Der Tweet der Woche in Sachen DKB und Handball-WM live

Der Tweet der Woche kam für mich diese Woche von Günter Klein. Er haute auf seinem Twitter-Account folgendes Statement raus:

,,Die DKB überträgt die Handball-WM live im Internet. Stadtsparkasse kontert mit Live-Übertragung meiner Kontobewegungen.“

Günter Klein ist Chefreporter Sport beim Münchner Merkur. Er unterhält für mich einen der entspanntesten Twitter-Accounts in der deutschen Sportjournalisten-Landschaft.

Nachdenkenswert #462

,,Zu der Geräuschkulisse gehören auch die handelsüblichen Pawlow’schen Effekte.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky weint wieder bitterliche Krokodilstränen, weil „Sponsoren-TV“ kein Ersatz sei für die „journalistisch-qualitative Herangehensweise“ von Free-TV sei (via handball-world.com). Auf der Katrin Müller-Hohenstein-Skala sind dies mindestens 7,5 von 10 Badelatschen.“

Kai Pahl, Medienexperte, auf seinem Blog allesaussersport über die Handball-WM-Nachwehen in Sachen Übertragungsrechte. Speziell ARD und ZDF haben sich in den letzten Jahren ja bei sportlichen Veranstaltungen mit wenig journalistischer, sachlicher und oft fehlender Ablieferung von Qualitätsarbeit in der Berichterstattung immer wieder selbst in Frage gestellt. Die Event- und Boulevardfolklore war teilweise arg bizarr und gipfelte in den unsäglichen KMH Auswüchsen.

Die Spiele der deutschen Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson werden auf handball.dkb.de gestreamt. Sigurdsson schlug einst seine Zelte hier am Bodensee in Vorarlberg in Bregenz auf und wurde vierfacher österreichischer Handballmeister und zweifacher Pokalsieger im Zeitraum 2003 bis 2007.

Eine offene Rechnung des VfB Friedrichshafen …

Es gibt keinen Zweifel, der belgische Erfolgscoach Vital Heynen hat in den ersten Monaten seiner Amtszeit beim Volleyballvizemeister VfB Friedrichshafen hier am Bodensee bereits deutliche Akzente gesetzt. Den Supercup in Berlin gegen den Erzrivalen Berlin Recycling Volleys gewonnen, ein souveränes Auftreten in der heimischen Liga, das durchpowern im Pokal bis ins Finale und ein Achtungserfolg mit dem Auswärtssieg in der Champions-League bei Paris Volley. Im neuen Jahr präsentiert Vital Heynen sein Team am morgigen Samstag erstmalig dem einheimischen Publikum in der ZF Arena. Gegner ist SWD powervolleys Düren. In der Hinrunde musste der VfB Friedrichshafen seine einzige Niederlage hinnehmen. Die Häfler haben also noch eine offene Rechnung mit Düren.

In den Reihen der Zeppelinstädter ist mit Mittelblocker Georg Klein ein Spieler der Düren sehr gut kennt. Im Zeitraum 2011 bis 2015 spielte er dort. Über Antwerpen fand Klein dann zu Beginn der Saison den Weg an den Bodensee. Im Rückblick auf die einzige nationale Saisonniederlage vom VfB Friedrichshafen merkt Georg Klein an:

,,Wir waren nicht ganz bereit, den Druck von Düren auszuhalten. Die haben wirklich gut gespielt und wir waren zu Beginn der Saison noch nicht so eingespielt, dass wir mit aller Kraft dagegenhalten konnten.“

Das sollte am Samstagabend ab 19.30 Uhr anders sein. Alles andere als ein Heimsieg der Häfler wäre eine große Überraschung.

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Die Ravensburg Towerstars empfangen heute den ESV Kaufbeuren. Frank Enderle hat unter dem Titel Besonders reizvolles Derby am Dreikönigs-Feiertag eine Vorschau in die Tastatur geklopft. Das Match wird von sprade.tv gestreamt. +++ Schach: Der Schachklub Bregenz 1920 veranstaltet heute das 32. Int. Dreikönig-Turnier. +++ Eishockey: Der EV Lindau Islanders beginnt das neue Jahr schwungvoll. Auf der Vereinswebseite der Inselstädter liest sich dies als Einleitung eines längeren Artikels so: ,,Besser hätte das neue Jahr für die EV Lindau Islanders gar nicht beginnen können. Erst der starke Derbysieg beim ERC Sonthofen – dann die stimmungsvollen Feierlichkeiten zum 40. Vereinsgeburtstag und am Sonntag (17:30) kommt der EC Peiting zum ersten Heimspiel 2017 in den Eichwald.“

Nachdenkenswert #461

,,Die Reaktion der Spieler im Training, als ich verkündet habe, dass wir aufsteigen wollen. Es stand positives Entsetzen in den Gesichtern der Spieler. Danach haben sie dieses Ziel sofort angenommen. Zusammen mit dem Aufstieg und den Emotionen danach war das ein sehr bewegender Moment. Wir haben dies nach jahrelanger Arbeit in der 3. Liga zusammen erreicht, weil wir daran geglaubt haben. Nun glauben wir daran und werden alles dafür tun, dass wir das Erreichte auch halten können. Zu den 38 Handball-Bundesligastandorten zu gehören ist schon was für eine Stadt wie Konstanz. Wir haben gesehen, was alles entstehen kann und wissen, dass dies etwas Besonderes ist.“

Otto Eblen, Präsident der HSG Konstanz, im Interview mit Andreas Joas. Der 69-Jährige Präsident Eblen ist seit mehr als 35 Jahren im Verein in verschiedensten Funktionen tätig, seit 1991 im Präsidentenamt. Sein Sohn Daniel Eblen trainiert den Aufsteiger in die 2. Handball-Bundesliga seit 2004.

Auch 2016 war eines dieser vom Doping verseuchten Sportjahre

Auch das vergangene Jahr 2016 war eines dieser vom Doping verseuchten Sportjahre. Ich verfolge die Hochleistungssportszene seit 1973. Ich könnte ganze Blogartikelserien über die Dopingvorfälle seit damals schreiben. Dabei ist Doping beileibe keine Monopol-Stellung Russlands. Es gibt unzählige Länder die auffällig mit Dopingsündern geworden sind. Die Liste ist ellenlang und wird jedes Jahr mit neuen aufgeflogenen Betrugsfällen erweitert. Am 17. Juli 2013 schrieb ich über meine Hassliebe Tour de France folgenden Text hier auf sportinsider.

Hassliebe Tour de France

Höllenqual, der Mund schon lange trocken, die Waden schmerzen, die Arme vibrieren, am Lenker wird gezerrt, doch es sind noch 6 Kilometer bis L’Alpe d’Huez. Scheiß Höllentour.

Noch ein Tritt. Noch ein Tritt. Noch ein verdammter Tritt. Erbarmungsloser Fight gegen sich selbst. Der Puls scheint die Schädeldecke öffnen zu wollen.

Die Sonne peitscht den Asphalt, die Gesichter und den Rücken der Radprofis. Die Arme schmerzen. Die Beine lösen sich auf. Noch ein paar Meter.

Simpson, Tommy. Mount Ventoux 67. Scheiße. Todeskampf, Hubschrauber. Einsatzkräfte. Flug in das Krankenhaus. Alles zu spät. Sinnlos. Mount Ventoux der Killerberg. Die Todeszone. Die surreale Mondlandschaft. Die Bilder seiner Todesfahrt gehen um die Welt.

Denkmäler. Sie stürzen ein wie ein Kartenhaus bei starker Zugluft. Anquetil, Bobet, Fignon, Armstrong, Merckx,  Jan Ullrich, Contador, Guerilla-Pirat Pantani, Landis, Indurain, Winokurow, Millar, Hamilton, Zabel, Riis, Cancellar, Kohl, Rasmussen. Wanken. Bröckeln. Die Heroes kommen ins straucheln. Ich bin empört. Wütend. Phlegmatisch. Gleichgültig. Desillusioniert.

Die Doping-Scheiße. Schlimmer wie Lepra. Fukushima. Tschernobyl. Krebs in der Endphase.

Ich will diesen Zirkus ohne Doping. Ohne Bluteigendoping. Keine Klebestreifen an Hotelwänden zur Befestigung der Blutbeutel. Kein Motoman mit dicken Cocktail-Kurier-Taschen. Keine Rolex für zuverlässige Überbringerdienste am Ende der Tour.

Man möchte die Kiste abschalten. Nein, Fenster auf. Das TV-Monster über die Terrasse geschmissen in bester Kinski Manier.

Hat die Seele jetzt ihre Ruhe?

Andreas Burkert berichtet für die Süddeutsche Zeitung von der Höllentour 2013. Marcel Kittel spricht vorwurfsvolle Worte Richtung Jan Ullrich. Kittel musste sein auf der 1. Etappe errungenes Gelbes Trikot bereits nach der 2. Zielankunft wieder abgeben. Das ging aber schnell. Motivationstrainer wie Anthony Robbins empfehlen in solchen Situationen die Konzentration der Kräfte. Keine Verzettelung.

Finger krampfen. Venen erstarren. Das Sitzfleisch ist aufgerauht. Salz auf der Haut. Schweiß, der den Augen zu schaffen macht.

100 Jahre. Für die einen die größte professionelle Radsport-Rundfahrt der Welt, für die anderen die größte und skrupelloseste rollende Apotheke auf Rädern. Zeit Online bringt die ultimative mediale Festagsausgabe. Ein multimediales Scroll Dossier.

Jäger und Gejagte. Den Laborspezialisten immer einen Schritt voraus. Oder? Armstrong Beichte, die Stunde der Heuchler.

Telekom, Gerolsteiner, US-Postal, Phonak, Milram, Radio Shack pumpten Millionen in das umstrittene Spektakel.

Wasserträger fluchen und buckeln gleichzeitig.

Eurosport sendet. Auch 2013. Beharrlich. Unaufhörlich. Kontinuierlich. Das halbstaatliche Fernsehen ARD + ZDF köchelt auf Sparflamme. Nicht erst dieses Jahr. Hatten ihren moralischen nach dem Telekom-Team Kater. Jan Ullrich, einst von ARD hochgejazzt, wurde fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Moralin-sauer wird sich von der Schmuddelsportart abgewendet. Andererseits wer will es ihnen verdenken.

Derweil gibt es da diesen Froome. Trägt Gelb. Tourdominator. Scheinbar aus einer anderen Welt. Wie er am Mount Ventoux davonritt, leicht, scheinbar ohne physikalische Widerstände, im Speedmodus, erinnerte er mich stark an Pantani. Der hatte solche Berg-Guerilla Attacken auch drauf.

Nachdenkenswert #460

„Wir müssen aus solchen Spielen natürlich unsere Lehren ziehen.“

Toni Krinner, Coach der in der DEL2 spielenden Ravensburg Towerstars und mit einem der interessantesten Lebensläufe deutscher Eishockeytrainer versehen, nach dem Spiel bei Aufsteiger Bayreuth. Toni Krinner verlängerte in der vergangenen Woche seinen Vertrag mit den Ravensburgern um im abschließenden Auswärtsspiel im Jahr 2016 bei Aufsteiger EHC Bayreuth – Tigers zu verlieren. Am Dienstag, den 03. Januar 2017, geht es in heimischen Gefilden gegen die Starbulls Rosenheim, am Freitag, an Heilige Drei Könige, dann das nächste Heimmatch gegen den ESV Kaufbeuren und am Sonntag zum Abschluss der Woche die Auswärtsbegegnung bei den Heilbronner Falken.

Hier geht es zur Vorschau von Towerstars Pressesprecher Frank Enderle auf das Heimspiel gegen die Starbulls Rosenheim.

Ravensburg Towerstars, Int. Dreikönig Turnier in Bregenz und VfB Friedrichshafen Power

Die erste Woche im neuen Jahr 2017 bringt am Bodensee ungebremst wieder ein schönes Auftaktprogramm zum mentalen Einstieg. Es ist vielleicht nicht der wie ein Statement um die Ecke herumkommende Hurrikan der Power von Queen mit Leadsänger Freddie Mercury. Ein kraftvoller Einstieg in die 1. Kalenderwoche 2017 ist es allemal. Mich persönlich springen dabei vier Termine an. Dem Aufgalopp der Ravensburg Towerstars in der DEL2 gegen Starbulls Rosenheim am 3. Januar und das Match gegen den Tabellennachbarn ESV Kaufbeuren am Freitagabend, den 6. Januar. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, das diese beiden Spiele richtungsweisend sein können für die Eishockey-Cracks von Toni Krinner.

Dann wäre da noch das 32. Int. Dreikönig Turnier in der Festspielstadt Bregenz. Anmeldungen von Schachspielern aus 10 Nationen sind bereits eingegangen. Wer sich noch auf die Schnelle anmelden will, kann dies hier auf der Webseite vom Schachklub Bregenz 1920 tun. Spiellokal ist der Gössersaal in Bregenz. Das Turnier ist zugleich die Vorarlberger Schnellschach-Einzelmeisterschaft.

Foto:  © Michael Wiemer

Ja, und der vierte Termin, der mir beim Blick auf das Sportprogramm am Bodensee zum Jahresauftakt ins Auge sprang ist das Spiel in der Volleyball-Bundesliga zwischen dem Power-Team vom VfB Friedrichshafen mit Erfolgscoach Vital Heynen gegen den SWD powervolleys Düren am 7. Januar 19.30 Uhr in der ZF Arena. Die Häfler haben noch eine Rechnung offen. In der Hinrunde verloren die Volleyballer vom Bodensee ihr Auswärtsspiel am 29.10.2016 mit 0:3. Die einzige Niederlage in der Meisterschaft in der Saison 2016/2017 für die Spieler von Vital Heynen.

Foto: © Michael Wiemer

Zur mentalen Einstimmung auf das Volleyballmatch in der ZF Arena sei ein Blick ins Archiv gestattet:

Vital Heynen: ,,Wir wollen jedes Spiel gewinnen, so einfach ist das.“

Der Januar hält übrigens für den VfB Friedrichshafen auch noch das Highlight Pokalfinale gegen den Erzrivalen Berlin Recycling Volleys bereit. Dazu ein andermal mehr.

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Die EV Lindau Islanders haben ihren Vertrag mit Coach Dustin Whitecotton verlängert. Die Lindauer Zeitung, Medienpartner der Inselstädter Eishockey-Cracks, haben ein Interview mit Geschäftsführer Sebastian Schwarzbart geführt. Die Fragen stellte Redakteur Giuseppe Torremante. Hier gibt es das Interview auf der Webseite der Islanders zu lesen. +++ Leichtathletik: Richard Ringer vom VfB LC Friedrichshafen hat auf seiner Webseite noch keine Wettkampftermine für 2017 veröffentlicht. Im vergangenen Jahr sorgte der in Überlingen geborene Richard Ringer für ein Hitchcock-Thriller Zielfoto-Finish bei der EM in Amsterdam. Für die ersten fünf Plätze musste das Zielfoto zu Hilfe herangezogen werden. Über die 5.000 Meter Distanz belegte Läufer Richard Ringer Platz 3. Seine Zeit 13:40,850. Sieger Fifa hatte 13:40,844 auf dem Tacho und der Silberläufer Mechaal 13:40,847. Ganz großes Kino. +++ Handball: Die Jungen Wilden der HSG Konstanz überwintern in der 2. Handball-Bundesliga auf Platz 11. Kompliment für das Team von Daniel Eblen, der seit 2004 Cheftrainer in Konstanz ist. Hier geht es zur kompletten Tabelle inklusive der letzten emotionalen Spielberichte.

Schachbundesliga Vizepräsident Ulrich Geilmann beantwortet Fragen von Michael Wiemer

Die Schachbundesliga, für mich nach wie vor ein interessantes Thema. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte ich die Gelegenheit in einem Diskurs per E-Mail den Vizepräsidenten der Schachbundesliga, Ulrich Geilmann, einige Fragen zu stellen, die er ausführlich und fundiert beantwortete. Dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank. Steigen wir gleich ein.

 Foto: © Ray Morris-Hill  www.rmhphoto.eu

Schachweltmeister Magnus Carlsen und Weltklassespieler Levon Aronian, hier beim WM-Kandidatenturnier in London 2013, gaben in der Geschichte der Schachbundesliga ebenfalls ihre Visitenkarte ab. Carlsen spielte erstmalig in der Saison 2004/2005 für den SF Neukölln 1903 und später für die OSG Baden-Baden. Levon Aronian gab in der Saison 2001/2002 für den SV Wattenscheid 1930 sein Debüt in der Schachbundesliga. Über die Stationen SC Kreuzberg und SF Berlin 1903 kam er ab der Spielzeit 2012/2013 zur OSG Baden-Baden.

Herr Geilmann, wie sehen Sie denn den momentanen Stand der Schachbundesliga?

Ulrich Geilmann: Danke, dass Sie fragen, Herr Wiemer! Ich bin seit gut 10 Jahren unmittelbar mit der Schachbundesliga vertraut, zunächst als Teamchef einer Erstligamannschaft und später dann zusätzlich als Vorstandsmitglied des Schachbundesliga e. V. in unterschiedlichen Funktionen. Insoweit konnte ich die Entwicklung der höchsten deutschen Spielklasse nicht nur direkt mitverfolgen, sondern auch ein Stück weit mitgestalten.

Zurzeit bilde ich zusammen mit Markus Schäfer (Präsident), Detlef Wickert (Schatzmeister) und Jürgen Kohlstädt (Turnierdirektor) das Präsidium. Wir tun das übrigens alle ehrenamtlich und verstehen uns insoweit als Dienstleister für unsere Mitgliedsvereine, deren Interessen gleichberechtigt zu würdigen sind. Überdies vertreten wir die Schachbundesliga gegenüber nationalen und internationalen Verbänden sowie sonstigen Dritten.

Bedauerlicherweise haben wir in den letzten Jahren keine kontinuierliche Besetzung des Vorstands für Marketing und Vermarktung sicherstellen können, was sicher ein Manko ist. Bewerbungen nehmen wir aber gerne entgegen! Wer also Qualifikation, Zeit, Lust und Laune hat, den Posten unentgeltlich übernehmen zu wollen, mag sich bei uns melden.

Die Schachbundesliga ist offen für neue Entwicklungen und richtet sich an aktuellen Veränderungen und Bedürfnissen sowohl seiner Mitglieder als auch der schachinteressierten Öffentlichkeit aus. Im Rahmen seiner Aufgaben unterstützt sie auch den Deutschen Schachbund, der Mitglied im Schachbundesliga e.V. ist, bei dessen leistungssportlichen, sozialen, integrativen und bildungspolitischen Zielen. Dies ist insgesamt gesehen ein sehr dynamischer Prozess.

Die Entwicklung des Schachbundesliga e. V. verlief in vielen kleinen Schritten. Reformen waren und sind aufgrund der zum Teil heterogenen Mitgliederstruktur stets ein schwieriges demokratisches Unterfangen. Gleichwohl glaube ich, dass wir uns gerade in den letzten Jahren auf einen guten Weg gemacht haben. Dabei sind insbesondere die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, denen auch der Schachsport unterliegt, aktuell sicher nicht die besten.

Wie ist Ihrer Meinung nach die Liga in puncto Marketing aufgestellt?

Ulrich Geilmann: Als der Schachbundesliga e. V. 2007 als organisatorischer Zusammenschluss der Erstligavereine mit seinen ehrenamtlichen Strukturen gegründet worden ist, gab es die Hoffnung, damit auch die Grundlage zu schaffen, den einen oder anderen Sponsor zu finden. Seinerzeit gab es hoffnungsvolle Kontakte zu bundesweit agierenden Großunternehmen, die sich nachfolgend trotz intensiver Bemühungen des damaligen Vorstandes aber leider dann doch nicht engagierten. In der Vereinssatzung war in diesem Zusammenhang unter anderem auch die Option eingebracht worden, eine professionell aufgebaute Geschäftsstelle einzurichten. Dies blieb jedoch ohne regelmäßige Einnahmen reines Wunschdenken.

In den folgenden Jahren gab es immer wieder verschiedene Anläufe, bundesweit tätige Unternehmen für den Ligabetrieb zu interessieren. Hierzu wurde auch die Hilfe professioneller Marketingunternehmen in Anspruch genommen. Leider blieben aber auch diese Versuche sämtlich erfolglos.

Vor diesem Hintergrund hat der aktuelle Vorstand unter Einbindung der Mitgliedsvereine schon früh damit begonnen, nach neuen Wegen zu suchen. Die internen Diskussionen, die von mehreren Workshops begleitet waren, haben aus meiner Sicht zu ermutigenden Neuerungen geführt. Wir verfolgen dabei v. a. die Absicht, durch eine zeitgemäße Außendarstellung attraktive Vermarktungschancen zu eröffnen. Ziel ist weiterhin die Förderung eines positiven und ausstrahlungskräftigen Images des Schachsports im Allgemeinen und des Spitzenschachs in der Schachbundesliga im Besonderen.

Dazu gehören beispielsweise die für Schachfans kostenfreien Internetübertragungen, die auf einem hohen Niveau stattfinden. Zweifelsohne ist auch die Außendarstellung der Liga professioneller geworden. Hierzu trägt insbesondere die neu gestaltete Homepage bei, die wir im Wesentlichen unserem Webmaster Marc Lang verdanken, der die Plattform mit seinen kreativen Ideen unermüdlich verbessert. Die Berichterstattung, die u. a. Georgios Souleidis koordiniert, ist überdies von Jahr zu Jahr dichter und interessanter geworden. Schließlich haben die Mitgliedsvereine durch die Schaffung qualitativ hochwertiger Wettkampfbedingungen maßgebend dazu beigetragen, den Schachspitzensport in Deutschland zu fördern. Die Schachbundesliga entfaltet somit eine Vorbildfunktion, die mittlerweile auch international anerkannt ist. Dabei ist uns durchaus bewusst, dass wir noch viele Dinge verbessern können.

Bei all den positiven Entwicklungen darf man aber eben auch nicht vergessen, dass Schach nach wie vor eine Randsportart ist. Von daher bleibt es nach wie vor schwierig, bundesweit Finanzmittel einzuloben. Die Erstligaclubs gehen hier vor allem den Weg, regionale Sponsoren und lokale Mäzene anzusprechen. Das scheint zumindest in Grenzen zu funktionieren, ist aber eine von Jahr zu Jahr neue organisatorische Herausforderung für die zum großen Teil ehrenamtlich geführten Vereine. Dies ist sicher auch ein entscheidender Grund dafür, dass sich in den letzten Jahren leider der eine oder andere Club aus der 1. Liga verabschiedet hat. Ob hier eine Verkleinerung der Liga einen Königsweg darstellt, wird von den Mitgliedervereinen sehr umstritten diskutiert.

Welche Rolle spielt die Schachbundesliga in den Medien (FAZ, Süddeutsche Zeitung, Zeit, ARD, ZDF inklusive fehlender Bestückung der Ergebnisse der Schachbundesliga im Videotext, ARTE, 3Sat, Sport1, regionale Presse etc.)?

Ulrich Geilmann: Halten Sie tatsächlich eine Berichterstattung in Videotext noch für zeitgemäß? Auch ein gelegentlicher Bericht in Spartensendern wie ARTE oder 3Sat wird uns nicht wirklich weiterhelfen. Aber sei’s drum.

Gehört der Videotext denn Ihrer Auffassung nach ins Museum?

Ulrich Geilmann: Kann man so sagen! Einige Regionalsender bieten diesen Service aber an. Vielleicht starten Sie ja mal eine entsprechende Initiative beim Bayrischen Rundfunk! Doch zurück zu Ihrer Ausgangsfrage:

Schachsportliche Ereignisse werden von den Medien in erster Linie erst dann wahrgenommen, wenn sie einen Eventcharakter haben. Wir haben darauf reagiert, indem wir in den letzten Jahren zentrale Auftakt- und Schlussrunden auf den Weg gebracht haben. In diesem Jahr werden wir uns zum Saisonabschluss beispielsweise in Berlin treffen. Ich glaube, dass dieses Ereignis vermutlich tatsächlich bundesweite Aufmerksamkeit auch bei den von Ihnen angesprochenen überregionalen Print- und TV-Medien hervorrufen wird, zumal wir zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Schachsports eine gemeinsame Veranstaltung mit der Frauenbundesliga haben werden.

Ich bin mir allerdings unsicher, ob sich dieser Effekt verstetigen lässt. Zum einen bedeutet die Ausrichtung zentraler Runden einen hohen Finanzierungsbedarf und Organisationsaufwand, den unsere Mitgliedsvereine nur mit äußersten Kraftanstrengungen stemmen können. Zum anderen stellt sich das Problem, dass man unseren Sport live kaum massentauglich präsentieren kann. Eine Schachpartie, die in Ruhe über 5 Stunden geht,  ist eben nicht mit einem Ballspiel zu vergleichen, das nach 90 Minuten beendet ist und von Chorgesängen und Fanfaren begleitet wird. Deswegen spielt heute das Word-Wide-Web eine größere Rolle. Schach ist insoweit ein Internetsport geworden.

Die Ausrichtung zentraler Runden bedeutet für die Erstligavereine aber auch den bewussten Verzicht auf einen Heimkampf, d. h. den Verlust auf eine heimische Präsentationsmöglichkeit, und ist daher übrigens nicht unumstritten. Von daher müssen wir in Zukunft tatsächlich verstärkt darauf achten, dass solche Veranstaltungen tatsächlich höchsten Qualitätsstandards gerecht werden.

Immer wieder wird darüber diskutiert, doch einfach die Bedenkzeiten anzupassen, um medienwirksamer oder fernsehtauglich zu werden. Dem muss man entgegen halten, dass wir ja auch internationale Standards und Vorgaben einhalten müssen. Klar ist jedoch, dass eine drastische Verkürzung von Zeitvorgaben auch einen deutlichen Anstieg von Fehlern bedeutet. Möchte man das?

Übrigens lebt Öffentlichkeitsarbeit vom persönlichen Engagement. Oft entscheidet einfach auch nur der persönliche Kontakt, ob eine Berichterstattung in Magazinen oder Zeitschriften und im Radio oder Fernsehen erfolgt. Die Fernsehsendung „Schach der Großmeister“ wäre zum Beispiel ohne Claus Spahn nicht möglich gewesen.

Wer also darüber lamentiert, dass Schach nicht von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird, mag bedenken, dass das Schach in Deutschland heute mehrheitlich von unbezahlten Funktionären und nur wenigen Enthusiasten, die ihre Aufgaben mit viel Herzblut und privaten Eigenmitteln abwickeln, getragen wird. Wer was anderes will, möge Geld mitbringen! Allerdings funktioniert die lokale Berichterstattung immer dann ganz gut, wenn sich die einzelnen Vereine darum kümmern.

Auf eine Berichterstattung, die primär auf Skandalgeschichten oder die Darstellungen extrovertierter Schachnerds abhebt, verzichte ich schließlich auch gerne, mal abgesehen davon, dass diese Schlagzeilen unserem Sport langfristig schaden. Die Schachbundesliga steht dabei für Fairplay sowie Dopingfreiheit und verurteilt jegliche Form von Manipulation, insbesondere die Verwendung verbotener technischer Hilfsmittel.

Wie haben sich die Zuschauerzahlen entwickelt?

Da muss man unterscheiden:

Die Zuschauerresonanz vor Ort steht und fällt mit dem Rahmenprogramm, die der jeweilige Ausrichter anbietet. Die Schachbundesliga tritt dabei für vorbildliche Ausrichtung und öffentlichkeitswirksame Präsentation der in seinem Verantwortungsbereich durchgeführten Wettkämpfe ein. Hier gibt es gute Beispiele mit Partiekommentierung, Rahmenturnieren, Diskussionsrunden, Großmeistern zum Anfassen bis hin zu Kinderbetreuung und Catering in angenehmem Ambiente. Dies ist jedoch bedauerlicherweise nicht der Regelfall, so dass unsere Vereine bei der einen oder anderen Veranstaltung zugegeben noch nachrüsten müssen, um den Schachfans etwas zu bieten. Aber auch hier setzt oft das liebe Geld enge Grenzen.

Wir glauben übrigens, dass die Zuschauerresonanz an den Wettkampfstätten dann besser würde, wenn an Bundesligawochenenden parallel keine Schachwettkämpfe der nachgeordneten Ligen stattfinden würden. Eine entsprechende einheitliche Regelung wäre schön. Hier sind aber der Deutsche Schachbund und seine eigenständig agierenden Landesverbände gefragt.

Erlauben Sie eine kurze Zwischenfrage, Herr Geilmann? Kann man die Zuschauerresonanz vor Ort vielleicht einmal konkreter darstellen?

Ulrich Geilmann: Gerne, Herr Wiemer, auch wenn Sie die Beantwortung nicht ganz zufrieden stellen wird. Die Bundesligawochenenden werden von den Mitgliedsvereinen in Eigenverantwortung ausgetragen. Dabei werden die Zuschauerzahlen jedoch nicht stringent erfasst, weil die Clubs zum Beispiel keine Eintrittsgelder erheben. Nach meiner langjährigen Erfahrung als Teamchef schwanken die Besucherzahlen jedoch je nach Event durchschnittlich im einem zwei- bis dreistelligen Bereich. Da müssen wir noch besser werden. Bei einer zentralen Runde können in der Gesamtbetrachtung des Wochenendes aber gut und gerne auch einmal vierstellige Personenzahlen erreicht werden.

Mit der Resonanz, die wir auf unserer Liveübertragung, Homepage und Facebook-Seite haben, sind wir momentan allerdings durchaus zufrieden. Die Zugriffszahlen der Liveübertragung (derzeit durchschnittlich mehr als 11.300 Zuschauer pro Wettkampfwochenende) sind gerade im letzten Jahr deutlich angestiegen. Wir registrierten hier fast 44.300 PageImpressions pro Wochenende. Verglichen mit den letztjährigen Ergebnissen ist das eine Steigerung von knapp 60 %. Zudem sind ChessBase und Chess24 kompetente und zuverlässige Kooperationspartner. Heute ist dieser für den User weitestgehend kostenlose Dienst quasi Normalität, deshalb darf man an dieser Stelle auch einmal daran erinnern, dass die Schachbundesliga diesen Service erst zum internationalen Standard gemacht hat.

Wie schätzen Sie die Spielstärkeentwicklung der Schachbundesliga ein?

Ulrich Geilmann: Nun, ich glaube, dass die Schachbundesliga zu Recht von sich behauptet, die vermutlich stärkste Schachliga der Welt zu sein. Sie ist somit nicht nur für Weltklassespieler eine interessante Plattform. Die Schachbundesliga versteht sich dabei als zentraler Baustein des Ligaspielbetriebes im deutschen Schach.

Klar ist aber auch, dass dadurch die Finanz- und Arbeitslast der Vereine weiter gestiegen ist und damit durchaus eine Kluft zwischen der Bundesliga und den noch regional organisierten 2. Ligen entstanden ist. Insofern wird vielleicht verständlicher, wieso sich mancher Zweitligaverein schwer tut, sein hart erkämpftes Aufsichtsrecht auch tatsächlich wahrzunehmen.

Wie alles im Leben, hat die positive Spielstärkeentwicklung damit mindestens zwei Seiten.

Von daher müssen alle Reformansätze in der 1. Liga auch mögliche Effekte für die 2. Bundesligen und alle nachfolgenden Spielklassen berücksichtigen. Deshalb kann es immer nur mehrdimensionale Antworten geben, wenn man in diesem Zusammenhang die Entwicklung des deutschen Spitzenschachs, Ausländerregelungen oder die Jugendförderung der Vereine, die sicher sein muss, anspricht, was ja auch mit schöner Regelmäßigkeit getan wird. Hier sind wir mit dem Deutschen Schachbund in engem Austausch.

Patentrezepte gibt es aber eben nicht!

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und weiterhin Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg mit der Schachbundesliga.

Hier geht es zur offiziellen Webseite der schachbundesliga.

Nachdenkenswert #459

,,Was als Turnier mit 108 Teilnehmern begann, mündete schließlich in einem Fernduell, das sich Sergey Karjakin und Magnus Carlsen in Doha lieferten. Die Konkurrenz auf Abstand haltend, zogen die beiden Kontrahenten ein großes Spektakel ab, das Karjakin schlussendlich hauchdünn für sich entscheiden konnte.“

Marco Baldauf, mit einem lesenswerten Bericht über den Sieg von Sergey Karjakin bei der spektakulären Blitzweltmeisterschaft in Doha auf ChessBase. Karjakin kann also vorzeitig die Champagnerkorken knallen lassen. Das die Hauptstadt von Katar solche Schachevents austrägt ist auch ein spannendes Thema, dem man sich bei Gelegenheit widmen kann. 

,,Die Weihnachtsgans hatten wir anscheinend im ersten Satz noch nicht so richtig verdaut.“

Man muss ihn einfach mögen. Die Rede ist von Vital Heynen. Der belgische Chefcoach des Volleyball-Bundesligisten VfB Friedrichshafen ist immer für einen Spruch gut. So auch nach dem Spiel beim TV Rottenburg, wo Deutschlands Vizemeister den ersten Satz an die Gastgeber abgeben musste. Vital Heynen mit dem ihm eigenen Charme und gewohnter Schlagfertigkeit:

,,Die Weihnachtsgans hatten wir anscheinend im ersten Satz noch nicht so richtig verdaut.“

Am Ende stand ein verdienter 3:1 (19:25, 25:18, 25:13, 25:18) Sieg für die Häfler zu Buche. Derbysieg nach Weihnachten, es gibt Bonuspunkte von Seiten der Fans.

Foto:  © Michael Wiemer

Schwenk zum Schach am Bodensee. Der traditionsreiche Schachklub Bregenz 1920 powert seit Jahren kontinuierlich. Am Freitag, den 6. Januar 2017 steht das 32. Int. Dreikönig-Turnier in der Festspielstadt auf österreichischer Seite am Bodensee an. Spiellokal ist Gosserbräu (Saal) in Bregenz. Das Turnier ist zugleich die Vorarlberger Schnellschach-Einzelmeisterschaft. Hier geht es zur Online-Anmeldung. Im vergangenen Int. Dreikönig-Turnier im Januar 2016 nahmen 120 Schachspieler inklusive 15 Titelträgern aus 12 Ländern teil. IM Titas Stremavicius (Litauen) gewann vor GM Vladimir Gurevich (Ukraine), GM IImars Starostits (Litauen) und IM Nedeljko Kelecevic (Winterthur).

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Die Towerstars gingen mit Coach Daniel Naud in die DEL2 Saison 2016/2017. Im Herbst gab es dann einen Wechsel auf der Trainerbank. Naud folgte Krinner. Jetzt teilen die Ravensburg Towerstars die vorzeitige um zwei Spielzeiten verlängerte Zusammenarbeit mit Toni Krinner mit. Die Details gibt es hier. +++ Handball: Andreas Joas haut erfreut für die HSG Konstanz in die Tastatur und merkt an: ,,Der Junge hat einfach Selbstbewusstsein. Und ist eine Kämpfernatur. So ist es wenig verwunderlich, wenn Paul Kaletsch direkt nach dem Kraftakt gegen Neuhausen, der mit dem vierten Heimsieg belohnt wurde, erschöpft, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht verrät: „So ein Spiel am zweiten Weihnachtsfeiertag ist eine Kopfsache, eine Willensfrage. Die musst du in der Abwehr, nicht vorne abliefern. Das haben wir gut gemacht und Neuhausen so seiner Stärken beraubt.“ Spiegelbild für das gesamte Spieljahr mit vielen Höhen und einigen Tiefen war – wie für die HSG Konstanz insgesamt – noch einmal dieses letzte Spiel im Jahr 2016 gegen Neuhausen. Ein furioser Start, dann eine Schwächephase und ein stärker werdender Gegner, schließlich Hochspannung und am Ende, wie so oft, ein irres Ende mit einem verrückten Schlusspunkt. Und dem Happy End.“ +++ Eishockey: Gekämpft, Gedrückt, Geschossen – aber auch immer wieder gescheitert – das ist die ernüchternde Bilanz der Eishockey-Cracks der EV Lindau Islanders nach dem Spiel gegen den EV Landshut. Die Inselstädter vom Bodensee verloren mehr als unglücklich mit 1:2 (1:2, 0:0, 0:0). Doch es geht sofort weiter. Bereits an diesem letzten Freitag des Jahres 2016 um 19.30 Uhr geht es für die Lindauer beim Auswärtsspiel in Bad Tölz weiter.