Nachdenkenswert #409

,,Ich würde die Frage „Sind eigentlich alle verrückt geworden?“ während Fußball-Welt- und Europa-Meisterschaften ohnehin pauschal mit „Ja“ beantworten. Aber der Wahn, der in diesen Tagen ARD und ZDF erfasst hat, ist ganz besonders besorgniserregend.“

Stefan Niggemeier, Medienjournalist, auf seinem Blog am 30. Juni 2012 im Artikel mit dem Titel Deutschland ringt um Fassung.

Zwei Tage vorher war am 28. Juni 2012 im Nationalstadion in Warschau das EM-Halbfinalspiel Italien vs. Deutschland mit 2:1 über die Bühne gegangen. Stefan Niggemeier dröselte damals die unglaubliche ARD und ZDF Berichterstattung auf. Stichwort Bernd Schmelzer, Boris Büchler, der unsägliche Usedom Fußball-Strand mit Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn. Inklusive einem kritischen Schwenk auf die Bild.

Reblog: Sport am Bodensee: Die eleganten Riva Boote fernab vom TV

Guten Morgen.

Kann sich jemand noch an das Wehklagen von ARD und ZDF im vergangenen Jahr nach dem Verlust der TV-Rechte in Sachen Olympische Spiele 2018 bis 2024 erinnern? Bild legte den Finger in die Wunde und schrieb in Sachen Axel Balkausky und seiner Reaktion nach der Niederlage von ARD und Co. im Kampf um die Fernsehrechte unter dem Titel: Weniger Randsportarten in ARD und ZDF

,,ARD-Sportchef Axel Bakaulsky droht nach Olympia-Deal mit Eurosport.“

Drohungen weniger Randsportarten in ARD und ZDF zu bringen sind natürlich ein Schenkelklopfer. Deutschlands Volleyballfans zum Beispiel ziehen sich die Spiele legal und bequem aus dem Netz von sportdeutschland.tv oder Schachfreunde die beim WM-Kandidatenturnier 2016 in Moskau traditionell miterleben konnten, das dem Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen die Kraft selbst für Zweizeiler im Videotext zum internationalen Sporthighlight des königlichen Spiels fehlte, haben mit ChessBase Kompetenz in Sachen Berichterstattung. Da bedarf es der ARD oder des ZDF nicht.

Gelegenheit an einen Artikel hier auf sportinsider aus dem Archiv zu erinnern:

Reblog: [vom 02. Juli 2015] Sport am Bodensee: Die eleganten Riva Boote fernab vom TV

Nein, so elegant wie sich vorige Woche die italienischen Stilikonen von Carlo Riva hier am Bodensee bei den 4. Riva Classics zeigten, waren die Reaktionen von ARD und ZDF auf die Vergabe der TV-Rechte in Sachen Olympische Spiele 2018 bis 2024 nicht.

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Foto:  © Michael Wiemer

Da wäre zum Beispiel die Argumentationskette vom ARD-Sportkoordinator Balkausky. Vielleicht gar ein Beispiel für das Medienlehrbuch, wenn sonst hofierte Sender im Kampf um die Übertragungsrechte bei der Vergabe mit leeren Händen dastehen.  Meedia brachte ein Interview von Michael Rossmann (dpa) mit Axel Balkausky unter der griffigen Überschrift ARD-Sportkoordinator Balkausky zur Olympia-Schlappe: „Kampf um TV-Rechte hat eine neue Dimension erfahren.“

,,Zunächst einmal respektieren wir den Verkauf der europaweiten Übertragungsrechte an Discovery und Eurosport als Entscheidung des IOC für eine Neuorientierung bei der Vergabe seiner Medienrechte. Ob es seitens des IOC nicht partnerschaftlicher gewesen wäre, ARD und ZDF als jahrzehntelange Partner deutlich früher als die breite Öffentlichkeit über den Verkauf an Discovery zu informieren, das sollte sich das IOC einmal selbst fragen.“

Discovery Channel sponserte einst ein teures Radsportteam und stellte 2005 mit Lance Armstrong den Tour de France Sieger. Okay, dieses Ergebnis ist mittlerweile Makulatur. Wegen Dopings wurde dieser Sieg nachträglich gestrichen. Das kolportierte Budget soll 12 Millionen US-Dollar pro Jahr betragen haben. Nach der Saison 2007 beendete Discovery Channel sein Sponsorship im skandalumwehten und durchgeschüttelten Radsport.

Der Olympia Coup von Discovery wird auch im Tagesspiegel behandelt. Sonja Álvarez leitet Ihren Artikel unter dem Titel Dabei sein ist alles mit den folgenden Worten ein:

,,Die ARD reagiert trotzig, Sportverbände sorgen sich um die Qualität der Berichterstattung: Reaktionen nach der Vergabe der Übertragungsrechte für die olympischen Spiele an Discovery.“

Eingesammelt hat Sonja Álvarez dann Stimmen von Dagmar Freitag, Alfons Hörmann, Siegfried Kaidel, Clemens Prokop sowie Axel Balkausky.  Dagmar Freitag ist übrigens Parteimitglied der SPD, jener heftige Wahlniederlagen sammelnden Partei, die kürzlich auf ihrem Parteikonvent die Vorratsdatenspeicherung durchwinkte. Auch Jens Weinreich hat ein paar Zeilen in die Tastatur gegeben. Auf Spiegel Online dröselt er die Thematik auf unter der Überschrift Olympia-TV-Deal: Warum ARD und ZDF zunächst draußen sind.

Foto:  © Michael Wiemer

Jetzt hat also Discovery die Hände am Steuer in Sachen TV-Rechte für Olympia. Die Welt fragt ganz ohne Ehrfurcht: Die Olympischen Spiele ohne ARD und ZDF! Na und? Während dessen hat sich auch die FAZ in Person von Michael Hanfeld Gedanken um den Mega-Deal pro Discovery und kontra der Öffentlich-Rechtlichen gemacht und befindet unter dem Titel ARD und ZDF wollen nicht bloß am Boden turnen:

,,Ein historischer Tag für Discovery-Chef David Zaslav, ein erschütternder für die Intendanten von ARD und ZDF: Der Discovery-Konzern hat die Olympia-Rechte gekauft. Was folgt daraus für die Sender und die Zuschauer?“

Des einen Jubel, des anderen Ärger. Es können nicht immer alle gewinnen. Das war definitiv nicht der Tag für ARD und ZDF. Autor Hanfeld, verantwortlicher Redakteur vom Feuilleton der FAZ, hätte dabei auch gerne in die Gesichter der Intendanten geschaut:

,,In die langen Gesichter der Intendanten von ARD und ZDF hätte man am Montag gern gesehen. Bass erstaunt waren sie, die gewohnt sind, Spitzensport jeder Art jederzeit im Programm zu haben. Nun nicht mehr: Die Olympischen Spiele sind für die Jahre 2018 bis 2024 erst einmal weg. Der amerikanische Discovery-Konzern, zu dem der Sender Eurosport gehört, hat für 1,3 Milliarden Euro die Senderechte an zwei Olympischen Sommer- und zwei Winterspielen gekauft.“

Eurosport wurde einst von Rudolf Scharping geadelt. Der Präsident des Bundes Deutscher Radrennfahrer konnte sich dabei 2011 einen Seitenhieb auf ARD und ZDF nicht verkneifen:

,,Das ist eine souveräne Entscheidung von ARD und ZDF. Es zeigt, dass die Produktion einer Telenovela offensichtlich billiger ist als eine Radsport-Übertragung – die findet dann eben bei Eurosport statt.”

So der einstige Verteidigungsminister und Jan Ullrich Fan zum Ausstieg von ARD + ZDF aus der LIVE-Berichterstattung der Tour de France 2012 gegenüber dpa Anfang des Jahres 2011.

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Vielleicht ist Fernsehen aber auch total überbewertet. Und machen wir uns doch nichts vor, Menschen die ohne Fernseher leben, sind oft die Zeitgenossen mit dem größeren Zeitbudget. Sehr belesen, produktiv, aktiv in Sachen Sport – also der eigenen Bewegung an frischer Luft. Informiert sind sie oft auch noch besser, weil sie sich keine Talk-Shows von Plasberg, Jauch, Will, Maischberger und Co. reinziehen. Oder starr auf dem Sofa sitzen und sich irgendwelche Nachrichten mit vorgefertigten Meinungen von schlecht angezogenen Nachrichtensprechern vorlesen lassen, ist ja nun wirklich nicht sehr aufbauend. Menschen ohne Fernsehkonsum, einige kenne ich persönlich, sind in der Regel auch sehr ausgeglichen. Fernsehzeit ist für sie vergeudetes Leben. Sie nutzen die gewonnene Lebenszeit gerne auch für gut recherchierte englischsprachige Artikel und investieren in Lesezeit oder nutzen das Internet gezielt für die Suche nach Informationen fernab des Mainstreams.

Foto:  © Michael Wiemer

Hier am Bodensee ist der Sommer schön. Die Temperaturen angenehm warm. Wehklagen über Hitze gibt es hier nicht. Übrigens die 4. Riva Classics Bodensee fand auch so ganz ohne Übertragungen von ARD und ZDF statt. Gestört hat das hier niemanden.

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Derweil ist der Juli auch bereits angelaufen und der Blick auf den Sportkalender am Bodensee zeigt einige durchaus interessante Veranstaltungen.

„Ach, der heißt wirklich Hajo Seppelt.“

Nein, bis zur Medienmarke ist es noch ein wenig Weg für Hajo Seppelt. Mir wurde dies erst kürzlich klar bei einem wunderschönen Spaziergang am Bodensee mit meiner Jahrhundertliebe.

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Wir hatten irgendwann das Thema des Beitrags von Hajo Seppelt bei sport inside auf dem WDR über den in pubertärer Art etwas angeberisch daher schwätzenden Frauenarzt Dr. Mark Bonar. Ich berichtete über meinen Eindruck von dem Kurzfilm bei frischer Seeluft. Beiläufig erwähnte ich, dass mir in der Filmsequenz von Hajo Seppelt konkrete Namen von dopenden Sportlern fehlen. Es sei so doch vieles vage. Zumal Dr. Bonar wirklich, ich wiederhole mich da gerne, im pubertären Stil angab mit der Zahl der britischen Leistungssportler die in seiner Praxis aufliefen und grenzwertig versorgt worden seien. Hajo Seppelt müsste da schon noch liefern, meinte ich entspannt. Meine Jahrhundertliebe spontan:

,,Ach, der heißt wirklich Hajo Seppelt.“

Sie weiß von meiner Angewohnheit, hin und wieder Kosenamen zu vergeben. Sie meinte, auch Hajo Seppelt hätte ich mit solch einem versehen. Nein, das Mitglied der ARD-Dopingredaktion heißt wirklich Hajo Seppelt. Man klärt ja gerne auf. Wir beide mussten schmunzeln. Am See ist es auch schwer verbissen zu werden oder sich zu streiten.

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Dabei ist Hajo Seppelt durchaus in den letzten Jahren in Sachen Doping-Berichterstattung in Deutschland an Jonathan Sachse, Daniel Drepper oder Jens Weinreich vorbeigezogen, wie einst Marco Pantani am Berg an seinen „hundsgewöhnlichen Proletariern“ (Copyrhight by Peter Sloterdijk der einst im Spiegel im Jahr 2008 im Interview unter dem Titel „Hundsgewöhnliche Proletarier“ über die Höllentour, die Profanität des Dopings, die zerstörerische Kraft dänischer Nihilisten und den Zauber der Tour de France plauderte).

Das Seppelt im Kampf um die Aufmerksamkeit und in der Frequenz in Sachen Doping-Berichterstattung gefühlt deutlich klar an Jonathan Sachse, Daniel Drepper und Jens Weinreich vorbeizog, ist auch ein Verdienst der ARD. Die ARD polstert die Doping-Redaktion finanziell aus, sorgt für flankierende Logistik bei Flügen nach London und bei der sich immer wieder als medienwirksam zeigenden Promotion-Tour der Vermarktung von Dopingbeiträgen. Seppelt braucht auch keine Crowdfunding Aktionen zu fahren um sich an die Arbeit zu machen. Hajo Seppelt war die letzten Jahre bienenfleißig und sammelte Auszeichnungen wie andere Panini Bilder oder AGON BigCards von Fußballlegenden. Er konzentrierte sich auf das Thema Doping, verzettelte sich nicht mit anderen Themen und meine Jahrhundertliebe weiß seit unserem neulichen Spaziergang am Bodensee auch Bescheid. Sein Name ist Hajo Seppelt. Fairerweise muss ich anfügen, als ich meine Jahrhundertliebe 2000 kennenlernte, fand sie Kahn nicht als Bezeichnung eines der weltbesten Torhüters zu seiner Zeit, sondern eher als Synonym für ein Ruderboot. Sie kommt aus einer Familie, die sich für die Übertragung von Sport im Fernsehen oder den Sportteil in der Zeitung wenig interessiert. Die Ausnahme ist da Motorsport. Fußball stand da eher auf dem Index. Oliver Kahn, wer bitte soll das sein?

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Foto:  © Michael Wiemer

Dabei ist für mich einer der Sternstunden der Doping-Berichterstattung in Deutschland immer noch der Monitor Beitrag aus dem Jahr 1998. In Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff Wahnsinn weiter merkte ich an:

,,Während die Promotion-Tour von Hajo Seppelt weitergeht, siehe das Spox Interview unter dem Titel „Man muss im Fußball recherchieren“ und bevor ich mich dem Sportgeschehen am Bodensee zuwende, generell ein paar Worte zur Doping-Berichterstattung in Deutschland. Ja, es gab sie, die Sternstunden des investigativen Journalismus. Erinnert sei an das Jahr 1998. Damals strahlte die ARD die Sendung Monitor mit dem unvergesslichen Moderator Klaus Bednarz aus. Seine Anmoderation zum Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer über Doping im Radsport (Hier geht es zum Video des Originalfilmbeitrages bei Monitor) war ein Lehrbeipiel wie seriöser und kompetenter Journalismus in Sachen Doping-Berichterstattung aussehen kann.“

Klaus Bednarz hatte prägnante Worte vor dem Abspielen des investigativen Films von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer vorangestellt.

,,Nun, wie angekündigt zu dem Thema, das spätestens seit der Tour de France die gesamte Sportwelt in Atem hält: Das Thema Doping. Und hier scheint es eine Art himmlisches Wunder zu geben. Alle dopen, nur die Deutschen nicht. Und das ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung. Die Italiener dopen. Die Franzosen dopen. Die Schweizer dopen. Die Belgier dopen. Die Briten … Nur die Deutschen Radsportler sind sauber. So jedenfalls stellen es die Deutschen Radsportfunktionäre dar. In Wirklichkeit wird auch im Deutschen Radsport gedopt bis sich die Lungen blähen und die Muskeln platzen. Und zwar nicht nur bei den Profis sondern auch bei den Amateuren und sogar bei Jugendfahrern. Ein Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer.”

 Tief durchatmen.

Nachdenkenswert #372

,,Die ARD hat heute – welch strategischer Coup: parallel zu einem 7-Spiele-Bundesliga-Spieltag – einen Themenabend Wettmanipulation. Ab 20h15 läuft dazu ein anderthalbstündiger Krimi und ab 21h45 eine halbstündige Dokumentation. Auf der entsprechenden Miniwebsite der ARD wird es zudem ab 20h15, also parallel zum Film und zum Spieltag, einen Chat mit den Machern von Film und Doku geben.

Parallel zum Film läuft übrigens nicht nur die Bundesliga auf SKY, sondern auch eine Blindenfußball-Doku auf EinsPlus. Die Programmierung wirkt nicht wirklich koordiniert.“

Kai Pahl, Gründer, Spiritus Rector und Macher von allesaussersport, über das wenig koordiniert wirkende Abendprogramm. Wettmanipulationen sind kein Thema der Neuzeit. Im kürzlich erschienen Interview von interpool.tv  mit Werner Becher (Interwetten AG) fing das 8-minütige Interview mit folgenden Worten von Werner Becher, CEO des internationalen Sportwettenanbieters Interwetten AG, an:

,,Spielmanipulationen gab es im Sport schon immer. Die gab es zu Zeiten der Gründung der olympischen Spiele. Das war immer Teil des Sports.“

Werner Becher wird im Interview von Fred Kowasch (interpool.tv) zu Hintergründen von Wettmanipulationen gefragt. Solche handwerklich professionell und recherchestark agierenden Journalisten wünschte man sich in der Bundesrepublik in größerer Anzahl.

Nachdenkenswert #345

,,Die Helden waren eher die Cartwrights als die Waltons, Colt Seavers und nicht die rote Zora und natürlich zeitgleich zum Haus am Eaton Place ausgestrahlten Bundesligaprofis in der ARD Sportschau. Manche Frau denkt wahrscheinlich, das Fernsehen wäre ausschließlich für Fußball erfunden worden oder umgekehrt. Was natürlich falsch ist, denn Männer haben die Neigung, vor nahezu JEDER Sportart kleben zu bleiben, die beim Zappen gefunden wird. Beliebte neue TV-Sportarten, die ehedem Randexistenzen darstellten, sind ganz klar Curling, Dressurreiten oder Synchronschwimmen.“

Helge Jepsen, in seinem Buch Männerspielzeug auf Seite 33 über das Fernsehen.

Jens Weinreich räumt mit einer Mär in Sachen FIFA-Ethikkommission auf

Nein, die unappetitlichen Dinge in Sachen Korruptionsskandal in der FIFA, die da mit geballter Wucht täglich in die medialen Kanäle geflutet werden, sind nicht erfreulich. Hier im Süden am Bodensee ist Fußball beileibe nicht das ganz große Ding. Es gibt einfach viele andere schöne Sachen und Aussichten.

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Doch wir schauen hier im Süden schon auch über den Tellerrand. Es gibt, ich wiederhole mich da gerne, nichts zu beschönigen in Sachen des systemischen FIFA-Skandals. Die Schlagzeilen über korruptes Verhalten, Schmiergeldzahlungen, kriminellen Machenschaften am Fließband inklusiver dubioser Vergabepraktiken der WM-Turniere (Katar ist da nur die Spitze des Eisberges). Will man uns für blöd verkaufen? Was sollen all die Sprüche und beschönigenden Verlautbarungen von Reformen, Reformwillen, neuem Personal? Soll das Fußballvolk beruhigt werden? Die DDR war einst nicht reformierbar. Die FIFA ist es auch nicht. Die Liste der Verfehlungen ist lang und geht auf keine Kuhhaut.

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Der hier am Bodensee in Konstanz ansässige Südkurier titelte gestern Der Pate wird abserviert. Er schaffte es auf die Titelseite. Das kann noch lustig werden mit der Suspendierung von Sepp Blatter. Ach, Platinis Karrierechancen auf die Nachfolge von Blatter sind ebenfalls gesunken. Die ARD hat jetzt auch einen FIFA Experten. Was der durch Zwangsgebühren gemästete Sender so alles zu bieten hat. Warum lässt man eigentlich Jens Weinreich in der ARD oder dem ZDF nicht zu Wort kommen?

Die Unzulänglichkeiten der ARD und ZDF in Sachen FIFA Berichterstattung kritisierte ich am 8. Juni 2015 unter dem Titel Sport am Bodensee: Fernab vom Sumpf.

,,Dabei darf durchaus auch nochmals an die unsägliche Geldverschwendung von ARD und ZDF hingewiesen werden, die in das System FIFA gepumpt werden. Im Anschluss an jene unsägliche Jauch Sendung, mit einem überforderten Moderator und einer Zusammenstellung der Gästeliste, der dramatisch viel Kompetenz, Detailkenntnis und Aufklärungswille fehlte. Da hätte man sich in der Gästeliste schon Thomas Kistner, Jens Weinreich und Andrew Jennings gewünscht. Statt dessen wurde nicht aufgeklärt, Claudia Roth durfte die empörte Grünen Kritikerin spielen und FIFA Mann Koch outete sich als Wähler der CSU Grünen. Auch Florian Bauer überzeugte mich nicht. Er spielt halt nicht in der Liga eines Weinreich, Kistner oder Jennings. Doch verlieren wir die Geldverschwendung von ARD und ZDF sowie die damit verbundene Stützung des Skandal umtosten Ladens in Zürich nicht aus den Augen.

Und verwies auf die Ahrens Rezension.

,,Peter Ahrens vor einer Woche in seiner Rezension zum  Jauch-Talk über den FIFA-Skandal auf Spiegel Online.“

Wie sehr würde solchen Sendungen echter Journalismus gut tun. Aber von journalistisch sauber aufbereiteten Sendungen zum Thema FIFA scheint die ARD so weit entfernt wie der Salzstock in Gorleben von einem verlässlichen Atommüll-Endlager.

Aber beißen wir uns an diesem milden Herbsttag nicht an der ARD fest. Ein andermal mehr.

Der sportpolitische profundeste Kenner der FIFA-Zusammenhänge aus der Gilde der Journalisten in Deutschland ist Jens Weinreich. Er titelt Nur noch 89 Tage: Zu den Suspendierungen von Blatter und Platini #FIFAcrime.

,,Wichtig ist zudem mit der Mär aufzuräumen, wonach die FIFA-Kommission „ermitteln“ würde. Unsinn. Echte Ermittlungen, und zwar strafrechtliche, führen die Justizorgane in den USA, der Schweiz und einigen anderen Nationen. Parallel dazu laufen unabhängige Recherchen in einigen Medien – derlei Recherchen haben die Strafverfahren überhaupt nur ermöglicht. Die Aufarbeitung des kriminellen Systems geschieht auf Grundlage des amerikanischen RICO-Gesetzes, die FIFA wird von der amerikanischen Justiz mit einer Mafia-Organisation (RICO) gleichgesetzt.“

Das ist Journalismus wie ich ihn mag. Klar strukturiert, mit Rückgrat, sauber recherchiert.

Sport am Bodensee: Lindauer Segler-Club führt Segelbundesliga an, Kaderplanungen, Sommerfest und VfB Stuttgart in Konstanz

Guten Tag.

In der heutigen Sport am Bodensee Ausgabe gibt es einen Rückblick auf die Segelbundesliga und die aktuellen Platzierungen der Teams vom Bodensee. Weiterhin die Kaderplanungen der Eishockeyteams vom EV Lindau und den Ravensburg Towerstars sowie vom Volleyballmeister VfB Friedrichshafen. Bodenseequerung sind auch ein Thema. Dann wäre noch ein Sommerfest vom Lindauer Segler-Club zu nennen, die in der 2. Segelbundesliga momentan die Tabellenführung inne haben. Fußball wartet mit einem Testspiel vom VfB Stuttgart vs. FC Winterthur im Bodenseestadion in Konstanz auf.

Legen wir los. Die Segelbundesliga grüßte nach dem letzten Wochenende tiefenentspannt von ihrem Facebook Auftritt:

,,Für alle, die gerade keine Zeit haben, sich die rund zehn Stunden Live-Sendung vom Wochenende aus Travemünde anzugucken (kann ich gar nicht verstehen…), kann sich hier die Highlights der 1. Bundesliga in drei Minuten zu Gemüte führen „wink“-Emoticon So kann Segeln dank SAP aussehen!“

10 Stunden Live-Sendung am Wochende. Jetzt weiß ich warum die ARD so magere Tour de France Einschaltquoten hat.

Hier geht es zur Kurzversion der Segelbundesliga von der 4. Regatta aus Travemünde:

In der 1. Segelbundesliga sind 4 Teams aus der Bodenseeregion am Start. Der Konstanzer Yacht Club, der Bodensee-Yacht-Club Überlingen, der Segel- und Motorboot Club Überlingen sowie der in Friedrichshafen ansässige Württembergische Yacht-Club. In der 2. Segelbundesliga sind vom Bodensee der Lindauer Segler-Club und der Yacht-Club Langenargen am Start. Nach vier Regatten in Tutzing, Kiel, Warnemünde und Travemünde notierten wir in der 1. Segelbundesliga Platz 10 für den Segel- und Motorboot Club Überlingen. Auf Rang 12 liegt Württembergischer Yacht-Club. Auf den Abstiegsplätzen 16 und 17 notieren  der Bodensee-Yacht-Club Überlingen sowie der Konstanzer Yacht Club.

In der 2. Segelbundesliga mit den bisherigen 3 Regatten in Tutzing, Warnemünde und Travemünde liegt der Lindauer Segler-Club auf Platz 1. Der Yacht-Club Langenargen liegt im 18er Feld auf Platz 15.

Hier geht es zum aktuellen Gesamtstand in der 1. Segel-Bundesliga.

Hier geht es zum aktuellen Gesamtstand in der 2. Segel-Bundesliga.

Schwenk zum anstehenden Wochenende. Da gibt es beim Blick auf den Sportkalender am Bodensee ein Sommerfest vom 25.07. – 26.07.2015. Der Lindauer Segler-Club geht mit der Tabellenführung der 2. Segel-Bundesliga mit entsprechend guter Grundstimmung hinein. So sieht die Agenda vom Sommerfest aus. Kleiner historischer Einschub meinerseits. Der Lindauer Segler-Club wurde im renommierten Hotel Bayerischen Hof am 20. Februar 1889 gegründet. Es dauerte dann bis zum Jahr 1911 um den Bau des Segelhafens und des Clubhauses zu vermelden.

Kaderplanungen beim EV Lindau und Ravensburg Towerstars

Eishockey ist eine Wintersportart. Doch die Verantwortlichen vom EV Lindau und den Ravensburg Towerstars waren in der Sommerpause nicht untätig. Es wurde fleißig am Kader gebastelt. Die Towerstars vermelden den Abschluss ihrer Kaderplanungen mit der Verpflichtung von Morgan Zulinick. Das Team ist jetzt komplett. Mit Zulinick gab es eine Try-out Vereinbarung. Der Mittelstürmer suchte nach seiner Zeit an der Universität in Wisconsin ein europäisches Engagement.

Beim EV Lindau hat der Dauerkartenvorverkauf auf die Saison 2015/2016 bereits begonnen. Die Kaderplanungen schreiten bei den Inselstädtern auch voran. Aus der Meistermannschaft konnten wichtige Leistungsträger gehalten werden. Alleine mit vier Verteidigern aus der erfolgreichen Mannschaft der vergangenen Saison gab es eine Vertragsverlängerung.

Der aktuelle Kader der EV Lindau Islanders schaut so aus:

Tor: Beppi Mayer, Nicolai Johansson
Abwehr: Tobias Fuchs, Philipp Haug, Bernhard Leiprecht, Mario Seifert, Lubos Sekula,
Sturm: Zdenek Cech, Alex Katjuschenko, Johann Katjuschenko (inaktiv), Jiri Mikesz, Michal Mlynek, Martin Sekera

VfB Friedrichshafen mit Tomas Kocian einig

Berliner volleyballfreunde werden hin und wieder in der jetzigen Phase auch Richtung Bodensee schielen. Was macht der Erzrivale? Selber ist Berlin Recycling Volleys ja im Umbau. Auch der deutsche Doublesieger VfB Friedrichshafen bastelt fleißig am Kader. Nach 3 meisterschaftslosen Jahren gelang 2015 endlich wieder der Gewinn der Meisterschaft. Es gab danach Abgänge zu verzeichnen wie von Jenia Grebennikov, den es nach Italien zog. Einem Zwischenziel. Fernziel ist Russland. Jetzt wurde ein weiterer Transfer getätigt. Tomas Kocian kommt aus Düren zur Mannschaft von Stelian Moculescu.

Der aktuelle Kader des VfB Friedrichshafen: 
Simon Tischer, Tomas Kocian (Z), Maximiliano Gauna, Aleksey Nalobin (MB), Adrian Gontariu, Michal Finger (D), Baptiste Geiler (AA), Luke Perry (L)
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Geschichten der Bodenseequerung

Auf der Website Bodenseequerung sind Geschichten voller Hoffnungen, Träume, leidenschaftliches Schwimmen im Bodensee etc. hinterlegt. Doch nicht immer gibt es Jubelstimmung. So hat kürzlich der Österreicher Martin Fessl (23) einen hohen Preis für den Versuch der Längsquerung des Bodensees gezahlt. Um 0.03 Uhr am 12. Juli ging der Schwimmer aus Graz ins Wasser und es sah durchaus lange vielversprechend aus.  Doch einige Kilometer vor dem Ziel gab es Probleme. Auf Bodenseequerung heißt es:

,,Atemnot und die vollkommene körperliche Erschöpfung führten dann ca. 500 m vor dem Ziel leider zum Abbruch. Bei der anschließenden Untersuchung wurde dann eine beidseitige schwere Lungenentzündung mit einhergehendem Fieber diagnostiziert. Wir sind sehr froh, dass er sich innerhalb weniger Tage wieder gut erholt hat.“

Tief durchatmen. Gute Genesungswünsche.

VfB Stuttgart vs. FC Winterthur im Bodenseestadion in Konstanz

Zum Abschluss der heutigen Sport am Bodensee Ausgabe noch eine Prise Fußball, der sich zu Recht eine Substratsättigung hinter die Ohren zu schreiben hat. Dazu bedarf es nur eines Blicks auf die Website von Jens Weinreich. Klares Bekenntnis von meiner Seite: Ich halte die FIFA nicht für reformierbar. Da verhält es sich wie mit der SED.

Wer ein wenig tiefer in die FIFA tauchen möchte dem sei der Lese-Hinweis von Jens Weinreich auf seinem Blog Sport and Politics aus der vergangenen Woche empfohlen:

,,Wer es gestern Abend verpasst haben sollte, sich aber für den Fortgang des FIFA-Krimis interessiert, sollte sich Popcorn holen und dann zwei Stunden in diesem Filmtheater genießen. Die Anhörung vor dem US-Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Transport zum Thema „Examining the Governance and Integrity of International Soccer“.“

Die Lesezeit sollte sich jeder mündige Fußballfreund nehmen.

So wie kriege ich jetzt den Bogen zum Testspiel VfB Stuttgart vs. FC Winterthur. Beide Mannschaften treffen im Bodenseestadion in Konstanz am Sonntag, den 26. Juli aufeinander. Mit der Aussagekraft solcher Spiele ist es ja immer so eine Sache. Im vergangenen Jahr trafen sich im August an selber Stelle der FC St. Gallen und VfL Wolfsburg. Dabei gab es auf Seiten der Ostschweizer 7 Auswechslungen. Der VfL Wolfsburg wechselte gar 10 mal. Macht nach Adam Ries 17 Auswechslungen gesamt. So richtiger Spielfluss oder tiefere Erkenntnisse für den neutralen Beobachter sind da nicht unbedingt zu erwarten.

 Das Tableau vom 5. August 2014 im Bodenseestadion Konstanz sah dann so aus:

FC St. Gallen: Herzog (46. Kovacic); Thrier, Russo (74. Gelmi), Kapiloto, Facchinetti; Everton; Babic (57. Lässer), Mathys (57. Schärer), Tafer (46. Sikorski), Aratore (57. Stevic); Cavusevic (46. Mujic).

VfL Wolfsburg: Benaglio (61. Drewes) – Knoche (71. Sprenger), Naldo (46.Klose), Rodriguez (46. Seguin) – Medojevic (71. Medojevic), Malanda (46. Klich) – Vieirinha (61. Stolze), Hunt (46. Arnold), De Bruyne (46. Caligiuri), Schäfer – Olic (46. Dost).

Tore: 0:1 Cavusevic (28.) 1:1 Malanda (35.)

Spielort: Bodenseestadion in Konstanz

Zuschauer: 4.500

Schiedsrichter: Marco Fritz

Jetzt also der VfB Stuttgart gegen den FC Winterthur. Die Stuttgarter haben ihr Trainingslager in St. Gallen. Kurzer Anreiseweg nach Konstanz. Der Meister von 2007 geht mit einem neuen Coach in die Saison. Alexander Zorniger traute man in Leipzig beim ambitionierten Fußballprojekt von Red Bull den Aufstieg nicht zu. Sportdirektor Rangnick zog die Reißleine. Das war vielleicht etwas übermotiviert. Jetzt versucht Rangnick den Spagat der Doppelfunktion von Sportdirektor und Trainer bei RB Leipzig hinzubekommen. Doch zurück zu Stuttgart. Alexander Zorniger ist vielleicht vom Timing her jetzt gerade die richtige Person für den VfB Stuttgart. Er hat Power, einen eigenen Kopf und Meinung, hat interessante Vorstellungen von Pressing und anderen Stilmitteln seiner Mannschaft. Er ist ehrgeizig, jedoch kein Traumtänzer der vom Champions-League Parkett redet, obwohl es der Kader nicht hergibt. Die Platzierungen vom VfB Stuttgart in den letzten drei Spielsaisons waren ernüchternd. Letzte Saison 14., die Spielzeit davor 15. und in der Saison 2012/2013 der Tabellenplatz 12. Immer wieder Trainerwechsel. Irgendwie bekamen sie in Stuttgart eine Kontinuität mit einem Trainer und einstelligen Tabellenplätzen nicht mehr hin. Inzwischen sind Mannschaften wie der FC Augsburg an den Schwaben aus der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg vorbeigezogen.

Kleines Bonbon am Rande. Der FC Winterthur hat einen Coach an der Seite, der Konstanz gut kennt. Jürgen Seeberger war in der Jugend und bei den Herren für den FC Konstanz aktiv. Er wohnt auch in Konstanz.

Für heute sind wir durch.

Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr

Michael Wiemer

Hier geht es zum Sportkalender am Bodensee