Inflationäre Anzahl von Rezensionen zum neuen Bobby Fischer Film: Bauernopfer – Spiel der Könige

Guten Tag.

Meine zahlreichen treuen Stammleser von sportinsider wissen von meinem Faible für Bobby Fischer und das denkwürdige Schachmatch des Jahrhundert 1972 in Reykjavik gegen den amtierenden Champion Boris Spasskij. Der selbstbewusste amerikanische Großmeister gegen den Titelverteidiger aus Leningrad. In Zeiten des von Propaganda auf den nationalen Seiten flankierten elenden kalten Krieges sollten beide stellvertretend die Systemfrage entscheiden. Dabei waren die zwei herausragenden Schachspieler und Persönlichkeiten alles andere als stromlinienförmige Protagonisten ihrer jeweiligen herrschenden Gesellschaftssysteme.

Foto: © Michael Wiemer

Das langersehnte Duell zwischen Herausforderer und Schachweltmeister fand in der Sport- und Veranstaltungshalle Laugardalshöllin vom 11. Juli bis zum 1. September in der isländischen Hauptstadt statt. Die internationale Schachwelt atmete auf. Bisweilen stand der Wettkampf auf der Kippe wie aktuell der Einzug von Bayern München gegen die Leidenschaftsmonster (Copyright von Sportvorstand Matthias Sammer, den ich noch im Dress der SG Dynamo Dresden spielen sah) von Atletico Madrid ins ersehnte Champions-League-Finale von Mailand.

Die Vorgeschichte zum Schachmatch des Jahrhunderts füllt ganze Bände in gut sortierten Schachbibliotheken. Beharrliche Auseinandersetzungen um den Spielort der Weltmeisterschaft, der hartnäckige und erfolgreiche Kampf von Fischer für adäquate Preisgelder, sein konzentriertes Ringen um optimale Spielbedingungen und der eine oder andere legendäre Spruch füllten zahlreiche Sendungen, Zeitungsspalten und Radiobeiträge. Es zog ein anderes Selbstverständnis in die Schachszene ein.

Zur Zeit gibt es in Deutschland eine fast inflationär zu nennende Anzahl von Rezensionen zum neuen Bobby Fischer Film. In Bayernopfer – Spiel der Könige: Neuer Bobby Fischer Film läuft in Deutschland an habe ich auf einige inklusive Verlinkungen hingewiesen. Quotenmeter, NDR, Süddeutsche, Südtiroler Tageszeitung online und Ruhr Nachrichten. Auch im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine gibt es von Jürgen Kaube unter dem Titel Übermenschen des Schachs eine Filmkritik zu lesen. Der HAT-Tip geht an Fred Kowasch, den Gründer und Spiritus Rector vom investigativen interpool.tv.

Warum es von mir zum neuen Bobby Fischer Film keine objektive Rezension geben kann

Stammleser kennen meinen Faible für Bobby Fischer. Bereits beim Film Bobby Fischer: Zug um Zug in den Wahnsinn schrieb ich einst am 7. Dezember 2011 über die Unmöglichkeit einer objektiven Rezension und merkte einleitend an:

,,Ich habe keine Fernsehzeitung. Doch die wichtigen Sendungen erreichen einen auch per Hinweis aus der Leserschaft. Schach im TV. Es war keine verlorene Lebenszeit. Die 90-minütige Dokumentation auf arte von Liz Garbus über den begnadeten Schachweltmeister von 1972. Dortmund gegen Marseille war nie eine ernsthafte Option. 22.00 Uhr war am Dienstagabend arte Zeit. Zug um Zug in den Wahnsinn – Die Legende von Bobby Fischer. Ich habe jede Minute des Films intensiv eingeatmet. Klar, ich bin Fischer Fan. Habe das Schachmatch des Jahrhunderts 1972 aus der Perspektive eines damals 9-Jährigen erlebt. Emotional tief verankert.“

Ich bin also befangen bei Bobby Fischer.

Damals schrieb ich am Ende des Artikels folgende Worte:

,,Das Leben von Bobby Fischer passt freilich nicht in einen 90-minütigen Film. Alleine über das Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik 1972  könnte es einen mehrstündigen Dokumentationsfilm geben. Würde ich mir den Film Zug um Zug in den Wahnsinn auch im Kino anschauen? Ist das Werk auch Nicht-Schachspielern zu empfehlen? Wird der Mythos Fischer zerstört mit dieser Doku? Diese Fragen kann und will ich jetzt gar nicht abschließend beantworten. Vielleicht braucht es da auch bei mir etwas Bedenkzeit.“

Ich bin nach wie vor Bobby Fischer Fan, kenne zahlreiche Stellen aus der von meinem Vater mir vererbten Schachbibel auswendig und atme seit Jahrzehnten alle Puzzlesteine von Bobby Fischers Leben auf.

Fotos:  © Michael Wiemer

Mein Vater erlebte Bobby Fischer noch live bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig. In dem Duell mit Michail Tal, den damaligen Weltmeister und genialen Schachgeist. Dieses Foto ging um die Welt. Wahnsinn. Was für ein Moment. Während der Schacholympiade lernte mein Vater meine Mutter kennen. 3 Jahre später kam ich auf die Welt.

Nein, ich bin wahrlich nicht unbefangen in Sachen objektiver Rezension eines Bobby Fischer Films. Meine Leserschaft wird (hoffentlich) dafür Verständnis haben müssen.

Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Bauernopfer – Spiel der Könige: Neuer Bobby Fischer Film läuft in Deutschland an

Da sage noch einer Schachexperten wie Michael Wiemer würden nicht akribische Vorarbeit leisten. Am 10. Juni 2015 schrieb ich hier auf sportinsider einen Artikel unter dem Titel Ein neuer Bobby Fischer Film kommt in die Kinos – Pawn Sacrifice und leitete ihn mit folgenden Worten ein:

,,Es waren aufregende Zeiten. 1972 wurden Heerscharen von Journalisten aus aller Welt von ihren Chefs nach Island beordert. Zahlreiche Herren der schreibenden Zunft konnten dabei nicht Schach spielen, sollten aber über viele Wochen von einem Schachkampf berichten, der zu einem Duell der Systeme hochstilisiert wurde. Der smarte Amerikaner Bobby Fischer, Schachgenie, Individualist, Einzelgänger und mit einem IQ von 184 wollte eine 25 Jahre währende russische Vorherrschaft im Schach herausfordern.“

Es war die Vorschau auf einen Film der 2015 in den amerikanischen Kinos anlief.  Im Oktober des vergangenen Jahres feierte der Bobby Fischer Film in Berlin anlässlich der Blitz- und Schnellschach-Weltmeisterschaft seine Premiere in Deutschland. Jetzt kommt der Streifen in die deutschen Kinosääle. Start ist der 28 April. In Deutschland läuft der Film unter dem Titel Bauernopfer – Spiel der Könige. Edward Zwick hat den Aufstieg vom talentierten jungen Schachspieler Bobby Fischer zum Schachweltmeister in Szene gesetzt. Er nimmt sich auch der mentalen Probleme des Schachgenies an. Vorlage war das Buch von Steven Knight. Die Filmmusik steuert James Newton Howard bei. Der Film läuft unter dem Genre Biopic / Thriller. An der Kamera stand Bradford Young. Die Schauspieler sind Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Edward Zinoviev, Alexandre Gorchkov, Lily Rabe, Robin Weigert. Die Laufzeit beträgt 115 Minuten.

Erste Kritiken gibt es ebenfalls zu lesen. Ich pack sie einfach mal gebündelt zusammen.

Als mentale Einstimmung hier der Trailer, Vorhang auf!

 

Reblog: Sport am Bodensee: Die eleganten Riva Boote fernab vom TV

Guten Morgen.

Kann sich jemand noch an das Wehklagen von ARD und ZDF im vergangenen Jahr nach dem Verlust der TV-Rechte in Sachen Olympische Spiele 2018 bis 2014 erinnern? Bild legte den Finger in die Wunde und schrieb in Sachen Axel Balkausky und seiner Reaktion nach der Niederlage von ARD und Co. im Kampf um die Fernsehrechte unter dem Titel: Weniger Randsportarten in ARD und ZDF

,,ARD-Sportchef Axel Bakaulsky droht nach Olympia-Deal mit Eurosport.“

Drohungen weniger Randsportarten in ARD und ZDF zu bringen sind natürlich ein Schenkelklopfer. Deutschlands Volleyballfans zum Beispiel ziehen sich die Spiele legal und bequem aus dem Netz von sportdeutschland.tv oder Schachfreunde die beim WM-Kandidatenturnier 2016 in Moskau traditionell miterleben konnten, das dem Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen die Kraft selbst für Zweizeiler im Videotext zum internationalen Sporthighlight des königlichen Spiels fehlte, haben mit ChessBase Kompetenz in Sachen Berichterstattung. Da bedarf es der ARD oder des ZDF nicht.

Gelegenheit an einen Artikel hier auf sportinsider aus dem Archiv zu erinnern:

Reblog: [vom 02. Juli 2015] Sport am Bodensee: Die eleganten Riva Boote fernab vom TV

Nein, so elegant wie sich vorige Woche die italienischen Stilikonen von Carlo Riva hier am Bodensee bei den 4. Riva Classics zeigten, waren die Reaktionen von ARD und ZDF auf die Vergabe der TV-Rechte in Sachen Olympische Spiele 2018 bis 2024 nicht.

Traveler Digital Camera

Foto:  © Michael Wiemer

Da wäre zum Beispiel die Argumentationskette vom ARD-Sportkoordinator Balkausky. Vielleicht gar ein Beispiel für das Medienlehrbuch, wenn sonst hofierte Sender im Kampf um die Übertragungsrechte bei der Vergabe mit leeren Händen dastehen.  Meedia brachte ein Interview von Michael Rossmann (dpa) mit Axel Balkausky unter der griffigen Überschrift ARD-Sportkoordinator Balkausky zur Olympia-Schlappe: „Kampf um TV-Rechte hat eine neue Dimension erfahren.“

,,Zunächst einmal respektieren wir den Verkauf der europaweiten Übertragungsrechte an Discovery und Eurosport als Entscheidung des IOC für eine Neuorientierung bei der Vergabe seiner Medienrechte. Ob es seitens des IOC nicht partnerschaftlicher gewesen wäre, ARD und ZDF als jahrzehntelange Partner deutlich früher als die breite Öffentlichkeit über den Verkauf an Discovery zu informieren, das sollte sich das IOC einmal selbst fragen.“

Discovery Channel sponserte einst ein teures Radsportteam und stellte 2005 mit Lance Armstrong den Tour de France Sieger. Okay, dieses Ergebnis ist mittlerweile Makulatur. Wegen Dopings wurde dieser Sieg nachträglich gestrichen. Das kolportierte Budget soll 12 Millionen US-Dollar pro Jahr betragen haben. Nach der Saison 2007 beendete Discovery Channel sein Sponsorship im skandalumwehten und durchgeschüttelten Radsport.

Der Olympia Coup von Discovery wird auch im Tagesspiegel behandelt. Sonja Álvarez leitet Ihren Artikel unter dem Titel Dabei sein ist alles mit den folgenden Worten ein:

,,Die ARD reagiert trotzig, Sportverbände sorgen sich um die Qualität der Berichterstattung: Reaktionen nach der Vergabe der Übertragungsrechte für die olympischen Spiele an Discovery.“

Eingesammelt hat Sonja Álvarez dann Stimmen von Dagmar Freitag, Alfons Hörmann, Siegfried Kaidel, Clemens Prokop sowie Axel Balkausky.  Dagmar Freitag ist übrigens Parteimitglied der SPD, jener heftige Wahlniederlagen sammelnden Partei, die kürzlich auf ihrem Parteikonvent die Vorratsdatenspeicherung durchwinkte. Auch Jens Weinreich hat ein paar Zeilen in die Tastatur gegeben. Auf Spiegel Online dröselt er die Thematik auf unter der Überschrift Olympia-TV-Deal: Warum ARD und ZDF zunächst draußen sind.

Foto:  © Michael Wiemer

Jetzt hat also Discovery die Hände am Steuer in Sachen TV-Rechte für Olympia. Die Welt fragt ganz ohne Ehrfurcht: Die Olympischen Spiele ohne ARD und ZDF! Na und? Während dessen hat sich auch die FAZ in Person von Michael Hanfeld Gedanken um den Mega-Deal pro Discovery und kontra der Öffentlich-Rechtlichen gemacht und befindet unter dem Titel ARD und ZDF wollen nicht bloß am Boden turnen:

,,Ein historischer Tag für Discovery-Chef David Zaslav, ein erschütternder für die Intendanten von ARD und ZDF: Der Discovery-Konzern hat die Olympia-Rechte gekauft. Was folgt daraus für die Sender und die Zuschauer?“

Des einen Jubel, des anderen Ärger. Es können nicht immer alle gewinnen. Das war definitiv nicht der Tag für ARD und ZDF. Autor Hanfeld, verantwortlicher Redakteur vom Feuilleton der FAZ, hätte dabei auch gerne in die Gesichter der Intendanten geschaut:

,,In die langen Gesichter der Intendanten von ARD und ZDF hätte man am Montag gern gesehen. Bass erstaunt waren sie, die gewohnt sind, Spitzensport jeder Art jederzeit im Programm zu haben. Nun nicht mehr: Die Olympischen Spiele sind für die Jahre 2018 bis 2024 erst einmal weg. Der amerikanische Discovery-Konzern, zu dem der Sender Eurosport gehört, hat für 1,3 Milliarden Euro die Senderechte an zwei Olympischen Sommer- und zwei Winterspielen gekauft.“

Eurosport wurde einst von Rudolf Scharping geadelt. Der Präsident des Bundes Deutscher Radrennfahrer konnte sich dabei 2011 einen Seitenhieb auf ARD und ZDF nicht verkneifen:

,,Das ist eine souveräne Entscheidung von ARD und ZDF. Es zeigt, dass die Produktion einer Telenovela offensichtlich billiger ist als eine Radsport-Übertragung – die findet dann eben bei Eurosport statt.”

So der einstige Verteidigungsminister und Jan Ullrich Fan zum Ausstieg von ARD + ZDF aus der LIVE-Berichterstattung der Tour de France 2012 gegenüber dpa Anfang des Jahres 2011.

Foto:  © Michael Wiemer

Vielleicht ist Fernsehen aber auch total überbewertet. Und machen wir uns doch nichts vor, Menschen die ohne Fernseher leben, sind oft die Zeitgenossen mit dem größeren Zeitbudget. Sehr belesen, produktiv, aktiv in Sachen Sport – also der eigenen Bewegung an frischer Luft. Informiert sind sie oft auch noch besser, weil sie sich keine Talk-Shows von Plasberg, Jauch, Will, Maischberger und Co. reinziehen. Oder starr auf dem Sofa sitzen und sich irgendwelche Nachrichten mit vorgefertigten Meinungen von schlecht angezogenen Nachrichtensprechern vorlesen lassen, ist ja nun wirklich nicht sehr aufbauend. Menschen ohne Fernsehkonsum, einige kenne ich persönlich, sind in der Regel auch sehr ausgeglichen. Fernsehzeit ist für sie vergeudetes Leben. Sie nutzen die gewonnene Lebenszeit gerne auch für gut recherchierte englischsprachige Artikel und investieren in Lesezeit oder nutzen das Internet gezielt für die Suche nach Informationen fernab des Mainstreams.

Foto:  © Michael Wiemer

Hier am Bodensee ist der Sommer schön. Die Temperaturen angenehm warm. Wehklagen über Hitze gibt es hier nicht. Übrigens die 4. Riva Classics Bodensee fand auch so ganz ohne Übertragungen von ARD und ZDF statt. Gestört hat das hier niemanden.

Foto:  © Michael Wiemer

Derweil ist der Juli auch bereits angelaufen und der Blick auf den Sportkalender am Bodensee zeigt einige durchaus interessante Veranstaltungen.

Schachverein Friedrichshafen mit neuem Spiellokal. Abschied vom Hotel Schlossgarten.

In jedem Schachverein Deutschlands kommt dem Spiellokal eine besondere Bedeutung zu. Das Spiellokal ist Heimstätte der Vereinsabende, Austragungsort der Heimpunktspiele oder der anspruchsvollen Vereinsmeisterschaften sowie der mit Büffet umrahmten Weihnachtsturniere und der umkämpften Blitzschachevents. Es ist auch die Begegnungsstätte der älteren Spieler und der talentierten schachbegeisterten Jugend. Der 1920 gegründete SV Friedrichshafen hatte das große Glück 1950 mit dem Hotel Schlossgarten in der Zeppelinstadt ein zuverlässiges Spiellokal zu bekommen. Doch jede Zeit hat auch ihr Ende. Am 1. April 2016 gab es durch die langjährige Wirtin Petra Maier im Schlossgarten ein Abschiedsbüffet für den SV Friedrichshafen. Neues Spiellokal wird das Hotel Traube in Friedrichshafen / Waggershausen für den Traditionsschachverein sein.

Petra Maier war immer eine zuverlässige, organisatorisch engagierte und warmherzige Gastgeberin. Zusammen mit ihrem Team gab sie dem SV Friedrichshafen immer den notwendigen Rückhalt einer allseits beliebten Spielstätte der Häfler Schachspieler.

Das Hotel Schlossgarten erlebte zahlreiche Höhepunkte des königlichen Spiels Schach. Selbst ein Großmeister gab seine Visitenkarte in der Zeppelinstadt ab. Dies ist für jeden Schachverein und sein Spiellokal eine Sternstunde. In den Siebzigern spielte der SV Friedrichshafen in der Oberliga Württemberg, der damaligen höchsten Spielklasse Deutschlands. Die Schachbundesliga war noch nicht gegründet. Der mehrfache Vereinsmeister Peter Kalker traf mit der Häfler Mannschaft im Hotel Schlossgarten auf den Großmeister Klaus Darga mit dem Team aus Stuttgart. Zur Erinnerung: Klaus Darga zählte damals zu den stärksten Schachspielern Deutschlands. So wurde er für den 1970 ausgetragenen Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt in die Weltauswahl berufen. In Belgrad kam er jedoch nicht zum Einsatz. Zwischen 1954 und 1978 nahm Großmeister Darga mit Deutschland an insgesamt zehn Schacholympiaden teil.

Foto:  © Michael Wiemer

Doch auch auf der ganz normalen schachlichen Ebene gab es zahlreiche schöne und bemerkenswerte Momente. So trug der SV Friedrichshafen den traditionellen 20. Nikolaus-Cup im Dezember 2015 im Schlossgarten aus. Auch das jährliche Weihnachtsessen mit flankierendem Blitzturnier war fester Bestandteil des Schachlebens im beliebten Spiellokal. Auch Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen fanden bei Wirtin Petra Maier statt, die stets auch für den kulinarischen Rahmen sorgte. Dafür gebührt ihr Dank und Anerkennungen. Der Schlossgarten war zuletzt auch zuverlässige Heimstätte für die Punktspiele der 1. Mannschaft in der Landesliga Oberschwaben, der 2. Mannschaft in der Bezirksliga OS Süd und der 3. Mannschaft in der Spielklasse A-Klasse OS Süd.

Neues Spiellokal ab April 2016 ist das Hotel Traube in Friedrichshafen / Waggerhausen. Vereinsabend ist immer Freitag um 19.30 Uhr. Herzlich eingeladen sind Interessierte Schachfreunde, Jugendliche mit einem Faible für das königliche Spiel und Kiebitze. Die Schachjugend trifft sich jeden Dienstag (außer Ferien) von 17 h bis 18.30h im KMG Zimmer 00.170 gegenüber dem großen Pausenhof.

Als Sergey Karjakin mit Magnus Carlsen in Moskau Metro fuhr

Nein, ich habe keine Berührungsängste mit russischen Websiten.

In puncto Schachberichterstattung sind sie den deutschen Online Seiten der medialen Flaggschiffe wie FAZ, Südddeutsche Zeitung, Zeit oder Spiegel so überlegen wie einst die sowjetische Schachära dem Westen zwischen 1948 und 1969. Nehmen wir nur das Wochenmagazin Zeit. Sie haben seit Jahren einen Mehrautorenschachblog mit Johannes Fischer, Ilja Schneider und Dennes Abel. Doch in Sachen Power und Kontinuität konnte man den Lakmustest kürzlich beim Schach-WM Kandidatenturnier im März in Moskau machen. Zum auf 14-Runden veranschlagten Schachhighlight erschienen ganze 5 (kein Schreibfehler) Beiträge auf dem Schachblog von Zeit Online. Das ist wenig. Der letzte Beitrag zum WM-Kandidatenturnier erschien auf dem Mehrautorenblog am 20. März um 21.22 Uhr von Johannes Fischer unter dem Titel Kandidatenturnier 2016: Karjakin und Aronjan immer noch in Führung. Da waren 8 von 14 Runden in der russischen Metropole gespielt.

Aber wir wollen uns gar nicht an Zeit Online festbeißen. Da gab es ja dieses Jahr bereits heftige Diskussionen in Deutschland nach dem Eilenberger Text zum fehlenden Migrationshintergrund der Deutschen Handballnationalmannschaft. Die Kritik am polemischen Text von Eilenberger führte zu einem Abschalten der Kommentare unter dem Artikel bei Zeit Online. Handball-world.com las dem bis dato nicht durch Handball-Expertise aufgefallenen Wolfram Eilenberger die Leviten unter dem Titel: Weltanschaung: Versenkt im Sehnsuchtsloch oder Kabinenpredigt für Eilenberger.

In Sachen Power und Kontinuität der Schachberichterstattung konnte mich auch ein Johannes Aumüller bei der Süddeutschen Zeitung nicht hinter dem Ofen vor locken. Doch wir wollen die eingangs erwähnten russischen Websiten nicht aus dem Auge verlieren. Sei es das Interview auf sport-express.ru mit Herausforderer Sergey Karjakin über das millionenschwere Superteam hinter dem Norweger Magnus Carlsen und den eigenen Bestrebungen mit Hilfe von russischen Sponsoren und Russlands Sportminister Mutko so ein Team zusammenzustellen. Oder auch das bemerkenswerte Interview mit Boris Spasskij.

Ilja Triswjatski schrieb vor zwei Jahren am 14. April 2014 auf Russia Beyond the Headlines einen Artikel unter dem Titel Sergey Karjakin: Russlands neuer Schach-König und ließ den Großmeister eine kleine Anekdote erzählen:

„Jeder, der denkt, dass Carlsen und ich Erzfeinde sind, liegt falsch. Wir sind nur dann Gegner, wenn wir einander in einem Schachspiel gegenübersitzen. Außerhalb der Turniere sind wir Freunde. Wir schreiben uns häufig über das Internet und telefonieren über Skype. Ich kann mich beispielsweise noch daran erinnern, als er und ich in Moskau während eines Turniers bis in die frühen Morgenstunden kegeln waren. Als wir uns um sechs Uhr schließlich voneinander verabschiedeten, wollte Magnus plötzlich unbedingt wissen, wie unsere Metro aussieht. Wir gingen also in eine Metrostation hinein, wo uns auf einmal einige Jungs entgegenliefen. Wir waren zuerst etwas erschrocken, aber es stellte sich heraus, dass die Jungs Carlsen erkannt hatten und einfach nur ein Foto mit ihm machen wollten. Magnus war ziemlich erstaunt.“

Das lasse ich mal so stehen.

Meinen Lesern wünsche ich eine schöne Woche.

Nachdenkenswert #386

,,Wie teuer das ist, sollte man Carlsen fragen. Magnus wird großartig unterstützt. Ich kann keine Namen nennen, aber da gibt es ein paar sehr bekannte und erstklassige Großmeister, die zu seinem inoffiziellen Stab gehören. Wenn Magnus isst, schläft oder Fußball spielt, arbeiten kluge Köpfe für ihn und spielen ihm neue Ideen zu. Carlsen bekommt alles auf den Rechner. Jeden Tag erhält er neue Varianten, von denen er auswählt, was ihm zusagt. Außerdem hat er persönliche Sporttrainer, Masseure, Ärzte und Leute, die sich professionell um die Medienarbeit kümmern. Dann gibt es noch seinen supermodernen leistungsstarken Computer, ohne den nichts läuft. Magnus kann an jedem beliebigen Ort der Welt ein Trainingslager organisieren. Das alles zusammen kostet Millionen von Euros. Der Norweger kann es sich erlauben, weil er vom Staat und ungefähr zehn persönlichen Sponsoren unterstützt wird.“

Sergey Karjakin, (26), russischer Herausforderer von Schachweltmeister Magnus Carlsen im Interview mit sport-express.ru in der deutschen Übersetzung auf chessbase. Der WM-Kandidatenturnier Sieger von Moskau 2016 will sich ebenfalls ein Superteam wie der Norweger Carlsen zusammenstellen. Karjakin war 2009 vom ukrainischen Schachverband zum russischen Schachverband gewechselt um seine Förderung auf ein höheres Niveau zu stellen. Russlands Sportminister Witali Mutko hat dem Schachgroßmeister bei einem persönlichen Empfang nach dem Sieg von Moskau die notwendige Unterstützung zugesagt. Mit einem Superteam im Rücken fühlt sich Karjakin bereit dem Weltmeister im November in New York Paroli zu bieten.