Aus den Bergen zurück

Kaum bin ich mit meiner Liebsten aus dem Bergurlaub zurück, sehe ich doch die überarbeitete Website von Gipfelstürmer Reinhold Messner. Das Facelifting ist gelungen. So stelle ich mir eine emotionale Power Visitenkarte im Netz von einem Berufssportler vor. Der Grenzgänger Reinhold Messner bestieg 1986 den Lhotse im Himalaya und setzte damit eine unauslöschliche Marke. Er war der erste Mensch, der alle Achttausender bezwang. Der Bessene ist auch ein Genie in Sachen Selbstvermarktung. Messner organisiert Sponsoren für seine Expeditionen und hat dabei seine eigene Philosophie. Im Buch Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers beim BLV Buchverlag schreibt er :

,,Sponsoring aber hat seine Grenzen. Da ich Nichtraucher bin, habe ich nie Zigarettenwerbung angenommen. In keiner Form. Camel-Trophy und Marlboro-Freiheit sind mir ein Gräuel. Obwohl ich im Zusammenhang damit und anderen Rauchwaren die höchstdotierten Angebote erhalten habe. Auch in Zusammenhang mit Alkohol will ich in Zukunft vorsichtiger sein.“

Ich werde Reinhold Messner bei einem Live-Vortrag am 1. Oktober gemeinsam mit meiner Liebsten sehen. Eine gewisse Vorfreude kann ich nicht leugnen.

Was hat sich in der Zwischenzeit meines Urlaubs im Fußball getan? Soweit ich die Bundesliga überblicke gab es noch keinen Trainer der abgedankt hat. Im vergangenen Jahr legte Trainer Dieter Hecking bei Hannover 96 sein Amt nach dem 2. Bundesligaspieltag nieder und nahm Hut und Trainingsjacke. Später heuerte er in Nürnberg an und schaffte den Klassenerhalt. 

Das spannendste Projekt im deutschen Fußball geht nicht überhitzt in die neue Saison. Drei Unentschieden zum Auftakt sind gar nicht so schlecht für die Entwicklung der Komponente Geduld. Das Feld von weiter hinten aufrollen hat Charme. Meinen Segen hat das Projekt von Red Bull. 2600 Zuschauer im ehemaligen Zentralstadion und jetziger Red Bull Arena ist auch beachtlich. Die zweite Mannschaft von Hannover 96 steht ausser Verdacht zu den Publikumsmagneten in Deutschland zu zählen. Rotebrauseblogger hat ein erstes Fazit gezogen:

,,Fazit: der Saisonstart endgültig misslungen, die Mannschaft noch auf der Suche nach Form, System und Selbstvertrauen und zwei Mitkonkurrenten um den Aufstieg vor der Brust. Die Lage könnte besser sein für RasenBallsport Leipzig, sie könnte aber auch noch schlechter werden. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Mannschaft fußballerisch wächst (was nach Braunschweig auch nicht schwierig war), sowieso willig ist und das Publikum bereit ist, mit durch das Tal zu gehen.“

Was macht eigentlich mein geliebtes Schach? Die Schachbundesliga beginnt ja erst am 9. Oktober. Vorher gibt es jedoch die Schacholympiade im sibirischen Chanty-Mansijsk vom 21. September bis 3. Oktober 2010. Nach dem Streit der Spitzenspieler Deutschlands mit dem Deutschen Schachbund um monetäre Dinge wird es eine Ersatztruppe richten müssen. Der Internationale Großmeister Jörg Hickl bloggt auf Schachwelt:

,,Eins erscheint mir jedoch sicher: Wenn es die geschlossene deutsche Nationalmannschaft nicht schafft, Druck auf den Schachbund auszuüben, wird es keinem gelingen. Es wurde viel Porzellan zerschlagen und die Machtverhältnisse klar demonstriert. Für den DSB ist die Diskussion beendet: Die Funktionäre bleiben – die Spieler gehen. Deutschland wird voraussichtlich auf Jahre hinaus bestenfalls mit einer C-Auswahl auf internationalen Veranstaltungen vertreten sein – kein schönes Bild.“

Kurz vor Beginn der Eishockey Saison 2010/2011 in der DEL gibt es noch einen Rücktritt zu vermelden. Das stets gut informierte Eishockey-Blog titelt  Huskies: Geschäftsführer Westhelle tritt zurück. Die unendliche Geschichte. Imagefördernd waren die letzten Monate für das Eishockey in Deutschland nicht.

Dirk Bauermann kann sich jetzt ganz dem Basketballprojekt Bayern München widmen. Die Nationalmannschaft verlor bei der Basketball-WM gegen Angola mit 88:92 nach Verlängerung. Spox titelt: Schwarzer Tag für den deutschen Basketball. Dabei begann die Weltmeisterschaft recht verheißungsvoll. Knappe Niederlage gegen Argentinien und dann der sensationelle Sieg gegen Serbien. Danach war bei den Bauermännern offenbar die Luft raus. Die Niederlage gegen Angola besiegelte das WM-Aus. Das Spiel gegen Jordanien hat nur noch Makulatur-Status.

Hansa Rostock mit Bernd Hofmann einig

Die Spatzen pfiffen es von den Dächern. Der frisch abgestiegene Fußballclub Hansa Rostock hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Sein Name: Bernd Hofmann. Auf der vereinsinternen Website verkündet der ehemalige Bundesligist und zukünftige Drittligist:

,,In der Fußball-Branche genießt Bernd Hofmann einen sehr guten Ruf. Als Geschäftsführer leitete er fünf Jahre lang die Geschicke beim 1. FC Union Berlin, führte den Verein ins DFB-Pokalfinale 2001 und in die 2. Bundesliga. Von 2005 bis 2009 fungierte der Finanz- und Vermarktungsexperte dann als Manager des 1. FC Magedeburg, bekleidete dort auch die Funktion des Geschäftsführers der Stadionvermarktungsgesellschaft. Zudem gehörte Bernd Hofmann mehrere Jahre dem DFB-Spielausschuss an.“ 

Der Scherbenhaufen ist groß. In den letzten Tagen dürfte sicherlich dieser Abstieg von Hansa Rostock vielen erst richtig bewußt geworden sein. Die Schlagzeilen waren wie bei der Welt mit  Hansa Rostock, der letzte DDR-Meister, stürzt ins Bodenlose entsprechend geprägt. Nun kleine Anmerkung von mir: Die Ostseestädter waren nie DDR Meister. Tief durchatmen. Hansa Rostock in der 3. Liga. Daran gilt es sich erst zu gewöhnen. Jedoch auch nicht zu lange, sonst ist das sich erheben und der angepeilte Aufstieg in die 2. Bundesliga ein sehr schweres Unterfangen. Johann Peter Eckermann schrieb einst:

,,Wenn man sich zu lange in engen, kleinene Verhältnissen rumdrückt, so leidet der Geist und Charakter; man wird zuletzt großer Dinge unfähig und hat Mühe, sich zu erheben.“  

Die Fußballlandschaft in Deutschland ist gepflastert von Mannschaften die den Absturz nicht überwunden haben oder wie der Verein von meinem Freund, der 1. FC Saarbrücken, eine schwere und lange Rückkehr an den Gabentisch des lukrativen Profifußballs bestreiten.

Was sagt eigentlich Volkes Stimme zum katastrophalen Abstieg? In der Ostsee-Zeitung äußert sich Leser Jan Beckmann aus Rostock:

,,Setzen Sie sich zusammen und unterhalten Sie sich nicht durch die Medien miteinander. Die Zeit des Klüngelns, „Mecklenburgens“ und Vertuschens muss umgehend beendet werden.“

Hansa Rostock war ja eher durch die Schwäche vieler anderer angestammter Fußballvereine in der DDR in die Bundesliga gekommen. Als der Serienmeister BFC Dynamo auf einmal seine Spieler wie Thomas Doll oder Andreas Thon nicht halten konnte, Dynamo Dresden Mathias Sammer und Ulf Kirsten verlor, gab es mit dem West-Trainer Uwe Reinders einen Coach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er flößte den Spielern das entsprechende Selbstbewußtsein ein. Noch größer war für mich persönlich die Leistung wie lange Hansa Mitglied der Bundesliga war. Respekt. Dann kam der Abstieg in die 2. Bundesliga. 1860 München kann ein mehrstrophiges Lied davon singen, wie schwer eine sofortige Rückkehr ins Oberhaus ist. Doch die Hanseaten setzten diese Saison noch einen drauf. Sie taumelten, kamen dann auf diesen Trost-Rettungsanker-Relegationstabellenplatz. Doch gegen selbstbewusste Ingolstädter, die selber einen Abstieg aus der 2. Bundesliga hinter sich hatten, war Rostock in der Gesamtsumme der zwei Spiele für zu leicht befunden worden.

Nun ist Aufbauarbeit angesagt. Ehrliche Analyse. Wegschieben persönlicher Eitelkeiten. Die Herausforderungen von Bernd Hofmann gleichen einer Herkulesaufgabe. Mannschaften wie der Karlsruher SC oder der 1. FC Nürnberg haben nach Abstürzen in die Drittklassigkeit die Aufstiegshürden bis in die Bundesliga genommen. Karlsruhe spielt jedoch wieder 2. Liga und der Club blieb über die Relegation gegen den FC Augsburg mit einem blauen Auge  in der Bundesliga drin.

Jetzt trifft Hansa Rostock auf alte Bekannnte. Carl Zeiss Jena oder Dynamo Dresden. Hat auch seinen eigenen Charme. Der mdr wird darob vielleicht noch nicht einmal sonderlich traurig sein. Sogenannte Ostduelle sind immer gut für die Quote.

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Das neue Dynamo      –  Der Tagesspiegel –

Untergang der Hansa-Kogge    –  Die Süddeutsche Zeitung –

Ausschreitungen nach Hansa-Abstieg  – Ostsee-Zeitung  –

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Sponsorspiegel 17.05.10

Dieses vergangene Wochenende wird bei Adidas in Erinnerung bleiben. Bayern München gewinnt in den Trikots der Herzogenauracher den DFB-Pokal gegen Werder Bremen, die in Nike gekleidet waren. Der 1. FC Nürnberg gewinnt ebenfalls sein Nachsitzspiel gegen den FC Augsburg. Auch die Franken liefen in Adidas Hemden auf, während die Spieler aus der Fuggerstadt in Trikots ihres Ausrüsters Do You Football spielten. Es hätte also ein rundum gelungenes Wochenende für den Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach sein können.

Dann kam die Hiobsbotschaft. Michael Ballack, einer der Hauptwerbeträger für Adidas, fällt für die Weltmeisterschaft in Südafrika aus. Das ist bitter. Der Kapitän wurde am Sonnabend im FA-Cup Finale gegen den FC Portsmouth nach einem schweren und bösen Tritt von Boateng verletzt. Heute die medizinische Verlautbarung: Innenbandriss und Teilriss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk. Das schmerzt bereits beim Lesen. Gute Besserung!

Nachdenkenswert #46

,,Seit meiner Kindheit bin ich Clubfan. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft das Potenzial hat, den Klassenerhalt zu schaffen. Der 1. FC Nürnberg ist für Adidas und viele seiner Mitarbeiter mehr als irgendein Fußballverein! Er ist Kult und Kultur zugleich und gleichzeitig Teil unserer Geschichte und Tradition.“ 

         Erich Stamminger, Marken-Vorstand der Adidas AG,

         in der Nürnberger Ausgabe der Bild

Hinz und Kunz über den vorhergesagten Meister

Hinz: Guten Morgen Kunz. Die Bundesliga scheint entschieden.

Kunz: Guten Morgen Hinz. Das ist nicht wirklich eine Überraschung. Die Wolfsburger können die Schale schon mal auf die Reise schicken. Herr Ober, bitte zwei Espresso.

Hinz: Am 12. Januar habe ich Dich bei unserer Vorschau auf die Rückrunde der Bundesliga auch auf den Meisterschaftseinlauf hin gefragt. Bayern München war damals 51 Spieltage ohne den geliebten Tabellenplatz 1. Du hast im Januar mit voller Überzeugung gesagt:

,,Das Du immer wieder mit dem Statistikkram anfangen musst. Am Ende der Saison interessiert das keinen. Der Meister 2010 wird Bayern München sein. Louis van Gaal lässt sich das nicht nehmen. Trotz des Theaters um Ribery. Es ist ja der gefühlte 245. Abgang zu Real Madrid. Franck, es nervt. Andererseits haben die Münchner auch ihren Kader ausgedünnt. Nachbarschaftshilfe für den Club. Breno und Ottl werden sie in Franken bei Nichtabstieg ein kleines Denkmal bauen, Toni wird in Rom wieder glücklich. Das passt schon. Mit diesem Kader musst Du Meister werden. Ich lege mich hiermit fest. Die Schale geht an die Säbener Straße.“

Daraufhin habe ich zu Dir gesagt: ,,Da hat Felix Magath was dagegen. Er hat Schalke in der Winterpause weiter aufgerüstet. Die Region dürstet nach dem Titel.“

Daraufhin hast Du mich fast eingenordet. Deine offensive Antwort im Winter war:

,,Hinz, wenn es nach dem Durst nach der Meisterschale ginge, müsste Schalke Serienmeister sein. Natürlich haben sie 2001 und 2007 die Sache versemmelt. Unglaublich. Magath ist natürlich zur Zeit der beste deutsche Trainer in der Liga. Er wird nächstes Jahr in der Champions-League spielen. Zum Titel reicht es nicht.“

Kunz: Hinz unsere Espresso kommen. Danke. Ein herrlicher Tag.

Hinz: Du hast Dich damals auch eindeutig zum Herbstmeister Leverkusen geäußert.

,,Sie sicherten sich den “Titel” ja bei Winterskälte. Jupp Heynckes hat dort einen riesigen Job gemacht. Ich mag auch Rudi Völler. Sie werden nicht so weit abrutschen wie im vergangenen Jahr die Hoffenheimer. Die Punktausbeute der Hinrunde werden sie jedoch nicht erreichen.“

Mittlerweile haben Sie sich das Wort „Vizekusen“ schützen lassen.

Kunz: Geschenkt. Ist eigentlich eine alberne Aktion. Es fällt ja auf das die Werksmannschaften immer auch ein wenig mit der Suche nach ihrer Identität beschäftigt sind.

Hinz: Gab es jemals einen Moment wo Du an der Meisterschaft von Bayern gezweifelt hast?

Kunz: Nein. Ich habe immer ein sicheres Gefühl gehabt. Hinz ich übernehm die Rechnung.

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Hinz und Kunz über Hertha zwischen Höhenrausch und Abgrund

Hinz: Hallo Kunz. Wollen wir heute einen Blick nach Berlin werfen?

Kunz: Hallo Hinz. Du spielst auf die alte Tante Hertha an?

Hinz: Ja. Bei unserer Vorschau auf die Rückrunde der Bundesliga sind wir ja chronologisch vorgegangen. Vom Tabellenletzten bis zum Spitzenreiter. Zu Hertha hast Du folgendes gesagt:

,,Ja die Hertha hängt durch wie eine Hängematte. Lass mich genau hinschauen. 6 Punkte. Mager. Sehr mager. In der Hauptstadt gibt es ja mit ALBA Berlin und den Eisbären zwei sehr erfolgreiche Vereine. Hertha hatte ja bereits vor der Zeit von Dieter Hoeneß eine lange Zeit fernab der Bundesliga hinter sich. Der Personaladerlass der letzten Monate erinnerte fast an die Situation der SPD. Erst Hoeneß weg. Dann gehen Simunic, Woronin und Pantelic. Später der Trainer Favre. Danach die spektakuläre Pressekonferenz des Schweizers. Unglaublich das Hertha BSC in der Rückrunde der letzten Saison zeitweise Spitzenreiter war und wie der kommende Meister gehandelt und gefeiert und beschrieben worden ist. Funkel ist jedoch sehr nervenstark. Ihn bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Abstiegserfahrung hat er genug gesammelt. Mit einer starken Rückrunde…“

Nun, Hertha hat jetzt in der Rückrunde bereits 6 Punkte geholt.

Berlin, Freie Platzwahl

© Elke Handke: Pixelio

Kunz: Ja, 6 Punkte sind bei der Ausgangsposition normal zu wenig zum leben. Doch Hannover kriegt ja momentan gar kein Bein auf den Rasen. Freiburg fehlt die von mir im damaligen Gespräch angesprochene Mentalität des kratzens und beißens. In Nürnberg hadern sie momentan mit den Schiedsrichtern. So ist Hertha noch nicht endgültig weg vom Fenster. Jedoch die Ausbeute in den Heimspielen ist ungenügend. In dieser prekären Lage sind einzig Siege so richtig hilfreich.

Hinz: Muss sich die Hauptstadt nächstes Jahr auf eine Bundesliga ohne Berliner Vertreter einstellen?

Kunz: Ich mag die Überbetonung auf Hauptstadt nicht. Steigt Hertha ab, ist dass kein Weltuntergang. Berlin hat dann eben zwei Mannschaften in der 2. Bundesliga. Weder Düsseldorf noch München können auf sowas verweisen. Union und Hertha im Unterhaus hat doch auch Charme.

Hinz: Also kriegt es Funkel nicht hin?

Kunz: Ach, Hinz. Du willst mich festnageln. Hertha hat sich ja in den letzten zwölf Monaten zwischen Höhenrausch und Abgrund aufgehalten. Es hat in der Bundesliga immer wieder die unerwartetsten Klassenerhalte gegeben. Stichwort Feuerwehrmann Berger mit der Eintracht. Noch ist das Ortsderby Union gegen Hertha für die nächste Saison nicht im Terminplan garantiert. Mehr an Prognose bekommst Du heute von mir nicht.

Hinz: Danke Dir Kunz. Es war wie immer sehr unterhaltsam mit Dir. Bis zum nächsten mal.

Hannover 96 feuert Trainer Andreas Bergmann

Es hatte sich angekündigt. Die Nachricht ist deshalb nicht sensationell oder überraschend zu nennen. Hannover 96 gibt die Entlassung von Trainer Andreas Bergmann bekannt. Die letzten sieben Spiele verliefen sieglos. Durch das destrasöse 0:3 gegen den Tabellenletzten Hertha BSC wurde also jetzt die Reißleine gezogen. Andreas Bergmann hatte die Hannoveraner erst am 3. Spieltag von Dieter Hecking, dem jetzigen Coach der Nürnberger, übernommen. Sportdirektor Jörg Schmadtke attestiert dem Ex-Trainer trotzdem gute Arbeit.

,, Andreas Bergmann hat gute Arbeit geleistet, die Mannschaft gerade auch in der Phase nach der furchtbaren Tragödie um Robert Enke gefühlvoll geleitet. Aber die notwendigen Siege, die uns die Punkte für den Klassenerhalt bringen müssen, sind leider in den vergangenen Wochen nicht gelungen.“

Der 1. FC Nürnberg kündigte nach der Winterpause 2007/2008 ihrem Trainer Hans Meyer die Freundschaft. Am Ende stand jedoch der Abstieg. Droht Hannover 96 das gleiche Schicksal? Warum trifft man diese Entscheidung nicht nach Ende der Hinrunde? Wieso nach dem ersten Spieltag der Rückrunde? So etwas sieht dann immer nach einer hyperaktiven Aktion seitens des Vereins und seiner Verantwortlichen aus. Agieren mit Plan sieht sicher anders aus.

Am 9. Dezember 2009 schrieb ich zum Thema Trainer-Hopping folgende Zeilen:

,,Derzeit ist Jobsicherheit für Fußballtrainer so weit entfernt, wie die NASA Zentrale vom Mond. Die Verweildauer auf dem Stuhl hat abgenommen.“

Andreas Bergmann seine Verweildauer dauerte ganze 16 Spieltage.

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Hinz und Kunz über die Bundesliga

Hinz: Hallo Kunz, in der Bundesliga rollt ab dem 15. Januar wieder der Ball. Die Winterpause war kurz. Die Gerüchteküche brodelte wie jedes Jahr. Fans scharren schon mit den Füßen. Fangen wir beim Tabellenende an. Erlebt die Bundesliga nächstes Jahr eine Saison ohne einen Verein aus der Hauptstadt?

Kunz: Grüß Dich Hinz. Ja die Hertha hängt durch wie eine Hängematte. Lass mich genau hinschauen. 6 Punkte. Mager. Sehr mager. In der Hauptstadt gibt es ja mit ALBA Berlin und den Eisbären zwei sehr erfolgreiche Vereine. Hertha hatte ja bereits vor der Zeit von Dieter Hoeneß eine lange Zeit fernab der Bundesliga hinter sich. Der Personaladerlass der letzten Monate erinnerte fast an die Situation der SPD. Erst Hoeneß weg. Dann gehen Simunic, Woronin und Pantelic. Später der Trainer Favre. Danach die spektakuläre Pressekonferenz des Schweizers. Unglaublich das Hertha BSC in der Rückrunde der letzten Saison zeitweise Spitzenreiter war und wie der kommende Meister gehandelt und gefeiert und beschrieben worden ist. Funkel ist jedoch sehr nervenstark. Ihn bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Abstiegserfahrung hat er genug gesammelt. Mit einer starken Rückrunde…

Hinz: Wie siehst Du die Dinge beim Club aus Nürnberg?

Kunz: Vor Weihnachten kam es zur Entlassung von Trainer Oenning. Jetzt soll es Hecking richten. 32 Gegentore sind entschieden zuviel. Mit Breno und Ottl hat der Club zwei Bayern Spieler ausgeliehen. Raphael Schäfer wird nach Ablauf seiner Sperre auch wieder zwischen den Pfosten stehen. Es wird sicher eng bis zum Schluss. Jedoch sollte es auf der Wöhrder Wiese wie im vergangenen Jahr beim Aufstieg für die Fans wieder Grund zum Jubeln geben. Kluge sein Weggang zu Schalke ist okay. Reisende soll man nicht aufhalten. Laut Manager Bader war er schon gedanklich sehr weit in Gelsenkirchen. Da macht es auch aus wirtschaftlicher Sicht für den 1. FC Nürnberg Sinn die 1,5 Millionen Euro für Kluge mitzunehmen.

Hinz: Der Vfl Bochum steht momentan auf einem Relegationsplatz.

Kunz: Kann auch die Position am 34. Spieltag sein. Heiko Herrlich wird sicherlich in das Traineramt hineinwachsen. Bochum kennt ja im Gegensatz zu Hertha BSC oder Stuttgart den Abstiegskampf. Die können kratzen und beißen. In den möglichen Relegationsspielen wird sich Bochum nicht so kampflos dem Zweitligisten hingeben wie im vergangenen Jahr Energie Cottbus. Das muss eigentlich heute noch in der Lausitz den Fans weh tun. Unglaublich. Die Cottbuser Truppe hat eigentlich den moralischen Anspruch auf die Bundesliga für die nächsten 50 Jahre verspielt.

Hinz: Du sprachst schon Stuttgart an. Auch dort weht der Wind des Abstiegsgespenst dem Verein entgegen. Babbel musste den Platz frei geben.

Kunz: Ja, nach seiner Demission legte der Schweizer Gross einen guten Start hin. Hinter Babbel können sich die Spieler nicht mehr verstecken. Gross hat in der Schweiz über Jahre gute Arbeit geleistet. Er ist schon ein Typ. Mit Babbel haben die Stuttgarter im vergangenen Jahr Erfolg gehabt. In der Hinrunde lief dann fast nichts zusammen. Jetzt scheinen die Spieler den ernst der Lage begriffen zu haben. Die Schwaben werden mit dem Abstieg definitiv nichts zu tun haben. Wäre ja auch kein schöner Abgang für den Torwart Lehmann. In der Perspektive will Gross um Titel spielen.

Hinz: Hannover 96 stand lange unter Schock. Der Tod von Robert Enke ging nicht spurlos am Verein vorbei.  

Kunze: Die Winterpause war vielleicht für die Hannoveraner am nötigsten. Robert Enke war ein exzellenter Torwart. Hannover wünscht man den Klassenerhalt. Der Kader ist normalerweise bundesligatauglich. Präsident Martin Kind und die Mannschaft haben 17 Spiele Zeit die Klasse zu behaupten.

Hinz: Wollen wir die in der Tabelle vor Hannover 96 liegenden Freiburger, den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im Paket betrachten?

Kunz: Drängt bei Dir die Zeit? Aber ich kann Dir ja fast keinen Wunsch abschlagen. Also, der SC Freiburg kann noch Probleme bekommen. So richtig kratzen und beißen ist nicht ihr Ding. Dem Coach Robin Dutt ist natürlich ein Klassenerhalt zu wünschen. Ich halte ihn für einen sehr begabten Trainer. Der 1. FC Köln gewann vor der Winterpause das wichtige Duell gegen die Nürnberger mit 3:0. Sonst wäre es für Soldo auch eng geworden. Was ist mit Podolski seiner Treffsicherheit? Vielleicht sollten die Rheinländer eine Ausnahmereglung bei der DFL beantragen und ihren Stürmer im Nationaltrikot auflaufen lassen. Da ist seine Trefferquote wesentlich besser. Die Elf von Borussia Mönchengladbach hat bereits 21 Punkte gesammelt. Das schaut mit dem Klassenerhalt gut aus. Für das ranspringen an obere Tabellenplätze ist es sicher noch zu früh in dieser Saison.

Hinz: Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und der amtierende Meister Vfl Wolfsburg haben jeder 24 Punkte. Wo geht die Reise für die drei hin?

Kunz: Eintracht ist irgendwie eine graue Maus. Die Ansprüche sind in der Bankenmetropole eigentlich andere. Natürlich ist der Kader nicht mit Qualität übersät. Ich habe natürlich auch das desolate und kampflose „Spiel“ im DFB Pokal gegen Bayern München vor Augen. Das darf eigentlich nicht passieren. Mainz 05 hat angenehm überrascht. Vor der Saison den Aufstiegstrainer entlassen und mit Tuchel einen Mann aus den eigenen Reihen das Trainermandat übertragen. Die Truppe machte Spaß. Doch die Rückrunde kann ein stärkeres Stück Arbeit werden. Wichtig wird der Start der Karnevalisten werden. Bliebe aus dem 24 Punkte Trio noch der Meister. Voriges Jahr gab es ja diese sagenhafte Rückrunde. Wird sich diese Saison nicht wiederholen. Armin Veh hat mit Dieter Hoeneß einen starken Mann zur Seite oder vor die Brust gestellt bekommen. Reibungspunkte sind nicht ausgeschlossen. Grafite ist meilenweit von seiner Form entfernt. Einige andere Spieler auch. Das Team wirkt auch nicht so gefestigt wie unter Felix Magath.

Hinz: Kommen wir zum Tabellensiebten Hoffenheim.

Kunz: Ach, Hinz. Das heißt TSG 1899 Hoffenheim. Soviel Zeit muss sein. Die Mannschaft war vor 3 Jahren noch in der Regionalliga. Durch die sensationelle Hinrunde im ersten Bundesligajahr sind die Ansprüche gestiegen. Ralf Rangnick stand zuletzt nicht zur Verfügung. Er kümmerte sich um seinen kranken Vater. Wenn man das neue Trainingszentrum sieht und die Kaderpolitik der letzten 12 Monate incl. Hildebrandt Transfer im Dezember 2008 sollte die Prognose irgendwann auf einen internationalen Startplatz hinauslaufen. Erfolg kommt ja nie zu früh. Doch für dieses Jahr wird es sehr schwer werden in die obige Phalanx hinein zu stoßen.

Hinz: Werder Bremen hat einen guten Kader. Ist Platz 6 da nicht zu wenig?

Kunz: Ja, die Werderaner sind ja immer auf dem Teppich geblieben. Schaaf und Allofs sei Dank. Sie werden angreifen. Wiese ist enorm ehrgeizig. Frings wird frei von Nationalmannschaftseinsätzen bleiben. Spieler mit der Qualität von Özil hat die Bundesliga nicht viele. 3 Punkte Rückstand auf den Nordnachbarn HSV ist nicht so riesig. Am Ende kann mehr wie der jetzige 6. Platz erreicht werden. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung.

Hinz: Borussia Dortmund hat die meisten Zuschauer. Einen emotionalen Trainer und Platz 5 inne. Spielt Borussia nächstes Jahr international?

Kunz: Jürgen Klopp ist ein Typ. Das Stadion und die Kulisse im Stadion sind imposant. Die Rückrunde wird der Härtetest. Im letzten Jahr hat es ja nicht ganz gereicht. Dieses Jahr wird es auch wieder bis zum letzten Spieltag bei Borussia Dortmund um die internationale Wurst gehen.

Hinz: Der Hamburger SV stand letzte Saison mit leeren Händen da. Jetzt ist der Traditionsverein 4 Punkte hinter dem Herbstmeister Leverkusen. Sind Meisterschaftsträume erlaubt?

Kunz: Sicherlich ist träumen erlaubt. Am Ende zählen jedoch die Punkte. Sie haben ja ein paar Typen. Frank Rost. Unglaublich starker Charakter. Er ist immer heiß. Coach Labbadia auch. Er will immer gewinnen. Greuther Fürh Präsident Hack schwärmte erst kürzlich in einem Interview für die Fürther Nachrichten vom Feuer von Bruno Labbadia. Doch um Deine Frage klar zu beantworten: Der HSV wird nicht der Deutsche Meister 2010 sein.

Hinz: Bayern München ist 51 Spieltage ohne Tabellenplatz 1. Zur Zeit beträgt der Abstand auf Leverkusen ganze zwei Punkte.

Kunz: Das Du immer wieder mit dem Statistikkram anfangen musst. Am Ende der Saison interessiert das keinen. Der Meister 2010 wird Bayern München sein. Louis van Gaal lässt sich das nicht nehmen. Trotz des Theaters um Ribery. Es ist ja der gefühlte 245. Abgang zu Real Madrid. Franck, es nervt. Andererseits haben die Münchner auch ihren Kader ausgedünnt. Nachbarschaftshilfe für den Club. Breno und Ottl werden sie in Franken bei Nichtabstieg ein kleines Denkmal bauen, Toni wird in Rom wieder glücklich. Das passt schon. Mit diesem Kader musst Du Meister werden. Ich lege mich hiermit fest. Die Schale geht an die Säbener Straße.

Hinz: Da hat Felix Magath was dagegen. Er hat Schalke in der Winterpause weiter aufgerüstet. Die Region dürstet nach dem Titel.

Kunz: Hinz, wenn es nach dem Durst nach der Meisterschale ginge, müsste Schalke Serienmeister sein. Natürlich haben sie 2001 und 2007 die Sache versemmelt. Unglaublich. Magath ist natürlich zur Zeit der beste deutsche Trainer in der Liga. Er wird nächstes Jahr in der Champions-League spielen. Zum Titel reicht es nicht.

Hinz: Bliebe noch der Herbstmeister Bayer Leverkusen.

Kunz: Sie sicherten sich den „Titel“ ja bei Winterskälte. Jupp Heynckes hat dort einen riesigen Job gemacht. Ich mag auch Rudi Völler. Sie werden nicht so weit abrutschen wie im vergangenen Jahr die Hoffenheimer. Die Punktausbeute der Hinrunde werden sie jedoch nicht erreichen. Hinz, wir sind durch. Ich freue mich auf unsere nächste Plauderstunde.

Nachdenkenswert #14

,,Ich kann natürlich nicht versprechen, dass es klappt, ganz sicher gehen wir nicht durch die Bundesliga wie das Messer durch die Butter. Wir sind nicht Wolfsburg, nicht Schalke, sondern ein Aufsteiger mit der angemessenen Demut. Das Ziel ist der viertletzte Platz, notfalls der drittletzte. Aber jetzt kommt vor allem ein Jahr, auf das wir uns freuen sollten, eine Herausforderung, die wir positiv annehmen wollen.“

     Michael Oenning, Aufstiegstrainer des 1. FC Nürnberg,

     am 27. Juni 2009 in den Nürnberger Nachrichten

  Die Saison ist gespielt

   © Marco Schlüter: Pixelio

Hat Hans Meyer einen Nachfolger gefunden?

Hans Meyer sein Humor war legendär. Durchaus auch von einigen Journalisten gefürchtet. Einst wurde die Trainerlegende gefragt, warum er sich für den 1. FC Nürnberg entschied:

,,Sie können sich die Antwort aussuchen:

1. Mir war langweilig

2. Ich brauche Geld!

3. Meine Frau lässt mich nicht mehr in den Garten, weil ich die 

    Rosen nicht vom Blumenkohl unterscheiden kann!“

Hat Hans Meyer einen legitimen Nachfolger in Sachen Humor gefunden? Mein persönlicher Favorit ist der holländische Meistercoach Louis van Gaal. Folgender Spruch bei einem Besuch des Fanclub in Eberfing hat Meyersche Qualitäten:

,,Wenn Ribery spielt, ist der Wettbewerb in der Bundesliga nicht mehr spannend. Wir gewinnen ja schon ohne ihn 5:1 in Bochum.“