Hinz und Kunz über Schweizer Beton

Hinz: Hallo Kunz. Die erste richtige Überraschung im Turnier.

Kunz: Grüß Dich Hinz. Herr Ober, bitte zwei Swiss Coffee mit Kirschwasser & Sahne.

Hinz: Ottmar Hitzfeld wurde ja bei Spox zum Trainer des Jahrzehnts gewählt. Hattest Du ihm so eine Nummer mit der Nati zugetraut?

Kunz: Die Vorbereitungsspiele waren vom Ergebnis her mager. Doch dies sind ja oft Exemplare ohne Wert.  Andererseits ist Hitzfeld ein Fuchs und die Schweizer sind auf dem Weg einen neuen Defensivrekord bei WM Endrunden zu betonieren. 484 Minuten stehen zur Zeit zu Buche. Um die italienische Marke zu knacken bedarf es gegen Chile noch 67 Minuten ohne Gegentor. Ich habe noch das Offizielle Programm vom Finalspiel der EURO 2008. Dort sind alle Mannschaften vorgestellt. Bei der Schweiz hieß es bei den Stärken:

,,eingespielte Mannschaft mit viel individueller Klasse und internationaler Erfahrung / kompakte Defensive / starker Torwart Benaglio“ 

Hinz: Gab es auch etwas zu den Schwächen? Unser Swiss Coffee mit Kirschwasser und Sahne kommt. Herr Ober, Danke.

Kunz: Hinz, Du willst es wieder genau wissen. Bei den Schwächen gab es folgenden Text:

,,Im Sturm zu viele Verletzungssorgen (z.B. Streller) / vor eigenem Publikum müssen die Spieler dem Druck standhalten.“

Hinz: Was hat eigentlich das Programmheft damals gekostet?

Kunz: 10 Euro. Du brauchst Dir keine Mühe zu geben. Es bleibt in meinem Besitz.

Hinz: Die Schweiz gewann ja 2002 in Dänemark die UEFA U17 Europameisterschaft. Im Viertelfinale, Halbfinale und Finale gab es in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung im Endspiel gegen Frankreich auch kein Gegentor. Am Schweizer Beton bissen sich die Gegner die Zähne aus. Übrigens bester Spieler des Turniers damals in Dänemark war ein gewisser Wayne Rooney.

Kunz: Du brillierst ja mit Wissen. Und das ganz ohne Wikipedia. Du hast in der Schule bereits immer das Kopfrechnen oder die Zuordnung des Bauernkrieges in die richtige zeitliche Epoche im Geschichtsunterricht drauf gehabt.

Hinz: Meine Gehirnzellen sind in gutem muskulösen Zustand.

Kunz: Okay, dann glänze ich jetzt auch einmal. Weißt Du noch wer 2006 der Akteur mit der Auszeichnung – Der Goldene Spieler- bei der U-17 geehrt wurden war? Ich will die Antwort selber geben: Toni Kroos.

Hinz: Oh, es ist schon spät. Der Swiss Coffee war eine gute Idee. 

Kunz: Ich übernehm heute die Rechnung.

Hinz und Kunz über sehenswerte Fotos von der WM

Hinz: Hallo Kunz. Schön Dich zu sehen.

Kunz: Grüß Dich Hinz. Herr Ober, zwei Kaffee und ein Glas Wasser.

Hinz: Multitasking hast Du drauf. Geschmeidige Bestellung beim Ober und Du bist nebenbei so an Deinem Laptop vertieft.

Kunz: Ich schaue mir gerade auf dem Schlepptop grandiose Fotos von der WM an. The Big Picture auf Boston.com, phantastische Bilder. Hinz, schau sie Dir in Ruhe an.

Hinz: Unser Kaffee kommt. Danke. Ups, geniale Fotos. (Hinz nimmt sich Zeit). Das beste was ich bisher während der WM gesehen habe. Du hattest mir einst bei den Spielen von Vancouver bereits Fotos von der Boston Seite gezeigt. Ich bin emotional richtig aufgewühlt. Ich bin begeistert. Die Bilder 10, 17, 21 und 34 sind meine Favoriten. Dabei ist jedes Foto ein Kunstwerk für sich. Ich habe großen Respekt vor den Fotografen.

Kunz: Ich auch. Der Kaffee ist wieder röstfrisch, wie ich es gerne mag.

Ein Verlängerter in Wien

© Rainer Sturm: Pixelio 

Hinz: Lieber Kunz, es ist jedes Mal mit Dir inspirierend. Langsam möchte ich mich bei Dir erkenntlich zeigen.

Kunz: Gemach, gemach. Übernimm die Rechnung und es passt.

Hinz: Du scheinst übrigens recht zu haben, die WM beginnt erst so richtig nach der Vorrunde. Jetzt ist wirklich noch viel Geplänkel dabei. Ich übernehm die Rechnung. Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag.

Hinz und Kunz über Magath, Red Bull und RB Leipzig

Hinz: Hallo Kunz. Ich war ja etwas irritiert dieser Tage über die Zeitungsgerüchte und ein etwaiges Engagement von Felix Magath beim Fußballprojekt von Red Bull, dem Neuling in der vierten Klasse, RB Leipzig. Ich mußte bei der Geschichte auch an unser Gespräch im November über Red Bull und die Bundesliga denken. Du hattest ja den Aufstieg und den Umzug ins Zentralstadion vorausgesagt.

,,Sportlich ist die Mannschaft auf dem richtigen Weg. Die Tabellenführung wirkt bereits kolossal souverän. Der 10. Sieg im 12. Spiel in der Oberliga wurde am Wochenende vor 263 Zuschauern in Pößneck eingefahren.“

Zur bevorstehenden Saison 2010/20111 im großen Stadion war Dein Statement:

,,Die Nagelprobe erfolgt sicherlich nächstes Jahr, wenn die Newcomer bei Aufstieg von der Markranstädter Spielstätte am Bad ins Zentralstradion umziehen und dann kontinuierlich in Leipzig spielen werden.“

Kunz: Diese Prognose war ja nun wirklich keine Kunst. Red Bull geht an solche Projekte professionell ran. Ohne wenn und aber: Red Bull und das Sportsponsoring hat Hand und Fuß sowie einen arteigenen Charme.  Wieso warst Du wegen der Personalie Magath verunsichert?

Hinz: Ich fragte mich: Gibt Magath einen Champions-League Verein ab und geht in die Niederungen der Viertklassigkeit. Klar, RB Leipzig sieht die unteren Ligen nur als jeweilige Zwischenetappe. Aufstiegstrainer Tino Vogel war ja entlassen worden und ein neuer Coach noch nicht vorgestellt.

Kunz: Dieter Mateschitz hat es doch im Sport Bild online Interview im September 2009 klar kommuniziert:

 Wir werden versuchen, sowohl die Mannschaft als auch den gesamten Trainerstab maßgeschneidert der jeweiligen Situation bzw. dem jeweiligen Ziel anzupassen, d.h. wir werden versuchen, die Mannschaft möglichst rasch aber nichtsdestotrotz gesund wachsend von der derzeit 5. Liga in die 2. Liga zu führen. Dafür muss man dreimal aufsteigen, wenn uns das in 4 oder 5 Jahren gelingt, wäre das ein guter Zeitplan. Der letzte Schritt in die Bundesliga kann derzeit noch nicht wirklich geplant oder auch absehbar sein, zu viele unterschiedliche Faktoren spielen dafür eine Rolle, aber unser Ziel wird es auf jeden Fall sein.

Es war klar das Tino Vogel nicht ewig Trainer bleibt. Dieter Mateschitz weiß wie wichtig kompetentes Personal bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele ist. Die Personalien Beiersdorfer und Kreische waren exzellente Entscheidungen. Dietmar Beiersdorfer hatte die Härte des Business in Hamburg erfahren und kam am Fels Bernd Hoffmann nicht vorbei. Seine ersten 100 Tage Amtszeit bei Red Bull begann er mit Schwung. Hans-Jürgen Kreische ist 1973 Fußballer des Jahres in der DDR gewesen. Er schoß damals Tore wie am Fließband für Dynamo Dresden. Kreische verletzte sich dann schwer beim WM Qualifikationsspiel gegen Rumänien im September 1973 im Leipziger Zentralstadion. Zur WM 74 war er rechtzeitig wieder auf den Beinen. Er ist ein intimer Kenner der ostdeutschen Fußballszene. Das passt schon. Was die Medienente mit Magath betrifft hatte auch rotebrauseblogger den richtigen Riecher. Er wirft auch einen Blick auf die Geschichte unter den Aspekten des Marketings:

,,Eine Win-win-Situation: Felix Magath macht seinem Arbeitgeber weiter Druck, was potenzielle Verpflichtungen bei Schalke angeht und Red Bull respektive RasenBallsport Leipzig kommt erstmals so richtig in die Schlagzeilen der bundesdeutschen Sportpresse und erreicht damit auch das gewünschte Zielpublikum außerhalb Leipzigs. Zusätzlich dürfte die Verkündung des neuen RasenBallsport-Trainers dadurch ein vielbeachteter Pressetermin werden, in dessen Anschluss die ganze Sportpresse noch einmal darüber berichten kann, dass doch nicht Felix Magath, sondern … (der immerhin schon …) Trainer wird.“

Erinne Dich doch an die Story mit Schalke, Tönnies und Kahn. Am Ende blieb doch auch irgendwie die Präsentation von Oliver Kahn hängen. Er empfahl sich damit für höhere Aufgaben. Blieb interessant.

Hinz: Nach diesen Ausführungen werde ich die Kaffee-Rechnung übernehmen. Ups, wir haben noch gar nicht bestellt. Da kommt der Ober mit Kaffee und zwei Glas Wasser und Apfelkuchen. Wieso? Oh lieber Kunz…hast Du?

Kunz: Ich hab ihm per Handzeichen vorhin die Bestellung signalisiert. Dies ist ja das schöne an einem Stammcafe. Das Wohlfühlen stellt sich einfach automatisch ein. Herr Ober, vielen Dank. 

Ein Verlängerter in Wien

© Rainer Sturm: Pixelio 

Hinz: Der Kaffee ist röstfrisch. Der gedeckte Apfelkuchen ist immer wieder köstlich. Insidesport schrieb letztens RB Leipzig – Ein Verein ohne Seele? und ich erinnere mich da immer ein wenig an die Diskussionen um Hoffenheim. Wie siehst Du die Dinge?

Kunz: Das mit der Seele ist immer eine gute Frage. Wieviel Seele steckt denn noch in 1860 München? Oder beim 1. FC Magdeburg? Oder bei Energie Cottbus? Ohne Seele kommt ein Verein über kurz oder lang in die Bredouille. Ein Stadion ohne treue stimmungsvolle Unterstützung der Fans ist öde, Merchandising braucht auch Sympathie. Ich hab da noch eine Zahl im Kopf. Im Jahr 2006 war St. Pauli drittklassig und belegte dennoch einen Top Ten Platz im Fanartikelverkauf im Vergleich aller Mannschaften der Bundesliga, der 2. Liga und der damaligen drittklassigen Regionalliga. Lass RB Leipzig erstmal in die 2. Bundesliga kommen. Dann wird jeder sehen, inwieweit die Seele mit dem sportlichen Erfolg und dem zahlreich vorhandenen Geld mitgewandert ist. Im allgemeinen gilt der Spruch: Erfolg ist sexy. Ich habe einen Berliner Kumpel mit zwei Söhnen. Die Söhne sind 12 und 10 Jahre alt. Der Kumpel ist seit ewiger Zeit treuer Hertha Fan. Seine beiden Söhne drücken Bayern München die Daumen. Als ich ihn einst fragte wieso dies denn so sei, antwortete er mir: Die Kinder wollen möglichst immer dem Sieger die Daumen drücken. So kauft er seinen Söhnen halt die Bayern Trikots und die Wimpel und all die kleinen und größeren gewünschten Fanartikel. Bayern hat da ja auch einen richtig dicken Katalog. Der Apfelkuchen ist heute wieder besonders frisch.

Hinz: Ich übernehm heute wieder die Rechnung. Lass es Dir bis zum nächsten Treffen gut gehen lieber Kunz. 

Hinz und Kunz über die ersten Tage der WM

Hinz: Hallo Kunz. Ich freu mich auf den Plausch mit Dir.

Kunz: Grüß Dich Hinz. Herr Ober, bitte zwei Kaffee und ein Glas Wasser. Danke.

Hinz: Was war gestern denn mit Katrin Müller-Hohenstein los? Ihr Spruch vom ,,inneren Reichsparteitag“ macht ja die große Runde?

Kunz: Leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Jetzt hat sie natürlich einen Imageschaden. Gib Katrin Müller-Hohenstein in den Google Sehschlitz ein und Du bekommst Lesestoff bis zum abwinken. Stefan Niggemeier hat es auf seinem Blog unter Ein innerer Reichsparteitag zusammengefasst. Mich selber stört eigentlich mehr die nicht vorhandene tiefe Sportkompetenz. Sie hat mich noch nie überzeugt. Als sportinteressierter Mensch erwarte ich da einfach mehr.

Hinz: Ich möchte aber noch einmal einhaken. Ich habe nämlich auch den Artikel vom Fußballmagazin 11Freunde gelesen. Dort heißt es:

,,Kurze Geschichtsstunde: Als Reichsparteitage wurden in den zwanziger und dreißiger Jahren die Zusammenkünfte der NSDAP bezeichnet. Heute dient die Redewendung allenfalls noch als Standardvokabular an der Thor-Steinar-Ladentheke oder in Kneipen mit Namen wie »Zum goldenen Adler« oder »Das eiserne Kreuz«. Was haben wir gelacht. Vielleicht sogar noch hinter den Kulissen von grenzdebilen Volksmusiksendungen. Mit inneren Magenschmerzen sei also die Frage erlaubt: Keine Lust mehr auf Südafrika, Frau Müller-Hohenstein?“

Kunz: Unser Kaffee kommt. Danke Herr Ober. Katrin Müller-Hohenstein hat da unbewußt eine Lawine losgetreten. Gefundenes Fressen für die Medien. Fast jeder hatte einen Zwischenruf. Manfred Bleskin schreibt in seinem Zwischenruf auf n-tv:

Um es vorweg zu schicken: Natürlich ist die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein keine Anhängerin der Nazis. Eine studierte Theaterwissenschaftlerin sollte aber wissen, dass es sich bei „Reichsparteitagen“ um Propagandainszenierungen handelte, welche die Deutschen und das Ausland auf Mord, Totschlag und Raubkrieg vorbereiten halfen.

Ich selber verwende oft die Redewendung – Das ist ein innerer Vorbeimarsch – und will damit Freude ausdrücken und hege in dem Augenblick keinerlei Gedanken an die unsägliche Zeit des Nationalsozialismus zwischen1933 und 1945.

Ich würde also die Empörung über die Halbzeitworte von Katrin Müller-Hohenstein nicht  1:1 teilen wollen. 

Ein Verlängerter in Wien

© Rainer Sturm: Pixelio 

Hinz: Authentische Entschuldigungsworte von KMH bei der nächsten Duo Plauderei mit Oliver Kahn wünsche ich mir trotzdem. Wollen wir auch noch ein wenig über Fußball sprechen?

Kunz:  Ja, bis jetzt sind wir noch nicht mal zum Anpfiff gekommen.

Hinz: Was sagst Du zu den ersten Partien?

Kunz: Viel Geplänkel. Kennen wir beide ja von vielen Turnieren. Kannst Du Dich noch an 1982 und die Vorrunde der Italiener erinnern?

Hinz: Ja. Italien gegen Polen 0:0. Gegen Peru 1:1 und gegen Kamerun 1:1. Sie qualifizierten sich ohne Sieg für die 2. Finalrunde.

Kunz: Richtig. Und dann sind sie förmlich explodiert. Nach den gestrigen Erfahrungen der ZDF Halbzeitworte sage ich jetzt lieber – sie haben sich erheblich gesteigert – und besiegen Argentinien 2:1 und Brasilien mit 3:2. Fabelhafter Paolo Rossi trifft dreimal.   Später werden sie Weltmeister. Das wäre nicht nötig gewesen. Nicht bei dem Finalgegner. Die WM fängt eigentlich erst richtig nach der Vorrunde an.

Hinz: Deutschland schlägt zahme und erschreckend schwache Australier. England hat weiter ein Torwartproblem. Messi kontaktet fast bei jedem argentinischen Angriff den Ball. Ghana schlägt Serbien. Slowenien gewinnt gegen Algerien. Südafrika und Mexico trennen sich Unentschieden. Hatten wir ja bei Eröffnungsspielen öfters. Frankreich enttäuscht gegen Uruguay beim torlosen Remis. Die Niederlande gewinnen gegen Dänemark 2:0. Dein erster Eindruck vom Turnier? 

Kunz: Das Turnier ist noch lang. Spannend werden die ersten Auftritte von Brasilien und Spanien. So richtig heiß wird es bei den K.o. Spielen werden. Bis dahin haben wir viel Zeit. Am Ende werden Argentinien, Brasilien und Spanien den Titel unter sich ausmachen.

Hinz: Gibt es denn von Dir ein paar Tipps im Netz für mich?

Kunz: Unbedingt öfters bei Kai Pahl auf allesaussersport vorbeischauen. Sein WM2010-Grundrauschen ist im deutschsprachigen Raum im Netz vielleicht das Beste was es momentan gibt. Seine Mischung zwischen Sportkompetenz und Entertainment ist einfach genial.

Hinz: Was empfiehlst Du noch?

Kunz: Im Stile eines rasenden Reporters ist Jens Weinreich in Südafrika vor Ort. Er berichtet über die Weltmeisterschaft und die Parallelwelt der FIFA. Er legt auch eine ambitionierte Zeitnorm für sich fest: 24/7 und das fünf Wochen am Stück. Respekt.

Hinz: Ich werde heute die Rechnung für den Kaffee übernehmen. Gibt es noch einen dritten Lesetipp. So eine Art Pressespiegel auf den Instant-Blick.

Kunz: Gemach, gemach. Eine Presseschau für den kritischen Fußballfreund gibt es bei indirekter-freistoss.  So, Hinz ich muss und will weiter. Danke für die Übernahme der Rechnung. Du agierst da in letzter Zeit offensiver. Ich wünsche Dir bis zum nächsten Mal eine gute Zeit.

Hinz und Kunz über den Sportmonat Mai

Noch einen Kaffee . . .

  © Hans Snoek: Pixelio

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat Mai.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in die Chronologie vom Mai einsteigen?

Kunz: Ja. Sonst laufen uns noch die Leser weg. Herr Ober, zwei Kaffee und den Kirschstreuselkuchen aus der Vitrine. Schaut gut aus. Danke.

Hinz: Der Mai war mit sportlichen Höhepunkten gespickt. Der Schach-WM Kampf von Sofia ging zu Ende, Bayern holt das Double, wir sahen das Duell der Superhirne, Dennis Endras und das deutsche Eishockeyteam werden respektabler Vierter bei der Heim-WM, die Probleme der DEL halten unvermindert an, Tschechien holt sich gegen den Erzrivalen Russland Gold bei der Eishockey-WM und am letzten Mai-Wochenende holt sich der THW Kiel die Champions-League im Handball und Ivan Basso glänzt wieder im Sattel beim Giro d’Italia.

Kunz: Da können wir ja fast aufhören mit dem Rückblick. Herr Ober, Danke. Der Kirschstreuselkuchen sieht verdammt verführerisch aus. 

Hinz: Mit dem Double von Bayern München hattest Du ja gerechnet.

Kunz: Meisterschaft schon, im Pokal bist Du auch immer etwas vom Losglück und der Tagesform abhängig. Diesmal wollten die Möchtegernpokalhelden aus Bremen halt kein echtes Endspiel spielen und kämpfen. Das war nix von Seiten der Schaaf Elf. Umgekehrt musst Du auch erstmal vier Tore gegen Kahn Verschnitt Wiese schießen. Respekt meine Herren.  Die Meisterschale wollte Magath ja auch gerne haben, doch Bayern unter Louis van Gaal hat eine phänomenale Entwicklung genommen. Es sei daran erinnert, das der Meistercoach ja ein „Erbe“ vom Vereinstrainer-Novizen Klinsmann  antrat. Altmeister Heynckes hatte die letzten 5 Spiele nach der Klinsmann-Entlassung gerade noch gerettet. Im Rückblick erkennt jeder die große Leistung von Louis van Gaal. Er hat jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser gemacht. Taten statt Worte.

Hinz: Im Duell der Superhirne musste er sich seinem einstigen Schüler beugen.

Kunz: Herr Ober, bitte noch zwei Espresso. Danke. Ja, Mourinho ist sensationell. Inter hatte er bereits im Halbfinale gegen Barcelona taktisch fein eingestellt. Im Finale war die Truppe, die Energie Cottbus nachahmte, die reifere und abgeklärtere Mannschaft.

Hinz: Hilf mir mit Cottbus auf die Sprünge.

Kunz: Ich glaube die Elf aus der Lausitz ist einst in der Bundesliga ohne deutschen Spieler in der Anfangsformation aufgelaufen. Inter Mailand lief in Madrid ohne Italiener auf.

Hinz: Herr Ober, Danke. Der Espresso tut jetzt auch nochmals gut. Wie hast Du die Eishockey-WM erlebt. Rekordzuschauerkulisse beim Spiel Deutschland – USA auf Schalke. Dennis Endras ist der Rückhalt im Tor. Krupp seine Truppe wird vierter und Tschechien gewinnt das Finale gegen den einstigen schier übermächtigen Gegner Russland.

Kunz: Die Schalke Kulisse ist was für das Geschichtsbuch. Phantastischer Auftakt der WM. Dennis Endras hat mich phasenweise an Wladislaw Tretjak erinnert. Den Mann mit den tausend Händen und der Vorliebe für tägliches siebenstündiges Training. Tschechien gewinnt gegen den Favoriten Russland. Altmeister Jaromir Jagr hat es als alter Wolf der jungen Meute nochmals gezeigt. Sein Markenzeichen ist die Rückennummer 68. Sie erinnert an den Aufstand des Prager Frühlings 1968 gegen die sowjetischen bewaffneten Besatzer. Beide Großväter von Jaromir Jagr kamen beim Aufstand ums Leben.

Hinz: (schweigt eine Minute).

Kunz: Seit zwei Jahren spielt Jaromir Jagr in der russischen KHL bei Avantgard Omsk. Er hat seinen Frieden gemacht.

Hinz: Nach der begeisternden Eishockey-WM gab es viel Zustimmung für das deutsche Team. Die Alltagsprobleme der DEL waren aber sofort wieder präsent.

Kunz: Die Problemkinder heißen Kassel Huskies, Frankfurter Lions und Zweitligameister EHC München.  Das Image der DEL braucht jetzt eigentlich einen Zauberer. Schade. Die Eindrücke von der WM verblassen ob der Alltagssorgen und die Stimmung wird deutlich getrübt.

Hinz: Mein lieber Kunz, wir sind immer noch nicht zu einer Schach Partie gekommen. Herr Ober haben sie für uns beim nächsten Besuch ein Schachbrett. Ja, prima. Ich freu mich auf unsere Partie. Was sagst Du zum Schach-WM Kampf Anand gegen Topalov?

Kunz: Es war das Schachmatch des Jahrzehnts. Erfreulich intensiver Kampf. Der bulgarische Löwe Topalov hat den indischen Tiger von Madras herausgefordert und ihm alles abverlangt. Verliert Topalov in der zwölften Partie nicht die Nerven geht das Match in den Tiebreak. Anand konnte den Thron verteidigen. Ich würde gerne ein Duell Viswanathan Anand gegen Magnus Carlsen sehen. Für mich hat Magnus Carlsen das größte Potenzial im Weltschach. Er ist jung, hat Ehrgeiz, ist nervenstark, selbstbewußt, spielt fast fehlerfrei und hat einen starken Mentor in Garri Kasparow. 

Hinz: Was sagst Du zu THW Kiel und Ivan Basso? Beide Namen hatten in der Vergangenheit negative Schlagzeilen.

Kunz: THW Kiel kann offensichtlich auch ohne Manager Schwenker die Champions-League im Handball holen. Großes Kino gegen die beiden spanischen Mannschaften BM Ciudad Real und Barcelona. Die Handballwoche titelt Kiel Krösus – und armer Schlucker. Nur 495 000 Euro bekommt der Champions-League Sieger incl. Prämien der Gruppenspiele. Augen auf bei der Wahl der Sportart. Schwenk zum Radsport. Du sprichst Ivan Basso seinen Sieg beim Giro d’Italia an. Ist er sauber? Nach der epischen Schlammschlacht auf den Straßen der Toskana waren alle Fahrer verschmutzt. Im Gesamtklassement sehe ich doch auf Platz 6 auch einen alten Bekannten. Alexander Winokurow vom Astana Team. Tief durchatmen. Hinz, ich übernehm die Rechnung.

Hinz und Kunz über Pechstein, Wettskandal, DFB und die Vielfalt im Internet

Hinz: Grüß Dich Kunz. Du bist ja in bester Stimmung. Da hast Du sicherlich ein offenes Ohr für meine Probleme.

Kunz: Selbstverständlich habe ich beste Laune. Ich freu mich auf das Duell der Superhirne Louis van Gaal und Jose Mourinho. Erinnert mich an Robert De Niro und Al Pacino in Heat. Hallo Kunz, jetzt hallt es erst richtig in meinen Ohren nach. Du hast Probleme?

Hinz: Ja, ich komme bei der Flut an Meldungen und Informationen im Sport gar nicht mehr richtig mit. Du kennst Dich doch recht gut mit dem Internet aus.

Kunz: Herr Ober, bitte zwei Espresso, zwei Glas Wasser dazu und zwei Stück von dem gedeckten Apfelkuchen aus der Vitrine. Danke. Hinz komm auf den Punkt.

Hinz: Wo informierst man sich am besten über den Wettskandal im Fußball zum Beispiel? Die vielen vereinzelten Meldungen über die Monate würde ich gerne als Gesamtpuzzle sehen.

Kunz: Ein fertiges Endbild wie bei einem 8.000 Teile Puzzle wirst Du da nicht bekommen. Es ist ein fließender Prozess. Ich schau da gerne bei Fred Kowasch auf sportspool.tv vorbei. Der Filmautor hat dort eine gute Chronologie der einzelnen Puzzleteile im Wettskandal.

Hinz: Okay, Danke. Wie schaut es mit Claudia Pechstein und ihrer unendlichen Geschichte aus?

Kunz: Hinz, Du hängst ja bissel hinterher. Also da ist Jens Weinreich eine gute Empfehlung. Unser Espresso und der Kuchen kommen. Danke. Bringen Sie uns noch bitte zwei Kaffee. Danke. Die Feierlichkeiten ob der Bayern Siege habe ich noch gar nicht richtig aus den Klamotten geschüttelt. Wo waren wir stehen geblieben? Ach so. Ja, beim Qualitätsjournalisten Jens Weinreich. Er hat die wohl in Deutschland ausführlichste Chronik der Personalie Claudia Pechstein.

Hinz: Der Kuchen schmeckt gut. Du veratmest ja den Espresso.

Kunz: Ich steh zu meinen menschlichen Schwächen. Jetzt ist der Kaffee dran. Ja, der Kuchen ist hier immer wieder eine sichere Bank. Hast Du noch mehr Probleme den Überblick zu behalten?

Ein Verlängerter in Wien

© Rainer Sturm: Pixelio 

Hinz: Ja, bei der Geschichte Amerell. Da gab es ja auch eine Flut an Meldungen und überraschenden Entwicklungen. Fehlt mir auch ein wenig der Kompass.

Kunz: Du klammerst Dich einfach zu sehr nur an die Papierzeitung. Lass es fließen. Mach eine Kombination Print und Online draus. Ich mag auch nicht am Sonntag beim Frühstück mit meiner Liebsten den Laptop auf dem Schoß haben. Es gibt jedoch zahlreiche Entwicklungen, da bist Du ohne Internet aufgeschmissen und weniger informiert und eben auch nicht upgedatet. Gutes Beispiel war ja jetzt die Schach WM. Ohne die Online Aktivität der Schachwelt wäre das Ding  erst in der gedruckten Ausgabe lange nach dem WM-Match nachzuvollziehen gewesen. Wir müssen auch mal wieder Schach spielen. Habe wieder Lust darauf bekommen.

Hinz: Ich bin jetzt bezüglich der Personalie Amerell und dem DFB auch nicht schlauer. Wir würden ja oft die Sizilianische Verteidigung spielen. Ich kenne Dich gar nicht anders in der Eröffnung wie 1.E4. Obwohl eine Spanische Partie ist auch nicht schlecht. Ich werde zwichen C5 und E5 schwanken. Ich entscheide mich jedoch sicherlich für den Sizilianer. 

Kunz: Gemach, Gemach. Also, das Thema ganz gut aufgewickelt hat der geradlinige Journalist Oliver Fritsch auf direkter-freistoss. Er ist über Wochen und Monate drangeblieben wie einst Wadenbeißer Berti Voigts im Finale 74 gegen Johan Cruyff. 

Hinz: Von Fritsch hattest Du mir einst erzählt. War das nicht der Hartplatzheld?

Kunz: Ja, und den indirekten-freistoss hat er auch initiiert, bevor er im vergangenen Jahr den Staffelstab an Trainer Baade weitergab.

Hinz: Mein lieber Kunz, jetzt läuft doch die Eishockey-WM. Was gibt es da für empfehlenswerte Online-Eisflächen?

Kunz: Heute willst Du die Versäumnisse der letzten Monate aber in einer Tour aufarbeiten. Ein Kumpel von mir hat eine Nachhilfeschule. Also, Lernschule für Schüler. Mit denen paukt er dann auch immer die Dinge im Zeitraffer durch, für die es normalerweise vorher genug Zeit gab. Das Eishockey-Blog ist engagiert und gut gemacht. Auch Check von hinten ist aktuell und immer einen schnellen Leseangriff wert.

Hinz: Heute würde ich die Rechnung übernehmen.

Kunz: Sehr gerne. Ich führe keine Statistik, jedoch gab es da wohl ein leichtes Übergewicht auf meiner Seite. 

Hinz und Kunz über den Sportmonat April

Noch einen Kaffee . . .

  © Hans Snoek: Pixelio

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat April.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in die Chronologie des Aprils einsteigen?

Kunz: Ja. Sonst laufen uns noch die Leser weg. Herr Ober, zwei Kaffee und den gedeckten Apfelkuchen aus der Vitrine. Schaut gut aus. Danke.

Hinz: Wie war der Start in den April?

Kunz: Bayrisches Hoch im Fußball.

Hinz: Magische Momente. Old Traffor verstummte. Damit hatte Bayern wieder ein Halbfinale in der Champions-League erreicht. Dies gelang zuletzt 2001 in der Königsklasse. Hattest Du dann den erlebten Spaziergang gegen Lyon erwartet?

Kunz: Nein, die Franzosen sind nicht zu unterschätzen. Doch im Rückspiel war es ein deutlicher Klassenunterschied. Der Abend von Ivica Olic. Die internationale Presse war voll des Lobes. Ich habe mir zwei Gläser Rioja gegönnt und auf die Mannschaft und den Architekten des Erfolgs, Louis van Gaal, angestoßen. Großartiger Moment.

Hinz: Im Finale treffen die Superhirne Louis van Gaal und José Mourinho aufeinander. Ach, unser Kaffee und der Kuchen kommen. Vielen Dank.

Kunz: Ja, phantastisch. Der rotebrauseblogger hat dies sehr schön vor dem Rückspiel von Inter Mailand in Barcelona formuliert:

,,Natürlich wünsche ich mir José Mourinho im Finale. Mourinho vs. van Gaal, da würden zwei aufeinander treffen, die sich in ihrer großartigen Mischung aus Genie und Wahnsinn sehr ähnlich sein dürften.“

Beide, van Gaal und Mourinho,  schwärmen ja voneinander. Der Inter-Coach hat ja 1997 bis 2000 in Barcelona als Dolmetscher und Assistent von Louis van Gaal, dem Holländer damals zugearbeitet. Mourinho hat offensichtlich Augen und Ohren weit aufgemacht und vom jetzigen Bayern Trainer eine Menge gelernt. Es wird spannend in Madrid. Ich bin begeistert.

Hinz: Das Millionenspiel der Schach-Titanen hat auch begonnen. Sofia erlebt den Schach-WM-Kampf Anand-Topalov. Der Weltmeister hatte ja eine abenteuerliche und strapaziöse Anreise. Der Schuldige war die isländische Vulkanasche.

Kunz: Anand war nicht der einzige mit einer irren Autoanfahrt. Fliegen ging ja in dem Zeitfenster nicht. Mich wundert, dass deutsche Taxiunternehmen offensichtlich nicht den Umsatz brauchen. Anand musste auf holländische Hilfe zurückgreifen. Mir braucht kein Taxiunternehmer mehr die Ohren volljammern. Chesstigers schrieb:

,,Nachdem am 17. April klar wurde, dass in ganz Deutschland kein Flug mehr abheben würden, blieb nur eine Alternative übrig: der Weg über die Straße. Ein Weg über 2000 Kilometer, wobei fünf Länder durchkreuzt werden mussten und der schnellste Weg über Serbien nicht möglich war. Und wo bekommt man ein geeignetes Fahrzeug nebst Fahrer her? Viele Taxiunternehmen im Rhein-Main Gebiet hatten entweder keine Fahrzeuge oder Fahrer mehr, andere Unternehmen weigerten sich schlicht, „mal eben“ nach Bulgarien zu fahren. Nach mehreren Stunden fand sich dennoch ein Taxiunternehmen in Amstelveen in den Niederlanden(!), welches bereit war, die Fahrt mit zwei Spitzenfahrern und einem geeigneten Transportmittel zu organisieren.“

Mein Dank geht hier auch an die flexiblen Nachbarn aus Holland. Zum Preisfonds beim Turnier. 2 Millionen Euro Preisgeld für die beiden Schachhelden ist bemerkenswert. Der Weltmeister erhält 1,2 Millionen Euro und der Vizeweltmeister 800000 Euro. Nach so einem Kampf sind für beide auch weitere verstärkte Vermarktungsmöglichlkeiten vorhanden.

Hinz: Das Match ist fulminant gestartet. Die ersten beiden Partien ohne Remis. Der Siegeswille ist auf beiden Seiten da. Wird es ein Schachmatch des Jahrzehnts?

Kunz: Frag mich dies bitte nach dem Kampf. 

Hinz: Ansonsten gab es auch viel Freude in Hannover. Der deutsche Eishockeymeister wurde gebührend gefeiert.

Kunz: Eine große Leistung. Vor der Saison hatte ich eher die Eisbären auf dem Zettel. Hannover hat vom Alpenvulkan Hans Zach profitiert. Der Meistercoach hat die Mannschaft optimal eingestellt und in Sachen Motivation macht ihm eh keiner was vor. Ich bin gespannt ob Zach noch ein neues Engagement antritt. Vor der Saison war ja der „Ruhestand“ beschlossene Sache. Dies kann ich mir bei Hans Zach nach dem Meistertitel fast nicht vorstellen. Nach der Heim-WM dürfte auch eine Stelle als Nationaltrainer zu haben sein. Wir werden sehen.

Hinz: Matthias Steiner holt bei der Gewichtheber EM Bronze und feiert sein Comeback. Fabian Hambüchen und die anderen deutschen Turner feiern einen Erfolg in Birmingham. Das erste Mannschaftsgold seit 1936.

Kunz: Für Steiner freut es mich sehr. Es war auch psychologisch wichtig. Hambüchen hatte noch ein wenig Peking Wiedergutmachung betrieben. Steiner und Hambüchen sind positive Typen. Die kommen gut rüber. So der Kuchen hat geschmeckt, der Kaffee war gut. Hinz ich übernehm die Rechnung.

Hinz und Kunz über den vorhergesagten Meister

Hinz: Guten Morgen Kunz. Die Bundesliga scheint entschieden.

Kunz: Guten Morgen Hinz. Das ist nicht wirklich eine Überraschung. Die Wolfsburger können die Schale schon mal auf die Reise schicken. Herr Ober, bitte zwei Espresso.

Hinz: Am 12. Januar habe ich Dich bei unserer Vorschau auf die Rückrunde der Bundesliga auch auf den Meisterschaftseinlauf hin gefragt. Bayern München war damals 51 Spieltage ohne den geliebten Tabellenplatz 1. Du hast im Januar mit voller Überzeugung gesagt:

,,Das Du immer wieder mit dem Statistikkram anfangen musst. Am Ende der Saison interessiert das keinen. Der Meister 2010 wird Bayern München sein. Louis van Gaal lässt sich das nicht nehmen. Trotz des Theaters um Ribery. Es ist ja der gefühlte 245. Abgang zu Real Madrid. Franck, es nervt. Andererseits haben die Münchner auch ihren Kader ausgedünnt. Nachbarschaftshilfe für den Club. Breno und Ottl werden sie in Franken bei Nichtabstieg ein kleines Denkmal bauen, Toni wird in Rom wieder glücklich. Das passt schon. Mit diesem Kader musst Du Meister werden. Ich lege mich hiermit fest. Die Schale geht an die Säbener Straße.“

Daraufhin habe ich zu Dir gesagt: ,,Da hat Felix Magath was dagegen. Er hat Schalke in der Winterpause weiter aufgerüstet. Die Region dürstet nach dem Titel.“

Daraufhin hast Du mich fast eingenordet. Deine offensive Antwort im Winter war:

,,Hinz, wenn es nach dem Durst nach der Meisterschale ginge, müsste Schalke Serienmeister sein. Natürlich haben sie 2001 und 2007 die Sache versemmelt. Unglaublich. Magath ist natürlich zur Zeit der beste deutsche Trainer in der Liga. Er wird nächstes Jahr in der Champions-League spielen. Zum Titel reicht es nicht.“

Kunz: Hinz unsere Espresso kommen. Danke. Ein herrlicher Tag.

Hinz: Du hast Dich damals auch eindeutig zum Herbstmeister Leverkusen geäußert.

,,Sie sicherten sich den “Titel” ja bei Winterskälte. Jupp Heynckes hat dort einen riesigen Job gemacht. Ich mag auch Rudi Völler. Sie werden nicht so weit abrutschen wie im vergangenen Jahr die Hoffenheimer. Die Punktausbeute der Hinrunde werden sie jedoch nicht erreichen.“

Mittlerweile haben Sie sich das Wort „Vizekusen“ schützen lassen.

Kunz: Geschenkt. Ist eigentlich eine alberne Aktion. Es fällt ja auf das die Werksmannschaften immer auch ein wenig mit der Suche nach ihrer Identität beschäftigt sind.

Hinz: Gab es jemals einen Moment wo Du an der Meisterschaft von Bayern gezweifelt hast?

Kunz: Nein. Ich habe immer ein sicheres Gefühl gehabt. Hinz ich übernehm die Rechnung.

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Hinz und Kunz über die Zigarrenpause von Maradona, das Traumlos Manchester United und Frankfurter Würstchen

Hinz und Kunz über Maradona und ein Testspiel

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Hinz und Kunz über den Sportmonat März

Noch einen Kaffee . . .

  © Hans Snoek: Pixelio

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat März.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in die Chronologie des Märzs einsteigen?

Kunz: Ja. Sonst laufen uns noch die Leser weg.

Hinz: Wie war der Start in den März?

Kunz: Wir beide haben ja vorzüglich gespeist. Das Spiel selbst konntest Du ja vergessen.

Hinz: Das war nix. Vorfreude auf die Fußball WM sieht anders aus. Löw hat aber auch Baustellen in einer inflationären Anzahl.

Kunz: Trotzdem darfst Du gegen Argentinien nicht so einen lustlosen Kick abliefern. Die Truppe von Diego Maradona ist ja nicht mit der 86er Mannschaft der Gauchos zu vergleichen. Die jetzige Elf hat sich mit Müh und Not durch die Südamerikagruppe gekämpft. Ich erinnere an die 1:6 Niederlage in Bolivien. Deutschland hat also nicht gegen eine überirdische Mannschaft in München verloren. Mir fehlt bei der Löw Mannschaft einfach auch das Feuer. Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch. Voriges Jahr in Düsseldorf die 0:1 Niederlage gegen Norwegen. Die Skandinavier waren irgendwo in der Region 60 der FIFA Weltrangliste. Nenn mir bitte 3 überzeugende Spiele in den letzten 12 Monaten? Lass es sein. Du wirst selbst bei guten Willen nicht drei Finger nach oben bewegen können.

Hinz: Bist Du nicht etwas zu streng?

Kunz: Hinz, was soll denn die Frage? Kämpfen, Laufbereitschaft, Zweikämpfe suchen und annehmen sind handwerkliche Basistugenden. Da muss ich nicht drüber diskutieren. Darauf aufsetzend  könnten sich spielerische Momente entwickeln. Löw war ja bereits an seinem Ziel Europameister vorbeigeschrammt. Dafür gab es dann jene eigenartige „Siegesfeier“ am Brandenburger Tor. Herr Ober, zwei Kaffee bitte und zwei gedeckte Schweizer Apfelkuchen. Danke.

Hinz: Der Sportfunktionär Zwanziger hat einen Abstimmungserfolg zu verzeichnen gehabt. 47:0 war das Ergebnis. Er bleibt im Amt.

Kunz: Klingt nach Harmonie oder einem Ergebnis beim Damen-Eishockey. Da fällt mir doch glatt das Torverhälnis der Kanadischen Frauen bei den Olympischen Spielen ein. 43:2 . Die gewinnen schon mal ihre Spiele wie beim Auftakt in Vancouver gegen die Slowakei mit 18:0.

Hinz: Stichwort Eishockey. Deutschland richtet dieses Jahr die Eishockey WM aus. Es gab die bemerkenswerte Aktion Spieltag58.

Kunz: Ja, die Initiatoren Robert Schäfer, Dominik Kaiser, Stefan Schäfer und Chantalle Alberstadt sind Eishockeyfans mit Herzblut. Im Interview mit der Stadionwelt oder mit sportinsider legten sie die Beweggründe ausführlich dar. Quo vadis Deutsches Eishockey?

spieltag58.de - Adler Mannheim

Foto: Aktion Spieltag58

Hinz: Die monetären Schwierigkeiten in Kassel, Krefeld oder Köln sind nicht zu übersehen gewesen. Bei den angelaufenen Playoffs gab es dann auch noch eine Marketingpanne bei den Wölfen.

Kunz: Manchmal passt alles zusammen. Die Wolfsburger Autopanne. Meine Lieblingsworte sprach VW-Marketing-Chef Stefan Moser: ,,Die Manöver waren genauso abgesprochen. Vielleicht war ja das Eis dieses Mal weicher als sonst.“   Ich hab ja den Laptop bei. Ich glaube auf dem Eishockey Blog war auch ein Sky Video zu sehen. Hier hab ichs. Hinz, ich spiel es für Dich nochmals ab.

Hinz: Ohne Worte. Dann können die weiteren Playoffs ja ohne Pannen über die Bühne gehen. Ich freu mich übrigens trotzdem auch auf die Eishockey WM. Der Countdown läuft.

Kunz: Bundestrainer Uwe Krupp sagte einst: ,,Schulterklopfen ist nur 50 Zentimeter von einem Tritt in den Hintern entfernt, du bist immer nur so gut wie dein letztes Turnier.“ Nach Vancouver war der Kreis der Schulterklopfer sicherlich überschaubar. Interessant in dem Zusammenhang ist auch nochmals ein Blick auf die Interviews von Uwe Krupp und Torwart Thomas Greiss vor den Olympischen Spielen.  

Hinz: Themawechsel. Die Rückkehr des Königs verlief nicht wie geplant.

Kunz: Michael Schumacher war sicher selbst enttäuscht über den Auftakt. Es ist aber kein Grund jetzt den Klug-Scheißer Modus einzuschalten. Jedes Comeback birgt Risiken. Lance Armstrong hat im vergangenen Jahr auch nicht die Tour gewonnen. Ali holte sich gesundheitliche Blessuren. Maske sein Kampf war mehr Entertainment und persönliche Genugtuung. Lass uns einfach nach Ende der Saison nochmals über Schumacher sein Comeback sprechen. Mercedes wird trotzdem das eine oder andere Auto verkaufen. Herr Ober, Danke. Der gedeckte Apfelkuchen sieht ja wieder unwiderstehlich frisch aus. Hinz lass es Dir schmecken.

Hinz: Die 81. Deutsche Schachmeisterschaft sah Niclas Huschenbeth vorn.

Kunz: Verdient. Er ist ein hoffnungsvolles Talent. Neue Gesichter werden dem Deutschen Schach gut tun. Einen Magnus Carlsen haben auch andere Länder nicht so ohne weiteres zu bieten. Huschenbeth legte einen bemerkenswerten Endspurt bei der Meisterschaft hin. In den letzten 6 Spielen holte er starke 5,5 Punkte. Der eigentliche Favorit Igor Khenkin trug jedoch auch seinen Teil dazu bei. Er remisierte die letzten 5 Partien durch und bekam dafür die Quittung.

Hinz: Der Kuchen ist köstlich. Der Kaffee ist hier auch so aromatisch. Die Plaudereien mit Dir machen mir immer sehr viel Spaß.

Kunz: Hinz, Du brauchst Dich nicht einschleimen. Ich übernehme ja die Rechnung.

Hinz und Kunz über die Zigarrenpause von Maradona, das Traumlos Manchester United und Frankfurter Würste sowie Sekundenzählerei

Hinz: Hallo Kunz. Du schaust heute ja so zerknirscht aus. Schau Dir Maradona an. Der geht relaxt durch das Leben.

Kunz: Hallo Hinz. Du spielst auf seine Zigarrenpause an.

Hinz: Ja, Diego stärkt seine Lunge. Argentiniens Coach war vorige Woche in England, um seine Nationalspieler zu beobachten. Am Donnerstag war der Weltmeister von 1986 in Liverpool, am Freitag in Manchester. Das Genie machte vor dem Hotel eine Zigarrenpause mit seiner Freundin Veronica Ojeda. Ich mußte an unseren spektakulären Abend denken. Einer der bisherigen Höhepunkte 2010. 

Kunz: Mir hat der Abend und unsere Plauderei auch sehr gefallen. Mir mundet der Geschmack der Zigarre immer noch auf der Zunge. Herr Ober, bitte zwei Espresso und dazu je einen gedeckten Apfelkuchen.

Hinz: Was sagt Du zum Los Manchester für Bayern?

Kunz: Ein Traumlos. Besser hätte es nicht kommen können. Auf den ersten Blick. Reicht es zu einem Husarenritt wie 2001? Es sind ja eigentlich nur noch 4 Spiele bis zum Endspiel in Madrid? Machbar!? Für dieses Jahr hatte ich Bayern zu 100% auf dem Meisterzettel. Zu 90% auf dem DFB-Pokalsieger Zettel. Auf dem Championsleague-Sieg Zettel hatte ich die Mannschaft noch nicht. Viertelfinale stand drauf. Jetzt ist es passiert. Scheint ja (siehe Real Madrid) durchaus keine Selbstverständlichkeit zu sein. Zweiter Blick auf die Auslosung. Wie ist das mit dem Losglück? Ich finde, es wird genommen was kommt. Dann in 2×90 Minuten Momentum entwickeln und sehen ob es reicht. Halbfinale wär einfach auch aus psychologischer Sicht mal wieder gut. Die Chancen stehen in etwa 40:60. Manchester muss die 60 jedoch auch erstmal durchbringen. So Hinz unser frischer Apfelkuchen kommt. Herr Ober, danke.

Hinz: Lieber Kunz, bei unserer Plauderei über den Sportmonat November hast Du zur Bayern Niederlage gegen Bourdeaux in der Champions-League folgendes gesagt:

,,Ich trinke die nächsten Monate keinen Bourdeaux mehr. Die Heimniederlage gegen die Franzosen schmerzt immer noch. So darf sich Bayern München zu Hause einfach nicht präsentieren. Ich bin immer noch verärgert. Natürlich kommt das auch beim Pferderennen häufiger vor: Form schlägt Klasse. Doch ich erwarte von Bayern einfach mehr.“

Nach der Punktspielniederlage gegen Eintracht Frankfurt kommen jetzt wohl die Frankfurter Würste auf die Embargoliste?

Kunz: Richtig Hinz. Dazu werde ich ab sofort keinen Frankfurter Kranz in den nächsten Monaten essen. Ich habe auch heute bereits eine Bankverbindung mit einer Kommerzbank in der Bankenmetropole gekündigt. Soviel Konsequenz muss sein.

Hinz: Verdient war der Sieg jedoch schon.

Kunz: Natürlich war mit angezogener Handbremse gespielt worden. Nach dem schnellen Tor von Klose wollte die Elf das Ding über die Zeit bringen. Ging reichlich schief. Für die Medien natürlich mit dem Bezug zur Auslosung Manchester und der Erinnerung an Barcelona 99 ein gefundenes Fressen. Ich hab von Sekundenzählerei gehört. 104 Sekunden. Mein Gott. Bayern hat so oft bereits Gegnern in den letzten Minuten einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gerissen. Denke an Atletico Madrid 1974. Die haben sich doch in der Verlängerung mit der 1:0 Führung auch bereits wie der Sieger im Europapokal der Landesmeister gefühlt. Luis Aragonés (coachte Spanien 2008 zum EM Titel) schoß in der 114. Minute das 1:0. Die Zeit verging. 115. Minute. 116. Minute. 117. Minute. Es stand immer noch 1:0 für Atletico Madrid. 118. Minute. Das Ergebnis schien in Marmor gemeißelt zu sein. 119. Minute. Immer noch liegt Bayern München hinten. Die 120. Minute beginnt im Brüsseler Heysel-Stadion. Und dann kam dass hier:

Zwei Tage später im Wiederholungsspiel siegte Bayern 4:0.

Hinz: Hast Du auf dem Laptop auch noch die Tore?

Kunz: Im Fundus von youtube finden sich selbstverständlich alle 4 Tore. Uli Hoeneß und  Gerd Müller sowie die komplette Mannschaft waren richtig gut drauf. Uli war damals ja pfeilschnell. Gerd traf mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks.

Hier noch die besonders schönen Tore 3 und 4. Beim 3:0 gelingt Gerd Müller eine ganz feine schusstechnische Leistung. Das 4:0 zeigt wieder die Schnelligkeit von Uli Hoeneß und seinen Durchsetzungswillen.

Hinz: Damit hast Du den Ärger über die Niederlage in Frankfurt ganz gut verarbeitet.

Kunz: Ich bin mental gut drauf, Leverkusen und Schalke haben ja später ebenfalls gepatzt.

Hinz: Lieber Kunz, heute möchte ich gerne die Rechnung übernehmen.