultverein VfB Friedrichshafen und die Berlin Recycling Volleys  einen echten Hitchcock. Dieses Drehbuch war atemberaubend, die Umsetzung grandios und brachte am Ende ein Finale ohne Happy End für die Gastgeber. Am Ende stand eine  2:3 (23:25, 22:25, 25:23, 25:22, 11:15) Niederlage fest, die gleichzeitig die Titelverteidigung für die Berliner bedeutete. Bruder und Freund wikipedia schreibt denn auch schnörkellos über die neuste Aktualisierung:

,,Die Berlin Recycling Volleys sind eine Volleyballmannschaft aus dem Berliner Stadtteil Charlottenburg. Sie sind eine Abteilung des Sportvereins SC Charlottenburg und spielen in der Bundesliga. Bis Sommer 2011 war das Volleyball-Team unter dem Namen SCC Berlin bekannt. 2013 wurde Berlin zum fünften Mal deutscher Meister.“

Dabei fehlte für den VfB Friedrichshafen wirklich nicht viel, und es hätte ein fünftes Spiel in Berlin gegeben. Am 2. Mai gelang den Männern von Erfolgscoach Stelian Moculescu in der Max-Schmeling-Halle mit dem Auswärtssieg jenes 4. Spiel am Sonntag. Leider langte es nicht zu einer weiteren Reise in die Hauptstadt. Der Schiedsrichter Hans-Dieter Gerrets hatte durchaus auch seinen Anteil an der Dramatik und dem Spannungsbogen in der ZF Arena vor 3300 leidenschaftlich mitfiebernden Fans. Im Tagesspiegel lässt Bernd Hüttenhofer den Häfler Trainer Stelian Moculescu zu Wort kommen:

„Wenn man nicht will, dass wir Deutscher Meister werden, kann man immer diesen Schiedsrichter schicken.“

Der Frust über eine titellose Saison saß tief. Selbstverständlich hat der Schiedsrichter einige unglückliche Entscheidungen getroffen. Doch der ehrgeizige Kultcoach und Titelsammler der letzten Jahre erkannte auch die Leistung der Berliner an:

„Sie haben verdient gewonnen und die ganze Saison dominiert“

Vor knapp zwei Jahren eröffneten die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen im September 2011 die Saison im Dornier Museum. Prächtige Veranstaltung, stilvoller Rahmen. Ein sehr schöner Event. Eigentlich geschaffen für die Fortsetzung einer bemerkenswerten Erfolgsserie. Siebenfacher Meister zwischen 2005 und 2011. Als Sahnehäubchen der Gewinn der Champions-League im Jahr 2007 sowie in dem genannten Zeitraum  vier Pokalsiege.

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Die Konkurrenz war oft mehr sprachlos wie ihr lieb sein konnte. Die sportliche Dominanz der Häfler eine Legende. In der Saison 2011/2012 reichte es dann zum Pokalsieg. Der Einzug in das Finale war denn Männern von Stelian Moculescu nicht vergönnt. Berlin Recycling Volleys stand im Weg. Diesmal also wieder die Berliner. Das Trostpflaster Pokalsieg konnten sich die Volleyballer vom Bodensee diesmal auch nicht holen. Eine titellose Saison schmerzt. Gar keine Frage.

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Trotzdem gibt es kein Grund voreilig von einer Wachablösung im deutschen Volleyball zu sprechen. Der Respekt der Berliner gegenüber der Leistung des VfB Friedrichshafen in den letzten Jahren ist zu spüren. Die sportlichen Dauererfolge müssen die Hauptstädter erst noch über einen längeren Zeitraum nachweisen. Erfahrungsgemäß macht so eine titellose Saison hungrig. Stelian Moculescu sein Team ist durchaus fähig zu erneuten Höheflügen durchzustarten. Vielleicht ist dann der nächste Hitchcock-Thriller auch mit einem Happy-End für die Häfler versehen.

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